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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-04-01 · 1 (1.4.1933) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
13 (1933)
Issue
1 (1.4.1933)
Date
1933-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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üicl Ken um weiter, daü jeder Einzelne in diesem üeiste. trotz allem Unj'liick des Lehens, seine innere Festigkeit findet und sein Leben nach diesem Geiste gestaltet: wodurch danu auch die Wirklichkeit unseres I jüdischen und allgemeinen Gemein*. scliait^Iehens ihre religiöse Urätfuriic. ihre kichtum; aui das Göttliche erhält. Immer wieder erhebt sich die* Forderung nach Lebensnahe der Igelutioii. nach Religionsnalie des Lebens. Liberales Judentum — |das ist. wie iJr. .Sclteniunn es genannt hat. die i ii d i s c h e R y f o r m b e w e g u n g. die die aus der 'liefe der - jüdischen Geschichte überlieferten Formen immer wieder erneuert und umgestaltet. um den Urnen zugrunde liegenden -jüdisch-prophetischen- Geist immer wieder zur lebendigen * Darstellung tindj zur Anwendung auf das Leben zu bringen! ' ■ j lüne solche Bewegung ist unabhängig von jeder noch -so großen politischen und kulturellen Umwälzung. Rabbiner Pr. Norden bat/darat^ jiingewiesen, daß die jüdische Ketorinhewegung so alt ist wie das Judentum selber und der religiöse Liberalismus soj alt wie die Religionen. Jüdische Reiormbewegung und religiöser Liberalismus werden deshalb auch so alt werden 4Wc das Judentum und die ^Religionen. Machen'wir jetzt eine i Zeit der Unruhe durch ‘Üjind werden über.‘kurz oder lang die Verhältnisse sich wieder iestigen: wir-deutschen Juden haben in der Kriegszeit mit Ihrer furchtbaren. Not. in‘der inilatjonszeit'mit ihrer entsetzlichen Sorge unsere geistigen Güter und unsercre kulturellen Organisationen ,nie auch eine Stunde nur vernachlässigt; wir werden den (jeist der jüdischen Prophetie, des religiösen Liberalismus, der iiidisclicn Reform uuu Frueuerung auch in diesen unruhvollen Tagen vorautrageli; denn wir wissen: keine Zeit, sie sßi und sie heiße, wie sie, wolle, kann diesen Geist entbehren, weil es der Geist der Ewigkeit, der Göttlichkeit und — der wahren Menschlichkeit ist. Blick in die Zukunft. Von Ocoree Goetz.' I. Erreiiun-z in weitesten jüdischen Kreisen: über Ereignisse, die aus der Tagcsprjesse bekannt, die aber in diesem Blafte einzeln aufzuzälilen unnötig und ebenso unmöglich ist, wie es ferner unmöglich erscheint, die Tragweite des jetzigen Geschehensbereits abzumessen. Was ist Zuiall, was ist vorübergehende Erscheinung einer aufgeregten Zeit — und was dagegen eine hjeibende Maßnahme, Zeichen grundsätzlicher. dauernder Wandlung? Wir’ wissen es nicht, niemand kann es wissen: denn es fehlen die für jedes Urteil notwendigen Voraussetzungen: Kontrolle und 'Distanz. ' Ii. ' Nicht scharf genug kanji es verurteilt werden, wenn von aufgeregten und verängstigten Gemütern Gerüchte geglaubt und weitergegeben werden, "die nicht den Tatsachen entsprechen. Dazu die von Unverantwortlichen. Sensationslüsternen und Geschäftemachern im Auslande, besonders in Amerika, verbreiteten Greuellügen über Deutschland, mit denen die deutschen Juden nichts zii schaffen haben und denen sie durch die Erklärungen ihrer maßgebenden Körperschaften — für das In- und Ausland deutlich hörbir — widersprochen haben. Unzweifelhaft steht, fest: diejneue Regierung hat. wo Uebergriffe vorkamen, diese nicht gedeckt: des Reichskanzlers Aufruf zur Disziplin hat Erfolg gehabt. ' . - . iII!