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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-04-29 · 18 (29.4.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
18 (29.4.1936)
Date
1936-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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druck. Vor den Regierungen- und deutlicher als sie machen sich die Volksmassen seihst oder, wie in Österreich. auch die Kirche zum Vollstrecker ‘ dieses Zustandes. Verlassen wir Kuropa itn Augenblick seiner Stärke oder seiner Schwäche? Uns ist es nicht gegeben und nicht aufgegeben, diese Frage zu beantworten. Wir können wiederum nur fcstslcllen, daß wir Kuropa nicht iii einem Augenblick des Zufalles, sondern in einem weltgeschichtlich bedeutsamen Augenblick verlassen müssen. Alfred Weber umschreibt die augenblickliche Situation Kuropns in seinem Huche ..Kulturgeschichte als Kultursoziologie” etwa so: einer weitgehenden Kr- -Icirhtcriiiig der \ erständigungsmöglirhkeiten nach außen gesellt sich eine intensive Aiiseiiiaiidcreiilwirk- Inng durch Heloiiiing des jedem Volke Kigeiieii im Innern, ln diesem so erfaßten Kiiropu bleibt für uns •Ituleii. ziuniiidesl überall dort, wo wir als uennbarc Gruppe auftrelen. kein Platz. In diesein Augenblick kann uns Kitropa nicht hallen. in diesem Augenblick muß der Platz für uns immer mehr schrumpfen. Damit stellt sich dir .Situation des Auszuges \on heule in die Keilte aller unsere Auszüge. Sie haben alle ihr nur ihnen eigentümliche Konstellation, sie stellen aber zugleich alle unter weltgeschichtlicher Notwendigkeit. Niehl nur. «lab unser Wille nicht gefragt ist. im Grunde genommen ist auch nicht der Wille der Völker zuletzt wirksam. Ks ist immer so. daß die Wölket uns nicht halten können. Ks ist im Letzten nicht der Wille Pharaos, der Gesrliielite machte. Der W iIle Pharaos ist \ ollztigsorgan einer über ihn mächtigen' Notwendigkeit. II. Dals das .lutleulitm mit eigenen Leistungen, aus eigener Kraft geboren, durch die Geschichte ging, bratiehl hier nicht dargelan zu werden. Ks unterscheidet sieh aber die Kraft der .luden will der anderer Völker und Kulturell in der Art ihres Wirksamwerdens. Andere Völker vermögen nur zu wirken, wenn Absicht und innere Umstellung hierzu vorhanden sind. Das ist an. sieh so selbstverständlich, dals das hiermit Gemeinte erst am entgegengesetzt erscheinenden jüdischen Wirken verständlich wird. Die Kraft des Judentums hat zwei Phasen: einmal setzt es all seine Kraft ein" für die Sammlung und Konzentration im Innern, das andere Mal wendet .es sic auf für die Weitergabe nach draußen. Heide Phasen können im Gründe nur nach einander, nur eine die andere ablöseud auftrelen. Heide Phasen, sind einander entgegengesetzt gerichtet und doch verursachen sie einander. . . , Dieser eigenartige Vorgang soll an einer Heispielfolgc klar werden. Das Mittelalter ist eine Phase der Sammlung, peinlichster Absage an die Welt draußen .und gewissenhafteste Konzentration auf die Well drinnen. Und doch wurde mit der Sammlung der Ausstrahlung vorgearbeitet. Mit jeder Vorschrift und mit jeder Anordnung, die das Leben des Juden abriegeln sollte toll dem da draußen, sehlieb sich ins Herz des Juden der Wunsch ein, doch so zu sein wie die da draußen. .Mit -jeder neuen Schranke, dis im Geistig-Kulturellen neu errichtet wurde, stahl sieh in die Seele des Juden die Neugierde darnach, zu wissen, was