Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 23 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Galerie des Deutschen -Theaters gehen zu dürfen, fand denn die .Alten'r weich und wurde ihm gewährt. Schlag 6 Uhr saß er erregt auf der harten Hnlzbank und harrte gespannt der . Dinge; diel da kommen sollten." Im Theater würde an dem Tage „Wilhelm Teil“ gegeben. (Abergläubisch, wie Schauspieler sind, dürfte es .Sonuentlial später als gutes Zeichen gedeutet haben, daß sein erster Theaterbesuch mit seiner Üar-Mizwah zusamtnemiel.) Nachdem er die Nonnalhauptschüle beendigt hatte, kam er 1846 auf das Josei-Polytechnikum. Bald jedoch war er gezwungen', das Studium aufzugeben. Im Kevolutioiisjahr 1846 war der Vater, der einen Schnittwarenitandel betrieb, über Nacht bettelarm geworden, und die Sühne mußten nun daran gehin, sich' ihr Brot seihst zu verdienen. Adolf wollte Lithograph werden, doch der Vater entschied sich für das Schneiderhandwerk. iSo wurde denn'der damals 14 jährige Adolf aus der Schule ] genommen und zu einem Bester Schneidermeister in die Lehre gebraucht. Notgedrungen lernte der junge Sonnenthal zwar widerwillig, aber dennoch recht fleißig das Schneiderhandwerk. Mit einer starken Theaterselmsucht im Herzen saß er in der Sclmeiderwerkstätle und hantierte mit Schere und Nadel zur Zufriedenheit des Meisters. Nacli zweijähriger Lehrzeit lieferte er sein „Gesellenstück" und wurde freigesproclien. Nun giiig der Schneidergeselle Adolf Sonnenthal nach Wien,, um dort Arbeit zu suchen. ä Es wäre nicht mit natürlichen Dingen zugegangen, wenn ein theätersiiehtiger 17jäliriger Sclmeidcrgeselle in der Theaterstadt Wien!nicht auch eine Verbindung zur Schaubühne gesucht hättc-i Und Adolf Sonnenthal tat dies denn auch; kaum in Wien angelangt, suchte er, fast gleichzeitig, bei der Sclmeideriunuiig Arbeit und bei dein berühmten Hofburgscliauspicler Dawison Kat und Förderung. Er erhielt beides: durch die Sclmeideriunuiig wurde er bei einem Wiener Meister „in die Arbeit eingebraclrt“, von Dawison aber, der Sonnenthals großes schauspielerisches Talent sofort erkannte, wurde er so liebevoll gefördert, daß er schon nach kurzer Zeit das ehrsame Handwerk aufgab, um die Laufbahn eines Schauspielers anzutreteii. I 1 Sonnenthals Theaterlaufbalm bedeutete ein ständiges An- , eiitanderreihen von Erfolgen, eine ununterbrochene Kette von Triumphen, i Sein Aufstieg vollzog sich rasch. Wo andere sich erst tastend versuchen, allmählich und mühsam vorwärts . zu kommen,jerlangte Sonnenthal sozusagen im ersten Satz eine Kunsthöhe, wie selten ein Schauspieler vor ihm. Wenngleich auch er anfangs die Bitterkeit tadelnder Kritik kosten mußte, so haben doch Zeichen völliger Unreife, jene auffälligen Merkmale des Anfängertums, nie seiner schauspielerischen Gestaltung' angehaftet. Seine Darstellungskunst erreichte schon in den Anfängen 'eine gewisse Höhe und wuchs mit den Jahren immer höher, bis zur Stufe der Vollendung. . ' Adolf Somienthal. und das Wiener Burgtheater gehören eng zusammen. Mehr als fünfzig Jahre hat er in diesem •KunsttempeH gewirkt. Die Stetigkeit in seinem Künstlertum hatte' Sonnenthal nicht zuletzt der Sässigkeit in diesem Kunstinstitut zu verdanken. Nur durch dauernde Verbundenheit mit dieser Bühne konnte er das Schönste von ihr empfangen und sein Bestes ihr geben. Deshalb ist auch die Geschichte dieses Schauspielerlebens ein ansehnliches Stück Geschichte des Wiener Burgtheaters, ja ein Stück deutscher Theatergeschichte überhaupt I . ’ Als Hofscliauspieler erwarb sich Somienthal rasch einen Weltruf. Erwar nicht nur einer der gefeiertsten, sondern auch einer J der angesehensten Schauspieler jener Tage. Sonnenthal gehört zu jener auserlesenen Garde von Schauspielern. die^ nicht allein die Schauspielkunst, sondern auch den Schausptelerstand in die Höhe hoben. Er war ein begnadeter Künstler und ein edler Mensch, und beides zusammen ergab eine faszinierende Persönlichkeit. Auf seinen Gastspielreisen, die ihn nach Berlin, Hamburg und München, nach Petersburg und Moskau, nach den Vereinigten Staaten von