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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-07-08 · 28 (8.7.1936) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
28 (8.7.1936)
Date
1936-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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B E RL I N 8. Juli 1936 Nr. 28 / 16. Jahrqan« JÜDISCHE AUGEHHNE Schriltleitung und Geschäftsstelle: Berlin*Charlottenburg 2. Bleibtreusirjlie 2. C 1 Steinpl. 3703. Bankk.: Kreditverein f. Handel u. Gewerbe eGmbH, Berlin N 2-1. , Postscheck-K.: Berlin 25720 — Bezugspreis: RM. 1.— monatlich uuzüql. RM. 0.10 .Zeitungspehuhr und Bestellgeld), bei StreifbaodTenaod zuzügl. RM.*0.30. Hl p « ü Bf ms Verlttg: VerlagdgeuuHseDscliaft ui-tieutachläad ansässiger Juden tu Berit». eO:ul*II., IUn.'CharN'tifnliurK 2. Uleibtreustr« 2. Anteigenpr.: Dia 12gespmm Zeile Rpl. 3. lür Hainilieiuiuefgen Rpt. «j. für Stellengesuche Rpl. 5 Bei uuverschuldetar NichtheUefoniotz t**teht koiiv Anspruch auf Vergütung NEUE F,0 L G DE J U D I S C H - L I B A LEN ZEIT UN G t Londoner Kopfe Zur Tagung der World Union vom 10. — 13. Juli Claude G. Montefiore Wenn.die hohe, nur wenig gehuckte Gestalt des bald Achtzigjährigen aüftaucht. hat jeder Kreis augenblicklich seinen Mittelpunkt. Der Huf, der dem Neffcii von .Moses Montefiore .vorausgeht, wird durch die aristokratische Erscheinung wirkungsvoll bestätigt. Das Geheimnis der unbestrittenen Autorität liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der sic der Nestor des religiös-liberalen Judentums — nicht beansprucht. Sieist darum so eindrucksvoll, weil sie so wenig auf Eindruck aus ist. Diese Art der Aristokratie vergibt sieh nichts,’wenn sic schweigt, und nichts, wenn sie redet. .Gewöhnlich schweigt Montefiore. W ährend der Diskussionen sitzt er gelassen dabei. Heipiem stützt er den Ellbogen auf den Tisch und legt ‘len Kopl in die Hand, .das Ohr dem Redner zugewandt. Sein ungeheuer junger und zupackender blick hält den Sprecher unverwandt fest. Er hört milden Augen. Zuweilen unterbricht sein tiefes und ruhiges ..Hört, hört!“ das Gespräch. Er darf sogar die ernste Diskussion durch ein Schlagwort entspanne!'., und er tut es gern. Ja. mehr lioch, er darf sieh —- als Engländer! — sogar den Luxus der Herzlichkeit leisten. Seine Begrüßung für die alten Gesichter der-, Konferenz ist die eines Freundes. (Etwas sehr Seltenes in London! Der Engländer ist heim welcome und heim farewell reichlich salopp. Gewöhnlieh vergißt er dergleichen Unwichtigkeilcn. Anders die Engländerin! Der Hevcrend Perlzweig nimmt sieh kaum die Zeit, während er seine unvermeidliche Pfeife von dem rechten Mundwinkel in den linken rangiert, .sein obligates und sehr legeres How do von do? zu riskieren.) Montefiore darf sieh sogar filier den heiligen Komment der englischen Kommcntlosigkcit hinwegsetzen. Der kleinliche beobachtet' wird noch mehr Verstöße-seihst gegen die Konvention des Kontinents feststellen. Aber nur der kleinliche Hcobachtcr, der nicht spürt, daß in der Nähe dieses Mannes nur wahre Größe ihren Platz hat. Die Form gilt nichts, das Wesen, alles. In Montefiore ist ..das Wesentliche“ zur Reife der Lebensform gelangt. ..Der Meister kanu die Form zerbrechen.