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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-11-14 · 16 (14.11.1932) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
16 (14.11.1932)
Date
1932-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Orsan der $ereitt(amtd für Das liberale Judentum e. & Bezugspreis: Vierteljährlich 1,50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,25 RM. : Abonnements werden bei allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach TariL — Bei Nichterscheinen infolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruch aul Nachlieferung oder. Rückerstattung der entsprechenden Bezugsgebühren. Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag Schriitleitung: George Goetz (Die „Jüdisch-liberale Zeitung“ erscheint am 1. und 15. Jedes Monats.I Redaktion und Geschältsstelle: Berlin SW 11, Hallesche Str 1. | Fernruf: F 5. Bergmann 3358, 3359. Bankverbindung: Kreditverein für-Handel und Gewerbe e. G. m. b. H_ Berlin N 34. Postscheckkonto: Jiidisch-Iibcprfc Zeitung: Berlin 327 64. Verelnlgung-ifir das liberale Judentum e. V.:. Berlin 1370 69. Pf, Vtnbljmg fartku Ubmlt Judtnlum abmimmt Mr/ar dftftntgM 4a/x4fe«, rfi'a mudrickllcli ols In Ihnm Human txbr in thnm Auflnit nifatl iihmmikhint M. di. Vmabmrttuj- Mt andmn ArtlM, AKiltnrng.. und VtnchUg. tnehtlam mltr dtr Vtmttmrtong itr Stdaklkn. Nr. 16 Berlin, 14. November 1932 , - 12. Jahrgang Zwei Rabbiner-Tagungen. Vorwiegend Historisches und Theologisches. Es sind jetzt hundert Jahre her, seitdem Abraham Geiger sein Amt als Rabbiner der Gemeinde Wiesbaden antrat. Die Vereinigung der .liberalen Rabbiner Deutschlands trägt der Erinnerung an dieses für die ganze spätere Entwicklung der jüdischen Theologie und des liberalen Judentums richtunggebende Ereignis dadurch Rechnung, daß sie ihre diesjährige Hauptversammlung am 15. November in Wiesbaden abhält und das Wirken Abraham Geigers sowie seinen Einfluß auf das heutige Judentum in den Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Verhandlungen gestellt hat. Das erste Referat hält der jetzige Amtsnachfolger Geigers. Herr Rabbiner Dr. Paul Lazarus (Wiesbaden), über das Thema: „Was hat Abraham Geiger als Rabbiner von Wiesbaden für das deutsche Judentum geplant und geleistet?“ Den zweiten Vortrag hält Herr Rabbiner ür. G r ii n e w a 1 d (Mannheim) über das Thema: „Die Paradoxie im Liberalismus — im Anschluß an . Abraham Geiger.“ Ebenfalls im Anschluß au Abraham Geiger spricht sodann Herr Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin) über: „Krisis und Lösung.“ Der Allgemeine Deutsche Rabbiner-Verband hält seine Hauptversammlung am 16. November ln Mainz ab. Es referiert Herr Rabbiner Dr. Max Wiener (Berlin) über: „Jüdische Lehre und jüdische Theologie." Die Debatte, die sich an den Geschäfts-Bericht anschlicßt. erstreckt sich zugleich auf die Erörterung der Frage: „Was kann der Rabbiner in dieser Notzeit beitragen zur Sicherung der Gemeinden? zur Fürsorge lür die Arbeitslosen?“ „Unser Recht auf Arbeit.“ Die Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise in Deutschland, Berlin-Charlottenburg. Kantstraße 158. veranstaltet im Monat November rine V'erbenkt’en iür die Idee der jüdischen A ’-heitsverrnittiung und Erwerbsbeschaifung. die von allen grollen Organisationen, so der GroBloge, dem Centrai-Verein usw. unterstützt wird. Die Vereinigte Zentrale leitet diese Aktion mit einem „Unser Recht auf Arbeit“ überschrlebenen Aufruf ein. in dem es u. a. heißt: „Die geplante Werbeaktion soll keine Hilfsaktion im üblichen Sinne werden, d. h. es geht hier nicht darum; Almosen zu sammeln oder zu erbitten, um aus denf Ertrag derartiger Sammlungen den Erwerbslosen zu bellen. Es gebt vielmehr darum, durch eine Zusammenfassung aller Kräfte den Versuch zu machen, dort wo es heute noch möglich ist, dem jüdischen Erwerbslosen Arbeit und Brot zujbeschaffen. Zum ersten Male soll hier, getragen von dem organisierten Willen des deutschen Judentums, eine Aktion durchgeführt werden, deren Bedeutung Uber die Grenzen der Gemeinden, Organisationen, Parteien und Weltanschauungen hinausgeht. Der tiefere Sinn dieses Werbemonats soll auch