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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-05-27 · 22 (27.5.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
22 (27.5.1936)
Date
1936-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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für alle Zukunft gültigen ,,Du sull.sl" «lei* legitimen jüdischen Sollcnsorriiiung unverbindlich ist. Mit dieser I*Vsls(ellun*r ist kein Werturteil nhücgrbrn. C;«*/.<*>jrt ist nur. daß «lie Krfassu»" der jüdischen (irschichtstatsnchcn nicht gleichbedeutend i-t mit dem Begreifen des jüdischen Uesehiehtssinnes. ■ Dieser .Sinn der jüdischen Geschichte ist aber die Ordnung.'wie. sie «las Selmwuauslest in das jiersöulirhe Gedenken rückt. Der Jude ist «1er Mensch der Ordnunif. Seit er «h*r Welt etwas sagen kann. \ erkundet rr ihr in all seinen großen IiepWiseiilniiten die religiöse. «Ii<> sittüch«*. «lie soziale, die wissenschaftliche OnlntuiiT. Seihst sein«* Ihnegnlcn sind noch von dieser Oidliuiiuslielii* boe—eil. Falschen sie auch bisweilen di«* Gchalli*. s«« ldeihen sie «lein Prinzip treu. J> ii i!»t darum nar Keinen un\ersühidii'hereii (ieii«'n-atz zu jüdischer Denkweise als «lie! Ynkiam.ili«»n der I tHinhitmg \on «ler pers«~nlichen j iiverbindliehkeit l)is' zur ahsoiuteir.Anarchie. Daß «lies«* Ordnung;' nicht doktrinäre A nx’iikuug und «lojrmalischer Uuehstaheiiglaube hcdcutcn kann, versteht sich ani Rande. Aber die Verwahrung vor der Übertreibung gibt niemals «lenen recht, die die Schwache der ßindungsiosigkeit zum Grundsatz, die Fntseheiduiigslusigkeit oder die üiicnlsclncdcnheil zur rechten 'jüdischen Haltung erklären-wollen. Der Jude, 'der sich aber um den rechten Sinn seines rludcscius bemüht, wird heute wie seit Jahrtausenden den ganz «Mi W eg von Ägypten bis zum Sinai zu gehen haben. Sein Judentum darf ihm keine oberflächliche Kenntnisnahme vermitteln, keine organisatorische Halbheit bedeuten, kein ästhetisches Vergnügen bereiten und keine funktiouäre Verantwortlichkeit versehaffeii. Die Kvkhisivität des Judentums wird ihm kein äußerlicher Zustand sein, sondern jene \«»n inu'ihittliclier Ausschließlichkeit erfüllte Ordnung. ..Ich. der Ewige, hin Dein Gott, der Ich dich aus dem Lande Ägypten geführt'.habe, aus (lern Hause der Knechtschaft. Du sollst keine anderen Götter haben >or-meinem Angesichte!“ Als Pioniere in Argentinien Jüdifdic Siedler aüs Deutfchland berichten über ihre erilen Erfahrungen in der Kolonie Avigdor U» jüdische I-.iniilit.-n aus Deutschland traten, wie seinerzeit von uns berichtet, im Dezember vergangene«« Jahres die Reise nach Argentinien an, um von «ler Jewish Cclonisation Association in der etwa 700 km von Buenos Aires entfernten Kolonie Avigdor angesiedclt 2u werden. Den nachstehenden reizvollen Bericht über ihr heben entnehmen wir dem frankfurter Israelitischen GemeindelriaU.** Mit’diesen zwanzig Familien wollte «lie IDA d«’i» eisten \ ersuch einer- Siedlung von. Juden aus Deutschland machen. Es mußten von «len Emnili«,n. di»' sehr sorgfältig von einem Beamten der ICA au.