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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-06-10 · 24 (10.6.1936) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
24 (10.6.1936)
Date
1936-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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BERLIN Nr. 24 / 16. Jahrqan« IO. Juni 1936 JÜDISCHE ALLGEMEINE Schriltleitung und Geschäftsstelle: Berlin - Charlottenburg 2, Bleibtreustraüe 2. CI Steinpl. 3703. BanKk.: Kreditverein f. Handel u. Gewerbe eGmbH, Berlin N 24. Postscheck-K.: Berlin 25720 — Bezugspreis: RM. I,— monatlich izuzügl. RM. 0,10 Zeitungagebähr und Bestellgeld), bei StreifbaodverssQd tuzügl. RU. 0.30. V erlüg; Verls|iit<noiMQiclia(t tu Deutschland suiAniger Judeo tu Berlin eGuibll.. ino.-Cbarlottenburg 2. Bieibtreuitr. 2. Anteigeopr.: Die I2gwp mm - Zelle Rpb 8. für Famillensnzeigen Rpf. 6. für Slellengesuche Rpf. S Bei unversebuideur NiobtbeUefernng hesubl kein Anspruch nu( Vergfttoiui N E (JE FOLGE DER JÜDIS CH - LI B ER AL ENZ El T (J N G Zwilchen 35 und Was wird ans der Zwifchenneneration? weise 'auch nn anileien Stellen "eseliieht — in geeigneten Fällen eine ilen Verhältnissen des Petenten entspreehende Gelmhr Tür reelitliehe oder ärztlielie Jfe- __ trejiung tVhohen werden könnte, ilie dem Arlieilslieselmri'nngsronds zuNießl. (>7 Zuschüsse der Gemeinde an PrivalHnlerneliiniingen lür die Anstellung älterer Angestellter. - Ein Notruf Von Dr. MANFRED MEYEH Wir "eben der folgenden Zuschrift zu einem brennenden Problem Baum, ebne uns indessen mit. ihr in allen Punkten zu identifizieren. Eine besondere Tragik will es. daß bisher am wenigsten getan wurde für die durch den Umbruch in Not geratenen Menschen über 35 Jahre — also diejenigen, die seit mindestens 10 Jahren in ihren berufen gestanden und der jüdischen Gemeinschaft nicht niir finanzielle Hilfe gewährt; sondern^ häufigdaiüher hinaus sielt durch Einsatz ihrer Persönlichkeit zu ihrem Aufbau bekannt haben. ' Dieses Geschick wird noch verschlimmert durch die Tatsache, daß. auf diese Weise die jüdischen Altersklassen allmählich zu Wohlfahrtsempfängern werden, während der Staat diese Altersschicht,' soweit " sic arisch ist, als die .wertvollste Grundlage seines Aufbaues erkannt hat. Und mit Hecht! Denn diese Generation verbindet theoretische Ausbildung mit Praxis, Weltanschauung mit Lebenserfahrung, sic steht auf der Höhe ihrer Tatkraft und bildet so die wichtigsten Fundamente der Gemeinschaft. Aus dieser Erwägung heraus erscheint Helfen' Pflicht —: nicht aus Mitgefühl, nicht aus dem religiösen Gebot der Zedokoh, sondern aus der Erkenntnis, daß die bedrohte Zwischcngcncration zur Erhaltung der jüdischen Gemeinden notwendig ist,,mögcn diese Menschen in Deutschland oder sonstwo in der Well, bestehen. - Aber keine Hille aus Wohlfalirtsmiltehi! Denn die Wohlfahrtsunterstützung kann hei der. Beschränktheit der hierzu zur -Verfügung stellenden Mittel nur eine zusätzliche Hilfe bedeuten. Vor allem nimmt, aber ilie Unterstützung dem Empfangenden'.das Hcstc: das Gefühl der Entlohnung für eine geleistete Tätigkeit: dafür läßt sie ihn seine Ausgesehlosscnhcit aus dem Arbeitsprozeß des täglichen Lehens um so deutlicher fühlen. Die W ohlfahrtsiinterstützung macht die Menschen stumpf, kleinmütig und .verzweifelt. Und es ist nie gut für eine Gemeinschaft., allzu viele Verzweifelte in ihren .Reihen zu ' wissen. kann, sollte d m für ihn nicht unbedingt notwendigen Arbeitsplatz einem gleichwertigen Arbeitsuchenden eiuräumen. 2. Nur ein einziger Verdiener in der Ehe. Verdient von eitlem Ehepaar einer der Teile genug für den notwendigen Lebensunterhalt, so sollte der andere Teil cs für seine moralische Pflicht halten, seine Jlesehäf :igung aufzugehen. In besonders gelagerten Ausm beanspruchten alimefällen sollten die zu 1. und 2. betroffenen mindestens die Hälfte der Erträgnisse des. Arbeitsplatzes einem von der Gemeinde zu unterhaltenden Arhcitshescluiffungsfoiuls Zufuhren. 