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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-11-14 · 16 (14.11.1932) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
16 (14.11.1932)
Date
1932-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus der Bewegung Berlin. (Vereinigung fü.r das liberale Judentum E. V.) Der Hauptvorstand hat gemalt einer Ermächtigung der letzten tieneralversainmlung vom 22. Mai d. J. drei neue Mitglieder kooptiert. Die Wahl fiel auf den früheren Syndikus der Vereinigung. Herrn Rechtsanwalt Dr. Max Mayer (Berlin), den Vorsitzenden des Jüdisch-liberalen Gemeindevereins Hamburg, Herrn Handelsrichter I'aul Koretz (Hamburg) und Herrn Konrektor Emunuel U o 1 d s c h m i d t (Dortmund). Berlin. (Liberaler Verein, 13 e z i r k s g r u P p e Obcrspree.) Die Bezirksgruppe Ubersprce des Liberalen Vereins veranstaltete am Sonnabend, 29. Oktober, eine Mitgliederversammlung. Der Vorsitzende, Herr Kurt Lublin, erstattete den Geschäftsbericht und teilte’u. a. mit. dali die Bezirksgruppe in der kurzen Zeit ihres Bestehens sieh sehr gut entwickelt habe. Neu iii den Vorstand gewählt wurden Herr Dr. Franz Eisenstacdt und Herr Kurt Prager. In der an- .selilielienden öffentlichen Versammlung reiericrtc Herr Rechtsanwalt. Dr. Manired Meyer in überaus eindrucksvoller Weise über das Thema: „Der Kampf des jüdischen Mittelstandes." Er leitete, seinen Vortrag mit dem Motto ein: „Der Morgen kommt, doch die Nacht bleibt" und bezog dieses auf das Schicksal des heutigen sogenannten Mittelstandes. Nach dem Hallen der ühettumauern blühte das deutsche Judentum empor, man konnte es durchaus ein Judentum des Mittelstandes nennen. Ein Zusammenschluß war aber nie criolgt. ln den Nachkriegszeiten hat sich diese Unterlassung gerächt. Augenblicklich kämpft noch der Mittelstand den schwersten Kampi um seine Existenz. Durch Errichtung von Kreditanstalten uiid! Hilfsvereinen ist Vorsorge getroifen, um den Handel zu stützen und zu heben und Existenzen wieder auizurichtcn. Herr Dr. Meyer schloß seinen V'ortrag mit den Worten: „Vergißt das deutsche Judentum diese Lehrstunde, vergißt es, daß es heißt, xusaitimcnzustchcn, dann bricht eine neue Nacht au. Jetzt kann der Morgen kommen, und den Morgen werden wir erleben." — Reicher Beifall dankte dem Redner. — Den zweiten Teil des Abends leitete Herr Gerhard Gottschalk init seinen lustigen Vorträgen ein. Herr Kantor William Jacuhowski brachte mit vortrefilich geschulter Stimme einige üesaiigsvorträge. Den Clou des Abends bildeten Kabarett-Vorträge aui Schallplatten. Alle unsere großen Künstler konnten bewundert werden. Durch die Güte des Apparates und der Platten war allen ein besonderer Kunstgenuß geboten. Wir danken Herrn Prager auch an dieser Stelle, daß er durch Ueberlassuug des Apparates und-der. Platten zum Gelingen des "Abends so hervorragend beigetragen hat. . Berlin. '(Liberaler Verein, Bezirksgruppe N e u k ö 11 n.) Die Bezirksgruppe Neukölln veranstaltete um Donnerstag, 3. November, in der Wohnung des Herrn Dr. Leopold Reinsberg eine Mitglieder-Versammlung, die eine große Beteiligung aufwies. Herr Rechtsanwalt Dr. Manfred Meyer sprach über das Thema: „Der Kampf des jüdischen Mittelstandes“, ein Vortrag, über den bereits berichtet worden ist. Iii seinem Schlußwort führte Herr Dr. Meyer aus, daß wir im schweren Kampf um das Dasein die Hoffnung nicht verlieren dürfen. Unsere Kinder, müssen lernen, sich unterzuordnen; unsere nächste