- Jedoch: es handelt sicli -für uns nicht so sehr um einzelne Mißgriffe, sondern weit mehr um diejenigen MaßnMmien, die auf die grundsätzlichen Anschauungen der Regierung zurückzuführen sind und die auch Jda. »vo sie sigh,auf.daMCiil)«u'eUe ■erstrecken, in das Gebiet^der5Wirtschaft hfnüberfeifen. weil sie, ..sollten sie für die Dauer getroffen sein. den. großen Teil der deutschen Juden | um ihre Existenziwtlichkeit zu bringen drohen.' Wir verstehen, aber mr teilen nicht den Pessimismus, der in dieser Beziehung vielfach Platz gegriffen hat/ IV. <- - Ja. wir verstellen ihn. Partei und ihre Blätter, aus die Regierung liervorgegangen ist. uns seit ihrem Bestellen als Volksfremde bezeichne! bat. Da liegt c,s nahe, daß Ranik und Ist es doch so. diß diejenige deren Mitte jetzt zur TIauptsaclie Trostlosigkeit um sich greifen, der wirklichen Bedeutung und Es fällt schwer, sich ein Bild von Tragweite derjenigen Maßnahmen festgesielit sei: keineswegs zu machen, von denen zurzei jüdische (aber, wie ausdrücklichnur jüdische und keineswegs alle jüdischen) Anwälte. Aerzte. Beamte. Künstler betroffen worden sind, und die sicli z. T. auch in das Gebiet von Handel und Wirtschaft iortzusetzen scheinen. Der neugegründeten „Reichsvcrtretung Ider deutschen Juden“ erwächst hier die Aufgabe,-festzustelleii. wo etwa durch solche Ma߬ Appell der deutschen Juden. Die Reichsvertretung der deutschen Juden und der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben soeben das folgende Schreiben an den Reichspräsidenten, den Reichskanzler, die Reicbsminister und an den Polizeipräsidenten von Berlin gerichtet: ..Die deutschen Juden -sind tief erschüttert von demBoykottauirui der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei. Wegen der Verfehlung einiger Weniger, für. die wir nie und nimmer Verantwortung tragen, soll uns deutschen Juden, die sich mit allen fasern ihres Herzens der deutschen Heimat verbunden fühlen, wirtschaftlicher Untergang bereitet werden. In allen vaterländischen Kriegen haben deutsche Juden in dieser Verbundenheit Blutopier gebracht, lin großen Kriege haben von iüniiiunderttausend deutschen Juden zwölftausend ihr Leben liingegehen. Aui den Gebieten friedlicher Arbeit haben wir mit allen unseren-Kräften unsere .Pflicht getan. Den Greuel- und Boykottfeldzug im Ausland haben die jüdischen Organisationen Deutschlands mit äußerster Anstrengung und erfolgreich bekämpft. Sie haben hierfür alles getan, was in ihrer Krait stand, und werden es weiter tun. Trotzdem sollen jetzt die deutschen. Juden, als die angeblicli Schuldigen, zugrunde gerichtet werden. Wir rufen1 dem deutschen Volke, dem Gerechtigkeit steLs höchste Tugend1-war. zu: Der Vorwurf, unser Volk geschädigt zu haben, berührt auis tiefste unsere Ehre. Um der Wahrheit willen und um unserer Ehre willen erheben wir feierlich Verwahrung gegen diese Anklage. Wir vertrauen aut den Herrn Reichspräsidenten und aui die Reichsregierung, daß sie uns Recht und Lebensmöglichkeit in unserem deutschen Vaterlande nicht nehmen lassen werden. Wir wiederholen in dieser Stunde das Bekenntnis unserer Zugehörigkeit zum deutschen Volke, an dessen Erneuerung und Aufstieg mitzuarbeiten unsere heiligste Pflicht, unser Recht und unser sehnlichster Wunsch ist.