Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 14 (1.4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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B ERM** .1. April 1936 PREIS 25 PF. Nr. 14 / 16. Jahrgang JUDISCHE AUGEHEME eituaeiKehühr und Bestellgeld^ bei SheifbandTensDd zuzügl/* BM. C "'S«»»' m- <W NEUE F O LG E DER JUDISCH-LIBERALEN ZEITUNG Es wird gemeldet: n Die Calvin des Irüncrcn Berliner llcrlitsanwnlls Sammy Groucmniin. Frau Sonja Groiicmann, ist. wie Tel Auw berichtet wird, bei einem Autounfall t 0 1 i c h v c r u n g I ü c k t. N or einem .Monat battc sich das Ehci dauernd in Palästina niedergelassen, nachdem Frau Groncni in der letzten Zeit in Paris eine intensive Tätigkeit im Dir: ■ In einer Durchführungsvci________ die Gewährung'von Kinderbeihilfen an kii„........___............... bestimmt, das laufende Kinderbeihilfen nur Eltern erhallen können, dic_ llci e h sb ü rgc T _ im Sinne des llcichs- ■ In München Tand eine Tagung des Beirats <les bisherigen Deutsehen Drogistenverbandes unter dem neuen Namen -Die deutsche Drogistenschaft" statt. Nach der neuen Satzung der -Deutschen Drogistenschaft, wie sie bei der Tagung festgelegt wurde, können der Berufsorganisation nur noch Fachdrogisteu angehören, die das 11 e i e h s b ü r g e r r e e h t in. Sinne der gcsctzlici.cn Bestimmungen l-esil7.cn. ■ - Eine der. grüKte. Haus für. Herren - das seil 63 Jahren bestellt, ■ Nach einer Meldung des tschechischen lllallcs .Xidavc Novinv'i sun an der philosonliisclien Fakultät der tschechischen Universität in Prag ein Lehrstuhl f ü r Ii e l> r ä i s c h c Theo In sie zwecks Ausbildung von Itabbincrn für die jüdischen Ccmcindcn in der Tschechoslowakei errichtet werden. An offiziellcr jüdischer Stelle ist, wie die .ITA erfährt, nichts hicrfdic! ■ Im Verlauf der Nachforschungen nach den Tätern de..!iaiidilcnül>errallcs nur eine Autobus-Gesellschaft in der Nähe vor Tulkarem. wobei Abraham Colutlmian, einer der 0 r ü u d c i iclang auch, mcllrcrc schier Mittäter festzunehmen. ■ Nach einem .Bericht aus Jerusalem verfolgen die Polizcirden aufmerksam die Tätigkeit der arabischen Pfadder- Bewegung, die versuchen will, das moslemische dinssfest am Grabe von Ncbi Musa. wn.nach der moslemischen litiön Moscsbcirabcn sein soll, zu einer politischen. ■ Die litauische Regierung veröffentlicht eins in scharfem Ton gehaltene Kundgebung g c g c n die Verbreitung antisemitischer Ritualmord lc ge ndeii. die im Hinblick auf die bevorstehenden Pcssach-Tagc bedenkliche Formen angenommen.und in verschiedenen Provinzzentren zu antijüdischen Unruhen geführt hat. Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Hetzer der Polizei zu übergeben, die sie der gerechten Stralc zulührcn wird. Zwischenbilanz der Auswanderung Schäditgefetz im Senatsplenum angenommen Warschau. Das Plenum des polnischen Senats hat in «Icr Narhmiltagssitzung vom 27. März das Ticrschlachtungsgcsctz in der von der Regierung beantragten Form angenommen. Die parlamentarische Behandlung des Gesetzentwurfes ist damit beendet. Es steht nur noch die Veröffentlichung im Amtsblatt mit der Sanktion des Staatspräsidenten aus. „Tierfreunde" als Tierqoäler Warschau. In Warschau wurden l«i Studenten wegen Tierquälerei zu je sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Sic hatten sich einen Spaß daraus gemacht, einen Hund mit Ter- Schmcräcii'beulend Vurch die Straßen lief und in schwerverletztem Zustand den, Ticrschutzverein übergeben werden mulStc. Vor dem Iticliler . verantworteten die Täter sich damit, dntt sie ae'nse'icnUL übrigen Tierfreunde und hättc^ich^n'Tcr Propaganda für den Schächtverbotsantrag der Frau