Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 11 (1.9.1933)
- Date
- 1933-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina-Politik erkennen und beschäftigte sich fast ausschlielllich mit dem schon erwähnten French-Bericht. Sehr aufschlußreich waren seine Mitteilungen über die politische Situation der Juden in Palästina. Er befaßte sich mit der Fräse des -Legislative Council, die auf Grund der von der Regierung im November und ini Juni in Gern' gemachten Erklärungen Grund zu dauernder Besorgnis biete. Die Juden fürchten, erklärte er, im Falle einer solchen Verfassungsänderung des Landes einer Majorität aiisgciieiert zu werden. Nach Palästina aber gingen die Juden nicht, um wieder in derselben Lage zu sein wie in anderen Ländern, in denen andere über ihr Schicksal entscheiden -und in denen jüdische Arbeit, jüdische Energie und indischer Geist nur' so lange willkommen sind, bis man ihrer nicht mehr bedürfe. Uie Frage einer'Verfassungsänderung in Palästina erwecke Besorgnis, weil durch sie die Juden als Minderheit.gestempelt werden könnten, weil durch sie den Juden die Steilung einer Minderheit in dem Lande zugewiesen werden könnte, in dent die Frage, ob die Juden eine'Minderlieit oder eine Mehrheit bilden, nicht gestellt werden dürfte. Palästina solle das Land der jüdischen Nation sein, in der dieser der Status einer Nation mit aßen jenen nationalen Freiheiten gegeben werden müsse, ohne die das Leben einer Nation zwecklos sei. . Im Anschluß an diese Dinge ging der Redner sodann auf die Araberfrage ein und schloß gleich Sokolow mit der Bemerkung, Palästina sei die einzige Voraussetzung für die künftige Existenz der Judenheit. Diese von Brodetzky gegebene Schilderung der antizionistiScheii Politik Englands und der politischen Situation in Palästina erfuhr eine wirksame Ergänzung und weitere Beleuchtung durch die folgenden .„10 Forderungen" der Revisionisten unter Jabotinsky: 1. Errichtung des Judenstaates in Palästina. 2. Oefinung Transjojrdaniens für jüdische Niederlassung. 3. Widerstand gegen die vqm Kolonialamt angekündigte 2!^-Millionen-Pfund-Aiileihe, L Widerstand gegen den French-Bericlit, 5. Widerstand gegen den geplanten Legislative Council. 6. Opposition gegenüber dem gegenwärtigen System der Zuteilung von Einwänderungszcrtiiikaten| und der Regelung der Palästinaeinwanderung im allgemeinen, -7. Sicherung von Leben und Eigentum in Palästina. 8; Liquidierung der Jewish Agency. 9t Liquidierung des Klassenkampfes in* Palästina .durch Einsetzung öffentlicher Schiedsgerichte für Arbeiter und Angestellte, 10. Erweiterung der Zionistischen Organisation durch Umwandlung des Zionistenkongresses in einen jüdischen Natiönalkongreß. zu dem nicht nur die Schekelzahler, sondern alle Juden, die Palästina als Nationalheim anerkennen. Stimmrecht besitzen sollen. j Besonders vielsagend; scheinen von diesen Punkten der zweite, aus dem die territoriale-Unzulänglichkeit des jetzigen den Zionisten zur Verfügung stehenden Siedlungsgebietes hervorgeht, und der fünfte, der gegenüber der von England geplanten ■ Verfassungsreform von dem gleichen Pessimismus zeugt wie die Ausführungen Brodetzkys. Was Punkt 8 anbelangt, so haben sich auch in der Exekutive Widerstände gegen die jetzige Zusammensetzung der Jewish Agency geltend gemacht; man will 1 diese zwar nicht, wie Jabotinsky, auflösen, doch sollen in Zukunft in ihr die Nichtzionisten nicht mehr die Hälfte, sondern Inur ein Drittel der Sitze innehaben. c Gere Lutz 1 , Niederschönhausen Kaiser-Withelm-Str. 5 :_ A a Jacobsohn Rosenstrauch r e r1o bt e ZoDpOt Wilhelms!:. 11 im August ___J SUumÜeM-aTlacftachtett^ (Aufnahmen 60. Geburtstag: n diese Rubrik kostenlos.). Meiningen: ‘ Ferdinand Schlesinger. Töpfemarktstraße 6. 2. 9. 1933. Silbeme Hodizeit: Horsf-Emscher 1. West!.: Hugo Goldschniidt und Frau Berta; geh. Humburgj 2. 9. 1933. ' Goldene Hodizeit: j Eschwegc/Werra: Michael Katzenstein und Frau Fanny, geb. Kahn. 2. 