Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 23 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentums — das sind gewiß Orthodoxie, Liberalismus und Zionismus? Ach nein, es sind' die Sektionen der französischen Judenheit: „das französische Judentum, das sephardische Judentum und das. Ostiudentum“! Dieser Tage veranstaltete der vorbereitende Ausschuß, oder, wie er sich hochtrabend nennt, die „Exekutive zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses“ einen „Empfang der Vertreter der jüdischen Presse“, zu dem freilich, aus lauter Neutralität, die ,Jüdischliberale Zeitung“ und die CV-Zeitung vorsichtshalber nicht gingeladen waren. Auf diesem Empfang äußerte der neutrale Zionist Nachum Ooldmann, daß in Deutschland die Arbeit noch in' den Anfangsstadien stecke, aber, fuhr er fort, „sehr gut steht die Sache in Oesterreich und in der Tschechoslowakei. Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde und damit auch der Verband jüdischer Gemeinden Oesterreichs stehen jetzt unter nationaler Führung!“ — Alan wird sich diesen Ausspruch merken müssen, denn es wird ja nicht lange dauern, bis die Goldmänner mit ihrem Projekt als einer'„völlig neutralen und überparteilichen Angelegenheit“ unter den deutschen Juden auf den Gimpelfang gehen; die deutschen Juden haben aber jetzt andere Sorgen als die Finanzierung eines jüdisch-zionistischen „Welt“-Kongresses in Genf, der „für das Jahr 1934 in Aussicht steht“, und der über „Weltanschauungs“- Geschwätz und zionistische Reklame hinaus zu keinerlei prak tischen Ergebnissen führen wird. Fromme Lögen. ln Nr. 21 dieses Blattes vom 29. Januar gab Herr L. Levisson, der Erste Vorsitzende der jüdisch-liberalen Vereinigung in Holland, ' eine Schilderung von dem, was die junge Bewegung leistet und wessen sie bedarf. Von den Leistungen wurde hier bereits des öfteren gesprochen und auch davon, daß das Blatt der jüdischen Trennungsorthodoxie in Deutschland es als einen- „Einbruch“ bezeichnet, wenn Liberale aus Deutschland. England und Amerika die Arbeit der holländischen Liberalen, auf deren ausdrückliche Bitte und Eiuladung, unterstützen. Als wir das. Blatt daraufhin in einer Glosse verulkten — wir schrieben u. a., daß die Kriminalpolizei diesem „Einbruch“ nicht nachforsche — brachte der „Israelit” eine Erwiderung, die so dumm war, daß wir den Disput abbrachen; cs war denn doch zu fad, daß man’s so zu drehen suchte, als hätten wir im Ernst das Wort „Einbruch“ in seinem kriminalistischen Sinne genommen, und uns spaltenlange Abhandlungen schrieb, warum, wieso und weshalb ein Einbruch im kriminalistischen Sinne vor- Jiegt. Ne, das machte keinen Spaß mehr, halbwegs geistige Ebenbürtigkeit der Partner muß denn doch vorhanden sein, wenn man diskutieren soll; und so wären wir denn auch nicht auf den stupid gewordenen Fall zurückgekommen, wenn nicht der „Israelit“ es für richtig gehalten hätte, seinen neuen Jahrgang 1933 gleich mit dem Abdruck unwahrer Behauptungen über die jüdisch-liberale Bewegung in Holland zu. eröiinen. Es ist langweilig, aber es hilft nichts; die Un- . Wahrheiten müssen hier berichtigt werden, das sind wir unsern holländischen