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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-06-03 · 23 (3.6.1936) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
23 (3.6.1936)
Date
1936-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Beilage 4. Juni 1936 JÜDISCHE AUGiMEMi ZEITUNG Ein au Was liest die jüdifche Jugend? Weder Zeit noch InvereJJe für emßhgfte Lektüre W enn man die Juden als das Volk des Huches bezeiduiet, so denkt man dabei vor allein an die lilbel, das „Buch*1, dos von den Juden der Menschheit übermittelt wurde uml zum verbreitetsten und um meistgelesenen' der .Welt geworden ist. Erst kürzlich wurde hier berichtet, daß die Bibel, einer Veröffentlichung der britischen Bibelgesellschaft zufolge, im letzten Jahr hi weitere dreizehn Sprachen übersetzt wurde und nun in 705 verschiedenen Sprachen vorhanden ist. Aber inan denkt dabei auch an die sturk ausgeprägte Neigung der Judeu zum Buch im allgemeinen. Der Uiuuniiist Johannes Kcucklin, der einmal von den Aufgaben spricht, die das Buch bei den Juden erfüllt, meint dabei, daß manchen Judetf „Bücher ebenso lieb wie Kinder" seieu. , Was die Beziehung der Kinder zum, Buch ungcht,* so hat. sieh darbt unter dem Druck der Verhältnisse eine Wandlung vollzogen, die sich in einer veränderten geistigen Haltung dokumentiere. W urde vor nicht alizulangcr Zeit* luiulig über einen Typ des wesentlich intellektuellen jüdischen Jugendlichen Kluge geführt, so häufen sich heute schon die Klugen über das Abgleiteu iu die Geistlosigkeit, über die Oberflächlichkeit jüdischer junger .Menschen hi geistigen Dingen undihre Bezieluuigslodgkeii Kulturwerten gegenüber. Dieser geistige Abstieg kommt aueh darin zum Ausdruck, daß für diese Jugend das Buch häufig keine oder nur geringe Bedeutung mehr besitzt. „Es wäre gut", sagt Goethe, „Büciicr kaufen, wenn inan die Zeit, sie zu lesen, milkuufen könnte.*4 Diese Zeit fehlt allerdings der heute mit der .Meisterung des Braktischeu beschäftigten Jugend. Erfolgte früher für den jüdischen Jungen und das jüdi-chc Mädel, die meistens niindestcns bis zum „Einjährigen“* die höhere Schule besuchten, dadurch schon der willcusmäBigc Anstoß . zur'Weiterbildung, so ist heute die Jugend in dem für* die -Entwicklung wichtigsten Alter bereits beruflich oder mit der Vorbereitung für die Auswanderung tätig und muß von morgens bis abends angestrengt arbeiten, so daß kaum Zeit bleibt für eine wesentliche selbständige Weiterbildung.’ 150 Antworten Franz lloscnthal veröffentlicht in der Beilage zum Frankfurter Israelitischen GemcimleblaU, „Jugend und Gemeinde", chic in vieler Beziehung lehrreiche Untersuchung, in der er an der Beziehung der heutigen Jugend zum Buch die große geistige Wandlung -nufzeigt. Um eiu zutreffendes Durchschnittsbild zu bekommen, bat er an die Frankfurter Gruppen des „Hing, Bund jüdischer Jugend", des Brit llabonim und des Brit Chuluzim. Daliim, Fragebogen übersandt mit der Bitte, sic an ihre vierzehn- bis achtzehnjährigen Juugcns und Madels retwa 150 junge Menschen — weilerzugeben. Die Befragung erstreckte sieh also auf Kreise der verseiiicdenstcn weltanschaulichen Bichtuugcn. Auf den