Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1932-06-15 · 6 (15.6.1932) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
6 (15.6.1932)
Date
1932-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613456-2613461--4176-2615830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Bestandteil sind. Robert Weltsch aber, aut einen Vortrag von,. Kurt Blumenfeld sich berufend, bezeichnet in der »Jüdischen Rundschau“ diese Gedankengänge Holländers n ,y?Sel-Strauß-SpieI. Hier haben wir in nuce den Parallelismus der deutsch-völkischen und der jüdischvölkischen Ideologie: beide gründen sich auf die Rassentheorie, die ihrerseits in den Bereich des objektiven, logischen Denkens und der empirischen Wissenschaft gehört Man kann nicht die Rassentbeorie der Deutschvölkischen widerlegen wollen und zugleich '.die Rassentheorie des Zionismus als innerjüdische Streitigkeit ansehen, in die man _ sich mangels Einblick in die jüdischen „Gefühle“ nicht einmischen wolle! Das weiß auch; der Abwehrverein sehr gnt: er erwähnt beiläufig'in seinem Brief, daß der Zionismus „Wasser auf die Mühle der Antisemiten“ ist Aber warum dann nicht dieses Wasser abwehren? Der Abwehrverein hat' 1925 anders gedacht und anders gehandelt: aber er schreibt jetzt, sein damaliges Vorgehen sei ihm „von den verschiedensten jüdischen Seiten, verübelt“' worden. Es dürften nicht wenige sein, die ihm sein jetziges Nichtvorgehen verübeln. Oder vielmehr — das wurde bereits im vorigen Artikel deutlich gesagt: wir verlangen gar nicht daß er gegen den Zionismusvo.rgehe; er soll sich ganz auf die. Abwehr des Judenhasses beschränken. Aber das; kann er nur, wenn er sich deutlich vom Zionismus trennt, anstatt wie er jetzt getan, den Zionismus gegen die berechtigten Angriffe Dr. Herrligkoffers in Schutz zu nehmen! Diese Inschutznahme ist erfolgt, und in ihr liegt bereits ein „Einmischen in innerjüdische Streitigkeiten“. Kann also der Abwehrverein weder theoretisch noch praktisch der Notwendigkeit einer Stellungnahme zum Zionismus entgehen, so soll er es um seiner selbst und um der von ihm vertretenen Sache willen auf Grund derjenigen Erkenntnis tun, die Dr. Herrligkoffer mit Recht ins hellste Licht gesetzt hat: Emanzipation der Juden, die der Abwehrverein sich als Ziel gesetzt hat, und nationale Absonderung der Juden, wie der Zionismus sie betreibt, sind wie Feuer und Wasser.. Rabbiner und Gemeindeverwaltung. Tagung des Zentralausschusses des allgemeinen Rabbinerverbandes. | Vor kurzem hielt in Berlin der Zeritralausschuß des allgemeinen Rabbinerverbandes'eine Sitzung ab. Sie wurde eingeleitet durch ein Referat von Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln) über den „Religiösen Menschheitsbund“. Rabbiner Dr. .Dienemann (Offenbach) erstattete den .Rechenschaftsbericht. Die Aussprache befaßte sich mit den durch die Notverordnungen entstandenen Verhältnissen. Die Notlage der Gemeinden wurde besprochen.. Die folgende Anregung fand willige Aufnahme: „Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Herabminderung der Gemeindeetats; trotz" aller Versuche, Normen zu finden, willkürlich ist in bezug auf die Bewertung der Posten. Die Rabbiner sollten sich nicht ausschalten in der Beurteilung der Gemeindepositionen nach ihrer Wichtigkeit und der Vordringlichkeit gewisser Einrichtungen vor anderen.“ Die in dem Entwurf zu dem preußischen Gesetz bereits vorgesehene; aber durch das Nichtzustandekommen des Gesetzes vorläufig immer noch unerfüllte Forderung der Zugehörigkeit des Rabbiners zum Vorstand" wurde erneut mit Nachdruck erhoben; Besprochen wurden ferner die durch die Angriffe auf den Talmud und das jüdische. Schrifttum notwendig werdenden Schritte. "! Für den . geplanten Reichsverband der Gemeinden wurde gewünscht, daß einer der Vorsitzenden ein Rabbiner sein Wir suchen Abohnentenwerber in Berlin und im gesamten Heidt,bei guten Verdienstmöglldtkelfen. Vorerst nur schrlftl. Angebote erbeten an die .Jüdisch-liberale Zeitung' Vertriebs-Abteilung Berlin SW 11, HallMdie »r.f Gottesdienste Berlin-Norden. *• ■ Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, 17. Juni, abends 7,15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Swarsensky.