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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-08-15 · 10 (15.8.1933) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
10 (15.8.1933)
Date
1933-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ffilr beiitfdjeg 5iibentiim mtb reliflibfett 3fafboit Bezugspreis: VlerteliährUch 1,50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,25 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach Tarif. — Bel Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriitleitung: George Goctz Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und 15. Jedes Monats. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW 11, Hallesche Str. 1. F.ernrul: F S, Bergmann 3358, 3359. ank Verbindung : Kredltvcreln für Handel und . Gewerbe e. G. m. b. H„ Berlin N 24._ Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung: Berlin 227 61. < . Nr. 10 Berlin, 15. August 1933 13. Jahrgang unser Wenn etwas unerträglich ist an der heutigen Situation der Juden, so ist es die quälende Ungewißheit über unsere Zukunft. Was wir nicht dürien, das haben wir schmerzlich eriahren: was wir dürfen, wissen wir nicht,, zuniindest nicht genau, und so fehlt es uns an der Richtschnur, wie und aut was wir uns umzustellen haben; fehlt uns vor allem an der Möglichkeit, unsem Kindern diejenige Sciiul- und Berufsausbildung zu geben, von der wir wissen, daß sie sie später werden brauchen können. Von allen Uebeln aber ist Ungewißheit das Schlimmste: der Angeklagte, auch der unschuldig Angeklagte, will lieber das Urteil, als noch länger warten; und wir deutschen Juden — allerorten hört nian die Stimmen rufen — wollen endlich eine Regelung unserer Verhältnisse; wir wissen, daß diese Regelung unseren — wie wir meinen; berechtigten — Ansprüchen nicht entsprechen, unsere Möglichkeiten einengen, unseren Raum begrenzen wird: aber wir sagen uns: schlimmer noch als die zu erwartende Regelung ist ihr Ausbleiben, ist die Ungewißheit, das gänzliche „In der Luft hängen“, wir müssen endlich die Möglichkeit erhalten, im Rahmen fester und klarer Bestimmungen unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, ein Programm aufzustellen, unsere Verhältnisse zu ordnen, unsern Kindern den \^!eg in ihre Zukunft zu ebnen. Wir wollen, da man uns ja das Mitbestimmungsrecht über unsere Stellung genommen und uns gänzlich zii Objekten der Gesetzgebung gemacht hat. endlich den Urteilsspruch hören. Und bis er..kommt, bleibt uns keine andere Möglichkeit, als immer zu-wiederholen: wir fühlen uns durchaus in der Rolle .des' unschuldig Angeklagten, denn wir wissen uns als/Deutsche. urd wir werden djn. ‘Anspruch *;cV(t' a%igef», ^jWeftbnrecbtiijL auf-seinin upserm deutschen Vaterlandef wim.werden die Hoffnung nicht aufgeben, daß Deutschland selbst Ndiesen Anspruch eines Tages anerkennen wird, denn das LeB-ensrecht. das es. nach einer Epoche der Arbeitslosigkeit vund Verzweiflung, heute für sich wieder geltend macht, ist ein allgemein menschr liebes, das es der halben Million in seiner Mitte lebenden Juden auf die Dauer nicht versagen wird. Heute freilich sagt man uns, wir gehörten nicht hierher: und wir sind in eine schlimme Läge geraten, auch seelisch, auch als Gesamtheit; denn wir sind allesamt mit nichts anderem beschäftigt als mit der Reaktion xauf diesen Vorwurf unserer Nichthierhergehörigkeit Positiv' oder negativ: die Einen von uns sagen und begründen, daß wir doch hierher gehören, daß wir Deutsche sind, die Andern haben das Schlagwort vom „Ja sagen zum Judentum“ aufgebracht und meinen auch damit nur ihr Verhältnis zum Deutschtum; denn jedenfalls haben wir nichts davon vernommenmäß in Ländern unangefochtener jüdischer Gleichberechtigung ähnliche Parolen, ausgegebcu worden wären, und kein Zionist „mißbilligt" cs, wenn Juden in Frankreich, England oder Amerika hohe Staatsstellungen bekleiden. Offenbar also kann ein Jude