Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 34 (19.8.1936)
- Date
- 1936-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN 19. August 1936 PREIS 25 PF. Nr. 34 / 16. Jahrgang t JÜDISCHE AUGEHEINE Schriltleitun» und Geschäftsstelle: Berlin-Cttarlotlenburg 2, Bleibtreustraüe 2. C 1 Steinpl. 3703. Bankk.: Kreditverein f. Handel u. Gewerbe eGmbH. Berlin N 24? Pustscheck-K.: Berlin 25720 — Bezugspreis: RM. V.— monatlich izuzügl. R.M. 0,10 Zeituacsgehühr tiod Bestellgeld). bei Streifb&ndvera&ad tuzügl. BM. 0,30. Verlüg: Verlagdi»enü8*em*ob»ft tu. ItiMitacblami ans&saiger Judeu tu ilerlto «itmldL. Bla.-CUarloUenUurg 'Z. UieiUreutir. % Aiueigenpr.: Nie 12g««p tmn - Zeile Kpl. H,* tue 1'jmiUetuuietgen Uv*:* i>. SlclIiMigetuche Rp|. 5 Bei uurrrechuldeter Nirhtl*«li«*feruow’ l««telit kein An«|>riu*h auf Vorgfltuad NEUE FOLGE DER J U D I S C H - L I BERALEN ZEITU N G Ahnen und Enkel große. jüdische Kongresse erlebt, deren Arbeiten uns ,Dr. E. Fr. In der jüdischen Presse lasen wir in diesen .Tagen eine kurze Nachricht: ..In einem polnischen Durlc wurde der jüdische Einwohner Lilipower während ’des Alaariw-Gehctes durch mehrere Rcvolvcrschüsse, die durch das offene Fenster al>- gefeuert worden waren, getötet." Kein langer Nekrolog, kein Gcdenkartikel wird vom Lehen und Sterben eines Mannes künden, den eine Kugel traf in der Stunde, da er Zwiesprache mit seinem Gott hielt, da er. losgelöst vom Alltag und seinen Ansprüchen, einzig und allein der Forderung seines Herzens folgte. Irgendwo in einem kleinen Dorfe verblutete ein jüdischer Mensch, was liest an einem-Mensch en in Zeiten, in denen wir uns allmählich daran gewöhnt Italien, von „Massenverlusten” in Kriegen und Revolutionen zu hören? Und 'dennoch! Nicht nur. daß ein. Mensch viel ist vor Gott und Ewigkeit. viel aller auch für die. denen er der Nächste und Liebste war. uns Juden in der Gegenwart sagt dieser Tod mehr. Uns ist er'Ausdruck einer schicksalhalt-gcschichtlirhcn Erseheinüns. die sieh durch die Jahrhunderte hindurch immer wiederholt: daß auch die Enkel von heut noch das Schicksal tragen müssen, das einst vor Jahrhunderten — und nicht nur vor Jahrhunderten.— die Ahnen auf sich-genommen haben int Glauben an das Große., dessen lebendiges Zeugnis und dessen Künder zu sein, sie im Tiefsten ihres' Herzens wußten. Der Tod dieses einen Juden, mitten im Gebet, der Handlung, die die heiligste sein sollte, vor dem Antlitz aller .Menschen, denen das 'Menschliche nicht fremd geworden ist: -dieser Tod ist für uns meinals ein Tagesereignis, er knüpft, richtig verstanden, die geschichtlichen Bande /.wischen jüdischer'Vergangenheit und zeitlicher Gegenwart wieder einmal nur noch fester. Dieser Tod eines unbekannten Juden im Gebet ist für uns gleichsam sinnvolles Svmliol eines immer wieder in gleichen Formen aoftietcndeii Schirksals. , mellt nur ein Bild von der jüdischen Problematik in der' Gegenwart gezeigt haben, sondern die darüber hinaus lebendiges Zeugnis von den auch im Judentum waltenden Naturgesetzen des ewigen Streites zwischen Beharren und Vorwärtsschreiten sind. Her ..Kongreß für das religiös-liberale