Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 9 (29.7.1932)
- Date
- 1932-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch in diesem Buch verleugnet der Verfasser nicht seine ■dichterische Kraft. Aber das Buch enttäuscht. Vielleicht vor allem darum, weil der Titel des Buches mehr verheißt als die späte Liebe einer alternden Frau, die dem Zug ihres Herzens nicht folgt, weil sie in ziemlich unverständlicher Hörigkeit an ihrem ihr gleichgültigen, etwas brutalem Manne festhält. Weder irgendein jüdisches Problem (obwohl Emily Brown Jüdin genannt wird und ihr Liebhaber puritanischer Herkunft ist) noch überhaupt spielt irgendein [ religiöses Moment eine-maßgebliche Rolle in diesem Roman, j Entweder der Titel des Buches oder die Absicht des: Ver-! fassers muß als ,völlig verfehlt gelten.. . Wenn trotzdem das Buch noch lesenswert genannt ' werden kann, so liegt .das durchaus an der zarten Kunst der Schilderung; die diesen feinfühlenden Psychologen und geschickten Erzähler nie verläßt. - Rabbiner Dr. Davfn Schönberger. Aachen. Vom Buch, das tausend Jahre wuchs. Eine blbelwlssenschalttiche SammelschrlfL Herausgegeben von Dr. Max Soloweltschlk. Ganzleinen RM. 5.—. Weltverlag Berlin. — (Parallel- Ausgabe Im Heinebund. Berlin.) Die immer wieder erhobenen Fragen nach dem Werden der Bibel, die in weitesten Kreisen gestellt werden, lassen das Buch von Soloweitschik als ein notwendiges erscheinen. Gerade auf die Frage nach dem Buch der Bücher kann eine bloß diskussionsmäßige, gleichsam im Vorbeigehen gegebene Antwort,unendlichen Schaden anrichten. Stößt doch solche Antwort meist' auf zwei Arten von vorgefaßten Meinungen: einmal erscheint die Bibel vielen als „heiliges Buch“ so unantastbar, daß man besorgt ist. sie durch wissenschaftliche Exegese zu profanieren. Anderen wiederum ist der Begriff eines „heiligen Buches“ so gegen die eigene realistische Ifeberzeugung und Vernunftansicht, daß eine profanwissenschaftliche Betrachtungsweise der Bibel ihnen das Recht zu geben scheint, der Bibel jeden religiösen Wertcharakter überhaupt abzusprechen. Das Buch von Soloweitschik macht das Wachsen dieses einzigartigen Menschheifsdokomentes; dessen Werden eiif Jahrtausend beanspruchte, deutlich, ohne die Ehrfurcht vor seinem Raum und Zeit umspannenden Gehalt zu mindern. Wer das Werden und Wachsen der Bibel verfolgt, nimmt Teil'am sich entwickelnden Geschehen einer Menschheitsreligion, und solche ‘ Betrachtungsweise gießt; mit dem Wissen um das etwig Gültige das Gefühl des: Erschauerns vor dem ewig Heiligen in die Seele. Mit den Mitteln litera- ’ rischer, psychologischer und philologischer Analyse, deren sich die verschiedenen Mitarbeiter des Buches, bedienen, wird so eine allgemeinverständliche Einführung in die moderne Bibelwissenschaft gegeben. i Nicht in allen Kapiteln allerdings ist diese Sammelschrift gleichwertig.; So läßt sich Gustav Hölschers Referat über .JDas ekstatische Prophetentum in den semitischen Religionen“ mit weniger.Worten sagen, da seine Ausführungen wohl mehr einen Forscherkreis interessieren dürften. Auch der Aufsatz von Karl Budde „Das nomadische Ideal im Alten, Testament" ist zu konstruktiv, um einen-Laienkreis fesseln: zu können. Es mag den mit exegetischer Beweisführung: nicht Ver- Sie jädischsli&ecate Jugend | Redaktion: Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands Verantwortlich: Dr. Ellen Littmann, Berlin j Natürlich Jugendgottesdienst! (Erwiderung auf den Artikel von M. Glass: „Brauchen wir einen Jugendgottesdienst?“) : Von Gerhard Graf, stud. phil. et theol. Die Frage: „Brauchen wir einen Jugendgottesdienst?