Franzose. Engländer oder Amerikaner sein; in Deutschland aber soll er sich auf „die eigene Art besinnen“ — — merkt man nicht, daß hier eine bloß von außen diktierte Reflexbewegung, und Reaktion vorliegt, aber keine wirkliche Selbstbesinnung? Und wäre cs nicht an der Zeit, daß beide — die, welche sagen, wir gehören.hierher. wie die, welche sagen, wir seien fremd — zunächst einmal wiedet^sich fragen, auf welchem Wege eigentlich wir hierherkamen. Der Weg, den wir zurückgelcgt haben, zeigt eine Richtung; wir schauen zurück und wir wenden uns wieder nach vorn; alle Ungewißheit muß weichen, denn wir kennen ihn nun,' unsern jüdischen Weg. * , Wir schauen zurück: es ist eine gerade. Linie, die von den Uranfängen bis in unsern Tag führt. Unser Tag: bis gestern nannten wir ihn Emanzipation: aber viele hatten vergessen, was das bedeutet, viele genossen ihre Früchte, aber sie lebten nicht ihren Sinn. Denn dieser Sinn begreift sich nur, .wenn man die Emanzipation nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zum Zweck erfaßt, als Etappe auf dem .Weg. und wenn maif dieses ganzen Weges eingedenk bleibt: seines Ursprungs und seines Zieles. Welche Zeit aber könnte uns mehr, bereit finden, die Emanzipation nur als Etappe zu betrachten, als die heutige, da die Emanzipation in der Tat nur eine Etappe gewesen zu selb scheint: welcher Monat ist zu 'besinnender Rückschau geeigneter als derjenige, der, ander» als in andern, .glücklichem Jahren, die Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems'in uns lebendig macht? Anders als früher. Denn diese Erinnerung war ln uns nicht lebendig, war — laßt uns ehrlich sein — selbst bei denen verblaßt, die im übrigen noch den Zusammenhang mit der jüdischen Religion bewahren. War so verblaßt, daß In den zu Anfang des vorigen Jahrhunderts entstandenen Gebetbüchern ein Gottesdienst für den Neunten Ab völlig fehlte. Und das hat seinen guten Grund. Denn ob von außen uns gesagt wurde: „Ihr gehört nicht hierher,“ ob von Innen Stimmen erklangen, die in Vermengung von Religion und. Nation das Laud unserer Väter zu unserm Väterlande machen wollten: immer war unsere'-Antwort, daß uns die. letzten zweitausend Jahre jüdischer Geschichte nicht minder sinnvoll erscheinen als die jüdische Geschichte im Altertum. Denn.haben auch die Propheten — deren Prophetie in der Erkenntnis und Weshalb erscheint die, Jüdisch-liberale Zeitungab 1. Oktober 1933 zweimal wöchentlich? Wie ist die Erscheinungsweise ab 1. Oktober? Wie hoch ist der Bezugspreis? Wie oft werden die Bezugsgebühren erhoben? Wann muß der Leser erstmalig die neuen Abonnementsgebühren entrichten? Die Antwort auf alle diese Fragen finden Sie heute auf der letzten Seife des HaupfblaHes. Tlnsece £esec zue VmstMmQ, dec „3.=L Z” Voller Freude dürfen Verlag und Redaktion feststellen, daß die Ankündigung des ab 1. Oktober zweimalwöchentlichenErscheinens der, Jüdisch-liberalen Zeitung“ lebhaftesten Widerhall im Leserkreise gefunden hat. Aus der Fülle der uns zugegangenen Beifallsbekundungen bringen wir hiermit einige zur Veröffentlichung. -■ 4» * - * Das ist Ja einfach großartig: zweimal in der Woche sollen wir Jetzt die „J.-l. Z.“ bekommen. Alle Achtung vor Ihrem Mut! Der Dank aller wahrhaft deutschen Juden wird Ihnen gewiß sein. Denn Sie sind das einzige Blatt, das im Geiste Gabriel Rießers deutsch und Jüdisch zugleich auch in der heutigen Zeit schreibt. Rechtsanwalt Dr. Julius Charig, Stendal. Mit besonderem Dank, begrüßt .gerade die religiösfortschrittlich und deutschjüdisch gesinnte Jugend das von nun ab wöchentlich zweimalige Erscheinen der .Jüdischliberalen Zeitung“.'Dieses Blatt, welches schon in der Vergangenheit stets unbeirrt von allen Innerjüdischen Anfeindungen konsequent für den Entwicklungsgedanken in der Religion eingetreten ist, hat, frei von aller begrifflichen Verwirrung, das deutschjüdische Erlebnis als eine nicht aus der Welt zu~ leugnende Tatsache gewürdigt, die uns in unserem Glauben an das deutsche Vaterland nicht wankend zii machen vermag. Unser Wunsch geht dahin, daß die „J.