Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 12 (18.3.1936)
- Date
- 1936-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Karl Gutzkows Freunde und Feinde Karl Gutzkow, <Jr,iH*n ,,L i' i c J A c o a l a" ein halbes Jahrhundert lan^ lüi alle "jungen 1 hlden-piclcr iou Emil Dc*rient bis Matkow.-kv und Kamz cjnc i'aradcruIJc bedeutete, und der am :rhhiß .Ii.'.-"- Dn de kample "cji die Orthodoxie die Liwut^ angegeben Ii all-; ..U griu hinaus und predigt Schonung, Duldung, l^ieli*.**", nunlr ein .lalir \or der Judcucmauzipatinn. am 17. Marz IBll, in Berlin »clwmi. Dort wo heule die Ül>crwalUiraße in btraße Lötcr den J.luden einmündet, .stand sein Gt-huri.-hau.i. Im Akadcmicgebüudc halle »ein Vater uh Bereiter .de« I'riii/L'ii. W Ühchn eine DieuH Widmung. Seine zahlreichen, viclbämügcit, cin^i viel »elfMinen Humane wie. „Die" Hilter \om Geist", „Der Zaul>crcr von Horn", „Wally, ilir /weÜlcrin", ..-.ind vergessen. JJI*- meisten BühneiMÜeke wie ',-Zopf und Srhwcil", „Urbild des Tarlülfu", ,:Dcr KöuigsleuluaiU", in (Jenen »1er Uühueumcciianinmu» in Ilster Technik meiner Zeit luuklmnicrt, v erlauben in den Thcalerarchheii, nachdem mc früher die Bühnen l>ehcrrMhl hallen. Gul/kuws Bild lial aueii in der Kuliurgesdiichlc "der .luden Di iiIm )ilainU Mrinen l'hil/.. Mit großer Begeisterung seidig er sich jenem Kreit junger SchrilL-lellrr an, der in der deul-chcu Litcraiiirgc.-,ehiciite die Bezeichnung - J'o,-» junge Dcul.M'hlaud" lührt, iniil dem .Männer, wie Heine, Hörne, liicodor .Mündt, eben erst dem Ghe|h> entwachsen, angehörten. Die gewaltige Größe . der Bibel, die ihn schon frühzeitig Mark beeindruckt Jiat, war eine der Quellen Meiler immer wieder bekundeten , Sympathie lür dir. .luden. Ixd^i^kuiglichc Freundschaft verband ihn mit Ludwig Hörne, dem-er eine warm ciupluhdene Biographie gewidmet bal; z udt-m österreichischen Arzt, Dichter ' und l*hiIo.«ophcii Ludwig Attgiiil Tran kl .stand er in freundschaftlichen licziriiiiiigcn. Früh erkannte er auch den eigenartigen Geial jene» Salomoii Ludwig Slciuhcim, für dosen Wiedererweckung Hans Joachim ScJiüps sieb muerdiug?- eingesetzt hat, und er ließ ihn in seiner I lamburger ZeiUebtili „ i'elegraph für Deutschland** zu Wort kommen.' Zu Gutzkows Kreis gehörte audi Eduard Gaus, einer_der .Männer des Vereins für Kultur und Wisscnäehafl,' der, um eine'Berliner Professur zu erlangen, den Buitdessrhwur, dem jüdischen Gluuhcu nicht untreu zu weiden, gcbroebeit bat. Atieb 1 leiurieli I leine war ursprünglich mit Gul/kuw befrcttudi-l. In einem Brief au meinen Verleger Campe vom i'J. DezeiulH-r 1Ü37 neuul er ihn den bcsieu Journalisten und das größte Talent, das sich .seit der Juliievoluu'ou aufgetau; ja, er erklärt, es für eine >eiiu-V grüßten Lclieusfrcudcu, wemi Gutzkow uaeli l'aii^ käme. Zu den eisten fulgeiisdiweien Differen/'.eit kam e» jcdotli unmillclbar danaiii, al» der ./IV leg raub"", den üuizknw \un \V>'.i7 bis i'ti-i'2 in Hamburg unter dein l'.seiidoiiyiu