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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-08-12 · 33 (12.8.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
33 (12.8.1936)
Date
1936-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Jndifdie Jugend in Paris I* r i < f für die ,.J üd i s c li <* Allgemeine" AugiM. Vergeblich w ir«I man liier jiulisvhcn Jugend suchen. vv i-»- Pari», im nach großen .Manife.**lalio;i«*ii d«*r imm sic von Deutschlandh«*i* ««•wohnt ist. Die l.iirinlicilliiJikrit ist der erste und einzig«: «luuaktctislische Zug unter der jüngeren G«*ucraU«iu der hiesigen Judeiiheil. E* sind nielit so sehr Sprachsihw icrighril«*n. die einem ngeien Komux hindernd iiuWege stellen*, vielmehr ist -m erheblichem Maße die beträchtliche gi'.-cll-chaftlicli«* Differcnzicrmig für den mangelnden Zusammenhang und das Fehlen einer eigenen Prägung verantwortlich zu machen. % Dazu kommt weiterhin der Mangel einer gemeinschaftlichen Arbeite- und Lcheusforui wie sie ein großer. Teil der jüdischen .lugend in Deutschland in dem Kuhmen der .Jugendbewegung fand. Das P-f o d f i li d c r i d e'a I sti llt in dieser Beziehung zw ar einen gewissen Ersatz «lar, hat aber doch nicht die gleiche .Kedcntung und einigende Kraft. Freilieh muß anerkannt werden, dal' die Er!aimin> Israelitcs de Franc«: zahlenmäßig einenicht unUcträehtliehc Ihdle unter ileu jüdischen Jugendorganisationen spielen. Sndauu sind sie die einzige bedeutendere Jugeudorguiiisatiim, die. Mitglieder aus allen Schichten der jüdischen Kevölkcmng von Paris hat. Vom jüdischen GcM«*1itepimkl aus ist di«* Linie, die diese Pfadfinderorgauisatioii verfolgt, nicht ganz klar. I)cr einzige Punkt, filier' den Einigung zu bestehen seheint, ist dir Inlen-ivicning des jüdischen Lelicns. Was aber darunter zu verstehen ist, das hleiht im wesentlichen den Untergruppen (groupes locan.x) überlassen. Da hängt cs nun ganz von «Irr Persönlichkeit des Führeres ah, ob die Erziehung seiner Gruppe Im Sinne des Liberalismus oder der Orthodoxie*, unter starker Ilrtnuung der Bindungen an die französische Zivilisation oder mehr «»der weniger zionistisch «lurchgeführt wird. Tatsächlich Ix>lrh<*n alle diese. -Schattierungen nclicucifinuJer, ohne si«*li g<*g«*us<rilig zu Moren. Allen Gruppen gemeinsam ist «rin eigenes Daus im Westen von Paris. Es wurde erst yt»r etwa einem Jahr erworben und weist alle. Erfordernisse cin«*s - in ö d c i* u «* n J u g e n d li e I m s auf; Der Verwalter übrigens der sieh allgemeiner Reliebthelt in allen Kreisen «1er jfuli-chen Jugend von Paris orfmil. stammt aus der jüdischen Jiigcodbmwgimg I)cutsclilan«ls. Dies«rs Heim. «las aueli filier kleine Versammlungsräume \«*rfiigl. ist auf «lern besten Weg«* zn einem modernen .jüdi-ehen Zentrum im Weste» um Paris zu werden. \ on den Pfadfimli’m .abgesehen. lH*scliränken sieh die jüdischen Jiigeudgntpprn in d«*r Auswahl ihrcrt Mitglieder meist mir auf bestimmte Kreise, die geMrllsebaftlirJi und landsmanuschafllicli nhgrgrenzt sind. Den Massen d«*s immigrl(*rteu Ostjudentums steht «lir* verhältnismäßig kleinere Zahl «Je> eigen!liehen französischen Judentums gegenüber. ' Line kurios«* Erscheinung unter d«*n Grupp<*n d«*r frauzösiscfijfnli-chrn Juueit«! i-( «I«-r Ihmd .11 nach Israel“. An seiner >|»il/x* steht der .S'hriftetcllcr Pascal Tiienianlys. S«*iu Einfluß M i> v«»r allem, -der die mystische Seile des Judentums in der . WU-tL dieser Gruppe hervortreun läßt. Man begeistert .sieh dort für -die |<le«'iiw«‘lt «Ir*. (* it a s s i «I i s m u s , was um so bizarr«*!