Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 13 (29.9.1932)
- Date
- 1932-09-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Neues Wahlrecht in Plauen. — Bemerkenswerte Beschlüsse des. Gemeinderats. . In einer den Gemeindeverordneten vom Gemeindevorsteher Dr. Goldbers überreichten ^Denkschrift wurde ausgefülirt, daß das gemeinsame Schicksal die Beseitigung von Ungleichheiten innerhalb der Gemeinde bezüglich der Ver-, gebting der Gemeindeämter verlange. Der Vorschlag des Vorstandes ging dahin, allen Mitgliedern der Gemeinde ohne Unterschied der -Staatsangehörigkeit und des Geschlechtes mit vollendetem 23. Lebensjahr das aktive und mit vollendetem 28. Lebensjahr das passive Wahlrecht zu verleihen. Voraussetzung soll nur der Nachweis des einjährigen Wohnsitzes innerhalb des Gemeindebezirkes sein. Diese Vorschläge mit den dazugehörigen Anträgen auf Aenderung der Gemeindesatzungen lagen dein Gemeinderat in seiner Sitzung am 8. September zur Beratung vor. Während die liberale Mehrheit des Kollegiums durchaus bereit war, diese allgemeine Gleichheit aller Gemeindemitglieder in aktiver und passiver Hinsicht zu beschließen, erhoben sämtliche ostjüdischen Mitglieder des Kollegiums hiergegen Einspruch und erklärten, daß sie diese allgemeine Gleichheit für sich gar nicht beanspruchen und zufrieden seien, wenn ihnen ein Drittel der Sitze garantiert würden. Da sie'zugleich aber auch das Verhältniswahlfcchtsystem wegen der unvermeidlichen Folge von Zwistigkeiten — die bisher in unserer Gemeinde nicht vorhanden waren -rablelmten, wurde schließlich mit 10 gegen -2 Stimmen beschlossen, das Wahlrecht in der vorgeschlagenen Weise abzuändern, jedoch so, daß zwei Drittel der Mitglieder des Kollegiums die Deutsche Staatsangehörigkeit haben müssen. Nach der neuen Satzung, die alsbald nach Genehmigung durcli die Aufsichtsbehörde in Kraft treten soll, werden etwa 500 Mitglieder der Gemeinde wahlberechtigt sein. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß nunmehr auch die bedauerliche Gleichgültigkeit die die deutschen Gemeindemitglieder den Gemeindewahlen entgegenbrachten, in Zukunft in Wegfall kommt, denn_ ein Fortschritt ist die Einführung des Frauenwahtrechtes und die Herabsetzung des Alters für die Wahlfähigkeit und Wählbarkeit Die Beratungen vollzogen sichirn-übrigen in ruhigen und verbindlichen Formen. Auslands-Chronik I Genf. (Ein Jude Präsident des 9. Kongresses d!c r V öl k e rb u n d sl ige n.)' Herr H. Jacques Kunstenaar, ein Schweizer Jude, der vor einem Jahre zum Präsidenten des Verbandes der Völkerbundsligen’ für das laufende Jahr gewählt worden war, eröffnete am 7. September in Genf den 9. Kongreß des Weltverbandes der Völkerbundsligen, der im Gebäude des Internationalen Arbeitsamts abgehalten wird. Die Tagung wurde von Vertretern des Völkerbundes und ver- . schiedenen internationalen Organisationen begrüßt. Aus der Bewegung Berlin. (Liberä.ler Verein, Bezirksgruppen Halensee und Charlottenburg- Ost) Zur Eröffnung des Winterhalbjahres veranstalteten am 14. September die Bezirksgruppen Halensee und Charlottenburg-Ost des Liberalen Vereins einen aktuellen Vortragsabend, an dem wir die Freude hatten, unseren Freund Dr. Kurt Zielenziger, den .stellvertretenden Chef des Nachrichtenamtes der Stadt Berlin, als ersten Referenten bei uns begrüßen zu .dürfen. Nach einem umfassenden Ueberblick über die wirtschaftspolitische Gesamtsituation wies Herr Dr. Zielenziger auf die besondere Lage -der Juden hin und erläuterte die Maßnahmen, die von den berufenen jüdischen Organisationen, dem Preußischen Landesverband, dem