Fragebogen war außer Angabe des Bundes Namen, Alter, Schule bzw. Beruf der Befragten anzugeben, ferner welche Bücher sic hi den letzten ein bis zwei Jahren gelesen und welche ihnen besonders starken Eindruck gemacht haben. Für die Untersuchung stellte auch Prof. Dr. Bondy, der jetzige Leiter der Auswandcrungssclmlc in Groß-Brccsen, die Ergebnisse einer gleichartigen Rundfrage zur Verfügung, die er im Sominerscnicster 1935 an die siebzelm- bis zwanzigjährigen"* Zuhörer eines Kursus Int Frankfurter Jüdischen Lchrhaus gerichtet hat. - Es ergibt sieh, daß der größte Teil der Erfaßten aus dem nicht zionistischen Mittelstand stammt. Fast alle Haben die höhere Schule besucht, von den Alteren aus der Bondyschcti Arbeitsgemeinschaft haben noch einige das Abitur gemacht, während die meisten der Jüngeren schon vor dem Abschluß der mittleren llcifc, spätestens zu diesem Zeitpunkt aus der Schule genommen wurden bzw. werden. Die Mehrzahl der beruflich Tätigcu ist noch in kaufmännischen Stellen tätig als Lehrlinge und Angestellte, doch zeigen sieh auch liier starke Umscluchtungsbcstrcbiuigcn. i«- Karl May noch immer bevorzugt Die Antwort der dreizehn- bis scchzchn j uhFigen Ju ngens und Mädels bewertet Franz lloscnthal iu seiner eingehenden Untersuchung folgendermaßen;. „Es fällt auf, daß bei den Jungcus in diesem Alter das Abenteuerbuch noch eine sehr große Hölle spielt. In dieses Gebiet gehören u. a. Karl May, Tom Shark, auch Edgar Wallacc und Dominik ctc.— Von den Büchern Karl Mays wurden 10 bis 60 gelesen. Allerdings sagte mir einer der Jungens, daß er nach dem Lesen des zwanzigsten oder fünfundzvvanzigsteii Karl- May-Buchcs gemerkt habe, daß „das eigentlich immer flach demselben Schema ginge und wohl nicht ganz wahr sei“. Davon abgesehen, werden die Bücher Karl Mays allgemein wegen ihres spannenden Inhalts und ihrer guten Sclüldcrungcii als „richtige Jungcnslcktürc bezeichnet, und die Jungens haben kein .Verständnis.'dafür, daß das Lesen dieser Bücher von den Eltern verboten wird, wie das heute noch Vorkommen soll. Neben dieser „Literatur56 werden Fahrtenbücher, Kricgalitcratur und gute R e i s c b c s c h r c i b u n g c it sehr begehrt. So steht ‘ bei fast allcu Jack London mit seinen meisterhaften Schilderungen an' erster Stelle, cs folgen Sven llcdin, Kipling ctc. Die Novelle, die dieser Altcrsschieht durch ihre skizzenhafte Ikliamllimg der Probleme, ihre Kürze und Charakterschilderung sehr wesensgemäß istv nimmt unter den Büchern den * wichtigsten Platz ein. Besonders bevorzugt sind die Novellen von Stefan Zweig, Binding; UlUz, Storni, Hauff und C. F. Meyer. Audi humorvolle Schilderungen,, wie die von Groncraann, werden gelesen, doch zu Kleist mit seinen schwierigen Fragestellungen' greift fast keiner.*5 Nicht nur die Klassiker werden, .wie Hosenthal feslstcllt, erstaunlich wenig gelesen und gekannt, auch dem Allgemein- Jüdischen, von vielen auch dem Jüdisch -Religiösen, wird verhältnismäßig wenig Interesse cntgcgcngcbracht. Auch wenn man berücksichtigt, meint der Verfasser, daß in diesem Alter keine tiefschürfenden rcligionsplulosopliischcn Abhandlungen durchgearbeitet werden können, sei cs erschreckend, daß ein großer Teil der Jugend sich noch nicht einmal an das Pentateuch heranwa'gc. Die M.