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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-08-05 · 32 (5.8.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
32 (5.8.1936)
Date
1936-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 5. August 1936 •4 ■ . ■' ~f PREIS.25 PF. Nr. 32 / 16. Jahrgang JÜDISCHE AUfilHONi Schrillleitung und Geschäftsstelle: Berlin-Charlottenburg 2, Bteibtreustralle 2. C I Steinpl. 3703. Bankk.: Kreditverein (. Handel u. Gewerbe eGmbH. Berlin H 24. PusUcheck-K.:Berlin25720 — Bezugspreis: RAU monatlich (zuzugl. RM. 0,10 ZeitongsgebOhr and Bestellgeld), bei Streifbaadfersanä tuzügl. RH. 0,30. ZEITUNG Verlag: VerlagsBeaoiaeosbbaft m Deuieoblaad aasieiiger Juden tu Berti» eGmblJ., Bln.-Cbarlotlenlmrg 2, Uleibtreuetr. 2. Auwigeopr.: Die ISgeep - mm*Zeile Rpt. b, (ur bamniendiizeigen Rpl. 6. lur Stellengesuche Rpi. 5 Bei unverschuldeter NichtbelUferaag besteht kein Aotptuch auf Vorgfttua# NEUE FOLGE PER J ö Dl SCH - LI B E R A L E N Z E I T U N G Lehppeidiep Abfltedier Kurzer Besuch in Süd- Afrika I on Di-. MARGARETE EDELHELM I. Freitagabend auf hoher See. Am Tage vorher hat die „Duilio" auf ihrer Fahrt von Genua naelt Süd- Afrika den Äquator überquert. Der erste Stern strahlt am südlichen Himmel auf. Da treffen sich andächtige Juden. Männer, Frauen und Kinder, im großen Saal der zweiten Klasse zum Ah endgeh et. Einer aus ihrer Mitte wirkt als Vorbeter. Sic. alle beten in der Sprache, die ihre Väter sie lehrten; sie tragen das Ilaus ihres Glaubens als unvergängliche Heimat mit in eine neue Weit, wo viele Glaubensbrüder sie erwarten. Die sind zum großen Teil schon' vor vielen Jahrzehnten in die Südafrikanische Union gewandert, fast alle schon vor dem Burenkriege, als Transvaal und der Freistaat. Natal und das Knpland noch nicht zu einer politischen Einheit zusammengefügt waren. Die meisten von ihnen kamen aus Osteuropa, jedesmal wenn politischer..und.sozialer: Druck sie zur Watnk - - rung in die Welt'zwangen. Aber viele kamen auch aus Deutschland, besonders aus Hessen. Ihre Namen haben heute in Süd-Afrika guten Klang. Im Gegensatz zu den früher eingewanderten sephardischen Juden, die ihr Judentum fast alle aufgaben und sich mit der überwiegend niederländischchristlichen Einwanderung ganz verschmolzen. Italien diese Einwanderer ihr Judentum treu bewahrt. Die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Süd-Afrika wird bald ilir hundertjähriges Jubiläum feiern können: denn schon am Vcrsöhnungstage des Jahres 11541 beschlossen siebzehn-'Juden, die sich im Hause von Benjamin Norden in Kapstadt trafen, um gemeinsam zu fasten und zu. beten, eine erste jüdische Vereinigung in Süd-Afrika zu schaffen. Am Sonntag darauf trafen sic sieh im Hause von Simeon Marcus, und dieser ergriff die Initiative und gründete eine Gesellschaft zum Zwecke der „Erhaltung der jüdischen Religion": Tikvafh Israel. Die Herren Slonian, Norden, Horn und Canstatt wurden zu Ältesten ernannt underhieltcn den Auftrag, „to act for the Avltolc body of Jews lierc in all matters having in view th’c cstablishing of jewish religio« in this Colony”. Bald wurde unter vielen Schwierigkeiten der Versuch