Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 16 (15.4.1936)
- Date
- 1936-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage 15. April 1936 JÜDISCHE AUGEHEIME WEITUNG Der Löwe des s Jerobeam Von BEN CHORIN Seit ich Jeu Löwen de» Königs Jerobeam besitze, bin ich von Grunde auf verändert. Das darf nicht wunder nelnuen. Alan ,bedenke: ich besitze jenes Löwensiegel, welches der König Jerobeam oder einer seiner Minister unter seine Befehle setzte. Das ist keine Kleinigkeit. Ich bin herausgehoben aus meiner Zeit und durch die magische Kraft, die dem Siegel innewohnt, hineingerisscu in die Tage des alten Judenkönigs. Aber es ist nicht billig,!iicr über die Wirkung zu t>nrechen, welche da$ Löwensiegel auf mich ausübt, ehe ich es nicht beschrieben habe und berichtete, wie icb in .seinen Besitz k'am. Das Siegel dc> Königs Jerobeam ist ein Löwe. Aber was für einer! Er streckt' sich, stemmt die kräftigen Beine gegen den Hoden, reißt das Maul gewaltig auf und brüllt. Brüllt, daß die Wüste erzittert. Mit seinem Schweife peitscht er die Luft. Die Kunsthistoriker und Archäologen könnten eine ganze Menge über diesen Löwen sagen. Wahrscheinlich hat einer von ihnen auch ein dickes Buch über ihn gesehrieben, in dem zu lesen steht, daß-der Löwe deutlich phüiiyzische und babylonische oder gar sumerisclic ..Einflüsse verrate'*- oder" sonst irgendetwas sehr Gelehrtes. Uns ficht das wenig an. Wir sind — gottlob weder Kunsthistoriker noch. Archäologen — einfach Juden sind wir und deshalb stehen wir gewissermaßen familiär und! auf dem Duzfuße mit dem Löwen des Königs Jerobeam.'* Allcut — wir wollen es nicht in Abrede stellen — es gelingt uns nichl, »»fori ..warm" zu werden mit dem Löwen des Königs Jerobeam. <■ Woran .da:-* Hegt? Wir sind — meinen Sic — als Juden den Anblick von Löwen, künstlichen (versteht pich) doch -gewöhnt? Das steht ja nun außer Zweifel. Der Löwe ist das Wappentier Judu>: er droht von den schönen Sammetvorhängen der Bundeslade herab," er sitzt zu Füßen des siebenarmigen Leuchters und aul dem getriebenen Bru*l*<'hild der Gcsctzcsrolle — kurz er gehurt zu uns «ml in unser Leben, wie der Rabbi oder der Vorgänger. ' . „ Aber, aber . . . Löwe ist Löwe, möchte man meinen. AVeit gefehll. Löwe ist nirhi Löwe- E» gibt da gewaltige* Unterschiede. Ich spreche nirht vom Stil, denn davon verstehe ich nichts. Ich spreche von etwas anderem, das ich am Insten in einer Gcgcnfibcrslelluni; ausdrücken' kaun. Unsere guten, familiären jüdischen Löwen schauen uns an, . als unlltcu sie sagen: Fürchtet euch nicht. Juden, wir sind zwar Löwen, schön, aber wir.sind docli jüdische Löwen. Wir sind „nur" symbolisch. Wir hoben nie die Wüste gesehen. Wir haben wie ihr selbst. Iiel>e Juden. Ahnen, die im Lebenaus wohnten, oder inder Synagoge oder in der Sabbatsrubc. Nicht einmal aus dem Zoo stammen wir. " Wir sind einfache, koschere jüdische Löwcm. Und sie haben in der Tat. recht. Alles Löwcnnafte ist von ihnen genommen. Sie sitzen brav da, wie kleine Chcdcrjungen/ nur gekämmter, sie machen Männchen, um die Krone der Lehre auf den Vorderfüßen vor sich her tragen zu können, sehr elegant und wohlerzogen, wie — man verzeihe den sündigen Vergleich — Kellner, die servierend von Tisch zu Tische eilen. Mein Löwe aber — der Löwe de3 Königs Jerobeam — .brüllt einfach. Laut und ^tierisch. Voll Kraft. Löwenhaft. Er-ist kein Ruchlöwc wie die Poraucbcs- und Mcnorah-Löwcn* er ist aus der Wüste gelaufen und begibt sich alles vertrauensseligen Kopfwarkelns. Er ist eben ein königlicher Löwe. .Ich ^glaube, daß in einer Konfrontation meines Jcroltcamf.