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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-12-01 · 17 (1.12.1932) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
17 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nicht eine Redensart, sondern wirkliches Erleben gewesen ist Der Arbeit innerhalb der Gemeinschaft unserer Bewegung reiht sich an die Arbeit in der großen Gemeinschaft unseres Judentums. Auch die Aufgaben der örtlich gebundenen jüdischen Gemeinschaft, der Gemeinde, werden von uns gefördert, soweit es uns jugendlichen Menschen möglich ist, in der praktischen Gemeindearbeit Einfluß zu erhalten. Oft stehen uns dabei noch unüberwindliche Schranken entgegen. Daß junge. Menschen auch für Gemeindefragen das notwendige Interesse zeigen und darüber hinaus sich mit ganzen Kräften für eine Neubelebung des Gemeindelebens einsetzen können, hat in vorbildlicher Weise bei den letzten Gemeindewahlen die Berliner liberale Jugend bewiesen. Unsere Auffassung vom Judentum als. einer Religionsgemeinschaft führt uns zu einer gemeinsamen Arbeit mit all den Organisationen, die ebenso wie wir das Judentum nicht als' nationale Gemeinschaft auf fassen, sondern die sich, wie selbstverständlich, in den deutschen Kulturverband einreihen. Hier ist besonders unsere Mitarbeit an allen Zielen zu erwähnen, die der Centralverein als größte deutsch-jüdische Organisation sich zur Aufgabe gemacht hat. Bei der politischen Lage im Augenblick ist diesen Fragen ein großer Teil unserer Arbeit gewidmet, die sich übrigens nicht allein auf den Centralverein beschränkt, sondern in der Pflege deutschjüdischer Gesinnung mit allen zur Mitarbeit bereiten Jugendgruppen zusammengeht Die Vielgestaltigkeit unserer Aufgaben ermöglichte nur einen kurzen Ueberblick. Es wird klargeworden sein, wie weit unser Arbeitsfeld sich ausdehnt und welches die Grundlagen unserer Arbeit sind. Von Zeit zu Zeit soll man überprüfen, ob der Weg richtig ist, den man geht, ob die inneren Grundlagen der Arbeit unversehrt sind und der Ueberzeugung aller jetgt Tätigen entsprechen. Diesen Zweck erfüllen unsere Delegiertentagungen, die in Abständen von ein bis zwei Jahren Führer und Freunde unserer Bewegung vereinen. Wenn wir Anfang 1933 in Breslau anläßlich des 20 jährigen Bestehens der „Jüdisch-liberalen Jugendgemeinschaft Abraham Geiger“ wieder einmal Zusammenkommen, dann soll aus dieser Tagung sich eine erneute Festigung unserer. Organisation und heuer Ansporn für erfolgreiche Arbeit im Dienste der liberalen Idee ergeben! Wünscht die Jugend eine philosophische Begründung der Religion? Von stud. jur. Erika Löwenstamm, Berlin-Spandau. „Es ist eine Frage, ob die bloße Vernunft ohne das Herz je auf einen Gott verfallen wäre. Nachdem ihn das Herz erkannt hat. sucht ihn die Vernunft auch.“ Mit diesem ebenso geistreichen wie tiefsinnigen Wort eines Zeitgenossen Kants stehen wir mitten im Problem und jener Wechselbeziehung zwischen Religion und Philosophie überhaupt. Entstanden ist die Religion nämlich in ihren Uranfängen durch Ahnungen, nicht selten durch mystische Erlebnisse, durch Eindrücke, 'die noch nicht in Begriffe gedrängt und wegen ihrer Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit der wissenschaftlichen Betrachtungsweise durchaus entgegengesetzt sind. Solange ReligioH in diesem Urstadium noch rein Gefühls- und Willenssache ist, kann sie weder mit der Philosophie in Beziehung gesetzt werden oder gar ernstlich mit ihr in Konflikt geraten. Aber schon die Priester und Theologen und sogar zuweilen die Religionskünder wollten an. Stelle jenes unklaren Empfindens bereits