3. Ersetzung der Auswandcrungsfähigcn durch ältere Arbeitskräfte. Die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, den Stri zü regeln. Mit m der Auswanderung nach .Möglichkeit Hilfe der hierfür zur Verfügung stehenden Mittel muß die planmäßige bevorzugte Unterbringung der jugendlichen Kräfte im Ausland nach erfolgter Umschichtung möglich sein, die im Interesse der Erhaltung] der jüdischen Gemeinschaft älteren Menschen ihren Arbeitsplatz cingcräumt haben. 4. Besetzung gutbezahlter Arbeitsstellen durch Ernährer. Jeder gutbezahlte Posten müßte, falls er hierfür geeignet ist, durch einen verheirateten Manu oder durch eine Frau besetzt werden, die Unterhalt. an Familicnangeliiirige zu leisten hat. die sonst Wohlfahrtsuuterstüt'j.ung empfangen müßten. 5. Umwandlung von ehrenamtlicher Tätigkeit in bezahlte Posten. .Mancher Arbeitsplatz, der. heute ehrenamtlieh betreut wird, läßt sieh in einen bezahlten Posten uniwaudclu. - Die Bezahlung kann aus dem Arheitsheschnffmigsfonds erfolgen und somit keine Belastung des Etats lienorrufen. Darunter fallen insbesondere Posten als. Wnhlfalirts iflcger. Hechtsberater und Arzte auf len Wohlfahrtsämtern, wobei — wie dies hcispiels- Oft scheitel t die Einstellung eines sonst gilt ipmli- 'fixierten IVlimteu an der .Hölle des Tariflohns, den er zu beanspruchen .hat. Abweichungen vom Tariflohn sind nicht möglich. In derartigeii Fällen sull-dic Gemeinde in die Lage versetzt werden, den ein - stellenden Firmen zunächst für den Prohemouat, dann hei fester Einstellung, nur ein halbes Jahr einen 'Teil der Differenz zwischen dem 'Tariflohn und dem von der Firma ausgesetzten Arbeitslohn zu erstatten, falls ilie Firma einen längeren Vertrag' mit dein Arbeitsuchenden ahsehließt. Ehrenamtliche Faehmissehüsse hei den Wohlfahrtsämtern müßten die Auswahl der Petenten vornehmen lind sie dem Arbeitsamt übergeben. Die Bezahlung hätte aus dein Arhettsheseliafftuigsfonds zu erfolgen. \ 7. Arbeitsvermittlung und Viohlfalirtsunterslütziing an Arbeitnehmerinnen unter 25 Jahren grundsätzlich nicht ohne Nachweis einer mindestens halbjährigen bezahlten Tätigkeit in einem Haushalt. . Durch diese Maßnahme würde eine Entlastung des Arhcitsmarktcs zugunsten der älteren Angestellten hcrhcigcführl und gleichzeitig erreicht, daß ilie Frage der Haushaltgchilfinncn in jüdischen Haushaltungen einer bessere«.Lösung als bisher entgegengefülirt wird. Der le.tzte Weg der Arbeitsbeschaffung dürfte von seihst zu einer neuen Art der Heriifstinis'chiehtung führen. Wird doch dadurch zugleich erreicht, daß die jugendliche Arbeitnehmerin mit ihren eigentlichen Pflichten als Frau vertraut gemacht wird. Sie kommt auT diese Weise in die Läge, einen Haushalt ■■führen zu können, eine Frage, die hei der Auswanderung bereits eine entscheidende "Bedeutung gewonnen hat. Diese Vorschläge haben den Vorteil für sielt, daß , sie mit einigem guten Willen' linier den gegebenen Verhältnissen durchführbar wären. Durch das Beispiel der jüdischen Gemeinden, ihrer Institutionen und der von' ihnen wirtschaftlich abhängigen Unternehmungen w ürden sie sielt liellcielit schneller als man denkt in die lat Umsetzen lassen, wenn jeder einzelne nur ilie Erkenntnis hat: Wir opfern, für unsere eigene Zukunft. Exzeffe in Polen ✓ Darum Einordnung dieser Zwiselieiigcncration in den Arbeitsprozeß! Nicht durch unfruchtbare Ein/eläktionen. die möglichst wenig, oder besser noch: möglichst wenigen nutzem sondern durch planmäßigen Einsatz der Arbeitskräfte in den W irtschaftsgnng. soweit dies im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen möglich ist. Zunächst dazu zwei- Erkenntnisse: Die erste: Die Menschen zwischen «k*> und 60 Jahren sind, wie die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre gelehrt haben, kaum noch umzuschichten und kommen daher für die Aüsanderung erst in letzter Linie in Frage. Sie sind also die ..Jugend1*.'auf'die die Gemeinde von morgen sieh aufhauen soll; Sie muß also verdienen, sich seihst erhalten, wenn die künftige Gemeinde nicht ihre ureigenen Grundlagen zerstören, sondern sich funktionsfähig