öwcu mit einem der vielen, guten und koscheren jüdischen Löwen unsere ganze Geschichte hcschlo,rM*n Hegt. Wir waren einmal -— in jenen Tagen, da der König Jerobeam noch auf deni Throne saß — groß und wild und dunkel'— ein Löweuvolk. Und jetzt? Und heule? Ach, es ist alles „nur symbolisch" geworden. Audi wie seihst, wir, das Volk der braven und humanen Menorahlöwen. die nie die Weite der Wüsten gespürt. Es ist so. Teh. weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, daß dem mi isl. rwäre auch aar nicht schön, die Verhältnisse zu bewerten, deiui wir können ja in den Tiefen nichts ändern, wir .Menorahlöwen ... „Im Namen des Knechtes Jerol>cums'* steht unter dem bronzenen Siegel. In althebrüischcn Buchstaben ist es eingegraben. Weiter nichts. Kein frommer Spruch. Keine salbungsvolle Sentenz, wie sie in der Umgebung der Mcuorah-Löwen gedeihen. Nichte von alledem. „Im Namen des Knechtes Jerobcams.'* Der König selbst i>t ewig unerreichbar. Er sitzt auf seinem Stuhl von Malachit* erhaben über Cut und Bös. Die Frauen träumen in den Nächten Jerusalems von seinen Küssen und sie: zittern im Schlafe. Die Jünglinge, die braunen, scluügeu, werfen das duukle Gelock ihrer Häupter stolz in den Nacken, indes sie mit balbgesehlo^-ucu Augen die Schärfe 'ihrer Schwerter prüfen, die sie in die Sonne' halten. Sie sind alle sehr Mark, diese Jünglinge. Sie laugen zum Lieben und Tölen. In ihren Herzen brennt eine große SennsuchI. sie wollen den König sehen. Aber das kann, man nicht. Es ist unmöglich, denn vor ihm. steht immer noch ein Gewaltiger. Der spricht: „Im Nomen des 'Knechtes Jcrobcauis'*. Niehl einmal im Namen des Königs wogt einer zu sprechen.. Man kann ihn. also nicht sehen. Aber sterben kann mau für ilui. Und kämpfen. Darum prüfen die Jünglinge ihre Schwerter. Und ichV Ich habe kein Schwert. Ich haue nur dos Siegel des . Königs. Deshalb bin. ich ein Verwandelter. Ich träume vom Tod für den König. Und ich erhebe das Glas auf den König. AhcY es gibt keinen König mehr. Nur noch sein Siegel. Genauer: den Abguß seines Siegels. Und den habe ich und bin verwandelt. Wie ich in den Besitz dieses Siegels kam? "Ach, der Wahrheit die Khre: es wurde mir aufgeschwatzt. Ein Jude in Florenz, ein seltsamer Konz, der mit leerem Magen unter tausenderlei jüdischen Altertümern hauste, echten und gefälschten, die er mit der gleichen Cbcrsrhwcnglichkeit lichte* hatte es mir verkauft. F.r mußte mich Rom fahren — weiß der Teufel warum — und brauchte Geld. Also mußte ich etwas ans seiner romantischen Trödelbude. die zugleich seine Wohnung war, erstehen. Er hatte den Löwen des Königs .Teruheam für mich bestimmt. Es war. eine ausgemachte Sache, daß ich ihn kaufen würde. Also tat ich es. Unwillig fast, nur um wieder heraus aus dem seltsamen Beieinander von allerlei Krimskram zu komme». Aber ich bin dem Manne min sehr dankbar für seine händleriylie Kunst, die mir das Löwensiege! aufzwang. Denn er hat mir ctwiu mitverkauft, was er selbst nicht wissen konnte. Die heimliche Kraft, die in dem LöweiiMegcl wohnt, und die ich sofort spürt«*, als ich das erste Mol mit ihm allein war. Allein in einem ganz nüchternen Hotelzimmer, weiß Gott, keinem geweihten oder weihevollen Ort. Die Kraft, die dem Löwensiegel innewohnte, muß sehr groß gewesen sein, da sie noch in diesem Abguß lebt. Man bedenke: Unter den Todesurteilen sland die.