Judentum", tler in London tagte, die .Marienbader Tagung der ..Aguilas Jisroel" und der Genier ..Jüdische Weltkongreß" zeigen die lebendigen Kräfte in dem geistigen Hingen des Judentums um seine letzten Wahrheiten! und um seine sozial-politischen Aufgaben. So wenig wir Juden in einer sich stets neu formenden Vi elt nur Enkel sein können, ohne die durch Natur und Kultur bedingten Entwicklungsgesetze zu beachten, so wenig werden wir jemals die in der Vergangenheit und aus der Vergangenheit her wirkende Macht der ITberlicfcruug über Bord werfen können, wo sie wahrhaft sittlich-religiöse \\ erte umläßt. Autorität und Bindung sind ims — gerade in dieser Zeit — Begriffe mit neuen liiliullcn und Forderungen' geworden, als Enkel haben wir ein Erbe, das wir freudig angetreteu haben, zu währen, als Ahnen von einst in der -Zukunft wollen wir uns einzig und allein in einer Bindung verpflichtet, fühlen: dureli das sittliche Gesetz der Freiheit, wie sic jüdische -Lehre und Weisheit als letzte Voraussetzung' menschlichen Tuns fordert. * Vor nur liegt das Sonderheft der Blätter des jüdischen' Frauenbundes zum Gedächtnis von Bertha Pappciihcim. Das Antlitz einer in ihrer inneren, seelischen und geistigen Haltung als fast einmalig nnznsprerhciidcn. Frau steigt noch einmal oir lins auf. Und lebendig wird Wirken und Sorgen dieser wahrhaften Jüdin, die ihre Aufgabe entsprechend der Tiefe ihrer jüdischen Überzeugung nielil nur auf ihre Gemeinschaft'beschränkte. sondern deren Arbeit all drin galt., wofür die Menschen als eine Geiiieiuseliafl zu sorgen verpflichtet sind. Am Eingang zu diesem llrl'lc aber spricht noch einmal eine Frau aus der Ewigkeit zu uns licrühn in einem alle jüdische Innerlichkeit enthaltenden Gebet, einem ..Anruf", in dem sie zu Gnlt spricht, der ihr -kein Gytt der'Vergangenheit" ist, Sündern „ein Gott der Allgcgrnwart”. der verlangt, „daß ein jeder beweist. Kraft vnn seiner Kraft zu sein, zu ilun hinauf zu streben, andere mitziircißcn. zu helfen, mit allem, was der Einzelne vermag." Kann jüdische Gotterkenntnis, jüdisches Gotterlelien. das Einswerden vnn Gott und Forderung tiefer gedarbt, inniger geformt werden. aLs es in den Worten dieser jüdischen Frau geschieht, deren Arbeit seihst ein Vermächtnis zu sein berufen ist und die 'Alme sein wird für neue Geschlechter, dir seihst fest wurzelte in dein was ewig ist im Wechsel der Zeilen? « ’ Ahnen mul Enkel! Das Wissen um die vielfachen Aufgaben unseres jüdischen Seins ist ein Teil imserer Lebenskraft, liier sind die Wnrzelii riir unseren Bestand über die Zeit lind über die Gegenwart hinaus. Daß dieses jüdische Leben immer wieder vnn neuem Opfer fordert. Opfer, von denen das Heldentum-aller jüdischen Generationen in .einer Jahrtausend alten Entwicklung kündet, das hat uns unsere Gesfhiehte gelehrt. Aber daß diese Opfer gebracht worden sind und immer wieder von neuem gebracht werden müssen, nicht für eine kleine Minorität von Menschen uuf diesem Erdball, sondern fiir letzte mul liürhste unvergängliche Vi erte, das ist u n sc r-Glaube und u n - sere-Wahrheit. . In einem kleinen polnischen Dorfe wurde miLtcu im Miiariw-Gchct