Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 12 (18.3.1936)
- Date
- 1936-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Beil««; JÜDISCHE AUGEMEINE 18. März 1936 - ZEITUNG Kriegsfpiel nach der Tora-Vorlefung Kirkuk-das biblifche Kalach? — Das wundertätige Grab des Propheten Nachtun — Picknick im Tempel — Eine Geifierfage Die Ü i 1 - P i p v - Li u c von Kirkuk nach Ilaifa, die jetzt für die Ölversorgung der, englischen Kriegsflotte eine erhöhte Bedeutung zu gewinnen beginnt, lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Ort, von dein mau Ins vor kurzem im allgemeinen kaiun den Namen kannte. Doch spielt K i r k u k iu der jüdischen Volkskünde eine große Holle. Dieses Kirkuk im Irak wird von den dort wohnenden .Inden für da» im 1. Much ...Mose 10, II erwähnte biblische Kalach gehalten und so in ihren öffentlichen Schriften noch heute Im>- zeichuet. Der eine Stadtteil Hegt, auf einem Berge, der andere in der Kl mir. liier wohnen die Juden. Xu der Regenzeit wird die ganze Stadt zu einem einzigen Morast. Im NovciiiIkt lassen sich hier ganze Scharet! von \V achteln nieder. Sie werden in .Massen gefangen und spottbillig verkauft. Kbeuso erinnert an die Wüstenwanderung unserer Väter das Manna, das dort mit dem Tau fällt. Wie bekannt, fällt ca. auch in der Gegend des Sinai., aber ebenso bei Mossul und Bagdad. Doch werden dort nur die Bäume, bei Kirkuk aber der Erdboden damit bedeckt. Zwischen Ober- und Unterstadt erhebt sieh in der,Mitte eines Hofes ein Gebäude, das vivf GrabmÜler enthält. Das eine soll das Daniels sein.. Die anderen hält man für die Auaujo-s. MizaC-Is und Asarjas. Diese kleineu, viereckigen Sarkophage, die üherdeekt und von einer I lolzwaud geschützt sind, sind wohlerhallen. Angehörige aller Bekenntnisse wallfahrten dorthin, die Juden am ersten Tag Schowmius. Diese Gräber Hillen eine, wundertätige Heilkraft für alle Kiankhcitcu und guten Krfolg bei wichtigen Unternehmungen vermitteln. Dem auch bei den 'Nichtjuden verbreitete» Aberglauben schreibt Benjamin aus Kolteseheny. der vor etwa hundert Jahren diese Gegend bereist hat. dem Umstand zuj data ilie Judeai Kukuks in einem verhältnismäßig friedliehen Verhältnis mit den Nachbarn leben. . In der Nähe von Kirkuk. in Alkusch. hat der Überlieferung noch der Prophet -Nachuni sein Grab gefunden. Ks liegt hnmltcii eines großen Hofes, in dem sieh auch ein Saal befindet,- der tausend Menschen fassen kann- Juden aus .Mossul, Ariel. Arhil, Kirkuk. aus den Gebirgen. von Kurdistan und au* der weiteren Kulfcruung ver-ammelu >ich jährlich acht Tage Mir Hchnwiinus zu einer Festlichkeit mit religiösen rhungen". |>ic Pilger bringen ihre Torarolleit mit uud -teilen sie in dem Oiauu uakaudrsrh ilW Tempels auf. Ijie /eremouie beginnt damit. daß zuerst da-. Itueh Nachtun aus einem alten .Manuskript verlesen' wird, das auf den Katafalk gelegt wird, dann zieht man unter Ahsingiiug frommer Lieder feierlich siebenmal um die Heilige Lade. Hierauf .stimmt mau auf den Propheten eiueti Hymnus an. dessen Refrain: ..Fmu-i euch des Jubels des Propheten Nachtun" lautet. Die der. Feier' gleichfalls beiwohnenden Klauen, die nicht Hebräisch \erstehen, sprechen-die für siiT ins Arabische und Kurdische fi he r s e t z t e n Gebete und umtan/.eu dann singend den Katafalk. Am ersteu Abend des Wochen fc>lt> findet nach dem' Gnltrsdiciist im Ti-mpel eine fe.