*cs Siegel und unter den Verbannungen in Wüste, die eine Verdammung zum Tode de» Verdurstens waren, und unter den weisen Begnadigungen, diu wie die Kühle .des Abends nach sengenden Tagen ül>cr den Vcn1rlciltt.11 im Schacht der Zisterne kamen. Es liegen sehr viel Geheimniw eingeschlossen in dickem Löwcnsiegel. Es liest auf meinem Tisch. Dunkel, bronzenjahrtausendealt. — Wenn eine schöne junge Frau an meinem Fenster vorübergeht, i^l es immer Ilalhschu. Ich schreibe ihr einen Brief, in kargen Worten lasse ich sie meine Liebe wissen, und unter meine Zeilen setze ich das Löwcnsiegel: ,.Im Namen des Knechtes Jerobcams". Aber einmal wird c» sieh gegen mich wenden, das königliche Sir gel. Unter mein Todesurteil wird es eingedrückt sein. Ich hätte es doch nichl nehmen sollen, das königliche Siegel aus den Händen des flnrcntinischcn Juden- Aber ich mußte est nehmen, denn ein Funke der Seele Je entwarn* lebt tu meiner Seele. + ß * In (liefern Frühjahr Ort der Handlung: eine jü- . disehe Konditorei im Berliner trägt man ..... -n . 0 Ks ist gewiß nicht fem, Gesprächen am Neljentisch zuzuhören, wenn sie nicht für iui5jh*c Ohren bestimmt sind. Aber unwillkürlich wird man doch manchmal Zeuge vou Gesprächen, die zu denken geben. Zwei junge Frauen äm Ncbcnlisch, gut angezogen. Jede blättert in einem neuen Modcjournal, und es plätschern die Wellen ihrer Unterhaltung bis zu meinem Tisch. „Man tragt in diesem Frühjahr sehr viel Dunkelblau — weißt du schon? Zum blauen Kleid dunkelblaue' Handschuhe, dunkelblaue Schuhe." Sic wenden die Blätter. „Man trägt ganz kleine Hüte, richtige Baucmmützcn —" „Sich mal hier —1 man tragt Taschen und G ürt cl aus gleichem Leder. Man trägt . . .!t \ Ich höre nicht mehr zu, was „man" in diesem Frühjahr trägt. Ich denke mir, daß wir anderes zu tragen haben. „Mari trägt in diesem Frühjahr11--— man trägt sieh in" seinem Äußeren bescheiden und zurückhaltend, man trägt Takt- ' gefühl und Unauffällig keil zur Schau. „Man trägt" llcehnung den schweren Prüfungen und der großen Not, die unsere Brüder und Schwestern erdulden. „ . „Man tragt in diesem Frühjohr** aber noch mehr Sorgen, als man schon im Winter getragen hat. - Man trägt sie ungeachtet' des Saisomvceliscls weiter, sie sind leider nicht aus der Mode gekommen. - „Man trägt" Lasten und KürrJmcrnisse, die trotz Frühling und Frühlingszaubcr nicht leichter geworden sind, auch wenn wir die schweren Winterkleider oblegen- „Man trägt" auf den eigenen Schultern mit dm eigenen Bürden auch die schweren der Glaubensgenossen und möchte'sie ihnen frühlingsgemäß erleichtern helfen. „Man trägt11 als JuJc und Jüdin vor allem: Verantwortung. „Alan trägt in diesem Frühjahr" — blau oder grün? lang oder kurz? — man trägt vor allem auch in diesem Frühjahr — Würde! F. V. Der Prinz an der Sedertafel Anläßlich des Pes-aeh festes wurde in der ausländischen jüdischen