“ Dieses W ort gewinnt durch solche Persönlichkeiten seinen echten Sinn. — The Hon. I il> H. Montagu Seiner Lordschaft ihrem Vater, L<n.d Swaithliii". verdankt sie den Titel. Sie ist die Seele aller Kongresse. Was diese Frau gemeinsam mit ihrer jungen Sekretärin Phvllis Kahn für das Wohlbefinden und die geistige Zufriedenheit jedes Konferenzteilnehmers leistet, ist unbeschreiblich. Daß jeder‘Gast seine liebenswürdige hospitalitv hei einer Londoner .Familie findet, die sieh um sein äußeres Glück während der, Dauer seines Aufenthaltes rührend sorgt, daß ihm allmorgcndlirh die Einladungen zum lunch, zum dinner. zu den. diversen receptions und parties auf dem Frühstückstahletl serviert werden, ist ihr Werk. Dabei versäumt sie. wie es die leidige Gcpflogen- - heit hiesiger Empfangschefs ist, kein Wort des Kongresses. Voii. Anfang bis. Ende macht sie allen Teilnehmern das Geschenk ihrer gütigen und verständnisvollen Gegenwart. Wie Montefiore ermöglicht es ihr. eine vorzügliche Sprachcnkcnntnis. mühelos jedem Redner zu folgen. Im übrigen ist cs nicht ihre Sache, die Problematik des Gesprächs zu vertiefen. Ihr Wort ist versöhnend und ganz und gar persönlich. Ihre Rede ist stets ein Rckenntnis, mehr noch fast ein Gehet. Das ist cs.-was jeden so unmittelbar anrührt, der sie sprechen hört, sollte er seihst kein Wort verstehen. Was der Mensch unserer gehetzten und unsoliden Situation vergessen hat. wird hier in einem Erlebnis zu einer beinahe banal klingenden Wahrheit: Lilv Montagu ist — in einem ganz schlichten Sinne — ein frommer Mensch. Einfalt des Kindes und Weisheit der Erfahrung'paaren sieh hier zu einer Güte, für die es eben nur ein Wort gibt: Wir heißeirs: f r o m m s e i n. Rabbi Di*. Mattuck; W er diesen überlegenen ehainuan aller roiuidlable-Konfereuzen seinen Hammel: schwingen sieht, durch den er mit ebensolcher bezwingenden .Höflichkeit wie mit höflichem Zwang das Wort y.uschlägl und — ähsehlägt, wo der Redner Zeit und Thema übcrsclircilel; wer Zeuge der CUcrlegcnheit ist. mit der .Maltuck die Diskussion, die sieh zu verlaufen droht, wieder in Fluß mul Richtung bringt, wer \or allem einmal seine unerreiehte Spezialität, ilie meisterhafte Zusammenfassung eines stundenlangen -Streitgesprächs in der ‘ systematischen Folge weniger lapidarer. aber völlig erschöpfender Sätze erlebt hat — vorgetiageni in einem langsamen, fast schwerfälligem Zeitmaß, das seihst den des Englischen nicht ganz mächtigen Zuhörern das Verständnis des Gesagten gestattet —. wer weiter diesen in seinem ganzen 1 lahitus — von der Pfeife bis zu der sorgfältigen Diktion seiner Sprechweise — völligen genlleman als liebenswürdigen Gastgeber in seinem Haus in Hainpstead-Ilcalli keimen gelernt hat. der vermutet in diesem Manu mit den südländischen Zügen kaum die ungeheure Leidenschaftlichkeit des Kanzelreduers. Wenn er mit uiurezähuiler Gestik sein eindrucksvolles j'aeeuse gegen den jeweiligen Gegenstand seiner tcnipei'amentx ollen. Kritik schleudert, daun Tülill man. so muß ein Savoiiarola gewirkt, gesprochen haben. Germaiu Levv Aus ähnlichem Stoff, was das Temperament anlangl. ist der llahliiner G e r m a i n I, «• v v - P a r i Vis er sieh Mir zwei Jahren in London zum XV orte meldete, nahm er sieh nii’lit erst dic'Zcit. das Podium zu besteigen. Er explodierte bereits.vorher. Allerdings