draußen vorgehl. Je weniger man sieh des ..Nebenproduktes” bewußt war, um so stärker wuchs sein Drängen, heraiiszukoinmeu aus der Verdrängung. Schließlich war der Druck des Gesammelten und mit ihm der Gegendruck des ungewollt, aber eben auch V orhaiidenen so stark geworden, daß die Schale zum bersten kam. V on Spinoza bis in unsere allereigenste Gegenwart ließ dann der Strom des aufgespciclicrten eigenen Gutes getrieben ton der gehäuften Sehnsucht nach der Well draußen. Die Sammlung führte zum Erguß'nach draußen. Im Zeichen des W eitergebens der eigenen Ktillur mid der eigenen Krall steht die Neuzeit. Die lange, verdrängte Möglichkeit, anderen zu geben, führte aber wiederum zu einer Übersteigerung des Gebens. Der am wirlsclialllit-hcti Leben-Interessierte gab nicht nur seine Fälligkeit und Tüchtigkeit au das wirtschaftliche Leben Kuropas hin, er gab ihm auch den Rhythmus meines Lebens, sein Hüben und Feiern, die lim eng umschließende und tragende Ordnung seines Kreises. Kr gali nicht nur seine Kraft, er gab sich selbst her. Und so war es mit dem W issenschaftler. der nicht nur sein Können gab; der diesem von ihm so sehr ersehnten-europäischen Geiste Name mul Vertiangcnheit und Stamm und Heligion hingnli.' So hielt es der Jude, wenn er Umgang finden wollte in die europäische Gesellschaft und ihr nicht nur soziales Hereitsein brachte, sondern stfitt Ich' so ganz zu Füßen legte. Aus .dem Gehen der Kräfte wurde ein l [ergehen seiner selbst. Kuropa konnte wohl unsre Kräfte gebrauchen, besonders so lange als sie mit anderen Kräften am Aufbau und Ausbau eines glanzvollen Kuropas eingesetzt werden konnten. Sobald .aber Kurnpa nicht mehr wahllos Kräfte verbrauchen durfte, sondern in dem oben gezeichneten'Prozeß der nach »lern Gesichtspunkt des 'Eigenen erfolgenden Musterung der Kräfte gerissen wurde, sobald wurde der Umsatz und die Gabe des Juden fragwürdig. Ohne daß wir cs wollten, wurde aus Sammlung Bersten und Strahlung, und ohne daß . Wir es wollten.' wird, aus Gelten llcrgeben und Ausgestoßciiwcrden. Die Agitation der Araber Araber fetzen Regierung unter Druck Bildung einer antliLclicii Nationalrcgtcriwg -beschlossen Jerusalem. JTA. Auch um Sonntag, den 20. April, ereigneten sirii in Palästina keine Xuisriicpfällt1 (Hier ZüsamnienstülAe, denen Bcdculuii” lirizuniesscn wäre. Dagegen entfalten die ' Araber nach wie vor eine große Aktivität. Ihre politische Haltung scheint sich mehr und mehr zu versteifen. Der Gcncral-Imk wird fortgesetzt. .Mail bemühtsich. Hui inöglicli.-t eiuheiilieh mul lückenlos tltmh/.uCühren. So hai liente «ia? arabische Streikkomiteeauch die Arlxuurr im Hafen von Haifa uufgeforilert, sich der Streikbewegung anzusehliei-vn. K-* bestehen Anzeichen dafür, daß die Arbeiter dieser Aufforderung uaelikomuu-u werden. In einer Yersmiiinhtng arabischer Parteiführer wurde der . Beschluß zur Non-rooperntion mit der Negierung gefaßt. Die Araber wollen -ich nicht eher auf Verhandlungen mit der Negierung entlassen, ehe nicht die jüdische Einwanderung vollständig nnterimndeu worden ist und insbesondere auch den Lanriverkänfeu an Juden Einhalt gelntien wird. Die arabisch;*!! Parteiführer Im-mIiIowm weiterhin, eine arahisehe 'Nationalr e g >*• r n n « y.ti bilden und ein A k 111» n k o m i V e e zu wählen, dem Jo Mitglieder angeboren sollen. I’nter ihnen hefinden sieh aueh der tiroßinufti von Jerusalem und der Bürgermeister