*gewählt wurd«‘ii, folgende H <• d i n g u ii g c n erfüllt wenk’ii: iniinleatcn- 5 erwachsene Arlx’itskräflc, mögliclist 3- Männer, Eignung für kolonisatorische Arbeit und vor allein Liebe z« dem primitiu’ir.Leben nnf d«*i» Lande und die Verpflichtung in der Siedlung zu bleiben 1 fände! und Geschäft endgültig aufzugeben. Die ICA dagegen lxtt j«’<l<*r Familie 50—7a ha umzämites Land, ein Steinhaus mit 2 Zimmern und KiVlie und den nolwendigst«*n Einriihtmigsgegcmländcn. «las für die Bewirtschaftung uotwc’iulige lebende un«l tote Inventar x>wir Aussaat und Futter bis zur ersten Eigencrnlc. In den ersten 8 Jahren sollte der Siedler Pächter s«*in, danach evtl. Eigentümer des Gmmlstfn'ks, auf d«*m «-ine RcsthyjHitliek eingetragen wird. Die Familien Vierden gruppenweise angesjedejt: für soziale Einrirhtung«*n, Synagoge. S c b u I «•. Genossenschaft u n d K r a n k «• n ka s s e ist «««sorgt. Viel im-hr ab di«««* Bi’dingungcti wußten di<* Familien nicht, die im Wrlruurn auf «lie ICA und aus Mer Not ihrer Verhältnisse heraus. . Itercif waren. diesen Wrsm-h zu wagen. Volhrr. Holfuiingen auf «las nnir Jx’Ik’ii. al»er auch voll hanger- Erwartung«*!!, ol» man «hin ganz nmlercii Fordenunren «Indien gewachsen sein würde. _ Alle wußte». «laß sie Pioniere sind;; «laß «li«* Aiwiedlung dieser 20 Familien nur ein Versuch «ler ICA bedeutet, von dessen Gelingen «Jie Aiisiedhingsumglii-likeit für \i«d«\ weit«*ie Familien nbliängt. Lcbensmitfel. Was uns am meisten fehlt, sind Kartoffeln, die. mau iu Deutschland glaubt, hei jeder Mahlzeit hulx-n zu müssen. Ob «lie hier zum Anbau gelingen, ist-vorläufig noch ein Experiment. Die Lebensmittel sin«l sonst im großen und ganzen billig. Irli kann Ihnen lu-ute selum versichern. «lie 20 Siedler wer«!«'« «len Anforderungen vollständig genügen, denn sie sind sich alle dessen bewußt, was ninii von ihnen als Pionier erwartet... Wir lesen hier g«*nieiusani «las argentinische Tageblatt, eine deutsche Zeitung, die uns über alles gilt unterrichtet. Wenn wir abends mit unseren Nachbarn, zusammen zehn Personen, vor «ler Tür sitzen, den klaren gewölbten Sternenhimmel über uns sehen und unsere, munteren Weisen in die .Nacht ertönen lassen, dann glauben wir nicht, 15 000 km von Euch entfernt zu sei«, denn «h*r Mond, Jupiter, die Milchstraße, der kleine Wagen und alle anderen Gestirne stehen genau so. nahe hei uns wie zu Hause.“ Viele, in Deutschland, fügt «las ..Frankfurter Israelitische Gemeindehlatt“ diesen Berichtenhinzu, warten auf den Erfolg dieser Siedlung, weil sie wissen, «laß eine Sicdlungsniögliclikcjt für sie und ihre Zukunft davon ahhungt, . was die Menschen drüben schaffen um! wie sie «h-n Anforderungen gcwacliscn sind. Die ersten Monate sind in einer Kolonisilion entscheidend, jedoch diese ersteu Monate scheinen «lie Familien jetzt bestanden und damit den Beweis für ihre Fülligkeiten erbracht zu haben- Mir hoffen, daß die ICA, die in verantwortungsvoller'Weise erst diesen Versuch abwarlen wollte, sieh bald entschließt, weitere Familien anzusicdchi, um den Menschen, die heute ihre Existenz hier' verloren haben, drülx’n einen neuen Lebeusraum zu sehaffeii. Die Auswanderung aus Deutschland Sir Herbert Samuel vor der englischen VölkerbiuicIIiga Mil \irr Tagen Verspätung kam der Dampfer in Rueuos-Aires an. undüberall war R«’g«’i?.tcruiig über den F.mpfang im Lund«’. '..