nicht ohne einige rührende Vorstellungen zum Schutz des .Mobiliars zu treHVii. Ein Meter hinter ihm (!) liefaud sieh eine gefüllte Wn-serka raffe mit einigen Gläsern. Germmu l.e\y setzte zum Sprechen au, brach ah, machte eine Kehrtwendung.und schob die Karaffe um eilten weiteren Meter zurück. Dann erst legte er los. — EsiStelltc sieh sofort heraus, daß seine Sorge nicht unberechtigt war. Seiue Rede war eine gymnastische Leistling erster Güte aller niehf nur das. ea mi saus dire. Dr. Schulmann 1 i.»l ila.s M;irkr TriniH*raHji*iit nirltl srliirchl \ erlrrlcn. Da ist Italdii S v I) u I m a u ii an.-* Neu York. Kr ist «In* Sccl>or"irr -ri<*hti"cr wohl. «Um* Präsident de* Km.nuiel-Trtupcls' in New York. Seim* Prnliirlrn. die er am SgIiüMh»* hältkann das (icmcindrmiliilicd. das sie versäumt linl. in der Snini- Ia*rs-Aus*rnJ»e der ..New York Times" _na« olcsen. Da*.' er fiielAend und mir mil weni*: . lYeindem Akzeul deulseh spricht. wäre nur llcueis seiner sprachlichen dciialuiiii:. DalA er aJier. wenn er sein Temperament nicht mehr heheirschl . und dazu "ihl ihm fast jede seiner eigenen Wortmeldungen aiifreieliende <*«■: lejreulieit - imeli immer dir deiilselie Sjiraehe beherrscht. ist ein lleweis seiner "Uten Selmle. In der Tal ist er begeisterter Schüler von Treitschke und Fmt«rt/img Stil” Im vierten Jahr Das Winterprogramm des Berliner Jüdifchcn Kulturbundes — Gallfpu-1 der Ilabimali geplant — Eröffnung eines jüdifdien Filmtheater»? Dir Spiclpluugestahmig de» Jüdischen Kulturbünde» i»t in «Irr letzten Zeit Gegenstand einer lebhaften Diskussion »lAust-ii. Wenn »ich bei einer Reihe von Problemen die Kritik geregt und Zustimmung aus Puhiikum»krei.*cu gefunden liat. so beuci»t da» nur das groLV brennende Interesse der jüdischen Öffentlichkeit daran, -dal.» dieses Kultiiriiislruimul so toiil. <l;ilA cs weilest«* Kreise, uumeutlich aus den Reihen der jüdischen Jugend. anlnckl und dir Aufführungen nicht nur zu ,.Zwuiig»vor»t«’lliuigcir' für eine gewisse Allcrssciiicht bedeuten, für Sterischen. die all«*» beifallsfreudig hinnehincu. wenn sic nur für einen Alarm! aus Noten und Sorgen hcrnusgerisscn werden. __ ■ Der Berliner Jüdische Kulturhund gilit iiumuciir sein W iiil r- [•rograiuui tickanut. das wir iiachstclicnd «veröffentlichen. I> hllsl erkcun,’ii, datt trotz der vielfältigen Schwierigkeiten auf den ver« scluedi--listen («ehieirn. die niemand in Ahrcde stellen wird, hei einer zielhewulsten Planung ein ilcpcrloin: zustande gekonimeu ist. .da- Kchlgr.iffc v v r m c i d c t. Ks wäre walirseliciulieli manelie 'Debatte überflüssig gewesen, wäre man schon früher darangegangen. »«dehe Stücke auszuwuhlrii, ganz, gleich, •>!> Jieiterer mler ernsle. Natur, ilie unserer Situation und unser** r l'rohlematik entsprechen. Gelingt es nueh, in ern-ler. um*ulwi gt«*r Arbeit quirlt in ln»zeniening und Darstellung ein gehohem» Niveau zu erreichen, dann dürfe« Dr. Singer und. der Jüdi.-rbc Kulturbund der vierten' Spielzeit getrost eiitgegeiiMdien. In die-em Sinne: N'orhaiig auf! m Der Jüdische Kultitrhucd Hcrliu hat für «lie kommende Zeit folgemht Veranstaltuiigen ang**-elzt: An Schauspielen nach der. Kr-luuffüiining von Molbars_..G ro Ist* Lieh«?