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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-06-17 · 25 (17.6.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
25 (17.6.1936)
Date
1936-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Dp. Senator über die politifche Lage Auf der Tagung des Beirats der Jewi-h Agrar* für J)i-ut*.«-Mnnd Ln LngenUati-. in «h-r KhbtrträLV fand Mwiiag Nariunittng 'di« stark lM:su«-htc «r»l«- Tagung d*s Beirat.* d«-r J«-ujMi Ag'*ui*y für DiutschlumI Matt. Si»* gewann ihn» b«-x»ndere Ih-ihutiing «ludurrh, daß Dr. Werner S «• n.a l n r - Jenwilrni, Miiglb«! sin* Exekutive der J«-wLh Agency, «1er sieh aus Anlaß der Ereignen; in Palästina auf der Diin-brri-o uarJi London ziir/cit jn llerliu aufhäU, til»er di«- letzte politi*.« b<- und wiiL-ehafllhhe Entwicklung in Palästina Brrbln erstattete. In .viiurr. n«-giüßmig*-an>pra«-!n-. führte der Vorsitzen«}--, Rabbiner Dr. Jxv> B;t r r U. ». a-;m~. s gelte die WrJiällni-Min Pulä-linu und flu* fh-.-«Ii«Innssi-. «In* durch g<h«iiimL\ol)e Gesetz«^ hcrvorg«-nihn M*b*n, zu l.« gr« ih n. Oer Aufbau Palästinas sei etwas, das die 'Juden in J)ents«'iiland besonders angehc. brrmkrichtigl. «laß der Angeklagte noch sehr jung .ist und das Mädelu-n an der Aiifr<-<’M<-rhn!liing der Vrerhindung Mitschuld In Karlsruhe hatte sieh ein jüdischer Arzt wegen strafharer B e > e h ä f ( i g u 11 g ei n c r «I c u t sch hlü tigen II ausa 11 g e s 14i 11 e 11 vor «ler X Großen Strafkammer zu verantangi stellt«- di<- »rlnm 1935 ihren* DieiM angetreten hatte) nur mit der 'Peinigung der zu seiner Praxis gehörigen gewerblichen Bäume beschäftigt habe. Das Gericht kam aber zu der Feststellung, «laß diese Räume, Wartezimmer, Sprechzimmer und seien: «las Mädchen habe auch Putzarbeilcn verrichtet und ‘■Uh in der Küche zii schaffen gemacht. Nach der ganze« Lage in-hniui, zninal <la «ler Ih-h-Iiriimcnmimster dem Angeklagten die Wi-iirrhi-schäfligung «ler Hausangestellten untersagt habe. Der Angeklagte habe sich dann auch nicht weiter nach der Rechtslage erkundigt und trotz einer Warnung, die bei einer "'Kontrolle ausgesprochen worden sei und bei der auf die Unzulässigkeit der Beschäftigung liingewiesen wurde, das Mädchen noch bis zum 14. Januar in dieser Weise beschäftigt. Er habe damit vorsätzlich gehandelt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, wie der „Führer** mitteilt, zu 3 00 Mark Geldstrafe, hilfsweise 60 Tagen Gefängnis. ' In Hanau wurde ein jüdischer Gewerbetreibender wegen U ass e n 5 eh ä nd u n g zu 6 Monatcu Gefängnis verurteilt. Naen Erlaß der Nürnberger Gesetze hatte er die Absicht bekundet, die Beziehungen zu einer arischen Frau .abzubrechen, halte «ich aber heim Abschied noch einmal gegen das Gesetz vergangen. Strnfmihlern wurde berücksichtigt, «laß das Vergehen 'nur einmalig gewesen sei, strafverschärfeiid, «laß der Angeklagte sieji nicht bdit rrseht habe. . ' ~ ' r sieln-ti Jahren Itcstnii«!. Auch b zuium-lii'U gewesen. ih-mc, so betonte er, >l‘-be man gefestigter «In als damal*, und zwar zahlenmäßig,- wirtschaftlich, im Bewußtsein «Irr Welt und Ix-soiidcrs!m Bcwußls«-iii «h-r Jiph-n der Well. Auch im .Bewußtsein «Irr Jtuh-n Deutschlands habe sich «lic Ib-dentung Palästinas gewandelt. I)i«se Wandlung .sei «li«- Gewähr «iafür, «laß dir Arbeit «erstarkt -wcitcrgrfölni werde. Dr. Senator erörtert«! sodann diY Haltung <I«-r Exekutive mlu-ti sei «bis jüdische -LeJ*en im großen und ganze« fast unbekfm.mert weitergegangen. Das, gleiche gelte von. «len großen jüdischen Arbeiten, ui<* «hin Audiaii «le.s Hafens in Tel Auiw. den Straßenhanteiu \\ olmmtg'projc.kV«*».. Ih r .U-rinnv. »»inte er. IuiIm* die ersten Schlitte zu «Ih-M-r kolonisatorischen Arb«il getan« W enn es mir um diese 40(1000 jüdische» M«-nsrhen ging*’, konnten sie heute «len Frieden mit «len Aralx-rn hal»cn. Aber «ts gelt«*, die Tore .Palästinas offen zu halten. Deshalb ‘könnt: man auf «Ihr Forih-riing nicht ringelten. «Ihr der erweiterten Einwanderung die T«»rc \<-rsehließcn. An die Rrgh-mng seien ihanelie Forderungen Iieranget ragen worden, wie das Verlangen nach Verlegung der Behörden von Jaffa nach Tel Aw-iw. mich Slraßensehutz tuuf IliIfs|H»Iizci. Die Regierung sei zwar allmählich «len' Forderungen «ler Exekutive gefolgt, häufig aber zu spät. Es. hätten siili «hirelt rechtzeitige* Eingreifen ninmlu Verlust«* «rrmcMen lassen. Aber die ScJieduIe s«-i als Zeichen dafür nnzux-hen, «laß die Regierung weiter «*ntm-Ii hissen sei, «len Aufbau Palästinas «hircliznführen. Eine der wesentlichen Frage«, von «1er der Aufbau abhungt. sei das Problem des Z11 s a tu ni e n 1 c he 11 s mit den Arabern. Eine V«*rsrli5rfuiig «ler Gegensätze müsse verhindert werden. Die Frage, oh die Unruhen in Palästina'von langer Hand variiere!- I e t sei«*», verneinte Pr. S«*iinlnr. Aber haelufem sie einmal aus- " gebrochen waren, hallen sieh wirblige politische T,-itsn«-Iicn «*rgel>cn. Zum-«*rst«*n Mol sei eine Einigung «Ie r arabischen Parte irn erfolgt. Aue« halte sieh cm«: nherrasrheri(fe OrguniKitmiisgut- «laran, diese Dinge nii-lit leicht zu n«*hm«*n. Leitmotiv der Arbeit «irr Exekutive, so schloß Dr. Senator, wer«!«* «ler weitere fri«NlIiehe Aufliau «les Latxlcs sein. Die Antwort auf die Reaktion «ler Ereignisse könne ab«*r nur drum eine stark«? sein, wenn die .luden auch vom menschlichen »nd moralischen Standpunkt aus «in Anr«*elit au dem Aufliau hätt«n: tu diesem Sinne halte «lic Erv.i«;hungsarh«-il bereits in der Diaspora zu heginm*». Den! Referat Dr. Senators folgte ein eingehender Bericht Pr. Michael Traulis filier «He Arlnuf <h\c K«*r«n Hajessod. An d«*r si«*h anschließenden Debatte lx*|eiligtcii sieh iiL«I»esomh*rc Rabbiner Dr. Halm-Essen und Dr. Fri«*drb*h Rrodnitz. Die Tagung schloß mit «h-m Appell Dr. Rneeks zu g«*meinsam«r Arbeit am Aufliau Palästina^ Vergclicn gegen die Nürnberger Gefetze Wegen Br-rhaftigung einer arUchcn TTausangestvlRen unter 4.“ Jahren bestraft Bi iiih; des ..Berliner Tageblatt“ zufolge, ein-jfidiseber 71 jähriger Kaufmann äu-i Hamm w«*gen Vergehens gegen «li** Nürnberger G«*s«*lz<* zu verantworten, «ler <*i»ie weiblu he nrisehc Hausangestellte uut«-r «Inn «ese)7li«*h bestimmten Alter hun-h na«*h «lein 1. Januar 19.16 in seini-m Han-hall b«-s«-häftigt lialtc. Pas Geri«-ht venirteiltc «h*n. Anuekla«t«*n zu 6 W'o«’hen Gefängnis iiml einer ' Geldstrafe 100 RM. An-« «h*r y« ihan«Bunu er»nb sieh, «laß «h-r Angeklagte die 22 Jalur alt«* Zeugin vom Mai 1933 bis .31. Pez«ml»er 1935 beschäfliat halte. Shwunle E»«h‘ Dezember. 