Auigabe ist es aber, uns zu sammeln. — Die Aussprache ergab, daß in Neukölln dringend ein liberaler Freitagabend-Gottesdienst gewünscht .wird- — Zum Schluß wurde der Vorstand neu gewählt und-mit folgenden Damen und Herren besetzt: 1. Vors.: Dr. Reinsberg; 2. Vors.: - Apotheker Walter Schindler; Schriftführerin: Frl. Margarete Israel; Beisitzer: Eugen Brandt, Dr. Hans Feilchenfeld, Bern- . liard Goldberg, J. Heiser. Rabbiner Dr. Kantorowsky, Dr. Herbert-Krutz, Hermann-Müller, Direktor Heinrich Roß. Berlin. (Liberaler Verein, Bczirksgruppe "Wedding-Reinickendorf-West.) Am Dienstag, 25: Oktober, hielt die Bezirksgruppe Wedding-Reinickendorf- WesL nn Cafe „West“, Berliner Straße 3, eine außerordentlich gut besuchte Mitglieder-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Eitel' Rockmacher. erstattete einen ausführlichen Geschäftsbericht über die bisher geleistete Arbeit im Bezirk. Der Vorstand würde ergänzt durch die Zuwahl des Herrn Dipl.-Ing. Rudolf Blumenthal. An.dem anschließenden Unterhaltungsteil wirkten Frau Miuui Ring, Herr Gerhard üottschalk, Herr Kantor Ernst Lewandowski und Herr Chordirigent Martin Epstein mit und hielten mit ihren wohlgelungeucn Darbietungen die Anwesenden bis Mitternacht zusammen. . Mannheim. Die Winterarbeit der „Liberal-jüdischen Vereinigung“ hat begonnen. Ihr Führer. Herr Proiessor Dr. Billigheimer. sucht in starkem Ausmaß die dem jüdischen Liberalismus innewohnenden Kräfte zu mobilisieren, weite Kreise für die Bewegung zu gewinnen und diese mit dem ideellen Gehalt derselben vertraut zu machen. Das bewiesen die Veranstaltungen des vorigen Winterhalbjahres, und das beweist, der. Auttakt zu den Veranstaltungen des begonnenen Winterhalbjahres, der Vortrag des- Herrn 'Rechtsanwalt Dr. Hugo Hofimünn (Frankfurt a. M.), der sich insbesondere an die liberale Jugend mit hinreißenden Worten wandte: „Die Erneuerung des jüdischen Liberalismus.“ Er. zeigte die Zerrissenheit der Seele jugendlicher Juden, zersetzt vom Zeitgeist, suchend nach einem iesten Pol. Aus solch seelischer Not kann uns nur der Glaube retten, daß. Höheres, Zeitloses, Ewiges in uns wohnt. Wir wollen den Glauben an die göttliche. Kraft unserer Religion neu beleben. Dazu wollen wir alle Einrichtungen fördern, in denen sich die sittlich-religiöse Kraft des Judentums entialten kann. Das sind u. a.: Schaffung von Lehrhäusern; Jugendgottesdienste, in denen die Jugend alle Funktionen selbst, übernimmt: gemeinsames Feiern der religiösen Feste und "Freitagabende; Belebung des Gottesdienstes durch Austausch von Rabbinern; vertiefte Vorbereitung zur Barmizwali: .Weihestunden in Gemeinsamkeit mit Nichtjuden in der Synagoge: Stellungnahme der Jugend zu allen Fragen der Zeit und schließlich der feste Vorsatz, durch gegenseitige Erziehung ein vorbildliches Leben den andern vorzuleben. das vor dem eigenen Gewissen, einer religiüs- " sittlichen Weltautiassung und damit vor der Zukunft bestehen kann. - Ratibor. Die Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum hielt am 2. November eine Mitgliederversammlung ab:' Der Vorstand wurde neu konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Kurt Weber gewählt, der seit langem in der Ortsgruppe und insbesondere auch in der jüdischliberalen Jugendbewegung erfolgreich tätig ist Kein Konkurs Ich helfe Ihnen 0 Beseitigung von Schwierigkeiten durch unanfechtbare Maßnahmen' auch in sdiwte* riesten Fällen. — Ehe Sie «ich an Ihre Gläubiger wenden, Vergleichsverfahren anstreben usw, wenden S>e »Ich an den sehr empfohlenen Wirtschaftsbeirat Felsing, Berlin NW 87, Lessingstr. 