“ Jm AngusU und die ..Goldene Kette“ von Percz (September) soll die neue Spielzeit im Oktolnir eröffnet werden mit dem ..Sommernacht » l r a u m“. Die-**s wird die'erst«* gml>*J ilegieaufgal>e für den neuen 01x*r»pielh‘iier Fritz W i s t e n sei». Es folgen dann im Ahsumd von ungefähr zwei Monaten der ..Golem“ von Levih* -Mer s*»eheii auf Veranlagung des Jüdisclieu Kulturliuinle» vom Jiddischen in- Deutsche ül>crpetzt wird), evtl, statt dc»-cn .^ahhalliai ZVi“ von Nathan llistrit/.ki, ferner ..Der General , u n <1 das G o 1 *1“ von Bruno Frank,’ ein Ge*ellsehaftsstück von lleurv Bernstein und ein Volkslustspicl von Schule m Ylcjchcm. toi-l zwar eniwediT .,T e w j ect oder ..Der S c li a t z!i. In der Oper, werden folgende Werke vorbereitet: ..Maskenball" von Verdi, ..Don GioV-anni" von Mozart. ..Don I* a s *| iut.1 *■" von Donizetli. ..() r p h e ii s in dci; L’ n t e r w e I t“ von Offeuhneli. .Mil d«r Kin^lmlieriing und dem Dirigiere« von ..Ihm Gio* . vannl" wird der frühere Frankfurter Oueralmusik<lirektor Han» Wilhelm'S t c i ii h c r g seine 'lYiligkeii heim Jüdischen Kullurhnml Berlin beginne.«. Die A'.iiv>tndiernn«g" und Leitmvg eine.r <h*r ge- 'iiauiilen Opern übernimmt Ibrrlhold S a « «I e r. Im übrigen seliweiten \ erhaudhui2<*u mil **iuig*’n jüiigen‘11 jüdisclieu Ka{H4IImeiHU*rii. mit au der-Oper de» Jüdi-ehen Kulturbundes Berlin zu dirigieren. 'Wfilirend im Juli einige Gc»nngsHoli»|en de» Jüdiselmi Kultur* iimides Operu-Arien und .Duette singen,’ wird der J*eiertagsinoiiat September inu»ikali»eli ahg<’»t*'llt auf jüdische G c * jj n g c . ilie inöglieh»i in Synagogen zelebriert werden s<dleii.- ICin weiiereV Mmial bringt Kaimu«:rimisik. m zwei anderen Monaten sollen S tfoiue-Kon/erie;'unter ,dcr lA’ilimg von Ihm» W ilhelm Steiuhe. stall finden, und zwar Hmfoiiiekmizcrlc mit kla-»i»rhem Programm und einem In.»lrumenlaholish*n, ferner'ist an die Aufführung de» ..Liede» von der Erde*’ von .Mahler gedacht. . ln i jii* in weiteren M« « at findet ein (Ii o r k o n /. c r l unter Leitung von Berlhold Sander statt, vorwiegend mit Gc-umgen jinliseher Kompoiii-teii. Ks'i-t daran geda«*ht, «lie vier Koiizerlinoiiate in Form eine» AlHinnement» /usmiimeiizufus»eu. so dnt& imeli auth*r den Mitgliedern d<‘» Kulturhiiude» ilie Ahweehsler r*‘gelmäBig «lie Möglichkeit hahen. die-M* Konzerte zu l>e»uchrn. Au Somierverauslahungeii wird I ländels« r a e I in ^gyp' len" unter Lehmig von Dr. Kurl Singer und «fie L’rauffülirnng der ..! f a g a tl a ii" von Max Bro«l - Paul DessatK v<»rlM*rcitcf. * Wegen weiter**r Sonderveranslall-imgen tritt «l‘*r Jfi«Jr»rlie- Kulltirhtinii in \ erliaudluiigeii mit Alexander Kipnis. Dein Lipin»* kaja. Jo»rp1i .Schmidt. «Irin Kollier Marionelteii-Tli«’aler. dem Seh;«ispie!-Fn»emhle de» Krdner tnwl Hamburger Jüdischen Kulturbundes. Ein Antrag auf ein längere» Gastspiel. «I«*s h«*hräL»r|i«rn Nalioual-Tliealers Ha hi in ah ist lx*i d«*n Behörden eingcrejrht. Die K 1 e in k u u st hü h n e unter der künstlerischen Leitung von Max Ehrlich wir«! ihr Prf>j!rauiiii g«*»«m<Iert bckamitgfb<‘ii. Die seit vielen* Monaten hetn«:ln*n«*ii Plune für «lie Kinrielituiig eine» jüdi-elieii F i I in t Ii e a t e rs sind Miweic gediehe«, duB nut der Eröffmmg die.»er Veranstaltungen im Herbst gorcehnet werden kann. Q 1 ’ •£

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