— Sonnabend, 18. Juni, vorm. 10 Uhr: Predigt und Knabene-lnsegnung Rabbiner Dr. Swarsensky. — Freitag, 24. Juni, abends 7,15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. SalomooskL — Sonnabend, 25. Juni, vorm. 10 Uhr: Predigt Rab^ blner Dr. Sakimonski. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kalserstr.30, Aula der Mädchenschule. Freitag, 17. Juni, abends 7,30 Uhr: Predigt Dr. vah der ZyL — Freitag, 24. Juni, abends 730 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plotke. Westend. Liberale Synagoge Westend, Lelstlkowstraße 7—8, Aula. Geschlossen bls-2. September 1932. Liberaler Gottesdienst Schmargendori. (Altersheim Berkaer Straße 32.) Freitag, 17. Juni, abends 7 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Gal- Uner. — Sonnabend, 18. Juni, vorm. 10 Uhr. — Freitag, 24. Juni, abends 7 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Weiße. — Sonnabend, 25. Juni, vorm. 10 Uhr. ... Jüdische Relormgemeinde. Sonntag, 19. Juni, Jobanhlsstr. 16, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. Sonntag, 26. Juni, Jobannlsstr. 16, vorm. 10 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal. . - j In der Kleiststraße kein Gottesdienst müsse, und daß die Mitgliedschaft der Rabbiner in den Kuitusausschüssen als obligatorisch festgesetzt werde. Vom Allgemeinen Rabbinerverband und dem Preußischen Landesverband wird die Einrichtung eines Vikariatsiahres für Rabbiner, ehe sie ins Amt gehen, gefordert; eine Kommission wurde bestimmt. die Richtlinien dafür festsetzen soll.’; Eine andere Kommission soll' in Gemeinschaft mit Delegierten des Lehrerverbandes eine Abgrenzung der Kompetenzen von Rabbinern und Lehrern in den Bezirksrabbinaten herbeiführen. Für den Herbst ist eine Hauptversammlung des Allgemeinen Rabbinerverbandes geplant; Bet- und Bußtag ist dafür in Aussicht genommen. Jüdische Erwerbslosensiedlung bei . Breslau. In Breslau haben sich jüdische Erwerbslose zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um auf Grund der Notverordnung über die Randstadtsiedlung vom Oktober vorigen Jahres, eine jüdische Erwerbslosensiedlung dicht bei Breslau zu schaffen. Nachdem bereits die Jüdische Gemeinde“ Breslau sich mit dieser Frage beschäftigt hat, ist der Geschäftsführer des „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland e. V. ' Ris“ Berlin, Herr Martin Goetz, nach Breslau gebeten worden, um die Erwerbslosen und die mit der Durchführung des. Planes sich beschäftigenden Gemeindemitglieder zu beraten. Es ist beschlossen worden, die erste jüdische Erwerbslosensiedlung in der Nähe von Breslau zu schaffen. Verhandlungen mit den zuständigen Behörden sind im Gange. Die Finanzierung ist gesichert In Breslau herrscht Genugtuung darüber, daß der „Ris“ mit Tatkraft und Energie an die praktische Lösung der Frage nicht nur der rein ländlichen (auf Erwerb eingestellten) Siedlung in Groß-Gaglow, sondern jetzt auch der Erwerbslosensiedlüng herangeht Vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden und dem Reichsbund jüdischer {Frontsoldaten in die Wege geleitet, geht sie nunmehr Ihrer i praktischen Durchführung mit Hilfe des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland (Berlin. Kurfürstendamm 200) entgegen. Wie wir erfahren, hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, der gemeinsam mit dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die Vorarbeiten für die Erwerbslosen- Siedlung geleistet hat den „Ris“ mit der praktischen Durchführung dieser Arbeit betraut! ln vino et „Ita” veritas. Das „Deutsche Komitee Pro'Palästina“ ist bekanntlich so neutral, daß es mit der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ nicht das“Geringste zu tun hat Denn über die Kleinigkeit, daß die Adresseder Büroräume, die teitenden Persönlichkeiten und das Personal beider Körperschaften identischsind, wird sich kein großer Geist aufregen. Nun bring} die „J.T.A.