Hnh\< r herausgab, gegen den Diebter wegen .seiner eruliselieu Lyrik offene und YerMeikte Angriffe riebtele und warnte: „leli »ehe, daß Sic au einem Abgrunde .wandeln, den Sie nicht sehen. Ich warne Sie, die Akten Ihrer, ich möchte *agcu" literarischen' Seligsprechung nicht zu verderben. Verdorben aber sind^ie, wenn Sie jetzt nudi einen solchen Stoß von Auklagenuukleu aufhäufen und allen Ihren tiegneru die Heweisc mutwillig in die Hände *|uclcn."* Heine. sci/.u* >ieh gegen »h*.u Vorstuti des jungen Sittenrichlers zur Wehr. Als al«*r ÜWU ^eitie Schrift gegen den drei Jahre zuvor vcrsloilteilen Iförue erschien, in der er IiulLikrelioiicu aus dein leiten .des 1'iaukiurUr douriialUteu und Kritikers uu diu Uffcnllieltkeii zerrte, vrrwaudellc sieh die ursprüngliche J-'reundsdiaft in giftigen Haß, und va kam zu einer öffentlichen literarischen l-Vlidc. Dir-se \ cröffeulliehung, so meinte Gutzkow, «1er ihr nein Itörucbueh genüluTrsci/le, sei eine groLW Unannehmliehkeit für Hörne, ein Luglüek für den, der sie seiirieh, und fast ein Todes urteil für die Sache, der beide gedient hätten. Mag' dieses Urteil Gutzkow* auch gerecht >cin, soweit es Heines Verhallen betrifft; wenn er jedoch lleiue eiucii' poeiUeheu UilcUnnten aus einer ührrwundciieii roimiulischeu Zeit neiml, mj trifft es zwcifelloj dauelK-ir. Kin Jahr \or seinem Hümehurh lialtc der vielgewamlte (hilzkow ejn Drama ,,S u u 1" gesdirielK:n, das indirekt l-'rieilrieh Hcb|>el die Anlegung für seine „.hnliih'- bot. Das sehr hcharfo ""Urteil übrigens, das Gutzkowüber die „Judith"-und jiumcnlHcli über die Gestalt de» IJolufernrs gefällt'bat, hat Hebbel in scüiem MilÄlraum gegen (hilzkow noch bestärkt. Aber >ehoii viel früher halte sielt Karl Gutzkow mit einem jüdischen Motiv befaßt. Der Zwanzigjährige Italic nämlich im GititasetTeu Morgeuhlatl die Novelle ,i)cr Sa'ddiuäcf von A in s t c r d a in" veröffentlicht, '» der er das .Martyrium des religiösen Zweiflers und Heucgaleu tiiiel Aeosta dargestellt hatte. Als kurz \or der Mär/.rcvoluliuu der Uriel Acusta auf .der Huhne er.-chicn, war dir Wirkungdieses programmatisch gedachten Werkes so groß, daß die Itegiernng sieh zu einem \trln>l veranlaß! ■.-ah, das erst auf llvlreiben des KnHipriii/.eu Johann aufgeholfen wurde. Im übrigen mußte bei den Aufführungen in Dresden schon, nach der er.-leu Darstellung das Wort Priester .durch Hahhiner ersetzt werden. Karl Gutzkow hat sich Mets als Herold einer neuen Zeit gefühlt. Als der geliuiig-hcdürftigc Mann von der Kritik idcht mehr favorisiert wurde, setzte sieh in ihm der Keim einer Krankheit lest, die ihn das _ letzte Jahrzehnt seines Lebens verdüsterte. Sein Nervenleiden trieb ihn ruhelos umher, Ins er schließlich am l(i. De/emher Iü7<l von einer starken Dosis Udorai ItciAuht. in »Irr. Naehl das Lieht umstieß und im Hauch des -« eniMuLwlcnm IVners crstiekic. Seine vcrkublie I^cichc wimle am näd^teu Motten \on Nachbarn gefmiden. 