ä d c h c n im 'Alter von dreizehn bis sechzehn Jahren bekunden bei der Auswahl des Lesestoffes wesentlich mehr Interesse für ernstere Lektüre als die Jungens. Sic lesen weniger Abcnteucrbüchcr, dafür um so mehr Novellen und Homanc, liicrbci auch schon-Werke der großen Homanschriftstcllcr. Während dem fünfzehnjährigen Jungen .Namen wie Wassermann. Ibsen, Tolstoi u. a. zum großen Teil unbekannt sind, haben die meisten Mädels von diesen Autoren schon etwas gelesen. Unter den Novellen sind bevorzugt solche von Zweig, Binding, Rilke, Wilde, Kleist und Storni. Das Interesse an jüdischen Dingen ist geringer. Lyrische Fragebogen | Werke (Rilke und George), aueh Klassiker »erden häufiger gelesen. Die Lektüre Bei den S e der Alteren c h z c h n - bis Zwanzigjährigen, bei denen naturgemäß das AbcnteuerbucU iu den lUntergrund tritt, spielen, bei glei rliblcibcudcm luleresse an Novellen, Humane, J uiluica, Klassiker und wissenschaftliche Literatur eine größere Holle. - . Für diese Altcrsschieht, soweit sie der lüchtzionistiseheii Jugendbewegung entstammt, fällt auf, daß für sie Werke von Hesse, George, Rilke, Binding, Fies, Hausmann, Carossa, Dwingcr und Ebermayer entscheidende Bedeutung gewonnen haben. Franz Hoscnüud meint, ‘daß darin aueh das Bestreben der jungen Generation zum Auldruck komme, sieh frei zu machen von Bindungen uu das Alte und Vergangene, neuen Wegen und Zielen nachzugclicn,. und! „mit dieser starkcii Betonung des Jungen und Neuen lullt sehr j leicht eine Mißachtung auch der' Kuliurwertc einer zurück!icgci|deii Zeit zusammen, besonders wenn zu dieser Vergangenheit durch eine Wandlung des gesamten wirtschaftlichen und politischen Lebens keine Beziehungen oder nur noch sehr geringe bestehen.“} Der Vcranslajter der Umfrage stellt fest, daß die Materialisierung uml 'Mechanisierung des gauzen Lebens und damit der Beziehungen der Menschen zueinander int Letzten verantwortlich dafür sind, daß heute die Jugend oft n i e h t mehr die Kraft und den Will c tt hat, ein ernstes, anstrengendes Buch zu lesen, sondern sich mit Abenteuerromanen begnügt, während noch bis vor' wenigen Jahren, d. h. vor der vollkommenen Veränderung .'der geistigen, sozialen uml wirtschaftlichen Lage vier Juden in Deutschland eine polclic Abwendung vom literarischen Werk ln*i weitem nicht in diesem starken Maße fcstziistclleu war. Wir können Verstehen, fährt Franz Koscutlml fort, daß es für einen jungen Menschen, der den ganzen Tag im Geschäft oder an der „Werkbank! gearbeitet hat, außerordentlich wichtig ist, in seinen wenigen Freistunden Sport zu treiben, seinen Körper zu trainieren oder cipc „klorc“ Fahrt zu machen. Doch das B e - denkliehe hierbei ist, daß er jetzt keine Zeit mehr findet, und daß er kein | Interesse mehr hat, ein gutes Buch zu Iv-wu, daß er nicht mehr geistig arbeiten w*ilh Es scheint fast, daß - nur das den Jugendlichen heute interessiert, was irgendwie praktisch für ihn zu l verwerten ist. Und was kann er schon mit Wissen anfangen?! Die Bibel — nur als Gefchichtsbuch Die Bihlungslcindlichkeit