-tliche Bewirtung statt, eine An Picknick. Hei Tagesanbruch uiid das Mnrgrngrbel vcriiehlct, und nun ziehen die Männer unter \ uranlniguiig der Tora, mit Klinten. Pistolen und Dolchen bewaffnet, zu einem nahen Gebirge, in Krinncruiig au die Offenbarung auf dem Berge Sinai. Dort erfolgt auch die Tora-Vorlegung. Daran anschließend wird ein Kriegsspiel veranstaltet. Nach dessen Beendigung kommen die in dem Ort zurückgebliebenen F r u u e n den -Mannein fingen d u n J lau/, e n<l unter der einförmigen Begleitung des. TaiulHiurius entgegen. Auch Xiehljudcu nehmen au dem. Test teil. Benny1 man wieder im Tempel angelangt ist, vergeht nahezu ein halber Tag. Die Torurolle wird wjcilrr in den heiligen Schrein gestellt, und nachdem Miucha gebetet ist, begilit man sich zu einem außerhalb der Stadt gelegenen V r r g n ü g u n g > o r I. Dort jubeln und trinken die .Männer, die Frauen tanzen. woU'i Armenier mii-izieren. Reichlich fließen wohltätige Spenden und Gal>en zur Erhaltung des Grabes. des Pro[ihetcu. /um Ahendgitile-dien-l versammelt sieh wieder alles in der Synagoge. Mau bringt Kranke hin und schließt sie über Nacht in «la.s Gemach des Propheten ein, was eine heiltucnJe Wirkung haben s«dl. Der Sage nach steigt um Mitternacht aus dein Katafalk eine »roß;* Gestalt her\or, die .dem Kranken zuruft: „Was wlll-t du hier lind was i>t «lein Begehr?" \\'agt es der Kranke ohne Furcht zu antworten, so ist er sogleich geheilt. andcrcnfalU verhm'n. Kein Gesunder tlarl um Mitternacht dort verweilen* tttiim» 1 rauk. die Alpar. die Ma-ar\. Kru-t Siein und ninli maihhr andere haben—^icb's nicht nehmen lassen", dem Itnhuclicn einen Hi'Mirh abzustatten. Für Ilcinhaull gabeine bub-cll erdachte L berraschuug: Fi •erkannte -ich plötzlich;rt- Amin .-ein» -, einmaligen ,.Schall und Rauch"- wieder, da man nein Frsiliugsuud allerdings auch Fci/tliugsucik üujener /.eil: „Die erste Parken reihe" einstudiert halle. /in /eil, .l.i dic-is Referat erscheint, ist das IheaH ieben auf Reihen. Mau will es in anderen französischen--Stadien, in der Schwei/, in Holland, in Österreich und in der T.-checluisbmakei kennen lernen. Daun wird v> .-ein lliulerhans aul deui^ Itnlilcvaid , Pnisstumicie abermals he/ichcu. * — Der Herr Doktor \«.u ai.frfd .u fiiiiaui ■* Fr halle sich ' v isi schon lange her in einer Kleinstadt niedergelassen, der Doktor Flia-. Fr war ein stunlcibarer Kau/-. \«dl knurrigem lliuuor . . . kein W cltstadliuaiui. . Fr ging mehr al> einfach, er trug, einen Ver-ehahlen Rock und einen verfd/lcu llul, eine Krawatte, die -ich an die Obren herauschliingelic. Fr halle eine bärbeißige Stimme und höchst uulieundliebe Redeweise. Aber den Palienteu geüer-«his. Wenn >ic au ilen Marktlagen au* den Dörfern «1er I nigebimg kaineu, befragten sie «leit „llerre Dukter". >ie ghuibu'ii, dati er alle Feidcn in Kürze wegschaffen könne, und wenn er «larubcr sehinipfie, daß ulK-igläublsch waren, l'tuwl er derart drasiUehc W orte, daß die Leute den Hauch \or Fachen hielten, sie fühlten sich dann >chon besser, und ihr /iitrauen war. mich >lärkci. „Ja, ihr Herr Dukler!" . . Fr arbeitete wie ciiM \ uler Schiller, mit drastischen FavatiM-n, und au den Marktlagen nach den Besuchen beim ,;Dukler" standen Schlangen in den W ii iM-haflcu Mir den Frleicbterungs stübleui, und man ei kannte ,(;,. Kunden „den Duklci.s". Kr behaupiele iniii einmal, die