11* war, alte Ib-iiuaL und rückte sich die Kerzen auf dem Tische immer naher; Joel wog portugiesische' Münzen mit einer kleinen Goldwaage und trug den Betrag sorgfältig in ein Buch ein, worin er dann das Gewicht, in hollündisdien Münzen au.-ges]trochen, berechnete; Huben, der jüngste, ein etwa -zwölfjähriger Knabe mit glänzenden Augen, sang lustige Lieder \on der Hehenfernc des Tajo. ICsther aber neigte sidi zu jedem, blickte bald in KÜezers Brief, lauschte bald auf das Zünglein in Jo^ls Goldwaage, bald »trieb sie Hubens lockige- Haar und küßte den .icueu Mtntd, der so schöne Weisen nicht u igessen Itatie. Nun aber Lliezer wiueu Brief mid J(*.r| seine Goldwaage zusammenschlug, fühlte Esther, wie ihr gl idisam zwei Sorgen -vom Hery-en fielen, und schnell — anders konnte sie nicht leben — griff sie nach einer neuen. Ach! sie lag ihr nicht fern. Mslher seufzte, und ihre Söhne verstanden sie, so daß selbst Huben seil wieg und die Hand seiner Mutter küßte. Lange blickten sie stumm vor sich hin. bis es der ÄltCbte wagte, der Mutter die Last einer schmerzlichen Krage vom 1 lerzen zu nehmen und lese \or sieh hin^prach: „Wird Uriel diese Nacht wieder ausbleiben?" L'riel war von Kstlicrs. vier Söhnen der dritte. ,>lch sprach Joehat, unseren Vetter", antwortete KHczer, „er traf ihn einige Stunden von Amsterdam in einer besseren Stimmung als t-iMi-l, so^ar mit dem Knischluß: bald in die Sludt zurückzukehren.'" Mslher. hielt abwehrend die Hand gegen Kliuzer und sprach: *m*. VüdUckCWinltnMtfe dm Qüdudvui. QewuHflc y* /ßoifut G cscll schalt sab eii d der Jüdischen Winterhilfe Am Sonntag, den '22. .März, findet zu Gunsten der Jüdischen W inlerlülfe in sämtlichen Sälen des Brüdervereinshauses, Kurfürsleuslraße llö, ein Gcsellschaftsubciid statt. Im Hahmcn dieser letzten W iiitcrluUsxcraiLslalttmg gelangt ein musikalisches Spiel in drei Bildern von Willy Präger, das den Titel trägt „Ks dreht sich um Helena" und der griechischen Mythologie eutlehnt ist, zur AnUübrung. Die Musik ist Werken von Ottenbach, Ziehrcr« Hellberger, Meyerbeer, Willy Prager usw. entnommen.. Die Regie führt .Max Khrlich. Die Hauptdarsteller sind Frau Ganulla Spira.- KL-ner, Trade Lehnberg, Willy Prager und Hahmcr. Im dritten Bild dieser Kurz-Operette Gabaret-Kudagc. Tombola und Bar vervollständigen das Programm des Gescflschaftsubcuds. Karten zum Preise von ü HMshid nur in beschränkter Anzahl zu haben liei ilen Damen Dr. London, Joachnnsthaler Straße' B, Julie Elias, Malthäikirehplatz 2, Dr. Glaser, Landsberger Straße 98, Dr. Samulewilz, Lietzciihurger Stralw 40, Klsner, Zehlcndorf; llerderslriißc 15, und Dr. Kisner, Sybelstraßc 69. Dienstag, deu 'J4. März, B.lü L'hr ain-nds, findet im Brüder- \ ercinsliaus, Kurfürstcnstraße 115, zu Gunsten der Jüdischpu Winterlulfe ein Lnlcrhaltuugsabend „All-Berliner Humor um löüll" statt. Ks gelangen zur Darbietung Dichtungen, Ijedcr und Tüuva: in den Kostümen der Zeit, ferner Lichtbilder zu Berliner Hedeiisarleu nach Originalen des Märkischen Museums. Dem guten