“ ■ * Eine Erklärung der deutschen Rubbiner. Der Allgemeine deutsche Rabbinerverband richtet folgende Erklärung an die deutschen Juden: Es widerstrebt uns. gegenüber Angriffen die Versicherung dessen abzugeben, was unser Judentum ist. Der wahre Geist unserer Religion spricht zu jedem, der hören will. Unsere Geschichte zeugt von dem. was wahrhaft in uns. lebt. Wir wissen um das, was unser deutsches Vaterland uns ist. Seit altem lehrt uns unsere Religion, in Treue dem Staate zu dienen. Unseren Glaubensbrüdern rufen wir zu: Haltet die Treue und die Zuversicht fest! Be wahrt den Stolz und die aufrechte Krait! Bleibt der Väter wert! Der Allgemeine Rabbiner-Verband in Deutschland. nahmen grundsätzlicher Art das objektive Recht den deut-' schon Juden gegenüber beeinträchtigt sei, und iin Zusammenhang mit der Regierung sich um Abhilfe zu bemühen. Denn auch die Regierungwird nicht wollen, daß chaotische Zustände einreißen, und wird zweifellos jeden Weg gutheißen und selber besehreiten, der die drohenden Schädigungen beseitigt. V. Die neue Regierung wendet sich bewußt vom politischen Liberalismus und von der Demokratie ab. also von den Prinzipien derjenigen Parteien, deifen wir Juden in erster Linie unsere Freiheit und Gleichberechtigung inmitten unserer deutschen Volksgenossen anderer Konfessionen zu danken ■hatmn. Wir sagen: in erster Linie: denn auch konservative Persönlichkeiten und Volksschichten sind zu allen Zeiten für die Judenemanzipation nachhaltig wirksam gewesen, und die Anfänge der Emanzipation fallen in eine Zeit, da Preußen und Deutschland durchweg streng'konservative Staatsführung hatten und von liberalen Parteien noch keine Rede war. Audi heute treten viele Konservative mit größtem Nachdruck Oberstlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, München, Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. iür die Emanzipation ein. Deshalb sind wir der Meinung, daß auch in einem nicht nach demokratisch-parlamentarischen Grundsätzen regierten Deutschland, daß in einem Deutschland jeglichen Regierungssystems wir jüdischen Deutschen Anspruch aut völlige Gleichberechtigung haben und daß dieser Anspruch sich durchsetzen wird. ' ' VI. Die Geschichte der Emanzipation kann — wie in der Vergangenheit, so auch in Gegenwart-und Zukunft — nicht frei von Rückschlägen sein: es gibt im geschichtlichen Werden keine einzige Entwicklung, die von Rückschlägen frei und gradlinig verliefe, und ganz gewiß haben Die es schwer, die von diesen unausbleiblichen Rückschlägen getroffen werden. Dennoch wird die Emanzipation weitergehen und Wird,— trotz und vermittels der Rückschläge — sich vollenden, denn das. was einmal angelegt ist in der. Geschichte und in den Menschen, kann niemals ganz rückgängig gemacht werden und untergehen. Und nun gar in dieser bedeutenden Sache unserer Emanzipation, in der das Ideal der Gerechtigkeit und die in den Realitäten selber liegende Vernunft auf das gleiche Ziel hinführen --: es ist heiligste Gewißheit, daß dieses Ziel Wirklichkeit werden wird. VII. Diejenigen unter uns, die das nicht verstehen und den Rückschlag für dauernd nehmen — sie sind es. die heute in Erregung und Klage iailen. Und zwar ist, nach allgemeiner Beobachtung, mit wenigen Ausnahmen Erregung und Klage gerade dort am heftigsten, wo die Bindung an das Judentum am geringsten —: sie leiden und wissen nicht, woiür! Denn