-l. Z.“ uns auch fernerhin auf dem schweren Weg der Zukunft, als weltanschaulicher Führer voranschreiten soll. Wir geben, den Glauben an die Jüdische Zukunft nicht auf, wir wollen arbeiten! In dieser Arbeit wird uns die „Jüdisch-liberale Zeitung“ ein steter Ansporn sein und in uns das Gefühl der Solidarität mit denen wach halten, die vom gleichen Willen beseelt sind.. Hans M. Danziger, Jll-Breslau. * Mit großer Freude habe ich aus Ihrer letzten Nummer ersehen, daß Sie die Jüdisch-liberale Zeitung“ ab. 1. Oktober d. J. zweimal wöchentlich erscheinen lassen wollen. Dieses zweimal wöchentliche Erscheinen entspricht einem lange gehegten Wunsche von mir, denn es bedarf wohl keiner besonderen Betonung, daß in der heutigen. Zeit ein öfteres Erscheinen einer in unserem deutschjüdischen Sinne tätigen Zeitung unbedingtes Erfordernis ist. Ich glaube auch, daß Ihr Leserkreis sich durch diese Veränderung bedeutend vergrößenfwird. Fahren Sie in Ihrer Arbeit für unsere Ziele in gleicher Weise wie bisher fort. Zeigen Sie allen unseren Glaubensgenossen, die i infolge der Ereignisse - aus der Bahn ihres Denkens herausgerissen sind und die daher besonders heute einer geraden, aber auch energischen geistigen Führung bedürfen eine klare Linie! ''Wilhelm Marc us, Berlin. * Glück auf! darf man Ihrem Verlag und Ihrer Redaktion wohl zurufen zu der Ankündigung, daß die , J.-l. Z.“ vom 1. Oktober ab zweimal wöchentlich erscheinen wird. JHeinem Gefühl hach entsprechen Sie damit einem wahren Bedürfnis. In dieser Zeit ist es von allergrößter Bedeutung, daß Ihre Zeitung, die in würdiger Form den deutsch-jüdischen und religiös-liberalen Standpunkt vertritt. so oft wie möglich heräuskommt, und daß sie in die Hände eines Jeden deutschen^Juden gelangt Daß dies bald der Fall sei, ist mfein-/aufrichtiger Wunsch. Dr. Mehler, ' JohannisthaL * Der Ausbau der „J.-l. Z.“ erfüllt mich mit Genugtuung. Ais Theologe der älteren. Schule war ich immer davon überzeugt daß unsere religiöse Erneuerung sich nur im Geiste des Fortschritts, der Weltoffenheit und. der Lebensbejahung vollziehen könne. Diesem Geiste dient in vorbildlicher Weise die „Jüdisch-liberale Zeitung“. Rabbiner Dr. S. S a m u e I, - Essen. * Die Ankündigung, daß Ihr Organ Jetzt bald nicht mehr zweimal im Monat, sondern zweimal in der Woche erscheinen wird, hat mir ganz besondere Freude bereitet Damit geht ein Wunsch in Erfüllung,, den ich im Namen einiger Freunde, aber auch in meinem eigenen Namen, vor einiger Zeit äußerte. Ich bin überzeugt daß Ihnen außer mir noch viele Mitglieder für Ihren Entschluß recht dankbar sein werden. Je öfter das Blatt erscheint desto aktueller wird sein Inhalt sein können. Möge es der »Jüdisch-liberalen Zeitung“ gelingen, sich ihre alten Freunde zu erhalten und möge sich das Blatt als bestes Werbemittel für das religiös-liberale Judentum insbesondere für die Gewinnung neuer Abonnenten und Mitarbeiter erweisen. Bruno Siiberberg, Berlin. In diesen schicksalsschweren Tagen Ist die „JUdisch' liberale Zeitung“ Tausenden deutscher Juden zu einem . Hort neuen Vertrauens geworden. Denn.sie hat sie nicht nur in dem Bewußtsein gestärkt sich gerade Jetzt voll Stolz als.Juden zu bekennen. Sie hat auch im' Sinne der besten Geister des. deutschen Judentums mit Würde und. Festigkeit die unauflösliche Verbundenheit der deutschen Juden mit dem Deutschtum betont. Es spricht für die Kraft der j Gedanken, die die „Jüdisch-liberale Zeitung“ vertritt daß es ihr Jetzt gelungen ist ihre Erscheinungsweise zu vervierfachen. Der Mentor, der anstatt zweimal künftig achtmal, im Monat zu seinen Lesern sprechen kann, wird sich ein großes Wirkungsfeld erobern können. .; Dr. Kurt Zielenziger, ' Berlin. j . j

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