Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 33 (12.8.1936)
- Date
- 1936-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Was ift ein Traum? Von jüdifchen Träumern und Traumdeutungen -j— Gute und fchlechte Träume Moderne jüdifche Traumdeutung Schlesinger. Karlen, auf Inhaber ausgestellt, nur bei der Verwaltung gegen Ausweis und 10 Pfg. Steuer (Sybelstr. 9, 10—1 Uhr und 4—6 Uhr) erhältlich. Aus der Bibel sind jedermann die Traumdeutungen v«m» Joseph und Daniel }>ekannt, und mun weiß auch. «laß .b»«rph rin Träumer genannt wurde, denn er seihst hatte ja detr merkwürdigen Traum, der ihm den Huß der Brüder zuzog, und «lumi den er 'dann indirekt Vizekönig von Ägypten wurde. Vtrilcirht lag etwas Vererbung darin, denn auch sein Vater Jakob hatte* den wuijdervollcn Traum, der ihn dazu uuscrMih, der eigmilidm Stammvater von Jisrocl zu werden« Jakobs Traum und Josephs Traum, die Trauimleutuugcfi de> Joseph tuul des Daniel hul»cu viele künstlerische und literarische Darstclhuigen gefiui<leii. J)as Geheimnisvolle des Traum» hat l>ci allen Völkern mystisch«? und davon abgeleitete alx?rgläiibi->«'ln* Vorstellungen erweckt."'Die Seele trennt sieh hn Schlafe von «lein Kursier, wandert in der Welt herum, sieht nie geschaute Dinge, . blickt in ferne Vergangenheiten zurück- und vermag hinter dm Schleier der Zukunft zu se.lien. Nicht immer ist der Truum klar und verständlich: im Gegenteil! Kr verbirgt hinter seltsamen Bildern und Bbuntasmadogien das, was nur ein Kundiger zu enträtseln vermag: der Traunultutcr. Kt» ist ohne weiteres liegreiflich, daß findige Menschen--sehr früh darauf kamen, daß aus der Traumdeiitcrri ein Geschäft — und gar kein schlechtes — zu machen sei, aber fast cImuiso rasch meldete sich der ehrliche imd strenge Cc,sclzgcl»cr.- um dem Unfug zu steuern, der mit der Ijrirhlglüiihigkvit der Menschen getrieben •wird. Vor allem waren es die f a I s e h e n F ro jrli e t e n , die nugchliclie Traume hatten und daraus weissagten; zumeist in der. Absicht, «las Volk zuin GülzciKlicnsl zu bringen, «leim der phlisdic Glmdte war ihnen für ihr Gewerbe nicht günstig. Gewiß: auch die wahren Propheten halten Tniumgcsichtc — al>cr aus ihnen deutele sieh immer nur der Weg zu Gott. So licißt es im 4. Buch .Mose, Kap. 12, Vers G: ..Höret denn meine Worte: Wenn euere Weissagung der Ewige ist — in der Krscltcinung tue ich mich ihm kund, und im Traume rede ich mit ihm/* Aber gegen -die falschen Träumer und Traunuleuter reden die Propheten eine scharfe Sprache: „Demi als«» sprüht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Daß euch nicht berücken euere Propheten, die in euere Milte sind, iiml euere Wahrsager, daß ihr.-nicht* höret auf euere Träume, die ihr träumt.“ (Jeremia Kap; 29,8.) Zacharias TKap. 10. 2) donnert: „Demi die Terapliim reden Nichtiges, und die Wahrsager schauen Luge, und dir Träumer reden. Kitles — mir Duust ist ihr Trost!** Und an einer anderen'Stelle sagt wieder Jcreinia (Kap. Id. 2.1): „Ich höre,-was die Propheten. sprechen, die in meinem Namen weissagen: Mir hat geträumt! Mir hat geträumt!