“, die in dem Aufsatz von Martin Glass sehr richtig mit ja beantwortet wurde, ist bekanntlich in letzter Zeit wieder häufig diskutiert worden. Aus dem Kreise Erwachsener geht heute vielfach fälschlich die Ansicht hervor, daß junge Menschen, wenn sie überhaupt in die Syngaoge gehen, weit lieber den „großen Gottesdienst“ besuchen.'da die Jugendandachten nicht die gleiche Stellung wie jener einnähmen. Ich glaube, daß das vollkommen verkehrt, gesehen - ist. ■ Aus dieser falschen Erwägung heraus hat man die Frage des Jugendgottesdienstes zu sehr und zu lange vernachlässigt. Es ist dem bereits von Glass angeführten Herrn Seminarlehrer Falkenberg zu danken, daß er sich für. den Gottesdienst der Jugend einsetzt und versucht, ihm ein eigenes Gepräge zu verleihen. Desgleichen sind die vierwöchentlich stattfindenden Jugendandachten der jüdischen ■ Refprmjugend zu begrüßen. Auch in der Synagoge Prinzregentenstraße haben wir schon mehrmals mit Erfolg derartige Gottesdienste abgehalten. Warum nun aber Jugendgottesdienst? Seit uralten Zeiten hat das Gebet in der Gemeinde und mit ■ der Gemeinde seine große Bedeutung, ja etwas Charakteristisches im Judentum. Zehn Personen bilden eine „eda“. eine Gemeinde, hier vielleicht am besten eine „Betgemeinde“. Wenn wir den Sinn dieser Einrichtung recht verstehen, so heißt das doch nichts'anderes, als daß damit zum Ausdruckgebracht werden soll, welchen Nachdruck das Judentum auf das gemeinschaftsbildende Element legt. Wenn junge jüdische Menschen, so ganz unter sich, womöglich nach eigner Formgebung und Prägung, dennoch unter Wahrung eines gewissen'konstanten Momentes Gottesdienst abhalten, dann kann und wird dieses zum Ausdruck bringen, daß erstens' der Wille zur jüdischen Gemeinschaft auch in der jüdischen Jugend lebendig ist, und zweitens wird sich dieser Gemeinschaftswille in der .altjttdischen Weise'kundtun, wie eben zu allen Zeiten, im jüdischen Gottesdienst.; Nicht mit Unrecht nennen wir uns religiös-liberale Jugend, Liberal soll unser Jugendgottesdienst sein; die Form, die uns jungen Menschen der Gegenwart etwas gibt, soll er haben. Dann wird er seiner Aufgabe gerecht werden, die darin besteht, jüdische Jugend hinzuführen zu dem „Ganz-Anderen“, dem Göttlichen. Aus der Jli-Bewegung Berlin. (Generalversammlung.) Ende April fand unse diesjährige Generalversammlung statt. Manfred Schwarz g. zunächst einen kurzen Ueberblick über das verflossene Jahr. D Mitgliederbestand hielt sich auf der gleichen Höhe. Das Schwe gewicht der Arbeit lag, wie _in Berlin üblich, in den einzeln., Gruppen, die in gemeinsamen Veranstaltungen ihre Ergänzung fanden. Als besonders gelungen hob Schwarz die von der Gruppe Pankow- Osten vorbereitete Channukkafeier hervor, die ein Zeichen der Lebendigkeit war und in allen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl waebgerufen hat. Zum Schluß richtete er einen Appell ar “ Mitglieder. fördern. Punkt für jede Grupp, den aber geltend gemacht w für den gesamten *“ r Initiative auf Fährte ungsänderung — d ■ eine wörtlich fühlen müssen,1 nnzelnen ( Wesentlichsten Vorstandsmitglieder sich sollen — wurde ln den Vorstani. . ... Vogelstein; 2. Vorsitzender: Manfred Schwarz-, i. ocuniuunrcr: Helmut Gallincr; 2. Schriftführer: Eva Marcusc: t. Kassenwart: Herbert Schwarz; 2. Kassenwart: Erwin Zimct; Beisitzer: Heinz Kellcrinann,- Anni Jacobsohn. Rose Sciigsohn. Arthur . Wollfcr; Beirat: Dr. Ellen Littmann. Dr. Arthur Lflicnthal. Für den Fahrtenausschuß wurden bestimmt: Joachim Berliner. Eva Marcuse