Amerika führjen, wurde ihm wie einem '.Fürsten gehuldigt In Wien war Sonnenthal eine, der geachtetsten Persön- ■ lichkeiten. Im Burgtheater stieg er immer höher in Rang und Ansehen: 1870 wurde er Regisseur, 1884 Oberregisseur, 1886artistischer Theaterleiter, ein Amt das er in der Folgezeit interimistisch noch zweimal versah. Aus Anlaß seines 25 jährigen Schauspieler-Jubiläums am Burgtheater wurde Sonnenthal durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone' in den erblichen Adel erhoben. Adolf Sonnenthal war der meistbeschäftigte Schauspieler des Burgtheaters. Sein Rollenfach umfaßte so ziemlich alles, was die Sprechbühue an dramatischen Gattungen besitzt. Er spielte Clavigo, Carlos, später den Posa, Faust, Hamlet, Romeo, Ferdinand (in „Kabale und Liebe“), Kean, Teil, Don Manuel (in der „Braut von iMessina“), Fiesco, Uriel Acosta, Rudolf von Hubsburg (in Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“), Othello, Macbeth, Lear, Wallenstein, Nathan, Fabricius (in Wilbrandts Schauspiel „Die Tochter des Herrn Fabricius“), den Prinzen (in „Einilia Jdalotti“), den König (in Grillparzers „Esther“), Derblay (im „Hüttenbesitzer“), den Herzog (in Hackländers Lustspiel „Der geheime Agent“), den Oldendorf (in den „Journalisten“), den "Doktor Tholosan (in Sardous Lustspiel „Die guten Freunde“), Risler (in Daudets Komödie „Fromont junior und Risler. senior“), die Titelrolle in Raimunds „Verschwender“, in Ibsens „Volksfeind“ — und wohl noch-an die hunderte andere Rollen. Die Größe Sonnenthals drückt sich in der Tatsache aus, daß er sich dauernd auf der Höhe hielt. Fehlgriffe in der Darstellung, wie zum Beispiel sein Musikus Miller, passierten ihm selten; um sie abzuzählen, wären die fünf Finger an einer Hand zu viel, ln jeder Gestalt, die er auf der Bühne verkörperte, zeigte er den Meister. Es ist nicht ohne weiteres ausgemacht, daß Sein Schauspieler seine Rolle wirklich erleben könne, eines aber läßt sich mit Gewißheit behaupten: Sonnenthals Spiel war Erlebnis — des Zuschauers. Noch die kleinste Rolle vermochte dieser begnadete Künstler zu eines Abends Unvergeßlichkeit zu machen. . Auch bei Künstlern, deren Leistungen ohne Unterschied einen Hochstand aufweisen, gibt es Gipfelpunkte. Bei Sonnenthal gab es deren drei: das Gewaltigste war sein Lear, das Höchste sein Wallenstein, das Edelste sein Nathan. „Nathan“ und „Uriel Acosta", das waren die zwei großen Judenrollen, die Sonnenthal mit unübertrefflicher Meisterschaft spielte. Darüber, wie er den Nathan auffaßte, hat er sich einmal selbst geäußert. „Die Weisheit Nathans“, sagte er, „hat ihren Sitz vor allem im Herzen, nicht bloß im Kopfe. Fast jede der Personen, die sich im Stücke über Nathan äußern, nennt ihn auch den .Guten*. Diese echt menschliche Güte, das große Wohlwollen gegen Freund und Feind, das ihn beseelt und worin mir seine größte Weisheit zu liegen scheint, zum Ausdruck zu bringen, war ich bestrebt.“ So spielte er ilm auch: Nathan den Weisen und den Guten. Ueber Sonnenthals Uriel Acosta aber liegt das Urteil eines weltberühmten Mannes vor, nämlich Professor Nothnagels, ein Urteil, das uns eine lebendige Vorstellung von dem gewaltigen Eindruck vermittelt, den der Sonnenthalsche Uriel gemacht hat. In einem vom 30. November 1888 datierten Brief schreibt Professor Nothnagel an den Künstler: „Gestern habe ich Ihren Uriel Acosta gesehen. Ja, fürwahr. Ihnen hat ein Gott verliehen, zu erschüttern, zu rühren, zu erheben, und zugleich der Darstellung ergreifender Empfindungen immer den Stempel des Schönen aufzudrücken. Wie edel, wie maßvoll und harmonisch bringen Sie die gewaltigsten Affekte zum Aus- I druck. Bewunderte ich früher Ihre Menschendarstellung, heute, nachdem ich Sie eine der erschütterndsten Gestalten der dramatischen Schöpfung habe verkörpern sehen, bin ich hingerissen ..... Nur der selbst imstande ist, den Adel der Ueberzeugung sich rein zu erhalten, vermag nicht nur den Uriel Acosta lebenswahr wiederzugeben, vermag auch allen Gestalten der Kunst-lebendigen Atem, einzuhauchen — darum können Sie spielen, wie Sie spielen.