“ Bichtetc sieh die Abwehr der Propheten in der Hatiplsa<hc gegen die falschen Propheten, die «las V«dk durch Hokusjmkti» zum Abfall verhüten wollten, so sagte Moses all«* m_Abrrgl;ml>rji * einen schnrfcn Kampf au: Israel sollte gläubig. nlx*r nicht «l»crgluubiscli sein. So lesen wir im .1. Buche Mos. Kap. 12.2—G: „Wenn auftritt in deiner Mitte ein Prophet otler* «hier, «ler Träume bat, und gibt dir ein Zeichen o«Ier Merkmal, m> gihniclit Gehör den Worten dieses Propheten «nler «lemjenigen, «ler Träume hat. Demi der Ewige, euer GolU will euch versuchen, um zu erfahren, ,oh ihr den Ewigen, eueren Colt, liehet mit ganzem .Herzen und mit ganzer Sech*. Alwr jener* „Prophet-oder jener, der Träume hat, soll getötet werden: «leim Abfall hat er geredet gegen den Ewigen, eueren Gott.“ Alierglanlien. Zauberei. Wahr- Uagcrei sollte nicht geduldet werden in Israel. Ist jedoch der Aberglauben aiismltbar? Wer glaubt ni«*iit au gute oder böse Tfäiime? Und die Traumbücher? Es gibt eine sehr große Anzahl von ihnen. Als ältestes wird das «Io Artcmidnros genannt. Der Mann lebte im zweiten nuclsrliristlii'ltci! Jahrhundert und war .selbst von Beruf ein Trnumdvutcr. Mehr-al» dreitausend Träume"deutet er in seinem griechisch gi^chriebenen- Traumbucln*. «las als VorliihJ «liente für die meisten später verfaßten Werke über dieses Theuut. Aber, wie erwähnt, der erste TraumdrtiUT war er keineswegs. Im Talmud ist bendts an vielen Stellen von der Traumdeutung dir Iledc, und zwar in einer Weise, «laß «luvon wie von einer längst liekannten Tatsache gesprochen wird. Aufgefallen ist «len jüdis«*Iien Schriftgelehrten «ler \Vi«k*rspnich bei den olicii zitierten Bibclstrlli*u. Wenn in dem einen Vers (1. Mos. Kap. 12,6) gesagt wini: ..Im Traume .rede ieh •mit ihm“ (dem Propheten, spricht G«ill), und Zacharias sagt: „Die Träumer reden nur Eitles, nur .Dunst“, so wird «liesrr Wulerspnteh von Rahhn dahin zu erklären versucht, «laß «Üc guten Träume «lurch <411011 Engel, die bösen Träume al»cr «lureh eine» Schcd (einen Dämon) konunen (Berachot 5Gb). "Rabbi Jnrhmmn war «1er Meinung, daß dreierlei Träume in Erfüllung gingen: der morgendliehe Traum, «ler Traum, «len andere von uns* träumen, und der Traum, dessen Deutung man _ inittruunit. Nueh anderen au«h der Traum, der sieh wiederholt. - (Berachot ibid.) Aller unter den Talmudgelehrtcn gab es mehr, «lie von «ler gauzcu'Träumerei und der ganze» Traumdeutcrcl ni«hts hiclten,- Interessant ist die ganz moderne Auffassung des Itnbhi Nmdunmi. Der Traum zeigt «len Menschen nur solche Dinge, sagt Hahlii i\iicliman,| an «lic der M«m»ch öfter denkt. Buhba bemerkt hierzu, das l»cw<4-e wlion «ler Umstand, daß man nie von einer g«iklcnen jDattdpalnie träumt*, oder von einem Elepnanten. der durch cini Nadelöhr gehe.. Habbi McTr hielt überhaupt nichts von Trimim*n und meinte, sie nützen nichts und schaden nichts . (Gittiii 52ja, Sanliedrin 50 a. Iloraj. 13 b).'. Amüsant ist diV Geschichte, des Traumdeuters Bar Hadin. der je m rh Bezahlung «lie Träume gut oder schlecht deutete. Lud «laliei|soll licides in Erfülhmg gegangen sein, (?) Hubbu wollte ihn auf di«* Probe stellen und erzählte ihm einige . ganz üble Träume, gal» ihm alicr keiu Geld. Bar lladia prophezeite darauf «lic schrecklichsten Dinge. . Nach einiger Zeit ging Habba wieder zu iiiiu, imd wieder waren cs gehr böse Träume, die er zu lH*ri«‘htcu wußte. Diesmal aber bezahlte Habba. Und siche da: jetzt deutele Bar lladia «lie Träume gan^ anders: Gesundheit, Ikichtum, Jiohc wissenschaftliche Ehren stünden Uabba bevor... ■ Berachot 51a.) , Die Kunst, Träume zu liecinflusscu, ist ebenfalls uralt. "Auch die neueste Wissenschaft beschäftigt sich damit, und Experimente nach dieser UichUmg haben zuweilen erstaunliche Hesullalc gezeitigt. Mit Hilfe des Grammophons und durch kleine Maschinen, die gewisse Geräusche hervorliringen, oder Apparate, die Dufutoffc verbreiten, vermag man den Traum eines Menschen nach einer bestimmten Richtung zu. lenken. Die Vorbedingung ,des Traumes, de» Schlaf,..zu erzeugen, gelang einem jüdischen Arzt,- Dr. Salomcm, der einen kleinen Apparat konstruierte, dessen eigentümliches Geräusch schlaflosen Personen die ersehnte Hube brachte. Die wissenschaftliche Traumdeutung ist mit der Person des Begründers der Psychoanalyse, Prof. Sigmund "Freud, verknüpft. Die Analyse des Traumlebens, besonders die Idcnlifizienmg gewisser Träume als Enthüllung versteckter Wünsche, verdrängter, überhaupt verliorgencr, aus dem Gebiet des UnlH:wußten durcli den Traum deutlicher gemachten Empfindungen, hat durch : «lie Fmidsehe Traumanalysc zuweilen seltsam auimitcnde K(ariii4tcn gebracht. Ol» es »W uh r t r äu me gibt? Warum soll unter tausenden von rräumen nicht auch einmal sich einer zufällig bewahrheite»? Und dieser; eine ist daiui das Hüstzcug für neue tausend abergläubische Leute. König David sagte: „Die Träume kommen von Gott.“ Schiller läßt de» Franz Moor sagen: „Träiimc sind Schäume. Träfcmic kommen aus dem Bauch/* Der Prophet Zacharias erklärt. Träume seien nur eitler Dunst, und ein altes Opcrctlcnlicd beginnt mit den Worten: „Es war nur ein' Traum — flüchtiger Schaum.“ Also: Was ist ein Traum? I Dr. B. Sch—f. I KLEINE MITTEILUNGEN Das Jüdische ßPmlrnjalirhtirli 5697, hrrnusgegeben von ‘der S«*lb.stliilfegruppc «ler jüdischen Blinden in Deutschland, ist soeben ersihiencn. j Es bringt Berichtevon Blinden über ihre' Tätigkeit hu Haus, im Büro und an anderen Stellen, Aufsätze über die Beziehungen; zwischen Sehende» und Blinden, über Benifsmöglirlikoite» von Blinden. Ein statistischer Aufsatz über die jüdischen Blinden in jDeulM*liland ergänzen diese Selh.slsehühlenmgcii «ler Blinden. Audi «ler literarische T<41 ist von Blinden bestritten und enthält ein«?; psychologisch sehr interessante Erzählung sovv;ic eine Hcihc echt 1 empfundener Gedichte. Das Jahrbuch wird zum Preis von -j-.9B HM. -durch die Wrtriehsstclle der Selbsthilfegnipp«* der; jüdiVfrc» Blinden in Deutschland. Berlin SW* G8. Schülzeustraße 52. versandt.. : 1 * Die Juilfsdie Religionsgcmcimlc Charlottenburg. Stliublraßc 7. teilt mit, «laß die Plfitzcvennictmig nur am Sonntag. 23. und 30. August in der Zeit von U bis 13 Uhr in der Svnagosestatt-. findeti * Die Jüdische Privatr Musikschule Jlollacnder veranstaltet am 25. August, ialn'uds 8 Uhr, in der Aula der Joscph-Lchmnnn- Srimle, Joacliinisthnler Straße 13. einen Wcrbcabend unter dem Titel: ,.M u i k im Alten Wien“. Mitwirkende Lehrkräfte: Susann«* Landsberg Holkiewier), Paula Saloinon (Lindberg}. G«*rtnnl Wertheini, Werner Fabian, Wilhelm Giittmann, Werner Lywcn, Wolfgang ljose. Einleitende und verliindcnde Worte: Dr. Anneliestj I.aiuhui. Begleitung der Gesänge: Hermann Ludwig THEATER, KUNST, LITERATUR Der Jüdische