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Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-10-15 · 14 (15.10.1932) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
14 (15.10.1932)
Date
1932-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Auslands-Chronik Wien. („O k t o b c r - S t u r m“ der Wiener Nationalsozialisten. - - Zählung der geschlossenen i ü d i s c li c n (j e s c li ä f t e a in J o m K i p p u r.) Die Nationalsozialisten organisieren einen „Oktober-Sturin“ über Wien: angesagt sind 1511 Massenversammlungen in mittleren und großen Sälen, sowie 4tll) vertrauliche MitElieder-Sprecliabende in allen Wiener Bezirken, in denen über die neue Kampftaktik nach dem Wiener üautag beraten werden soll. Gleichzeitig erließ das nationalsozialistische Hauptquartier in Wien die Weisung an ilire Mitglieder, am Jom Kippur (Montag,- 111. Oktober), eine Streife durch die Stadt zu machen und eine Zählung der Kcschlossenen jüdischen Geschäfte durclizuführeii, um auf -diese Weise statistisches Material für den weiteren Ansturm gegen die „wirtschaftliche Verjudum: Wiens“ zn bekommen, lieber jene jüdischen Geschäfte, die am Jom Kippur offenlialten, soll das „arische" Personal befehlsgemäß AufzeidmtuiKcu machen und diese dem zuständigen nationalsozialistisclien Ressort übermitteln. Hs soll also das christliche Personal Spionacc jicticn seine jüdischen ArbeitKebeTBetrciben. Danzig. (1) e r F r e i s t ä u t weist r c i c h s d e u t s c h e 11J11 e r -1. e li t e ' w e g e u antisemitischer Terrorakte a u s.) Der Senator des Innern des DanziEcr Freistaates Dr. J1inz, ordnete die AusweisuiiE von vier rcichsdeutschen Hitler-Leuten an, 'die eine Reihe Terrorakte gegen jüdische Fiilwohiier der Umgehung von Danzik verübt hatten. Die Presse bemerkt, daß die Dauziker ReEierunE durch diese AtiswcisuiiE die Hitler-Bewegung als staatsfeindlich erkannt hat. ' i ~ Alis der Bewegung Berlin. (F c s t e o 11 c s d i e u s t N c u t e m p e I h o f.) Der vom Lilieralcn Verein in der Aula des Askaiiischcn und Tcinpelhofer Gymnasiums. Tcmpclhof. Wittelsbacher Korso 60. erstmaliE verunstaltete Gottesdienst au den diesjähriEcn Hohen FeiertaEen erfreute sieh' eines außerordentlich Eutcn Besuches. 4litl Personen nahmen daran teil Der stimmuiiESVolle Raum und vor allem die eindrucksvolle üestaltuiiE der Gottesdienste gaben den Besuchern VeranlassuiiE. dem Liberalen Verein den Wunsch zu unterbreiten, in Neiitempclhof einen ständigen liberalen Gottesdienst einzurichten. Der Gemcindevorstand hat zunächst die Mittel zur Vcranstaltunc eines weiteren Gottesdienstes am Vorabend des Schlußfestes (Sch’mini Azeres) zur VerfÜEiiiiK gestellt.; Der Liberale Verein wird bemüht bleiben, seinen zahlreichen': Freunden in Neutempelhof seine UnterstütziuiE zur Hinrichtung einer liberalen Synagoge zu .leihen, da wir die Hrfahrung Ecmacht haben, daß kerade in diesem Stadtteil ein Kreis von jüdischen Bürgern dem Judentum ziiriickgewonnen werden kann, wenn man ihren reliEiüsen Bedürlnissen Rechnung trägt. Berlin. (Liberaler Verein. Bezirksgruppe .W c d d i n e - R e i n i c k e n d o r f - W e s t.) Am 20. September wurde .von der BezirksEruppe Wedding-Reinickendorl- West mit dem Wlnterprogranini der Vortrags- und Werbe- .. Veranstaltungen bcKOiinen. Der Vorsitzende, Herr Rockmacher, begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten und berichtete über die von der BezirksEruppe Eeleisteteu Arbeiten. Für die nächsten Monate. sind interessante VortraEsabende sowie gesellige Veranstaltungen vorgesehen. Der-Referent des Abends. Herr Rechtsanwalt Dr. Manfred Meyer, sprach über „Die Grenzen des-Liberalismus“. Er führte u. a. aus. daß wir alle aus einer Eanz bestimmten EeiühlsmäßiEen EinstellunE Zusammenkommen. Unser religiöses Denken und . Fühlen ist liberal; liberal bedeutet, Freiheit zu Eewährcn. Dies hat aber seine Grenzen. Liberal sein heißt mutiE und offen zu bekennen. was man 'fühlt. Es heißt aber nicht, duldsam alles Uebcrlieferte übernehmen. Darum suchen wir eine neue Form des Gottesdienstes.’ die das Alte vernunftsmäßiE verwendet. Bei dem Aufbau neuer Bezirkscruppen. die die liberalen Kreise Zusammenschlüßen sollen, wird es auch unser Bestreben sein, für die reliEiösen Bedürfnisse Sorge zu tragen, denn Sinn und AufEabe des liberalen Judentums ist es.* 1 den einzelnen Menschen mit seiner ReliEion che zu verbinden. — Der sehr interessante Yortrac wurde mit croßent Beiiall äufgcnomnien. Der nachfolgende UnterhaltmiESteil hielt die Anwesenden bis, Mitternacht zusammen. Unsere bewährten Freunde. Fräulein Lucie Charlotte Baer. die Herren Gerhard Gottschalk. Hermann Pazer und vor allen DinEen Herr Chordirisent Martin Epstein sorgten für die UnterlialtuiiE. Wir sagen ihnen auch an dieser Stelle noch unseren herzlichsten Dank. Neuaufnahmen waren auch dieses Mal zu verzeichnen. Berlin. (Drei Todesfälle.) Die liberale Bewegung hat hier in den letzten Tagen drei wertvolle Mitstreiter verloren. Im 67. Lebensjahre ging Isidor Borchardt von uns, der langjährige Konrektor der jüdischen Knabenschule, ein aufrechter Liberaler, mit unverwüstlicher Kraft für die Verbindung des religiösen Liberalismus mit dem Deutschtum sich einsetzend, so daß er oft fruchtbare Kritik an der gemeindepolitischen Tätigkeit der Liberalen übte. Borchardt gehörte als Vertreter der Lehrerschaft und als liberales Mitglied dem* Schul- und Talmud-Thora-Vorstand der Gemeinde an und ist auch schriftstellerisch erfolgreich hervorgetreten. — Am 2. Tage Rausch Haschonoh verstarb 72jähriE Herr Leopold Domnauer, Inhaber der gleichnamigen Tuchfirma, einer der eifrigsten Freunde und Förderer unserer Bewegung und „Stifter" der „Vereinigung für' das -liberale Judentum“. Audi er gehörte zu den Verfechtern eines entschiedenen Liberalismus in Verbindung mit dem Deutschtum. — Die Bezirksgruppe NO des Liberalen Vereins beklagt den Heimgang ihres Vorstandsmitglieds Georg Klein, der sich mit großer Hingabe seiner Ehrenämter angenommen hat und sich besonders während der letzten Repräsentantenwahlen aktiv und erfolgreich am Wahlkampf beteiligt hat. — Allen drei Freunden ist ein bleibendes, ehrendes Gedenken gewiß! Aus den Gemeinden Berlin. (SO Jahre Pankower Waisenhaus.) Am 22. Oktober blickt das „2. Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“ in Pankow auf sein 50 jähriges Bestehen zurück. Der äußere Anlaß zu seiner Gründung war das Massenelend, welches die . russischen Pogrome um 1880 angerichtet batten; unter den vielen Hilfsmaßnahmen, die damals im Zusammenhänge mit den Auswanderungen erfolgten, war eine die Gründung dieses Waisenhauses int Jahre 1882 durch den unvergeßlichen Hermann Makover. Es wurde zunächst als Erziehnngshaus für durch die Pogrome elternlos gewordene Knaben errichtet; erst 1890 wurde es von der Berliner Gemeinde als Waisenhaus übernommen. Unvergessen wie der Name des Gründers Makower ist auch derjenige des ersten Direktors Lewinski, sowie auch seines Nachfolgers Direktor <3 r u n w a 1 d . unter dem das Waisenhaus als Musteranstalt geradezu-Berühmtheit erlangte, und der dem Hause auch ein