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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-01-15 · 20 (15.1.1933) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
20 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'Ml...: , - ... .. a A I 1 Organ 5er Eerefafouna für Da* (Gerate 3u5entum e. » Bezugspreis:’ Vierteljährlich 1,50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,25 RM. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach Tarif. —Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch aui Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden BezngSgebühren. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriitleitun<j: George Goctz IDIe „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und 15. jedes Monats. . Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW 11, Hallesche Str 1. F e r n r u i: F 5. Bergmann 3358, 3359. Bankverbindung: Kreditverein für Handel und Gewerbe e. G. m. b. H„ Berlin N 24. Postscheckkonto: - Jüdisch-liberale Zeitung: Berlin 227 64. Vereinigung für das liberale Judentum e. V.: -- Berlin 137059. Die Vereinigung für dne liberale Judentum übernimmt nur /Br diejenigen Aufeütre, diu auedrüddkb atu in ibYem Namen oder In Ihrem Aufträge verfaßt gekennzekbaul sind, die Verantwortung. Alle anderen Artikel. Aeußerungen und Voruahtßga erechelnen unter der Verantwortung der Redaktion. ' Nr. 20 Berlin, 15. Januar 1933 12. Jahrgang v Jubiläum der Jugend. Zum zwanzigsten Geburtstag des Breslauer „Jli“< Von Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Leipzig. 2. Abend der Daß ein jüdischer Jugendverein in Deutschland sein zwanzigjähriges Bestehen feiern kann, ist an sich ein staunerierregendes Ereignis. Denn die meisten jüdischen Jugendorganisationen erleben ein solches Alter nicht, weil sie schon lange vorher an der eigenen Problematik zugrunde gegangen sind. Es gibt an sich nichts Trostloseres als einen Blick in die Irrungen und Wirrungen der jüdischen Jugendbewegung der letzten dreißig Jahre. Oedes Theoretisieren, Haarspaltereien und Prinzipienstreitigkeiten haben vielfach das wirkliche Leben vernichtet, haben den Blick getrübt und jede große und einheitliche Linie zerstört. Die Folge ist ein ewiges Werden und Vergehen, eine trostlose Assimilation schlimmster Art, indem man Judentum mit allen nur erdenklichen Weltanschauungen zu identifizieren versucht. Und der oft beklagte Drang von Kommunismus in vielen Teilen der jüdischen Jugend ist letzten Endes nur einedirekte Folge der Unklarheit und der Lust am weltfremden Theoretisieren! Und der Erfolg? „Wir spalten fest und treu zusammen.“ Da ist es denn geradezu eine Erquickung, wenn man beim Stiftungsfeste des Breslauer Jli den Blick, auf eine ganz anders geartete Jugendorganisation zu werfen vermag. Als vor zwanzig Jahren der Jli gegründet wurde, hat er nicht das Judentum erlösen und die Welt revolutionieren wollen, sondern er hatte ein schlichtes praktisches Ziel! In einer Zeit, da die Meinungen im Judentum heftig aufeinanderplatzten, da Nationalisten’und Trutzjuden mit unfehlbaren Rezepten die Krankheit des Judentums heilen wollten, sich selber aber dabei das Haar ausrauften, kam eine Schar von jungen Juden in Breslau auf die kaum zu begreifende Idee, daß das Judentum eine — R e 1 i g i o n sei und daß es doch auch nötig sei, außerhalb der Orthodoxie diesen Gedanken zu betonen! Schlicht und ohne große Redensarten gingen sie ans Werk, gründeten einen jüdischliberalen Jugendverein und leisteten positive Arbeit. Arbeit in Ansehung des Problems vom Wesen des Judentum w o 111 e n sie nicht vollbringen. Ihnen war das Judentum'eine gegebene religiöse Größe, die durch Menschen zu einer Lebensmacht gestaltet werden sollte. Sie selber dachten freiheitlich und liberal, sie knüpften an die liberale Entwicklung an und wollten der liberalen Lehre zu einer Stellung im Leben verhelfen. Sie waren so naiv unproblematisch, so unkompliziert, daß sie schon damals ein gewisses Aufsehen in. den Kreisen der unentwegt „Intellektuellen“ erregten. Aber sie wagten es! Und der Erfolg sprach für sie. ' Der Jli war von vornherein k ein Kampfbund. Die Tatsache, daß er auf religiöser, nicht nationaler, auf liberaler, nicht orthodoxer Basis erstanden war, bedeutete für ihn nicht, daß er andere Richtungen verketzerte. Dem Breslauer Jli war stets Judentum als Ganzes ein übergeordneter und weiter Begriff, der keineswegs in schroffer Intoleranz eine unbedingte Uebereinstimmung ' der Meinungen für erforderlich erklärte. Das galt aber nicht nur nach außen. Auch in der inneren Vereinsarbeit kannte man weitgehende Unterschiede, und zwischen liberalem Radikalismus und der konservativ angehauchten Spielart, die der Schreiber dieser Zeilen vertrat, gab es kaum eine Richtung, die sich nicht herauswagte. Diskussion wurde aber nie Selbstzweck, sondern alle Meinungverschiedenheit adelte der Wille zu religiösem Leben. Negativ drang der Gedanke durch, daß religiöse Vereinigungen nicht in den Formen und Gewohnheiten des politischen Lebens