Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 13 (1933)
- Issue
- 2 (15.4.1933)
- Date
- 1933-04-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r.L-vi.. - 'h: - . Aufruf an die deutschen Juden erlassen, über dessen ersten Teil mdii sicii-'aufrichtig freuen durfte. Es heißt da u. a.: „Nur eine höhere Füguns kann es gewesen sein, die in einer harten Sprache zu uns spricht, um durch Heldenmut V in Lejd lind Kummer uns auf eine höhere Stufe sittlichreligiösen Menschentums emporzuheben. Die deutsche Judcuheit. dies dürfen wir ohne Ueberhebliclikeit sagen, war innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft f geistig führend; durch Leistungen in Religion und Kultur; in jüdischer und allgemeiner Wissenschaft, in Wohltätigkeit und Bruderliebe hat sie sich große Verdienste erworben. Um so klarer zeigt uns die Schwere der Gegenwartsereignisse, daß die Vorsehung an .uns einen doppelt hohen i Maßstab legt.- Denn wen Gott liebt, den weist er zurecht“ Das ist] Sprache des Judentums, weil es Sprache der Religion ist; in dieser Grundaufiassung wissen wir uns eins imit uiisern orthodoxen Brüdern. Wenn dann freilich die religiösen Taten, zu denen im zweiten'Teile des Aufrufes' auigeiordert wird, die Erfüllung — ritueller Pflichten ist, dann sind wir an der "Stelle, wo sich die Wege trennen: die Geschlechter unserer -.und künftiger Tage wachsen ohne Schulchan Anteil auf, lind will die Religion die Herzen erobern, so muß sie ihre ewigen Werte im.Leben der Wirklichkeit zur Anwendung bringen; dann entsteht aus der Gegenwart eine neue, zeitgemäße jüdische Tradition — jede "Zeit ‘schafft ihre Tradition, und erst die ewige Erneuerung der Tradition,* die religiös-liberale Reform, schafft die Kontinuität durch" die Zeitalter. Das Fortschleppen des Ueberalterten hingegen führt unweigerlich zum Absterben. - .! ' xii. Rein religiös, und zwar religiös-liberal, im übrigen eingeordnet in den. deutschen National- und Kulturzusammenhang —, das ist die Haltung, in der das deutsche Judentum leben wird, in der allein es künftig wird leben können. Aber: wird cs leben können, wird .es seinen Platz an der Sonne, an der Sonne der Gerechtigkeit haben? Wird ihm gestattet sein, „in '.den deutschen National- und Kulturzusammenhang sich einzuo'rdnen“? j Wir glauben daran. Schon einmal wurde hier ausgesprochen, daß die Geschichte der Emanzipation nicht ohne Rückschläge verlaufen kann, daß aber diese Emanzipation selber. trotz I und v e r m i 11 e 1 s t dieser Rückschläge, vorangeht, weil sowohl das Ideal der Gerechtigkeit wie auch die reale Vernunft auf dieses Ziel hinführen. Es mag aber zu früher Gcsagteinj hinzugefügt werden,' daß wir die Juden-Emanzipatiön -nicht allein, nicht losgelöst von der Emanzipation anderer Stände und Menschengruppen betrachten dürfen. Denn es gibt nur eine Emanzipation: die des Menschen.- Es ist heut still geworden um das. Fichte-Wort: „Alles, was Menschenantlitz trägt“ Juda sei der Weltfeind, heißt es; aber Juda trägt Mensclienangesicht! Es ist nicht nur nicht der Weltfeind; es hat selber den Gedanken jenes Fichte-Wortes in unsterbliche Form geprägt: Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde; den Menschen, nicht dieses oder jenes Volk: So {steht schon auf den ersten Blättern unserer Bibel der Gedanke von der Emanzipation,' von der Gleichberechti- . gung aller Menschen. Und dieser Gedanke sollte verloren- ’ gehen? Ist das Buch von der Schöpfung des Menschen nicht ebenso sehr christliches wie jüdisches Kulturgut, und es sollte sein Gerechtigkeits-Urgedanke verlorengehen in dem Lande jenes Martin Luther, der als Bibelübersetzer und Schöpfer jder deutschen Sprache für das ganze deutsche Volk gewirkt hat?! Nein, es mag solch ein Gedanke für Zeiten überdeckt werden; aber was am Anfänge der Menschheit jils höchstes Ideal stand, das wird wiederkehren, wird stark “werden und wird dauern.. , . _ ... | ' ' - XIII. " ' , Uhd dann wird auch der einzelne Jude wieder leisten dürfen fürj die Gesamtheit, wird dadurch — wie mit Recht der Ausdruck lautet: Wurzel