1935 <’ntln-s«’n. alicr am 3VJanuar erneut eingestellt, w«*il «1er Angeklagte «ler An*ie!il war. «laß die Znnmi nicht tu seinem Haushalt, sondern 11. Januar-sorgte «li«* Pidizci für «Be Entfernung «ler llnnsange-tellten. Der Staatsanwalt führte' ans. «laß cs hei dem Gesetz lediglich darauf njikormne. ob «li«* Angestellte j/j «He Ihmsgrmcins«*haft aufgenommen sei. -Jede andere Auslegung verstoße gegen Geist und Zweck d«*s G«*si*tze«. «las unter keinen Umständen - **ab«itiert wcr<h*u dürfte. lh’r zum Protestantismus ribngefretene Edunrtl Roßner wurde, wie «He Rbein-NSZ-Front in Neustgdt n. <1. Haardt berichtet. \o» «ler Großen Strafkammer «les Landgerichts Landau wegen V< rachen« g«’ge« das Gesetz zum Schutze «les dettf- > e h e n Blutes und dor deutschen Ehre zu einem Jahr Zuelithans yrrurtrilt. Dieselbe Strafe wurde, wie die Justizpri-ssesiclh* Stuttgart milteilti*, \on «Irr Großen Strafkammer «Iik T.amlg«*ri«hts Ravensburg ülter den. 29jfihrigcn Reisevertreter \lfu*«l Kaufnuum. «l«*r in Kenntnis «1*^ Rlutsclnitzgesctz.i's einige Zeit hindurch mit zwei driilsehldütigcn Mädchen intimen Verkehr gepflogen hatte. \«*rliätigt. Zu acht Monaten -Gefängnis wurde nach Meldung-«!«'* ..Freih<*il*.knnipf‘: m Dre.««lcii «Icr 23jährige . Ludwig Rarmh verurteilt. «h*r trotz der Xinubrrgrr Gesetze im WVgen Vergidicns geg«*n «la*- Bliit>«*lmtzg<*setz. halte .«ich. wie dem ^..Rerliuev lag'-ldim - -,«1-. llnnihurg l*cri«hl»*i wirdd«*r Verkehr mit einer 32jährigen Niclitari«*riu fortzusetzen, unterhielt er diese lh*7.i«*hüngen weii«*ihin. Da* Urteil lautet«* auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. — Milder lag der Fall eines 22jährigen Ruef. «ler als Sohn eines franzosi-elien Vaters in Basel geboren, in Deutschland' tmfgewaehse» ist und. di*n deutschen Gesetzen untersteht. Dieser Angeklagte hatte zwar schon im Jahre -1935 einem arischen Mädchen den A b s c h i c «I s b r i e f gc*rhricl>cn. spater aller. «Ich Verkehr dennoch'weiterhin fortgesetzt. Bei dem auf «-ine G«?fängnisstrafc von 15 Monaten lautenden Urteil wtmlc li<»kali<-i'iuiii in Ppzvtik Erfdiültcpnilc Zcugenausfagen Radom. Im weiteren Verlauf «les Prozesses wegen «les Pogrom» ir. P r z y t i k vor «lern Krelsgcrieht in Radom wurden grauenvolle Einzelheiten, erörtert. Aus einigen Aussagen ging hervor, daß die' Exzesse in dem Augenblick begannen, in «lern «li«* Kireheugloekcn Sturm läntetei^ Von vielen Zeugen wurden brutale Rohhcilsaklc beschrieben, die die .Menge ver.- übic. Besonders erschüllernd waren «lie Zcugcnberielile über Mißhandlung der kleinen Kiiider. jü<Iis<-licn Sdmsters Josepli Minkowski, der mit seiner Frau bei «lern Progrom den Tod fand, als Zeugen vernommen. Die Axt, mit «1er «las Ehepaar Minkowski ermordet worden war, lag auf dem Gcrirhtstisch. Der lGjährigc Gabriel Minkowski, der" bei dem. Pogr<uti schwere Verletzungen erlitten hatte, erkannte unter den Angeklagten alle Teilnehmer an der Ermordung seiner Eltern. Der 14jährige Hirsch Minkowskigal» etne «letailliertc Schilderung des Überfalls auf .s.