Zweck haben sich zur Verfügung gestellt: Johaima Meyer, Camilla Spira, Liü Vera Klkan, Erna Klein und Krich Fabian. Karten zu 3,— und 2,— HM. sind erhältlich Kantstraße 158 (Künsller- Jiilfe1 und bei Frau^ Erna Elsucr, Zclilcudorf, llcrdcrstraßc 15 [II 4 2415), Frau Elisabeth llirschfeld, Motnmscnstraßc 05 (C2 Frau Helene J^ondou, Joadiimstlialer Straße 7-8 (J 1 640H -ü und l»ci deu .Mitwirkenden. - l Seelische Winterhilfe 24. \rcranstaltung in der Synagoge Lülzowstrafic am 21. März, 21) L'hr. Milw.: Dr. W illi Aron (Klavier), Alke Giisenbcrg (Gesang), Ilse Goldner-Zicgellaub (Bezitatton), Erwin Jospc (Orgel), Boris Kroyt (\'ioline), Glare Manczyk (Klavier), Qskar Manczyk (Cello), Prof. Josef Weiss (Klavier). Karten für Hilfsbedürftige unentgeltlich im Winterhilfsbezirk V, Steglilzerstraße 9, im W'ohlfahrtsbezirk V, Lützowslraße 10, und im Winterhilfsbezirk IV Südwest. Müuchener Straße J7 und Wohlfahrtshe/.irk Südwest, Münchcner Straße 37. 25. und 2(i. Wranstaltung im Musiker-Vcrein^haus, Berlin C, Kaiser-Wilhehn-Slraße 31, am 25. März 1936: Kinder-Nachmittag ' lö^ll) L'hr-, lhiulcr Abend 2U Lilir. Karlen für Hilfsbedürftige unentgeltlich ab IG. März 193G im Winterhilfsbczirk Norden, Schönhauser Allee 6-7, Winterhilfsbczirk Mitte, Auguststraße 16. Einlaß zum Bunten Abend nieht vor 19 Uhr. Jugendliche unter 18 Jahren haben zum Bmiten Abend keinen Zutritt. — Bei den Veranstaltungen der Seelischen Winterhilfe ist neben der Eintrittskarte das Bewilligungsschreibeu der Winterhilfe mitzubringen und auf Verlangen vorzuzeigen. wie sein |tj.»»raph bemerkt, der Tod auch der Mit seiner großen Itoniaur, ein .-vml>olisdier Tod. ifik 4totkstotnße in den Synagogen mit neuem Ritus DerSadduzäer vonAmfterdam Vom kahl gi tzkow Glückliche Juden, die ihr einst zu Hollands Poldern und Drici„.u t.m.r Asyl suelu>i: Habt ihr irgendwo In der Fremde euer Pa~;m|;,m,n;„ ^,M„.r Itnhc genossen, und zu den Lnuhiiiiilen smiel Zweier _\yn den llännien brechen dürfen als an dem Meerhusen V? S> hisiig i.iuehiiii nirgend-, eure Schornsteine bei ihr Parabene am Vorabende des Sabbals; so reich verbrämte Talarc dmlicu die Männer, so schwere goldene Ketten und Ohrgcjiimge eure Frauen nur in AinMerdam trägcnl Es war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderls tu einer der Straßen, die von dem großen Kai zu Amsterdam auslaufen, in einem slalllidieu Hause, da> sich vor nienuuid versteckte, aber schon spät,. bei eingebrochener Naehl, daß vielleicht Ute sorgsamste und ehrwfirdig.-tc der jüdischen Müller mit dreien von ihren Söhnen zusumnciisaß. Welche sonderbare Verbindung des orientalischen und holländischen Geschmacks: in Vorhängen. Sofas. Baiichpfanncn der wcitfaltip-, elastUchc sinnliche Oricnlalismns, in allem übrigen Zubehör cini< i:roßnrli«cn Gesellschaftszimmers die nette, barocke, chinesische EU-ganx* tlcs Holländers! Frau lilhcr al>cr w<Hhsi;lle mit ihren Söhnen j'enr zärllichen. sorglichen Heden und Blicke, welche nirgends so treu gemeint sind und wie vom l>cklommenrn I lerzen kommen als im Schoß einer Judcnfamilie. Sie alle waren erst vor kurzem aus Portusal eingewandert. F.liezcr srhricl). das Uaupt auf den linken Arm gestützt, in die" Freitag, den 2 0. März, abends 6 Uhr: Lützowslraße. 