9. 1933. Glogau 1. Schl.: Kantor S. Kober und Frau Therese, geb. -Moschköwitz. 3. 9. 1933. Augenarzt Dr. Werner Bab | . Olivaer Platz 4, zurück Internationale RechtsanoaltsRanzlel Vertretung der Interessen deutscher Exporteure einschl. “ N Inkassä und Auskünfte Dr. J. Goldberg und Notar ln Pinnen) Paris, Boulevard des Italiens 5-11 Am zweiten Tage folgte ein großes Referat über die Lage der Juden in den Ländern der „Zefttreuung“. Es war auffallend. daß Dr. Chajim W e i z m a n n, der ursprünglich dieses Reierat erstatten sollte, sich nicht auf die Rednerliste hatte setzen lassen. Wie nachträglich bekannt wird, ist Dr. Weidmann von Prag abgereist, ohne.überhaupt aui dem Kongreß erschienen zu sein, so daß als Referent Naiium Sokolow für ihn einsprang. Er schilderte die Lage in Polen. Rumänien, die Verfolgung des Zionismus und der hebräischen Sprache in Rußland, und er. kam diesmal auch auf Deutschland zu sprechen. Nach der Feststellung, daß die Zionisten es nicht als ihre Auigabe ansehen, die innere Entwicklung des deutschen Volkes, das durch den Krieg und seine Folgen schwer gelitten habe, zu beeinflussen oder zu kritisieren zu versuchen, skizzierte Sokolow die Auswirkung der auf dem Rassengrundsatz aufgebauten neuen deutschen Gesetzgebung aui die jüdische Bevölkerung in Deutschland. Sokolow wandte sich entschieden gegen die. Legende, die deutschen Juden seien Feinde des deutschen Staates. Alle berufenen Vertreter der jüdischen Bevölkerung Deutschlands hätten diese Behauptung mit Entrüstung zurückgewiesen. Diesem Teil seiner Rede wird jeder nichtzionistische Jude freudig zustimmen. Widersprechen muß man freilich den zionistischen Theorien, die Sokolow nunmehr folgen ließ. Er wandte sicli wie schon am Vortage gegen die „Assimilation“ und erklärte, der Zionismus wolle nicht „die Welt in einem kosmopolitischen Urbrei verwandeln“. Demgegenüber muß gesagt werden, daß auch die Emanzipationsjuden dies nicht wollen, sondern die verschiedenen Nationen und die zwischen ihnen vorhandenen Unterschiede anerkennen, nur daß sie ein besonderes jüdisches Volkstum leugnen und sich den Völkern zurechnen, unter denen sie leben. Zionismus und Emanzipation sind nicht, wie Sokolow meint, untrennbar imiteinander verbunden; sondern vielmehr ist der Zionismus eines der großen - Hindernisse der Emanzipation. Deshalb werden auch die verschiedenen Projekte zur Organisierung einer planmäßigen Auswanderung aus ihren jetzigen Heimatländern bei der'Mehrheit aller Juden wenig Anklang finden, besonders auch bei den deutschen Juden nicht, für die das phantastische Projekt einer Aussiedlung von 250 000 Juden vorliegen soll — natürlich konnte ein solcher Plan nur in Amerika aüsgeheckt werden! Der „Völkische Beobachter“, der sich in mehreren Artikeln mit dem Zionistenkongreß befaßt, _ wirft die Frage auf, wie : wohl die Regierungen der verschiedenen Länder, u a. auch Deutschland, sich zu dem Plan einer so weitgehenden Herausziehung von Kapital und Kräften stellen werden. Wir möchten glauben, daß eine solche Stellungnahme gar nicht erst nötig sein wird, denn die Juden selbst in ihrer überwiegenden Mehrheit wollen in denjenigen Ländern bleiben, die ihre Heimat sind. Was speziell die Juden in Deutschland anlangt, so ist ihr Standpunkt in diesen Blättern oft genug dargelegt worden, und noch heute bleibt die Zahl derjenigen, die aus Deutschland nach Palästina auswandern, weit zurück hinter der Zahl der Juden, die aus den Ostländern nach Palästina übersiedeln. (Dieser Bericht ist abgeschlossen am 25. August. Der Kongreß dauert noch fort: über seinen weiteren Verlauf wird in der nächsten Nummer berichtet werden.) Gemeindeabend d. Jüdischen Gemeinde zu Berlin Montag, den 4. September, abends 8130 Uhr, in der Synagoge. Oranienburger Strafe 30 Die Aufgaben der Gemeinde Redner: Moritz Rosenthal, Dipl.