*i» Elternhaus. Die Mörder, erklärte er, hätten die Retten aiifgorissen, um die drei Kinder zu suchen. Der Zeuge hatte l**i der polizeilichen Untersuchung alle Teilnehmer an dem Überfall erkannt und erkannte sie jetzt bei einer neuerlichen Konfrontierung wieder. Dir Gegenüberstellung wurde mehrere Male wiederholt und jetlesmnl erkannte d«.*r Junge die immer wieder anders gc? kleideten und au anderen Stellen dos Saales aiifgestelltcn Mörder wieder. Der Gjä^irigc S a m u e 1- Minkowski wurde hei der Vernehmung auf eine Bank gestellt. Auch er war schwer verletzt worden und lag wochenlang im Krankenhaus, -Er gab die Namen aller Mörder seiner Eltern an, wollte sich aber nicht uindrelien, um sie neuerlich zu identifizieren. Das Gericht beschloß, die von dem Juuu.cn hei der Polizei ahgcgchcuc erste Erklärung als gültige Zeugenaussage aiizucrkenncu. Insgesamt wurden Iß Jmlen, unter ihnen 11 Pocromopfer, als Zeugen vernommen. Sie -zeigten ihre Wunden und Narbeu, vi«-Ie trugen noch Verbände, einer berichtete, daß ein Ilnligaii FasM-mcn Kilometer weit ihn mit der Axt in der Hand verfolgt Italic. Als der uatinnohicmokratischc Führer Kowalski, der hei dem Prozeß als Vertchligcr fungiert. beschimpfende Remcrktmucu filier «li«- jüdischen Zeugen machte, w*urde er von dem Vorsitzenden. Richter Bohknwski, zur'Ordnung genifen: ..Hier findet“, sagte «in Richter. ..nicht ein Prozeß gegen Polm mul Juden statt, sondern ein Prozeß gcg«*n Personen, «Ihr verschiedener Yer-. hrerhen ahgeklagl sind. Es ist noch zu früh zu sagen, ob «ler Baun- Wieszniak' wirklich von .Tinlrn gelotet wnide. Wir haben jetzt filier «las Schicksal von 57 Personen zu entscheiden. Diese Tatsache sollte besser gewunli^l w«*r«lcn. als es du reit Sie^ gescliichj.“ Der Abs«hhiß des Zengenverhör.» wird für -Mittwoch, den 17. Juni.-erwartet. Nach dem Zeugenverhör soll der Gerichtshof im Itadomer Pogrom-Prozeß einschließlich der Verteidiger, einen Lokaiaugensehein in Przytik vornehmen. Die Zeugen sollen angeben, > von wo aus geschossen wurde. Es soll auch die Stelle feslgestellt werden, von der ans «He Kinder des Ehepaares Minkowski die Mörder beobachteten. Die Mitglieder des Geriehtshofes werden bei dein Loka[-Augenschein von einer Polizeiabteilung begleitet werden, die die Ordnung sichern soll. Von den am Freitag vernommenen'Zeugen-wurden sehr widerspruchsvolle Aussagen gemacht. Dagegen behaupteten alle fibnehtstimmcmJ, daß die Juden die Polen geschlagen hätten, während die Bauern keinen Juden ungerührt hätten.. Doch, mußten die Zeugen auf Fragen der Richter zifgebcn, daß von den Nationaldemokraten ein anlijüdisehcr Boykptt getrieben wurde, wobei Bauern, die voll Juden kauften, terrorisiert und die gekauften Waren vernichtet wurden. Die Zeugen, «lie am Sonnabend gehört wurden, waren mit den Angeklagten durchweg verwandt oder' befreundet. Sie behaupteten, die Angeklagten seien wohl während des Pogroms in Przytik gewesen, hatten sieb aber an vier Mißhandln»!! von Juden nicht beteiligt. In einem Falle mußte einem Zeugen, der darauf bestand, sein Freund habe keine Juden