und die Verachtung der Intelligenz ist heute im jüdischen Haum trotz aller gegenteiligen Anstrengungen sehr stark. Es sind bedenkliche Zeichen, daß die wenigsten! Befragten die deutsche Klassik, Tolstoi und Dostojewski kennen, daß sie mit jüdisch-religiösen. Fragen zum großen Teil nichts janfangen 'können, daß kaum einer sieh mit der Bibel beschäftigt, ipid wenn, nur als Geschichtsbuch betrachtet ... Obwohl ein großer Unterschied zwischen den Bucluntercsscn der ' Jüngeren und der Arbeitsgemeinschaft Bondy fcsUustcUcn „• ist, bestätigen auch diese Angaben, daß das B i 1 d u n g » m ä ß i c im Rahmen der Glcsamtlescmcngc nur einen kleinen Teil (ca. lö^/o) ausmacht. Das lebhafteste Interesse zeigt sich für Hornau (ca. 50o/0), jNovell« (ca. 2ö°;o) und Lyrik. Zwei typische Symptome der Jugcndlekture finden wir. in ausgeprägtem Maße, wenn wir den Lesestoff der 16—20jährigen Ixnraehtcn; Einmal ist cs die Betonung einer gesunden Abcntcucrsfimmung, die sielt ausdrückt in der YorlieU: für die Bücher vonj Jack London, S. Flcuron etc., auf der anderen Seite kommt aheq auch eine lyrische Lebenshaltung gut zum Ausdruck (Rilke, Binding, II. Hesse, W. FIcx ctc.) . . . Wold ein lypLjrhcs Kennzeichen der jüdischen Geiste«- haltung ist demgegenüber eine starke Vorliebe für den psychologischen Roman (Thomas Mann, Wassermann, Stefan Zweig etc.}. Noch ein weiterer bezeichnender Zug kann fcstgestcllt' werden: die starke Betonung des Unidcologis eli eu, Praktischen. Die Menschen sind heute sehr uutlicorctisch, alles ist „fraglos**, selbstverständlich, ganz im Gegensatz zu einer vergangenen Epoelrc, in der cs auch bei der Jugend um eine geistige Stcllungnal seinen lehrreichen Bericht, „welche Holle «las Blich, «las lilcra- Wcik in der Zukunft, ja schon hei dem heult* heran- ^wachsenden Geschlecht cinnchmcn wird. Wir wissen nur, duß «las Ruch dieser Generation sehr oft nicht mehr ciu Hilduugsfaklor, guter und eludielicr Begleiter uml Helfer ist, sondern nur noch ein Mittel der Unterhaltung und gelegentlichen Eulsinmimug. * Durch die B i I il u n g s k r Lsc , die sich auch jetzt im deutschen Judentum au-zuwirken beginnt, hat .«las Buch sein«: führende Stellung «IV-Träger des Gei-le» verloren, und au »eine Stelle, ist oft Gleichgültigkeit und Uiuiilcrcssicrlhrit 'getreten. W ir sehen heute noch wenig An-ä(zc. daß «lies«* Bildungakri.se nur eine vorübergehende Erscheinung Lt und kein Dauerzustand werden wird, aber wir hoffen, «laß wieder eine Zeit koimtien wird, die sieh tkmiuf. besinnt, duß «las Judentum hin jetzt hestamlen 1ml. nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern «hirch seinen Geist/* Diese Ausführungen werden durch die iiaciifo!g«*udcn ZusaminensteÜiingen der von «len 16- ‘JOjülirigeu «ler Boiulyseheu Arbeitsgemeinschaft n m in e i s l e 11 gelesenen Schriftsteller lind Werke treffend illustriert: Die meiftgclefenen Autoren Nanu* der Schriftsteller Jack London . . . Hermann lies** . , Martin Ruber-. . , Knut liauisui: . . Jako!) Wassermann . Stefan George . . Thnntus Mann . . R. M. Rilke . . . ,H.