“ (Jüdische Telcgraphen-Agentur) eine seltsame Nachricht die offenbar nicht weniger wahrheitsgetreu und objektiv ist, als die „Ita“ stets zu sein pflegt, und die wir darum gern glauben. Die Nachricht lautet; ' Veranstaltung des Pro-PnUsIlna-KomlteHT Heidelberg. 12. Mai. (J.T.A.) Unter dem Vorsitz von Universitätsprofessor Dr: Täubler (and am .11. Mal in Ucidelbe.rg im Qrand Hotel eine sehr gut besuchte Veranstaltung des Pro-Palästina-Komitees statt. Ansprachen hielten Prof. Täubler und Kurt Blumenleid, der in einer etwa zweistündigen Ansprache den sehr interessierten Versammelten- Aber die Entwicklung in Palästina berichtete. Die, Versammlung ist ein Auftakt zu weiteren von der Zionistischen Vereinigung Hlr . Deutschland geplanten Veranstaltungen. ■ , Kurt Biumenfqld,'der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung wieder einmal als Großredner des- Pro-Palästlna- Komitees, und eine Versammlung des Pro-Paläslinä-Komliees als Auftakt zu weiteren Veranstaltungen der Zionistischen Vereinigung! Der Mann, der aus-Heidelberg diese Nachricht einsandte, ist zweifellos vom’Zionismus so berauscht, daß er. von der Wahrheit; ein bißchen zuviel gesagt hat. . .- ■' " In vino . . . . - :: j ' —tz. Was geschieht gegen solche „Neutralität?? Die „Jewish Agency* als Plattform zur Bekämpfung des Centralvereins. Eine Zuschrift aus S t e 111 n. ==■ Nachdem die vorstehende Glosse „ln vino et Ita veritas'* bereits in Druck gegeben war, erhalten wir die folgende Zuschrift über das gleiche Thema, nur daß. es sich diesmal nicht um das „neutrale“ Pro-Palästlna-KomiteeJiandelt. sondern um die ebenso „neutrale“ Jewish Agency. I . Scbriftleltung. Zu einem Vortrag des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung, Kurt BI u m e n f e 1 d, hatte die Jewish Agency die Stettiner jüdische Gemeinde eingeladen. Das Thema lautete; . „Judenschicksal ini Spiegel des Weltgeschehens." Wer geglaubt hatte, er werde eine sachliche unparteiliche Erörterung der das; Judentum bewegenden' Probleme hören, wurde bitter enttäuscht Die Agency soll nach ihrem Programm etne-parteilose Organisation zur Unterstützung der Palästinaarbeit sein, und 'Herr Blumenfeld mußte damit rechnen, daß-unter den Erschienenen ein Teil nicht seinen zionistischen Gedankengängen huldigt Man mußte aber wiederum die alte Erfahrung machen, daß von zionistischer Seite bet iedernur eben möglichen Gelegenheit] versucht .wird, für den Zionismus zu werben, und daß auch ein angeblich neutraler Boden von ihnen weidlich ausgenützt wird. Gegen die den [Vortrag einleitende. Darstellung der historischen Entwicklung i des - Judenhasses, sowie die Folgerungen, die der Nationaljude daraus zieht soll hier nichts gesagt werden. Zweck dieser Zeilen ist lediglich festzustellen. In welch demagogischer Art der Führer der Zionisten die deutschen Juden angceift und Ihre Bestrebungen, verächtlich zu machen versucht | Die Stettiner Versammlung fand am Tage nach den Preußenwahlen statt, die den von klarblickenden Menschen erwarteten Wahlsieg der Nationalsozialisten ergab. Herr Blumenfeld, davonj-unterrichtet, daß prominente deutsche Juden nicht erschienen waren, verbindet mit dieser Tatsache die in der Allgemeinheit bestehende-verständliche Erregung über den Wahlausgang und sagt: .