bösen Salle müßten heran-', das >ei Aufaug und linde aller medizinischen W eisheit. Fr machte auch Witze nul die Re/eple und schrieb einmal unter eine große Do-Ls Ablührmitlel: „Massel und Broch«-!" Der Apotheker wußte nicht,-was er damit anlangen -nlltc. Kr kannte dtc-cs. Arznetmillvt nicht und ließ hei dem Dukuu fragen, wo mau Mas.strl und Bettelte Im-/leben könne. Der Dokim* aulworieie, daß er das auch iiicbi wis^;, -t»ti.1 hälle er die Menschheit langst wm ihren U'ideu belreil. F* >ci eben srhade, daß das /eng nicht im Handel zu be/ielieii <*ci. Der Apotheker wußte w«ihl, daß der Doktor ein »mm wunder lieber Herr war, und vilachte mit, «ibwohl ei' tleu Witz nicht: begreifen konnte. " --" " Der D'iklnr zog auch /ähue; «las machte er sehr einfach, er liaud eine Schnur um den /ahn und dir anderes Kudc um die Türklinke, dann hieß er den Patienten springen. Mau hörte draußen, wenn so eine Operation >or Dich ging, uml die Finte sagten: „Fbeu laßt der Dukler einen »pringen." Als der Arzt Muri», kamen die.- Leute, zum Begräbnis, uml sie «■rkaimlen >ieb au «leu frappanten Zahnlücken als Klicnlcii-dcs „Herre Dukler". Kiuerlei, er halt«: manch . einem hypochondrische Feiih n verjagt und uianchem init «Tra^liscbeu Millehi «las Blul aufgefrischt; Schwindel und Tiftelet machte er nicht mit, ein Blick genügte ihm, um! er sah in den Organismus hinein, uml die Palienteu merkten das wohl und *ehi Andenken war getreu und gut: ..Ja, ja der Herr Dukler' Der Knochen-Wölfl' /um Um. GrhurMag des Mitbegründers der ui*-en-rliafllirJien Orlhiipäilli^2^ Ks i>( ein Rcweit gn»ßer \ olkslümlit hki-it, wenn eine PeiMinliejikeil voll Wissenschaft lieber lledeuluug «Hier hohem; Rang \«iu weilen Si'htehieu der Bevölkerung mit einem Beinamen gc-cluuückl wird, der ihn in H'iuer l^-lne «Hier 'räligkeil lr>'ff«'ll«l keliu/ejeliiiel. St» erging «*s tb*m Begründer der. orthopädischen t liirurgii* in Di ul.st Mand, dem am Jl. März IKU» in Alärkisch-Friedlan<F^ gelMurneii Professur .1 n I t n s W olff, der nach dem Bcueli ile> ,.(iraiii ii Klosters" und griiudlii her \ orbilduug unier den Alliueisteni ib'r I Icilkumle lind < Jiirurgie, Johaum's Müller. Fangeiilteek, l'reiiehs. Albreehl \.. (»räs«: und Ludwig Traube, sieh in Berlin als pr.-iktisi*'ner Arzt niederließ. Aber "so-grut.^ auch «lie, Zahl x-iuer Klienten Var, er fand an der Ausübung wine-, Berufs tu kleiueieiii Kreide allein kein (reinige und habilitiert«) sieh IlttiB.au der I niversität. ^m der ihm iulolge seiner-"nistensehaft liehen und m t lin|iiidi*eb-leetuti-elieti l^ islnngeii bald eine Professur uml die Feitmig 'Ii i auf -eine Initiative ijengcgründi-N-ii . I uivrrsiläls|HtIikliuik für orlhi>|>ädisebe (liirurgii* übertragen 'wurde. , ' I ntei dem Nanieai_uK u o c b i n o I I f" war er bei seinen zahlreichen Hörern und Palienteu, wm demn es in seiner. Wir kuug>s|jit|e wimmelte, und die ihm zumei-l dje W ied ■ilicrst«,fbuig der (iebraiiciisfäliigkeit ibrer Gliediuaßeii vei dank leu, bckaimi und gcschäl/l. .Mau uute'i-eiiieil ilui mit diesem «-|dlhel<tu Umans nielit nur \«ni anderen Trägern des gh-iebc» Nameiis, sundern wollte dadurch den Kernpunkt seiner Lehre,' die Knttviekhuig '«les Kiioebeiis im (>e-anilorgauismu<-, kurz cjiarakleri-<ierenF Fr hielt, wie er in seinen grundlegenden Werken über das Gesetz »Fr .Trausfitrmalioii der inneren Architektur der Knochen bei