feste und geläuterte Begriffe setzen, und man muß sagen, daß dies einen Fortschritt und Vorteil bedeutet und es dem Wesen der Religion durchaus nicht entspricht, an jenem Anfangszustand stehen zu bleiben. Wir sehen also, daß dieses antinomische Verhältnis von Glauben und Wissen schon uralt ist. Ja, äußerlich hat es sogar schon, wie angedeutet, eine feste Form und Umgrenzung erhalten. Aber dies ist gerade das Problem, denn man sollte glauben, daß die Kollisionen zwischen Religion und PhilosoT phie etwas so Lebendiges. Zeitgebundenes, Bewegliches und' individuell an Menschen Bedingtes ist, das immer wieder im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende unter den Menschen und im einzelnen erneut Auseinandersetzung fordert, und daß der Sieg in dem Konflikt zwischen Herz und Vernunft nur jedesmal für ein Menschenschicksal in dessen persönlichster Prägung Verbindlichkeit haben kann. Um was geht es aber endlich?. Was ist es, was die beiden polaren Triebkräfte des Menschen, Gemüt und Geist, in Widerstreit bringt? Es sind doch die Fragen nach dem Weltzusammenhang, dem Lebenssinn und damit verbunden jene tiefe Sehnsucht nach innerem Frieden, beglückender Harmonie und andauernder Seligkeit Ja, nur diese Fragen kommen in Betracht und, um den Kern zu erfassen, scheiden folgende von .vornherein aus, nämlich die. die mythische Vorstellungen oder dogmatische Lehren zur Voraussetzung haben. Sie freilich bilden meistens den Anlaß, der die Menschen zuerst aus ihren naiven Vorstellungen weckt und zu jenem Zweifel führt, aus dem heraus sie sich an die Philosophie wenden. Nennt man im gewöhnlichen Leben doch gerade einen Skeptiker zunächst den, der an den überlieferten religiösen Vorstellungen irre geworden ist Und hier haben wir den Anknüpfungspunkt mit der Jugend. Sie wächst in etwas hinein, was ebenfalls das Produkt höchstpersönlicher Erarbeitung und das Ende von vielen inneren Kämpfen ist. Das Althergebrachte, die Tradition hat hier den Schein der Unfreiwilligkeit, und das Gefühl des , äußeren Zwanges ruft den Widerspruch strebender, eben selbständig gewordener Menschen hervor. Nicht daß der Jugend die Geschichte nichts Heiliges mehr sei — eine Aeußerung, die wir gar zu oft hören —, aber sie bleibt so lange Vergangenheit, bis jene große Erneuerung eintritt, die nur von innen der Mensch vornehmen kann und wo die Jugend ein erstes Mal ihre Freiheit und Selbständigkeit im Willen zur Zukunft erproben will. Unser Recht ist es, die Dinge zu erobern, die Erfahrungen'selbst zu machen. Wie kann man aber Religion sich aneignen, d. h. sie erfahren, wo man doch bei den andern meist nicht den Weg, sondern nur das Ziel sieht: jenen Glauben, der von so tiefem Glücksgefühl gesättigt und uns fast eine mystische Gelassenheit und Stille im Einswerden mit Gott, die Ruhe des Besitzes und des zum Ziel gekommenen . Seins zeigt? -Versuchen wir die Zuflucht zum Geiste der absoluten Erkenntnis und zum Willen zur letzten Wahrheit auf dem Wege logischer Konsequenzen dahin zu verstehen, daß jene Gefühlsmäßigkeit des Glaubens, wie wir sie oben geschildert haben, stets konservativer als der leichtbeschwingte Gedanke ist und deshalb der Periode der Jugend weniger entspricht. Es soll dahingestellt rein, ob nicht — dies eine Bemerkung für den Psychologen?;’^- die, wir wollen. zugeben, oft übertriebene; verstandesmäßige Einstellung nuraus einer inneren Abwehr Bruchleidende / Fußleidende nur bei EmO Hempel, Orthopädie, Bandagen Berlin W 35, Lutiowstraße 39 Telefon Bl Kurfürst 4529 Lieforaat umtlicher Krankenkassen Spezial-Behandl. nur für Ischias ln Hüften, Gesäß und Bein, wenn ärztlich festgestellt, in 15 Tagen sind schwere Fälle beseitig! worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen. Ärztlich empfohlen- Invalidenstr. 