* wirkt.- ah da- Außer«* der Mitglied«*!* so ganz und gar nicht zn •h*i» Hihi«* paßt, damau »i«*ii im allg(*uu*iucii von Chassiditu macht. Ganz ander* i-t «ler t narakter der Jugendorganisation der l ti i o i» Li I» r r a I «• I s r a e 1 j t r*\ «l«*r ...I «* u n «*sc Li b i* - r a I e Isra i*li l r*'.. Der iuf«*gralc llalionali-nius «les Itabbiners l»*r liberalen Gemeinde, Louis G «* r in a i n - L <• v v . findet si«*u fii*ili«h «hirl ni«*)it wieder. . D«*in n«*«lürfuis na«*h <l‘*n Werten <l«*s Irralioiialcu wird auch in dieser Gruppe, vreilgchciul Unlmtm*: »i'lragru. Eine ganz.* Ihiln* hi«liff«*icnler junger Meiis«*Iu*n 5m »IuitIi die Almo-phan* der Jcmiessr Liberal«* wie«|cr zu hciyiißlcn •hnh’u geworden. Dies liegt niehtzuletzt' an dem starken personli«*hei: Xii-aiimieuhaug unter d«*u Mitgliedern. «;i* natürllcli mir «hirrh -dir kb*mr Zahl Menschen «*nn«“glirht wir«l. «li«* in «ler I lauplgnippe Aufnahme finden. Es wml dort .-sein* svstemaiis«*hc jüdi-clv.* BiMmigsnibrh g«*h*isi«*i. deren l'rficlite auch «len Mitgliedern der .Ifmgeivn-Gnippr zugute kommen, «lie «)ur«*Ii ihn* führe r in «Irr. Jhmptgnippt* vertrete» sind. -In «lu .-er Organisation sind außer französischen Miiglirdrni auch Element«* des «Iciiterhcn mul d«*s svphardischen .luilentums vertreten, während die besondere g«*s<*lls«*Iiaftlichr Not«* der Jeuncsso Liberale «*s mit si»*li bringt, «hiß Jugciullichr aus «)>t jüdischem Milien' ihr iiis jetzt wenigstens nicht atigeliörlrn. pt- Zw«*i Studirnkiei.-«*. .Arnos1' mul. ..Jahne*1, v<*rf«ilg<*n eine ähnliche Hildimgsarbcti. olme si«*li «Iah«*i zur“ lili<-rnl«*n Idee zn bekennen. Di«* Arbeit, «lie in «liescn V«*reniigiui;icu geleistet .wird, ist zwcifrlsohnc von IhiIiciii Niveau; al>cr alb* diese Gruppen zus-.umne« crl:i-sen tn>«*h keine :ötH) Menschen. Sie -Mellen also ‘ M’lli«l unter denfranzösischen Juden nur eine 'unbedeutende Miudrrhcil «lar. Dir akademische- Jugend vor allem ist jüdischen Dinge« gegenülhT vielfach miUffereiil, obwohl * ihnen Erlebnisse aut «ler Universität allen Grund geben müßten, sieh dafür zn interessieren. Anders sieht es freilich bei «ler .lugend' der eingcwamierteii Kreise ans, wo «las jüdische. Leben intensiver ' ist als bei den französischen Judeu. Linr fülle von Jngendvereiniguniieii <*xisticrt . in diesem Milieu. N<*u«*n*n Datums ist die Gründun"- von 1 Ieelmluzgruppen, die die «Einwanderung ans Deutschland, zum Anlaß hatte. Aber auch andere jüdisch«* Weltorganisationen sind mit iliren’Jugetidgruppcti vertreten. Auch eine zionistische Gruppe „niau-W cißu besteht, di«* alwr mit d«*nt elicmaliucn Ihmtl gleichen Namens in Deutschland nur den Namen und das zionistische Programm gemeinsam hat./ . f Ucmerkenswerl ist eine gewis-c Sprachverwirrung, die man \jelfach xorfindet. Dieser spraehlidu* Partikularismus ist um so bedauerlicher, als er-den Meimmusaustan-ch mit anderen ein g«*w änderten Gruppen — wenn auch nicht gerade hindert, so «loch i keinesfalls anregt. Es ist xerslfuidlich, daß «iiek-r Partikularisnms und der Mangel «ler Zusammenarbeit eine Folge der zahlrei«*hen Immigrationen ist, die die französische .lu<!eulit*it Im Laufe der letzten 30 Jahre erlebt hat. Sollte es diesen Elementen vergönnt sein, sieh in Fraukreiih zu konsolidieren, »o wird sich daraus notwendigerweis«.: auch!eine größere Einheitlichkeit und eine verstärkte Zusamnicn- «h*r jüdischen Atiswaiiderung. Jüdische \rcrfasscr berechnen, ^laß y.wccks Lösung der Judenfragc* in Polen die Zahl der jüdischen Auswanderer ja)irJi«*h 100 000 erreichen muß ... Infolge «ler lK*grenzten Möglichkeit einer Auswanderung nach Palästina müssen für die Juden neue Auswamlcruii-gs. Länder gesucht werden, die cs in U her sec bestimmt gibt. Die Arbeit der jüdischen Organisationen, die die politischen, und wirtschaftlichen Interessen der Juden repräsentieren, muß -darauf gerichtet s«*in, auch andere Auswanderung?Länder ausfindig zu machen. Der Weg zu neuen Gebieten muß der jüdischen Emigration hauptsächlich durch diejenigen' Länder eröffnet werden, die an einer teilwcisen Lösung der Judenfrage interessiert sind und deren Holle in der Weltpolitik es ihnen ermöglicht, das ganze Problem einer praktischen Behandlung zuzuführen. | Brief aus Uruguay i Montevideo, im Juli 1936. \ oii den Mldamerikauisehen Luiulmi stellt L ruguay an den Kinwan«Ier«*r aus Dcutscldand «lie geringsten Anforderungen. Es gelingt im allgemeinen ein Vorzcigegeld von 600 Pesos, um in den besitz des Einreisevisums zu gelangen. So ist «leim die Einwanderung;ou Juden aas Deutschland in ständigem Steigen bcgriff«*n. Jedes Schiff bringt 20 bis 30 solcher Auswanderer, «kmmter viele aus Sfiddcnlsehlaud. Eine Vertraucnsstelle «les 11 i 1 f & v <* r <: i u s «ler Juden in Deutschland bcfimlet sich liier in Montevideo mul nimmt sich der Ankommenden mit Kat uiul .Tat an. AHenlings ist der Berater des HUfsvcrcms seihst erst kur/«*, Zeit im Lande, kann also die Möglieltkeiten vor allem im j c funnii «les Landes schwer uhersehen. So beschränkt er sieh zuuäeh-l nur auf GeUhintcrslüt/.ungen. Die' B <• r u f s a u s s i e li t e u j-iud nicht ungünstig, und manche Einwanderer haben es schon recht weit bringen können. Je«h*r, Handwerker, insbe-omlcre Sehuhmaclier, Tischler, Sehneiiler und S«*hlosscr kommt verhältnismäßig leicht, allerdings zu sehr geringen Löhnen, unter, liier wie überall in Südamerika wcnlen «lie Angestellten schlecht bezahlt. Aber die Lebetisvcrliülluissc sind auch günstiger als in den ‘europäischen Ländern. In «len übrigen Berufen ist für «lie selbständige kaufmännische Initiative «ler.. größte Spielraum gelassen. Drei Worteder spanischen Spnn*h<* sind iuerl«*i für den Einwanderer vor allein wichtig: muiiaüu =_ morgen, dc.spalo langsam und pntieneia Geduld. All«*s geht sein langsam vor sich, und der Europäer kann sieh nur s«*hi* schwer an die ganz«* Art des Anfschieliens und Verlrösteus gewöhnen, wabesonders für Stellimgssueliende eine schwer zu Iösrnde Aufgabe ist. A on Akudciuikern wirel im allgemeinen «lie Abi«*gung von Examina verlangt, vor allem für Arzte. Solange mau seine «leutsehen*Mark in Pesos umreehnet, ist da» Lehen hier