Presse au ein Erlebnis erinnert, das der verslorltcnc König von England in Palästina gehabt hat. Georg V. wurde als junger Prinz hei einem Besuch dieses I^iudes im Jahr«' 1882 auch mit dem sephardischen Rabbiner Mayer Paiiiozcr Iickannt. Sein Besuch fand gerade am Vorabend de« Pessach stall, und so lud ihn der Rabbiner zum Scdcrabcnd ein. Der Prinz nahm die Einladung an und erschien mit seiner Begleitung am Sedrrahend beim Rabbiner. Rabbiner Poniezcr^saß in prachtvollem 'weißen Kittel licim herrlich hergerichteten Fest tisch. Zu seinen ln-iden Seiten saßen der Prinz und «ine Begleitung. Die Zeremonie des Scdcrabcnd-- machte «'inen tiefen Eindruck auf den Prinzen, der sieh nach der Bedeutung des Abends und der vorgetragenen Gcltcle erkundigte. Der Rabbiner übersetzte ihm «He Ilaggada auf Englisch. Der Prinz hörte gespannt die Geschichte des Auszuges der Kinder Israel aus Ägypten an. stellte manche Fragen und fragte so recht eigentlich die ..Ma nr-chtaun". Dem Prinzen bchagte das patriarchalische Milieu so gut. daß er gern auch die Einladung zum Festmahl annahm und steh Mnzzo und Moranr gut schmecken ließ. „Nie 'wird die Erinnerung an die?«*n prachtvollen Altend ans meinem Gedenken entschwinden", sagte der Prinz heim Abschied. Ein Nachfolger des Propheten Jonas? In der „Wormscr Zeitung1* lesen wir folgende Meldung, die allerdings stark an einen verspäteten Aprilscherz denken läßt: Professor Willam^on in f o rd hat festgestellt, daß der Propliel Jonas mit einem Pottwal spazierengefohreu ist. Zu seinen wiscsnschaftlichcn Untersuchungen kam er auf Grund von Berichten, nach denen " Mcn'chcn von Pottwalen verschlungen und wieder gerctlet* sein sollen- Den einen Fall berichtet ein amerikanischer Walfänger. Man hatte einen großen Wal harpuniert, ein Boot näherte sich ihm und wurde plötzlich durch einen Scuwunzschlag des Tieres umgeworfen. AUc Mann bis auf einen konnten gerettet werden. Nach einiger Zeit tauchte der «chwerxerwtindetc Wal wieder auf- und erbrach sich, wobei neben vielen kleinen Fischen auch der Matrose lebend zum Vorschein kam. Einen ähnlichen Fall erzählte die Besatzung de» Walfängers „Stern des Ostens". Maybaum über Maybaum Der Autor über srin ^Parlribrfrrilr* Judentum" Im neuen Hell dir .Mitteilungen der Un>lllo^r tut t>eul>ch l.unl Vlll U. O IV IV, „IVt'Hütten-Unc HiU»" YMftHcirthfhl iln" junge Kr.inklmtiT RatiHluct Dr. l^iui May bäum cl» lutere»- »ante» umt .iuiwhliiijr<ife.i*$ StlbMivter.il über »eine Im l'hlto- '. * Verlag, Herlin, ertctiicnene Schritt „l'jrtelbelivites Juil<;i.tiiiii". <ljt wir n.icliitolieml vcrAllentHrhen, utmolit Hm"Ii bei »einem ' titNcheltw» awtt-.ilulwh vim.nn* KroüunKt woitWn iit. Die Ideologien, soimiM .de* ivligiös-lilternleii iiU auch de* zionistischen Judentums sind im-M*. Jahrhundert entstanden. Wir leben nicht mehr im 1*>. Jahrhundert. Der 1 laupleimtand gegen all« Ideolugien, auf. die heule im Judentum allgemein stirm-kgegriffeu' wird, ist mit dem 1 linwci* auf ihre Fnl»trhuiigs/.cil vorgebracht. IVr jödisch-iiaiiiiiuile Gedanke der Auto-Ktuuu/iputmu, gründet sich ebeiiM» in einem liberalen Ge^ehichtnhild, nie dies Itei jener Kmauzipaliuusidce der Fall \M\r. ilie <leu HlH*ndeii Staat voraussetzte. Dan Ja-Sagcu zum 1'atüMtiui'Auflmu i-t *\vw \\e>tjuden