Freunden schuldig. Der „Israelit“ veröffentlicht einen „Amsterdamer Brief“, in dem behauptet wird: „Die-Herren bedienen sich eines Vorbeters-von sehr frommen Eltern . . der jedoch, selbst mit einer Nichtjüdin Die Gßfahrzoneiiir Rheuma. Ischias, Gicht sind die Wlnleimonnle.Rediuclttge KUfe bxingt Ihnen eine OrigiBSl*Pidyu SAwefeUAlammknr, streng nodi der Origlnetmdhode des Rheumabades der Veit — PisJyaa PanschaUraren 4 Wochen ab RM 42.00. Rheumakompressen für Hauskoren ab RH 4.75. Auskunft und Prospekt Z, frei verheiratet, nur .nichtiüdische Kinder hat.“ — Der „Israelit“ möge zur Kenntnis nehmen, daß diese Behauptungen erstunken und erlogen sind, daß die holländischen Liberalen überhaupt keinen ständigen Vorbeter haben, daß bisher in jedem Gottesdienst ein anderer Vorbeter fungierte, ttiß aber der Herr, der liier gemeint ist. niemals in einem Iler liberalen Gottesdienste,vorgebetet hat und daß seine tanze „Funktion“ iür die Liberalen sich darin erschöpit. dal er vor geraumer Zeit bei sich zuhause am Schreibtisch/einen 'Bibelabschnitt aus dem Hebräischen ins Holländisch übersetzte, der dann von einem anderen Uemeindeinitglid im Gottesdienst verlesen wurde. Aber hätte er selbst einboliändisches Gebet vorgetragen, weil die-Gebete in der Landtsprache dort in den holländischen liberalen Gottesdiensten ets von Gemeindemitgliedern, oft sogar von Frauen, gelesen v rden, so wäre das nur eine gelegentliche Mizwah, durch die i- Betreffende noch lange nicht zum Cliasan wird, dessen sic#— nach dem Briei im „Israelit" — „die Herren bedienen“, :i dem Brief heißt es ferner; „Als Kuriosum möchte ich noch ijlden, daß am Sonntag Mittag flaut Meldung des Haudelsbladslmter Leitung des Herrn Dr. S. Salonionski — wieder ein ueul Licht_ Chanukkalidienst abgehaltenwurde. ' Die 1 scheinbar keine andere Manier, sich lächerlie — Der „Israelit" möge zur Kenntnis nehmen, d Chaiiukkaligottesdieust 'in Amsterdam am S mittag um 4.15 Uhr stattgeiunden hat. also stunde und etwa zur gleichen Zeit wie in Gemeindesyiiagoge. Der in Deutschland] „Israelit“ braucht nicht zu wissen, was de Brieischreiber sehr genau weiß: daß im Ho, Was urieiscureiucr rr , » L—vT . . Wort „Mittag“ iür die Zeit von 12 bis 7 ynr Taucht wird, und dail es demnach bewußte Zweideutigkeit Wie mit dem _ .in.. Athpr< kuriknnlriictiort UUU UUU unuüMwu w*. ..— —---- orthodoxen Gebaren des Brieischreibers kuri daß er. den Eindruck erwecken will, als hab< Dr. Fritz Salomonski (um diesen handelt Ur. I Tll£ OURjmuwaivi vu*»» un«w. ..—-- Chanukkahiicht lächerlicherweise zur lielleMitfagstünde entzündet. — Der „Israelit" ist. mit soldien,wührsmann. schlecht beraten, und wir wollen nun einmibwarten. ob ' ’ —*tin.l,.vnn I locinttitlHr | voroitilvipuH Licht — ein ■reu wissen machen.“ der liberale tag N a c li - die Abendorthodoxen erscheinende Amsterdamer disehen das [kontrastiert, User Freund sich) das vereinbaren bleiben. SC11ICCI1L UCtailäii. unu •» i» .. w..