und Julius Stern. — Durch die plötzliche Abreise von Max Vogclstcin auf unbestimmte Zeit wurde es notwendig, leinen Arbeitsausschuß zu bilden, dem Helmut Gallincr, Herbert Schwarz. Anni Jacobsohn und Eva Marcus (De: And: Jüdisch-liberale Jugendgemeinschatt „Al daß sie, um dem Andenken Erich V -' verleihen, eine „Erich V.ulkan c Stiftung soll i ich Vulkans.) Dii n Geige ■ gibt bekannt. Jlkans sichtbai " ■'tum“ ms t-coen gc- _ _ ____ _ ... Jüdisch-liberalen Jugend „ermöglichen, wo es hottut, tatkräftig cinzugreifen, zu lindern und zu helien“. Spenden erbeten huf Postscheckkonto Breslau Nr. 17 443 (Alfred Berger' ..... „Erich Vnlkan-Sliflt Artikel und Berichte für die JU-Rubrlk sind jeweils 10 Tage vor dem 1. und 15. jedes Monats an Dr. Ellen Littmann, Cbarlottenburg 9, Bayernallee 27, zu senden. Das Jli-Progrämm ■Gemeinsame Veranstaltungen. [ Fahrten: ' Sonntag. 7. August. 8 Ubr. Bahnhof Alexanderplatz nach Erkner—Werl-See evtL Rüdersdorf. Kosten ca. 60 Pf. — Sonntag. 14. August, Anhafter Fernbahnhof. 8 Uhr, Ludwigsfelde—Saarmund—Potsdam. Kosten ca. 0,80 bis 1,— RM. — Sonntag. 21. Angust, Babnboi Zoo, 8 Uhr. Wildpark—Golm usw. ' Kosten 0.60 bis 1.— RM. : Gruppe Westen: Montag. I. August, um 8 Ubr bei Krotoszyner. Siemensstraße 14. Thema: Aegyptlsche Religion. — Montag. 8. Aug., um 8 Uhr bei Hildegard Neumann, Prinzregentenstr. 7. — Montag. 15. August, um 8 Uhr bei Heinz Kellermann. Knesebeckstr. 56/57. ■ Gruppe Oliva: Mittwoch. 3. August, bei Gerbard Bolder. Westendallee 98 b, um 8 Uhr._ i __ i Gruppe Savlgny: ~~1 T~ Mittwoch. 3. August. 8 Uhr bei Lucfe Schlesinger. Prinzregentenstr. 53. — Mittwoch. 10. August. 8 Uhr bei Anal Jacobsohn.Scblüterstr. 31. Thema: Neues Testament Die Berliner Gruppenführer werden gebeten. Ihr Programm jeweils bis zum 5. und 20. eines jeden Monats an Helmut Galllner, Cbarlottenburg 4, Sybelstraße 19, zu senden. trauten die Fremdartigkeit solch zusammengewürfelter Beweisführung eher verwirren, als daß ihm die Klarheit des Werdens der Bibel vermittelt wird. Zur Einführung in das. Sammelwerk ist hingegen- Charles Fester Kents Ausführung über „Die älteste Tradition Israels“ sehr geeignet Besonders hervorzuheben ■ wegen ihrer Klarheit und ihres Schwungs sind die Auslassungen Simon Bernleids über „Das' prophetische Judentum“ und die tiefgründigen Erläuterungen der „Hiobdichtung und Hiobsage“ von Harry Torczyner. Neuartig und 'einleuchtend die Beweisführung, daß „der biblische Hiob.nicht nur eine Problemdichtung ist, die eine' religionsphilosophische Frage in Dialogform lösen will“, sondern daß dieses unvergängliche Dichterwerk in „seiner biblischen Fassung eine Dichtung der Bekehrung Hiobs zum Gotte Israels“ daTStellt Aufschlußreich und instruktiv sind ferner auch die histonscheirFeststellungen, die A. Kamenezkl in dem Aufsatz „Der biblische Kanon“ übersichtlich darstellt Das Buch „Vom Buch, das tausend'Jahre .wuchs“ darf von ganzem Herzen empfohlen werden und 'ist geeignet eine fühlbare Lücke der Allgemeinbildung im Wissen um die Bibel auszufüllen. Rabbiner Dr. D a v i n Schönberger, Aachen. Sprechsaal Für diese Rubrik übernimmt die Schriftleituns lediglich die preUtfescUlichc Verantwortung. Freiwilliger Arbeitsdienst. Von Ruth Jacob. '; - Der . Vorsitzende des .Reichsbundes indischer Frontsoldaten. Dr. Leo Löwcustein. veröffentlicht den folgenden Aufruf: „Der freiwillige Arbeitsdienst gewinnt eine immer größere Bedeutung für die junge deutsche Generation.' Er wird heute betrieben von den großen Bünden, insbesondere denen, die den Frontkämpferorganisatiohen uäfiersteiieii. oder ihnen angeschlossen sind. Es ist auch wohl anzuuehmen, daß die Reiclisregierung all diese Bestrebungen ‘ und Unternehmungen.