106, . 9—11, 1—4, Sonntag 10—12. Jacoby. übergroßer Gefühlsstärke entsteht; jedenfalls müssen wir den Vorwurf der „Vergottung des Intellekts“, eines Dichters unserer Tage, der sonst in die Tiefen des Lebens mit großer Menschenkenntnis hineingeleuchtet hat, abweisen. Indem wir uns der Philosophie bedienen, um die Religion zu begründen, begeben wir uns auf das Gebiet der Religionsphilosophie. wo das Wissen um letzte Wahrheit, das d.er Philosophie eignet, in den Dienst des Werfens und Glaubens an Dinge, die nicht auf dem Wege des Verstandes handgreifliche Verkörperung bekommen, gestellt wird. Erst wenn wir in der Philosophie so weit vorgeschritten sind und unser UnT vermögen im Antworten auf lebendige, aus innerstem Bedürfnis entstandene Fragen feststeilen.'der verstandesmäßigen ' Unbeweisbarkeit die in unserem Innern feststehende Sicherheit entgegenstellen, haben wir die wahre Religiosität gewonnen und'sind an der Größe der Erkenntnis gereift Die Offenbarung der Unendlichkeit ist uns zu einem Heiligtum geworden. Gerade, wenn sich der Glaube an das Unsichtbare niemals in Wissen verwandeln läßt, gerade dann und nur dann bleibt er in alle Ewigkeit, was er ist — Glaube. Er ist über alle Zweifel erhaben, Zweifel ist ihm Sünde. Irrtum Schuld. Wir sind gewachsen zu der Zuversicht die nicht zweifelt an dem, was Menschen weder-gesehen noch vernommen haben. Die Entwicklung, die wir in der Geschichte der Religion und der Menschheit im allgemeinen zu Anfang zu charakterisieren suchten, haben wir nun im Leben des einzelnen aufgezeigt — eine wunderbare Parallele zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos —, und ich glaube, man kann mit dem Manne, mit dem wir unsere Betrachtung einleiteten, auch jetzt wieder sagen: „Es ist ein Unterschied, etwas noch zu glauben und etwas schon wieder glauben.“ Dieser Weg über die Philosophie zur wahren Religiosität mag wohl in keiner Religion, ohne daß diese Schaden daran7 nimmt so frei beschriften werden, wie in der jüdischen. Ohne jedes Dogma, das verstandesgemäßer Betrachtung nicht unterzogen werden darf, ist dem Juden eine erste Pflicht autonom: jene sittliche und rituelle Gesetzgebung, ohne die keine Gemeinschaft bestehen kann, zu beobachten. Die Suche nach dem Göttlichen soll dadurch nur erleichtert werden. Es ist deshalb nicht seltsam, daß unsere großen jüdischen Philosophen am Ende der philosophischen Ueberlegungen jüdischer Weltanschauung und religiösem Glauben überhaupt die Krone aufgesetzt haben. Eine der wundervollsten Stellen in Mendelssohns „Phädon“, oder „Ueber die Unsterblichkeit der Seele“ ist die, wo er, neben vielen anderen Kriterien für die Unsterblichkeit, zu dem Ergebnis kommt, daß auch der Glaube ah den nach ewigen Zwecken der Vollkommenheit waltenden Gott jene in das Herz der Menschen gepflanzte Hoffnung auf die Dauer und das Fortleben der Seele nach dem Tode nicht täuschen wird. Der Gedanke, der uns zur Beseligung eingeboren ist. muß wahr und wesenliaft sein: „Wäre unsere Seele sterblich, so wäre Vernunft ein Traum, den uns Jupiter geschickt hat. um uns Elende zu hintergeheu. so wären wir wie Vieh hingesetzt worden. Futter zu suchen und zu sterben.