4 ' ' Fernsprecher: C 9 Tiergarten 0338 ERNST WHEGET, Dachdeckungsgeschäft Ausführung sämtlicher Dachdeckerarbeiten. Reparaturen gut u. billig. Klempneru. Maurer-Arbeiten in Pauschalsumme. Kostenlose Früiahrsu. H«-rbstlcontrolle der Dächer. Fliesenu. kl. Asphalt-Arbeiten. Beratung u. Kostenanschläge gratis. BERLIN NO 55; Heinrich-Roller-Str. 21. Tel.: E 3 Königstadt 8121 Aus den Gemeinden Berlin. (R e P r ä s e n t a n t en-Ve rsamml u n g.) Infolge der jüdischen Feiertage hatte die Repräsentanten-Versaimnlung längere Zeit nicht zusammentreten können; die erste Sitzung sollte am 3. November stattiinden, wurde aber wegen des Verkehrsstreiks auf den 11. November vertagt. Die Tagesordnung wies über vierzig Punkte auf. Im Zusammenhänge mit einer Anfrage der liberalen, Fraktion fand eine längere Debatte über das jüdische Siedlungswesen statt, über deren Verlauf wir gegebenenfalls in der nächsten Nummer berichten. Bewilligt wurden 3UUU RM für den Freiwilligen Arbeitsdienst; der Antrag wurde von Wilhelm Marcus (liberal) ausführlich begründet; der Redner gab dabei einen Ueberblick über das Landwerk Neuendori, während Dr. Lamm auf die Versuche der Kleiderkammer mit dem FAD. hinwies. — Dem Wohlfahrtsamt der Gemeinde wurden 20Ü00Ü RM bewilligt Wir behalten uns vor, in der nächsten Nummer ausführlicher zu berichten. Berlin. (Neuer Leiter an der jüdischen Poliklinik.) Zum Leiter der Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohren- Krankheite’n im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist Dr. Josef Lachmann gewählt worden. Dr. Lachmann wird die poliklinische Behandlung und die Betreuung der im Krankenhaus selbst aufgenommenen Patienten übernehmen. Berlin. (Höchherzige Spende.) Aus Anlaß ihres fünfzigjährigen Bestehens hat die Firma Deutsches Teppichhaus G. m. b. H. Emil Lefevre, Oraniensfraße 158, dem Wohlfahrtsamt. der Jüdischen Gemeinde, eine Spende von 4000 Portionen Mittagessen überwiesen, zur Erinnerung an den kurz vor dem Jubiläum leider heimgegangenen Gründer des Hauses. Die Verteilung wird in den Monaten November bis Januar erfolgen. Dortmund. (Oeffentlicher Festgöttesdienst) Am 28. Oktober, dem Sabbath b’reschith, fand der auf Anregung des ersten Vorstehers der Gemeinde. Herrn Louis Jacoby, vor einigen Jahren eingeführte öffentliche Festgottesdienst statt. Das festlich erleuchtete Gotteshaus füllten über 1200 Menschen, von denen mehr als die Hälfte, den anderen Religionsbekenntnissen angehörte. Im Mittelpunkt des Gottes-, dienstes stand die Predigt von Herrn Rabbiner Dr. David aus Bochum über das Thema: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Dr. David wußte in seiner groß angelegten und tiefschürfenden Predigt die Teilnehmer zu fesseln. Herr Kantor Kober, der in der kurzen Zeit seines Dortmunder Aufenthaltes sich ungeteilte Anerkennung erworben hat, sang die Liturgie; Herr Rabbiner Dr. Wilhelm sprach die deutschen Gebete, an deren Schluß hei geöffneter Lade das Gebet für das Vaterland stand. Die Veranstaltung fand auch Nachhall in der Presse;, die Dortmunder Zeitung widmete dem Gottesdienst einen langen, sehr anerkennenden Bericht. — Dem Vorstande der Gemeinde gebührt Dank dafür, daß er durch solche öffentlichen Festgottesdienste eine Befriedung unter den Bekenntnissen herbeiführt Dortmund. (E li r u n g.) Frau Elise Steinberg, die