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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-12-15 · 18 (15.12.1932) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
18 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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nichlung der römischen Garnison dort: Anmarsch des römischen Statthalters von Syrien. Aber durch den - Opfertod jener drei (jerechten erschreckt, zieht er sich wieder zurück uiid erführt auf dem Wtc eine ernste Niederlage durch die Aufstündiuen. Noch immer versucht die regierende'Gruppe des Grollen Rates in Jerusalem einen formalen Friedensznstand mit Rom anfreclitzueriialten und zuigt Verhandelnshereitschaft. Aber Josephus. den man als Statthalter nach Galiläa geschickt iiat, sympathisiert dort mit den Rächern Israels: es komriit. z.ur Plünderung des römisch erbauten Königspalästes Tiberias. Damit ist der Krieg endjiültijc. Kaiser Nero schickt den General Vespasian mit den Legionen. Der unterwirft zunächst Galiläa; Joseph verteidigt sieben Wochen lang sehr tapfer die Feste Jotapat. Er proplie- ■ zeit nach der Gefangennahme dem Vespasian. daß er der Erkorene, der Messias, der Herrscher sei und wird in sein Gefolge aufgenommen.. Inzwischen stürzt Nero, die Kämpfe um seine Nachfolge beginnen. Vespasian. an der Spitze .des besten Heeres im Osten, ist plötzlich wirklich ein sehr ernster Kandidat für die Weltherrschaft. Jerusalem aber bleibt einstweilen verschont, da Vespasian mit seinem unversehrten Heer lieber abwarten will. Aber dann ist er wirklich Kaiser, geht zunächst nach Alexandrien.- dann nach Rom. und nun rückt sein Sohn Titus mit dem Heer vor Jerusalem, wo sich inzwischen die Parteien zerfleischt haben. Es beginnt die Belagerung, es kommt, halb gegen den Willen des Feldherrn, zum Brand des Tempels und schließlich zur völligen Zerstörung der Stadt. Josephnsschaut all dem zu, schaut apch dem Triumphzug des Titus in Rom zu. und er wird die Geschichte der Ereignisse schreiben. --Das alles .ist außerordentlich anschaulich, lebendig, fesselnd erzählt. und man muß dem Autor Feuchtwanger für diese bedeutende literarische Leistung Dank wissen. Nur — diese Historie — hat auch einen dichterischen Mittelpunkt. Das ist die Gestalt des Literaten Flavius Josephus. Und der ist nicht mit dichterischer Ueberdegenheit. sondern mit literarischer Sympathie gestaltet. Joseph Ben Matthias wechselt im Laufe der Begebenheiten drcimaJ Ueberzeugung und Partei: Er sympathisiert mit den jüdischen Nationalisten, aber wenn der 'Große Rat ihn als Statthalter nach Galiläa schickt, ist er sehr gerührt und entschlossen, sich dort „still und demütig“ im Sinne dieser „weisen und guten“ Männer zu verhalten. In Galiläa aber verführt ihn die Lust des Hcrrschens und die Atmosphäre des dort beheimateten Nationalismus sehr bald. Er wird, entgegen seinem Auftrag. Haupt der nationalen Bewegung. Und wenn dann alles zusammengebrochen ist. und er als Kriegsgefangener dem feindlichen Feldherrn gegenübersteht, entdeckt er plötzlich als seine Ueberzeugung. daß ~ „Gott in Italien“ ist und wird als Sekretär der Flavier überzeugter Kosmopolit! Bei jeder Wendung sind die Antriebe persönlicher Eitelkeit oder Not ganz unübersehbar deutlich: deutlich ist freilich auch die leidenschaftliche Heftigkeit, mit der er sich jedesmal der ihm gerade nützlichen Idee hingibt.- Aber eben dies ist die typische Begabung eines Talents, das kein Charakter' ist. — Das Bedenkliche ist nun, daß diese wurzellose und durch schlimmste Entwürdigungen zum Ziel des Erfolgs schreitende Natur des Josephus von Feuchtwanger wahrscheinlich in ziemlicher Uebereinstimmung mit der Historie, aber durchaus nicht mit einer dichterischen Ueberlegenheit. sondern mit einer Art kameradschaftlicher Sympathie dargestellt wird. Wir sollen all das als den natürlichen Weg empfinden, daß ein so bedeutendes Werk wie das „Bellum Judaicum“ zustande kommt. Diese Einordnug der ideellen Kräfte unter die persönlichen Eitelkeiten scheint mir aber in hohem Maße bedenklich. Sie entspricht auch gar-nicht dem tieferen Wesen des Judentums: wohl aber ist sie sehr geeignet, gewisse ungünstige Vorstellungen zu nähren, die über „jüdisches Literatentum“'im Umlauf sind. Natürlich müßte es möglich sein, diesen Josephus als ein problematisches, Talent, etwa im Stile Heines, zu dichten. Aber dann müßte man kernlose Begabung von der Reinheit des Genies zu distanzieren verstehen. Und diese Distanz fehlt bei Feuchtwanger erschreckend. — Allerdings muß man hinzusetzen, daß dies nur der erste Band ist. und daß ein zweiter das Schicksal des Josephus weiter verfolgen soll. