Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 19 (1.1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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mm m i Organ 5er Bereinigung für 5a* (fterafe 3u5entum e. Bezugspreis: Vierteljährlich 1,50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0.25 RH. Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach Tarif. — Bel Nichterscheinen Infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriitlfitun«;: George Goctz Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und lä. Jedes Monats. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW 11, Hallesche Str 1. Fernruf: F S, Bergmann 3358, 3359. n Bankverbindung: Krcdltvereln für Handel und ' Gewerbe 4 G. m. b. H„ Berlin N24. Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung: Berlin 227 54. Vereinigung für das liberale Judentum e. V.: Berlin 137069. Dlo Vorolnlgung für dos tlhorato Judontum Dhoralmmt nur für dlojoalgoa Aujrützo, dio ausdrücklich als In Ihrem Homsnodsr In Ihrem Aufing* verfehl gehenraekhnel sind. die Verantwortung. Ml* anderen Artikel. AeuSetvngen und Vorschlüge erscheinen unter der Verantwortung der Redaktion. Nr. 19 Berlin, 1. Januar 1933 12. Jahrgang Hilfe kennt keine Partei! Ausbau der jüdischen Darlehnskassen. i. Gtz. ln zehntausend Gesprächen, Vorträgen, Auisätzen, Broschüren ist in den letzten Jahren davon gesprochen worden, daß die immer weitere Kreise ergreifende Not auf dem Wege der alten Philanthropie nicht beseitigt werden kann. Schon bei vereinzelten Notfällen liegt es ja so, daß das Almosen aufgegessen .wird und der Empfänger alsdann neues Almosen erbitten muß, so daß also Almosen eigentlich nur bei gänzlich' Arbeitsunfähigen am Platze scheint; jedem irgendwie Arbeitsfähigen sollte man in produktiver Weise helfen, indem man ihm eine" Arbeit, eine Existenz schafft, wozu berufliche Ausbildung, Handwerkszeug, Rohmaterial, kurz: ein Anfangskapital gehört Oder, ist der Betreffende von ursprünglicher wirtschaftlicher Höhe her in Not geraten, ein Wiederanfangekapital. Diese Notwendigkeit besteht, wie gesagt, eigentlich schon in normalen Zeiten, d. . h. bei einer relativ geringen Anzahl Notleidender. Indessen, der Mensch ist ein gedankenloses Geschöpf, in dem allgemeinen Ueberfluß finden sich genug, die geben können und geben wollen; es ist und es sind genug da zum Geben; mag es auch unproduktiv sein, es hilft doch. Ganz anders in einer Krisenzeit Not lehrt nicht nur beten, Not lehrt auch denken —: zu viele sind, die haben wollen, haben müssen; zu wenig, die geben können. Im Grunde ge- Unter dem Vorsitz von Dipl.-lng. Bruno-W o y d a fand am 10. Dezember in den Räumen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden eine Vollsitzung der „Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsfragen der Juden in'Deutschland“ statt, in der die Berichte der verschiedenen Spezialkomjnissionen entgegengenommen und die notwendigen Beschlüsse für die Fortführung der Arbeiten gefaßt wurden. Aus der außerordentlich gehaltvollen Tagung geben wir folgende Einzelheiten wieder: Die Branchen-Enquete. —■ Kein Anlaß zu übertriebenem Pessimismus. Dr. Kurt Z i e 1 e n z i g e r berichtete über die Tätigkeit der zur Durchführung einer Branchen-Enquete eingesetzten Kommission. Die von ihr gewählte Methode der persönlichen Fühlungnahme mit führenden Vertretern der Wirtschaft und. gut informierten Arbeitnehmern der betreffenden Branchen hat sich nach den bisherigen Erfahrungen gut bewährt Ein Bericht über den Metall- und Chemikalienhandel von Dr. Alfred Mar-' cus