Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 5 (1.6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Organ Der ^ereiniauns für bae tibmU JuDenfum e. 3J. Bezugspreis: Vierteljährlich 140 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 045 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach Tarif. — Bei Nichterscheinen In* folge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der* entsprechenden Bezugsgebühren. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriltleitiing: (It-oi-e Goeiz IDIe „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und IS. ledes Monats.! Redaktion,und Geschäftsstelle: Berte SW 11. Hallesche Str. 1. | Fernruf: F S, Bergmann 3318. 23B» . Bankverbindung: KredHvereta für Bändel u Gewerbe e. G. m. b. It, Berfa NM*,! _ Postscheckkonto«’- Jüdisch-liberale Zeitung: Berlin 22754. - - Vereinigung liir das liberale Judentum e. V.: i Berlin. 13700. Berlin, 1. Juni 1933 13. Jahrgang Genf! I Wenn Sturmwind durch, die Lande braust. Gtz. Wenn nicht Unvorhergesehenes eingetreten ist, so wird gerade in dem Augenblicke, da diese Zeilen in Druck gehen, 'der Völkerbundsrat in Genf sich mit der Judenfrage beschäftigen. Wie erinnerlich, hat der deutsche Staatsangehörige Bernheim, wohnhaft in Gleiwitz, von seinem jetzigen Aufenhaltsorte Prag aus Einspruch dagegen erhoben, daß die deutschen auf die Juden bezüglichen Bestimmungen auf Oberschlesien angewendet werden. Wir halten j die durch den Antrag Bernheim aufgeworfene Frage an sich nicht für unwichtig; aber für weit bedeutsamer halten wir alle diejenigen Dinge, die sich aus der Diskussion über diese Spezialfrage zwangsläufig ergeben. | Mit dem Anträge Bernheim können wir uns aus manchen Gründen nicht befreunden; u. a. auch deshalb nicht,, weil für uns die Judenfrage nichtjmter die Frage-der nationalen Minderheiten gehört — <vir vermögen nicht "auf jene Basis zu treten, die Herr von Freytagh-Loririghoven schaffen wollte, als er kürzlich den Vorschlag | machte, die deutschen Juden zu einer nationalen Minderheit in Deutschland zu erklären. Eine Minderheit freilich sind wir: nach Meinung unserer Umwelt eine rassische, nach unserer eigenen Auffassung eine konfessionelle Minderheit;-man sollte glauben, für die Beantwortung der Frage, was wir eigentlich sind, wären wir allein zuständig. Aber ganz gleich, wie es damit steht: in einem Punkte unterscheiden wir Juden uns wohl von jeder, anderen Minderheit, nämlich darin, daß wir kein Stammland als Rückhalt haben, an. das i'Z Deutschen in Polen usw." Wir bedauern dies’ nicht, denn wir jüdischen Deutschen haben uns ja niemals für ■etwas anderes (gehalten als für Deutsche, wissen nichts und wollen nichts wissen von'einem Staate außerhalb Deutschlands, Ider uns als ein Machtfaktor zur Seite stünde gegen Deutschland. Aber mit etwas anderm rechnen wir, und das ist der. Rechtsfaktor. Der deutsche Regierungsvertreter hat in der vorigen Woche fn Genf erklärt, die „internationalen Verträge würden durch die innerdeutsche Gesetzgebung nicht berührt; wenn in Deutschoberschlesien Zuwiderhandlungen-gegen die Genfer: Konvention erfolgt seih sollten, so kann es sich nur um irrtümliche Maßnahmen nachgeordneter Organe auf Grund einer falschen j Auslegung der Gesetze handeln.“ Das ist die Erklärung, die wohl den Ausgangspunkt der Genfer Beratung bilden wird. Es kann dabei nicht ausbleiben. daß auch die Lage der Juden in Deutschland berührt wird, (und es wird sich zeigen, daß gewisse Grundauffassungen nicht Eigentümlichkeiten dieser oder jener Nation sind, sondern vielmehr, daß die Einzelnationen eingeordnet sind in den großen Kulturzusammenhang der abendländischen Welt. Aus Washington kommt die Kunde, daß das Mitglied des amerikanischen Kongresses Hamilton Fish im Repräsentantenhaus einen Antrag eingebracht hat, in dem der Präsident) der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, bei der deutschen Reichsregierung dahin vorstellig zu-werden, die bürgerlichen und wirtschaftlichen Rechte der jüdischen Bürger zu respektieren und der Zurücksetzungjaus Gründen der Rassen- oder Religions- In dieser Nummer beginnt; Zwei im