Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 6 (15.6.1932)
- Date
- 1932-06-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Verächtlichmachung um jeden Preis vorzuliegen, die auii ihren -Urheber selbst zurückfällt.; 1 . ' J Herr Blumenfeld beschwert sich über die geringe Wahrheitsliebe der Presse. Steht es ihm. aber wirklich an, den gegnerischen Blättern Vorwürfe dieser Art zu machen und zu .behaupten: Eine „gewisse Presse“ habe über die -letzte Sitzung' des Preußischen. Landesverbandes jüdischer GemeiiLden tendenziös berichtet, so - daß inan eine völlig verkehrte Meinung: über die Dinge, die sich dort abgespielt haben, bekomme? Oder, daß eine „gewisse Presse“ sich hämisch freue, Ungünstiges über-Palästina; schreiben zu können,, überi politische Schwierigkeiten mit den Arabern, über verkommende Pogrome,iüber Rückwanderungen usw.? Wer unter dieser gewissen Presse zu verstellen ist, weiß der Eingeweihte: die „Jüdisch-liberale Zeitung“ und die „C. V.-Zcitung“.! Herr Blumenfeld täte klüger, die Dinge, die sich im Preußischen . Landesvetjband abgespielt haben, nicht zu berühren. Seine Partei würde' schlecht dabei fortkommen. Vielleicht spekulierte er auf die übergroße Interesselosigkeit! der Juden gegenüber .innerjüdischen Fragen und glaubt mit Recht annenmen zu dürfen, daß nur ein geringer Teil seiner Zuhörer „überhaupt | weiß, um was es sich gehandelt hat Von „hämischer "Freude über Schwierigkeiten in Palästina“' spricht j Herr Blumenfeld.; Er verwechselt das wohl mit sachlicher Kritik und,-vor .allem mit der verständigen Warnung vor den Dingen, die sich in Palästina vorbereiten und abspielen. Wir sind der Meinung, daß-es keinen Juden gibt, der eine hämische Freude für das Fehlschlagen der mit so. großer Hoffnung äüfgeiiommenen Arbeit in Palästina aufbringen; kann, daß vielmehr jeder Jude sich freuen würde, wenn es wirklich gelänge, einen Teil der bedrängten Ostjuden in Palästina eine dauernde Zukunft zu verschaffen. Warum also der gehässige Ausfall, Herr Blumenfeld, .von dem Sie selbst genau wissen.] daß er durch Tatsachen nicht zu belegen ist, und daß das; Ihnen Unangenehme, das über Palästina und den Zionismus : . geschrieben wird, auf völlig andere Motive zurückzuführen ist? : ... 4—Selbstverständlich ist es, daß Herr Blumenfeld die Arbeit j des Centralvereins herunterreißen muß und daß er nur mit! Bedauern sieht,, wie Gelder, die er in seiner Organisation für r außerdeutsche Zwecke dringend benötigen könnte, derjenigen; Vereinigung der deutschen Juden zufließen, die berufen ist;! die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu wahrem So kommt er denn zu folgender Aeußerung: j „Man muß die Macht des Weltjudenfums benutzen, um; die jüdische Situation zu bessern und die drohende Katastrophe abzuwenden. Demgegenüber glaubt eine jüdische Zeitung (gemeint ist die C.-V.-Zeitung) in einer ihrer letzten Ausgaben einen Artikel überschreiben zu dürfen: „Ruhe und Vertrauen“ zu einem Zeitpunkt, als nian wieder Gelder haben wollte für den Wahlkampi; und was haben die Leute erreicht, die ihr Geld gegeben haben? Sie haben sich für - dieses Geld 162 Nazi-Abgeordnete gekauft.“ Also: der Centralverein hat durch seihe (nach Blumenfelds Ansicht) überflüssige und verkehrte Arbeit nun endlich erreicht, daß 162 Nazi-Abgeordnete den Preußischen Landtag zieren. Wir halten Herrn Blumenfeld für! verständiger und klüger, als diese Aeußerung, die rein agitatorisch zu werten ist, vermuten läßt Sie bietet aber ein Bild von den Qualitäten dieser.Art Führer, denen jedes Mittel recht ist, um ihren Gegner zu schädigen, und die selbst in den heutigen ernsten Zeiten keine Rücksicht auf das Wohl der- Gesamtheit nehmen, denen jedes' Verantwortungsbewußtsein fehlt Die „neutrale“ Agency als Agitationsfeld der Zionisten! Als Tatsache für mit zionistischen Gebräuchen Vertraute nicht verwunderlich, aber eine Warnung für alle nichtzionistischen Agency-Mitglieder zu erhöhter Wachsamkeit und Ueberprüfung ihres Standpunktes! [ Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein, Bezirksgruppe Oberst) re c.) Unter der Leitung des Bezirksgruppenvorsitzenden, Herrn