darin bestehen, der maßlosen Hetze, in der dem deutschen Judentum nicht nur die nn'<*ische. Gleichberechtigung, scm'.rr. auch das Recht, in der Wirtschaft tätig zu sein, das Recht auf Arbeit und damit das Recht auf Leben bestritten wird, durch Zu; sammenschluß aller Kräfte, den entschiedenen Willen, zum Leben und zur Selbsthilfe entgegenzusetzen." In seinem weiteren Verlauf wendet sich der Aufruf an die jüdischen- Gemeinden und Organisationen, sielt in den Dienst dieses Werbetnonats zu stellen: aucit fordert man Reichs- und Staatsbehörden auf, ihre Machtmittel gegen den Wirtschafts; feindlichen Antisemitismus einzusetzen. Wirtschaftsverbünde, Parteien, Gewerkschaften und nicht zuletzt die Arbeitgeher werden ersucht, jüdische Arbeitskräfte allein nach ihrer- Leistungsfähigkeit zu bewerten und dem Boykott arbeitswilliger Menschen eutgegenzuwirkeu. Trotz der Krise gäbe cs noch allerorten mit Beschäftigung versehene Betriebe, für die jüdischen Arbeitswilligen die Türe ebenso ofienstchen müsse wie nichtjüdischen Bewerbern. Irene Triesch auf der Kanzel. Freitagabend-Gottesdienste der Reformgemeinde. Die „Jüdische Reformgemeinde zu Berlin“ gibt bekannt. daß sie die seit langem geplanten Freitagabend- Gottesdienste nunmehr im Tempel des Logenhauses, Kleiststraße 10, als ständige Einrichtung eingeführt hat. Bekanntlich hat die Reform ,s. 2. mit der Einrichtung des Sonntags-Gottesdienstes niemals den Sabbat „abschaffen“ wollen; vielmehr bezweckte sie, allen-denen, die den traditionellen Sabbat nicht zu halten vermögen, die Erfüllung der Sabbat-Idee am gesetzlichen Ruhetag zu ermöglichen.- Mit diesen Grundsätzen stimmt cs überein, daß jetzt auch der „Weiheabend, der in unsern Familien seine Bedeutung behalten hat“, wieder durch regelmäßigen Gottesdienst begangen wird. Der erste Gottesdienst findet Freitag, 2. Dezember, pünktlich 7A Uhr statt. Die Liturgie enthält nach einer Mitteilung der Reformgemeinde „herrliche neue Gesänge unter Berücksichtigung alter Melodien“. Im Mittelpunkt der Freitagabend-Liturgie stellt die Vorlesung aus der Bibel, die Frau Irene Triesch übernommen hat. Die berühmte Künstlerin hat sich als Bibelleserin eine 'große Anhängerschaft erworben; sie fühlt sich dem Judentum tief verbunden und hat jedes Entgelt für das heilige Amt abgelehnt, so daß der von der Reformgemeinde in Aussicht genommene Betrag der Altershilfe der Reformgemeinde überwiesen werden konnte. * Rabbiner Dr.. Joseph Lehmann, über dessen 60. Geburtstag wir kürzlich berichteten, ist zum Ehrenmitglied der Reformgemeinde ernannt worden. - Von der Mendelssohn-Jubiläumsausgabe. Der 6. Band erschienen. Von der großen Mendelssohn-Jubiläumsausgabe (Akademie-Verlag, Berlin) ist in diesen Tagen ein weiterer Band herausgekommen. Dieser Band verdient besondere Beachtung, weil mit ihm nun auch d i c Schrift Mendelssohns in würdigster und wissenschaftlichster Form vorliegt, die Mendelssohns Ruhm besiegelt und dauernd gemacht hat: -„Phaedon oder die Unsterblichkeit der Seele“. Bisher unbekannte Entwürfe geben interessante Aufschlüsse über die Entstehungsgeschichte des berühmten Buches. Der Band bringt eine Reihe wichtigster Arbeiten aus den verschiedensten Gebieten der Philosophie und Aesthetik. die liier zum erstenmal veröffentlicht werden. Zu allem gibt wieder die editorisclie Arbeit der Herausgeber Einführung und Erläuterung. __ -Professor Einstein spricht in der Synagoge Prinzregentenstraße zugunsten der Studentenhilfe. Professor Albert Einstein hält am Sonnabend; 19. Novcmher 1932, abends 'As Uhr, in der Synagoge Prinzregentenstraße einen volkstümlichen Vortrag über „Das Raumproblem der modernen Astronomie“ zugunsten der Jüdischen Studentenhilfe Berlin. Durch diesen Vortrag stellt der Gelehrte seine überragende Persönlichkeit in cinem-Zcitpunkt zur Verfügung, in dem die Not der Studenten einen erschreckenden Grad erreicht hat. Dfe Jüdische Studentenhilfe, der sich Professor Eins'tein in so großzügiger Weise angenommen’hat, versucht seit April 1930 — als Zentralstelle — gemeinsam mit den jüdischen Studentenhilfsorganisationen und sämtlichen jüdischen Studentenverbindungen und -vereinen in Berlin die in den