andern £and Roman von Stefan Reginald Marknes. Aus unserer stürmischen Welt geraten wir In ein anderes Land, das aber keineswegs temperamentlos Ist. Romane bedürfen nichtsehr der Geographie, und darum wird es Jeder nach seinem Geschmack suchen-und am bekannten und ersehnten Lebenskreis vergleichen. Unsere beiden Helden, das kämpferische Jungmädel Mica. — fort vom Schwarm Ihrer Verehrer, von denen noch mancher zum Egolsten-Klub zplt. — und der von scharfer Plage des Muß getriebene. Vielarbeiter Victor Arago, fliegen Ihre abenteuerliche und feindlich bedrohte Bahn. In der zweiten Reihe stehen noch einige Leute, denen man leicht vorschnell das Beiwort Minder verleiht. Blutlos sind sie bestimmt nicht. Was können sie denn für die halbe Armut ihrer fielen! Die Natur hat den Durchschnittlern Triebhaftigkeit verliehen, und diese Waffe gehört zur Uniform des homo Simplex. Das Ganze wird keine Tragödie, und darum sind Form ___ Geschehnis nicht aui wuchtige und harte Sprache stilschwer ehfestellt. Es Ist schon ■ »»„„ der n.ioii der Unterhaltung munter pl-‘ Freundlichkeiten uns lat; wir führen vor: „Zwei Im andern Land!' Von aut» IDoqda. Siege Oder-Niederlagen: immer gilt es, neu zw wagen. (Richard Dehmel.) Wenn Sturmwind durch die Lande braust, dann verspürt der Mensch die Allgewalt ungebändigter Naturkraft. Dann stürzt, was morsch ist. trotzt das Gesunde, wird verweht, was nicht zu widerstehen vermag. Hier ist ein Baum entwurzelt, dort hat ein anderer um so stärker seine Wurzeln im Erdreich befestigt _ -Wer historisch zu denken vermag, der weiß, daß der Sturmwind in der Geschichte der Völker, in der Geschichte der Menschheit niemals Ausrottung, aber oft, sehr oft die Notwendigkeit, Verpflichtung und den Beginn zu neuer Auf- Zwischen dem 75. und 25. Juni - legt der Briefträger die neue Abonnementsquittung vor. Nur . . < : pünktliche . Ewlosungfyiiichert die 1 jjfüdisch-iibera- Heute mehr denn je: .Jüdisch-liberale Zeitung*1 bauarbeit bedingte. Beugte er die Menschen, ließ er sie ln Dumpfheit Verzagen, so begaim eine Epoche ohne Schöpfer-j tum. Brachte der .Sturmwind aber neue Erkenntnis oder Be-" stätigüng von den1, Dingen, dem Denken und den Menschen. * so zeigte sich stets noch, daß er nur Gestrüpp beseitigte, die . Willenskraft des Gesunden aber stählte. Wozu diese Betrachtung:1 Weil es an der Zeit ist, nun im Leben unserer jüdischen' Gemeinschaft der Verzagtheit Einhalt zu gebieten und das Werk der neuen Aulbauarbeit-zü beginnen. Da abe; ist .Klarheit über, das Fundament unserer -- " “ ‘ '—--- ir und Arbeit erstes Gebot, ^dreifacher Hinsicht: - - iiFum s Juid .. bt.%s eine wirtschaftliche Grundlage für die Aufbauarbeit-? Diese drii Fragenkomplexe und ihre Beantwortung müssen eine Einheit bilden (weshalb auch die Rtihenfolgc der Fragen völlig gleichgültig ist). Nur dann kamt eine befriedigende Lösung gefunden, werden: mit Unefnheitllchkeit des Wollens kann keine Tat gestaltet werden. Und diejAntwort muß Klarheit schaffen, sie darf nicht in einem Atenzug für sieh in Anspruch nehmend als Führung gewertet zi werden und aus vermeintlicher Schlauheit öder innerer Verschwommenheit die Entscheidung vertagen zu dürfen. i Die Menschheit insgesamt ist geschaffen, im äbetibilde Gotjes, nicht, bloß der Stammvater dieses Ader' len« Volkes,, Widern der Stammvater aller, der “«"s'hhelt aus. sich hervorasiea ..läßt-als-^«t*ltcliberechtigte. ' (Abraham GelgijiO r, .. Viele ^besinnen siih in diesen Tagen erst auf thrfudesein ü°-ch weni* davon*wußteri'und aus eigenem Triihe del Sf Sahartlicll<:n Not «eliorchendf als den nacSJn fäse?n \^n/°raen,",!en der Mischen .'Gemein-- SeinsSbilden SaoVm’st3 n,r, das Judei*"» die Totalität i|V^ SÄaxasÄ'-' on Blute. Da sic unter der Pai 1 v,i geschäftigen Leu J Verschiedenheit ein Ende zu machen, Und im englischen Unterhause hat in diesen Tagen wieder eine Aufsehen erregende Debatte stattgefunden. Der ehemalige Außenminister Sir Austen Chamberlain erklärte dort u. a., „der Geist, der sich in der Aechtur.g einer Rasse innerhalb der Grenzen Deutschlands bekundet habe, würde, wenn man ihn in außenpolitischen Dingen gelten ließe, eine Bedrohung der ganzen-Wel/ darstellen.