als t'flichl Ih'wuL^i ucVonlcn. die ihm in ihrer jüdUchrcligiöseu und jüdi*ch-M»/ialeu Seih* immer deul lieber ttird. AIht dicf*cs Ja-Sagen zu PalTe-tiiia"mi|I mau nicht im) eiiM'r Meylugieuwelt verknüpfen, deren Ge-irigkeit tnttz aller »ugeusch^mliehen Zeilgemäßheit klar gemacht «erden kamt. Der jiidiaclu* Nutionnlismus gewinnt den'jüili^cheu As-imihmlen für l'idflHiinn. Wer ab Jude mit dem Judentum verbunden ist, hat die .Sehlagworte der politischen Ideologie |ticht nötig. Das echte Judentum ist Jt*iotÜBtisch". wie .-ehr-auch der Zumi-miu*, wo rr nicht* andere» als eine politische. Ideologie i»i. uicht echte* Judentum int. _, „Neues JudentHm'' - tla* war der .jngeiHllich-W»einlerte Huf des früheren jüdisch-religiösen I.il)eralinnuiH. Dic*e juiliMcbe lltttpie hat der ZiouiMniis ülMTiHtiumen. Das l>ob, da« dem ZioiuV inua zu zollen muß mieinge-ehränkt vorgebracht wenlen. wo cä «ch um die sozialen und wirlnrhnffliehen Arln'itni handelt, mit denen tlcr ZinmsimiK gegen die Judeiiunt kämpft. Die FCrilik hat aber dort cin/uwtzcn/ w<i der Zionismus A*iiiem naiven Me.wianismus verfallt. Die ItaUonr-lVklnraliou i-«l geuiU ein mewianisebes Ereignis — alter in Lcinem anderen Sinn als jene Gesetzgebung, die die Emaiwipnlimi drsi WeKtjmlrnliini- «elnif. Kh gibt mr«sianifche Ereignissr in -der Zeil. Die«* Fivigui^e bejahen wir in energisch-froher Talltercitschnfl und zugleich in aller Geduld, die die Uuerfülltheil eines je d e it_Zciicreiguk.eN demütig und nüchtern hinnimmt. In einem zionistischen PrnpagnndnwvTk heißt es unter einem WWA. An* einen Oiahi/ und eine Chaluzn darstellt: „Diese Men>elien halten ihr alle«. Seh ick-yd hinter sich gelassen." Iiier b*i 711 fragen, ob diene beiden McuntIicji rlcnn nicht Juden bleiben. Wenn j*\c. Juden bleilteu, haben nie dann nicht ihr Schicksal behalten? Sollen sie es nichl Itehallen? „Diese Menschen" — so führt der -Pmpagatidalcxl fori, der die Photographien Itcglcitcl — „waren Studenten, Akademiker. rCnufleutc: jetzt beginnt für diese Mensehen ein wirklicher* Leben." Wie immer die«e Textworle lieiLWn. die diewe Pnipn^iinda charakterisieren, bezeichnend ist der Jubel. Der Jultcl. der entsteht, indem I^eid verdrängt winl, Ut niclit echt. \Imt vielleirht ist es nft.eehlrr JiiIh'1. Denn Jugend will nnd ntnlA m'chlH wias4'n von einer Ijeiden^geschirhte. weil sie eine Genehirble Hlterhaupt noch nicht hinter «ich hat. Sin fJIngt an. Der Zioui*iuuNj uwofern er ein Judentum für junge Juden ist, .argumentiert uns in eine hrmisrhe Situation hinein: damit nimmt er uns dir Glorie unserer T^eidensgeschiehte. Der Zionismus oU ..neuer jüdischer Anfang" ist in Gefahr, so radikal neu anzufangen, daß er den Zusammenhang mit der jüdischer Vergangenheit verliert. In dieser Gefahr ist er dort, wo er Ober das liberale Geschichtsbild in Wahrheit noch nicht hinan«i;ckommrn ist. Dir Genrhirhle ist nicht bloß der Schauplatz menschlicher Etperimenle. Pen» Herrn der Geschirhtc nntrrtnn zu «ein, bleibt unser Schicksal — gesii-ni, heute, morgen, ewig. Der Verdarbt, daß der Zionismus in seiner Tendenz nach Normalisierung demselben Ideal nachgeht, diw mich das Tdenl des Reformjudrntum» war. is| manchmal Itegründrl. Anelidie Reform ^wollte — grwiß anders nls der Zionismus — don Judentum normalisieren. Die