palho^ logischen Veräinfertiugen der äußeren Kium-Iicuformen ausführte, die Knochen nicht für tot»,' Mindern in steter Knlwiekhmg begriffene Gebilde. Für ilie Kntwjekluug der KiiiM-lien »>iiid iIii'M'IIh'ii slalislisehen uml uuilhfuialisehcii (•ruiMbälze inaßgelMiid, wie -ie der Batuuei-ier beim Bau einer Brücke anwendei. ftr einem Buch ..1 U-r die W ce)ts«;ll*ezie|iiiiigeit /wi-chen iler Form und Funkliou -•der ein/einen (icwelte. des .t/rgiiiii-nilis" '|'J|*|, Verfolgl «*r «lie'sen (iedauki'ii ueiler und kommt /ordern Frgebnis. .daß di'c Foi/u «Irr KtHH'kit weitgehnwl von ihrer Funktion abhangt. - - Julius W olff. der UHU d» u « r-ten ileiltieheii Lehrstulil Iii) ol l|ifi|i;idisehe t.birurgie erhallen halle, hat diese* Sondi-l fach i|i i lleilkun-l er-t /u einein -elb-ländigeti Gebiet gcsihaffen. auf «lein er. unler-tülzt durch imiic Mil)ii»deii in der Osteoplastik und Olieralioueu an ('aimi.n. 1 Fils und Ilüfte. iK'wuudcrungsuünlige Frfolge erzielte. An den Kriegen MM. IIIMi uml I«70 71 hat er .mit _Aiis/eiehnung .leilgeuoimiien. .Am~TB. Februar l'JO'J. seiiied der \«tu höch^tein Idiali^nmerfüllt«' Helfer der Men-ehcH;ui* seinem arlM-ilsreieheu Indien. ______-M. S. Srdrrabrndi* de* LJuraleii \ rrriin. Der LilnwnU' Verein für «lie An-iclrgenheili n «1er jüili-chen (iemeintbzu Berlin F. \ .. , t.harlottenbiirg L% Bletbtn;us|iaße ir> J 1 -PdJi;. feil) mit: Wir .machen -«lion, heule mwre Mitglieiler und Vrr.mulr daiiinf aufmerk-am, daß wir auch in die-em Jahre SederalH-inh: \«'raiisjalien. Sie finden im Fou» ii|i;iiim. I^m IIii W Klei-tsl raße 10. und im Hotel ..König von Portugal". Berlin G 2. Bnrgstraße Ut. ^laH.' Für eine würdig«: Feii:r wird Snrg«' getragen wi*r«l«'ii.. Nähere^ wird ihhIi mitgeleilt werden. abareti im Hinterhaus Schall und Rauch in^Paris — Politik ausgefcha\tet Ztcei »Senfationen": Der Cameiot und der Scheinwerfer — Blick in den Zufchauerraum Auf dem Pariser Grand-Boulevard, in seinem Mittclstüek. dort, wo er Bonlevurd-Poissonuiere heißt, hat sieh ein Theatcrchcu etabliert. Man stelle .sieh darunter beileibe keine der funkelnden oder der gewichtigen Pariser Boulevard-Bühnen vor. Das Unternehmen, von «lern hier die Rede ist, wurde im Hinterhaus eines der ältesten und bescheidensten Mietsgehäude. jener bunten Gegend untergebracht, in einem Hofraum von knapp hunderlzwauzig Quadratmetern, den noch nie ein Sonnenstrahl erreichte, und der wohl früher die finstere Lagerstalt" für leere Kisten und Fässer und allerlei Gerumpel war. Vergleicht mau's etwa mit dem früheren ..Tingellangel" in der Berliner Kantstraße, diesem engsten Sehaügerust Deutsehlands, so muß mau gestehen, «laß diesem neben dein Pariser Minialur-Thcatcrchcn wie ein pompöses Festspielhaus wirkt. Ks fing damit.au, «laß sich der llühuemualer K. K. Stern, aus Reinhardts Nachwuchs, eines Morgens mit Farbtopf uud Pinsel auf die kalt-verpntzlrn Kalkwände stürzte, dann aus ein paar allen Breitem ein Hühnchen. h> recht ein Nudelbrettehen, zusammennageltet aus Paektuch einen Vorhang nähte und schließlich die primitiv von der niederen Decke runterhaumeluden Glühbirnen mittels .farbigen Papiers geradezu in Beleuchtungskörper verwandelte. Dann kam die Putzfrau; Irgendwo m einem entlegenen Arroudissrnirnt wurden hundert Stühle geborgt," wahre Veteranen ihrer Gattung: und schon begannen die Proben. Will man mm zuvörderst ineinem