6.30 Uhr: Liudcustraßc. Fricdcusteuiucl 'für. Warschauer)- Neue Synagoge (Dr. van der Zyl); Fasauenslraße (Dr. Saenger). 7 L'hr: Schmargendorf, Levctzowslraße (Dr. Lewkowitz). 7.15 ülir: Prinzrege u tenst rajäc (Dr. Swarsensky). Lünirale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr (Graf). Liberale Synagoge Ost. Kaiserstraße 30,-7.3Ü Uhr (Dr. Brasch). Liberale Synagoge Norden. Prenzlauer4'romenadc 176: 7.31) (Dr. Adler). Liberale Synagoge Westend^ Kaiscrdamm 7ß: 7.15 L'hr (Dr. Kluge). Liberale Synagoge Wedding-Heiniekendorf, Triftstraße 63: 7.30 Ülir(Goelz). Synagogenvcrein Weißensee: 6 Uhr (Meyer). Jüdische Hcligionsgemeindc Churlotlcnburg, SchulstralAc 7: 6.30 Ulir. Jüdische He form gerne ii nie, Joacliimslhaler Straße 13: 6.30 Llir (Dr. Hoscnthal). Sonnabend, den 2 1. März (Neumondweihe). 10 Uhr: Krühgoltcsdicnst. 7.30 Uhr: Luidcnstraße und Lewetzowstraße. Hauptgotlcsdiciisl 10 Uhr: Lülzowstraßc (Dr. Wiener); Lindeiislraße (Dr. Salomonski); Schmargendorf (Hamburger). Liberale Synagoge Norden (Gral), Liberale Synagoge Osten (Dr. Brasch,1. Synagogen verein Weißcnscc (Meyer). Anschließend Oncg Sehabbat. Jüdische Heligionsgcmcindc Oiärlotlciiburg: *>.30 Ulir. Eine Ausstellung von Zeichen- und Werk arbeiten der Schulen und der Vorlchrc der Gemeinde findet in der Zielt vom jo. bw 22. März 1936 im Hcpräseiitautcnsitzungssaol der Berliner Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29, statt. Die Ausstellung ist täglich außer Sonnabend von 10—2 Ulir geöffnet. Der Eintritt ist frcL Personalien. Frau Tihe BoUlaendcr geb. Sittner. Berlin O 112, beging am IL Marz 1936 ihren 70. Geburtstag. ,.Täusche mich nicht, Lieber, ich weiß es, daß er diu Seinen Hiebt, weil seine Liebe zu Jeiio\a täglich mehr erkaltet. Oh, was hoffte icli von diesem Sohn! Aufgezogen ist er in allen W issenschaften, welche der menschliche Geist nur erdenken kann; er hat den Alul gehabt, uns alle dem Gluuben unserer Väter wieder zurückzugeben, nachdem wir gezwungen gewesen waren, ihn abzuschwören, und jetzt wendet sieh bei ilun alles wieder den allen Irrtümern zu, seine Tugend setzt Kost an, sein. Herz ist verstopft, er verläßt seine Mutter und seine Brüder." Joel wollte seinen Bruder in ,Schüly. nehmen und die Mutter trösten. „Wie du Uriel nur so kräukeu magst!" sagte er, ,;dcun dein Verdacht ist ohne Grund. Er iiüngl an uns mit ganzer Seele und achtet seinen Glauben hoch. Alier verstimmt ist er, was bat er um unscretvegen nicht alles aufgeben müssen! Er ist .cm gelehrter Mann, der es schmerzlieh erträgt, daß er mit so vielen Irrtümern zu kämpfen hat, die in den Wissenschaften ■ verbreitet sind." — «Ja.", setzte Eliezer hinzu, „er war von jeher ein Träumer und tpiälte sieh