gemacht, einen Begräbnisplatz l'ür die Juden zu erwerben, doch es dauerte über ein Jahr, nämlich bis zum 6. November 1842. bis endlich das Grundstück gefunden und der.Kauf von der Regierung genehmigt war. Wenige Jahre später wurde die erste Synagoge errichtet. _ _ Von Kapstadt aus entwickelten sich dann die jüdischen Organisationen im Lande. Im Jahre 1860 gab es schön jüdische Gemeinden in Grahamstown, Graaff Reinet und Port Elizabeth. Jede von ihnen besaß einen Bccrdigunsplatz und eine Organisation für die Gottesdienste, aber noch keine besaß ciiie Synagoge. Einen neuen Aufschwung erhielt die jüdische Bewegung im Jahre 1863 nach der Ankunft ' des Reverend Joel Rabinowitsch. Nun hören wir zum erstenmal von. Schochet und Koschcr-Fleisch, von , großen Sammlungen unter den südafrikanischen Juden . für bedrängte Juden in anderen Ländern, vor allem in Nordafrika. Dann kam, nach dem Jahre 1870, die Erschließung der Diamantfelder und der Goldminen und damit die Besiedlung des Whitwatersrandes und : die Gründung J oha n n e s b u rg s. Als Johannesburg zur Stadt erklärt wurde, waren etwa ein Prozent der Bevölkerung Juden. 1883 hatten sich die Juden vom „Rand" zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, ■ aber erst vier Jahre später, als ein Jude am Whitwatersrand starb, wurde es notwendig,. einen Platz zu finden, wo er nach jüdischem Ritus beigesetzt |I werden konnte. Wenige Wochen später, im Juli 1887, bildete sieh die „Vhitwatersrand Gohifields Jewish' Association". 88 Juden trugen sich als Mitglieder ein und erwählten Emanucl Mendelssohn zw ihrem Vorsitzenden. So ging die Entwicklung Schritt für Schritt weiter.' Wenn man heute durch Kapstadt und Johannesburg geht, sicht man große jüdische Friedhöfe, dicht neben denen der Andersgläubigen, an der Peripherie der Städte und jüdische Bethäuser und Synagogen, in denen nach mehr oder weniger orthodoxem Ritus gebetet wird. Erst jetzt wirdda die liberale Gemeinde in den letzten Jahren stark angewachsen ist, eine Synagoge für den liberalen Gottesdienstin Jo hu n nts li u rg errichtet.. Männer von hohem jüdischen Wissen wirkten und wirken als Rabbinen in der Union... Nur zwei seien genannt: Dr. J. II. Hertz, Rabbiner der Whitwateisranrl Old Ilcbrew Congregation in Johannesburg,- der dann Chief Rabbi ries Britischen Empires 'wurde, und Dr. J. L. Landau, derzeitiger Chief Rabbi der vereinigten Synagogen des Wliitwatersramles iuid der Vereinigten jüdischen Gemeinden von Johannesburg. In seinem Hause grüßen den Besucher aiis Deutschland Bilder deutscher Klassiker aus Dichtung und .Musik.. Jp der größten Synagoge von Jolian- . ueshurg wirkt Oberkantor-Alter, der früher im Rheinland amtierte. Zahlreiche jüdische Altersheime, Waisenhäuser, nach den Grundsätzen modernster Hvgiene gebaut, legen Zeugnis davon ah, daß das jüdische Gebot der Zcdokoh von den südafrikanischen Juden gioß/üglg und freudig erfüllt wird. Für die jüdischen.Menschen, die aus Deutschland in diesen Jahren nach Söd-AIVika gewandert sind, ist das starke religiöse Lehen in den jüdischen Gemeinden.' das sieh bis in die kleinsten Ortschaften erstreckt-, ein starker moralischer Rückhalt. Und