mit der Kenntnis vom Judentum fehlt ihnen die innere 1 Stärke' fürihr - Leiden um-' des’ 'Judentums willen. Ohne nun dieses Leiden im geringsten verkleinern oder gar das selbstverständliche Mitgefühl versagen zu wollen, können wir doch feststellen, daß jetzt eine vertiefte Beschäftigung mit dem Judentum platzgreiien wird. Wie es im Talmud heißt: ..Achtet auf die Kinder der Armen, denn von ihnen geht die Lehre aus“, so bringen gerade Zeiten wie die unsere innere Kräfte zur Entwicklung, durch die uns ein Reichtum geschahen wird,.der manche verlorene Position' aufwiegt. Das Judentum ist überreich an Werten, die in Zeiten der Wolillebigkeit in Vergessenheit geraten — das mußte gerade von denen, die um den Fortbestand eben dieser Werte besorgt sind, in den letzten Jahren schmerzlich erkannt werden. Werden diese Werte nun aber wiedererweckt, so . wird der Einzelne aus ihnen eine starke Sicherheit schöpfen, die Gemeinschaft aber wird Kräfte aus sich heraus gewinnen, die ihr — und in ihr den Einzelnen — Festigkeit und neuen Aufstieg verleihen. VIII. Dieser Aufstieg der deutschen Judenheit —: er kann so wenig ausbleiben wie der Aufstieg Deutschlands, an den mit •Die. ThueUe dec „Jüdisch? liberalen Zeitung." Harmonium im Winde. ' Von F r i e 1 a M e h I e r. TVTiclit nur in der Kleinstidt gibt es Killeberger, nicht •*- ’ nur in der Kleinstad: geschehen Dinge, die abseits von Krieg und Inflation die Gemüter aufrüliren -und entbrennen lassen in "tjciligem Zorn, die eine Weltunistellung _ überdauern und den . ewig unsterblichen Philister zu neuer Blüte erstellen lassen. Es'gibt in einer großer Stadt eine kleine Kehilloli, die als Privatunternehmen an der Peripherie erblühte und die großgemeindliche Genehmigung in Form einer Subvention erhielt und sicli schlecht und recht durchschlug mit einem gemäßigt^konservativen Gottesdienst. Einer der Parnoßim. ein eintlußreicher und kluger Manu, der nicht eben häufig zum I Gottesdienst ging, weil ihm der Ritus wohl nicht sehr jzusagte. erreichte von dem damals sehr liberalen Gemeindevorstand die Stiftung eines Harmoniums. Der Verstand der Kille war eigentlich zum größten Teil gegen das Harmonium, aber wenn es als Geschenk Von Ider großen .Gemeinde kam, konnte inan es nicht gut abweiscii/ es konnte ja dastehen, ohne daß es am Sthabbos oder! au den Hollen Feiertagen gespielt wurde. Wenn Gott -behüte mal eine Trauung im- Tempel stattfiiiden sollte, bis jetzt war .das..noch nicht vnrgekommeh. dann konnte man es spielen. . Damit waren uuii (aber die Stifter nicht einverstanden. denn man schenkt ein Harmonium nicht zum Ansehen. Fs war zudem ein nettes kleines Instrument und das boshafte Plagiat auf ein bekanntes Sprichwort: „Einer geschenkten- Orgel sieht man nicht in die üorgel“ wirklich-ohne Berechtigung. Also — cs mußte gespielt werden, und cs sollte auch ein. natürlich: gemischter, Chor eingerichtet werden. Das entr fesselte den Krieg. Einzelne orthodoxe Mitglieder traten aus. In den Familien stand Vater gegen Sohn, Frau gegen Mann. Einer der Mitbegründer der Kille, der mit seiner schönen Stimme sehr oft den Chasan überflüssig machte, stand in grimmiger Fehde mit der Frau Gemahlin. Sie betrat mit keinem Fuß mehr die Synagoge; ja einem Gerücht zufolge drohte sie, wie die katholische Isabella vor dem Falle Granadas, das Hemd nicht eher zu wechseln, bis das verhaßte Harmonium wieder entfernt