•Am amlemi Tag fiibn’u wir nach Crespo.!ii«*r waren wir über den Empfang «ler «lorligen Juden sehr erstaunt, im Hotel war schon für. uns ‘•«•deckt.’mul wir ina«*hten uns mit «len «lorligen Juden einen geinfitliehen Abend, am anderen Morgen fuhren wir .nm-li Bovril und liier war «Irr Empfang <’1h’ii«o!“ .,Auf «Irr Fahrt von Ihu'im« muh Crespo wurden uns auf 'einer Station LielH>gahen uhemh-ht. Alles nur erdenkliehe,rnthieh«*n «li«* Pakete'— die-er Moment-war der rfdirendsto unser«-r. Fahrt. Am 25. I. giu« r« weiter na«*h Bovril. wo wir am Nai-hmiltag «intrafen mal fihi’r• Seliabho« hlhhrn. Sonntags fuhren wir per Fuhrwerk muh Avig«lor. — Ditreh-«h*n Woehen lang .hihalfciuh’ii liegen waren die Wege so grumllos und mit Brii-hen «hinhzogeu. «laß «•- <l«-u alten Herr-«hufleu mniu-lmtal bange wunle. Aber trotz alh’in .wurde «lie ffmf'»ifm«lige Fahrt mit Goaug mit beemh’t und j«*de Famili«* zog in «las neue Heim ein.“ Die ,B«‘r i e h t e aus «I e r S i «• «1 I u n Lr lauten niehl w«’iiiKt*r' froh: -•Alle-, war iuuh «ler aimeiuhmcn S«*it«* bin ülu‘rra-«-hl. «h'nn «li«* llmiscr waren «’nt-elii«’«h,n schöner. aP «’s uuu«’-«hihlerl: wonle.n war. Iläu-er niil 2 -8 Zimmern mh-t Kfuh«* und Torbau au« Ziegeln, N«m außen mul innen v«'i-|Milzt imhI der FußlMxh-u mit 'Zi«*i'el-Ieiuen h«’l«*^t. Das >«-ar «lie «’r-l«’ anseju’hme n»errasehuug! . Wildnis? nein, i m <• «• g e u t e i l \ Di«* C^entl. vor allem «li«’ M ahhing' ii. seli«’n .-ins wie alt«* Kulturen, «lie l mzämimigen «Irr Lünih-men sind «*xakt h«*rg«’rii-hlet. Mnmueuaula’ie mit PumjM’ii für zwei Familien mit großnrtigrin Wa-serJ Je«!«* lamilie <’rhi«’lt -.TA ha Land, wovon 25 ha urbar siml mul 10 ha «uis^esät. z. I'. mit M-«fs oder al>er ferli*; zur Saal! li«‘*M*ti. AlotiK’iilati ist jeder «laiuuf he«larht. einen 1 ha »roßen G a r I <• ii. «ler am Haus li«’gr. in Orditmu: zu lu iui:«*ü. . Pfeide. Kfdie und Ihlhtier hat selum je«ler l>ekonmu'u! >o «laß .p’«ler schon «lie wiehtigsten Produkt«* ziim ladwitsuuliThall s«’lbst jrat._V.ine Genossensrhaft sorgt für «len F.iu- bzw% VerkauL Arhi’it gibt «*s hier in Hüll«’ und Füll«*- uIht jeder tut sie niit gr««l>|er Iren«!«*. Alb’ Si«’«lh’r siml frohni Mutes und tun Jhre , Arbeit mit Reg«*i»teruiig. — l'm «hrlith zu M»iu. muß i«’h ‘sauen und glaube-nn«h. «las für «li<; anderen Kolonisten behaupten zu können, «laß es uns bis Inuit«’ austrp/.chhiiel uefälll. Für die na*«h uns Kommenib'u i-t «\s «’iti verhältuisniäßiu h’hhterer Si’hritl al« cs für nn* war..'Mil <*|wa< Ohvk wcrd«*n wir der Welt schon . z«’igen. «laß wir fällig siml. «‘in j-ihweres muJ imtes Stück Arbeit zu leisten.“ Die Tochter eines Siedlers Sehreiht: ..Als wir na«h \vig«Ior kamen, warnt wir anuemdim «*nträuseht, wir-famh-n ein r<»le« Rncksteinhniis.mil «Ina >«hüuen großen Zimmern und einer Küche vor. F> w:ar«’n selum fünf Stühle, vier Rett«*u StahhmöbeP und ein großer Tis«-h da. Auf «lern Tisch wann L«'hensmitte\ mul «in Sack Brot! Die Fußbr.den waren zumebt zem«-uli«rt und «lie Wände weiß »«slriehnt. 100 in von uns wohnen uns«'r«’ X.uhharn. Di«* Männer haben jetzt gerade Wijen Weg zwi-«h.:n «h-n lläu««’ni g«I»aul.*; Ein amleri'r Sh’dler li«'ri«litet; ..Bei uns«’rer Aukmift iii .