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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-08-15 · 10 (15.8.1933) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
10 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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jseWSaOMWyvVr-*-* um imxutdem£cutd Roman von Stefan Reginald Marknes ICi'Pyrjgl)» by linwiis Lutwcnstein und Willi Tisch Verlag.) i t*. l Ti 5. Kurtsetzmic- (Ocn neu hinzu* - tretenden Abdnnenten wird der bereits er* ‘ seliienene Teil des Romans auf Bestellung kostenlos naclweliefert.) In der ersten Dcklmimienheit klammerte sich Mica an Victor. unwohl die Ankömmlinge keineswegs feindselig aussahen. .'.Waffen haben sie nicht“, flüsterte Victor, „und die ganze Sache sieht ziemlich sehr nach Film aus." ...Ach. Du immer mit Deinem Film," hauchte Micaela, aber es war gar keine-Zeit mehr, zu längeren Diskussionen, denn schon stand der Häuptling oder Führer der Schar — es ist sciiwer zu sagen, wie man ihn bezeichnen sijll — und sprach in ernstem Ion: „Schalom. — honam paceni. — buenas tardes. — Grüß Gott, - - hoW do you do, — coimnent allez-vous?“ Nach dieser Auswahl irdischer GruBionnen aus mehreren Jahrtausenden ergab sich für unsere Ausflügler eine leichte Möglichkeit zur Unterhaltung mit dem hoheitsvollen Fremden, wobei Victor sicli artig bemühte, mit der Grandezza, die seiner Sprache verliehen ist, Rede und Antwort zu stehen. „Wir geraten in Verlegenheit, hoher Herr . und 'Euer Gnaden, wenn wir bekunden sollten, was uns in dieses von stolzen Bergen umschlossene Tal geführt hat.“ „Seid liir Geschwister oder gar Brautleute?“, fragte der oberste Mondn'iann weiter. „Weder das eine noch das andere.“ beeilte sich Victor zu deklarieren, mußte aber schon vor Schluß des Satzes einen ziemlich energischen Entrüstungspuff seiner Reisebegleiterin verspüren. Mica hatte damit recht Auf Fahrt Befindliche hn Socictätsverhältnis müssen wissen, daß jede Dame bei zwangsweiser Vorstellung liebt, legitim aufzutreten. Micaelas Scheu" -war durch diesen sehr berechtigten Vor- oder Seitenstoß überwunden, und sie nahm das Wort, um es genügend lange zu behalten. „Excellcncal". zwitscherte sie schmeichelnd und blickte den bärtigen Oberst seelenvoll an, so daß der vielfache Dolmetscher Trecht stolz im Bewußtsein, einen sehr guten Eindruck zu machen, seinen Bart streichelte. „Wir kennen uns wohl erst einen Tag. aber unsere Beziehungen sind von einer auf dieser Erdenwelt nicht allzu häufigen Korrektheit und Herzlichkeit 'zugleich.“ „In diesem Fall muß ich. meine junge Tochter, Ihrem Wort mit einem Zweifel gegenüberstehen.“ „O. bitte sehr“, warf Micaela leicht gekränkt dazwischen. „Lassen Sie mich nur_ ausreden. angenehmes Mädchen! Ich wende mich lediglich gegen Ihre Bezeichnung „auf dieser Erdenwelt“: Sie scheinen nicht zuiwissen, daß Sie dero Rundlichkeit verlassen haben.“ Jetzt war es an unserem jungen Paare, echtestes Erstaunen zu bezeigen, besonders Mica protestierte lebhaft und rang die Händchen. „Seid ohne Schrecken, lieben Leute“, beruhigte der erste Chargierte des Trupps, indem er wieder zum Duz-Komment zurückkehrte: „Ihr befindet Euch, auf dem Mond und seid durch einen Umstand hohen Glückes zu uns gelangt.“ Mica suchte ihr Taschentuch. Es wollte sich nicht finden -■ lassen. Ein leicht würgender Reiz zwischen Tränen und Schnupfen beunruhigte sie, und voller Zorn, der aber immer noch sich in den Grenzen weiblicher Anmut hielt, fauchte sie Victor an: „Wenn Du mich schon in diese Steinwüste verschleppt hast, so borg mir wenigstens Dein Taschentuch!