Zentralverband jüdischer Handwerker, dem Reichsbund für jüdische Siedlung, der Gesellschaft „ORT“ u. a. zur Zeit ergriffen werden, um der jüdischen Gemeinschaft wieder eine. Existenzgrundlage zu geben. Die fesselnd vorgetragenen, von größter Sachkenntnis zeugenden Ausführungen, fanden den lebhaften Beifall der Zuhörer und lösten eine, anregende Aussprache aus, an der sich die Herren Landgerichtsrat Dr. Lesser, Kantorowicz, Schwersenz und Auerbach beteiligten. — Den Vorsitz der Versammlung führte Herr A.lfred Ja ul us, der auch das zweite Referat des Abends übernommen hatte, in welchem er die umfangreiche Arbeit der Berliner Gemeinde auf allen Gebieten des religiösen, sozialen' und kulturellen Lebens mit klaren und anschaulichen Worten schilderte. Auch diese Ausführungen fanden das rege Interesse und den reichsten Beifall der Versammlung; besondere Wohnung Stellung en Fassadenpulz - Reparaturen Beratung und Vorschläge jederzeit unverbindlich Baugeschäft Artur Walter Charlottenburg, WilmersdorferStr.112 •Telefon CI Steinplatz9910 Wir haben uns in D re s d e n als Rechtsanwälte niedergelassen. Wir sind bei dem Amts- und Landgericht in Dresden zugelassen. Unsere Kanzlei befindet sich in Dresden-A 24, - Bergstr. 15, Ruf: 43940. Ellen-Marie Ebstein . Paul-Heinz Ebstein . Redilsanwältin- Rechtsanwalt W ein Vertreter und Herren, die bei Privaten Erfolge nachweisen, erhalten von altem, rhein. Versandhaus mit bedeutendem Eigenbau 35% Hochstverdienst bei prompter Auszahlung. Größte Lager aller Inn. Auslandsweine sowie Spirituosen. Erstklassige Belieferung. Zuschriften unter F.E» 469 durch Rudolf Mosse, Frankfurt/M. Das Gefallenen «Gedenkbuch des Reidisbundes jüdischer Frontsoldaten -gelangt im OKTOBER dieses Jahres zur Ausgabe Dieses Werk bedeutet: ein bleibende« Denknut für' unsere In Weltkriege gefallenen jüdisches Kameraden ein äußern Zeichen des Dankes, den die gesamte deutsche Judenhalt schuldet eine magna Charta des Rechts« der deutschen. Juden auf Ihr' deutsches Vaterland Es enthalt auf 430 Seiten die Namen der jüdischen Gefallenen in einem alphabetischen Namens- und in einem Ortsverzeichnis mit den näheren Angaben über jeden einzelnen. Preis In Ganzleinen gebunden Belchtmark 4,- Bestellungen werden erbeten an die Ortsgruppen des R-j.F. oder an die B u n d e s ge s c hä f t as t e 11 e, Berlin W 15, Kurfürstendamm 200, Gth. III . Postscheckkonto: Berlin 70885 Beachtung fand auch der einleitende Hinweis des Herrn Jaulus auf die für den kommenden Winter bevorstehende rege Tätigkeit des Liberalen Vereins, der die Arbeit in allen Bezirksgruppen aufnehmen und insbesondere auch Abende für die jüdisch-liberale Jugend schaffen will. Berlin. („Wir rufen die Jugend!“) Die Jugendgruppe des Liberalen Vereins, Bezirk Osten, trat erstmalig am 17. September mit einem größeren Werbeabend vor die Oeffentlichkeit Künstlerische Darbietungen, von den Jungens und Mädels selbstgedichtete, einstudierte und aufgeführte Kollektivspiele u. ä. waren das Programm , des Abends, in dessen Mittelpunkt ein Referat von Dr. Max Mayer mit dem Thema „Wir rufen die Jugend!