\>iml«»iwar«*u wir iii«ht «’iittäu-« ht: was uns versprochen war. fatideii wir \«»u. Am dritten Ta»e unseres HirrM'his wurde die Kolonie zu einer G ein eilt- •> v lullt z u s a in in e n g e s «* li 1 o s s e n. Kim* Einüit«! VVrkauf>- geimssensihnfi xcrtnlt zweimal wöeli«’ntli«h «lie erf«ir\leiliehen London, ln «’iner \’«’r.m?>lallimg «ler eiiglbeheu Völkcrhiimlliga hielt Sir llerberl Samuel als. Vorsitzender «h’s Couneil for Gi-rnian Jewry einni \'ortrng übe die jüdische Auswn mler u u g a u > D e ii i se h I a n «I. In diesem Zusammenhang kam Sir Herbert, der hekaunllieh dmerste High Commissioncr für i^aläsliiia war. auch auf die Verhältnisse in Palästina zu spreeiicn. Er frihrle dazu ii. a. aus: .-* Augiuhli«kliih 'herrschen ernste . Liiruhen in Palästina: niemand aber kau» sj«’h vorstellen. «laß «liv: Ralfour-Deklaratioil widerrufen wi-nlen kann. Im Vertrauen auf sie sind 300000 .Inden nach Palü-iiiut gegangen um! haben ihr Schicksal mit dem Laude verknüpft. Wenn wirklich g«-z« igl werdi’ii Könnte, «laß «lic arabi>eh‘* Rexidkermig «hireli «liese neue Einwamlnrung wirtschafllieh «oler ktt!lur«*ll gesehäiligtwurde, wenn gezeigt werden konnte, «laß >ie iinierdrü«‘Ki wird, daun allerdings könnte «lic ganze Angelegeuh«’it neu überprüft wi*r«lcn. Alm* kein unparteiischer Reohaeiiler kaim >agen- «laß <!ir* zuliiffK 1> mag richtig >ein. «laß «las Prestige der arnhwht-n Sli-Ilmtg diireh die Ankunft einer Anzahl iii’iier r.inuolmrr mit einem amh’ien kulturellen und geistigen Siamlai«l geändert worden i't. Was jedoch «lie wirlschnflluheii Vcihfiltuiss«’ betrifft, so Mud sie jetzt zweifellos weit besser als \«»r «h’in Krieg o«h’r bei >«im’m lünh*. Für «len von uns lieabsielitigt«*u Plan i-'t es w r’sentlieli, «hiß «lie IC i n w a n «1 e l* ii n g n a e Ii 1* a I ä s t i ii a ii i e h I ii ii g e s t e 1 I t werde: denn Palästina ist «bis eiuziu«* l.aml. in dem he: nusn’h'heuder Foiisclfung der wirl- -eliaftlieh«*n Tätigk«-it gewiß jährlich für 12 000 bis 15 000 Juden, «h’iieti wir bei ih*r Auswanderung aus .I)cul:-rhlnml helfen wollen, «•tue Heim^lfute gesi-haff«’» wevdni kann. Kurz ge>agt. wir hoffen, «laß in vier Jalimi --|-.va 50 000 v<>n «leu 100 000 nach Palästina g«*hrii. werih’ii: damit *li<"i gemäß «lern f<*stgeh’gten Grundsatz gi'M-hchi’it Kanu, müsse ein betrüu'hlliehi’r Teil von «leid 3 Miliioiteu Pfund, «li«* aufgebrei-iit wenlen sollen, für «lic-en Zweck hestimmt w«-i-«h*u. In seht«-*» \orang'*gangemn An>-ffihmug«*n halt«* Sir Ih’rhert Samuel ein Bild v«m «l«’r Lag«* der'«luden in Dentsi-lilaml <*ntworf«’ii und auseinimdergesei/.i. warum die ganze jünger«* Geueratum «ler Juden in Deutsehlaml «lie Auswamlcnmg wünscht. Das Problem, ein«* sog r «» ß <’ Z;i h I v «> n M «• u s v h e n a u s eine ni L a n «! «* h i n a ii s z it b r i ii g e n . «ei mit«*r allen t'msländeir. schwierig', jetzt 'almr noi’h «hireh zwei hc««mdere M«»m«’ute erselnv.