“ Im Gefühl seiner Unschuld beeilte sich Victor immerhin, diesen Kulturgegenstand aus seinem Anzug hervorzuholen, während der Sprachgewandte, 'den verhüllten Schnaubungsvorgang interessiert musternd, fortfuhr: „Es liegt mir fern, meine Herrschaften, Euch zu erregen. Wir scherzen nicht grob auf unserem Gestirn und schon gar nicht, wenn wir so seltenen Besuch erhalten. Wenn es am Schlüsse dieses. Tages Nacht geworden sein wird, und wir Eucli erfrischt und warm gekleidet haben, dann werden wir Euch zeigen und beweisen, daß Ihr auf dem Monde und nicht mehr in der Erdenheimat seid." , „Ja, aber wie kommen wir zurück?“, fragte Mica in ehrlichen Aengsten und jammerte pflichtbewußt: „Ich muß ins Warenhaus, ich werde vielfach erwartet." „Auch ich muß wieder an meine Arbeit und meine Patent- : rechte wahren!“, echote Victor Arago und meinte gegen Mica gewandt: „Vielfach, wirst Du erwartet! Schau einer an!“ — Mica lächelte vielsagend. . „Darüber später!“, entschied der Anführer. „Es wird sich - Rat finden, denn wir unterhalten gelegentliche Beziehungen zur alten Welt Laßt es Euch wohl sein auf dem Monde, der keinen Krieg und keine Feindschaft kennt. Auch wir sind Kinder der Erde gewesen. Das sollt Ihr alles erfahren, aber streng bewahren, und nun —“ verabschiedete er sich mit einem Befehl an seine Leute, „geleitet die Ankömmlinge zu unseren Zelten! Erquicket Euch, ruht sänftlich aus und nachher laßt"uns ernsthafte Zwiesprache pflegen. Hasta Luego!“ ~F.r hob die Hand und verschwand. Zwei junge Männer, zwar scheinbar auch in gehobenem Range, aber weniger sprachgewandt flankierten unser Pärchen und führten es an den Rand des Kessels, aus dem die Mondlcute gestiegen waren. Welch anmutiges Bild breitete sich nun vor Micas und Victors. Augen aus! Ein nicht allzu lieics Tal, von zartgrüner Farbe, mit lieblichen, doch ganz unirdisclicn Blumen bestanden, lachte ihnen entgegen. Der Unterschied zwischen der höheren Ebene, auf der sie gelandet waren, und ihrem jetzigen Aufenthalt reichte vollkommen aus. um stall der brennenden Hitze eine angenehme und wirklich erlabende Frische zuzuführen. Das sonderbarste an allem war, daß sie sich eine neue Art der Bewegung angewöhnten, die \ tmpfehtwswede ^Bezugsquellen | dusseldorfI | Maler | | Wäschereien EMIL SCHUMANN MALERMEISTER bekannt für sauberste Ausfuhrunaen Paul Harm Düsseldorf, Kreuzstrafje 14 Fernsprecher 12330 A Die WäschoreifürSie, preiswert und gut Kaiserswerther Strafe 35 Fernruf 30779 I W. SEITZ I I Rahmenfabrik 1 I Birkenstraße 113, Ruf 60914 1 1 Einrahmungen * SpezUitit: 1 | Barockrahmen, GemilacleUten | Erste Spezial- Ga rdfnen-Wäscherei Hillenbrands Jahnatrafie 71 Raft 36633 Gardinen werden nach Muster gefärbt; kunstvolle Ausbesserung dem Gang der Mondmenschen angepaßt war. Wenn sie auch nur einen kleinen Schritt taten, kamen sie fast zwei Meter vorwärts und hatten immer dabei das Gefühl, mehr zu schweben, als zu gehen. Nach weiter Wegstrecke im Tal, die aber sehr schnell zurückgelegt wurde, landeten sie bei der Zeltstadt. Man führte Mica und Victor in einen mäßig großen Zeitraum. Aui einer tischähnlichen Erhöhung standen einladende Speisen von ganz anderem Aussehen und Geschmack, als sie es sonst gekannt. Sie aßen und fühlten sich nicht nur satt, sondern auch ganz ohne Durst." Victor hätte sich gern eine Zigarette angezündet, aber sein Streichholzbrachte den Feuerfunken nicht hervor. Auch betrat in diesem Augenblick schon einer der beiden jungen Trabanten, die man auch Wächter nennen könnte, das Zelt mit einer Tafel, auf der in sechs Erdensprachen stand: Auf dieser Seite des Mondes darf nicht geraucht werden! Das war nun ganz nach Mica’s Geschmack; hier könnte sie ihr Erziehungswerk fortsetzen und herrschte Victor, der nun wirklich wie sein Vorbild Columbus eine neue Welt, allerdings ohne viel eigenes Zutun, entdeckt hatte, lautstark an: - „Mein Freund, Du darfst hier nicht mit der Behörde in Konflikt kommen, sonst werden wir beide den Nachteil haben.