bisherige Vorsitzende des hiesigen Frauenvereins, ist aus dem Vorstande ausgeschieden. Der hochverdienten Dame wurden vielfache Ehrungen zu teil. Der Vorstand der Synagogen- Gemeinde errichtete in Verbindung mit dem Frauenverein eine „Elise Steinberg-Stiftung“ in Höhe von' 5000 RM. Im Frauenverein wurde Frau Steinberg zur Ehrenvorsitzenden ernannt; zur ersten Vorsitzenden Frau Julius Stern, ferner als Vorstandsmitglieder die Damep Frau Anna Andorn, Toni Falk und Paula Frankenstein gewählt. — ln der Israelitischen Volksschule erhalten täglich bis Ostern 90 bis 100 unterernährte, bedürftige Kinder ein Milchfrühstück: Fünfzig davon werden durch eine Spende des Herrn Leo Jonas (Firma Gebr. Kaufmann) gespeist. Für 100 Kinder der städtischen Volksschulen hat Herr Jonas anläßlich seines Geschäfts-Jubiläums ein tägliches Mittagessen auf die Dauer von sechs Monaten gespendet. Dresden. (Jugendtagung.) Anläßlich einer kürzlich hier abgehaltenen Tagung der im Landesverband S a c h s e n zusammengescliiossenen jüdischen Jugendvereine hielt unser Freund. Kurt Hirschei (Dresden) ein außerordentlich lebendiges Referat über „Jüdische Sinngebung unserer Zeit“. Sowohl seine Ausführungen wie die nachfolgende lebhafte Aussprache zeigten, daß seit langem ein Riß durch die Jugendbewegung geilt. Etwa zwei Drittel der Mitglieder sind iinkspolitisch eingestellt und daher der Religion entfremdet Zum Teil dürfte das in Sachsen an der bisherigen politisch einseitig gerichteten Leitung liegen, weshalb der Referent u. a. forderte, daß die Jugendvereine wie früher wieder den Charakter strenger Neutralität bewahren müßten.; Er spracii bewegt von den ins Leben des jungen jüdischen Menschen so tief einschneidenden Nöten der Zeit, seelischen sowohl wie materiellen, und begründete hieraus äußerste gegenseitige Hilfsbereitschaft als eine der obersten Aufgaben jedes einzelnen Mitglieds. Er führte ferner die beachtliche Tatsache an. daß gerade Kinder aus unseren sogenannten besseren Kreisen mehr und mehr der Bewegung fernblieben, und verharrte, im Gegensatz zu einzelnen Diskussionsrednern, welche aui diese Lässigen verzichten zu können glaubten, bei seiner Ansicht, daß auch um deren Seelen unter den heutigen Verhältnissen mit aller Kraft gerungen werden müsse. itei den -Wallten am Nachmittag wurde Lehrer Güntzberg, Zionist - (Zwickau), welcher seinem Vorgänger größte Anerkennung für sein hingehendes Wirken aussprach, zum- Landesverbands-Vorsitzenden gewählt. Seine temperamentvollen Ausführungen, mit denen er bereits in der Aussprache hervortrat, betrafen u. a. den Wert oder, wie er meinte, Unwert der geleisteten Abwehrarbeit. Rabbiner Dr. Krakauer (Görlitz) konnte sich ihm zwar in diesem Punkte nicht anschließen, brachte dagegen als „neuen Gesichtspunkt“ eine zumal gegenüber Jugendlichen recht merkwürdige Einstellung zu den Begriffen Deutschtum-Judentum und zu der gegenwärtig in Deutschland bemerkbaren „nationalen Strömung“ zum Ausdruck.