«*rt. und zwar «’iuei>«‘ils «huvh «ii** S«-!iwierigkeit <le« Kapitaltransfers mul amh*;-ers«*ils «hir«-h «lie Arbeitslosigkeit, die. heut«’ in so vielen Ländern herrscht. Arbeiter mul Angestellte fitulcu fast alle Arheitsinfirkte «ler Weit vcrsehlu-seit.. lh’stümlen nicht die Schwierigkeiten der Kapitalausfuhr, dann könnten Auswanderer mit eigenem Kapital mit Leichtigkeit in anderen Ländern Unterkommen. So hätten 4500 holländische Arbeiter, in 85 Betrieben.. die von Ausländern gegründet winden.' Arbeit gefunden, .und aus nichtamtlichen Statistiken gehe hervor, daß iu England' fiOOO bis 7000 Arbeiter iu Betrieben hcseuaftigi siml. «lie von Aiisunnderrn aus Deutschland gegrfuulel winden. ■I Pi«’ S I ä n «1 i g e M a n «1 a l s k o in m i s s i o u <1 e s .V ö I - k e r 1) ii ii d e s tri«‘t am 27. Mai zu ihrer'ordentlichen Frühjahrstagiuig in Genf zusammen. Die Kommi-sion wird u. a. den Jahrcsberichl für 1935 «ler Mamlatarmarhl iu Palästina prüfen. Dieser Bericht — «‘in Buch von ea. 300 Druckseiten — war schon vor «len letzten Ereignissen in Palästina gedruckt mul beschäftigt sieh «laher mir mit «len Ereignissen im Brrirhtjahr 1935. Die Paläsliua- Ichntt«* wird wahrseheinli/;h Anfang Juni hcginncii und zw«’i bis «Irei Tage «laiu’rn. Justizrat Blau Zum 75. Geburtstag am 31. Mai Von Dr. EHW1N SELIGMANN Am 31. Mai begeht Justlzral Dr. Julius B1 a u - Frankfurt am Main «einen 75. Geburtstag. Kein Patriarch und Lcbcussuttcr, der auf sein segcnsvolles Wirken zurüekschaut, ein Tätiger, ein Führer, stark au Gestalt und jugendlich in der Elastizität seine* Schaffens, seiner Einmul Lmsiclhuig auf die täglich wechselnden Fonlerimgen «h's aufgewuhllen 'jüdischen Lehens iu Deutsehlaml. 'Wer den eben um einer PaJäsliuareise Zurüikg;*k«*hrleu von vielen neugewonnenen Hmdchlen mul Absichten heru-iiten hurt, wer ein- ..fr/j r'0m Gezeichnet von Arthur Galliner iiiul einen Einblick nimmt iu das tägliche Arbeitspensum dieses Unermüdlichen, der mit gleicher Hingabe die größte wie kleinste Aufgabe bewältigt, wer etwa Zeuge sein darf, wie er zielbewußt. und verbindlich, init unbeirrbarer Energie und tiefster Anteilnahme au allen V orgängen eine Sitzung leitet, «lern muß sieh der unauslöschliche Eindruck eines Uncrmüdelen und Ungesehwäehtcn, eines Großen in Israel einprägen. W as iluu die' Kraft zu alledem verleiht? Die Festigkeit des Charakters, die Treue z.u sieh selbst und die tiefe Verwurzelung iu dem, was «len Jugendlichen einst gebildet: Beste altjüdische Tradition, erfüllt von Ehrfurcht vor geheiligten Institutionen und wahrhafter Religiosität, beste deutsch-klassische Bildung. Den Frie«len tunl die Einheit 'stellt er über alles — ohne Furcht uir Kampf,. wii dieser nötig, mul darmn ist er befähigt und war, berufen, der erfolgreiche Leiter der alten Frankfurter Eiuheitsgemeimie zu sein und zu Ihrer Blüte so Wesentliches beizutragen- Aus dem Kraflroscrvoir für das Jiidrnttim Deiitsehlamls, der Provinz Pos«’ii, stammend (;im 31. Mai 1861 in Pieschen' geboren), kam er als junger Assessor nach Frankfurt, wo sein u>m Elternhaus her befruchtetes Interesse für jüdische Dinge ihn. «leu kaum Dreißigjährigen, im Jahr«’ 1894 bereits in die Gemeindevertretung eint ret«’n ließ. Seit 1900 ist er’im Vorstand, seil 1904 «ler erste A'orsitzemle. Und welche bleibenden Werke spriM’Iien von «lein Wirken dieses Leiters: WVslemlsynagoge mul Neues Krankenhaus. Neuer Friedhof und Neubau des Phihmlhropiiis. neues Gemeindehaus im alten Botliseliihl-Gehämle, neue Verfassung. Bibliothek mul Museum, Zentralisierung der Wohlfahrtspflege und Umsehuluugsweikstälten, neue eigene Steuer«irwallimg und Grmullchre. .