mit dem Lose des Menschengeschlechts. Er möchte die Welt glücklich machen und alle melischUdieu Wcscu yerhinde.nl, daß sie sich selbst durch Verbrechen im Uchte stehen. Das treibt Bin hinaus in die Einsamkeit, wo ihn die Berührung unseres eigennützigen Heimens und Treibens nicht stört." '!Esther winkle zweiTehid ab und sprach: „Wäre es so! Doch wißt ihr ja, wadie Weisen in der Synagoge von ihm denkjeh. Der alte Ben Akiba Habbi sagte mir wohl, daß schon ein langes Vcrzeiclmis aller der Irrtümer, die er im öffentlichen Gespräch geäußert, aufgesetzt sei und ihm bei fernerem Verharren dabei ein schreckliches Schicksal bevorstünde.*1 KLEINE MITTEILUIXGEN Die Scmcster-Scblußfcicr des Jüdischen Lehrlianses Berlin findet am Donnerstag, "den W. März, 20.15 Uhr, in der Aula ' Joachims thaler Straße 13 statt. Eine Kuratoriumssitzimg des Heimes Wyk auf Führ des Jüdischen Frauenbundes Berlin fand in Berlin statt. .Aus den verschiedenen Berichten über diu Arbeil des Heims ging eine erfreuliche Steigerung im Geschäftsjahr 1935 hervor. Es konnten gute. Kurerfolgc festgestellt werden, jedoch wurde mit .Bedauern auf den schlechten Gesundheitszustand derbesonders von den versclüedcucu Gemeinden eutsandLen Kinder hingewiesen. Die Erörterungen ergaben u. a. folgende Beschlüsse: Künftige Durchführung von Heiheudurchlcuchtuug. bei allen Neuaufnaluneu unter Umlage der entstehenden Kosten auf Eitern und Eulsctidestellcn; Weitere Duichführung der nachgehenden Fürsorge — im Interesse einer Kontrollmögliclikeit über die Kurerfolge .— in alijäJirlicheu Abständen; Aulnahme von Jungen über 14 Jahre nur als Ausnahme in einzelnen gesundheitlich besonders dringenden Fällen;' Erhöhung des Bflegegeldes in deu drei Sommermonaten — von Mitte Juni bis Mitte September — um 0,50 HM. pro Tag und, Kind. Mit Ausscheiden der bisherigen. Kurätoriumsvorsitzenden, Frau Bettina Brenner, übernimmt die Bundesvorsitzende Frau Ottilie Scliocncwald auch den Vorsitz im Kuratoriuni des Heims. Im Ausbilduiigslehrgaug für jüdische Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, Berlin, der von der He teils Vertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zciitralwohlfahrtsstclle, und dem Jüdischen Frauenbund eingerichtet ist, sind für deu Mitte April 1936 beginnenden zweiten Lehrgang noch einige Plätze frei. Der Lehrgang ist staatlich genehmigt uud dauert zwei Jahre. Voraussetzung für die Aufnahme ist: Vollendung des 17. Lebensjahres, Obersekuudareifü oder Zeugnis über den erfolgreichen Besuch einer seelisklossigcn Mudehenmittclsehule, hauswirtschaftlichc Schulung (falls haus wirtschaftliche Schulung nicht in einer anerkannten Llaushaltungssehulc erworbeu wurde, ist eine hauswirtschaftlichc Aufnahmeprüfung abzulegen. Die Ausbildungskostcn betragen monatlich 25,— HM. .und für Matcrialgeld 3,— HM. Autnalunegesuche und Anfragen sind au die Geschäftsstelle: Heidts Vertretung der Juden in Deutschland, Abt. Zcntralwohlfahrtsstcllc, Bcrlin- Gharlottenburg 