Prysfor intensiv betätig. . Seil (Ion Sommermonaten des vergangenen Jahres ist die Tendenz zur Auswanderung unter den in Deutschland lebenden Juden erheblich verstärkt wurden. Ihren sichtbaren Ausdruck findet diese Entwicklung in der'seit diesem Zeitpunkt ansteigenden Kurve der Liquidation jüdischer Geschäfte und Unternehmungen. Andererseits aber ist eine Steigerung der tatsächlichen Auswanderungsziffern nicht festzustellen. Für diese 'zwiespältige Entwicklung, die Tür' das ganze innerjüdische Leben unserer. Tage kennzeichnend ist. sind die Ursachen nur allzu bekannt. Die begrenzte Aufnahmefähigkeit Palästinas, die Verschärfung der deutsehen Devisenluge und die geringen Möglichkeiten, .luden aus Deutschland iu anderen Ländern als Palästina unterzubringen, haben diese Situation herbeigeführt. Wenn heute in weitesten jüdischen Kreisen Ungeduld. Unsicherheit und Zweifel an den zukünftigen Möglichkeiten laut werden, ist dies nur zu verständlich. Die Bemühungen, die in den letzten Wochen von englisch-amerikanisch-jüdischer Seite angestrengt 'wordensind, um neue Auswandcrungsmöglichkeitcn zu schaffen, haben in vielen neue Hoffnungen geweckt. Denn daß ein großer Teil der in Deutschland lebenden jüdischen Bevölkerung iu der Auswanderung eine Hoffnung auf neue Existenz siebt, kann nicht geleugnet werden. Daß sich unter diesen Menschen viele befinden, die noch vor wenigen Jahren den Gedanken an eine Auswanderung weit von sieh gewiesen haben, zeugt davon, daß der Wille zur Umstellung und zur Schaffung einer neuen bescheidenen Existenz in weitesten Kreisen lebendig ist. Wenn, wir heute über die Entwicklung des Auswandcrungsproblcms in der letzten Zeit Bilanz ziehen :— und wir müssen heute öfter Bilanz ziehen, um unsere Lage klarer zu erkennen —, dann erscheint uns eines dringend notwendig: Die jüdischen Menschen in Deutschland müssen vor neuen Enttäuschungen bewahrt werden, man darf in ihnen keine Illusionen erwecken^ ihnen keine falschen Hoffnungen machen und ihnen die Lage nicht hoffnungsvoller darstellen als sie ist. wobei hier nicht einem hoffnungslosen Defaitismus das Wort gesprochen werden soll. Aber gerade in der Auswanderungsfragc müssen wir uns ' vor trügerischen Hoffnungen hüten und nur d ie Möglichkeiten praktisch und ideell fördern, die. wirklich Aussicht auf Erfolg bieten. Es ist an dieser Stelle kürzlich von der schwierigen Lage gesprochen worden, in der sich das jüdische Aufbauwerk in Palästina gegenwärtig befintlet. Hier kann der zionistischen Bewegung der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie in vielen Menschen einen Illusionismus über Palästina erweckt hat, der den praktischen Möglichkeiten nicht ganz entspricht. Es soll Hier nicht von den Menschen die Rede sein, die in Palästina selbst Enttäuschungen erlebten. Enttäuschungen, die ihnen bei richtiger Beratung und kühler Überlegung vielfach erspart geblieben wären. Palästina ist zwar das gelobte Land der Bibel, kann' aber unter den heutigen Verhältnissen noch nicht das gelobte Land im Hinblick auf eine materiell gesicherte Existenz sein. Es gibt heute' kaum noch jemand, tlem die Förderung des Palästina-Aufbaus als einer der Möglichkeiten jüdischer Wirklichkeit nicht am Herzen liegt. Aber nicht zuletzt deswegen ist es die Pflicht, allen" Übertreibungen entgegenzutreten, und die jüdische Öffentlichkeit hat einen Anspruch darauf, sachlich über Fortschritte und Schwierigkeiten im Lande orientiert zu werden. Wichtig ist es, daß diejenigen — und nach wie vor" wird Palästina das wichtigste Auswanderungsland für Juden aus Deutschland bleiben —, die nach Palästina gehen, sich über die Möglichkeiten, die sieh