Ferienheim in Wustrow (Ostsee) angliederte. Der gleichen Achtung und Liebe wie Grunwald erfreut sich auch der jetzige Direktor M. Blumen fei d. der im Jahre 1925 die Leitung des Hauses übernahm, mit Recht als glänzender Pädagoge und Organisator gilt und die alten Makowerschen Erziehungsideale, mit modernem Geist erfüllt, zur Anwendung bringt, wobei ihn ein Stab treuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unterstützt, allen voran seine allseitig als gute Hausmutter verehrte Ehefrau, die in dem Haus aufgewachsene Tochter des früheren Direktors GrunWald. Dem Kuratorium gehörte in früherer Zeit neben Hermann Makower. Ludwig und Max Mecklenburg. Heinrich Eißner und Emil Mosse, auch Justizrat Bernhard Breslau e r an; heute wirken im Kuratorium u. a. Justizrat Felix Makower, Geheimrat “Julius Stern und. als Kuratoriumsvorsitzender. Direktor Dr. h. c. Wilhelm Kleemann. — Dem guten Werke sei an dieser Stelle auch für alle Folgezeit, reicher Segen gewünscht! Kassel. (P e r s ö n 1 i cTt e s.) Oberkantor Karl Witepski beging unter lebhafter Anteilnahme eines großen Bekanntenkreises seinen 60.-Geburtstag. Seit dem 1. März 1906 amtiert der Jubilar als erster Kantor in der Hauptsynagoge, außerdem auch als Lehrer an der Religionsschule, an der israelitischen Volksschule und'an den" städtischen höheren Knabenschulen; Viele Aufmerksamkeiten und Ehrungen wurden ihm als Ausdruck der Sympathie und Wertschätzung übermittelt Koblenz. (Synagogenkonzert.) Am 18. September fand hier ein Synagogenkonzert statt das vom Koblenzer Synagogenchorverein unter Mitwirkung des Aachener Synagogenchores sowie des Herrn Organisten Hans Dusch und des Herrn Gberkantors Bernhard A11 aus Aachen veranstaltet wurde. Das Konzert war ein großer künstlerischer Erfolg und fand beim Publikum und bei der gesamten Tageäpresse viel Beachtung. So schreibt der „Koblenzer Generalanzeiger“, daß die Veranstaltung „des musikalischen Ranges wegen eingehende Würdigung verdient" und fährt nach einer Charakteristik der aufgefülirten Synagogen-Kompositionen fort: „Ein besonderes Lob darf den Solisten gespendet werden, und zwar deni Oberkantor B. Alt-Aachen (Bariton) und dem Organisten' Hans Dusch-Aachen. Oberkantor Alt führte seine Aufgabe 'mit edel timbriertem Ton und vornehmem Geschmack in der Wissen Sie schm, daß anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes.der Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, eine Botschaft an die amerikanischen Juden gerichtet hat? daß der 85. Geburtstag des Reichspräsidenten von Hindenburg auf den zweiten Tag Rausch Haschonoh fiel und daß in allen Synagogen und Betsälen die Rabbiner in Gebet oder Predigt auf diesen bedeutungsvollen Tag hingewiesen haben? . daß am.29. September dieses Jahres Walther Rathenau seinen 65. Geburtstag begangen haben würde?. daß der kürzlich verstorbene große Maler und Graphiker Emil Orlik 1870 in Prag als Kind jüdischer Eltern geboren war, im Mannesalter aber aus dem Judentum ausgetreten war? daß die Schuhfabrik Leiser, die 3000 Arbeiter und Angestellte, beschäftigt und in den letzten Monaten 378 Neueinstellungen vorgenommen .hat, als erste Firma auf die 15- bis 25prozentige Lohn- und Gehälterkürzung verzichtet hat, weil, wie ihr Inhaber, Herr Julius Klausner, erklärte, weiterer Gehaltsabbau im Interesse der Wirtschaftsbelebung untragbar sei? daß der „ORT“-Verband zur Zeit in der Krim 60 kooperative Werkstätten zur Erzeugung von; Strohhüten einrichtet, wobei 2000 jüdische Neusiedler Beschäftigung finden werden? daß das Debrecziner Bezirksgericht