geschlagen, vorgelialtcn werden, daß der Angeklagte dies selbst gestanden habe. Auf «lic Frage des Vorsitzenden, warum gerade an dem Tage der Unruhen so viele Bauern nach Przytik gekommen seien, wußten die Zeugen nichts zu antworten. In «lern vor dem Bezirksgericht in Opoczno durcligeführten Prozeß gegen 20 Angeklagte, die im November 1935 in Odrzywol sieh an blutigen nutijüdischen Ausschreitungen beteiligt haben, wurde das Urteil gefällt.' Das Gericht verurteilte' zwei Hauptangeklngte zu eineinhalb Jahren Zuchthaus, 15 Angeklagte zu Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr." Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Wie weiter gemeldet wird, wurden auf der Landstraße beim Eingang in das StäiUehen Minsk unter den Rauem Flugzcttel verbreitet, in denen diese aufgefordert wurden, an den Juden für «lie Ermordung des Sergeanten Bujak Rache zu nehmen. Der Starosta, «ler vou .einer jüdischen Abordnung auf diese gefährliche Propaganda aufmerksam gemacht wunle, versprach, die Agitatoren dim-h" Geheimagenten verhaften und die Flugblätter boschlagnelmicn zu lassen. Am Freitag Nachmittag haben scelwr Soldaten des in Minsk-Mazowieclc stationierten Ulanenregiment Zerstörungen in dem der Ztpora Grünstem gehörigen Laden für Erfrischungsgetränke ungerichtet und'den jüdischen Gast Hcrsch Matuszcwski schwer verletzt. Sie wurden verhaftet, eine Lnt«rsuchuue: ist ciiigcleitet. Außerdem wurden an einer anderen Stelle der Stadt zwei Juden von polnischen Soldaten mißhandelt. Es wurde fcstgcstellt. «laß hei den letzten Unruhen insgesamt 7000 Fenster jüdischer Häuser zertrümmert wurden. Jüdifche Angcltellte in arifdien Gefchäflen Aus der R«*ehlspreehuug «1er Arbeitsgerichte zur Frage der 'Entlassung jüdischer Angestellter sei eine kürzlich ergangene Entscheidung <lcs Laudcsarlitriisgcrichlcs in Halle crwälmt. die sich darüber äußert, ob bei Umwandlung eines jüdischen Gcseh alt cs in ein arisches Unternehmen, die judiM-hrn Angestellten zu «iitlassen sind. In der Entscheidung heißt es, «laß "das Vcrblciln*» eines Angestellten in einem Geschäft mit «Irr arischen o«ier nichtarischen Eigenschaft des Betriebes nichts zu tun habe. Die Firma vertrat «lic Auffassung, daß wegen «ler Umwandlnm: des Geschäfte* in einen arischen" Betrieb die Entlassung des jüdischen Angestellten betriebsbedingt ist. Demgegenüber stellt das Gericht f«*st, daß der Staat eine materielle BenaeiHciligunü der Nichtaricr bewußt vermieden habe. Es gälten für die wirtschaftliche Betätigung der Juden nur die durch Gesetz oder Anordnungen obersirr Staats- .oder Parteistcllcn fcstscK'lzto Beschränkungen. Es sei aber nirgends bestimmt worden, daß die Beschäftigung von jfnlisrhcn Angestellten in arischen Geschjillen gnuulsätzluh unzulässig ist. Rci Einwirkungen von «Iriller Scile"auf «lic Firma sei diese verpflichtet, derartige Einwirkungen abzuwehren, da sie den Anordnungen der maßgcltcmlcn Stellen widersprechen. ffi Sa 32 36.) -• Wegen mangelnder Aktir-Legimitatlon abgewiefen Eiiie^ Kla^c jadisefter Katiflcute vor dem Danzigcr Olirrgcriclit Danzig. Vor «lern Zweiten Zivilsenat «les Obergcrii*hts in Danzig wurde ein Proz«*ß verhamleli. bei