- die heute nebeneinander; und auch durcheinander, ja auch gegeneinander laufen, stärker und einheitlicher zusammenfassen wird. Dieser Freiwillige Arbeitsdienst kamt für unsere junge Generation ein außerordentlich wichtiges Erziehungsmittel und maßgeblicher Faktor für die körperliche und ,sittliche Ertüchtigung ■ werden. Die Erfahrungen, die in den Arbeitslagern der Organisationen aller politischen uud religiösen Richtungen bisher gemacht-wurden, sind indiesem Sinne durchaus positiv. Auch in der jüdischen Jugend haben diese Bestrebungen bereits Anklang gefunden. Der RjF. hat von, Anfang an die , Verhandlungen über den freiwillige» Arbeitsdienst, bei denen er auch vertreten war. sehr aufmerksa|n verfolgt. Wir richten heule sowohl an die uns angeseblossenen Jugenduud ^Sportorganisationen als auch a» die gesamte jüdische Jugend den Appell., auch im freiwilligen. Arbeitsdienst kräftig mitzutun. Die Bundesleituug des RjF. stellt jederzeit gern allen Bestrebungen dieser Art und allen .Jugend- und Sportorganisationen der-indischen Jugend mit Rat und .Tat zur Verfügung. Wie einst wir Frontsoldaten' als junge Männer unsere Pflicht getan haben und dabei manches Gute von der eisernen Selbstdisziplin und Gemeinschaftserziehung mit nach Hause nahmen, so muß auch heute im freiwilligen Arbeitsdienst die jüdische Jugend wieder ihren Mann stellen.“ i Diesem Appell an die jüdische Jugend uud uu die Jüdische' Gemeinschaft zur Beteiligung am freiwilligen Arbeitsdienst muß entgegengetreten werden. . Es ist bekannt, daß es Innerhalb des deutschen Volkes ebenso wie innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, zahlreiche Menschen gibt — jüdische Jugendliche und jüdische Frontkämpfer, die wenigstens das Glück hatten, sich selbst mit nach Hause nehmen zu können —, die den Krieg ablehnen, weil er kein Bildner zum Guten, zur Gemeinschaft, sondern ein Erzieher zur Verrohung, zur Nichtachtung des Menschenlebens ist . Es gibt Menschen, welche die Kriegsdienstverweigerung als eine wahrhaft patriotische, ungemein ehrenvolle Tat ansehen. die glauben, daß sich keiner schämen muß. weil er den Krieg für BarbareL hält, die die-Menschheit überwinden muß. Und der „Jüdische Friedensbund“, dem .viele prominente Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft und viele jüdische Jugendliche nahestehen, bekundet in zahlreichen Kundgebungen den Willen, diusc Auffassung Uber delt Krieg tu weitesten jüdischen Kreisen zu verbreiten. Die gleiche Verschiedenheit der Auffassung bestellt sowohl innerhalb des gesamten deutschen Volkes als auch Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft In der Frage der Arbeltsdienstpflicht, die vorläufig noch verbrämt „Freiwilliger Arbeitsdienst“ benannt Ist, und über ihre Auswirkungen ln wirtschaftlicher, politischer und pädagogischer Beziehung. Eine Gemeinschaft wie die Jüdische, die Menschen aller politischen Anschauungen umfaßt, sollte sich vor einer einseitigen Festlegung, wie sic der Aufruf des Herrn Dr. Lövenstelif bedeutet, hüten. Zahlreiche jüdische Deutsche vertreten nämlich die Ansicht, und diese möchte ich liier dem Vorsitzenden des Reichsbundes und seinem Aufruf entgegensetzen, daß es wirklich nicht nötig ist, daß die Juden alles mitmachen und gutheißen, nur um zu beweisen, daß sie genau so patriotisch empfinden und handeln wie ein Teil der nichtjüdiscben Deutschen. Sie lehnen aber $ulturreaktiöjt ober Sozialismus nidjt unterftütjen