Kulturbund»! l?u y c r 11 hat im Bibliöthcksaal der Münchener Kultusgcineinde eine Schau —von Gemahlen, Radierungen, Schnitten und Plastikcu jüdischer'Künstler Bayerns eröffnet. * Das J üdischc Ku ft urbunüt heute r Dresden plant für die kommende Spielzeit die- Aufführung folgender Stücke: ..Tageszeiten der Liebe“ von Dario Nieodcmi, „Dame Kobold“ von Gulderoü-Uofmuimsthal. Molnurs „Große Liebe“ und Midiere» . ..Tartuffe“' m der Übersetzung von Lujlwig. Fulda. Das N e w y o r k e r J ü d i s e h e * K u 11 s 11 h c a t e r unter Leitung von Moris Sehwartz, das in der Wiener Rolandbühne gastierte, bat sieb init einer Aufführung von Percz5 Drama ,.I) i e golden 0 .K e t t c“ vci*abscbie«let. * ..Serenade i n S c h 5 111» r u 11 n“ lautet der Titel inner neuen Operette von Paul Abraham, zu der Haus Jaray und Felix Joaebimson das Huch geschrieben haben. ltoszy Bursouy und Oskar Karlvvcis werden in kommender Spielzeit im Theater an die Wien die Hauptrollen in einer Neubearbeitung «ler Operette „Mamzell. Nitouchc“ spielen. * - Der Sender Hilversum übertrug ein Konzert aus Schcveningeii, indem Fiit/.i J«»k l unter Leitung von Johann Strauss' Enkel mitwirklc. * Der 1929 verstorbene Prager Lyriker Hugo Sulus wäre in diesen Tagen siebzig Jahre alt geworden. An seinem Ehrengrab «ler Stadl Prag wurde aus diesem Anlaß von Freunden des Dichters ein Kranz mvtlergclegl. * Als glücklichen Abschluß der Spielzeit veranstaltete der Kulturbund für Os t w e s t f a 1 c n und angrenzende Gebiete (Sitz 1 lerford) in den Ausclilußorten Bielefeld. Detmold, llanuu, Herford. Minden, Münster, Oldenburg, Osnabrück. Paderborn und Jlhcda einen „Heiteren Abend“ mit Karl Ettlmger („Karlelien“). Ettlingcr trug eigene Dichtungen vor uni fand durch seinen schlichten und beseelten Ton von Anfang au Jeu Kontakt mit dem Publikum, das für die Darbietungen dankbar war lind ü1»erall ehrlichen Beifall spendete. <$otk8i)i«nlte in den Synagogen mit neuem Ritus Freitag, l 4. A u g u s t. Ai>ends 19 Uhr. Prinzregentenstraßc, 19.15 UhiVDr. Brasch.- Hermann Falkenbcrg-Synagoge : Norden, Schönhauser Allee 162, 19.15 Uhr: Lövvcuthul. Osten, Kaiserstraße 3U, 19.3U Uhr: Graf. Nordost, Prenzlauer Promenade 176. 19.31) Uhr: Goctz. Westend. Kaiserdamm 78. 19.15 Uhr: Zifuel. Weddiug-Heinickendorf,' Triftstraßc 63. 19.30 Uhr: HoscuthaL Jüdische Religionsgemehvde CharloUcnhurg, SchuUtr. 7, 18.30 Ihr: Dr. Pfingst. Synagogenvcrci» Weißensee. Lotliringerstraßc 22, 19 Ulir: .M«?yer. Jüdische Bcforriigemeinde, Joaehiiusthaler Straße 13, 18.30 Uhr: Dr. Hdscnthal. Sonnabend. 15. August. 10 Uhr. (Neumondweihe.) Fasanenstraße: Dr. Galliuer. Lindcnstraße: Dr,- Salomohski. Frie- «U*usteni[i^l: Dr. Warscliauer. Neue Synagoge: Dr. van der Zyl. Lützovvstniße: Dr. I^’vrkowitz. Srinnargeiulorf: Dr. Sill>erslein. Frühgotles<Iienst: Lindenstraße und Lcvctzowstraße: 7.30 . UJir. llcrmami-Falkcnbcrg-Synagoge Nonien: Löwcnthal. .Osten: Graf. Jüdische Rcügiousgrmeinde (.harlottenlmrg, 9.30 Ulir; Syiiagogenvercin Weißensee, 10 Ulir: Meyer. - Sonntag. I 6. A u g 11 s 1. Jüdische Hcfonngemeiude, Johaiinisstraßc. 16. 10.30 llir: Dr: .Gottschalk. DIE STADT ISRAELS von PAUL POURTANT Der neue aktuelle Roman Jeder Jude muß ihn lesen!!! 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