Kurt Lublin, fand am 28. Mai ein zweiter Werbe- und Vortragsabend statt, der wiederum außerordentlich starke Beteiligung der liberalen Gesinnungsfreunde unseres Bezirks aufzuweisen hatte. Das erste Referat hielt ‘ der Redakteur der „Jüdischliberalen Zeitung", Herr George Goctz. Unter dem Titel „Deutsch oder* Hebräisch — in welcher Sprache sollen wir beten?" zeigte er den Zuhörern die Reize unseres hebräischen Gebetbuches, von dem er sagte, daß es für alle diejenigen liberalen Jjiden, bei denen noch ein Rest altjüdiseher Tradition vorhanden ist; neu belebt werden' m&ssc, wohingegen bei denjenigen, die bereits jenseits aller Tradition stehen, auch das rein' deutsche Gebetbuch der Reformgemeinde seine gemeinschaftbildendc und religiöse Kraft bewiesen hat. Herr .Rabbiner Dr. Swarsensky wies in dem zweiten Referat des Abends auf die Schwierigkeiten hin, die sich gerade einer Groß- gemeinde bei der Erfassung aller ihrer Mitglieder entgegenstellen.!Erj befaßte sich besonders mit dem / schwierigen Problem der Wiedergewinnung Ausgetretener " und. mit dem Kommunismus, der, soweit nicht seine materialistisch-atheistische,, sondern nur seine Ökonomische Seite in Betracht-kommt, mit dem Judentum‘durchaus vereinbar! sei. Herr Gemeindevorsteher Wilhelm G r a e t z , vom Versammlungsleiter besonders begrüßt, gab seiner großen Freude Qbör das rege jüdische Leben in den 'Außenbezirken Ausdruck. und versprach,1 daß die Gemeinde den religiösen Bedürfnissen ihrer Mit- * glieder im Bezirk Oberspree ihr besonderes Augenmerk zuwenden wolle. —| Im zweiten Teil des Abends trugen Fräulein Hildegard Casparjy durch wirkungsvolle Rezitationen, Fräulein Baer. durch, ihren schönen, gepflegten Gesang, am Klavier von Herrn Epstein begleitet, und Herr; Gerhard Gottschalk, durch seine vollendeten humoristischen 1 Leistungen zur Unterhaltung der Gäste beil Der Abend war ein voller Erfolg und brachte wieder eine größere Anzahl neuer Mitglieder. Frankfurt a. M. (Ebrenabend für Sanitätsrat' Dr. Ettling.er.) Der „FreisinnigeVerein für JüdischesGenieindeleben“ veranstaltete aus Anlaß des 70. Geburtstages seines Ersten Vorsitzenden,! Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger, einen Ehrenabend. Rund 150 Personen, meist Mitglieder unseres Vereins, zum erheblichen Teil aberl auch Vertreter fast aller religiösen Institutionen unserer Stadt, hatten sich versammelt. Das Fest war von musikalischen Darbietungen umrahmt. Das liberale Rabbinat unserer Stadt überbrachte durch Herrn Rabbiner Dr. Salzberger seine Grüße. Der „Freisinnige Verein für Jüdisches Gemeindeleben“ und die „Vereinigung für!das liberale Judentum" gratulierten durch den Mund des Herrn Drl Rudolf Geiger, die jüdisch-liberale Jugend diirch den des Herrn Drl Hugo Hoffmann. Im Anschluß an die Glückwünsche unserer Freunde ergriff als Vertreter des Vorstandes der israelitischen Gemeinde Herr Dr. »Warmbrunn das; Wort. Der Vorstand der Westend- Synagoge!. und der Verein Westend-Synagoge, dem das besondere Interesse 1 des Jubilars galt, gratulierte durch den Mund des Herrn' Rechtsanwalt Dr. Fritz Oppenheimer. Es sprachen sodann noch die Vertreter! zahlloser Organisationen und Körperschaften. — Für alle Teilnehmer waren die Stunden im Nu verflossen, als um *hl2 Uhr nach dem letzten Gratulanten Herr Sanitätsrat Dr. Ettlinger das Wort ergriff. Er dankte allen Gratulanten und legte ein begeistertes und begeisterndes Bekenntnis zu den Ideen des liberalen Judentums .ab. Dem] Abend vorausgegangen war beim sabbathlichen Gottesdienst der Westend-Synagoge eine Feier'für Dr. Ettlinger. Klavlerimlcrricin nach neuester Methode erteilt Anfängern i im Hause bei mäßigem Honorar LDCie HeKdUnaiM, W 57, Steimnetzstr. 11 ’ Penken Sie daran, daß Tausende Jünger Menschen erwerbslos sind, daß Arbeitsbeschaffung schwieriger ist als je, daß Arbeit die beste Hilfe ist. Junge-Menschen haben sich zusammengeuchloaseOr um kollektiv ihren Lebensunterhalt äuf genossenschaftlicher Basis zu verdienen.: Sie helfen ans, wenn Sie uns Ihre AnftrBge überweisen. Wir sciiaeldera. j Wr Säuslern, . 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