„ G. Binding . . ' Stefan Zweig . . . J. Breuer-. .. . . Max Hroil . . . . W . Hcuiuellmrg . ’ . W. Fle\ . . . . »M. Ihmsmnwn . , Paul Keller ... H. v. Looii '. . . H. Holland . . . F. Uosnr/.weig . , H. Trinen . . Werfel . . Carola . .• , E. Dvlnger . . GaNuorlhv Goethe . . . . , II. lb*eu . . . . O. Wilde . . . 1:. . . . . H. f.üns . . . , A. Speyer . . , Gelesen werden .0 I «ler Gesanitleklüre F. II. 15 verschiedene Werk« 12 10 ” 10 10- - „ 9 9 9 11 tt ... •t 7 <1 G. - G 1!) uml 42 14 .. j:* „ 'j'j To 24 „ 2» „ 0 20 „ u 14. . .. 20 ., 11 II II 10 0 10 12 7 ■ 7 70,1 „Wir können mc ging. ieulc mellt sagen*', so schließt der Verfasser Die bevorzugten Werke Die Titel der meistgelesenen Werke sind: „Deminn“ v. Ifcrni. Hesse (11 mul gelesen), „Die Hiiddrn~ hrooks“ v. 'Hi. Mann (tt), „Der Fall Mauritius“ v.^J. Wusscrmaun (tt), „Ein kleiner Prophet1* v. E. Fleg (7), „Wunderer zw. zwei Welten** v. W. Flex (7), „Der Goniet“ v. II. M, Rilke (7), „Briefe an einen jungen Dichter1* v. R. M. Rilke (7), „Wnllenntcüi* Antlitz** v. A\'. Flex (6), .„Unterm Rad** v. 1 lernt. H«ütso (6), „Der Werwolf*4 v. Herrn. Hesse (6),' „Totiio Kröger** v. Th. Mann (6), „Kathrin wird Soldat“ v. A. Tliomos (6), „Märchen uml Erzählungen** v. 0. Wilde (6), „Tyclio Uraltes Weg zu Goll“ v. M. Brod (5), „Der Arzt Glon“ v. II. Carossa (5), „Kmilp“ v. Herrn. Hesse (5), „Novcllcii“ v. G. F. Meyer (5), ,;lliob“ v. .1. Roth (5), „Die Augen des ewigen. Bruders“ v. Stefan Zweig (5), „Anne hinter Stachcldrnht“ v. E. Dwingcr (4), „Wir rufen Deutschland“ v. E. Dwingcr (4j, „Moses“ v: B. Fleg (4Jv_„Volk ohne Raum** v. Grimm (4), „Gescliielitc der Meusriilielt** v. v. Lz>on (4), „Wir Juden** v. Prinz (4), „Briefe mi «dne junge. Krau“ v. Rilke (4), -„Ekkehard“ y. Scheffel (4), „Kampf der Tertia“ ‘v. Speyer (4), „Mörehcn“ v. Tolstoi (4), „IJie-Ccsehvvistcr von Neapel** v. Werfel (4), „Jeremias“ w Stefan Zweig (4), „Sternstumleii der Mensehlteil“ v. Zweig (4). Zwei Nachbarvölker der Israeliten Schicksale der Philister und Phönizier - Die beiden Nachbarvölker der Israeliten an der Mittelinrcrküstc zwischen Ägypten und ^Kloina>ien, Philister und Phönizier, halte der als Rcligionsfurscher bekannte Hallcschc Professor Otto Eißfcld in den Mittelpunkt eines Vortrags gestellt, den er kürzlich in der V o r d e r a s i a t i s c h - A g y p t i s c h c.n Gesellschaft gehalten hat. „Während die Phönizier“, so heißt cs in einem Referat der „Deutschen Allgemeinen-Zeitung“, „schon vim 3000 von Süden her, vermutlich aus Arabien, an die syrische Küste gclargten, sind die Philister erst »m 12. Jahrhundert — nach 1cm mißlungenen Einfall der Seevölker in Ägypten unter-Hauses III. — in Palästina cingcrückt. Obwohl sie dem Land ihr :n Namen (Phiiislua) gaben, hoben sic ihr \olkstum und ihre Eigenart nur etwa 200 Jahre bewahrt. Schon früh nahmen sie pt: önizischc oder syrische Gottheiten an (Dagon, Rcshcf, Astarlc, Anat, Baalzcbuh) und vvurden ihren phönizibcheu tributpflichtig. Nachdem sic anfangs die hatten, entstand und erstarkte hn Kampf mit um Davids, der sic unterwarf, und buld ihrer orientalischen Umwelt auf. 