sehr billig. Ein Pfund Rindfleisch kostet 10 Pfennig, ein lluhii (»0 Pfg.» Obst, Mandarinen. Apfelsinen sin«! unvorstellbar billig. Gemüse gibt es jetzt wenig, weil hier W'inler ist, «ler soll in den tinhcr/harcti Wohnungen oft unangenehm bemerkbar macht. Um eine Wohnung zu mieten, muß man im allgcim iiu n «lie Miete für sechs Monate hinterlegen mul außerdem zwei Fmpb’hluugcn l><‘ibriiigen. überhaupt braucht.man zu allem, selbst ■ zum Mieten eines Gasherdes, K<*f<*renzciK wie überhaupt " llczieliungeu und Empfehlungen in Südamerika eine weit größ«*re Bedeuliuig lialn*u als audersw«i. Voir den Leuten, «lie mit uns zusaimiu*n hirrln*i* gekommen sind, hat «*r?t einer eine- Stellung g«*fumh*n, bei «’iner Firma, an «In* er empfohlen war. Er verdient 60 Mark im Monat, wovon man als einzelner .Mensch ganz gut l«*b«*it kann. W ie -lange die •'mistigen EinwatnlerungsviTbfdtnisse imeh andauern w«*rd«*n. weiß inan nalürlieh nieht und mau füreiilet. «laß au«*u l rugiiny «lern. Rei-picl Brasiliens mul (diiles in absehbarer Z«*it Soluen wird, wenn die* Einwanilermur in die-«*m Stil«: auhält. Auf der Suche nach neuen Auswanderungsländei*n Mas*enaiisv»a:uh‘nmg als Mitt«*l zur Brhrlmng «ler wirtsrliaftltclicn! Jmlrmml Ein Artikel «ler ..Gä/et(a PoKksi” Warsrlum. Di«* ..G.tz«*Ma INdska" mpl aiulerc einflußi*ei«*he Ornaiu* des K«*^iermigsla"«*rhaben von* der halbuffizielleu Ag«*ulur des AutM*iunini*t«*rimns ..INdska Infonnaeja INditlsza** einen auifdslieli d«*s .lüdis«*lu*u W «*ltkongr«*s.»egi'M’hriebeucn' Artikel fdK*nioimueii, h'n «lern auf die Bedeutung «ler Auswanderung für «lie Lösung «ler wirlsidiaftliehen dudenuol hingewi«*scn wir«l. In dem Artik«*l heißt cs u. aA i Das jüdisch«* Problem i>t in INden, .wie-in «*iner Reihe aiulere*r* Läntler mit «ler sozialen Struklur <h*r jüiliselu'ii Bevölkerung verknüpft; es i-t also «*iu wirlseliaftlteiies und bev«-dkermigspolitisehes Pnihlcm tunl mir in diesem Sitme kann es vermmft- . gemäß gelöst wenlrn. Polen ist relativ üherlwv ölk«*rt. W ir haln’ii zu viel M«*us«*iien in den!Dörfern, wir hahen das Prohlcm einer imgüustigeu Struktur-in IJandol und Industrie, v«ir haben einen Überfluß au unii«*-und«*n kleinen Werkstätten. Vierzig Prozent «ler Juden PoI«*us 'leben Von .llaudel mul Vermittlerlfltigkeit. Außerdem gibt es «*im*n sehr liolien Prozeuteatz Juden in den -freien Berufen. Nimmt mau noch den hohen Prozentsatz von' ..lremllieli Passiven** hei d«*n Jmien liinzu, so ist es klar, «laß «lie andauernde wirtschaftlich^ Krise auch jjie .Inden in Polen treffen mußte, von «lenen nach Ansicht jüdischer Führer «* in«* Million keine g e s u n d «: w i r t s e h a f 11 i eh e Ex i s t e n z b u s i s hat. Die Krise trifft ja \<jr allem jene sozialen Seli»«*hten. «lie einer festen wirtseh'aftlielnvn Grundlage entlK*hrcn. 1 * .'; Alskapiialarmos Land muß Polen eine wenigstens teilweise Lösung;s<*ines lh*\ölk«*rungsprohlems durch (V e rs t ä r k u n g «11* r \ u > w ü u «1 e r u n g -ueheu. Diese Notwendigkeit, die für «las gesamt**j Bcv«"»lkernngsprohlem besteht, bezieht sieh damit auch auf »li«; Jiulen. Die jüdische Öffentlichkeit Polens gibt sieh * klar Keelu’nsehaft fiher die Notwendigkeit einer* \ erstärkmig Das Magdeburger Urteil int ..Fall