Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 12 (1932-1933)
- Issue
- 4 (15.5.1932)
- Date
- 1932-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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00 1 Ar Draan betftereinfemta für fa* ftöerafe Jisftettfiim e.&> Bezugspreis: Vierteljährlich 1.50 RM. zuzüglich Bestellgeld. Einzelnummer 0,25 RM. Abonnements werden bei; allen Postämtern angenommen. Anzeigen nach Tarif. — Bel .Nichterscheinen lulolge Streiks oder höherer Gewalt besteht kein Anspruchaul Nachlieferung oder Rückerstattung der - entsprechenden Bezugsgebübren. Die JQüiffrHbetale 3#fini8H etföetaf am Lauft 15,ieöes fltoaate. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin SW 11, Hallesche Str. I Herausgeber: Hanns. Loewensteln und Willi Tisch Verlag Schrittleitung: George Goetz Fernruf:F S, Bergmann 3358. 3359. Bankverbindung: Kreditverein lUr.Handel und Gewerbe e. G. m. b. H, Berlin N24. Postscheckkonto: Jüdisch-liberale Zeitung: Berlin 227 64. Vereinigung für das liberale Judentum e. V.: Berlin 1370 69. Dh V*ninJguag flr du Ubtnl» JudMtun Qbvnlmat m Nr. 4 Berlin, 15. Mai 1932 12. Jahrgang Der Reichsverband kommt. Eine entscheidende Sitzung. Am Sonntag, 22. Mal. findet In Frankfurt eine Sitzung von Vertretern aller jüdischen Landesverbände statt, welche die Gründung des Reichsverbandes jüdischer. Gemeindeverbände zum Ziele hat. Unsere' Wünsche für Namen, Aufgabenkreis und Verfassung des Reichsverbandes haben wir in unserer Nummer vom 1. April d. J. zum Ausdruck gebracht; diese Wünsche sind von der liberalen Fraktion des •Preußischen Landesverbandes vollauf geteilt worden. Nachdem es gelungen ist, in den verschiedenen Kommissionen des PreuUcnverbandes Ucbereinstimmung zu erzielen, darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß auch die nord- und süddeutschen Landesverbände; zur Uebereinkunft miteinander gelangen. Das Aufgabengebiet der Einheitsgemeinde. Bedeutsame Erklärung des Berliner Gemeindevorstandes. Der Berliner Gemeindevorstand veröffentlicht in der soeben erschienenen Mainummer des Gemeindeblattes folgende Erklärung: „Die Vorgänge in der Repräsentantenversammlung vom 7. April 1932 geben uns Anlaß, folgendes zu erklären: In einer Zelt, wie der heutigen, in .einem. AugegbllslUy In-dem die- Existenz der deutschen Juden auls schwerste bedroht Ist,'bedarf unsere Gemeinde mehr denn le der Zusammenfassung aller Kräfte. Politische Auseinandersetzungen Innerhalb der Gemeinde müssen vermieden werden. Unsere Gemeinde trägt als Einheitsgemeinde den Bedürfnissen der verschiedenen religiösen Richtungen Rechnung. Es Hegt ihr ob. neben Ihrer Tätigkeit aul dem Gebiete des Kultus jüdische soziale und kulturelle Bestrebungen zti fördern, deren Unterstützung den gemeinsamen Wünscheil Ihrer Mitglieder entspricht. Sie sorgt daher tut die Verbreitung jüdischen Wissens und entfaltet eine umfassende Wirksamkeit für die mannigfaltigsten Zweige des Wohlfahrtswesens. Ihr Aufgabengebiet, zumal ln einer Zelt der Not wie; der jetzigen, ist ein so vielfältiges. , daß jedes Mitglied. . unbeschadet seiner persönlichen Ueberzeugung ln strittigen Fragen des Gemelndelebens, die Möglichkeit linden kann, gleichberechtigt an dem von Ibm frei gewählten Platze Helfer beim-Werke der Gemeinde zu sein.