von Jerusalem. KlvulhU. Der Wand l.eiuni. der Jüdhehe Nalmualral. erließ au den Jiselnivv eine Proklamation. In ihr wjrd betont, daß die Luruhen in keiner Weise‘den eutsehlo^euen \\ iHcu des jüdischen Volke?, schwächen werden. Erez Nrael in vollkommen friedlicher Weise mifziihunci]. Ein Trick Jerusalem. ITA. Diea r a h i s e h e A g i l a 11 o n wird mit unverminderter Schärfe fortgesetzt. Der arabische Agitator Scheich I’aroukh nah eine Proklamation heraus, die mit den Worten heuinnt: ..Aralwr! Wir wn||.*ii das Vaterland mit. allen Mitteln ■verteidigen.*1. In vveleher Weise die Araber hei ihrer Agitation und Propaganda vorgellen, zeigt ein Trick, dem man auf die (Spur gekommen i-t: VvaU'r gehen mit verbundenen Köpfen herum, obgleich sie gar keine Verletzungen erlitten haben. W enn man sic fragt, warum sie ihre Kopfe verbunden haben, antworten sie. daß Juden sie verletzt hätten.- Die Araber liehauplcn. daß viele Studenten leicht verletzt worden seien, als die Polizei einen von ihnen gebildeten Demon?tratinnszug aufgelöst habe. Es stellt jedoch fest, daß niemand von Urnen in ein Krankenhaus eiugeliefert worden ist. Versuche arabischer Diktatoren, dir Araber in den jüdischen Kolonien gegen die Juden auf/.uwicgeln. sind mich' den vorliegenden .Meldungen bisher ohne Erfolg geblieben. Noch immer Brandltiftuugen Jerusalem. JTA. Die Brandstiftungen, die im Verlaufe der vergangenen Woche unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas große Beunruhigung hervorgemfen haben, sind zwar merklich znrüekgegangen, es werden jedoch noch aus zahlreichen Teilen des l.andes Brände gemeldet. im Knick Jisrecl kamen am Sonntag nicht weniger als fünf Brände vor. Verschiedene- Ohstpflnnzungcn wurden zerstört. Im Kihhuz Biwlges und in Bet'‘Alpha wurden Baracken angezfmdet. Bei Bet Alpha wurde Getreide auf 200 Dnnam jüdischem Bodm vernichtet. In der Altstadt von Jerusalem wurde ein' i ü d i s r li <• * Bestall runt angczümlel. An der Peripherie von AVI Awiw, in Sclveehumil Marginiu. wurde eine /virile S v n a j* o g e in Brand gesteckt. Die Wassersint ion von Tel Jos-et wurde gleichfalls in Brand gesetzt. Im Manschijaviertel von Jaffa wurde eine jüdische Tischlerwerkstatt augezündet. Die Behörden halieu Vorkehrungen getroffen.' tun die Brandstiftungen zu vermindern. Polizei patrouilliert liesonders nachts auf den Feldern. 9509 Flüchtlinge in Tel Awiw Tel Awiw. JTA. Die Zahl der jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa und riugchting ist in den letzten Tagen noch g e * t i e g e n. Tn Tel Awiw halten sieh jetzt 9509 Personen auf. die ihre \\ nhn-Jä!lr:i infolge der Unruhen verlassen jnußten. -Ihre \ ersorgung ist von der Stadtverwaltung von Tel Awiw organisiert worden. Die Flüchtlinge erhalten täglich pro Kopf eine Unterstützung von MO Milliui. Die Negierung hat einen licsoiidcreu Fonds für die Unterstützung’.'der Flüchtlinge in Höhe, von 2B> Pfund täglich zur Verfügung gestellt. Die Polizeibehörden Indien den aus-den'Vorstädten der Stadl geflüchteten Juden mitgeteilt, daß sie w ieder in ihre Wohnungen •/. u r fi c k k e h r c n könnten. Insliesoudere gilt dies für die Juden des Floreiitin-Viertels: außerdem haben die aus der Siedlung . Ilatikwu geflüchteten Juden die Aufforderung erhalten.