“ Die beiden Geleitpolizisten schienen immerhin begriffen zu haben, welches Thema jetzt von ihren . frischen. Gästen behandelt wurde, denn als Victor, um endlich zum Angriff auf Micaela überzugehen, in der Richtung zu den jungen Herren fragte: „Gibt es denn auf dem Monde keine schönen Frauen?“, lächelten sie genießerisch, nickten mit dem Kopfe und antworteten: _ - „Que clase, tamano, calid.ad desea usted?“ Hieraus sieht man, daß die junge 'Mondgeneration sich, gelegentlich auch scherzhaft einzustellen weiß und in Dingen des Flirt nicht ganz auf den Mund gefallen ist Gönnen wir den jungen Wanderern die verdiente Ruhe auf den weichen Polstern ihres kostenlosen -Hotels, die eine Art Mittelding von Teppich und moderner Couch darstellen. Inzwischen wird es sich verlohnen, einen weiteren Umblick im neu gewonnenen Gefilde zu unternehmen und eine Rekognoszierung anzutreten. Hinter der Zeltstadt erhoben sich steinwuchtige Bauten im Pyramidenstil, die man, von den fehlenden Fenstern abgesehen, durchaus für eine gutgehende Filiale des Kaufhauses Laporta hätte halten können, ln jedem Falle schien sich der gigantische Quaderkoloß auch hier oben entsprechender Beliebtheit zu erfreuen, denn eine nicht' endenwollende Masse von Möndlem strömte hinein. Einer Verkehrsregelung im irdischen Sinne bedurfte es hierbei nicht, denn diese Prozession vollzog sich in schier unbegreiflicher Stille und Exaktheit. Aber noch etwas anderes war in der breiten Avenue vor der Pyramide zu erblicken, das Mica und Victor mit der größten Verwunderung später betrachten und nutzen sollten. Hier zeigte sich die Ueberlegenheit der Trabantenwelt in überraschendstem Ausmaß. Man sah, — ja, wie soll es beschrieben werden — eine höchst praktische Art lebendiger Komfort-Droschken, wobei die Erinnerung der älteren Semester nicht in den Pferdestil veriallen soll. Das sind die vernunftbegabten Flugtiere unseres Nachbargestirnes, die auf ihrem Rücken bequem vier bis fünf Fahrgäste von der Stattlichkeit der Mondmenschen tragen und so intelligent sind, daß sie jede Luftreise mit der größten Schnelligkeit und Sicherheit auch nach der anderen Halbkugel des Mondes unternehmen,. der einen kurzen Besuch abzustatten kein Tourist verfehlen sollte. Die Augen der Flugtiere leuchten in wunderbarem Akkommodationsvermögen bei Freifahrt grün, bei Halt rot; ein drittes Auge an der Schwanzflosse 1— gewissermaßen das Schlußlicht — stellt sich gleichfalls automatisch auf dieselben Farben ein. Mica und Victor erwachten nach sehr langem Schlaf frisch gestärkt. Den Raum erhellte eine unsichtbare Lichtquelle, die auch' angenehme Wärme verbreitete. Kaum hätten sie sich erhoben, da betraten zwei weitere Uniformierte (anscheinend die Ablösung) ihr Zelt. Sie trugen reichliche Kleidungsstücke auf den Armen herbei und waren ihnen beim Anziehen der ungewohnten, außerordentlich festen Garderobe schicklich behilflich. Unsere Freunde ließen naturgemäß alles mit sich geschehen, und das war gut! Denn' kaum hatten sie das Zelt verlassen, um der stummen Weisung gemäß eine Visite zum Chef der Siedlung anzutreten, der sie bei ihrem Eintreffen begrüßt hatte, als eine wahrhaft sibirische, nein überpolare Kälte sie-empfing. Draußen war esdunkel geworden. Am tiefschwarzen Firmament glänzte die ihnen von der Erde vertraute Sternenwelt, aber in vielfach verstärkter Leuchtkraft Hoch oben am Himmelsbogen, da stand eine goldene Kugel, in _der Größe eines gewaltigen Wagenrades, im scheinbaren Durchmesser von zwei Metern. Es bedurfte keines Hinweises und keiner Erklärung. Sie sahen und fühlten in tiefstem Erbeben: Das ist unsere Heimat, das ist die mütterliche Erde! „Ganz deutlich und scharf höben sich die Umrisse und Flächen der Kontinente ab, wunderbar herausgewölbt aus dem Dunkel der Meere. Die beiden Polkappen blitzten blendend hell, und obwohl in den Anblick versunken, konnten beide bemerken, wie die gewaltige Kugel in ganz langsamer Ostdrehung sich um sich selbst und durch das Himmelsgewölbe bewegte. Wie eine Königin, von vielen Dienerinnenin Ehrfurcht umgeben, ihren Weg schreitet, so zog der Erdenstern an seinen beiden fernen Kindern leuchtend vorüber, und die Pracht des nächtlichen Sternenhimmels schien gleich einer wundervollen mit Perlen und Edelsteinen bestickten Schleppe seinem Gang zu folgen. „Victor!