liegt bereits vor. Ein. weiterer von dem Referenten selbst zu erstattender Bericht über die Tabakbranche wird in Kürze fertiggestellt sein. Ferner ist die Bearbeitung des Warenhaus- Wesens, des Bankgewerbes, des Handels mit Drogen sowie kosmetischen und pharmazeutischen Artikeln, des Apothekenwesens und schließlich der verschiedenen Zweige des Textilgewerbes in Angriff genommen worden. Die Arbeiten werden beschleunigt fortgeführt werden, so daß voraussichtlich im Januar, sobald mehrere Berichte vorliegen, der Oeffentlichkeit die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen zusammenfassend bekanntgegeben werden können. Im allgemeinen hat der Referent den Eindruck gewonnen, daß kein Anlaß zu dem übertriebenen Pessimismus besteht, der heute vielfach verbreitet scheint . Kommission für Arbeitsbeschaffung. - S. Adler-Rudel berichtete über die Tätigkeit der Kommission für Arbeitsbeschaffung und Ausbau des Arbeitsnachweiswesens. Er gab von ■der,- im Monat November begonnenen, in ganz Deutschland durchgeführten Werbeaktion unter dem Motto „Unser Recht auf Arbeit“ Kenntnis, in deren Rahmen bisher 33 Veranstaltungen in größeren Städten durchr geführt worden sind. Schon die bisherigen Resultate der Aktion, die noch'nicht beendet ist, können als durchaus erfreulich bezeichnet werden. . Bekämpfung, des Wirtschaftsboykotts. Dr. Alfred Hirschberg berichtete über die Arbeiten der Kommission zur Bekämpfung des Wirtschaftsboykotts. Die Kommission hat sich eingehend mit den Fragen des antisemitischen Firmen- und Angestelltenboykotts und des neuerdings in den Vordergrund getretenen Boykotts jüdischer Künstler und Schauspieler beschäftigt und hforbei besonders die Erfahrungen des Central-Vereins auf diesem Gebiete berangezogen. In bezug auf die juristische Bekämpfung des Boykotts jüdischer Firmen hat der Central-Verein zahlreiche obsiegende Urteile erwirkt Zur Bekämpiung wirtschaftlicher Verfallserscheinungen genügt aber die juristische Behandlung keineswegs. Das.Eindringen wirtschaftsfeindlicher Tendenzen, das sich in allen Fällen zum Nachteil der gesamten Wirtschaft auswirken würde, muß mit allem Nachdruck bekämpft werden. Steuer-Enquete,. Birnbaum berichtete über die, Tätigkeit der-Kommission zur Veranstaltung einer. Steuer-Enquete. Auf Grund des I — Unverantwortliche Quertreibereien. uommen sind wir alle in dem Stande jenes Wiederaniangers dem produktive Hilfe werden muß. II. Diese Erkenntnis, in zahllosen Artikeln und Vorträgen abgehandelt, ist gewiß viel wert. Aber es ist wohl deutlich, daß sie allein nicht ausreicht, um Hilfe zu bringen. Man wußte: statt Philanthropie war produktive Hilfe nötig, aber man hatte noch keinen Weg gefunden, wie sie bringen. Um so erfreulicher war dann die Nachricht, die s. Z. die „Jüdisch-liberale Zeitung“ als erstes Blatt veröffentlichen konnte, daß man aus dem Stadium der bloßen Theorie heraus sei, daß praktische Bemühungen eingesetzt hatten und sogar von Erfolg gekrönt waren: gemeint sind die Verhandlungen mit der American Joint Reconstruction Foundation, von denen weiter unten noch die Rede sein wird. Schon seit langer Zeit bemühte sich der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, die wirtschaftliche Not des jüdischen Mittelstandes, insbesondere des Kleingewerbes und des Kaufmannsstandes, durch Ausbau des jüdischen Darlehnskassenwesens in Deutschland zu mildern. Der Preußische Landesverband gründete gemeinsam mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden die Zentralstelle für (Fortsetzung auf der nächsten Seite.) beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden vorhandenen Materials sind die Einkommensteuerzahlcn von rund 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung Preußens (außer der Jüdischen Gemeinde Berlin) für die Jahre 1926 bis 1930 zusammengestellt worden. Die Aufstellung umfaßt 682 Gemeinden mit rund 205 000 Seelen.