~.. auch er es mit seiner orthodoxen Gesinnung weiß, daß unwahre Behauptungen unberichy_ Und nun. nach all diesen Umvahrheitqnoch etwas Wahres, das zugleich, für uns wenigstenmeh all der Langweile auch ein Spaß.ist. eine Bitterkifeilich wohl für die Herren von der Orthodoxie. Für lili .Abnormitäten ist Holland nicht reif“, schreibt jene on.vmus im „Israelit". Warum verschweigt er, der so! Unwahres zu melden orthodoxerweise sich gedrungen t. die Tatsache. daß — in dem gleichen Jahre und tm gleichen Chanukkah-Sonntage, an dem unsere liberaFreunde in- Amsterdam zum ersten Male einen Chanrgottesdienst abhalten — auch der orthodoxe Oberrabinejärsen zum ersten Male eine Predigt am Sonntag itj orthodoxen Gemeindesynagoge hält und diese in seijortliodoxen Gemeindeblatt ankündigen läßt?! Noch niebisher dort am Sonntag gepredigt worden, und nun taHerr Oberrabbiner Maarsen zum ersten Male, tat ejnutfjcb zur gleichen Stunde, als die bösen Liberalen miem gleichen Tun ein „Kuriosum“ begingen, sich „lächerliclhten“. Sollte Herr Maarsen nicht vielleicht doch gespiil von den Liberalen gelernt haben, daß der geschäftsjonntag zur Abhaltung von Gottesdiensten und Predigtdit geeignet ist? Die holländischen Liberalen suchen I Propagan- . „„roi-hen sie’s mit dieseslirigen Op. Ultll« UHIUIIWiVit« « imj >h --, W 9, Köfhener Sir. 36 s TeL Kurfürst 3790 Elektrische Ucht« und olle medizinischen ÖSder. Subequales Dannbad. Elektrisches Sfangerbad. Bruchleidende / Fußleidende nur bei Emil Hempel, Orthopädie, Bandagen Berlin W 35, Lutzowstra&e 39 Telefon Bl Kurfürst 4529 Lieferant sämtlicher Krankenkassen. IStr Uie nuiiauuiäciicu UIUU uivn disten; vielleicht versuchen sie’s mit dieseährigen Gelehrten, mit Herrn Oberrabbiner Maarsenjmd scheint doch iür den Liberalismus schon recht rj sein. Die .Abnormität“ aber, sollte man sie nicht amj bei jenem suchen, der die Behauptung von Unwährhesl das Verschweigen von -Wahrheiten, kurz: die LügfCampfmittel für die Frömmigkeit benutzen zu dürfen gliWir jedenfalls haben von Religiosität eine normaleitellung. Steuer Fachbearbeiter, prominenter, zahlt! für Auftragsvermittlung hohe Var- . gutung, übernimmt Bearbeitung an! alten Platzen des Reiches. Chiffre B. F. 263 an die Jüd -lib. Zeitung, Berlin SW 11. 1 Siadtke Veit Berlin W, |la.d Joachims!* Unter Aufsicht Ai IvonFesflii Mittag- Berlins ndamm 22 I.BIimardc2245 I O.m. Barlln g . jeder Art ndtisdi t. Küche diesmal bemerkte: Ein Tritt ins Fettnäpfchen. So eine Repräsentanten-VersammUmg bringt manchmal die ulkigsten Situationen mit sielt, denn ani der Tagesordnung stellen systemlos die heterogensten Beratuugsgegcnstände untereinander. So wiir’s auch atu 16. Februar in Berlin. Beraten wurde zunächst ein Antrag der' Liberalen Fraktion: in zwei Betsälen (nicht Synagogen!) au den Holten Feiertagen „Kurzalldachten“ einzurichten. Dr. Sachs begründete den Antrag im wesentliche» mit. den Argumenten, die er in mehreren Artikeln in der „Jüdisch-liberalen Zeitung'.' dargelegt hat; es' gibt mm einmal heute eine Unzahl Menschen, die in einem vielstündigett Feiertagsgottesdienst, keine Sammlung und Andacht finden; und da Berlin das Glück hat.Jltsgesann 43 Feiertagsgottesdienste in den verschiedensten Teilen der Stadt eittzuriehtett. so können doch gut und gern zwei davon aul die Bedürfnisse der geschilderten Menschen zugeschnitten sein, uni diese für den Besuch des Gottesdienstes wiederzugewititieu. Das ist so selbstverständlich, daß, wie durch Indiskretion lierausgckoinmen ist. sogar einige Zionisten sich beinahe so weit vergessen hätten, dem liberalen Antrag zuzustiiimieti, wenn nicht Dr. Klee und Professor L o e w e_. im letzten Augenblick dieses Unglück verhütet lind Stimmen!