“ hauchte Mica, schon weil die beißende Kälte den Lippen weh tat. „Du mußt mich beschützen, ohne einander sind wir hier verloren. Die Sehnsucht verzehrt mein Herz, und wenn ich Dich nicht hätte, wollte ich sofort sterben.“ „Sei fest und stark", antwortete der unfreiwillige Entdecker, „ich bleibe immer an Deiner Seite, laß uns an Gott glauben, er wird uns helfen und retten!“ (Fortsetzung folgt.) Dec Leierkasten dec „JM.Z.“ Christlicher Leser. Bei der Rundfunkrede anläßlich der Uebertragung der Bayreuther „Meistersinger“-Aufführung zitierte Minister Dr. Goebbels Richard Wagners bekannten Satz: „Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.“ Aehnlich wie vor vier Wochen (vgl. die Briefkasten- Notiz in Nr. 8 vom 15. Juli) meinen Sie, für diesen Satz habe das Judentum keine Parallele aufzuweisen.-Aber Sie sind wiederum im irrtum. Antigonus aus Soclio lehrte: „Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen um des Lohnes willen, sondern dienet ohne Aussicht auf Lohn.“ Dieser Satz gewann unter den Juden so zentrale Bedeutung, daß er unter die „Sprüche der Väter“ aufgenommen wurde, die an jedem Sabbath gelesen werden. Wissen Sie säum, daß in einer Sitzung des Gesamtvorstandes des Thüringischen Lehrervereins ein Beschluß gefaßt wurde, wonach jüdische Lehrer aus dem Verein ausscheiden müssen, von de'n sozialen Einrichtungen (Kranken-, Unterstützungs- und Sterbekasse) jedoch nicht ausgeschlossen werden? daß unter Zurücknahme der bisher bestehenden Verordnungen - in Hessen zukünftig die Kinder der Israeliten und Adven- , tisten dem Schulunterricht am Sonnabend beiwohnen müssen? daß in Berlin bisher 980 Personen‘wieder zum Judentum zurückgekehrt sind? daß am 23. Juli d. J. 75 Jahre verflossen waren, seitdem unter Zustimmung der Königin Victoria mit Baron Lionel de Rothschild zum ersten Male ein Jude einen Sitz im englischen Unterhause erhielt? daß sich unter" den auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Hamburg' entlassenen Universitätsprofessoren auch der bekannte Philosophieprofessor Dr. Cassirer befindet? daß nach einer Mitteilung der „Staatliche Nordseebad Norderney Betriebsgesellschaft m: b. H.“ Juden auf der Nordseeinsel Norderney nicht gem gesehen werden? daß nach einer Meldung Nürnberger Blätter laut Direktorialverfügung zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung Juden der Zutritt zum Stadion in Nürnberg verboten ist? daß die Stadt Mainz für alle ihre Bürger arischer Abstammung den deutschen Gruß allgemein eingeführt hat? daß Professor Max Liebermann in diesen Tagen sein 86.Lebensjahr vollendet hat? daß das im Hamburger Stadtpark stehende Denkmal Heinrich Heines auf Grund eines Senatsbeschlusses von seinem Platz entfernt und in einem Schuppen eingelagert wird? daß für die Leipziger Messe kein Arierparagraph besteht und nach ausdrücklicher Bekanntgabe des Messeamtes jüdischen Kaufleuten kein Hindernis in den Weg gelegt wird? daß der allgemeine Richard, Wagner-Verein den Arierparagraphen eingeführt hatn daß im Herbst die amerikanische Uraufführung des Mussolini- Dramas „100 Tage“ stattfindet und daß, wie mehrere Zeitungen melden, .Mussolini an Max Reinhardt den Wunsch gerichtet haben soll, er möge die Inszenierung’ übernehmen? 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