letzten. Semestern immer stärker hervortretende Not unter den jüdischen Studierenden der Berliner Hochschulen zu lindern. Für das Wintersemester 1932—33 liegen bereits etwa 300 Gesuche vor. Möge das Beispiel des Herrn Professor Einstein weithin Nachahmung ünden durch Abnahme von Karten zu seinem Vortrag, durch Meldung von Freizimmern, Freitischen und durch Geldspenden an die Jüdische Studentenhilfe, Berlin C 2, Rosenstraße 2—4, Norden 671). Postscheckkonto Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde Berlin 29640 mit dem Zusatz: Betrifft Jüdische Studentenhilfe. Mit einem Mindest-Jahresbeitrage von 5 RM wird die Mitgliedschaft des Fördererkreises der Jüdischen Studentenhilfe erworben. , Karten zu dem Einstein-Vortrag im Preise von 1 bis 5 RM bei der Jüdischen .Studentenhiiie, im Kaufhaus des Westens, an den Theaterkassen der Warenhäuser Tietz und Wertheim und bei Bote & Bock, An unsere Gesinnungsfreunde! In dieser Zeit seelischer Nöte .wird die Jüdische Jugend . Immer mehr ohne religiösen Halt dem Lebenskampf aut* geliefert. „ Die Möglichkeiten, unsere Jugend mit Jüdischem Wissen und jüdischer Ethik zu erfüllen, werden immer geringer. Auch der Bewegung des liberalen Judentum» fehlt es heute - wie allen jüdischen Richtungen — an Nachwuchs, der brder Lage wäre, eines Tages an den Aufgaben des deutschen liberalen Judentums mltzuarbcften. * Die Nachwuchsfrage Ist von besonderer Wichtigkeit für unser jüdisches Gemeindeleben ln Deutschland. Ergibt sich doch aus Ihr die Gefahr, daß es ln Zukunft an Menschen, mangeln könnte, die die Arbeit ln den Gemeinden, den Trägerinnen des jüdischen Lebens, auf sich nehmen. Dem muß vorgebeugt werden! Es hat sich deshalb der „Jugendwerbeausschuft der Vereinigung für das liberale Judentum" gebildet, der sich mit allen Kräften der Nöte unserer Jugend annehmen will.; Der Ausschuß will der liieren Generation den Weg zeigen, der beschrliten werden muß, um älejyom Radikalismus und Egoismus unserer Zelt beeinflußte Jugend wieder mit wahrem religiösen Geist zu erfüllen und sie zu arbeltsfreudlgeh Mitgliedern der Jüdischen Gemeinschaft beranzubilden. Ein unentbehrliches Werkzeug zur Erreichung dieser Ziele sieht der Ausschuß unter anderem in der Verbreitung der „Jüdisch-liberalen Zeitung" als der Vcrhflndcrtn liberaler Ideen in den Kreisen junger jüdischer Menschen. Die Jugend selbst Ist infolge der Arbeitslosigkeit und Ungunst der Verhältnisse Jedoch nlchtln der Lage, aus eigenen Mitteln die Zeitung | zu halten. Der Ausschuß'wiU daher von sfds aös die Zeitung innerhalb der jüdischen Jugend verbreiten, sie den Mitgliedern der «JUs* zur Verfügung stellen und darüber hinaus an möglichst viele junge Jüdische Menschen gelangen lassen. Anfälle Gesinnungsfreunde ergeht nun der?Appcll, dem Werbeansschuß die Erfüllung dieser Aufgabe zu’cnnögUchcn und an dem Werk^ mitzuarbeiten. ” Er richtet an alle, die dazu'in der Lage sind, die Bitte, die für die Verteilung der' „Jüdisch-liberalen Zeitung" an die Jugend erforderlichen Abonnementsbetrage zur Verfügung zu stellen. Für RM 6,— wird je ein Jugendlicher für die Dauer eine» Jahre» mH der ■ „jüdisch-liberalen Zeitung" beliefert. Wer mehr alt HM 6;- »endet, schaftt die Möglichkeit, eine entsprechend größere Anzahl von Zeitungen zur Verteilung an Jugendliche gelangen zu lauen. Jedochwerdeu auch Bettrlge unter RM 6,— gern entgegen genommen und von dem Ausschuß zur Bestellung von Zeltnngsabonnemenl» angeMmmeli. Der Au»»<hu$ wird regelmSftfg In einer besonderen Rubrik.der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Ober die geapendeten Abonnement» and TellbcirSge quittieren. Einzahlungen mögen geleUtet werden an da» Po»l»diechkopto i „Jugendwerbeausschufj der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin Nr. 293 99" Jeder sei sich bewußt: Arbeit für die Jugend ist Arbeit für die Zukunft! JederJielfe mit! Vereinigung für das liberale Judentum e.V. Rechtsanwalt Heinrich Stern Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin e. V. Landgerichtsrat Dr. Martin Lesser . _ Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands („Arge") Heinz Kellermahn

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