den Kaufmann David Fekete zu 75 Pengö Strafe Wegen Vergehens gegen die Religion verurteilt hat, weil er am Sabbath während der Thoravorlesung im Gottesdienst geschlafen und geschnarcht hat? . Ausdrucksweise durch. Gute musikalische Einfühlung und gute Stimmtechnik waren die hervorstechenden Merkmale und Eigenarten seiner Darbietungen.Organist Hans Dusch ist ein äußerst gestaltungssicherer Interpret, dessen Leistungen durchweg Zeugnis von -ausgereifter Künstlerschaft ablegen. Als sehr schöne Leistungen müssen schließlich die gemeinsamen Darbietungen des Koblenzer Synagogenchors und des Aachener Synagogenchor-Vereins hervorgehoben werden.“ Köln. (G e h e i in r a t Hagen.) In der vergangenen Woche wurde der hochbetagte Wirtschaftsführer Louis Hagen auf dem Friedhof Melaten in der Familiengruft beigesetzt. Es ist derselbe Friedhof, auf dem auch den Komponist Ferdinand Hiller und die Nachkommen des Freiherrn von Oppenheim begraben liegen. Hiller war ein bedeutender Musiker, der 1885 gestorben ist Der Freiherr Abraham von Oppenheim gehörte zu den eifrigsten Förderern der jüdischen Gemeinde: ihm verdankt sie den Bau des prächtigen Gotteshauses in der Glockengasse, neben dem noch heute das vornehme Palais der Familie von Oppenheim zu sehen ist Es beherbergt einen katholischen Orden. Wie Hiller und die Kinder Abrahafn Oppenheims, so hat auch Hagen dem Judentum den Rücken gekehrt Seine Eltern — der Vater trug den Namen Levy und war der Begründer des bekannten Bankhauses I. Levy & Co. — liegen auf dem alten Judenfriedhof in Deutz begraben. Es wird von Louis Hagen, der ein frommer Katholik gewesen sein soll, erzählt; er habe auch nach seiner Taufe jüdischen Angelegenheiten starkes Interesse entgegengebracht Bemerkenswert, ist es, daß sein engster Mitarbeiter und der Teilhaber der Bank. Herr Hermann Leubsdorf, ein guter Jude ist der sich seit langen Jahren rege innerhalb der sozialen Institutionen der ‘ Synagogengemeinde Köln betätigt. Merkwürdig ist weiterhin die Tatsache, daß Louis Hagen zu seinem Rechtsnachfolger den führenden rheinischen Großindustrießen Dr. Silverberg . bestimmt hat, einen Mann, der ebenfalls als Jude geboren ist. in seiner Jugend aber getauft wurde. Es erübrigt sich, hier ein Wort über die Bedeutung des Heimgegangenen zu sagen. Wohl aber liegt Anlaß vor, sich Gedanken darüber zu machen, woher es kommt daß dem Judentum so viel wertvolle Kräfte verloren gehen, und was zu geschehen hätte, um sie unserer Gemeinschaft zu erhalten. Königsberg 1. Pr. (Todesfall J u s t i z r a t S e e 1 i g.) Hier verstarb im Alter von 80 Jahren der Justizrat Dr. Felix Seelig, ein Spezialist des Handels- und Wechselrechtes. Im jüdischen Wohlfahrtswesen war Dr. Seelig lange Zeit hindurch im Vorstande des Israelitischen Stiftes als Schriftführer tätig. In letzter Zeit praktizierte Seelig nicht mehr, sondern hatte sich in das Jüdische Altersheim zurückgezogen, wo ihn nach kurzer schwerer Krankheit der Tod ereilte. Fortsetzung der Rubrik „Aus den Gemeinden“ S.4 der Beilage. BERLIN tmpfeMenswette tBezugsqueMen E AafhtltknufM — PfluUnufM Hui|ftsUi|«) FlB«ail«ru| «ua H»uurp«r«iufTB Robert Wolfers - KurfflntwUtaa li3»T«L H1 UUud 565 DncmfecRerortielten amun Ftmndenputz-Anstrlcli iinjiemaoEo»adiL Gen »tr. kein« L«ihx*hBhr, reell« Bedienung. arbeite selbst mit. Kosleaaasfbligv unverbindlich. Evtl Teilzahlung. Kurt Kronberg * Bcrlin-Reinickendorf-Ost, Grüner Weg 71 Telefon: D9 4464 J. SCHDPKER TISCHLERMEISTER WERKSTATT FOR GUTE MÖBEL U. 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