“ Jugend und Religiosität. Mit einem Schlußwort über ihre Steilung zu in Gottesdienst " . Von Helmut Ga 11 i ne r (Jli-Beriin). Alles, was das Wort „soziale Not“ in seinem Verhältnis zur Religion besagt, alles, was in diesem Verhältnis an scheinbar unlöslichem Widerspruch enthalten ist, spricht die Bibel in dem Satz aus: „Er ließ dich leiden und ließ dich hungern. er speiste dich mit dem Manna, das du nicht kanntest, noch deine Väter, um dich erkennen zu lassen, daß nicht vom Brot allein der Mensch lebt, sondern von allem, was aus dem M.unde des Ewigen kommt, lebt der Mensch“ (Dtn. 8, 3). Die jüngere Generation ist in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit aufgewachsen, die ihr frühzeitig eine politische Entscheidung abnötigt. Die Bedrohung jedweder menschlichen Existenz scheint die Beschäftigung mit allgemein politischen und wirtschaftlichen Problemen dringlicher zu gebieten als mit religiösen. Es hieße uns selber Sand in die Augen streuen, wollten wir nicht zugeben, daß die Mehrheit der jüdischen Jugend sich zu einem Judentum ohne Religiosität bekennt (zu einem Judentum, dessen Aufgabe darin besteht, die Gemeinschaft um ihrer selbst willen zu erhalten). Die Trennung von Leib und Seele, wie sie das Christentum kennt ist für die jüdische Jugend ein unannehmbarer Standpunkt; ihr offenbart sieb vielmehr an'der Unmöglichkeit der Uebereinstimmung zwischen Geist und Körper, zwischen Leben und Gesinnung, zwischen religiösem Gebot und harter. Wirklichkeit —, ihr offenbart sich an diesem Widerspruch die Sinnwidrigkeit menschlichen Daseins'überhaupt Zu welcher Bedeutungslosigkeit sind da Fragen des Kultus angesichts der tagtäglich auf den Jugendlichen eindringenden Fülle sozialen Elends verurteilt Mag die Ueberwindung der Armut eine eminent sittlich-religiöse Aufgabe sein, in ihrer Wirkung niveL liert sie die menschliche Natur auf ihren ursprünglichen Stand zurück. Nur so ist es erklärlich, daß heute nach einem halben Jahrhundert sozialer Kämpfe der Vorwurf des Dostojewskischen Großinquisitors in jenem imaginären Gespräch mit Jesus, warum er denn nicht den Glauben des Menschen an Gott durch ein Wunder herbeiführen wollte, genau so wenig überholt ist, wie auch vor zweitausend Jahren; „Du wolltest dem Menschen nicht die Freiheit rauben und wiesest den Vorschlag. Steine in Brote zu verwandeln, von dir: denn was ist das für eine Freiheit, so wähntest du. wo Gehorsam erkauft ist durch Brote? Du entgegnetest damals: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch. Aber wußtest du denn, daß im Namen desselben irdischen Brotes der Geist der Erde sich gegen dich empören und im Kampf besiegen wird .... Daß die Menschheit durch ihre Weisen verkünden wird: Es gebe überhaupt kein Verbrechen, sondern nur Hunger!, Sättige die Masse, und dann erst verlange Tugend von ihr!“ Was hier in bitterer Ironie als „Wahrheit“ ausgesprochen wird, erhebt der Däne Jacobsen in dem Roman des konsequenten Atheismus zur Allgemeingültigkeit. Die Religion ist nicht nur unfähig, die Masse'zu sättigen, sie verhindert sogar menschliche Versuche, das Leiden zu überwinden, indem sie den Menschenilire Tat- und Entschlußkraft nimmt: Wenn eines Tages die Menschheit aussprechen kann: es gibt keinen Gott, wird ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen. Die ungeheure Kraft der Liebe wird, da der Himmel leer geworden, über die Erde strömen: hin zu den schönen menschlichen Eigenschaften: Güte, Gerechtigkeit. Weisheit Das Gewissen wird wachsen, frei wird sie ihr Leben leben, ohne Furcht oder Hoffnung, nur sich selbst fürchtend, nur auf sich selbst hoffend. „Einen wunderbaren Glauben an die Menschheit müssen ■Sie haben, aber woher nehmen Sie die starken Individuen, um Ihre atheistische Menschheit zusammenzusetzen?