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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-01-01 · 19 (1.1.1933) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
19 (1.1.1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gymnasien, Handelsschulen usw. wird Religionsunterricht erteilt. Württemberg hat rieben der straffen Organisation, die die protestantische und katholische Kirche hat, auch eine geordnete Kirchengesetzgebung für die Israeliten Württembergs; das hat der. Vorteil, daß im Schuldienst, im Kirchen- resp. Gottesdienst alles gesetzlich geregelt ist. Diese gute Organisation ist neben dem fürsorglichen Wohlwollen der Regierung der unermüdlichen Arbeit vor allem Stuttgarter Juden zu danken, die vor 1U0 Jahren gelebt haben. Es ist' natürlich nicht möglich, alle Namen zu nennen, aber neben dem rührigen Isaac Hell aus Ell.wangen, der immer wieder die Sache voranbrachte, wäre vor allem der kluge, weitblickende Rabbiner Kirchenrat Joseph v. Maier, der durch sein organisatorisches Talent das Judentum Württembergs förderte, zu nennen. Dessen Nachfolger war zuerst Rabbiner Dr. v. Wassermann, dem 1894 Oberkirchenrat Dr. Kroner im Rabbinat folgte. Heute ist Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger der geistige Führer der jüdischen Gemeinde Stuttgarts, neben ihm fungiert seit 1929 Rabbiner Dr. H. Auerbach. Ursprünglich hatte das Vorsteheramt den Tag der Gemeiudegründüng festlich begehen wollen, man hatte an eine akademische Feier gedacht. Infolge der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse, von denen auch die üemeindeinitglicdcr Stuttgarts schwer betroffen sind, sieht man vom Feiern ab und will der Gründung nur mit einem Festgottesdienst gedenken. Rabbiner Dr. Bcrthold Einstein 70 Jahre. Am. 31. Dezember 1932 vollendet Dr. Berthold Einstein, Bezirksrabbiner in .Landau (Pfalz), sein 70. Lebensjahr. Er gehört seiner Gesinnung und seiner geistigen Haltung nach zu den .entschiedensten Bekennern des liberalen Judentums, von frühester Jugend an rückhaltslos und treu zu seiner Ueberze'ugung stehend, ein unabhängiger, aller Halbheit und ängstlicher Vorsicht abholder. Charakter, von einer erfrischenden, echt schwäbischen Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Man sagt den Juden eine gemeinsame, durch Abstammung und Schicksal bedingte eigene seelische Art nach. Wie abwegig solche allgemeinen Urteile sind, das beweist nicht nur die biologisch und seelisch so ungeheure Verschiedenheit der deutschen z. B. von den spaniolischen oder gar kaukasischen oder jemenenitischen Juden, sondern die geradezu typischen Unterschiede innerhalb des deutschen Vaterlandes zwischen beispielsweise schlesischen, rheinischen und schwäbischen Juden. Die innige Verbundenheit mit dem schwäbischen Mutterboden gibt der Persönlichkeit Berthold Einsteins ihr charakteristisches Gepräge. Er trägt die unverfälschten Farben seiner Landsmannschaft, spricht-heute noch seinen schwäbischen Dialekt und ist ein echtes Schwabenkind, wie es im Buch geschrieben steht, voll Biederkeit und makelloser .Ehrlichkeit, offen und. gcrade, arglos und ohne Falsch, eine selbstverständliche, unkomplizierte Natur, allem Formenwesen abgeneigt, unpathetisch und ohne Pose, einer, der nicht viele Worte macht und sich ohne Aufhebens seiner Pflicht; seinem Amt, seinen Freunden mit einer Zuverlässigkeit und Treue hingibt, so daß inan wie auf Fels auf ihn bauen kann. Der .Gründzug seines Wesens und das menschlich Wertvollste ah unserm Freund ist die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit seines Denkens und Handelns. Das scheint eine banale Tugend zu sein, ist aber in Wahrheit eine außergewöhnliche Eigenschaft Sie wird von den Menschen nicht nur nicht als die vornehmste Menschenart geschätzt, sondern „Ehrlichkeit“, sagt ein altes, vergessenes deutsches Sprichwort, „hat einen blauen Rücken“. Zwar Kindern bläut man die Achtung vor der Aufrichtigkeit und die Scheu vor der UnWahrhaftigkeit ein. Aber je älter der Durchschnittsmensch wird, um so mehr blättert, unter dem Zwang der konventionellen Lügen, von dem kindlichen Ethos ein Stück nach dem andern ab. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie mir — es war in unseren ersten gemeinsamen Studienjahren — Freund Einstein das zu seiner Zeit berühmte Buch von Nordau „Konventionelle Lügen der Kulturmenschheit“ mit einer Art bitterer Genugtuung zu lesen gab. Diese Bitterkeit ist ihm, je mehr der Kreis der Welt sich ihm weitete, auch später nicht erspart geblieben. Als er, ein hübscher frischer Student, im Jahre 1883 in unsern Freundeskreis am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau trat, flogen ihm unser aller Herzen zu. Er war der Fröhlichsten einer, jeder ungebundenen Jugendlaune aufgetan, mit seiner musikalischen Begabung frohe Feste verschönend; zugleich aber auch der Fleißigsten einer, voll peinlicher Gewissenhaftigkeit und strengem Ordnungssinn, was er von seinem Vater geerbt hat. Vom Vater hat auch er „des Lebens ernstes Führen“ und „von Mütterchen die Frohnatur“. Wie freundlich stehen die Bilder des Elternpaares in Ulm. wo der Vater Vorsänger war und für den.Frankfurter Rabbiner Leopold Stein schwärmte, wo die Mutter, eine Frau von warmer Herzlichkeit und großer Lebensweisheit mild im behaglichen Hause waltete, vor meiner Seele! Als er in der. schmucken Uniform des Württemberg^; sehen Infanterieregiments in Um sein Einjährig-Freiwilligen Jahr abdiente, hatte ich die Freude, ihn in seinem schönen Elternhause zu sehen. Am Breslauer Seminan-blieb er bis i889, legte dann das württembergische Rabbinatsexamen ab, worauf er als Rabbinats-Stellvertreter in Heilbronn, dann 1892 als Rabbiner in Laupheim angestellt wurde. Seit 1895 amtiert er als pfälzischer Bezirksrabbiner in Landau, wo er auch die Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum ins Leben rief. Außer einer größeren Anzahl von Gelegenheitsreden und (z. T. anonymen) Aufsätzen in. der Allgemeinen Zeitung des Judentums, der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft, des Judentums und der Monatsschrift „Liberales'Judentum“, erschien von ihm als größere wissenschaftliche Arbeit: „Rabbi Joseph Kara und sein Kommentar zu Kohelet.“ Aus seiner ersten Rabbinatsstelle Heilbronn holte er sich seine Frau, eine frühere Schülerin, die, gleichfalls ein echtes Schwabenkind, ihm zur tapferen und klugen Lebensgefährtin wurde, von der es als echtem Esches Chajil heißen kann; „Sie tut ihm Liebes, nie Leides, alle Tage seines Lebens“ und „regt ohne Ende die fleißigen Hände“. Glück, und schweres Leid kehrten bei ihnen im schönen Hause in Landau ein. Ein prachtvoller Sohn, der Eltern Stolz, der zu den schönsten Zukunftshoffnungen berechtigte, starb als junger Student den Heldentod fürs Vaterland. Um so inniger umfaßt die Liebe der Eltern ihre liebe Tochter, die in glücklicher Ehe, vor kurzem gesegnet mit einem Kindchen, in Insterburg als rechte Gehilfin des Mannes ihm zur Seite wirkt. In ihrem Kreise feiert der Jubilar still seinen 70. Geburtstag,. und nach dorthin eilen unsere treuen Freundesgrüße und Segenswünsche ad meoh w’eßrim schonoh. Rabbiner Dr. Caesar S e I i g m a n n, Frankfurt a. M. Briefkasten. Rabbiner Dr. Baron, Kaiserslautern. Zu der Frage, ob man bei den religiösen Vorträgen in der Synagoge (vgl. „Was Leopold Nathansohn in Nr. 17 bemerkte“) den Hut aufsetzen oder abnehmen solle, senden Sie uns eine längere Zuschrift, die in folgenden Sätzen gipfelt: '„Sogar das konservative Judentum mißt nach einer