• - . „Die heutige] Versammlung ist schlecht besucht und zwar fehlen, wie {mir gesagt wird, gerade die, die von sich behaupten, in der deutschen Umlvelt. aufgegangen zu sein. Als Grund für dieses Nichterscheinen ist mir von verschiedenen Seiten angegeben, daß man gerade Jetzt Angst habe, an jüdischen Versammlungen teilzunehmen, weit man nach der Wahl vorsichtig sein müsse und der Anschein vermieden werden sqlie, als wenn in jüdischen Versammlungen irgend etwas geplant würde. Wir, die .wir auf anderem Standpunkte stehen, haben diese Furcht nicht“ Was will Herr Blumenfeld mit dieser Verdächtigung? Glaubt er vielleicht im Ernst, daß die Menschen, die sich Jahraus. , jahrein bemühen, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden zu wahren, und die'sich hierbei persönlich einsetzen, weniger | Mut aufbringen als Zionisten, die die Dinge einfach an sich herankommen lassen; denkt er wirklich so gering über seihe politischen Gegner? Uns scheint eine höher brandenden Wogen des Unheils zu steuern. Ihm' und seinen gemäßigten Gesinnungsfreunden {werfen die wilden Leute vom revisionistischen Flügel in Wo.rt und Schrift „Verrat am nationaljüdischen Gedanken“,. „Feigheit“, „Infamie“ und ähnliche schöne Dinge vor. Der ganz radikale Jabotinski reist in der Welt herum und verkündet in wutschnaubenden Tiraden den bevorstehenden'Endkampf des-jüdischen Genius gegen die Araber, gegen die Engländer, [gegen den Völker-' buiid, gegen die jüdischen Assimilanten, gegen die gemäßigten Zionisten —- kurz, gegen alle,, die er als Feinde des alleinseligmachenden jüdisch-völkischen Glaubens ansieht. Besser konnte kein Durchbalteprediger des Weltkrieges, kein Jusqu’au bout-Held des Chauvinismus in die Fanfare stoßen! Die Uebernahme nationalistischer Ideologien, diese Assimilation in schlechtem Sinne, das Abwejchen von ethischhumanitären und kosmopolitischen Geiste des Judentums rächt sich jetzt in bitterster Weise. Der Ungeist der Gewalt, die Methoden der Unduldsamkeit haben von der in zionistischem Sinne erzogenen Jugend Besitz ergriffen — ganz gleich, ob diese Jugend sich niin radikal oder gemäßigt zionistisch nennt. In Jerusalem brüllen zionistische Universitätshörer einen pazifistischen Professor nieder — offenbar um den Beweis zu erbringen, daß sie den hakenkreuzlerischen Radaustudenten’ an gewissen europäischen'Hochschulen nicht nachstehen. Für die gleiche Jerusalemer Universität aber fordern die zionistischen Repräsentanten in den „Galuth“-Genieinden große Geldmittel! Und wenn man-ihnen höflich zu verstehen gibt, daß die ohnedies spärlich fließenden Einnahmen für die notleidenden jüdischen Glaubensgenossen an Ort und Stelle * besser verwendet werden können, als wenn man sie in das palästinensische Faß ohne Boden schüttet — ja, dann geraten die Herren in Zorn. Und ihr furor judaicus äußert sich in Formen, die wiederum den kraftmeierischen Methoden der Antisemiten in peinlichster Weise ähneln. In der Berliner Gemeindestube; bat man es im Laufe der letzten Jahre verschiedentlich erlebt, wie die wilden Männer von der Jüdischen Volkspartei ihr „positives Judentum“ manifestierten: wie sie aus nichtigem Anlaß wilde Tumultszenen heraufbeschworen, wie sie in der parlamentarischen Körperschaft linksstehende Journalisten attackierten, wie sie ihre andersgesinnten Kollegen und Glaubensgenossen beschimpften und bespieen;— alles nach bekannten, aber nicht gerade rühmlichen Mustern! Der Typ der Idealisten aus der Frühzeit des-Zionismus, die zwar ohne Augenmaß für politische Realitäten, aber immerhin in ehrlicher Begeisterung und in gutem Glauben für ihre Sache eintraten, verschwindet immer mehr, und an seine Stelle tritt' eine Generation von Epigonen, mit denen oft eine sachliche Auseinandersetzung überhaupt nicht mehr möglich erscheint Die geistigen Argumente werden durch Lungenkraft ersetzt; der Biceps wird höher geschätzt als das.Hirn. So tritt zum inneren und äußeren Zusammenbruch 'der "moralische Verfallt