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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-09-01 · 11 (1.9.1933) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
11 (1.9.1933)
Date
1933-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Behifsumschichtung — — Seelenumschichtung ' Vidi 11 c i n rj c h-K uh ii, Charlottenburg. Ohne uns jede Einzelheit des nachfolgenden Aui- . satzes zu eigen zu machen. Klauben wir doch, dall , . die hier gemachten Vorschläge neuartig und wiclitig'genug sind, um von der Allgemeinheit und von den in Betracht kommenden jüdischen Stellen beachtet zu werden. - - S c h r i i 11 c i t u n g. Die ßcrufsumschiclitung der deutschen Juden.' das muß einmal-deutlich .ausgesprochen W'erden. ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, wenn auch das ökonomische Momentfür die meisten Betroffenen im Vordergründe stellt _l)as darf uns aber nicht .hindern, den tieferen Oründen und Wesenszügeu dieser jüdischen Gegenwartsnot nachzuspüien. Wie der wahre Arzt nicht lediglich die Symptome sondern vielmehr die Ursachen einer Krankheit zu. beseitigen sucht, so muß auch das Beruisproblein der deutschen Juden an seiner kausalen Wurzel gefaßt und von dort her gelöst werden; denn cs handelt sich hier um ein zentrales seelfsches Problem, nicht nur um wirtschaftliche sondern um psychische Nöte der deutschen Juden. , Sie sehen, sich plötzlich abseits gestellt aus der Lebens¬ und Kulturgemeinschaft ihres Vaterlandes, abgegrenzt gegen eine Kultur, an der sie mit ihren . besten Kräften seit Jahrhunderten mitgearbeitet haben. Und wäre es nur dieses, so ■könnte man sich trösten mit dem Vorsatz, neu aufzubauen und mit redlichsten und edelsten Kräften die zerrissenen Fäden wieder anzuknüpfen. Aber es ist noch eine andere Saite in der. jüdischen Seele gesprungen, die weniger leicllt-zu heilen ist. Das religiöse Ideal, für das die jüdische Glaubensgemeinschaft Künder und Sendbote zu allen Zeiten und in allen Ländern war. hat sich praktisch an ihr selbst als nicht verwirklicht erwiesen. Selbst das Gesetz in sich zu tragen und zu künden: „Wie der [eingeborene unter Euch sei Euch der Fremdling', der bei Euch weilt, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst" (3. Mos. XIX. 34 und an vielen anderen Stellen), dieses Gebot gelehrt und keinen Anteil an ihm zu haben, ist eine einzigartige Menschheitstragödie, die — mehr oder minder tief und bewußt — die Psyche jedes einzelnen deutschen Juden heute erschüttert. Diese Feststellung sei niemandem zu Leide! Sie dient nur vielmehr dazu, den bewegten seelischen Untergrund darzustellen, auf dem ein so gewaltiges und.alle seelischen Kräfte beanspruchendes Werk, wie es die Berufsumschichtung ist, „aufgrftaut werden soll. Wenn in diesen Wochen zahlreiche deutsche Juden, alte und junge, aus ihrer Lebensbahn geworfen! neue-Berufe und Existenzmöglichkeiten suchen, so kann es nicht gleichgültig sein, ob dieser wesentlichste Akt itit Leben eines Menschen, die Berufswahl, d. h.‘ die Arbeitsberufung, gedrängt und aus seelischer Not heraus oder aus freier innerer Selbstbestimmung erfolgt. Im ersten Falle ist ein Ausweichen nach der Seite des geringeren Drucks, ein ökonomischer- Notbehelf, und trägt einen negativen Charakter Unterricht Berufsausbildung ais-wissenschaftliche Kosmetikerin bei Arzt-Ehepaar'gezen Lehrgeld. Nach kurzer Lehrzeit selbst. Existenzmög« lichkeit im Ir- und Ausland. Frau L» Brotzen, Berlin W, Bayerischer Platz 6. ENGLAENDER UNTERRICHTEN UEBERSETZEN John Bradlcy, Bayreuther Straße 18. - Barbarossa 1438. Sdbneiderkursus .am Vormittag- und Abendkursus beteiligen. Bergmann 4211,8-9,2-3. Beruf für auswandernde Frauen Frau Gertnxde Arnold, Charlottenborr, Roseberstrmfie 7 Telefon: J 6 Bldblreu V730, 8-9. 3-5 , Aua?cb-Idet chirurgische Uoivcraitits-Klinik, Berlin Private Waldschule Lessler Grunewald Hagenstraße56 Bestehend seit 1912 _ '4 Grundschulklassen, Lyzealklassen VI-I, Tagesheim Außerd. ergänzende wahlfr. Nachmiltagskurse in Sprachen, Handelsfäch., Schneidern. Sprechst. 