“ Von den drei klassischen Judenrollen die eine, die Sonnenthal nicht gespielt hat, war der Shylock. (Den Shylock spielte im Burgtheater Friedrich Mitterwurzer.) Selten ist ein Bühnenkünstler von der Kritik so vorbehaltlos anerkannt, so uneingeschränkt gelobt, so über die Maßen gefeiert worden wie Adolf Sonnenthal. Die Theaterkritiker behandelten jedes Auftreten Sonnenthals als großes Ereignis und widmeten ihm dementsprechend spaltenlange Artikel. Er erschien ihnen als einziger in seinem Fach und sie würdigten ihn als einzigen. Sie stellten wohl hier und da Vergleiche an, aber sie kämen immer wieder zu dem Ergebnis: Der Sonnenthal ist unvergleichlich. Sie gaben sich redlich Mühe, sein Spiel in Worten festzuhalten. Sie registrierten treulich jede Geste, jeden Ton, jede Bewegung dieses Schauspielers, Alles an ihm ianden sie rühmenswert Sie rühmten die Vornehmheit seiner Haltung, die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen, die Wandlungsfähigkeit seiner Baritonstimme: sie rühmten die Natürlichkeit des Spiels, den Reichtum an technischen Mitteln, die Genialität im Herausarbeiten lebensprühender Gestalten. Sie wetteiferten miteinander in der Wahl schöner Ausdrücke, um die Bedeutung Sonnenthals für das deutsche Theater und die deutsche Schauspielkunst klarzumachen. Ludwig Speidel aber, dem die Fähigkeit eignete, mit,dem schönen Wort auch das zutreffende zu sagen, umschrieb einen Superlativ in folgender schlichter Wendung: „Adolf Sonnenthal ist der erste deutsche Schauspieler der ersten deutschen Schaubühne.“ Sonnenthal hat sich auch schriftstellerisch versucht. Er übersetzte einige französische. Bühnenstücke ins Deutsche und schrieb gemeinschaftlich mit Gustav Triesch „Ein Anwalt“, ein Schauspiel, das,mit Sonnenthal in der Titelrolle im Burgtheater aufgeführt wurde. Dieser begnadete Künstler, dessen Meisterschaft im. Leben des Scheins gipfelte, hat im wirklichen Leben jeglichen Schein vermieden. Der große Charakterdarsteller auf der Bühne war im Leben ein Charakter. Er war ein warmfühlender Mensch und ein selbstbewußter Jude, und-der Grundzug seines Wesens war Menschlichkeit und Güte. Adolf .Sonnenthal starb am 4. April 1909. Mit ihm ging ein Mann dahin, der der deutschen Schauspielkunst mit Ruhm gedient. In der Theatergeschichte wird sein Name nicht in Aeonen untergehen. Bibliothek der Berliner Jüdisdien Gemeinde. Neu eingerichtete Zweigbibliotheken (ab 15. März): Altersheim Schmargendorf, Berkaer Straße 32: Mo., Di., Mi. 5—6 Uhr, Stg. 10,311—12 Uhr. Altersversorgungsanstalt, Exerzierstralle 13: Mo. und Do. 5—6 Uhr, Stg. 10.30—12 Uhr. Die Zweigbibliotheken Nermsdorf, Lichtenberg, Pankow ab 28. Februar geschlossen. Die Zweigbibliotheken Friedenau-Steglitz, Neukölln. Schoneberg sind zu Lesehallen ausgestaltet worden. Die Bibliotheken sind geöffnet: Friedenau-Steglitz: Friedenau, Schmargendorfcr Straße 3: Di. und Do, 8—10 Uhr abds. Neukölln: Isarstraße 8: Mo. u. Do. 6.30—7.30 Uhr, Di. 6.30—8.30 Uhr. Schöneberg, Münchener Straße 37: Stg. 9.30—1D.3U Uhr vorm., Di. 5—7. Uhr. ’ ’ " y BERLIN tmptehlwswede fözzuqsqueUett BERLIN (Bürgersteige) Flmtmlemag von Hsuirrptntunn Robert Wolfers Kurfflrsteadsmm 163, TeL H 2 Uhland 565 J. SCHOPKER . TISCHLERMEISTER WERKSTATT FOR GUTE MÖBEL-U. INNENAUSBAU BERLIN SW29, ZOSSENER STRASSE 10 . BERGMANN 277 iDMionaje ADoMß Palast *Hotel / Potsdamer Platz Tel: A 2 Flora 2223 .Alles frei Haus | Asphaltierung | Autofahrschule Rcparaturwerkstfitten - «Amtlicher Systeme unter persönlicher Leitung August Piskol BERLIN N65 Schutsendorfer StrsBe 23 Telefon: D 6 Wedding 5512 AiphalBerangsqescbmt Ausführung sämtlicher Repsra tu rar beiten PAUL BACHMANN Berlln-Reinlckendorf-West, Hamboldt.tr. 34, Td.O9feiaickml.140S | Autogene Schweißereien § r Aufzüge Autogene Schweißerei FHIz Kunkel Berlinwuners fort, Beniner siraöe 107-ioa Fernsprecher: fl 5 Grabau 53 Schweiften r.Zylindern, MotoreagehSuz. (Gußu. Aluminium) sowieiAsntl. Metalle ALBERT SEEL Aufzugafllrsorge / Herstellung u. Umänderung vun Aufzügen u. Hebe- * werken all. 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