dem cs sich dämm hamlellc. oh rinz«-hujfnlische Kauncute zu einer Klage befugt M-h-n. wenn jemand aus NVcltans«hammgsgrimden dazu auffordcrtc: n 1 c li t li <* i J u *1 c n 7. n kaufe 11. Der Vorgang, der zur Klage' führte, ist folgender: Im August 1935-war eine Zcitlang in den Schaltcrräumcn «ler Alls e meinen O r t? k r a n k r n k"a s s e in Danzig eine Anzahl kleinrr runder Klebezettel angebracht, «lic die Karikatur eines Jmlrn mit «ler Aufschrift ..wer bei Juden kauft, ist ein \olksverräter“ zeigten. Mehrere jüdische Geschäftsinhaber in Danzig vertraten die Ansicht, daß sich diese Aufforderung auf den- Klcbez«‘tteln gegen sie auch im einzelnen richte und strengten eine Klage auf U11 t e r 1 assu n g an. Ihrem Anträge wurde vom Landgericht in Danzig stetige gehen. Gegen dies Urteil erster Insranz legten die beklagten A orsiandsmirülicder der Allgemeinen Ortskrankenkassc Berufung .ein, über die mehrfach verhandelt wurde. In diesem Prozeß spielte die Entscheidung des Gerichtshofs im sogenannten „Kairoer Judenprozeß“ fwo.es sich um 'einen ähnlichen Fall .handelte) eine Rolle; der damalige rcichsilcutsclic Vertreter Prof. Dr. Grimm (Essen) hatte sich auch zu dem Danzigcr Prozeß in einem Gutachten geäußert. Der Zweite Zivilsenat «les Obergerichts prüfte daher in erster Linie, ob die Klager überhaupt befugt seien, die Klage zu erheben." d. h. ob sic die sogenannte .,Aktiv-Legitimation“ bcsäßcu« .Das Danzigcr Olicrgcricht kam zu der Entscheidung, «laß sich einzelne jüdische Knnficutc nicht für die Gesamtheit der jüdischen Belange cinsctzcn und klagen könnten. Nach der Entscheidung wäre die Rechtslage anders gewesen, wenn die Klägerauf den" Klebezetteln namentlich genannt worden wären, oder wenn sich aus ihrem Inhalt ergeben hätte, daß gerade nur diese Kläsrr boykottiert werden sollten. Das Danzigcr Obergericht wies daher die Klage w e g c n m a n g c 1 n d e r Alctiv- Le 2 i t i m‘a 1 io 11 a b. Eine Anfechtung dieser Entscheidung ist iia«-h Danzigcr Gesetz nicht möglich. Franzößfclic Fafeliiflen ehren jüdiTeilt* Frontkämpfer Taris. Die; faschistische Vereinigung „Fe u e rk r c uz“ (Croiv de feu) kündigt für nächsten Sonntag eine Gedenkfeier für die gefallenen jrnii?ehen Frontkämpfer an. . Tn der Einladung zu «fieser Gedenkfeier heißt cs: Die Vereinigung ..Fciicrkrcuz“ bekräftigt auf diese Weise ihre Achtung aller religiösen Bekenntnisse und ihre Abneigung gegenüber ’Haßdoktrincn. «In* der Eintracht unter den Franzosen abträglich «in könnten. Die Direktion- «1er Israelitischen Tauhslnmmen-An*lalt. Bcr- Iin-Wcrßcnsec. s« mlct «ms in Ergänzung ^c? Artikels in Nr. 21 über die Entwiekjutis der Anstalt und "ihren Begründer folgende Mitteilung: Der 1884 von Markus Reich begründete Verein ..JediMc Ilniini“ (Frcmjdc der -'Taubstummen) mit etwa 4000 Mitgliedern besitzt und cvhült seitdem die Anstalt. Der Zweck «ler Iieitlen anderen genannten Vereine, «lic jetzt unter dem Namen ..Selbsthilfegruppe «ler jüdischen Gehörlosen“ über 400 Mitglieder zahlen, umfaßt die gegenseitige Förderung der Taubstummen in materieller un«l geistiger Beziehung.'

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