Es geht zu Ende! Der zionistische Traum ist aus! Das Geschrei der Unentwegten kann-nicht mehr über das völlige Fiasko hinwegtäuschen! Ein.großer Aufwand ist schmählich vertan! Aber wenn der Zionismus am Ende ist — das.Judentum ist. es nicht! Wenn die verfehlte zionistische Politik schwere Gefahren für die Juden in Palästina und in der Diaspora heraufbeschworen hat — die Judenheit muß und wird dennoch (eben! Wenn der Gedanke des Nationalismus, das Idol der Gewalt, die Irrlehre des völkischen Egoismus den wahrhaft jüdischen Geist verfälscht haben — der Glaube an die Menschheitsmission des Judentums bleibt bestehen! Der Zionismus wird eine Episode in der Jüdischen Geschichte bleiben. Er wird ebenso verschwinden, wie eines Tages die nationalistischen Schreihälse, die Apostel der Gewalt, die Verkünder des Hasses in allen Staaten verschwunden sein werden." Siegen aber werden überall die Ideen, die nicht auf eine Trennung, sondern auf eine Annäherung und Verbrüderung der Völker und Rassen, der Gemeinschaften und. Religionen hinzielen —- die Ideen, die die Menschheit über; die Nation, den Geist über die Gewalt und die Liebe über den Haß stellen. Der beste jüdische Witz. Ueber den jüdischen Witz sind Bücher und!Abhandlungen geschrieben worden. Man hat die Gipfel dieses Humors philosophisch ausgemessen, man hat ihr oft unerträgliches Sumpfland der Selbstironie mit harter Kritik nicht zusebütten können. ' •. ' . Es gibt Menschen, die keine Witze behalten. Können. Zu ihnen gehöre ich. Bleibt aber einmal ehi Witz im Ohr hän-- gen. dann ist das eine so seltene, die Regel bestätigende Ausnahme, daß sich mir die . Untersuchung nach einem („Weshalb“ lohnt So habe ich gefunden, daß der einzige jüdische Witz, den ich'behalten habe,' geradezu in erhabener Form die beste Wesenseite des Volkes spiegelt, dem er entstammt - Er lautet: M Ein Jude gerät beim Kriegsausbruch 1914 liFder Nähe der rassischen Grenze auf ein Gelände, das von einem Posten bewacht wird. Der Posten hebt das Oewehr und schreit: „Halt,'oder ich schieße!“ Der Jude wischt mit einer ärger-, liehen Handbewegung-durch die Luft: „Sind Sie meschugge? Tun Sie das Gewehr weg. Sehen Sie denn nicht» daß Mer ein Mensch steht?“) ' Man{re<1 QeaTg (ln der „Weltbühne“.) Ein Unbekannter wurde zu Grabe j getragen. (Erlebnis eines Berliner Qemclndekantors.) Kürzlich hatte Ich...Dienst“ in der-alten Halle aul dem Friedhof in Weißensee.; . 10 Uhr: Boris PUdaion. Die Beerdigung, kann noch nicht eingeleitet werden, da kein Angehöriger des Verstorbenen zugegen ist. Wir warten fünf Minuten. Noch immer ist niemand da. Anruf im Büro der Friedhofskommisston. wo .die Beerdigung angemeldet worden war. Die Anmeldung ist durch ein' städtisches Krankenhaus erfolgt, in dem der Betreffende gestorben ist. | Die Feier nimmt] ihren Anfang. Der führende ■ Beamte, 6‘Träger mit dem Sange, hinter dem Sarge Ich allein. Kein ' Mensch sonst. j . . In der Halle die) Liturgie, Der Beamte und die Träger bleiben wie Leidtragende um den Sarg steheh. Jetzt wlrd_ mir das Erschütternde, das unsagbar Traurige der Sltuatlon erst-eigentlich klar. {Kein Angehöriger! Es .drängt , mich, an dieser Bahre das Eljmole rachamlm. Jenes tlefinnfeste aller Gebete „b’ad haskoras nisebmossau“ zum Oedächfnis der Seele eines Unbekannten zu singen. - ■ ' Unbekannten zu Grabe. Drei Schaufeln wird ein BüroangesteUter als „Zehnter." _ Vögel in der wärmenden Sonne des erwachenden Frühlings.] Boris Pudaion. Ich habe. mir den Namen gemerkt. Ein] Toter' ist mein Freund , geworden. Es war ein Einzelgrab im Feld J. 1. Auf dem Rückweg fielen ein paar Regentropfen. . Der Himmel hat' eine Träne geweint; Ein Unbekannter wurde zu Grabe getragen.- . - 1 ■„ Wir tragen einen Erde. Zum Kaddisch geholt Aus.' Aken citsrrAtS rite ‘

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.