ein Jude erschossen. Auch dieser in der Öffentlichkeit kaum beachtete Tod eines Einzelnen bat.'wenn er fiir Uns einen ..Anruf" bedeutet, seinen tiefen Sinn — er wird uirlil umsonst ge-, wesen sein. — Reichsvertretimg wird erweitert : Almen und Enkel! Mau hat in den letzten Jahren so oft und so viel von einem -Gencrationcnproldcm" gesprochen, von dem inneren Gegensatz zwischen den .Mensehen, die -den Berg überstiegen haben", und denen, die erst zur Hübe .wollen. Im Judentum ist. \venn man dieses Wort gebrauchen darf, das Generationenproblem ein ewig zeitloses geworden. Wir Juden sind, als Gesamtheit und als Einzelne. Almen und Enkel zu gleicher Zeit. Blut und mit ihm Geist unserer Ahnen kreist in uns. Träger sind wir einer dureli die Zeit geheiligten Tradition eines Vermächtnisses. Von dein wir glauben und wissen, daß wir es in alle Zeiten weiterzugeben haben. Das Sclnna'Jisroel hat lür uns keinen anderen Klang als es für unsere V äter und \ orvä'- gehabt bat. Aber gleichzeitig wirkt und schafft immer wieder in uns der Lebeiisrhvlhmus einer jeden Zeit. lockt uns zu neuen Ufern immer wieder ein. neuer Tag. Was wir. ererbt, erwerben wir. um es zu besitzen, alter in diesem Erbe liegt auch die Verpflichtung, dem unerbittlichen Zwang der Entwicklung Hcchnung zu tragen, neue Formen für alte ewige Wahrheiten zu suchen und zu finden mul dort weiterzubauon. wo einer früheren Generation ein Schicksal »las Werkzeug aus der Hand genommen hat. Das' ist das Große . und das ewigen Bestand Sichernde im Judentum, daß.cs als sittliche Forderung vom Urbeginn an abgeschlossen immer wieder nach neuen Wegen für sein Wirken suchen muß. und daß. um den Ausdruck eines modernen Juden einmal zu gebrauchen, eine jede jüdische Generation vo'n neuem vor den Sinai treten muß. Es ist ein großer und beglückender Gedanke für uns. daß wir unserer Väter nicht mir aern. sondern mit Stolz gedenken dürfen, daß wir uns freudig als Enkel bekennen dürfen. Aber gerade .desw egen dürfen wir auch um so weniger vergessen, daß wir einst auch Almen sein werden — für 'kommende Geschlechter! W ir haben in den letzten Wochen verschiedene- ‘DK* PrejH-hdb* iltT!lrii*h»\erti:*t;ing leill mil: Wir t|rr jiltli-riirn UflYnt!iibk<il bekannt. «ami .-ril längerer /ril Vorarbeiten im Gange mit <|rm Zirjr, der \rbeii «Irr IbrieliJ-wrlrriimg im lutere—r «Irr G»*-nmlheit «Irr .IimIm» in Drut-cldaiid .eine immer I» r r i I e r e. C r ii n tl I a " f zu erben. In rinrr Tagum: «Ir- Orgauwilinu-au—ehti—«■-. dir am 12. Anen-t uulrr Leitung geschafuffibreudru Vor-it/rnden «ln* Urb U-- Vertretung. Mim-lrrialral i. H. Dr. Otto II i* r.- r Ii . -tatHiiud. sdnd die-e Bemühungen nunmehr zu rinn« erfoigmelin» AI», sehlul.' gelangt. Drn in «Irr Tagmi" ncTaUtru Bcsrhlii—rn. «llr wir in ihm« wirbt ie-ten Punk len n jYderg«,"«,ben. liefen folgen«!«* Gedankengümre zugrunde: Dureli eine stärkere rbemahme der Yrrantwnrfiui" an den Arbeiten «Irr Ileieh-verlrclmig dureli neue Mctiseheu. vor allem der ./.ioui-ti»« hrn lb‘u«,»»HU!'. -«dir». «Ile Kräfte der jiidG«‘h'*u Gemeinschaft in Driit.