erhalten will. Und-die* zweite Erkenntnis: Besser ist cs? viele verdienen etwas, als wenige viel und ‘der Rest darbt. Daher die Folgerung: Die Erjangung möglichst vieler mittelmäßig bezahlter Arbeitsplätze für Menschenüber Jahre auf folgenden sieben Wegen der Arbeitsbeschaffung: '!. Beseitigung des Doppelvcrdicncrtums. \\ er aus (Capital beruflicher Tätigkeit oder Pension seinen notwendigen Lebensunterhalt bestreiten iluh: Warst-Iuu. '.ITV artigen Aussehrei Leib Chnzkrlcwirz namens Jcnu Bujal dauerten von 6 LI« crln*l»l‘nh xerletzl Häusern wurden di demoliert. Au- \\ gezogen. dir dir Geschäfte sind »cm geflüchtet." hu An-chluß n ist e- Iti Minsk Mazopicck kam es /.ii |iri^rniiigcn. nachdem rin junger Jude namens .Inihi wegen P.rmordung eines |Hilnischcu Sergeanten verhallet worden war. Die An— elireilmigeii morgenhi-» gegen Mittag. Iß .holen wurden * Krankenhaus gebracht. In den jüdischen Fenster eingeworfen, Gcschäftslüdcu wurden arsehatt wurden Polizeiverslarkungen heran* himig wieilurherstelllen. Samtliehe jüdischen hlos-vn. Cher 3000 Juden -iiol nach \\ ar.-ehuu die Bestattung Bujakam 4. Juni moiimillags Or« nmrriirh zu rinem rrgelrrrhtrn Pogrom gekommen. ,L’iUer Führung antisemitischer Agitatoren drang Straßemnob in die jüdischen Wohnungen mul G(>chäfbdadcti ein. zerstörte \\ arenbcstfmdr und F.inriijhUingeo und mißhandelte die jüdischen Einwohnerauf das bnrharisrh.-tr. Mehrfarh kamen aueh Brandstiftungen vor.j Hin llaib*. in dem fünf jüdisehe hamilicn wohnten, ist vollständig nicdergchrauiiU Die Polizei komite zwar in den Abendslund m der Ausschreitungen Herr werde«», dorh dauert die Erregung tu der St adt noeh immer an. Wie A tt g e n z :• u g e u* berichte». hauen die jüili-elivn Kinwohner rin ttnsaglirlics Marl\ rinn» auszustehen. .41 Per Verletzungen jüdisches Haus, das Finwohner. an «lern sind.!k*i sieben Lebcnsge fall r. Auch Krankenhaus gebra«4il. Man sieht fast kein wurden mit Sehtifs*. Hieb, und Brandlam geblieben i-t, un«l fast''keinen jüdLschen nicht Spuren von Mißhandlungen zu sehen Opfern des ersten Pogroms licslelrt unter den Verletzten wmi Donnerstag befinden sieh drei, an deren Aufkommen ge/weifelt wird. Mehi'ert* -Brandstifter und Kx/edenlcit komilen f e h t g e u n ni in e n werden. Die Polizei hat den Mörder des' Sergeanten Ilnjak, den aus Kahis/yn -lammendi'it 'l'Jjährigen Arlwdler Juda (.eil» Clinzk eie wie/, v e r n o iii iii «'n lind feslge-|e|ll. daß die-er wil längerer. Zeit nl* gri-lig^ nirhl normal gilt. Man iinimtc ihn in Kahis/yn den ..Stadlirreu“. (.fiuzkelewie/. war wahrend -<*itier MililfinhViisi/.ril von dem Si'rgenutcn Bujttk s«-liwer fiiißhaudelt'worden. Naelidettt er si«*h dureft einen Sturz mm Pferile eine schwere Verletzung /.ugeztigni halte, war er ans dem Dienst entlassen worden. Seither hchrrrwhte ihn de.F^Tlxc (iedanke. an Ilnjak Bache zu nehmen. Ifttjak wußte ifavon, nahm al>er die Worte de- Irren nirhl •,rnsl. Die Witwe i|«* grtöteti-ii Sergeanten erklärt, sie bedanre sehr die judenfeindliehru Aussi'hreilungen. die naeh dein Mor«l verulil wurden. Am4i sie wisse, «laß (Jiazkelcwicz rin unverantwortlicher Irrer ist.. Dir noeh in der Pogronislndt Mhisk-Ma/.owieek ierhlii'brnen wenigen Juden .sind 'Gegenstand imniifliörliiher Angriffe. Man wagt weder die Straße zu beirrten, itoejt naeliLH sieh zur Hube zu legen. Die Synagogen blieben am Sabbat leer. Manche jüdische Familien, die' in ihren Hüuserfr verbarrikadiert sind, haben -eit.Tagen nichts gegessen; ch Iwstehl kriii«^ Möglichkeit, sic mit Nahrung zu versorgen. Einige christliche Familien hab<;ii. dtro jüdischen Nachbarn bei sich nufgenonimeu. Die drei'jüdischen Toten de» ersten Pogrom» sind drei Tag« lang ii n b c s t <i 11 c t geblieben, weif, di« jüiliM'lim Finwohner sich nicht auf die Straße wagen konnten. Der Warsrhaucr jüdische Bestattungnvcrrin ,j(Jies»rd »rhcl Kme»s*k IiarTTuo Abteilung üaeli MwvkrAfuzowicck ent-ondl. die naeh langem Suelirn * 6 •4!iBput^epe^i, qoajotios^a*aa «b 0

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