“ Mit dieser maßvollen und verständigen Erklärung wird die irreführende und unannehmbare zionistische’ Parole von der „Gleichberechtigung aller Parteien“; ad absurdum geführt und richtiggestellt, indem gezeigt wird, daß die Ein he its gemeinde nur dann bestehen’ kann, wenn man alles Tr ennende aus der Verwartungsarbeit herlausiläßt. Die Erklärung, ist daher zu begrüßen, weil sie die Aufforderung in sich’ schließt, die Gemeindearbeit auf das allen Parteien Gemeinsame zu beschränken, und damit den Weg zeigt, der allein zu Frieden und fruchtbringender Arbeit in der. Gemeinde führt. (Näheres siehe die erste Seite der Beilage.) Ein „Jüdischer; In einer vom American Jewlsb Congress elnberufenen. aus aUen Teilen Amerikas stark besuchten Tagung wurde be-' schlossen, für Juli 1932 nach Genf eine lüdlsche Weltkonlerenz einzuberufen, die darüber beraten soll, ob ein Jüdischer Weltkongreß als ständige Einrichtung zu sebaiien sei. Die Frage eines Jüdischen Weltkongresses ist in den letzten Jahren mehrfach erörtert worden, ohne daß es je zu ernsthaften Vorbereitungen kommen konnte. Auch jetzt wird — wie der Wortlaut der Resolution zeigt, die man auf der von Rabbi Stephan Wise geleiteten Sitzung gefaßt hat — wieder der Versuch gemacht, diesen Kongreß als Vorspann nationaljüdischer' Aspirationen zu schaffen. Die Beteiligung an einem solchen Projekt werden die deutschen und, man kann wohl sagen, die euro-, päischen Juden in ihrer Mehrheit ablehnen. Befreit man aber die Pläne von ihren parteiegoistischen Vergiftungserscheiriungen, so gelangt man zu Erwägungen, die nichtnur in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, sondern z. B. auch in einem vielbeachteten Aufsatz des Herrn Regierungsrat Dr. Kreppei (Wien) im Organ der „Union Universität gegen Gemeinde. Ein bedauerUcher Schritt. . Belm Vorstände der. Berliner Jüdischen Gemeinde Ist der Brief eines Berliner Rechtsanwalts elngegangen, in dem dieser Beschwerde darüber führt, daß von, den für das Etatslabr 1929/30 der Jerusalemer Universität seitens der Gemeinde bewilligten 15000 RM. nur 5000 RM. zur Auszahlung gelangt seien. Es wird Nachzahlung des Dliferenzbetrages von 10 000 Reichsmark gefordert, für den Fall der" Nichtzahlung wird Klage angedroht. Dieser Schritt der Jerusalemer Universität wird allseitig ebenso großes Bedauern wie Befremden hejrvorfufen, und zwar sowohl in1 sachlicher wie’ in formeller Hinsicht. — Von den seinerzeit bewilligten 15 000 RM. sind in der Tat nur 5000 RM. der Universität ausgezahlt worden, aber die Gemeinde hat-die restlichen 10000 RM. nicht etwa behalfen, sondern sie hat. sie anderen, ähn- . liehen Zwecken zugeführt und hat dies mit Einverständnis der Jerusalemer Universität getan. Vertreter der Universität haben an einem Beschlüsse mitgewirkt, demzufolge je 5000 RM. der Prof. Warburgschen Versuchsanstalt und .der Habimah ausgezahlt wurden, so daß die ganzen in den Etat eingesetzten 15 000 RM. zur Verwendung gelangt sind. Ist demnach der Schritt der Universität schon rein sachlich ungerechtfertigt, so wird er es noch mehr durch die gewählte Form der Klageandrohung durch einen Anwalt. Es', dürfte wohl noch niemals vorgekommen sein, daß eine jüdische Institution der Berliner Jüdischen Gemeinde Klage bei den öffentlichen Gerichten angedroht oder auch nur durch einen Anwalt mit ihr verkehrt hat. Die Jerusalemer Universität zumal hat infolge der bestehenden Delegationen und Kuratorien, andere Möglichkeiten als die Betrauung, eines der Materie völlig fernstehenden Advokaten. ‘Die Tatsache, daß die Subventionierung eines Jerusalemer Lehrstuhls von - der jetzigen Gemeindeverwaltung mit Recht nicht unter die Verwaltungsaufgaben einer