* Wenn auch diese Punkte für die Tagung selbst nebensächlicher Natur waren, sind die/fteußerungen aus solchem Munde doch so graviere’nd, daß ihnen, wenn nicht im eigenen Kreise, dann von den Stellen, die es angeht, voraussichtlich nachgegangen und entgegengetreten werden wird. Gelsenkirchen. (Aus der Reprä sen t an t en'-VeTs a in in 1 u n g.) Das Kollegium beschäftigte sielt in seinen letzten Sitzungen mit der Beratung des Haushaltplans 1932 '33. Der Beschluß ging dahin, von jeder Erhöltung oder Neueinführung von Steuern abzusehen und wie im Vorjahr 14 Prozent des Reichseinkommensteuer-Solls 193.1 und 30 Prozent der Reichsvermögenssteuer 1931 zu erheben. Das verbleibende Defizit soll unter Heranziehung der Steuerreste des Vorjahrs und der Reserven gedeckt werden. Der Etat selbst ist mit 57450,— RM im Vorjahre, im Rechnungsjahr 1932/33 .auf 47 600,— RM gesenkt -worden. Das Reichseinkommensteuer-Soll ist von 370 000,— RM im Jahre 1929 auf 100 000,— RM im laufenden Steuerjahre gesunken. Es wurde größte Sparsamkeit bei allen Positionen empfohlen. Nachbewilligt wurde der Betgemeinschaft Theresienstraße als Zuschuß für. die Einrichtung des neuen Betsaales ein Betrag von 500,— RM. ■ — Als neues Mitglied des Repräsentanten-Koliegiums an Stelle des verstorbenen Herrn Emanupl Geislcr, wurde am 29. Oktober 1932 Herr Siegmund. S c h e t tm ar vom Wahlkommissar. vereidigt. Kassel. (Vom Waisenhaus.) Das Kuratorium des Israelitischen Waisenhauses hat’Herrn Louis Rosenzweig, der schon einige Jahre dem Kuratorium angehört, an Stelle des verstorbenen Bankiers Rudolf Ballin zum Oekonom der Anstalt gewählt. Die Anstalt erstattete kürzlich den Bericht über das 76. Jahr ihres Bestehens, das zwar unter dem Eindruck wirtschaftlicher Notlage stand, aber doch die. volle Aufrechterhaltung des Betriebes ermöglichte. Kassel. (130 Jahre Gesellschaft Humanität.) Mit ihrer letzten Jahresversammlung verband die Gesellschaft Humanität, die sich die Förderung des Handwerks, landwirtschaftlicher, kaufmännischer und geistiger Beruie zur Aufgabe macht, die Feier ihres 130 jährigen Bestehens. Kassel. (Vom neuen Friedhof.) Nachdem der seit . fast drei Jahrhunderten benutzte israelitische Friedhof vollständig belegt ist, wurde die ihm gegenüber gelegene, nach Entwürfen des Architekten K. H. Sichel geschaffene Anlage, die als vierte ihrer Art seit Bestehen der Gemeinde bezeichnet werden kann, ihrer Bestimmung übergeben. Königsberg i. Pr. (Todesfall.) Hier verstarb im 76. Lebensjahre der gärtnerische Verwalter des alten Friedltoies an der Tragheimer Pulverstraße, Friedhofsinspektor Franz Bärwald. Der Dahingegangene, der nicht jüdischer Konfession ist, hat der Synagogengemeinde treue Dienste geleistet Neustadt (Synagogen-Renovierung.) Die hiesige Gemeinde weihte ihre renovierte Synagoge wieder ein. Prov.-Rabbiner Dr. Cohn (Marburg) hielt die Weiherede. Kreisdeputierter und Bürgermeister a. D. Grün aus Kirchhain gab seiner Freude über' die geschmackvolle Renovierung Ausdruck, Bürgermeister' Dr. Bicker überbrachte die Glückwünsche der Stadt, und Beigeordneter Keppler wies auf die würdige Ausgestaltung des Gotteshauses hin. In seiner Schlußansprache hob der Gemeinde-Aelteste Levi die wertvolle Unterstützung der Behörden hervor, die auch bei der Renovierung in Erscheinung getreten sei, ebenso die seit alter Zeit mit Genugtuung wahrnehmbare Toleranz. Liturgische Gesänge des Lehrers Weil umrahmten den feierlichen Akt. Stuttgart (Hundertjähriges Bestehen der Gemeinde.) Das Israelitische Vorsteheramt hielt vergangene Woche eine Plenarsitzung ab. Mit Bedauern wurde davon Kenntnis genommen, daß Vorsteher Eduard Weil aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Vorsteher niederlegen muß. — Die diesjährigen Wahlen für die Landesversamm- 1 u n g sowie für die Gemeinden werden am 20. November stattfinden. — Es werden am 11. Dezember 100 Jahre, daß die Gemeinde. Stuttgart, laut königlicher Verordnung, gebilde't wurde. Die