- - lialtnng ihrer Fraktion »»gekündigt haben würden! Unsere Zelt sei so schwer und die Probleme so ernst — da sei die Einrichtung neuer Gottesdienste kein adäquates Mittel, um indifferent gewordene Menscliep dem Judentum zurückzugewlnneif. Nun ist es bestimmt richtig, daß es zur Gewinnung neuer Menschen noch andere Mittel und Wege gibt; aber wieso ln Leuten,'die aus mancherlei. Gründen sich von den vielstündigen Andachten abgeschreckt fühlen, nicht durch Kurzandachten die Fähigkeit zum Besuch des Gottesdienstes wiedererweckt werden könne — diesen Beweis sind uns die Herren Klee und Loewe schuldig geblieben. . Was aber mögen sie nun Jär ein „den Nöten der Zeit adäquates Mittel zur Zurückgewinnung von.Menschen“ halten? Das verriet der nächste Punkt der Tagesordnung, bei dem .. dieselben Herren Klee und Loewe mit viel Stimmaufwand ’■ den Gemcindevorstand um Auskunft ersuchten, ob uml welche Schritte er ergriffen hat, um angesichts der bevorstehenden Einführung des Butterbeimischungszwanges für Margarine den Bezug rithell einwandfreier Pflanzenbutter zu ermöglichen. — Es liegt uns Liberalen gewiß fern, denjenigen Juden, die heute noch rituell leben, den Beistand - gegen die Gefährdung ihrer religiösen Interessen zu verweigern: Im Gegenteil, stets sind wir in Wort und Tat dafür eingetreten, daß die Einheitsgemeinde die religiösen Bedürfnisse Aller, befriedige. Aber wenn Herr Klee die Einrichtung von Gottesdiensten für ein unangemessenes Mittel hält, so dürfen wir doch wohl sagen, daß wir ln butterfreier Margarine ein solches Mittel erst recht nicht zu erblicken vermögen. .Wollte er die Menschen, die „wegen der Schwere der Zeit und des Ernstes der Probleme“ dem Judentum entfremdet sind, mit ritueller Margarine locken, so wäre er wohl erst recht ins Fettnäplchengetreten. Und eine Jugend, die überhaupt, wenn auch nur . dtiiikei noch, eine Sehnsucht in sich spürte, sich für das JyjfiBliMl tum zürückgewiniien zu lassen — eine solche J»gend/ersc[1|en ihm wohl seih Margarinetöpfclieti zurückgeben mit dc«L:_„r abgewandelten Diclitcrwort: „Ach nein, ach nein, mel'riij'j" tum muß größer sein!“' - ■ — : v-- dem Inferioritätskomplex, der so manche törichten Menschen zu einer Ueberlegenheitsgebärde auf Grund eines mythischen Rassedünkels-führt. Wenn er überhaupt irgendwelche KonT- ,-plexe hat, so * ist es der Gleichheitskomplex. Von seinem Standpunkt aus sind alle änderen Rassen und Religionsgemeinschaften gleich wertvoll; und deshalb hält er nichts von Missionsarbeit und Proselytenmacherei. Warum sollten die Christen ihre Kirche mit der Synagoge vertauschen oder ihr Stabat Mater mit dem Sch’ma Jisroel? Sind sie nicht alle Kinder desselben Gottes und ist die Musik der Kirchenorgel ihren Ohren nicht ebenso angenehm wie uns der Gesang des Vorbeters? Religions- und Rasse.vergleiche erscheinen ihm stets äußerst kindisch. Hillel fragte auch einmal: Kann mir irgend jemand sagen, welche der sieben Regenbogenfarben Gottes Lieblingsfarbe ist? Wie kann dann jemand mit Gewißheit sagen, welche der siebenundsiebenzig Religionen die einzig wahre ist, und daß alle andern falsch sind? Ein andrer seiner Lieblingsaussprüche lautet: „Wer im Namen seines Glaubens die Anhänger eines andern Glaubens verfolgt, liebt Gott nicht aufrichtig.