deutsch-jüdischen Religionsgemeinde gerechnet wird, ändert nichts daran, daß die Universität Jerusalem sich bisher in weiten Kreisen der Berliner und deutschen Judenheit großer Sympathie erfreut. Es wäre zu bedauern, wenn sie sich jlurch die jetzt von ihr eingeschlagenen Methoden diese Sympathien verscherzen würde.; Weltkongreß“? deutschösterreichischer Juden“ angestellt worden sind. Der Kampf um die Emanzipation .der Juden in jedem ihrer Heimatländer, die Aechtung des Judenhasses und die Abwehr des antijüdischen Wirtschaftsboykotts können durchaus in allen Ländern nach einheitlichen Grundsätzen erfolgen' und diese Grundsätze durch internationale Beratungen und Austausch der Erfahrungen festgestellt werden. Bedingung ist auch hier — ähnlich wie in der Einheitsgemeinde — daß alles Trennende aus der gemeinsamen Arbeit ausgeschaltet wird. Lassen sich hierfür Sicherungen erreichen und werden die großen deutschjüdischen Organisationen, vor allem der Centralverein, gebührend, d. h. mit der Möglichkeit der Wahrung ihrer Grundsätze, herangezogen, so kann die zur Vorberatung nach Genf einbernfene Konferenz. möglicherweise Wertvolles leisten. Allerdings erscheint uns die Frist — bis Juli, für die Einberufung einer internationalen Konferenz! — reichlich kurz, und man wird auch aus diesem Grunde abwartün müssen, welche weiteren Maßnahmen gemeldet werden. , Unsere Arbeit! Gedanken zur Hauptversammlung, Von Rechtsanwalt Heinrich Stern. Der Schwere der Zeit entsprechend findet die Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum am 22. Mai ohne Festgepränge im Rahmen einer ernsten einfachen Geschäftstagufig statt, ln erster Linie sind organisatorische Fragen zu behandeln. Eine Erneuerung des Stammes unserer Mitarbeiter ist envünscht und notwendig; selbstverständlich aber muß dieTraditionder Vereinigung, die jetzt in ihr 25. Jahr tritt, dadurch aufrechterhalten werden, daß die bewährten alten Vorkämpfer als Führer in unserer Arbeit verbleiben. Von ganz besonderer Wichtigkeit erscheint die Ausgestaltung der Ortsgruppen. In Teilen des Reiches, insbesondere Im Westen, ist die Organisation gefestigt. In anderen Gegenden, insbesondere in Teilen von Süddeutschland, liegt sic sehr im argen. Wir dürfen uns auch nicht.mitder. F.ntschuldigung abspeiseu lassen, daß die heutige Zeit für die Organisierung einer Bewegung, die im wesentlichen auf geistiger Grundlage aufgebaut ist. nicht geeignet ist. Gerade in. einer Zeit des scheinbaren Sieges der Materie über den Geist Jmben wir Juden die Pflicht zu-bekennen, daß wir uns dieser Strömung ent- 1. Abend am Montag, 23. Mal, 8 % Uhr abends, im graften Saal dar Konditorei Uon, Berlin — Kurfürsten dämm 155 (am Lehnlner Platz) Ober das Thema Pionierarbeit für liberales Jmfentnm werden Kurzreferate halfen: der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern, der Vorsitzende des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Landgerichts»! Dr. Martin Lasser, - der Vorsitzende der Liberalen Fraktion der Berliner Repräsentanten Versammlung, - Dr. raed. Kurt Fleischer, der Redakteur der. Jüdisch-liberalen Zeitung*, I George Goetz, . der Mitherausgeber der.Jüdisch-liberalen Zeitung*, - Hanns. Loewensteln.' Leitung des Abends: Landgerichts»! Dr. Martin Lasser. Vor und nach den Ansprachen: Künstlerisch« Darbietungen ■ ■ gesprochen von Edith Hermsfadf-Oeftingen Edith Hermsfadf-Oeftingen Anschließend geselliges Beisammensein. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Eintritt Ire11 —