-Ing. Bruno Woyda, Mitglieder des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Rechtsanwalt Heinrich Stern, Vorsitzender der Reprasenfanfenversammlung d. Jüd. Gern, zu Berlin Gesänge: Oberkantor Leo Gollanin Eintritt frei gegen Einladungskarten, die kostenlos im Werbereferat, Oranienburger Strafe 29, Zimmer 50, erhältlich sind. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Eltern, die ihre Kinder wegen Entziehung der Schulgeldfreiheit oder wegen Verweisung von der Schule auf Grund der Prozentnormüberschreitung die öffentlichen höheren Schulen nichtmehrbesuchen lassen können und den Wunsch haben, ihre Kinder einer jüdischen Volksschule zuzuführen, haben Anmeldung unter Beifügung des letzten Schulzeugnisses hur schriftlich im Schulbüro, Berlin C 2, Rosenstr. 2*4 einzureichen. Formulare für die Anmeldungen sind bei den Kastellanen der Synagogen und in den Schulberatungssieljen zu haben. Vorstand der Jüdischen Gemeinde Bond der jfldlschen MlneHer gegr. 1926, Sitz Berlin. Hauptgeschäftsstelle: Bin. N 54, Brunnensfr.7 Geschäftszeit 10-16, Montag und Donnerstag-10-20 Uhr. Aufnahme aller männlichen u. weiblichen Arbeitnehmer. Ortsgruppen in allen größeren Städten. Badeverbote. Eine Reihe weiterer Orte haben neuerdings Badeverbote für Juden erlassen; Meldungen darüber liegen vor aus Straubing (für die Donau im Bereich des Stadtgebietes), Lauf (Oberfranken), München für alle städtischen Badeanstalten mit Ausnahme der Brause-, Wannen- und medizinischen Einzelbäder). Das Badeverbot für Juden im Schwimmbad von Gleiwitz (Oberschlesien) wurde aufgehoben, und die Aufschrift „Juden ist der Zutritt verboten!“ entfernt. Der Wilhelmspark, in dem die Badeanstalt liegt, konnte von der Stadt seinerzeit durch großzügige Spenden zweier Juden, des Geh. Kommerzienrats. Friedländer und des Kaufmanns Guttmann, erworben und ausgebaut werden. Ferner ist auch für das Strandbad Wannsee bei Berlin das Badeverbot, das einige Tage bestanden hatte, wieder aufgehoben worden. Für den liberalen Gottesdienst mit Orgel und gemischtem Chor wird für die diesjährigen hohen Feiertage ein I. Kantor gesucht. Nur erste, bestempfohlene Kräfte wollen sich unter Beifügung von Zeugnisabschriften und" Angabe ihrer Honoraransprüche melden an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde Breslau Wallstraße 9 Studierte Tenore und Bässe (gute Stimmen) für die hoKen Feiertage gesucht. jüdische Gemeinde zu Berlin. Freie Jüdische Volkj|froclischule EROFFNUNGSABEND Logenhaus, Kleiststrafje 10, Donnerstag, den 7. September 1933, 8 Uhr Programm Charlotte Rosen Andante aus dem Violinkonzert von Mendelssohn Edith Herrnstadt-Oettlngen Zuckmayer: Sinngedanken von der Worte Nichtigkeit T David Rotbtum: Jerusdialajim Bialik: Sagen des Volkes Dr. Kurt Zielenziger Ansprache Rabbiner Dr. Warschauer '• Selbstbesinnung in dieser Zeit Charlotte Rosen, Dr. V. Ernst Wollt, Ewel Stegman Beethoven: Trio op.6. Allegroconbrio — Adagio — Thema con varlaztoni Eintritt RM. 0,30 nur gegen Karten. Erhältlich im BQroder Freien Jüdischen Volkshodisdiule, Berlin N24, Oranienburger Str. 31, Zimmer 35, Buchhandlung am Zoo, Joachimsthaler Str. 43, Buchhandlung Schildberger, Flensburger Str., Stadtbahnbogen 415, Buchhandlung Bayrischer Platz (Lachmann) Bayrischer Platz 13. Hilf flMDimifllflH (Frau Arierin, früher Lehrerin, auch J UUa HlXlIllUüllUlI Kindergärtnerin im Haus) nimmt Kinder oder Heranwachsende in Pension. Höhere Schulen vorhanden, auch Frankfurter Schulen schnell zu erreichen, die auch eig. Sohn besucht. Ang. u. Anfragen an Dr. Levi, Offenbach a.M*, Frankfurter Str. 105 Kurhaus Teupitzsee 1 Std. v. Berlin, schönster Ferienaufenth. o. Wochenende, erstkl. Köche, Zimmer fließ, warm u. kalt. Wasser. Sonnenterrassen. See. große Liegewiesen, herrt. Park, eig Badestrd., Pension (5 Mahlzeiten)v.RM 5,— an. Telefon: Teupllz (Mark) Nr.51 St. Josefs-Heilanstalt FÜR MffNNER Berlin-Weißensee« Gartenstraße 1-5 Fernsprecher: E 6 Weißensee 2271. 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