Kennwort Stil und + Inhalt des Dargestellten kennzeichnen. m> gerät mau in einige Verlegenheit. Soll man behaupten, es sei ein Kabarett, wie Wilde Bühne eins war. oder die ,;Rampc" der Rosa 'Valetti, .oder gar ein 1 lalb-Variete wie das Kabarett der Komiker'< Derart massive Ambitionen wären schon deshalb übertrieben, weil <fa» Publikum gerade ausreicht, um zweimal in der Woche vor „ausverkauften! Haus'* spielen zu können. „Kleinkunst?" So farbhisluchtäsagcnd ist es nun aber erst recht nicht. Denn «las Dutzend emigrierter Bühnen- und Podium-Meuschcn, die ihm daa Dasein gegeben haben, die wissen «lurchaus was sie wollen. Das sind keineswegs «h'c ^Stars';. die — «ie die Bergner etwa oder Ma.\; Reinhardt — sich draußen iu «las englische Theater oder m den amerikanischen Film eingeordnet haben. Ks ist uueh keine Gasticrtruppe, wie jene Leopold Jcssners, die in London ..Kabale uud -Liebe" spielte und gleich darauf auseinanderlief, ©der wie Dr. Kronachers Kusemble, das in Poris Bnynals „Marne" in deutscher Sprache herausbrachte uud sieh dann sofort wieder auflöste.' Ganz im Gegenteil: Am Itoulevanl-Poissonmerc ist eine Absieht wirksam, die weit fiber die Improvisation hinaus tendiert. Aus einer Tradition, die von den „Klf Scharfrichtern" ülwr Bcinhardls ..Schall und Hauch" von 1902, ülter ..Größenwahn'' und ..Bamjie" lief, aus dem klassischen „Cberbrcttl" un«l auch aus «lern Münchener ..Sinplizissimus" «lc> Joachim Ilmgehiatz (als er noch Haus Butlicher hieß) soll eine Serie spezifischer Werte herausgeschält und neu gestaltet werden. Am ehesten läßt M'eh's mit dem -Konservierung» w i 11 e n in Jushnys Blauem Vogel - vergleichen (wiewohl artistisch oder formal nicht die geringste Ähnlichkeit mit diesem zu entdecken ist). Ein bißchen Schall, der aus einem abgeklungenen Zeitalter in eine neue Zeit uml in eine neue Umgebung hinüberklingt, ein bißchen Hauch, «1er aufsteigt. Daß Fehle, der Schall und «1er Hauch, echt seien, diu ist ersichtlich die einzige Ambition dieses Unternehmens. Das Programm itt prinzipiell u n p o 1 i t i s e h. Der erste Gonfcrcr.cier war Robert Thoercn. der ehemalige Berliner Schauspieler: dann conierierte Doenl. Paul Dessuu kompinicrte neu W'edckind und (Klabumi, am erfolgreichsten jedoch Francois Vi Hon. dessen „Roter Coquillard" von Asken a s y . einem scharf profilierten Charaktcrspicler der' Dumnnt- Bühnc. geradewegs zu einer Pariser Sensation gesteigert wurtlc. Oscar Straus steuerte ..Die'Musik kommt" bei: davw/ar schon ein Clanzstüek des alten „Cberbrettl": jetzt erschien es zum erstenmal .szenisch gestaltet, mit eiuer Bomben roll«: der scliöncn Lotte Jäger (früher am Berliner Staatlichen Schauspielbaus;, die auch W edekiuds „Ilse" uud «leu „Großen Franz" von Hardek«>pf iu virtuosem Stil neu formte. Daun war Dr. Peter Baeh zu Gasi gekommen, der Säng«*r zur Laute. Da erlebte mau in ' diesem ^clnnalen 'Raum eine gewaltige \ ierlelslunde in mcmorinin .Joachim Rmgelnaiz. Die Malerin A I he r l - L a /. a r d balle Itiugclnatzciis „Zwei Ameisen" in „Deux fourmis" übertragen; Bach sang sie, heftig applaudiert, m> charmant, mit «lern vchleMeu S«'ine-Läcliein auf den Lippen, als wäre er am Quai \ oltaire. aufgewaehseii und nicht am Sehiffhauerilamm. Zwei andere (iäsie, als iotiri-tcu grud iu Poris, hatleii .sich eingereiht: Kurt Gerrou und Felix Bres^art. Sie spiellen einen Skelsch, den