-^ Die Erörterungen über die Wirtschaftslage der deutschen Juden werden durch die Ergebnisse der Enquete eine außerordentlich wichtige .Grundlage erhalten. Zentralstelle iür Darlehenskassen. Infolge der vorgerückten Stunde konnte der Reicrent zu dem letzten Punkte, Dr. Kreutzberger, nur noch kurz über die bisherigen Erfolge der Tätigkeit der Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen berichten. Mit Hilfe der der Zentralstelle dankenswerterweise von der Foundation zur Verfügung gestellten Mittel konnte der Ausbau des jüdischen Darlehenskassenwesens und die Gründung neuer Kassen wesentlich gefördert werden. — Infolge einer journalistischen Entgleisung sind in die polnisch-jüdische Presse irreführende und unwahre Mitteilungen über die Subventionierung des jüdischen Darlehenskassenwesens in Deutschland gelangt Auch die neuerdings aufgetretene Diskussion der Frage „Darlehenskassen oder Genossenschaftsbanken“ liegt nicht im jüdischen Gemeininteresse. Die Forderung muß' vielmehr lauten „Genossenschaftsbanden und Darlehenskassen“, und zwar Genossenschaftsbanken dort, wo die besonderen Voraussetzungen für sie gegeben sind, in allen anderen Fällen Darlehenskassen. — Der Ausschuß stimmte den Ausführungen des Referenten zu. Zur ausführlichen Behandlung der sehr wichtigen Frage soll eine besondere Sitzung der Arbeitsgemeinschaft im Laufe des Monats Januar einberufen werden. (Vergl. hierzu den heutigen Leitartikel „Hilfe kennt keine Partei“.) Wegen, des emacieten, stachen, J&esuehs ist det &ntcitt mm 2. Abend, det „Jüdisch- , iibetalen Zeitung" (Jhema: „Mdnnet det Ühedet speechen") muc gegen üntdüskaden^ möglich. JCatten'sind unentgeltlich m beziehen duech die QeschäftssteUe det jüdisch-literalen Zeitung", {Bettin SW 11, Stattesche Sie. 1, JdefoH: fBecgmann 3358/59. Wie bitten unsete £eset und Jteunde, die Ünlabhaden umgehend anfetdeenm wollen. I Abend der „JMlfll-literaler Zeitung“ am Montag, 30. Januar 1933, 8 Uhr abends, im Großen Saat der Konditorei L£on Berlin, Kurfürsiendamm-155/156 (am Lehniner Platz) „jHätmec dec Jiedec spcechen“ Kurzreferate werden halten: G&0f$ß GOßtZ, Redakteur der „Jüdisch - liberalen Zeitung' „Die Jüdisch-liberale Zeitung* innerhalb des deutschen Kulturkreises1' Fritz Engel, Schriftsteller „Liberalismus als Weltanschauung' Rechtsanwalt Dr. Erich Eyck, Stadtverordneter „Jüdische liberale Parlamentarier" Df. Pilll. NOS OSbOril, Kunstkritiker der „Vossischen Zeitung? .Juden als Künstler" . Dr. Kart zielender, Stellvertretender' Pressechef der Stadt Berlin _ ~ „Juden im öffentlichen Dienst“ BßrnhOrd Citron, Handelsredakteur des „Montag Morgen' „Die Bedeutung der Juden für das deutsche Wirtschaftsleben" Julius Bub, Schriftsteller „Juden im literarischen Schaffen" Hanns Luewensteln, iitherausgeber der „Jüdischliberalen' Zeitung' — „Ausklang" Gesänge: Oberkonfor Wilhelm Friedmann Oberkantor Hanns John Leitung des Abends: Landgerichtsrat Dr. Hartin Lesser, Vorsitzender des Liberalen Vereins. für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Eintritt frei. Jedoch nur gegen Eintrittskarten, (Beachten Sie bitte die nebenstehende Anzeige) Für unsere wirtschaftliche Gesundung. Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsfragen der Juden in Det-.cdl!tÄnd.