'lieh ihr Schicksal nicht übel mit dem der auch ein versprengtes Volkstum waren. Man mehr über ihre Herkunft, aber mich die;cn im Philistcrlnnd, besonders in Gaza, Sprache und Schrift im Stich. Fest steht mur, ion vor dem Einfall in Ägypten Kreta, das biblische Knphtor, v ar. Aus Europa stammten sic jedenfalls; als kriegerisches Erobcrcrvolk erscheinen sic als Verwandte der Römer, Ketten und Germanen, kurz aU Indogcrmaucn. In allem ihr Gegensatz sind die Phönizier. Ihre Beziehungen zu den Israeliten waren meist freundschaftlich; die starke materielle tin l architektonische Beihilfe des Königs Ilirnm Nachbarn kulturell Israeliten beherrscht ihnen das König ginget!, sic ganz in O. Eißfcld ver Kreuzfahrer, die ja wüßte gern' etwas neuesten Ausgrabun lassen uns über ihre daß ihre letzte Sta von Tyrüs zu Salrmos Tempel hau und die Tragödie der tyrisclien Königstocl sind aus der Bibel Heldenmut bei der tcr 15 c b e 1, der Gattin - des Königs Ahab, bekannt. Obgleich es ihnen keineswegs an Verteidigung ihrer Freiheit fehlte, war der Krieg doch nicht ihr Lcbcnsprinzip, sondern Seefahrt und Hnndel, und was zu beiden nötig war; «lie Anlage von Stützpunkt«*!)' uml Faktoreien, wie später durch die Wikinger und «las jetzige jKng-* kimi. Sie waren die ersten, die ül>cr die Meerenge von Gibraltar hinnusdrnngciii und Karthago, die Pflauzsiadt von Tynis, trieb Ifoehseescbiffalirt-von den Zimiinhcln (Britannien) bis nach Kann:- . run. Das Militärische überließen sie gern Söldnern, ein gefährliches Au>hilf»mittel, das Karthago in dem großen Süldnnrkricg von 242 bis 236 an den Rand des Abgrunds gebracht 1ml. Allen fremden Kulturcinflüs-cn offen, bewahrten sie doch zah ihr eigenes. Volkstum, Ihre Sprache und Schrift, vor allein, ihren Glauben. Ihre Wirkung auf andere Völker, nicht nur auf ihre Nachbarn, .Israeliten und Philister, sondern auch auf die Griechen,' deren . Lehrmeister sic für. Handel lind Kolonisation wurden, und auf die Völker des Westens war bedeutend uml wird heute nftht mehr unterschätzt** Trotz schwerer Schicksal« (Zerstörung von Tyrus. und K.irthogo) erhielt «ich ihn: Sprache und ihr Volkstum bis in die römische Kaiserzeit; Karthago' erblühte von neuem zur Großstadt und wurde zur Heimat der großen christlichen )Vt<tcrsachrr des römischen U«-idciilums; TcrUilHaii, Cyprian uud^Augustiii.** Wieder Dela Lipihskaja Die . Kleinkunst der Dein Lipinakaja, die eine große Kunst ist, -wurde schon so häufig gewürdigt, daß es Hchw«*r fällt, ■ für ihr Auftreten im Jlarh-Snal neue Worte des Lobes zu finden. Dela Lipinskaja ist nicht mir 'ein Begriff geworden, sie int ein Programm: ein Programm graziöser Heiterkeit und. jüdichcr Melancholie. Immer wieder von neuem bewundernswert, wie die Künstlerin der Andeutung als Kabarettistin, als Volkslicdnrsängcrin, als augcnzwinke.nulc Märchenerzählern! uml Interpretin von Moritaten ihre Cabcn ans dem großen Reichtum ilrrrs Könnens ausstreut. Das Publikum war wieder so begeistert, «laß es am liebsten das ganze Programm vom Russischen V«»lkslic*d atigcfaiigcn bis zur „Sensation im Zoo“ und der „Scclenwande- rung“ samt Zugaben gleich noch einmal gehört hätte. Der Beifall galt auch dem Begleiter und _„Zwischcnakt»“-Piaiiiatcn- Walter Lajtai.

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