-«> viele Worte, so \iele Talen. Fürwahr ein Lehenswerk-und doch nur ein Teil der Tätigkeit dieses außcrimlentlirh pflichttreuen und sehaffenshistigen Mannes. 1891 Milgrümh’r «les Fi ei-innigen Vereins für Jüdisches Geineimle- Icbcn. «h*s Vorläufers der Wreiiiiguug für «las rel.-Iü». Judentum, «ler er in tätiger Vlitarheil anhfmgt. hat er trotz aller Betonung «ler Einheit «tets für die religiös-liberale Sache gewirkt. .Tn der Nachfolge seines Schwiegervaters Leopold 1 Iirsehlcr. «IfssenToehlrr als geliebt«* Gattin ihm in allem .ratend mul mühend zur Seite steht, hater' von je den allgemeinen Whihlfalirtshestrelnmgen seine beste Kraft ge*g«-beit, «len Logen, «lern osteuropäischem Hilfs- «‘omilt', dem I lilfs\«*reiu «ler .Jiulen ,iti Deutschland, der Alliance, «ler J.C.A.. deren V erwaltungsrat er führend angehört, «lern llirein, «lesseii Vm-sitzeiuler er ist. Führend war er stets an allen Gesamt- Orgänisaliuiieu des «h*uts«heu Judentums beteiligt, so dem Doutseh- Israelitiselien G«*meindebiimK «lern V’erhaiul «ler Deutschen Juden, der Kouf<’« » nzg« ineinsrhaft ih*r Großgemeiuden.' dem Preußischen Lanih’sverbaml. «l«*r Ai,heitsu,em«’iii«ehaft der Latulesverhäiule uml .«ler Ih’U’hsvi-rlrctung. Mitglied -«ler Jewish Agency, hat er als Nicht-Zionist stets offenen Sinnes mul Herzens «lie Bedeutung «h’s Palästina-Anfhau« eikanril und ist für seihe Chcr/cugum: eingetrelen. Das i«t es g«’ra«le. was ihm die Gruße verleiht, «laß er nnbekümnu’rt um Meinung und Gegenmeinung, unbeirrbar seinen Weg geht, narb «lern Gesetz, mu’li «lern er nngetreten. Daß er ihn — zum Segen .des Judentums — luieh lange Jahre so aufrecht irehciimö»e. wünsehen wir ihm an «liesein Tag«*. . Ein Jalir Jofcph Lt^hmann-Sdiule Vor Jahresfrist begründete «lie .1 u «I i s e h e B «• f o r Inge m e i n d c «•- V. ein eigen«’? Sehulwerk «hireh 'Erriehtuug einer'privaten jütliseheu' Volksschule in Berlin, «lie sie nach «lern Namen ihres jüngst verstorbenen Seelsorgers ..Jnsepli-Lehmnnn- Sehnle“ nannte. Alt!» Anlaß des einjährigen Bestehens der S«-hule veranstaltete der ..Bihhmgsverein. begrüiulet von der Jüdiselu-n •Bcformtiemeiiul«*“ eine sehliehteeiiulrucksvolle Feier, bei «ler dij* Ihrrren Sauitätsrat Dr. P e v s e r und Stmlienrat i. B. Dr. W a i* h s ii <• r über» «li«’ Entwiekhmg «ler Schule herii iit»’teiu Bei Gründung «ler Schule betrug die Sehülerzahl 80. sie‘i-t’ im Laufe eines Jahre« auf etwa 300 gestiegen. Infnlgcdr.-scn mußten •neu«* Sehiilrämne in «ler Jo’aeliiinslhah’r Straße gesi’liaffni mul lU’iie Lehrkräfte eewoniu’n werden. Das Prinzip «ler-Schule, «‘ine jüdische HieIiUingss<:hul«* zu sein in enger Verbundenheit mit «lern gesamten jüdischen Sehnlwerk. hat sieh «lureliaubewährt. Sanitälsrat■ Dr.-Perser Konnte im Namen «les V*or«t«-'nules «les Bihlmig?- Vereins, «ler Beh’hsverlretung der Juden in Df’iilsehhuul. «ler Berliner Judi«« hen Gemeinde und «lein Elternmul Fremuleskreise «h’r Schuh’ für ihre' Opf«*rwilligkeit danken und der' Hoffnung Ausdruek geben, «laß die weitere Sehulenlwiekhim: sieh zum Besten des entschiedenen jüdischen Liberalismus, aber darüber hinaus auch zum Segen «ler jüdi-«’hcn Ge-amthvit vollziehen werde.

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