11-1 an sich; im anderen Falle handelt es sich um aktive Selbst-, entwicklung und damit zugleich um jenes schöpferische Eigenerleben in der Berufsarbeit, das die Voraussetzung jedes Erfolges ist Aus dieser Erkenntnis erwachsen drei große prinzipielle Aufgaben für die Berufsumschichtung, ohne deren Üösung sie nur Stückwerk, behelfsmäßiger Ersatz bleiben wird, der die psychische Not der Betroffenen nicht löst innerlich nicht befriedigt und zu neuen Katastrophen führen muß. Die drei Aufgaben sind; 1. Festigung der kollektivpsychischen Situation (Seelenführung); ' . 2. Individuelle Berufsumschichtung auf Grund der Eignungs¬ und Anlagenanalyse; 3. generelle psychologische Arbeitserziehung. Die Festigung der kollektivpsychischen' Situation, also die eigentliche Seelenführung, hat das Ziel, zu einer allgemeinen Wiederberuhigung zu führen. Sie ist Aufgabe der Seelsorger und Gemeindetührer und braucht daher an dieser Stelle nicht besprochen’ zu werden. Es sei aber erlaubt, darauf hinzuweisen. daß sie sich auch individuell an die einzelnen ihrer bedürfenden Genieindemitglieder wenden muß und daher weder hüromäßig noch schematisch zu bewältigen ist. Auch der Arzt wird hier so manches Arbeitsfeld finden; denn die.Folgen des Zusammenbruches haben in nicht wenigen Fällen die Grenzen verwischt, die zwischen sozial-seelsorgerischer und psychoterapeutischer Hilfe in normalen Zeiten gezogen sind. Daß diese Arbeit dringend notwendig ist gerade für die Berufsumschichtung. brauche iclt nicht erst zu beweisen. Das Umstellen in neue Erwerbsverhältnisse setzt eine unbehindert gesunde und aktionsfähige Psyche voraus. Für die Berufsumschichtung selbst erhebe iclt die Forderung, daß sie individuell sein . muß. Unter individuell verstehe ich die ausschlaggebende Berücksichtigung der subjektiven Faktoren (Anlage, Eignung). Erst danach sind die objektiven Faktoren (Verdienstmöglichkeit, Ausbildungskosten usw.) zu berücksichtigen. Selbst der objektive Faktor des Arbeitsmärktes darf nicht überschätzt werden: denn er ist überall gleich ungünstig, und Juden sind in fast jedem Beruf unerwünscht. Aber grundsätzlich erwünscht ist in jedem Berui qualifizierte Höchstleistung, und ein altes arbeitspsychologisches Gesetz lautet: Anlage erzeugt bessere Leistung als Fleiß und guter Wille. Anlage’ und Eignung sind .also unerläßliche Vorbedingung zur Höchstleistung.' Für die Rentabilität eines Arbeitsprozesses wird aber immer diese Leistung und nicht die Konfession des Arbeiters Bedeutung haben. Aus diesem Grunde ist für die deutschen Juden die arbeitspsychologische (psychotechnische) Eignungsanalyse unentbehrlich. Nur so wird der absolut geeignetste Berufsanwärter ausgewählt, den wir dem deutschen Wirtschaftsleben schuldig sind. Das ist augenblicklich unsere vornehmste vaterländische Pflicht! Und zugleich ein Gebot der Verantwortlichkeit! Denn ohne entsprechende vollwertige Eignung1" wird der neue Beruf für den, der ihn ergreift, eine Enttäuschung, die besonders in vorgerücktem Alter zur letzten Lebenstragödie werden kann. Jeder Beruf stellt an bestimmte psychische und physische Anlagen Forderungen, von deren Erfüllung seine Ausübung abhängt und deren Fehlen das Ergreifen des betreffenden Berufes ausscliließt. Ein Chauffeur darf z. B. nicht farbenblind oder nervös sein; er muß ferner umsichtig sein und seine Aufmerksamkeit mit gleicher Intensität auf mehrere Vorgänge und Tätigkeiten im gleichen Zeitraum richten können, auf Reize sehr kurze Reaktionen ausführen usw. Sind diese Qualitäten nicht in der Anlage schon vorhanden, so wird selbst größter Eifer und Fleiß sie nie erzeugen können; denn üben und: ausbilden lassen sich nur vorhandene Fähigkeiten. Das aber dürfte auch der Grund sein, daß die unter den deutschen Juden schon seit vielen Jahren propagierte Berufsuuischichtung keinen Erfolg hatte und erst dieses heftigen Anstoßes bedurfte, um grundsätzlich und generell in Angriff genommen zu werden. Bei den nunmehr zu ergreifenden Berufen spielen völlig andere seelische Funktionen eine Rolle als in den geistigen Berufen. Die zahlreichen