und der Gottesdienst von allen bösen liberalen Geistern gereinigt war. Umsonst —r das Instrument blieb, der gemischte Chor kam., und es wurde eine Kommission eingesetzt, die über Aenderungen und Reformen beraten sollte. Und da man u. a. ein paar Piutim weglassen wollte, taufte sie ein Spötter die Jekumpurkon-Kommission. Der Krieg kam und ging vorüber, und allmählich wechselte die Windrichtung in den oberen Sphären der Großgemeinde, drehte sich langsam nach. rechts. Orthodoxe und Zionisten begannen die Gemeinde stärker zu beeinflussen, und was oben geschah, färbte natürlich nach unten ab. Der zweite Parneß, der aber eigentlicli die Kille autoritär beherrschte, drehte sich, er begann langsam gegen das Harmonium zu bohren. Die' Liberalen hatten zwar die Majorität in der Kille, aber die Orthodoxen oder Harmoniumsgegner;. denn darauf beschränkte sich die Orthodoxie der meisten, stellten die Majorität im Gottesdienst. Und man muß sich, sagte der Vizeparneß. der zehn Jahre lang-liberal gewesen war. nach der Majorität der Synagogenbesucher richten, sonst hätte man bald kein Minjan mehr. Und alle die Leute, die zehn Jahre hindurch das Harmonium ohne Störung ihrer Andacht schön gefunden hatten, fielen, in den Chor ein: „Fort mit dem Harmonium.“ Eine außerordentliche Generalversammlung wurde einberufen, die Gegner rüsteten zum Kampf. Heimliche Boten gingen von Haus zu Haus, hetzten und tuschelten. Aber auch die Liberalen machten mobil, holten ihre letzten Reserven heran, und am Abend der Generalversammlung wurden die Harmoniumsgegner, mit erdrückender Mehrheit geschlagen. ' „Gut“, sägte der Vizeparneß, „das Harmonium bleibt, aber es wird nicht mehr gespielt.“ Und plötzlich war das Harmonium entzwei, und es fand sich offenbar niemand,.es wieder herzustellen. Kam der bestellte Handwerker, war gerade der Schlüssel zur Synagoge nicht da, nicht aufzufinden. Bis der Harmoniumspieler, ein jünger Student, an einem Schabbosnachmittag einen Fachmann in die offene Synagoge hineinschmuggelte, der das Instrument reparierte. Helle Wut im Vorstand! Am heiligen Schabbos war repariert worden! Schabbosschändung! „Ja“,, sagte der Harmoniumspieler, „an Wochentagen war ja die Synagoge nicht offen, und überdies, wer von den Herren hat denn sein Geschäft am Schabbos geschlossen? Sollte das nicht auch-?“ Nun begann eine erfreuliche Zeit. Spielte am Freitagabend das Harmonium, zogen die Orthodoxen aus, spielte es nicht, verließen die Liberalen das Lokal. Die Jekumpurkon-Kommission wurde wieder einberufen. Sie schlug vor, es sollte ‘am Freitagabend gespielt werden, am Schabbos nicht. Das lehnten die Orthodoxen als' Kompromißlerei ab. Zweiter Vorschlag: Es solle nur zum Eingang des Sabbath bis Borechu gespielt werden. - Das lehnten die Liberalen ab. Am Schewuoth kam es zu einer' Kraftprobe. Die Orthodoxen beschlossen, da das Harmonium spielen sollte, die Veranstaltung eines Frühgottesdienstes, damit dann zum Ha'uptgottedienst die Liberalen nicht Minjan hätten. Sie zogen früh um sieben Uhr zur Synagoge, aber der erste Vorsitzende, der gerade mit dem Vizeparneß in Fehde lebte, hatte den Frühgottesdienst abgelehnt und den Synagogenschlüssel an sicli genommen. Wutentbrannt zog die Orthodoxie ab, und zürn Hauptgottesdienst kamen soviel Liberale, daß sie zweimal Minjan hatten. In jeder Familie tobte der

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