alten Anschauung dem Lehrhause eine größere Heiligkeit bei als einem Gebetshaus. Also alle aufklärenden Vorträge, sofern sie nicht als unjüdisch durch den Inhalt anzusehen, sind, dürften ohne weiteres in der Synagoge gehalten werden. Ob man dabei einen Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen Rednern machen soll, das könnte eine Frage des Taktes, aber nicht der Notwendigkeit sein, die Heilige Lade und den Vorbetertisch durch einen eisernen Vorhang zu verdecken. — Ob man bei solchen Vorträgen in der Synagoge nun nach gewohnter Weise den Hut aufbehalteu will oder, weil es kein offizieller Gottesdienst ist, es nicht für nötig hält, das mag jedem überlassen bleiben. .Jedoch die Kulisse des eisernen Vorhanges .sollte man im Gotteshause nicht wieder aufstellen.“ Wissen Sie schon, daß in London mit dem Zweck der Teilnahme an der Aufforstung Palästinas von der „Gesellschaft vom Grünen Kreuz“ j (Green Cross Society) eine Christbaum-Aktion für den Jüdischen Nationalfonds durchgeführt wurde? daß die Wiener Spinoza-Feier infolge Verbots der Universitätsbehörde nicht im Universitätsgebäude abgehalten werden durfte und im Handelsmuseum stattfinden mußte? daß der Riesenerfolg, den die österreichische Fußballmann- , schaff in England und Belgien errungen hat und für den sie nach Heimkehr durch einen Empfang beim Bundeskanzler Dr. Dollfuß geehrt wurde, in der Hauptsache dem. österreichischen Bundeskapitän Hugo Meisl zu danken ist, ' also, wie das Organ der Union österreichischer Juden den Gegnern zuruft, wieder einem „ehrgeizigen Hebräer“? daß am Goldenen Sonntag in mehreren deutschen Städten und auch in Wien, scheinbar planmäßig, in jüdischen Waren- ■ häusern wieder TränengasrAttentate verübt worden sind? daß Dr. Margarete Edelheim, die bekannte Vorsitzende des Frauenausschusses der Deutschen Staatspartei, im Bezirksamt BerlinrTiergarten zur (unbesoldeten) Städträtin gewählt worden ist? daß sich am 30. .Dezember 1932 der Geburtstag des in' der Ehrenreihe des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee begrabenen'Begründers der Hirsch-Dunckerschen Gewerk-' schäften und der Berliner Humboldt-Hochschule, des Initiators der deutschen Sozialgesetzgebung, Max Hirsch', ' zum hundertsten Male jährte?.; daß bei dem Begräbnis Eduard Bernsteins Herr Ministerialdirektor Hermann Badt als Vertreter zionistischer Verbände und Komitees sprechen sollte, wegen Ueberschreitung der Redezeit durch die ersten Grabredner aber nicht mehr , zu Wort kam? . daß — wie im neuesten Heft des in Budapest erscheinenden Akademiai Ertesitö durch Veröffentlichung eines Briefes der Fürstin Maria Hohenlohe an den Grafen G£za Zichy nachgewiesen wird — Franz Liszt niemals Antisemit war und die judengegnerischen Auslassungen in seinem Werk, „Zigeuner“ von der Fürstin Wittgenstein, der Mut- _ ter der oben erwähnten Fürstin Maria Hohenlohe, •hineingefälscht worden sind? Hannover, Cellerstrafje 152 - Bielefeld, Goldbach 44 Empfang: Sonntag, den 1. Januar (933 Senta Wallach Rabbiner Dr. Hans Kronheim Die Verlobung ihrer Kinder Emmy und Fritz zeigen an Jacob Fraenkel Moritz Rosenthal und Frau Rose, gab. Sdtlo/jberg .' und Frau Käfe, geb. Redlid) Chartottenburg, Knesebeckstr. 74179 . W 30, SdiwSbisdi« Strafe & Emmy Fraenkel Fritz Rosenfha! Verlobte Zu Hause: Sonntag, 8. Januar 1933, Knesebedcsfrafye 78/79 BERLIN tmpfeMetiswecle. ffiezugsqueMea J. SCHÖPKER TISCHLERMEISTER WERKSTATT FOR GUTE MÖBEL U. INNENAUSBAU , BERLIN SW 29, ZOSSENER STRASSE 10 BERGMANN 277 BERLIN iDlernalionale Apotheke -Palast*Hotel / Potsdamer Platz . Tel: A 2 Flora 2223 Alles frei Haus [ Aufzüge 1 ALBERT SEEL - AufxugsfOrsorga / Herstellung u, Umänderung van Aufzügen u. Hebewerken all. 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