*'wieder in ihre Häuser zurückzukoinmen. Milderung des Belagerungszustandes . Jerusalem. Nachdem cs in den letzten Tagen zu .größeren Unruhen nicht mehr gekommen ist, wurden hi Tri Awiw die Maßnahmen, die auf Grund des Belagerungszustandes getroffen waren, teilweise a h g e s e h vv ä e h t. Auch in verschiedenen Teilen der Stadt Jaffa ist der Belagerungszustand gemildert worden. Die Regierung hält jedoch alla Machtmittel bereit, um gegebenenfalls einschreiten zu können. In einer Bekanntmachung der Negierung werden alle Verkäufe von Waffen. Munition lind Explosivstoffen verlioten. Alle Personen, die im Besitz solcher Gegenstände sind, müssen sic an Orlen sicherstellen, von denen die Polizei Kenntnis hat. * Die Polizei in Tel Awiw ist angewiesen. uimaclisjciitlieh gegen A n » a mm 1 u n g e n in den Straßen einziisehrciteii und uotfalls Zusammenrottungen mit Gewalt nii^-innndcraitrcilw u. unter Lmstündeu sogar von d e r. S e |t u ß vv a f f «• Gebrauch zu machen. Auf der Straße zwischen Jerusalem und Hebron wurden von der Polizei Aralnrr ungehalten, die sich verdächtig gemacht hatten. W a f ft? n z u s e h m u g g e-I n. Dir ‘‘arabische-- Taue— Zeitung ..Kl I.iwaar" berichtet, die Pidizei halte Trän-eiujas in Bercilschaft. um es gegen aralusehe Demonstrationen zu .verwenden. ln Jaffa winden mehrere Araber zu ja ln Piaster Grld-tralV von einem britw-hen Nirhtcr verurteilt, weil sh* 1) o I r li e get ragen hatten. In derselben A eriiandhmg wurden mehrere Juden, weil sie nach KintriM der Polizeistunde, noch auf der Straße waren, zu Geldstrafen von je drei Pfund verurteilt. Kolomeiiminilter erklärt: ..Die englische Regierung wird Gesetz und Ordnung atifrcchtrrlinltrir* London. ITA. Jm Unterhaus wurde durch eine Auiraue des. Abgeordneten Graham Winle die gegenwärtige J.nee in Palästina zur Sprache gebracht. Der Abgeordnete iVaate den Kolojiienmiuister, oh er in der Luge sri. über die l imiiteu in Palästina irgendwelche Erklärungen abztigehen. ln sJeincr Erwiderung..verwies Kolonienminisler .1. II. Thomas darauf, daß dem Dause ein Bericht über die Unruhen, die bisher sechzehn jüdische mul fünf andere Tote sowie fünfimdsiebzig jüdische und zwehimlsiebzig aiidere Verletzte gefordert hätten, vmnelegt werden würde. Kr wolle diese Gelegenheit benutzen, um zum Ausdruck zu bringen, daß die Aufreehterhaltung vim Gesetz.' und Ordnung ausschließlich eine Angelegenheit Seiner Majestät Regierung-; sei. und daß alle Machtmittel gegeu denjenigen eingesetzt werden würden, der das Gesetz vrr . letze. Die Negierung werde sieh von dieser Politik nicht durch Aufruhr oder irgendwelche Drohungen abbrmgcu lassen. Auf eine Frage des Abgeordneten. Silvermun. -ob die Ereignisse in Palästina die Verwaltung nicht davon ühcrzeugeu würden, daß die Zeit jetzt für eine Gesetzgebung nicht reif sei, erwidert« Kolonienminisler 'Thomas, er hoffe nicht, daß der' Abgeordnete zu sagen beabsichtige, die Entscheidung des Unterhauses tnler eine in ihm gefallene Äußerung sei für die Unruhen verantwortlich. -..loh bin weit mehr daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen14. sk> bemerkte er, ..daß S. M. Regierung entschlossen ist. Gesetz lind Ordnung aufrecht zu erhalten und daßsie dies auch tun wird.44 . ' ' Jüdifcher Ärzlekongreß in Tel Awiw eröffnet ' Tel Aul«. Tu emer \üh Unruh.: erfüllten Atmo.'i>h.rin-. r als ein lieweis iin£ebrorhrueii I.ebrnovilleiis. fand in Tel Auiu am-25. A]iril die Kn'iffmin^ des. Jndiselien Aratekongres&es statl. Der Präsident der Jewisli Agency und der Zionistischen Wellnrgahisation