V e r s ö h n u rt z den r e I i c i Ö f - I i b e r 111 e n J u - ilrntiim» nn t dem Z i o 11 i t» in 11 * ist «las Erfonlenus und die Oianee der Slnnde. das rrlignV-libernle Judeulm» prolestnnlinierteH Judcnliim war. wurde e-* zn Recht vom Zionismus I>rkämpft. Wo der Zionismus |«iliii-iertes Jiidenliim ist. wird er zn lieeht yom jfidiseh-religiöH'n f.ibernlismus iM^kämpfl. Diener Kampf soll bloß die augenblickliche /ionislin-be Tdexdocir. nicht -den Palästina-Auflian (reffen. Pc.r Zionisiniis nmiß sieh endlich darülter klnr werden, wie weit er TJItrntlismus ist. . wie weit ej^, e<* nein muß und nicht sein darf. Der vnlki*ehr (.ilHTalismu« im Zwntftmw bewirkt ntn Judentum eine Stniklur^ernnderiuig. ^Die«er völlösehe Tjl>eralismus des ZiouisiiuiH i«t mit dein religiösen liberalismus de« modernen Judentums natürlich' nirht idrnlincli. Der Zionismus i"t oj?» jüdischer NnttonnlismiiH — völkbtchcr T.il»r-- raüsmns.) Die Gestalt des Juden verändern, heißl, «ie aullielten,* Wandeln darf «Ich und muß flrh da.T"Äußere. Hier liegt da» II e e h t d e t* r e 1 i c i ö s - 1 i h e r n I e n Judentums. Ann in Palästina «ein gmßes Anfgal>eufeld vorfindet. Dan Wort IIu^o nVrpmnna<* ..Der Zionismus wird religiö» nr'm. oiler er wird nicht ' sein" ist erst die Allgemein«* Formel, die den einzelnen Problemen gegenüber die feli»iöie r.Ü«un!: reliifiö*-liberal <i«|er orthodox offen laßt. Der Zionist ist in-Pahislinn Vertreter westlicher Kultur. Das JnuVnhim darf als Judentum den Westen I>ejahrn. wie »ehr e*t einem Verfallcnoein an den Westen Albane zu leisten lial.. Wenn aber der Zioni»t der Teli-riys-iilternlen Richtimg nicht hilft, in Palästina zur Geltung zu kommen. I«t der^Weu nach Palflslinn in Gefahr, ein Zurückjirsrhlagcnwcrden nuf den OMen tu »«ein. Zurück geschlafen wenlen auf' drn 0*int "Iteilenlet Orienln1i»ienuig. IWentet Gr»chieht«.losi2keit. bedeutet Zurücksinken in ftlterwundene Gesehiebt«7rilen. Ein Urindnis zwisdien dem reli!riÖ-»-Jil»«*ralen Juden htm und dem zionl« tischen Judentum wird da* Judentum in Palästina weal1ich erhalten, ohne daß «n einer T^vantisierung verfällt, winl das Judcnliim religiös erhalten, ohne daß es den Zusammenhang mit dem Gei?( verliert, wird dem Judentnnr eine Gemeinsehaftsform eröffnen^die all unsere Sehnsucht nach jüdischer Gemeinschaft erfüllen Icannobwohl- — oder jrerndc weil ntr nicht politi«rhe Gemeinsrhaft.sform nein wird. Für den Zionismiw — nfindirh für »eine Ideologie ■ muß in dem AugenblirV die Krise eintreten, wenn er zum Diasporaproblem — nichts ziT>nircn hat. Wehn er,nur auf wine wiziotogisch richtige Analyse hinweist, mit der er Katastrophen vorhertjew.hen hat. «o «nst er dem leidenden Metwehen damit nirht*. Dort, wo eine reHgiö-e Stellungnahme ersehnt winl. — mein l*u\ und Gott, mein Schiek»nl und die göttliche Ordnung — Icann *irb der jüdische Frager nirht zufrieden gelten, wenn ihm der flinwei* mif einen hegeli'eh starren Ce-vehiehtsprozeß aU ".tiTtworr-ent*regengehalten winl. Die hegelianische Rrchtfertiguhg de* Cesrhelienen als lies einmal so Seienden Ist eine Gevhirbtsauffnwing, tlte mit de'r der Propheten nichts, mehr zn tun hat. Der größte Jude, den das Westjudenhim hervorff«h rar Ii t hat. war Franz Rosenzweig. Er war liberaler Jude. Er hat es