ihnen dort bieten, keine falschen Hoffnungen machen und enttäuscht. Verzweiflung* Li so. wie jeder heute ' Initte uutei nehmen, veiß und wissen muß, «faß ul Pfund einen hestuiimten langen Zeitraum in Anspruch nimmt, wie jetler Jugendliche weiß, daß nur eine zweijährige, allen Erfordernissen entsprechende I lachschara ein Anrecht auf das Zertifikat gibt, muß die Lage auf dem Arbcitsuud Kapitalmarkt des Landes jedem Auswanderer klar gelegt werden. Jeder muß wissen, was ihn drüben erwartet und welche Arbeit für ihn iu Betracht kommt. Es isl ungesund, und die schädlichen Folgen haben sieh bereitsklar gezeigt, daß M Im ilc lediglich von der Idee beherrscht, daß mau auf sie wavle im.l-Aihril und Evislen/. lur sie bereit stehen. Wie oft hört man sagen. ..Hebräisch brauche ich ja , nicht, ich komme schon mit deutsch durch- oder ..für jeden.der arbeiten will, ist Arbeit iu Palästina vorhanden". Beides ist falsch. Man kann zwar ohne hebräische Kenntnisse etwas kaufen, \ e. r kaufen uihci- . oder eine Stellung erhalten kann mau ohne grün.ffiche Kenntnis des Hebräischen, heute nicht mehr. Und die Arbeilsmüglicbkciten sind gerade in wirtschaftlich kritischen Zeilen vielen Beschränkungen" unterworfen. Und was voi> P a I ä s I i n a gilt, muß iu erhöhtem Maße von der Auswanderung nach anderen Staaten — gesagt werden. Praktisch kommen die ciiropiiisrhi-n Länder für eine Auswanderung von Juden aus Ileutselig land kaum noch in Frage. Wenn mau von gewissen Möglichkeilen, die Italien durch Transfi-rmöglirlikeiten heule bietet, absieht, gibt es eine Auswanderung nur nach Ubersee. Die'Vereinigten Staaten von Amerika.. Südafrika und die südamerikanischen Länder Argentinien, Chile. Brasilien. Uruguay sind die Länder, nach denen ein gewisser steliger Strom von Auswanderern geht. Nach den V e r e i n i g t e n S t n nTe n Blutsverwandte drüben haben, die in der Lagesind, für sie die notwendige Kaution zu stellen. Da in den—- ÜOer Jahren tles vorigen und im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eine verhältnismäßig starke Auswanderung aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten besWnd, kommen auf diese Weise jährlich doch wenigstens einige tausend Menschen . nach den Vereinigten Staaten und finden dort unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen ein Unterkommen. Ahnlich ist die Situation bei Südafrika, nur daß die Zahl der Auswanderer wesentlich geringer ist und auch sein wird. Dank der aufklärenden Arbeit des llilfsvercins der Juden in Deutschland und anderer jüdischer Orga-„ nisationen hat man dem Problem Südamerika in der letzten Zeit größere Aufmerksamkeit geschenkt. Wenigstens für die größeren Länder, Argentinien,- Chile und Brasilien, sind die Voraussetzungen für die , Einwanderung geklärt worden. Für Landwirte -und junge Kaufleute bieten diese Länder bei Beherrschung des Spanischen bzw. Portugiesischen gewisse, allerdings auch nicht zu überschätzende Möglichkeiten. Alle anderen Länder kommen nur für.cinzelne Auswanderer mit ganz speziellen Kenntnissen bei ganz besonderen . Beziehungen und Verbindungen iu Betracht. Überhaupt ist gerade bei der Auswanderung der eigenen Initiative der größte Spielraum zu lassen. Die " Auswanderung von Juden aus Deutschland iu anderen Jahren, wenn man von der Palästinawanderung absieht, ist eine E i n ze 1 w an d e r u n g gewesen, nichr nur zahlenmäßig, sondern auch ihrem Charakter nueh. Bct— vielen hat sie zum Erfolge geführt, bei anderen nicht. Was die englisclicu und. amerikanischen Projekte Infolge der Pessach-Feierlagr gelangt die nächste Nummer der .,.lüdi,chen Allgemeinen" bereit» «m MulUag, 6. April, zur Au-galie.