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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-02-15 · 22 (15.2.1933) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
22 (15.2.1933)
Date
1933-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ß*0 & Ar Organ 5er Bereinigung für 5a* (ifterafe Judentum e. B. Bezugspreis: Vierteljährlich 1.50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,25' RM. Abonnements werden. bei allen .Postämtern angenommen. Anzeigen nacb Tarii. — Bel Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren.. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriftleitung: George Goetz IDIe „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und 15. jedes Monats. | Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW fl. Hallesche Str 1. | Fernruf: F 5. Bergmann 3358, 3359. Bankverbindung: Kredltveruln für Handel und Gewerbe c. G. m. b. H„ Berlifl N24. Postscheckkonto: Jiidisch-Ilbcrulc Zeitung: Berlin 227 AI. Vereinigung für das liberale Judentum e. V.: Berlin 1370 69. 0/9 Vereinigung für da* iibtrale Judentum Übernimmt nur für diejenigen Aufx&tze, die auedrüektleb aU ln Ihrem Name , die Verantwortung, Alte anderen Artikel, AeuSer Nr. 22 Berlin, 15. Februar 1933 12. Jahrgang Liberales Judentum in aller Welt Vorstandstagung des Jüdisch-liberalen Weltverbandes. - Am 6. Februar fand ein Meeting des Governing Body der World Union ior Progressive. Judaisin in London statt. Miß Lily H. Montagu erstattete eingehenden Bericht über die Arbeiten der World Union in Australien, in Indien, in Airika. wo im letzten Jahr erfreuliche Fortschritte erzielt wurden. Besonders eingehend wurde Holland behandelt, wo man sich augenblicklich'bemüht.'einen Rabbiner anzustellen, um dein Werke dort Stabilität und weitere Entwicklung zu Miß Lily Montagu und Frau Margarete Goldstein gaben Aut-: Schluß über die Arbeiten in Prag. Budapest und Wien, im Anschluß an ihre Reise dorthin. Mit besonderer Freude wurden die Berichte aus Wien-mitgenommen, wo sich,am 2. Februar eine Vereinigung'iür fortschrittliches Judentum offiziell konstituierte. die die bereits dort .eitrig betriebene Arbeit der letzten Monate auf eine festere Basis stellte. (Ein eingehender Bericht erscheint demnächst.) Es folgte eine eingehende Besprechung des Programms für die vom 4.-8. August d. J. zu Hamburg augesetzte Weltkonferenz der World Union ior Progressive Judaisin. Einzelheiten werden in nächster Zeit mitgeteilt. Aus Anlaß des Meetings iand am 4. Februar ein festlicher Sabbat-Gottesdienstes in der Liberal Jewish Synagogue statt, bei dem Rabbiner Ilr. Lehmann von der Jüdischen Reiormgemeinde in Berlin die Predigt in deutscher Sprache hielt. Rabbi Dr. Mattuck begrüßte den Kollegen der deutschen Schwestergemeinde mit herzlichen Worten. Die zahlreich erschienene Gemeinde, folgte der klar aufgebauten und sehr eindrucksvollen Predigt Dr. Lehmanns mit großer Aufmerksamkeit und gab ihrer Zustimmung nach dem Gottesdienst beredten Ausdruck. M. G. Wünrarge&oriffir^iBiilstir- Me Zeitung“ in* Jedes indische Haus Weil sie für religiösen Aufbau und deutsches Judentum eintriit. Weil sie echten jüdischen Geist ausströmt. Weil sie aktuell, interessant und fesselnd ist. Direktor Heinrich Stahl — Vorsitzender des Deutsch-Israetitischen Gemeindebundes. In seiner Sitzung vom 31. Januar hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Herrn Direktor Heinrich Stahl, Mitglied des Vorstandes und Leiter des Wohlfahrtswesens der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, als Nachfolger von Herrn Legationsrat Prof. Dr. Moritz Sobernheim zu seinem geschäftsführenden Vorsitzenden' gewählt. Durch diese Entscheidung hat die enge Verknüpfung, die zwischen dem Gemeindebund und der Jüdischen Gemeinde Berlin hinsichtlich der Aufrechterhaltung seiner Reichsanstalten besteht, eine weitere Festigung erfahren. Die Personalverbindung zwischen dem, heuen Vorsitzenden und dem Gemeindebund besteht bereits seit vielen Jahren, da Herr Direktor Stahl als wichtigster Mitarbeiter an der Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiitung zum Wohle der jüdischen Beamtenschaft wirkt. . - Die bisherigen Vorsitzenden des Gemeindebundes waren die Herren: Moritz Kohner und Jakob Nachod, Leipzig; Geh. San.