psychotechnisqhen Prüfungen, die ich in den letzten Monaten an jüdischen Bewerbern vorgenommett habe, haben mir manch einen inferessanten und lehrreichen Einblick in diese Verhältnisse gewährt. Vielerlei erforderliche Arbeitsfunktionen habe ich wohl anlagemäßig als vorhanden, aber auch als völlig uuausgebildet feststellen können. Bedenkt matt nun, daß die Ausbildung für den neuen Beruf eine beschleunigte und wegen des Alters der Anwärter gegenüber einer normalen Lehrzeit eine abgekürzte sein muß. um schnell wieder erwerbsfähig zu sein, so ergibt Gesellschaftsreise nach Palästina mit dem 33000 t großen Dampfer .Roma' .11. September ab Neapel 15. September an Haifa mit Besuch von Rom und Athen. Reisen nach Amerika Besorgung von Visen efc. Alle Karlen zu Originalpreisen. Beratung kostenlos. Reisebüro Atlantic Expreß (Palästina und Orient Lloyd) Friedrichstrafie 121 (Oranienburger Tor) Telefon: D 1 Norden 2455 u. 245« Frankfurt a. M.: Kaisersfra^e 46 Hamburg: Ham- ~burgisches Reisebüro ■ Leipzig: Reisebüro Astoria Internationales Speditionsbüro BroKerhoff & Lipschütz G. m. R. H. BERLIN C 2 * Frommelstraije la ' (Hinter der Garnisonkirche)' Telefon: D 2 Weidendamm 0622 Transporte aller Art Abteilung: P £k 1 £Ü. $ 1 iII.cl. Transporte Unentgeltliche Frachtu: Zollauskünfte * Umzugsberafung sich daraus ganz von allein die'Forderung nach einer psycltotechnisch fundierten Arbeitserziehung. Es handelt sich hier um . psychopädagogische Methoden zur* Ausbildung der in der Eignungsprüfung als nicht ausreichend erkannten Funktionen. Nach meinem statistisch bisher festgelegten Material sind dies hauptsächlich die Sinnesfunktionen, die Fähigkeit zeitkürzester Reaktionen, konkret anschauliche Denkakte, Motilität und Manualität usw. Derartige Kurse, die in den letzten Jahren übrigens in vielen Ländern, auch in Deutschland, unter dem Namen „Erfolgspsychologie“ eingeführt wurden, können unter fachkundiger psychologischer Leitung die vorhandenen Mängel in mehr oder minder kurzer Zeit ausgleichen. Sie bilden die Voraussetzung und Vorschule für die abgekürzte Umschichtungslehrzeit und erleichtern diese erheblich. Jch habe bei meinen Prüfungen, sofern dieselben anfangs völlig resultatlos und damit entmutigend für den -Prüfling ausfielen, wiederholt und mit Erfolg derartige Uebungen vorgeschaltet und konnte danach eine Leistungssteigerung und zugleich Ermutigung der Versuchspersonen feststellen. Hierfür entsprechende Einrichtungen und Kurse zu schaffen, die übrigens kejne erheblichen Mittel erfordern, ist wesentlichste Aufgabe der Gemeinden. Es geht um -nicht mehr und nicht weniger, als von der seelischen Seite her einen neuen Typus des handarbeitenden deutschen Juden zu schaffen! Wird dieses schwierige Problem so prinzipiell und zentral angefaßt, so wird es Erfolg haben. Es wird die deutschen Juden zu natürlichen, zeitgemäßen und individuell angepaßten Berufen führen und unserem Vaterlande qualifizierte jüdische Handarbeiter schaffen, denen jeder Arbeitskollege in Wertschätzung und Kameradschaft die Hand reichen wird. Rabbinische Anekdote. Ein reicher Kaufmann, der großen Stolz darein setzte, .sich in der Oeffentlichkeit mit einer Anzahl Juwelen auf jedem ■ Teil seines Gewandes zu zeigen, wurde einst von. einem Weisen angeredet, der ihm durch mehrere Straßen-gefolgt war und ihm, sich bis zum Erdboden verneigend, für sefne Juwelen dankte. „Was will der Mann damit sagen?“ rief der Kaufmann, „Freund, ich gab dir nie „ irgendwelche meiner Juwelen!“ — „Nein“, erwiderte der andere, „aber du hast mich sie betrachten lassen, und das ist der ganze Gebrauch, den du selbst davon machen kannst: also ist kein Unterschied zwischen uns, außer daß du die Mühe hast, sie zu bewachen, und das ist eine Beschäftigung, die ich-nicht liebe.“ Paul ine Leudesdorf. Die Weltausstellung in Chicago ist eröffnet Im Anschluss an die Abfahrten der Schnelldampfer der WHITE STAR LINIE „MAJESTIC“ (s««2iT.) 7. Sept. „O LYM PIC“ (4«439 t.) 20. Sept. „MAJESTIC“ (5««2iT.) 27. 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