Baraschi; durch Rciclisgcrlclit zum Teil aufgehoben Die Strafkammer Magdeburg hatte, wie .seinerzeit berichtet, im Februar dieses Jahres .gegen zwei' jüdische Angestellte des Magdeburger Waren haus.es Ba rasch wegen tätlicher Beleidigung, begangen an weiblichen Angestellten des Warenhauses, auf Gefängnisstrafen von vier und ciucm Jahr «'i'kaimt. Die Beleidigung hatte das Gericht in unzüchtigen Handlungen erblickt, «lie die Angeklagten mit .den ihnen unterstellten Mädchen begangen hatten. Da die Mädchen über 18 Jahre alt mul deshalb zu einer rechtserhehlichen Einwilligung in die Verletzung ihrer Geschlechtsehrc imstande waren, narb Lage des Falles aueli eine solche Einwilligung angenommen werden mußte, hatte das Gericht eine Beleidigung der \* a t V r «ler minder- - jährigen Mädchen als der Repräsentanten «ler Fainilieuehre angenommen. Auf Revision eines der lieidcn * Angeklagten, des wegen Beleidigung in drei .Fällcu zu vier Jahren Gefängnis vvv-, urteilten Angeklagten F., hat das Rcielisgeric|it nmunclir, wie die „Frankfurter Zeitung4’ meldet, «las Urteil «ler Strafkammer auf. gehoben und zur erneuten Verhandlung an das Landgericht zurüokv erwiesen. ln der Ücgrüminng wird zunächst der von «h*r Strafkammer aufgcstcllle allgemeine Satz von der Gcmeinsehaftselm* der Familie .iml der sogenannten passiven B e 1 e i d 1 g u n g s f ä li i g ' keit der F a m i I i e n g e m e i n s c li a f t dahin eingeschränkt, daß' zwar die Beleidigung der Ehefrau grundsätzlich auch als , Beleidigung tl«*s IChemauns, -daß al»er die Beleidigung einer über 18jährigen, noch nicht volljährigen Tochter nur unter besonderen Aro r a u s s e t z u ii ge-n als Beleidigung der Familieiigcmeiu-ehaft und als mittelbare Beleidigung des Vaters anzuselien sei. Solche besonderen Umstande seien in dem Magdeburger Fall iilier gegeben gewesen. Zu berücksichtigen s«*i in «lh*sem Zu-äinim’idiang, daß die betreffenden Mädeheu noch unter dem Schutz ihres Vaters in der Familie gelebt hätten, daß «lei*. Angeklagte \ orgesetzier der'Mädeheu, daß er verheiratet uml schließlich, daß er Jude gewesen sei. Diese Umstände rechtfertigten es vom Standpunkt des gesunden Vnlkscmpfiudens, eine Beleidigung der A’ütcr der beiden Mädchen anziuiehnien. Zu einer Verurteilung sei aber weiter orforderhVh. «laß der Angeklagte «las Bewußtsein gehabt habe, die Väter, zu beleidigen. Dieses Bewußtsein sei von der Strafkammer hoch nicht genügend f e s,t g c s t e 111. Irrig sei cs weiterhin,’ wenn die Strafkammer westen tätlicher Beleidigunit verurteilt! und deshalb «lie Höchststrafe für tätliche Beleidigung, nämlich ie y.jvri Jahre Gefängnis zugrundcgclegt habe. Denn den A'ätern der iH'ideu Mädeheu gegenüberkomme mir eine Kundgebung «ler Mißachtung, aber keine tätliche Beleidigung, und also in beiden Fällen ulte, eine l löehstetrafc von je «*iucm Jahr Gefängnis in Betracht. „ In einem drillen Fall,-bei «lern es sieh um rin-volljährig«** MfuU’hen handelte, «las der Angeklagt«: wiederholt geküßt und ge«Iuzt hatte, war vom Landgericht gleichfalls wegen tätlicher Beleidigung «lie Höeh-lslrafe von zwei Jahren Gefängnis zugruudegelegt word«*h. .Das Reichssieriehl bemerkt 'dazu, «laß sieh hei d«*r hfronderen Höh«* der .Streife «ler Zweif«*! aufdräng«*. oh von «ler Strnfknmmer in*m*htet wurde, «laß nh’ht die ganze Beleidigung, sondern uni* ein Teil;hämli<*h «las Küssen) tätlichen ‘Gharakter gehabt habe, weshalb die Streife nieht habe s«> verhängt werden dürfen, als oh nur «*im* einheitliche tätliche» Beleidigung ^«»ruelegen liahe. Abgeseiieit davon sei auzuneluneju «lat' die Streife in diesem Fall auch davon beeinflußt sein werile. welche Strafen in den beiden andern Fällen auf Grund der neuen Ilaiiplveihaiullmig angemessen erseheiuen wfinlen. Das Reichsgericht hat de.-Iialb das Urteil in allen drei Fällen, und zwar in den beiden ersten in vollem Umfange, im drillen Fall liiusichtlich des Strafau*>prueUe«, aufgehoben. Frcifprediung vor dem Sondergcrichl Die Z«*itung ..Die Glocke" berichtet von oitu;r AYrhanvllung vor dem Sondei-gerieht Dortmund, das In Bielefeld getagt hall 'Ein BOjährigor Jude, der ak- Untermieter hei einem Zeugen gewohnt hatte, war eines A'ergchens gegen das Heimtückeg «* m* t z angeklagt. In «lei* Iiniiptverhundiiiug zeigte -ieii, daß der Zeuge allein wegen privater M i <• t s s l r e i t i g k e 11 e n den Ane*'klagi«*n angezei"! halle und d:*r A'orfall anders gewesen war, als der Zeuge ihn in ii«*r Voruntcr.-uehung geschildert halt«:. Der Siaalsaiiiwall heanlragte daraufhin die Freisprechung des Anüvklnglvn. Vielleiebt — m>. führte er nach dem Bericht des Blattes aus — sei der Zeuge um die Miete betrogen wurden, aber «*r hätte ja schon bei «ler \*«*rmietimg. gewußt, daß der Mieter .linh* war. AA’ei sieh heute noch mit einem Juden eiula-se ini.l daun l>eM*hwiml«*lt vrerde,-der habe sich das selbst.zuziisehieUHiu Das Smulergericht habe nur zu entscheide«, ob der Angeklagt«* sieh im Sinuc «les I[eii»tfn kegc*etzes schuldig 'gemaehr’liat. Das Soihlergerielit spraeh den Angeklagten antragsgemäß frei. . Verein zur Mißhandlung -von Juden Gefängnis für Mitglieder einer polnischen Jugendorganisation * Warschau. Das Warschauer Appelhitionsgerieht hat soeben ein erstinstanzliches l rleil, durch das Angehörige, eines nationaldemokratischen .liigemlyen*ins „Zur Mißhandlung von Juden4* zu Gefängnisstrafen voneinem bis zwei Jahre verurteile wurden, bestätigt und darüber hinaus einen Privatkläger, den ß’Jjülirigcu A’ichliäiwUer Feiwel Malar, der ein Opfer der Bande geword«*n war, die ihm von der ersten nfsttmz verweigerte Entschädigung von 200 Zloty zugesprochen. Malar war von Mitgliedern de- Jiigcndbundes, «lie in der Wojwpdschaft Bialystok ihr Unwesen trieben, -.bei einer Fahrt ü!h*i* Land überfallen, so schwer, mißhandelt, daß er drei Monate im Krankenhaus liegen mußte, und seiner Barschaft von 680 Zloty lierauht .wurden.-. Mit Mfihe hatte er sich zuni näelisten Polizeiposten geschleppt und di«* Anzeige erstattet. Auf Grund seiner Angalxm konnten .bald 'darauf 7 Angreifer verhaftet werden. Die Mitglieder des A'creins, «lie -ich auch mit amijüdischer Boykottpiopagandn l*csehüftigu*n, waren zum größten Teil wejrcn Dlcl)- stahls" vorlvcstraft. ln der Verhandlung vor dem Rtalvstoker Kreisgerieht wurde auch festgcstcllt, daß die Angeklagten einen üheriall auf eine in der Nähe von Bialystok gelegene Clinluzfarm geplant hatten.

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