2, Kantstraße 158, zu richten. Die Neureglung des jüdifehen Sckulwefens Die Schul ab tcilung der Reichsvertretung gibt bekannt: Gemäß dem Erlaß des Heiehscrzichungsmiriistcriunis vom Scntcmbcr vorigen Jahres soll zum neuen Schuljahr die angekündigte gesetzliche Neuregelung des jüdischen Schulwesens in Deutschland eingeleitet werden. Die Schulabteilung der Hcichsvertretutig hat die mit der Neugestaltimg des jüdischen Schulwerkes zusammenhängenden Fragen sorgfältig überprüft. Sic bereitet organisatorische und pädagogische Maßnahmen vor, um gegebenenfalls , den jüdischen Schulen und jüdischen Gemeinden bzw. Gemciudcvcrbündeu in jeder Weise mit Hat und Tat zur Seile stehen zu können. Wir zweifeln nicht daran, daß es möglich sein wird, auch, einen weiteren Ausbau'dcs jüdischen Schulwcrkes organisch, in planmäßiger. Überleitung durchzuführen. Wir richten an alle jüdischen Stellen die dringende Bitte, uns durch vertrauensvolle Zusammenarbeit zu unterstützen. Den Eltern \ ersiehern wir, daß in gemeinsamer Arbeit der berufenen Instanzen des deutschen Judentums alles geschehen wird, was von uns geschehen kann, um die.untcrriehtHchc und erzieherische Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten. * Im Zusammenhang mit der gemäß dem Erlaß des Heichserziehungsministeriums vom September vorigen Jahres zum neuen Schuljahr eingeleiteten gesetzlichen N o urcgclung des jüdischen Schulwesens in Deutschland schreibt die „Nationale Hnndschau". Ulm. u. a.: In Ulm liegt im kommenden Schuljahr die Zahl der die Volks- und Mittelschule besuchenden jüdischen Schüler zwischen 30 und 40. Es muß also.für diese Schüler eine öffentliche Volksschule geschaffen werden. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, diese Schule in dem Gebü'ude neben der Synagoge unterzubringen. Diese Lage ist für die jüdischen Schüler außerordentlich günstig. Durch die Errichtung dieser Schule wird einem dringenden Bedürfnis abgeholfen" und ein schon lange bestehender W unsch der deutschen Lehrer und Schüler erfüllt. Die Errichtung diest-r Schule bedeutet aber wohl auch ein Entgegenkommen gegenüber den Juden, die steh schon lange als Fremdkörper in den Schulen vorkommen müssen. Jede Haste hat nicht nur ihre besonderen körperlichen Merkmale, sondern weFt auf geistigem, seelischem und sittlichem Gebiet, noch größere Verschiedenheiten auf, und es ist unmöglich, Schülern, die solch große seelische und charaklcrlichcn Unterschiede aufweisen, wie die deutschen und die jüdischen, nach denselben Idealen bilden zu wollen. Das deutsche Erziclnmgsideal ist das Heldische. Andere Hassen haben andere Ideale und können, je weiter sie seelisch lom deutschen Volk entfernt sind, das deutsche nicht verstehen und seine Kulturgüter nicht mit ihm teilen." ■ Im 54. Lebensjahre starb in Prag Professor Oskar Lieben, eine führende Pcrsönlidikcit im jüdischen Prag. Als Obmann des Jüdischen Schulvcrcins hatte er sich besonders um das jüdische SchuJwcrk verdient gemacht.