“ stand. Aus den Gemeinden Allenstein. (Neuer Steuersatz.) Von der hiesigen Repräsentantenversammlung wurde nach eingehender Begründung durch den Gemeindevorsitzenden, Rechtsanwalt Neumann II, die Synagogensteuer, rückwirkend vom 1. April 1932 bis 31. März 1933, auf 14 Prozent von der reinen Einkommensteuer festgesetzt. Berlin. (Erfolg des israelitischen Ferienheims.) Trotz der Ungunst der Zeit war es dem Israelitischen Ferienheim (Moritz Lehmann-Fonds) möglich, 125 Kindern in zwei Gruppen je drei Wochen lang Erholung und Stärkung in ihrem Treptower Heim zu bieten. Die Kinder haben sich ausnahmslos gut erholt, größtenteils 3 bis 4 Pfund zugenommen und vereinzelt Gewichtszunahmen bis zu 6 Pfund bei nur dreiwöchigem Aufenthalt aufzuweisen, ein Beweis, wie notwendig die Unterbringung der ausgewählten Kinder war. Das" Kuratorium dankt seinen Freunden und Gönnern, allen Helfern und Helferinnen für die Unterstützung dieses Liebeswerkes. Diez. (70. Geburtstag.) Der Leiter des Deutsch- Israelitischen Kinderheims in Diez, Herr H. Kadden, beging unter mancherlei Ehrungen zahlreicher ehemaliger Schüler die Feier seines 70. Geburtstages. Emden. (Persönliches.) Frau v. d. Walde, die Vorsitzende des. Israelitischen Frauenvereins,, beging unter. lebhafter Anteilnahme der Gemeindemitglieder ihren 70. Geburtstag. ’ Hamburg. (Repräsentantenversammlung.) Die letzte Sitzung stand im wesentlichen unter dem Zeichen von Geldbewilligungen, die' allerdings nicht von erheblichem Umfange waren, abgesehen von einem Zuschuß, welchen die neue Dammthor-Synagoge in Höhe von je 2000,— RM. für drei Monate erbeten hat. Die Liberalen lassen sich bei der Stellungnahme zu den Anforderungen, die die Kultusverbände über die ihnen statutarisch zukommenden 10 Prozent der Steuereingänge ihrer Mitglieder hinaus an die Gemeinde’ stellen, von dem Gedanken leiten, daß es die wesentlichste Aufgabe der Gemeinde als einer Religionsgemeinde ist, den Kultus aufrechtzuerhalten. Der vom Vorstand geforderte Betrag wurde ■ allseitig bewilligt. — Für die jüdischen Erwerbslosen hat das liberale Mitglied des Kollegiums Frau I)r. Meyer-Wedell seit langem eine überaus anerkennenswerte Tätigkeit entfaltet. Sie setzte sich in einem von ihr gestellten Anträge dafür ein, daß die Gemeinde die Speisung der Erwerbslosen, die bisher durch humanitäre Vereinigungen erfolgt war,, fortsetzen und hierfür einen Betrag von 300.— RM. pro Monat zur Verfügung stellen solle. Der Antrag würde mit gewissen Modifikationen angenommen. — Bewilligt wurden ferner 2500,— RM. für den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, 500,— RM. für die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten, ein Betrag von 300,— RM. an den liberalen jüdischen Schulverein zur Deckung seines Fehlbetrages im vergangenen Jahr, und endlich ein Betrag von 400,— RM. zur Deckung des Defizits der Kommission für die Fremdenpflege. — Im zweiten Teil der Sitzung wurden Berichte über verschiedene gemeinnützige Institutionen (Altenhaus, Waisenhaus, Krankenhaus) erstattet. Himbach. (Synagogen-Einweihung.) Die hiesige kleine Gemeinde hat unter Anspannung aller finanziellen Kräfte ein würdiges Gotteshaus erbauen lassen, nachdem man sich 80 Jahre mit bescheidenem Betraume begnügen mußte. Prov.- Rabbiner Dr. Sander aus Gießen hielt bei der Einweihungsfeier die Festpredigt und hob die Opferfreudigkeit der Gemeindemitglieder hervor. Jesberg. (Sy nagog en- J u bilä u m.) Anr"21. August wurde die renovierte Synagoge, die seit 100 Jahren Sammelpunkt der Gemeinde gewesen war, in einer stimmungsvollen Jubiläums- und Neueinweihungsfeier wieder ihrer Bestimmung übergeben. Landrabbiner Dr. Walter, Kassel, hielt die Weilierede. Zum M reswechsel gratulieren folgende Firmen ihren Kunden: CARL RUBEL Berlin SO 16 Meldiiorstr. 39-43 Kühler und Apparatebau O. H. G, Gebr. Friedmann Elektromotoren Berlin O 34, H eidenfeldstralje 20 Telefon: E 3 Königstad) 6349 Ingenieur G. KNOBEL Bosch-Dienst, Akkumulatoren Spezial-Autolicht- Werkstatt für alle in- und ausländischen Systeme Berlin N 65, Lindower Str. 18-19 . 