“ * . Er kam zu dieser Ueberzeugung teils durch die ihm angeborene Güte seines Charakters und teils durch die ein Menschenleben lang betriebenen Studien der edlen Lehren großer Juden, die vor ihm gelebt, haben. Denn er ist nicht nur mit den heiligen Schriften der jüdischen Gemeinschaft, sondern ebenso mit ihrer philosophischen Literatur, familiär. Ich gebrauche das Wort-„familiär“ in seiner buchstäblichen Bedeutung. Er 1iat diese geistigen Führer wirklich in den engsten Kreis seiner Familie aufgenommen. Er kennt sie viel besser, als er seine nächsten Hausbewohner kennt Mittels ihrer Bücher unterhält er sich täglich mit ihnen. Er kennt ihre besten Aussprüche alle auswendig. Er wendet sich in der Synagoge nach dem Gebet an sie, und er verbringt seine kostbarste Zeit mit Lesen, oder — wie es im jüdischen Idiom viel richtiger heißt— mit „Lernen“ ihrer goldenen Lehren von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Toleranz und Frieden. Hiliels Heim ist der Ort, der seinen Körper erhält Die Synagoge ist der Ort, der seine Seele speist Zur-Synagogegehen ist seine Leidenschaft Denn dort findet er die geistigen Größen des alten Israel,' und gemeinsam mit ihnen hält er herzliche Zwiesprache mit seinem Gotte. — Im vergangenen Januar erkrankte er an einer schweren Bronchitis. Er hafte über 40 Grad Fieber. Plötzlich sah seine Tochter,_ wie er aufstand und sich ankleidete. Da sie fürchtete, er sei im Fieberwahn, fragte sie, was er denn um Gotteswitien tun wolle? — „Ich mache mich für die Synagoge fertig“, antwortete er. „Aber weißt Du denn nicht wie krank Du bist?“ — „Unsinn“, sagte der alte Mann. „Gott hat mir all die Jahre hindurch so - viel Gutes erwiesen; glaubst Du, daß ich ihm da diese kleine Gefälligkeit abschlagen will?“ — Seine Tochter und die Pflegerin hatten alle Mühe, -ihn zum Zuhausebleiben zu bewegen. * * I Wenn Hillel Berkowitz auch von ffschwachcr Herkunlt ist so stammt er doch von gtlelden ab. Wenn er die Geschichte seiner Glaubten durchforscht, kann er sich wenig großer Kriegfa, aber er kann viele Juden nennen, die für die Sachjedens eintraten . Wie alle gebildeten Juden gedenlin tiefster Ehrfurcht all jener, die für die Heiligung dien Namens ihr Leben ließen — das heißt für den tj der Non- Resistenz. Von Kindheit an hatte Hillel Bß die einzige Art, den Haß zu bekämpfen, die Liebthe heiligen Schriften haben ihn gelehrt, daß es eiri guter Erziehung sei, im Streit als Erster aufzuhöjrenn nötig lieber zu sterben, als Haß mit Haß zu veraüher oder später, müssen wir — so oder so — alle, sagte er einmal. „Und ist es nicht besser, als metjWesen zu sterben wie als knurrendes wildes -Tier *»- behauptet, dies sei das Prinzip gewesen *• *• - * -1- Inkan «gel?