sich bewegen dürfen, und es entwickelte sich unter den Mitgliedern ein gewisses auf Freundschaft sich gründendes Gemeinschaftsleben. Positiv aber bewirkte die Vereinsarbeit eine Teilnahme am. gottesdienstlichen und sonstigen Leben der Gemeinde. Diesepositive Gesinnung war und ist das charakteristische Zeichen des Jli. Es In dieser Nummer: Ein Tag im Dienste des Judentums. (Plaudereien) In der nächsten Nummer: „Der Fremdling“ Novelle von Laigi Pirandello. wurde in ihm etwas gelernt, wirklich gelernt, nicht nur -gesprochen' und geurteilt Mit großer Befriedigung denke ich noch an die Kurse zurück, die ich von Oppeln aus bis zu meinem Weggange nach Leipzig leiten durfte. Wir suchten Grund zu finden irri Meere des jüdischen Wissens und behandelten bewußt grundlegende Fragen, die nicht nur über das Wesen, sondern mehr noch über die Geschichte und die Formen der jüdischen Religion aufklärten. Auf diesen Geist der jüdischen Aktivität war das ganze Wirken des Jli gerichtet. Jüdische Feste wurden gemeinsam gefeiert, Ausbau des Gottesdienstes im liberalen Sinne wurde angestrebt, und das Gotteshaus wurde auch tatsächlich besucht. Wesentlich ist auch, daß aus den jungen Menschen, die dem Jli die Erweckung und Festigung ihrer liberalen Gesinnung verdanken, später Männer und Frauen wurden, die in das Leben der Gemeinden und Organisationen einen frischen Zugt und einen religiösen Geist brachten. Und ohne Uebertreibung darf man sägen, daß die aus dem Kreise des Breslauer Jli stammenden jüdischen Kräfte einen neuen, guten Typus des Liberalismus bedeuten. Ihnen allen ist der Blick auf das Ganze und Ehrfurcht vor der jüdischen Einheit ebenso eigen wie der Drang zu positiver Arbeit. Der zwanzigste Geburtstag des Jli weckt manche persönliche Erinnerung. Mit vielen jungen Menschen, bin ich in den Jahren, da ich im Jli wirken durfte, ein gutes Stück Weges in gemeinsamer Arbeit gegangen, und Freundschaften haben wir geschlossen, die für das Leben dauern. Jugendvereine erneuern sich in raschem Wechsel, die Generationen kommen und gehen, und von denen, die einst den Verein gründeten, kann an sich keiner mehr zur Jugend sich rechnen und an seinem aktiven Leben teilnehmen. Einer nur hat es fertiggebracht, mein guter und lieber Freund Alfred Berger, der in unerschütterlicher Ruhe und unbeirrbarer Folgerichtigkeit heute wie vor zwanzig Jahren nicht nur die Vereinskasse treu und geduldig verwaltet, sondern der'auch etwas wie das stete mahnende Gewissen der Breslauer Jli darstellt. Ihm, dem ruhenden Pol, gelte besonderer Gruß und besonderer Dank. Ihm und dem Geiste der Stetigkeit und der treuen schlichten Arbeit für Liberalismus und Judentum, den er verkörpert, der für den Breslauer Jli so typisch ist! Daß ein Ehrenmitglied des Jli — diese Bescheinigung beginnenden Alters, über die ich trotzdem herzlich erfreut war, wurde mir bei meinem Weggange von Schlesien zuteil —- ihn rühmt, ist selbstverständlich. Mit einem Vereine aber, der zwanzig lange Jahre getreulich arbeitet, beginnt auch die Geschichte sich zu beschäftigen. Und ihr Urteil kann, nicht anders ausfallen. A u f d e.m für alles Jüdische so gesunden Boden Schlesiens erwachsen, .stellt er das Vorbild eines gesunden jüdischen Jugendvereins dar! Und kurz und herzlich sei der Geburtstagsgruß: Er bleibe und wirke, er mache Schule! _ Wegen des eewaxieien stacken Gesuchs Ist da Eintritt zum 2. Aiend da?}üdi&ch~ li&ecaleH-Zeitung.” [JJiema: „Mama da 5xda Speechen ) mit gegen tmtcUtskactemmöglich. JCacten sind unentgeltlich zu ieaieken daedi die. QescAaftc^^ffr da .jüdischlitt rat tu- Zeitung?, SSedin SW 11, Statlesctie Sic. 1, JjelefoH: SBecgmam 3358/59. Wie Müen. (/»jffff und üceunde, die., fjnfafünften ^intgrAend flw/wrfffw nvtffn „Jfltllscli-liberalen Zeitung" am Montag, 30. Januar 1933, . 8 Uhr abends, im Großen Saal der Konditorei L6on Berlin, Kurfürstendamm 155/156 (am Lehniner Platz) „Mannet dec 2edet spteckm“ _ Kurzreferate werden hatten: George Goetz, Redakteur der .Jüdisch - liberalen Zeitung"- .Die Jüdisch-liberale Zeitung* innerhalb des deutschen Kulturkreises' A Fritz Engel, Schriftsteller .Liberalismus als Weltanschauung' ReCMSanUQlt Dr. ErlCtl EytR, Stadtverordneter .Jüdische liberale Parlamentarier' Dr. Phil. NOS Osborn, Kunstkritiker der .Vossisdien Zeitung' ' .Juden als Künstler" Dr. Kort Zielenziger, Stellvertretender Pressechef der Stadt Berlin Juden im öffentlichen Dienst" BemhOrd Cltron, Handelsredakfeur des - .Montag Morgen' „Die Bedeutung der Juden für das deutsche Wirtschaftsleben" JUlIUS BOb, Schriftsteller" „Juden im liierarischen Schaffen“ HlOinS iQGUCllStelfl, Mitherausgeber der Jüdischliberalen Zeitung' „Ausklang" Gesänge: oherRimtor WDhehn Frlßdoiono Leitung des Abends: Lnnifgenchtsnit Dr. Martin Lessen Vorsitzender des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin . Um pünktliches Erscheinen wird geieten. Eintritt treUeilbcli nnr gegen EmtrltMorten (Beachten Sie bitte die nebenstehende Anzeige)

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