-rldaud mit gh,irlu*n'* Beeilten und Pflichten in gemeinsamer ArbWt vereinr'l uerden. Dir Y‘*rbi»dumi der Rei<*b»vertruimi!! mil d«*n j fi «I i s «•!i e n G c m e i n d e n u n tl L a n <1 r - v r r l> a ti «I r %\ h»U im!ntrrr--r ''iiH'r orjiani'clirri /M-amnK‘nf;r^iin^ ii«k*1i rnjrrr yr-iallrl werilm. / ur Cm^rtzmi'j «lir-rr ('.«‘danlumuanür in or«aiii-aH»n-«*lie Iwrriuni uurilrlt«>«'h!o^-cii: 1. Der Pra-idialau-ndiiilA «ler Hri«)i-\rrtrrtiiim wir«! dureli Hinzu tritt von vier /i«»iii-t«*ii und «*uie- «Irr OrlluHloxK* auL'eliön*ndeu Herrn erweitert. 2. Der l>i-Iirri»r »t‘>r!iuft>frilirrndv \ or-if/rndr- «!»*r /»*>ni-tiselicn Yerriiii«iui^ für Deut-rldand. Dr. Franz Meyer, tritt in div. (ir>rhaft>ffihrun*4 der Hcirli-vt*rtr«:Uiii'4 um «*inr Beilie 'vii’liliiirr Sarh^diictr teils .«clb-tämli'r. teilin >iäudi^er /ufcamineiiarbeit mit dem Yor.-itzemlen d'1, Prä-Jdiaian—cluis-r>. Dr. Otto IIir-«,li. zu iil>emrnm«-*ii. * ‘K Fwird Wn ..II a t bei der ii r i cli-verlrtl u n •S‘i »rbiblrf. dn* au-, 2'i .Mil^li« «lrrn l»r-trbl. Kr -«‘tz.t -«'« Ii ain Ii» \Vr-’ trvlern der C.an«|eh\rrbrm«!r und G«*m«*in»b*n. ]»* viurm \vrtr«*ter de- .liidKrli»‘ii (!eulral\ <*r<*iiiH, «lei jüdi-«*b«*r!• rotil - Mildairu und der Zuiiii-li>eliru \rrrini»uii” fiir l)riil-*«iilan«l. M»uir fünf direkt bemfrinm Prr.t«nili«'bkrijrii zn-miimrii. Der Hat .-«dl in allen ^rundsrdzli«,b*,n Fra^«*n ««dmrl urr«|ru. In Franni. ilir «Im* Srlb^tvrrwahimj' «l«*r I.audr»\rrln“iiMl** ihhI (»«•- iiirinilni brnilir« n.. xdl j-rinr Ziiilimmun^ rrfonb rln li m iii. Kr >«»|| ferner «He Kinanz^'dialiriin^ der Hei«*lu*\erli,ehiii*» ubrruai'liea und »emeiii^am mil «Inn P^ä-KlialaiiH-j liuU <»!»«• r \ fra'jen «ler IleiYItsurlrelun^ lii.-rldietteu, künfli^ dir Mil^linlfr «Ir- Prfi-i'lialaiii^rbtioHCs wählen und den. Ilniidialt «Irr Itrieli*- vertreUiu^ freist um. -S'um: wirbti'^-le Auf^afu' winl .duriu l»e- .-t«*bru. der «ii’ren Zufaiumenarbi’il «Irr H«rii*li-\erlr«*tiiii}; tmt den I.:mde>\«*r!»üo«!«*u -mul (»••inciudrii zu dienen. Di«: KnndeHverlmmle werden in'ibrem Gebiet für i|i« Dtiiebfübruu^ «Irr lb**chlft«*e «Irr Il«;i«'b-\erlretmi" .-or»en. Die Executive des Council lor. German Jcwry London. D«*r (ioiundl for (ierman .lewry «il»t «lie KoiMliluieniii^ -einer Kx«*eoli,<* in fn)üeiid«‘r Krklr^rmi^ iH’kaunt: 'Za lle«iiin .«Ii« -!*-* .fahre» wurde eine-zur Wieilcr- .-rtAhaflmaeliiui" von •liulen au- Deut-iddand in anderen Kündern eiii*'e|eilcl.~~fc> wnnlcn Vereinbarungen über rin geuirin»ame..- \'os'"eb«'ii dureli «fi«; jinliM-Iim (iein<‘ftiM‘liafli*n Cin^brifaiuiien- «md «b*r Vereioiutei» Staaten mul für «lie Km-*:|/ung eine» f<ir Germau .lewry mit «lern .Sitz in London gelr«»ffeii; «lem \eilM-HT «ler .)n<lenliejt|’ü lnid«*r Länder angeliüren sollten. Die Sammlung von Mitlehi. in bebli'ir f.iindeni iimi die notwcniligen Ji«*hriue zur Durrbfrdirung «b> Programm* deY CWitniciln gelieu .-either aktiv vor m«*Ii. Amrli die Konstituierung «ler Kxe«*uti\e «Ir* wurde vuri!<‘iii)iutiii:ii. fiir Krgebni» i*t <Iafo|grnd(*-; Kngli«elie Vcctia:ter: Sir ILwIhti Samuel ^Yor-it/ejiiler . I^ortf Hear*\P'd. SifOnnond «I’A'i^tlor (i«»bl-tni«l. Sim«m -Mark- und Dr. .Cbuini Weizmann. 399 9