-Rat Kristeller, Prof. Dr. M. Philip'pson, Prof. Dr. S. Kalischer. Legationsrat Prof. Dr.'M. Sobernheim in Berlin. WahlkampfQugblätter für das Gesamtarchiv der deutschen Juden. Ein neuer Wahlkampf steht bevor. Voraussichtlich wird auch diesmal eine Fülle von Flugblättern und Broschüren erscheinen, 'in denen die verschiedenen Parteien Deutschlands zur Judenfrage Stellung nehmen. Das Gesamtarchiv der deutschen Juden — Berlin N24, Oranienburger Straße 28 — bittet, wie bei früheren Gelegenheiten, auch diesmal ihm solche Flugschriften und Flugblätter,, möglichst in mehreren Exemplaren. zur Verfügung zu stellen. Treue halten! Von Qeoeqe Qoetz. enn ihr jetzt „Deutschland" sagt und hört, so geht es schmerzend wie ein Riß durch eure Seele. „Deutsch mit jemandem reden", das hieß: eindeutig und bündig die Wahrheit sagen. Nun aber: wo kam die Eindeutigkeit hin? Denn immer ist zu dem Worte „Deutschland" hinzu nun die Erklärung notig: welches Deutschland? Und wer das der freien 'Geister, des Humanismus, kurz, wer das schönere Deutschland meint; der muß es eigens dabeisagen. Es wird immer behauptet: daß wir Juden die Unterdrückten waren, das habe uns zwangsläufig in den letzten hundert Jahren an die Seite der um ihre Freiheit kämpfenden Klassen und Parteien gebracht. In der Tat mag dies für viele Juden die Ursache gewesen sein.' Für viele Juden als EinzelindTvfduen. Aber es kann doch wohl kein Zweifel sein, daß der Kampf für die Freiheit der Geister und der Existenzen, für die Gleichberechtigung Aller jiuf der ethischen Linie des Judentums liegt. Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst (3. B. Mose 19, 18): haben wir nicht alle Einen Vater, hat uns nicht alle Ein Gott geschaffen: warum sollen wir lieblos sein einer gegen den andern (Maleachi 2,10)1 Es dürfte nicht nötig sein, weiteres zu zitieren: die ganze Heilige Schrift ist ein' einziges Zeugnis dafür. So brachten unsere messianische Sendung und unser historisches Schicksal uns an die Seite derer, die Gewalt ablehnen — Gewalt im Zusammenleben der Menschen im Staat, wie auch der Staaten untereinander. Diese Parolen stehen heut niedrig im Kurs. Und, was schlimmer i$t, die Vertreter dieser Anschauungen sind heut arg bedroht. Was liegt näher, als daß. Feige sich verstecken oder gar — sich anpassen?! Solch Schwächlinge gibt es überall; es gibt sie auch unter uns Juden. Aber das ist’s, worauf alles jetzt ankommt: es darf unter uns Juden nicht allzu viele davon geben: wo sie unter uns sich zeigen, müssen wir sie zum Schweigen bringen, und, vor allem, unsere Führer und unsere repräsentativen Organisationen müssen frei von solcher Schwäche sein. „Das Gute, tun nicht um eines . Lohnes, sondern um des Guten selber willen, ohne Aussicht auf Lohn“, wird in den Pirke Owauß gefordert: jetzt soll sich zeigen, ob wir Juden für die Freiheit kämpften wirklich um der Freiheit willen, oder .nur weil sie uns Vorteile zu versprechen schien. Heute, da solch ein Freiheitskampf wieder mit Gefahren. an Leben, Sicherheit und Profit, kurz: mit Nachteilen verbunden ist, heute müssen wir zu diesem Kampfe utls stärker bekennen als je. Von den heutigen Machthabern haben wir nichts zu erwarten: aber es darf nicht dahin kommen, daß später unsere bisherigen Weggenossen uns abhalftern: auf die Juden sei doch kein BILLIGE ORIENTREISE AUGUST US (33 000 tot ab Neapel 25. Februar Preis van Mark 287.