wenn cs gelänge, einige jüngere jüdische Rabbiner von,liier zunächst in die Klcingcmeinden'nach Süd-Afrika zu verpflanzen, so könnte das für die Schaffung eines modernen jüdischen geistigen Lebens dort und für die Eingewöhnung der Einwanderer von großem Nutzen sein. Immer wieder liest man auch in den Tageszeitungen die Anzeige „teacher,' schochet and cliasan" gesucht, wobei allerdings, nicht drei Personen, sondern ein Mensch für alle drei Funktionen gebraucht wird, denn cs handelt sich dabei stets um so kleine Gemeinden, daß eine Teilung der Ämter nicht möglich ist. In Süd-Afrika besteht also nicht — wie in anderen Ländern, wo der Jude vereinzelt in eine rein niehtjüdischc Umgebung gestellt wird — die Gefahr, daß der jüdische Einwanderer d e m .1 u dcntum verloren geht. II. Süd-Afrika ist hei all seiner Jugend — Johannesburg rüstet eben erst zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens — in vieler Beziehung ein fertiges, geformtes Land. Natürlichgibt es für findige Köpfe noch an allen Ecken und Enden Möglichkeiten, sich in das Wirtschaftsleben ein-zufügen. Aber die englische Gesetzgebung schließt einige Berufe, in denen die Juden häufig sind, fast ganz aus — es gibt z. B. keine Privatbanken, und um an den staatlichen Banken oder an der Börse zu arbeiten, muß man englischer Staatsbürger sein — odersie verlangt Examina, deren Ablegung jahrelange konzentrierte Arbeit und dadurch viel Geld erfordert. Dazu kommt das zwar gute, aber doch fremde Klima, dje fremde Sprache, das Zusammenleben mit den Goloureds oder den Natives und schließlich die völlig andere Mentalität: man kann sic nicht schlechthin als eine englische bezeichnen, noch weniger etwa als eine niederländische, obschon die Buren sehr stark um den Vorrang kämpfen, sondern es ist dazu eben noch die geistige Einstellung eines Koloniallandes,' bestimmt durch den Gegensatz von Schwarzen und Weißen mit der für uns recht ungewohnten Ein- Fortsetzung auf der sASeite Es wird gemeldet: ■ I\ni ..Schwarzen Korps** wird ander. Stimm bcrirlilct. ‘daß David Frankfurter wegen Morde* mit Vorlwdwlu tm dem I.nnde*.grui>i'Cnlriter der NSDAP.. Wilhelm GiiKlInff. in Anfclugcziistaiid.\cr-ct/i >ei. Mil der Verhandlung ,»ei im Oktober; ■ NtuU einem Herein d« - der Fnlbarher Markt In Kr hm Odenwald, wieder *al* j u d e u { r i „Frankfurter VoUotb!«Ue*k“ wird I). der (ifdetileiid-te Markt im \ ierteljahrc!* l‘»3(» »ind i ■ Die Zahl der A r h e i l * 1 » * r n hrtrflgt nach einer Mel-, duug der .Im /.nr/.eil in Tel A w i w filier 2.11)1). Von dic-.ru nind filier 200(1 vah-o!nti; arbriido:..' Am stärksten betroffen int die OunarlMdler.-eliaft, die etwa T» der Arbeitslosen in Tel Awiw stellt, fn Jaffa .-nid infolge der Lbinihen .100 jüdiVfir Arbeiter ■ Wir au* W im gemeldet wird, fand im Tempel in jder Innern Stadt ein uiin Vm-laiid der IsraeliUM-hcn Kultuxgciucitide Wien anläßlich der zweiten Wiederkehr den Todestages «Im Ihtndc-knn/lei* Dollfu»» ein T r a n e r g «U t e s d i « n * t ntatl. Ihmdeskanzler l)r. Srimselmigg, l’itlrrrieiilaiuuiUler Dr. Pürnticr ntul der 'Wiener Itfirgcrineisier halten dazu Vertreter entsandt. ■ Der \Vrhmid »Irr jfidi-rhen £ r i e g h t n i I! n e h - eine Ihieh-kunferen/ der jüdischen Kilcgstr ilm-lmtcr' „m li' l'ilr-- hurgh oinbemfen. an der »bei* 1000 Delegierte und Ollste teilnehmen werden. ■B 0iiiide«|>n'i>t(|eni Miklaluil dem berfilmileii Wiener Di-rni.