“ Hier erst beginnt das eigentliche religiöse Problem. So wundersam es auch erscheint daß dem Atheisten Niels Lyhne ein „Glaube“ an die Menschheit zugeschrieben wird. — wir müssen doch vielmehr fragen, worauf er diesen Glauben zu stützen vermag. Wenn die Stärke des Individuums in dem Glauben'an sich selbst bestehen soll, so enthüllt sich hierin auch zugleich seine Schwäche. Denn nur das durch den Begriff des transzendenten Gottes gewonnene Vertrauen vermag mein Selbst vor völliger Auflösung zu bewahren. Daß ich in der Erfüllung des Gebots der Nächstenliebe nicht wanken werde, vermag ich nur dadurch, daß ich in ihm ein Religiöses sehe, von dessen Nichtbefolgung mich nur Gott entlasten kann, weil ich vor ihm verantwortlich bin. Die „starken Was diesmal bemerkte: Das Wesen des Judentums. Zum Vortrag von Heinrich Mann kam ich in die Synagoge Prinzregentenstraße, die bekanntlich bei derartigen Anlässen durch einen die Heilige Lade abschließenden eisernen Vurlliang zum Versammlungsraum umgewamlelt witd. Ais icii in der Vorhalle meine Garderohe ablegte. trat ein fanatisch urschender Jüngling, der inicli wollt für einen Christen hak mochte, aui mich zu: „Es wäre praktisch, wenn Sie den H. ■ aufbehalten möchten!” Ich: „Praktisch, wieso?" Er: „Na, es ist' eine Synagoge: da hat man den Hut auf.“ Auf meine zwei weiteren Fragen, ob darin das Wesen des Judentums bestelle, und ob es, ila doch eine Orgel darin, überhaupt für ilm eine Synagoge sei, blieb er inir die Antwort schuldig. Für Leser, die sich auf die Seite jenes Eiferers stellen möchten, füge ich hinzu: ..man'' hat den Hut gar nicht' auf. man nicht und Mann nicht, Heinrich Mann bei seinem' Vortrag nicht und alle Männer nicht: der Gemeindevorsteher Moritz Rosenthal bei seiner Einleitiingsredc nicht und die im Publikum anwesenden Gemcinderabbincr. soweit beobachtet wurde, auch »teilt. Von 3500 Anwesenden höchstens 50Mämierliiite —: Christen sind wir dabei nicht geworden, das Wesen des Judentums hat keinerlei Beschädigung erlitten. Kann es wirklich der Siitn dieser religiösen Soimtugs-Wcihestunden sein, daß wir die Hüte mit iruicimicluncn und das Wesen des*-Judentums jn der Garderobe abgeben? Dort könnte es zerdrückt werden. . Individuen“ aher vermögen sich jederzeit vor Ihrem Gewissen freizusprechen und zu entbinden. Vor Gott gibt es keine Flucht Das Bedeutsame der häufig zitierten Jesaia-Stelle ftir _ soziale Gerechtigkeit (58. lif.) bestellt ja eben gerade darin,' daß unmittelbar auf: „dem Hungrigen dein Brot brechen ... deinem Fleische dich nicht entziehen“ folgt: „Dann rufst du, und der Ewige antwortet, du schreiest, und er spricht: hier bin ich!“ Die Nähe ünttesbleibt das Kriterium des Religiösen. Und' es ist wiederum nicht zufällig, wetm es. als, Einleitung der großen Rede in den Gefilden Moabs zur Sozialgesetzgebung heißt:'„Denn, welches Volk ist so groß, daß cs Götter hätte, "die ihm so nahe sind wie der Ewige, unser Gott, sooit wir ihn anrufen^ (Dtn. 4, 7). - Nicht dort, wo die Freiheit des Menschen, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, zur Selhstvcrgottimg führt, zeigt sich die Stärke des Individuums,' sondern dort wo es die Last Gottes auf sich zu nehmen vermag. — Die Freiheit-des Menschen beherrscht wer ihr Gewissen beruhigt Wer den Menschen einen Weg weisen kann, der ilun Brot verschafft, erweckt Ehrfurcht, „denn nichts ist zweifelloser als Brot“. Hier scheint uns der tiefere Grund für die Unterwerfung eines großen Teils der jüdischen Jugend unter materialistisch-sozialistische Ideen zu sein. Die leidige Sucht des Menschen, sich seiner Freiheit zu entäußern. läßt ilm entweder parteipolitischer' Dogmatik anhcimfallen, oder orthodoxem Kultus Sympathie eutgegenbringen. Nicht die Beruhigung