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dort das Bild der Gestalt sich noch anders schließt, und daß auch mancher Zug des ersten Buches von rückwärts anders ausschatieri wird. - Einstweilen müssen'wir anerkennen, wie reich an hochbegabten Zügen diese Arbeit Feuchtwangers ist. wie glänzend etwa der sture Eiferer Nittai und sein Tod in Verzückung gezeichnet ist. und daneben der römische Unteroffizier Pedan, der „Liebling der Armee“, der naiv brutale Judenfeind, der eigentlich den Tempel anstcckt. Und auf höherer Ebene: der greise Großdoktor Jochanaan Ben Sakkai, der die vom Tempel gelöste Lehre in Jabne befestigt. Und der römische Bauer., General und Kaiser Vespasian in seiner robusten, zynisch-festen Sachlichkeit. All das und vieles mehr — es. sind Proben eines großen Talents — man kann eine Zeit lang vergessen, daß in der Mitte des Ganzen die gläubig .gestaltende Kraft eines dichterischen Genies fehlt. Auslands-Chronik Chicago. (Jüdische Gouverneure und Kongreßmitglieder nach den amerikanischen Neu wall len.) Richter Henry Horner wurde als demokratischer Kandidat mit überwältigender Stimmenmehrheit zum Gouverneur des Staates Illinois gewählt. Damit haben die beiden größten Staaten Nordamerikas. New York (Herbert Lehman) und Illinois, jüdische Gouverneure. Außerdem gibt es in zwei anderen Staaten jüdische Gouverneure: Julius M. Meier im Staate Oregon, Arthur Seligmann im Staate New Mexico. Illinois ist nicht nur der zweitgrößte Staat Nordamerikas, sondern hat auch die zweitgrößte jüdische Bevölke-' rung; die Hauptstadt des Staates, Chicago, hat eine jüdische Bevölkerung von rund 400 000 Seelen und beherbergt demnach die drittgrößte jüdische Gemeinde der Welt Außerdem' wurden 12 Juden, davon 5 aus New York, 2 aus New Jersey, einer aus Pennsylvania, einer aus Kalifornien, einer aus Wisconsin, einer aus Illinois und einer aus Connecticut, in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt. Paris. Im Alter von 74 Jahren starb in Paris der berühmte Archäologe und Kunsthistoriker.Salomon Reinach. Mit ihm ist der letzte der drei Brüder Reinach (Joseph, Salomon und Theodore) dahingegangen, die im wissenschaftlichen wie im gesellschaftlichen Leben Frankreichs eine führende Rolle spielten. Alle drei Brüder Reinach standen dem liberalen Judentum außerordentlich nahe. UDissm Sie schm, daß die Verluste der Nationalsozialisten bei den Thüringischen Kommunalwahlen am 4. Dezember auf 37,7 Prozent errechnet wurden? ' daß der griechische Ministerpräsident Tsaldaris eine Gesetzesvorlage vorbereitet, demzufolge der gesonderte jüdische Wahlsektor abgeschafft und die jüdischen mit den nichtjüdischen Wählern an der gleichen Urne erscheinen werden? daß die Pester Israelitische Kultusgemeinde in der Person des Generals Martin Zöld einen Honved-General zum Gemeindevorsteher erhalten hat? daß in Sidney (Australien) der Redakteur einer Arbeiterzeitung zu hundert Piund Geldbuße verurteilt, worden ist, weil er Sir Daniel Levy, den Vorsitzenden des Parlaments der australischen Provinz Neusüdwales, einen Shylock genannt hatte? daß beim Moskauer antireligiösen Museum eine jüdische Abteilung eingerichtet worden ist, die das „ausnutzerische Wesbn der jüdischen Religion und die einstigen nahen Beziehungen des jüdischen Klerus zur zaristischen Polizei den. breiten Massen vor Augen führen“ soll? daß die Gattin des neuen amerikanischen Präsidenten Roosevelt sich tätig an dem Aufbauwerk des „ORT“-Verbandes zur Förderung von Landwirtschaft, Industrie und Handwerk unter den Juden beteiligt? ' daß die „Patriotische Frauenliga“ in Washington in einer Eingabe gefordert hatte, die amerikanische Regierung solle Professor Einstein „als dem Urheber der gefährlichen Relativitätstheorie“ und als einem „mit Moskau äffiliierten Kommunisten“ die Einreise (zu seinen Vorlesungen an der Universität Pasadena!) verweigern? und daß es daraufhin tatsächlich zu einer Vorladung des Gelehrten auf das amerikanische Generalkonsulat in Berlin und daselbst zu einer lächerlichen Ausfragerei über den „Zweck der Reise“ und ähnliches gekommen ist? Ein Zeidhen der Zeit: PoUzeibewacbunK für Synagoge PrlnzregentenstraBe. In letzter Zeit, häufen sich die Fälle,' in denen Anschläge auf' Berliner Synagogen verübt werden. In einer der letzten Nächte des November wurden zum dritten Male innerhalb weniger Tage mehrere Fensterscheiben der Synagoge in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf durch Steinwürfe zertrümmert. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Polizei hat beschlossen, in der Umgebung der Synagoge in' der Prinzregentenstraße nachts einen besonderen Scbupoposten zum Schutz des Gotteshauses patrouillieren zu lassen. Bücherschau Motliz Scherbel: „Fabeln und Epigramme.“ Verlag Scherbel & Co„ Berlin. 1932. Preis 1.80 RM. Anläßlich des 100. Geburtstages von Moritz Scherbel brachten wir kürzlich das Wirken dieses jüdischen Predigers und Dichters in Erinnerung. Jetzt hat der Sohn des Dichters, unser Freund Sanitätsrat Dr. Scherbel (Lissa) in pietätvoller Weise eine große Anzahl bisher unveröffentlichter Fabeln und Gedichte im Verlage des Enkels herausgegeben. Kurze, leichtverständliche Fabeln in Versform, stets mit moralischer Nutzanwendung und doch stets auch humorvoll, für Kinder besonders geeignet ‘ L. N. BERLIN £mf4eh£enswede tBezuqsqueCCw I. SCHOPKER - TISCHLERMEISTER WERKSTATT FOR' GUTE MÖBEL U. INNENAUSBAU BERLIN SW 29, ZOSSENER STRASSE 10 . BERGMANN 277 Finanzierung fausreparaturen . 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