“ Er (fische Ge- UCIldUjJICl, UIV.O ovi vtua * .-- - meinschaft erhalten habe. „Wir leben, w : weigern, zu töten. Die kriegsliebenden westlichen 1 den nacheinander vernichtet, weil sie darauf bi (rfege zu führen. Die friedliebenden Völker des Os :n blieben erhalten, weil sie sich standhaft weigert tpfen.' Die vier Hauptzüge in Hiliels Chara ierechtigkeit, Mitleid, ToleranzJind Friedfertigkeiten Jahren erfuhr er, einer seiner Brüder sei bei ein in Polen umgekommen. Als Antwort auLdie Barba ders verfaßte er ein kleines Gedicht, das er „fts Gebet“ nannte. Ich möchte die Skizze über Hillel mit einer Uebertragung dieser schlichten Verse beäd so den typischen „Gentleman“ zum Schluß von sfcten Seife zeigen: f Geschleudert von'Welle zu V Wie Kiesel am Meeresstrand; ~ Zertreten wie Blumen am Wu Grausam zerrieben wie Sand11 Unser Glauben und Hoffen un Fliehen wie Schatten dahin; Die Lippe will Fluchwort nie -Verzeih’n nur und beten ihr Ach wolle, o Herr, uns erlös] Zu lieben den Hasser, gib Kr Wenn Haß ist die Schwäch. Die Liebe den Starken erseht Laß uns kämpfen mit Waffen Mit Rosen, aus Mitleid erblü’ So (ehrt, der aus unsrem I h r Erlöser, den Liebe durej Aus dem Novemberhef» 1932 i Hebrew“. Ins Deutsche I von Margarete! Regieningsvizeprosidenf Bier mu$ gehen. Vor zwei Wochen ist der Kölner Regleningsvlzepräsidciit Bier auf Anordnung des Preußischen Kommissars Qoerlng in Urlaub gegangen. Er gehörte der Sozialdemokratischen Pärfei an. Mit ihm dürfte auch der letzte höhere Beamte, der Jude ist. aus der Staatsverwaltung verschwunden sein. Bier war kein Parteibiichbeamter; er hat von der Pike auf gedient und ■ alle Instanzen durchgemacht, die auch im Vorkriegsjreußcn •passiert werden muOten. Im Jahre 1907 wurde er Reh endar. Aus dem Kriege kehrte er als Verwundeter in die piniat zurück. Nach kurzer Tätigkeit in Gotha wurde er Köln Regierungsassessor, avancierte 192L zum Regier und 1927 zum Oberregierungsrat. Vor drei Jahren w zum Regferungsvizepräsidenten befördert Sein Arbef war in besonderem Maße die Fürsorge für die Erwet und die Betreuung der siedelnden Landarbeiter. Dabe nete er sich durch ein besonders tief ausjrebitdetes bewußtsein aus. Der pflichttreue Mann, den seine befohlenen herzlich verehrten, hatte keinen Fetnd in Heimatbezirk, er ist der politischen Umwälzung zyn gefallen. Es verdient angemerkt zu werden, daß dr st von dem Revirement unter Dr. Bracht nicht betroffen. Dr. Sl ' 'Wohnungsiellungen - £ Fassadenputz-Repara<ut«k _ Beratung und Vorschläge jederzeit unverbindlich Baugesdiaft Ariur Walter JJharlottenburg, Wilmeradorfer Str. 112 Telefon CI Steinpietz9910 LEOPOLD PÖBESCHIN—I WerkfttKtten für Möbel nach Zeichnung u. Innenauibfa in allen, Holzn. Stilartea. Spez.: Mahagoni-Chippeadale-Speiiezimmer' I BERLIN SÖ36f Relchenbergor StraBe 57 I Fernsprecher; F8 Oherbaum 8967 K. ERNST HANKE, Malermeister BERLIN SW 61, Hagelberger Str. 36 FERNSPRECHER: F5 Bergmann5011 Vereidigter Büditrrevleor gustavpalm Steuerfrcbmaim von den LandesiinanzSmtem Beilin und Brandenburg zuzelauen Berlln-ScliaBebero. Traptltioler Stritt U Telefon: 0 t Stephan 8913 . 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