des Gewissens, sondern seine Beunruhigung, der dauernde Zweifel, auf dem rechten Wege zu sein, gibt dem im Vollbesitz seiner Freiheit Gott gegenübertretenden Menschen Würde und Demut; so wird der Zweifler Hiob zum Vorbild liberaler Religiosität. Wenn wir nun zum zweitenmal nach der Stellung der Jugend zum Gottesdienst fragen, so wird cs klar, daß durch seine-bloße. Reformierung keine Religiosität zu wecken ist (hier kann nur von liberaler Jugend gesprochen werden). Unsere Arbeit im Jli ist nicht darau! gerichtet, gläubige Menschen zu erzielten, sic will durch Studium der Bibel, durch das Beispiel der Propheten, durch die Psalmen, die Tiefe des Religiösen, die Wahrheit des Gottcscrlebnisscs ahnen lassen. Daher sind unsere Feiern in Form und Inhalt völlig ungebunden, sowohl an liberale Tradition, als auch an Jlitradilion. Wir halten cs auch weiterhin für unzuträglich, regelmäßige Veranstaltungen' durch organisatorische Maßnahmen^zu erzwingen. Für uns bedeuten diese Feierstunden nicht Erbauung im ästhetischen Sinne, sondern das Verlangen näcli gemeinsamem Erleben, getragen durch das Bewußtsein einer gleichgesinnten Gcisteshaltung. Unsere Forderungen nach einer Reform des Gottesdienstes decken sich mit dem längst bekannten Programm der Liberalen, das erst vor kurzem von Dr. Sachj in diesen Blättern von neuem dargelegt wurde. — Die Jugend hat sich in selbstloser Weise bei den Geineindewahlen für die Liberalen eingesetzt. Sie begreift es nicht, warum die Devise des Wahlkampfes: „Religionsgemeinde gegen Volksgemeindc“ nicht hinsichtlich gottesdienstlicher Veränderungen wahrgemacht wird, warum . man vor einer Reformierung des Gottesdienstes zurücksclireckt. „Wäre diese Klage nicht gegründet, woher kommt es denn, daß im ganzen so wenig Veränderungen, im eigentlichen Synagogenleben vorgegaugen sind, während doch ein großer Teil, dem es weder an Mitteln, noch an Ansehen, noch an Intelligenz fehlt, sicii ganz anderen Ansichten zuwendet. Wie sollten sie nicht auf eine Reform, auf . eine durchgreifende Reform dringen und abermals dringen, wenn sie es so klar einsehen würden, daß zur Befriedigung ihrer eigenen religiösen Bedürfnisse ... die Religion, wie sie jetzt ist. nicht genügt?“ (Abraham Geiger, Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie, Bd. I. S. 140 ff. 1835.) Vcreinsnadiriditcri. ' Verein ehern. Hürer der Hochschule Ittr die WIsseiitchsH des Judentums. Donnerstag, den H. Dezember, abends 8 Uhr. spricht Herr Privatdozent Dr.E. Dickermann -in der Aula der Hochschule über „Die Makkabäer und das Chanukka-Ecst“. üäste sind willkmhmcn. Jüdischer Turn- und Sport-Club 1909. T rainingsplan. Montag: Schwimmen: 211 bis 22 Uhr Sladtbäd Qartcnstraße. Turnen:, Alte Herren von 21) bis 22 Uhr in der Türnbatie Grotte Hamburger Stratle. ... Dienstag: Turnen: Kinder (Knaben und Mädchen gemeinsam) von 18 bis 21) Uhr, Turnhalle Kaiscrstraßc. Damen von 20 bis 2? Uhr in der Turnhalle Erommelstraße. Mittwoch: Turnen: Männer von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Große Hamburger Straße. Donnerstag: Gymnastik Damenabteiiung Moabit von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle Alt-Moabit Ecke Wilsnacker Straße.' — Sonntag: Handballu n d "W a 1 d 1 a u ft r a i n i n g auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde in der Zeit von 10 bis 12 Uhr. Schokoladen - Großhandlung Sämtliche Markenwaren zu Fabrikpreisen auf. Lager Lieferung frei Haus von RM 10,— an, in Groß-Berlin u. Umgeb. M. Sllbiger, Berlin C25 Kleine Alexanderstr. 14 Telefon: E 2 Kupfergraben 2475

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