schlagen. Die Zeiten, da Brahm . und Reinhardt Berlin zyr ersten Theaterstadt der Welt machten; da Richard Wagner einen Hermann’Levi sein „alter ego“ nannte, da; Walther Rathenau ein Werk'schuf, ohne welches Deutschland (wie Stinnes anerkannt hat) schon nach wenigen Kriegswochen zusammengebrochen wäre — solche Zeiten werden wiederkehren, mögen im Uebrigen die staatlichen Formen sein, i wie Zeit und nationaler Wille sie formen. Wir Juden rühmen uns dieser Leistungen nicht; wir sind voll demütiger. Dankbarkeit, daß wir sie vollbringen durften; denn es ist eine Gnade, daß der Mensch schaffen und wirken darf. Aber eine göttliche Gnade, die flicht ein Mensch dem andern, eine Menschengruppe der andern verkümmern sollte. Diese Erkenntnis wird. sich durchsfetzen auch für_die deutschen Juden, die — was je und je hier geiordert wurde 4- Deutsche sind, ohne Zusatz, „Eigenart“, Stammesseele 'und sonstiges Beiwerk: Deutsche jüdischen Glaubens. So und nur so werden sie leben: die Einzelnen, und durch sie: die jüdische Glaubensgemeinschaft. Und jwerden selber sorgen, aus der gesellschaftlichen, beruflichen! und sonstigen Separation herauszukommen, die sie bisher — aus Bequemlichkeit — nicht stark genug bekämpft haben und deren ganzen Fläch und Unnatürlichkeit sie erst kennen lernten, nachdem diese Separation ihnen aufgenötigt Als Deutsche leben, sich national halten, alle Kräfte für das Gesamtjwohl einsetzen. selber {keinen Unterschied machen zwischen Deutschen und Deutschen, und bei alledem dem reinen jüdischen Glauben treu bleiben und seine ethischen Werte in das Leben bringen, damit dieses seine Richtung auf das-Göttliche erhalte —: das ist jder Weg. Mag er nun lang sein oder nicht so lang, wie wir {fürchten — und schwer wird er auf alle Fälle sein: fes ist der Weg der Zukunft führt zum {Ziel. Gegen Beschimpfungen jüdischer Schulkinder. Der Staatskommissar für die Unterrichtsverwaltungen in Baden hat die Lehrer darauf hingewiesen, daß Beschimpfungen jüdischer Schulkinder durch ihre Mitschüler nicht geduldet werden können. Ein derartiges Vorgehen {entspräche nicht! dem Geist der christlichen und nationalen Erziehung, wie sie das neue! Deutschland wünsche. Auch in der Schule müsse die nationale Bewegung unbedingt Disziplin halten. Alis den Gemeinden \ Berlin. (Bedeutsame Vertagung der Gebetszeiten.) Der. Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt bekannt, daß j die Morgengottesdienste an den Feiertagen in den Synagogen' nach altem Ritus um 8 Uhr früh, in denen nach neuem Ritus {um 8.30 Uhr früh beginnen. Dadurch {wird u. a. die in heutiger Zeit wünschenswerte.frühere Beendigung der Andachten erreicht j Berlin. (Jüdische Gemeinde und Kommunismus.) Wie wir erfahren, ist bereits vor längerer Zeit auf Beschluß des Gemeindevorstandes allen Beamten und jAngestellten der Gemeinde durch Rundverfügung folgendes bekannt gegeben worden: „Angesichts der ablehnenden Stellung des Judentums zu den kommunistischen Ideen und der! Bekämpfung aller Religionen, insbesondere auch des Judentums, durch den Kommunismus hat der Gemeindevorstand es stets für selbstverständlich angesehen, daß keiner seiner Beamten und Angestellten dem Kommunismus angehört. Falls in irgend einem Einzelfall diese Annahme nicht zutreffen sollte, erwartet der Gemeindevorstand von dem Betreffenden, daß er unverzüglich die Folgerungen ziehen und aus dem Diensteider Gemeinde ausscheiden wird. Der Gemeindevorstand weist darauf hin, daß er{ selbst jeden Beamten und Angestellten unverzüglich aus dem Gemeindedienst entfernen wird, vonTdem ihm bekannt werden sollte, daß er dem Kommunismus angehört“ Danzig. (Jubiläum der Synagogengemeinde.) Die hiesige Synagogengemeinde, 1883 durch Zusammenschluß von fünf Einzelgemeinden gegründet, beging trotz der Ungunst HlHikann für l»r. Kantoren und Kultmbpamfe, deren Witwen und Wallen In Deutschland E. V, Einladung zur 43. Ordentlichen Generalversammlung am Sonntag, 30. April 1933,abds.7* 1 * 3 4 5 6 7/4UhriniGemeindehaus>BI.CRasensfri2/4. Tagesordnung:; { 1. Bericht des Vorsitzenden. j 2 Kassenbericht. : 3. Bericht der Revisoren und Erteilung der Entlastung. [ 4. Neuwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder. ' 5. Wahl jder Revisoren. i ‘ 6. Beratung über Satzungsänderungen: : EiniQgung eines § 12a über einen auBerordentlichen Beitrag. 