ilmen iler Dramalurg de-j Hauses, Dr. Kurl l^oudou, gescfiriefieu hatte. L. a. wunb; auch ein F.vperiinent gewagt, du-s aber .sofort In-i. der Premiere zur Attraktion aufblühte. Ftueu ('»iiiclot, Francois heißt er, iler tagsüber Zeitungen verkauft und abends m einem winzigen Gnfe an der iMaee-'lertre, hoch droben' bei «1er Saere- Goeur, zum Akkordmu jsingl, hat mau genau so wie er geht und , steht — in "den Scheinwerfer gestellt. Kr Miigt ein halbes Dutzend. Pariser Straßenlieder, die richtig«: Volkslieder >in«V Frau«;ois jedenfalls, tler Strußeusänge.r mit «let Gatnelotmüftze auf dem linken Ohr, «len roten Schal tun. uml nur halbwegs ordentlich für den Scheinwerfer geschminkt, hat >cif seinem lJcbut den Krfolg siines jungen Lebens. Gibt er zuletzt He^iuauu-> „Liebe der Matrtwn" zu, so ist's unten ein Jubel und für ihn auf «l«;m Nutlelbreit oben ehi Fest. Die aparte Lotte Gros», deren Karriere ebenfalls in Berlin l>egunn, wäre noch hervorzuheben und der Bouvivaiit Mal leu (früher un der Volksbühne;. Vor der. Pause und vor dem Schluß werden Sketche aufgeführt. Die sind etwa belheli: .,Lottclicn im Lunapark", .J,«illcheii aul «lein Sechstagerennen". Vom Seheinwerfer war die' Hede. .Auch den gibi's jetzi in dem Tbeatcrcheii; ein Mäzen hat ihn gestiftet wunt den ineehauiseh auswechselbaren blauen uud roten Scheiben davnr. eine er-tklas>ige Ik'lcuchlimgsauhige, «las gute Stück «les Ilailses, uac'ideiu mau sich zuvor mit einer geliehenen antiquarischen und reiht, unzuverlässigen Lichlfjucllc abgerackert halle. Nun kann man s«igur die nächtlichen Generalprolx-n «ieu aiLsgekochle.sten Fachleuten zeigep; eine davon begann um Mitternacht, und als sie;nis war. ging alles frühstücken. Auch die Munebener Pbologranliin Trudy Fuld war dalx-i. Sie ist, wie bei den Großen, niil zwei Gehilfinnen mitten in «ler Nacht erschienen, um ein paar Dutzend 'Aufnahmen zu machen, die später als Szenenbilder und Porträtiu die l'ariser Press«;, in Magazin«: uud Hevueii kamen. Zu erwähnen l-t, daß es auf den Proben überhaupt recht zünftig zugehl. Man kommandiert den neuen Scheinwerfer: ..Hutes Ficht!" ..Mehr einziehen*." — ,.Hhm*." Ks gibt auch Krach, und man nimmt übel. . Aber ultends, wenn die Lichter brennen, ist . alles wieder iu Ordnung. Denn letzten Kndes beruht «las Belriebssysteiii auf Kameradschaftlichkeit, die in hohem Grad schon «ladureh gewährleistet^ ist", daß alles. Freud uml l^-id. Kiimahmen und Ausgaben brüderlich verteilt werden. Für teuere Reklame ist natürlich kein Klat zur Verfügung. Gleichwohl hat sielfs in Paris rasch herumgesprochen, daß :da inmitten der heimischen Weltstadt-FiiJnuuanz ein kl«*ine.s fremdes 1"Üukebcu glüht; würden sich die französischen itcsucher in ein Gästehuch eintragen, so könnte «;s sich sehr wohl sehen lassen; " manchen guten Namen der Literatur, der Musik würde man «Irin finden. Selbst eine Weltberüluulheit aus Hollywood - man war zu Aufnahmen iu Paris —, vväre verzeichnet, wiewohl man «len Namen, an jenem Abend wenigstens, aufs Programm hälle drucken und rrhölili* KiulrillspreuH? hätte verlangen können: «*s war ein im[rrovisiertes und eigentlich vom Kn-emhle und vom Publikum halb erzwungenes Gastspiel, und >o war man ..von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Auch Max Reinhardt., nach einer Fl«-ih*rmaus-Prnhe. Leopold Jessiier. GharelL Gurt Bois. Barnnwsky.