Dr. i .ilc’lni W e i 7. in a n n ' Acae trotz der durrii die Lhnstünde bedingten aulsergcw ölinliehcn Inansprudinaluue zur Eröffnungssitzung erschienen. Seine Ansprnehe, die eine ungeheure öegeislerung in der - N'ersainndung auslüste, Irenuzeieliuete den ArzlekongreÜ als eine symbolische jüdische Antwort für all die Leiden, die destruktive Kräfte in den letzten Tagen über den .lisehuw gebracht haben. Oie Judcnhril werde fortfahren, 1 ml/ .. allem ilir koustniktives Werk aufzuhaueii. feit -hin der riierzeugung. so sagte Dr. Weizmann wörllirh, dals dieses' ei l. sieh als erfolgreich erweisen wird. Der Kongreß, der trotz der gegenwärtigen Lage in Tel Awiw starke Hrachtüng findet, ist. von 300 Delegierten besm-bt. Dcr Kongrtds lial l>eschlnssen, eine 'internationale jüdiselu- Arzfceorganisatin'n zu sehaffen. Das betii-utcl iiit-hf. dals wir etwa zur Unfruclit-’ liarkcit verurteilt wären. Unsere Kraft weicht einem alitieren, tlas mächtiger ist als sic. Unsere Kraft ist Vollzugsorgan einer ühcr.sic mächtigen Notwendigkeit. III. ' Hinter dem 'Willen (Iraulicn und hinter der Kraft 'drinnen steht tlie geschichtliche Notwendigkeit. Ks ist ein und dieselbe Notwendigkeit in doppelter Krscheimuig. ein und dasselbe Gesetz, das Gesetz, unter «lein wir angctrclen sind. Es mag Menschen gehen, die sich gegen tlie Annahme solcher Gesetzlichkeit sträuben. Ist es wegen ihrer dadurch problematisch gewordenen Freiheit, dann sei ihnen gesagt, daß menschliche Freiheit ohne das Gesetz geschichtlicher Notwendigkeit einem Fallen durch den leeren Raum glcichkonnut. Man mußte noch nicht einmal Mensch sein, sondern nur Teil der übrigen Natur, und das Dasein wäre nicht begriffen, wenn es nur ein Fallen durch den leeren Raum wäre. Sträuben wir uns alter nicht gegen die Annahme dieser Gesetzlichkeit — und tlas Sträuben aueh dem Kritischen schwer zu machen, ist Absicht dieser Darlegung,—. dann gewinnen wir eine zweifache Sicherheit. Die Sicherheit mag dem Gläubigen nicht erst durch diese Darlegung erläutert werden, sie wird aber aueh ihm als so unterbaute wichtig sein. Die erst.e Sicherheit ist ein Wissen um misere Dauer an sieh. Man sucht seit Urzeiten ein Perpetuum mobile. Was auf dem Gebiete der Naturwissenschaft nicht auffindbar sein kann, kann dem Hereiche des Geistig-Seelischen Vorbehalten sein. So eigenartig es klingen mag: die Gesetzlichkeit seiner Kxistcnz hestinuiU das Judentum zum Unikum des Perpetuum mobile. Die zweite Sicherheit ist eine Krfahrung tlcs Garanten dieses unseres Datums. Wir dauern nicht, weil wir cs so wollten: wir dauern nicht. Weil andere es wollten. Darum, weil es nicht auf Grund inenschlichen Willens geschieht, kann gegen dieses Dauern aueh nicht menschlicher W ille ankämpfen. Nicht \\ illc draußen und nicht Wille drinnen, nicht Kraft dranl.Veit und nicht Verzweiflung drinnen. Das Gesetz'wird zum Garanten der jüdischen- Existenz. Das Wirksamscin dieses geschichtlichen Gesetzes sollte hier gezeigt werden. 'Wirksam wird dieses Gesetz. in den Hercichen uns sichtbaren Geschehens, wurzeln muß es aber in einem Reiche, das hinter diesen Hcreichcn steht. In dieses Reich halten Juden immer geschaut, wenn sie tlie Kräfte ihrer Geschichte erkennen wollten. Und immer, wenn sie in dieses iReirh geschaut haben, erfuhren Juden -die Kraft, ihre Geschichte zu erleben und weiter zu leben.

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