- an „ i T A L I A " (Vereinigte Flotten) BIRLIN NW. 7. Unlar dun Und«! O ~ Frinklurtl«. Hamburg. «Ouch.n, Stuttgart. Kaixritr. 20 Nuuer Odaoiupl. t Aller . Jungfemsliegl7' Sdilouolate4 Verlaß, sie gingen, wurzellos, nur immer dorthin, wo' der Nutzen winkt. Käme es dahin —. wir wären ohne Heimat auch in einem künftigen, schöneren Deutschland; Darum gilt es: Treue halten in Wort lind Schrift, in Tuii und Gebärde. Wir haben 1813. 1870 und 1914—18 uttsern Blutzoll'gezahlt. Nicht nur damit, alter’damit nicht zuletzt, haben wir uns das Recht erworben, gleichberechtigt in den Reihen derjenigen Deutschen zu kämpfen, die solchen Blutzoll Überhaupt ableltneu. die darum auch nichts gemein halten können mit jenen Andern, "die, zu -welchem Zweck auclt immer, sich der Symbole der Gewalt bedielten. Niemals die Waffe, nur das Buch sei unser Symbol. — Anschluß aufrechterhalten? Jawohl: an das Deutschland von morgen und damit an die bisher und künftig Uttsern! Das ist die Haltung, die heute von uns allen erwartet wird, sie muß nnmißverständlich sein, und: mau muß , sie bemerken, Das heißt: wir dürfen es nicht mit der inneren Haltung genug sein lassen, die uns selber Sicherheit geben mag: wir müssen nach diesen Gedanken auch reden, unüberhörbar,.auch handeln, tinübersehbar. Jedermann, auch der- Uneingeweihteste, muß L «erfriramg wtf'haißft.-’-TJäVihirhiuß 1 der Einzelne.sich laut und .vernehmlich bekennen: und darum darf seitens der Juden und ihrer führenden Organisationen zweierlei nicht geschehen: nicht, die Anbiederung dort,, wo man:uns nicht-will und wohin -wir (dies das Wesentlichere!) in Wirklichkeit ja auch gar nicht gehören: nicht die Verleugnung dessen, was wir . bisher unsere Ideale nannten. ' Unter Anbiederung dort,' wohin wir nicht , gehören, können durchaus auch Loyalitätserklärungen an Solche gemeint sein, die durch ihre Handlungen uits (und nicht nur uns) immer wieder enttäuschten. Es hat, leider, an derartigen Erklärungen, sogar seitens maßgebender jüdischer Stellen, nicht gefehlt. Hoffentlich bleibeh sie unbemerkt; hoffentlich stiften sic. keinen Schaden. Unter Verleugnung, dessen,_was wir bisher unsere Ideale nannten, ist aber nicht nur die Treue gegenüber denjenigen Klassen und Parteien gemeint, in deren Reihen wir bisher für Freiheit kämpften. All diese Kreise .und Gruppen sind ja nur Mittel zum Zweck; und dieser Zweck ist, noch einmalsei es gesagt: das schönere Deutschland. Ihm, Deutschland, müssen wir Treue halten. -Treue unter Umständen sogar auf Kosten.... .... auf Kosten dessen, was uns immer wieder als , einziges Mittel gegen den äußeren Feind angeprlcsen wird, und was auch jetzt wieder allüberall gepredigt wird. Ach ja: schön wäre sie, die jüdische Solidarität. Wenn es sie gäbe. Doch bleibt sie Utopie. Hört es selbst, ihr allzu gläubigen Seelen: „Diesen Kampf, (eggen Entrechtung usw.) kann-pur ein Judentum führen, .das von unbeugsamem Stolz auf sein Volkstum erfüllt ist. Mit Versuchen der Anpassung und Selbstverleugnung ist cs vorbei. Die deutschen Juden, die den falschen Parolen ihrer Führer von gestern vertraut haben.... verlieren den Beden unter den Füßen. Angesichts der geschaffenen Bedingungen muß das . deutsche Judentum mehr als bisher sich zur Selbsthilfe zusammenschließen“. . schreibt die „Jüdische Rundschau“ (Nr.? v. 31. 1. 1933), das Hauptblatt der Zionisten, am Tage nach der Hitler- Erftennung.. Soviel Worte, so viel Fehler und Gefahrin dieser Nummer: ~ „Mein stärkstes jüdisches Erlebnis“ von Georg Hermann In der nächsten Uummei;: Fortsetzung der Plaudereien: trEin. Tag im Dienste 'des Judentums

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