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Die 38 behandelten Fälle bezogen sich auf Erholungs- und Berufsfürsorge, Unterstützungen und Altershilfe und verteilten sich auf fast alle Orte der Provinz. — Herr Simönsohn erstattete den Kassenbericht, der als Einnahmen 3 423,85 RM und als Ausgaben 2958,08 RM nannte, so daß am 1. Januar 1932 ein buchmäßiges Saldo von 465,77 RM vorhanden war. Der Kassenführung wurde Entlastung erteilt und der Etat für 1932 in Höhe von 2000,— RM bewilligt Zur Deckung der Ausgaben wurde beschlossen, für die Mitgliedsgemeinden eine Umlage von VA Prozent ihres Etats und für Mitgliedsvereine 10,— RM für je 50 Mitglieder zu erheben. —Die nachfolgenden Wahlen ergaben Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, bestehend aus: Dr. -Rosenzweig als 1. Vorsitzender, Max Simonsohn als Kassenwart und Frau Justizrat Soldin als Schriftführerin. — In dem Bericht über die weitere Tätigkeit des Provinzialverbandes wurde besonders auf die Mitarbeit in der Winterhilfe 1931/32, die in Schneidemühl gemeinsam mit den Vereinigungen der freien Wohlfahrtspflege durchgeführt wurde, hingewiesen. — Hierauf hielt Fräulein Frieda Weinreich ein Referat über „Jüdische Wirtschaftsfragen“, das allgemeines Interesse fand. Siegburg. (Aus dem Gemeindeleben.) Die Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins, Frau Eva Abraham,’ wurde unter lebhafter Anteilnahme weiter Kreise zur letzten Ruhe geleitet — Hier fanden Neuwahlen zum Vorstand und zu den Repräsentanten statt Der alte Vorstand wurde wiedergewählt, während die Herren Gustav Vos und Lehrer a. D. Seeiig als Repräsentanten neu gewählt wurden. Wir betrauern den Verlust unseres Fraktionsmitgliedes Justizrat Dr. Oskar Francken (Aachen). Seit Gründung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gehörte, der Verstorbene dem Verbandstage als Abgeordneter und unserer Fraktion als Mitglied an. Seine hervorragende Kenntnis auf dem Gebiete jüdischer Verwaltungsarbeit brachte es mit sich, daß ihm von der Fraktion stets besonders verantwortungsvolle Aufgaben übertragen wurden, deren er sich mit der ihm eigenen Pflichttreue, mit vorbildlichem Verantwortungsbewußtsein und in wahrer Selbstlosigkeit stets annahm. Seine Begeisterung für die Ideale des liberalen Judentums, seine gütige, ausgeglichene und ausgleichende Art haben ihm in unserer Mitte Freundschaft und Verehrung erworben. Wir werden seinen Rat und sein treues Wirken schmerzlich vermissen und sein Andenken für immer in hohen Ehren halten. Liberale Fraktion Im Preußischen ■ Landesverband jüdischer Gemeinden Dr. W a 11 e r Breslauer, Vorsitzender. Liberale Synagoge Kreuzberg-Tempelhof Festgottesdienst Rausch hasdionoh und Jom Kippur in der Aula des Askanischen und Tempelhofer Gymnasiums, Tempelhof, Wittelsbacher Korso 60 Prediger: die Herren Redakteur Arthur Schweriner, . Rabb.-Kand. Dr. Hirschberg, Brasch, Dr. Karliner. Kantoren: die Herren Gotthelf (vom Rundfunk) und Saul. Chorleitung: Gesanglehrer Alfred Loewy. Preise der Plätze: RM 5,—, 3,— und 1,—.. Kartenverkauf: Büro d.LiberalenVereins,.SWll, Halles che Str.l, bei Herrn Ernst Arnold, Tempelhof, Wiesenerstr. 25, bei Herrn S. Neustadt, Tempelhof, Arnulfstr. 89. Bestellen Sie sich gerade jetzt für die Hohen Feiertage: Claude G. Montefiore übersetzt von Joseph Kauffmann durchgesehen und herausgegeben von RabbinerDr.C.Seligmann brosch. M. 5,40; in Ganzl. geb. M. 6,80. Dieses große Bekenntnisbuch, des Liberalen Judentums gehört in jede Familie ’ j Das Werk ist durch jede Buchhandlung zu beziehen oder direkt vom Verlage Gustav Engol, Leipzig CI.