erste Sitzung wurde von dem ^Rabbiner Dr. Mayer geführt, der später zum Oberkirchenrat ernannt wurde. Diesen Erinnerungstag will die Gemeinde durch einen Festgottesdienst und eine Festsitzung feierlich begehen. — Das Fürsorgeämt hat seit einigen Monaten größten Anforderungen Rechnung zu tragen, die in keinem Verhältnis zu seinen Einnahmen stehen. Das Vorsteheramt bewilligte einen Betrag von 4000 RM, damit das Fürsorgeamt wenigstens in den nächsten Monaten seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Anfang Dezemberfindet ein Wohltätigkeitsfest zugunsten des Fürsorgeamtes statt, gleichzeitig hat die Gemeinde an alle Mitglieder einen Aufruf für ein Notopfer ergehen lassen. — Bei Beratung des Etats entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, ob die Gemeinde Stuttgart nach wie vor ihre Abgaben für das Land leisten kann. Es wurde an Ziffern nachgewiesen, daß die Landesumlage, die Stuttgart zu leisten habe, größer sei, als die Summe, die es für seinen eigenen Haushalt benötigt! Die Einnahmen betrugen im Jahre 1932 60900 RM, die Ausgaben nach dem Voranschlag 156 850 RM; die Summe, die die Gemeinde für die Landesumlage geben muß, wird auf etwa 140 000 RM geschätzt Wiesbaden. (Gerhärt Hauptmann-Feier.) Die Vereinigung jüdischer Frauen veranstaltete einen wohlgelungenen Unterhaltungsabend, an dem aus Anlaß des 70. Geburtstages von Gerhart Hauptmann aus dessen Werken vorgelesen wurde. Frau Lotte Levy-Baer verstand es mit ihrer schönen warmen Stimme das Publikum, zu fesseln. Erst durch weiche Töne, indem sie aus „Hanneles Himmelfahrt“ und der „Versunkenen Glocke“ vorläs, dann durch die erschütternde realistische Skizze des „Bahnwärter Thiel“ zeigte sie Höhepunkte ihres Könnens. Ergriffenes Schweigen bewies den Beifall. Frau Alice Riesenfeld, die zweite Vorsitzende, dankte im Namen des Vereins. Bücherschau f Jüdisches Jahrbuch 1932. Berlin S 42. Verlag Jüdisches Jahrbuch. Das jetzt wieder erschienene Jahrbuch versucht einleitend, durch eine zusammenfassende Darstellung die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben der deutschen Juden im Jahre 1931 darzustellen, wobei es sich natürlich nur um i eine chronjkartige Aneinanderreihung von Einzelheiten handeln kann, und bringt dann Stimmen deutscher Juden zum Weltfriedensgedanken, sowie ausgewählte bibliographische Noten über wichtigere literarische Erscheinungen des Jahres. Es folgt dann nach einigen hübschen Bildern eine Reihe von Nekrologen und alsdann der Hauptteil des Werkes, die Uebersicht über die Gesamtorganisationen und Berliner Zentralstellen, über die Gemeinden, Kultus- und sonstigen Vereine der Reichshauptstadt. Die einzelnen Institutionen der Berliner Jüdischen Gemeinde sind ausführlich behandelt. Der vierte Teil bringt ein Verzeichnis der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Der fünfte eine Liste jüdischer Zeitungen und Zeitschriften in deutscher Sprache. Den Schluß machen Tätigkeitsberichte der größeren Organisationen. Das Buch füllt entschieden eine Lücke aus und wird sich allmählich zum unentbehrlichen Handbuch aller im öffentlichen jüdischen Leben tätigen Personen entwickeln. tGfILVflNMT ^VERCHROMUNG HANSA fef»i|c5 831 p- BERLIN-MOABIT vj =^L LÜBECKER STR.27 u Versende per Nachnahme In bekannter Ia Qualität: Ia garantiert reines Gänseschmalz ltn Doten i 5 u. 8’/t Pfd. Neltoinbalt) Pfda RN 1,00 Ia Gänseschmalz »Verschnitt Pfd. 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