“ Vom andern Ende her betrachtet heißt das! cs kann nicht innenpolitisch richtig und gerecht seu,- was außenpolitisch verkehrt und verhängnisvoll i/t. Außenpolitisch verlangt Deutschland die Gleichberechtigung; wir deutschen Juden können, da man uns valig zu Objekten der Politik gemacht hat, heute pur noch mit Worten sagen, was wir in unserer früheren Rechtsstellung betätigen würden: daß wir uns in/'diesem Verlangen mit unserer, Regierung einig erküren. Aber wir sehen mit Betrübnis und Sorge, daß gerade die uns gegenüber eingeschlagcne Methode die Erfüllung dieses an sich gerechten Verlangens hemmt. Hat doch z. B. in dieser neuen Unterhausdebatte wieder der Abgeordnete Barnett Jänner einen Zusammenhang zwischen der Abrüstungs-jund der deutschen Judenfrage konstruiert, indem er sagte: „Man kann nicht, annehmen, daß eine von solchem Geist beherrschte Nation - in ihrem Wunsch nach Frieden wirklich ursprünglich sei.“ Wir wissen, daß das ein Trugschluß' ist: das deutsche Volk will nichts sehnlicher, als in Frieden aufbauen; aber es muß einsehen. daß auch für die Innenpolitik gilt, was in der Außenpolitik richtig ist: Friede ernährt, Unfriede zerstört _ Es ist ja gar nicht nur so, daß man uns als Fremde behandelt, während wir in Wirklichkeit (bei Gott: nicht nur nach dem Paß. sondern auch nach unserer Innerlichkeit) Einheimische sind; nein, man behandelt uns, wie man keinen Fremden behandelt: als Mindere! Die Bücher eines Shakespeare, Racine. Dante, Sienkiewicz, Kungfutse hat man nicht verbrannt, für die Engländer, Franzosen, Russen, Japaner hat man n i c h t, wie jüngst in Speyer, besondere Badezeiten in den städtischen Badeanstalten eingeführt, ln denjenigen Fällen aber, wo dennoch „Juden und Fremdrassige“ gleich behandelt werden, da wird es — wegen der an sich geringen Zahl der in Deutschland lebenden Fremdrassigen — doch wohl nur gegen die Juden wirksam. Vor allem aber dies: im internationalen Verkehr gilt der Grundsatz: „Andersartig ist nicht gleichbedeutend ‘mit minderwertig“; da heißt es: Andersartig, aber gleichberechtigt. Wir aber sollen ge- ’ ächtet und minderwertig sein! Das Widerstreite/ sd sehr der all1/‘"’"i';"r fassung. daß wir— übniiJh wfo in ande/T1"1' e1 hangefneulich der tscfieSjosiowakiseJ^u Bene sch — sagen/möSiten: . Dit/uS'c' „w,r schon zufolge seiner Existenz ." Söhnen. Wir weichlich den Weg min Volk wissen, wie gesagt, in diesem Air,-- - - , r was die Genfer Debatte.brife /Süßen kem andensT daß der Begriff der MenschiiCvi^eme allen VolKern. . sein kann als drinnen und djfcgenüber a|lerk?’,';M Nationen. Rassen. Religio/ gegenüber den Junen Anwendbarkeit .nicht gern/ Wirtschaft setzt sieh verliert. Auf dem Gebit/durch. So schrieb der dieser;Gedanke z. T. siArtschaft- Dr. Wagene r Reichskommissarfür dÄenden des kummunalpohdieser Tage an den Vf m München, Oberbürgertischen: Amtes der NSjL dürfe bestellende Wirtmeister Fiedler u. a.:,M wenn sie mit fremdem schaftsünternehmunKeyM1! on fremden Persömicn- Kapital und bisher zuk T ht zerstören, sondern... reiten geleitet worden' sP' handeln.. Dasbemüsse! sie zwingen, deufl shsicht. bisher angepnen jeutet nichts anderes ar’e tem Staate einzuordnen, jder wirklich Staatsfrd®?,:' Vielleicht'macht man!- ein durchaus gesund?!™ a„cj, bereits Gedanken lieh an gewissen sjjfIL neuen Staat einzuordnen.- larüber, die Juden/d™hltuagSbestrebungen diejollten! tatsächlich „0deutet darauf - so muß;er Art bestehen —j. ,ü,„h (?re nicht einordnen wollen,;esagt! werden: marJnn ,seien aus Rassegründen -on denen man e/?rt.; u'Vr immer - fremd und - und also unah^f^h u ,, bnter den übrigen linder. Für uns nach des Reichskanzleutschen gilt dt01^®’ unter den übrigen Völkern - z:rs Wert für difDeU‘^he?;e ^rtSchaftUchen (wir er- :ilt: „Es ist nipt ■ v{.el?e’| „hensmöglichkeUen einem;änzcri: und bürgerlichen) entziehen ohne 'olkeitvir saien; S>ner (iruppe) M ,w Bevolke- ’ücksiat darauf, daß die öavon 0ebjete Weiterung da-auf aiigewiesenisL ^d^ nach- Genf gehn zu eben. Auch die!,® n V richtig ist (und, das prochei. Ünd da' es m .. _„ennnt werden möge).