-ilnlo-rn. Prof. Dr. Moritz O [»|»e n h e i ui, mir WTrksamkeit miiij lv Aiiuu-l den llnfralstü'd \erliehen. I*rof.*".Moritz Optienheiuij ein Hrnder dei’riWdentm der ..t'miin «sterreiehtseher .liihrzehnteii die Diir'iiialulo^i-riie Ahlethiu^ ih’s W iener ,.W lUiel- 3 % ■% Der (h'iieral-taat'annalt von l.nubiml. Str |)0nab! Somervell. hat imeekfiudi«!. ilnO er ein V r r f a liir r n _ »r«rn die ’/eileinleiien werde, iu dmi ^e«en dir luden die lhf-ehuldi»mitf ■ liefen die jtidt-chc )hr\olkernn» hi den Landsfadlrhrit «twf Dörfer» •W’olli y»i<*ii wird ein [jhj;jinßJ%f*r 'IVrror dureh I! r a n d s l i f I tui " e n dureheeffiliri. Tu dem .Städtchen Dl-ra/n'* hei llovvno mhuI 21 jiali-rhe Ilntiser 'iiiedrruehramit wollen. ^Irirhzrili» wurden in K<hL»ih»I II lliiii*cr volltlAmlii;'’ niiileritehrannl. Iti Kostojiol wurde lersuehl, ein jlidiseheH Petro. fciimla'*er zur Fx[»losion zti bringen. Da*. Fetterkonnte ree/it- ■ An dem f n t c r n a I i r>n a I e ii Z « li n fi r z I c k tsu - k »u» re .. der in Wien am 2. August in AnweMiiiIicit dr-»\ Ihnulesjiräsidenten Miklan feierlich eröffnet wurde, nehmen aneli, zahlrewhe hiHlmlrtule jüdische Zahnärzte um fast allen Lflndcril leih V. n. der New Yorker ProfaiMir Dinmam!. i^r. Israel SeUomau- .Uiicago. eine zwanzig Arzte zfihlende (innnH* aiw Palfi'lma unter Führung \on Dr. Ivewin Kjwtein. Jüdifdie HOhere Schule für Berlin iHrfcmuit gibt, fiufreii Vorstand und rüseiitan(emcnwnmnlung der (h'ineiude grtmdsatzlieh l»esehlt)ssCii. in Oerlih eine jQtluche höhere Sehiile, voruii.Hsichtlich in der Art chic» Reformll*e a I g y m n a * i ii m » z» erriditen. Die crfonlcrlichcn Schritte l«*i der StaatMatifsichtfiheliorde wiinlcii in dir NVcge geleitet. Die Sdiilder „Deutfches €efdififltf. K'Sln. Der ..Stadt-Anzeiger“ »i Köln prhrcibt hl einem, längeren Artikel Cd kt die Schilder „Deutachc» Gcsdiäfl“; „Dcutm\ic» (ieschaft“ hicl^ ein Plakat, da» l»U vor kurzem in den SHitmfcnslern vieler Geschäfte za scheu war. Der Zweck, den der I Icratisgeber dieser -Plakate, zur damaligen Zeit die NS-Flogo, damit verfolgte, war klar und deutlich. Jeder dcuLselie Volka- _ dem Kinkmif die Gewißheit li . n Gr-rhäft um ein arisches Uuternehmrn htmdeUc. n solcher Hiuwei» nicht mehr notwendig- Die Aufletzten Jaiirc hat genügt, jeden Volksgenosse« „..unen z« lassen und sich seiner rassischen Vcrngen -m genfilier . seinem Volk wieder bewußt * werden zu _ Der Umweh» Deutsches Geschäft hat seinen Zweck erfüllt. Die Entfernung; dieses Plakates wurde deshalb angeonlnet und ist auch zum größten Teil bereits durchgcführt.“ _ Dem Artikel ist noch zu entnehmen, daß die* Deutsche Arbeitsfront nunmehr dazu Qlicrgcgangeu ist, allen Gcschiften tutd Handwerkern, soweit sie Mitglied der DAF. sind, kostenlos ein Plakat zur Verfügung zu »teilen, das auf die. Mitgliedschaft zur DAF. hin weist. * 299 U C'.iismö24ot nr1^' *■' ..

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