7. Anträge, Verschiedenes. I Anträge zur Tagesordnung sind bis zum?3. ApriPd. J. an den Vorsitzenden. Herrn Oberirantor L. Kalischer, Berlin 027. HolzmarktstraBe II, zu richten. der Zeiten ihr 50 jähriges Jubiläum in festlicher Form. Wir werden Werdegang, Wirken und Jubiläum dieser trotz der Lostrennung Danzigs von Deutschland und trotz vielfacher Einwanderung von Ostiuden noch heute vorwiegend deutschkulturellen Synagogengemeinde in'der nächsten Nummer ausführlich schildern. „ Düsseldorf. (Keine Pässe an Juden.) Wie „Der Deutsche“ berichtet, hat der Düsseldorfer Polizeipräsident die Ausstellung von Auslandspässen an jüdische. Reichsangehörige eingestellt Gleichzeitig soll festgestellt werden, welche Personen jüdischer Abstammung im Besitz von Auslandspässen sind. Es wird darauf hingewiesen, daß diese Personen zur, Zeit die Reichsgrenze auch mit einem gültigen Auslandspaß nicht überschreiten können. Frankfurt a. M. Am 1. April beging Herr Bruno Hochheimer seinen 60. Geburtstag. . ' Hamburg. (Dem Gedenken von Dr. Frankel.) Vorstand und Repräsentantenkollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hatten sich zusammengefunden zu einer Gedenkfeier für den dahingegangenen Ersten Vorsitzenden des Repräsentantenkollegiums, Herrn Dr. Ludwig Frankel. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Alfred Levy, dankte zunächst für all die vielen Beileidsschreiben, die die Gemeinde für den verstorbenen Freund und Führer erhalten hatte, und gab dann ein klares Bild über den vortrefflichen Charakter des Verstorbenen, der. sich stets als Sachwalter der ihm anvertrauten ernsten und heiligen Aufgaben empfand. Dann sprach der stellvertretende Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Alexander Levy (köns.). Ausgehend von dem Worte Jonathans an David: „Du wirst vermißt werden, denn leer ist dein Platz“, schilderte er den furchtbaren Verlust, der die Gemeinde betroffen hat Wahrheit, Recht und Frieden, darauf war. die Persönlichkeit und das Wirken Dr. Fränkels abgestimmt Die ergreifende Stunde, der auch .die nächsten Angehörigen beiwohnten, wurde umrahmt von feierlichem Harmoniumspiel des Herrn Oberkäntor Leon Komitzer. Kassel. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit als Leiter des hiesigen Altersheimes ist Lehrer a. D. Josef Bachrach aus seinem Amte geschieden und nach Hamburg verzogen. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat Herr B. seine Kräfte in den Dienst der jüdischen Allgemeinheit gestellt, 45 Jahre als Jugenderzieher und die letzten zehn Jahre als Betreuer jüdischer Greise und Greisinnen-; In allen Aemtern genoß er durch sein freundliches Wesen und seine Hilfsbereitschaft große Wertschätzung, die auch in einer schlichten Abschiedsfeier im engeren Kreise zum Ausdruck gebracht wurde. Auch der Kasseler Bezirksverein israelitischer Lehrer Hessens bereitete seinem Senior eine feierliche Abschiedsstunde und ließ durch seinen Vorsitzenden, Hauptlehrer Moses, eine sinnige Aufmerksamkeit überreichen. ' &wiMm=7lacküdhteti^ (Aufnahmen in diese Rubrik kostenlos.) Barmizwah: Breslau: Werner .Ansorge, Sohn des Herrn Georg Ansorge und Frau Mathilde, geb. Redlich, Opitzstraße 11. 22. 4. 1933. ■ - Gestorben: Berlin: Laura Stern, geb. Seligsohn. Am 6. April verschied unsere geliebte Mutter, : «Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, Frau Laura Stern* geb. Seligsohn im 73. Lebensjahr. » Im Namen der Hinterbliebenen . Rechtsanwalt Heinrich Stern und Frau Anna, geb. Jacob Eva Stern Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Von Beileids- : besuchen bitten wir Abstand zu nehmen. BERLIN tmpfeMwswecte JizzugsqueHen BERLIN Bürgersteige) Flnjwxlenwg von Hsusrcparaturen Robert Wolters Kurffiratcndnmm 163,Tel. 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