Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 10 (4.3.1936)
- Date
- 1936-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613429--677-2615546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
anwalllicheu und wirtschaftÄtrcuhändcriseheu Berufsausübung respektiert werden. ■ Die erwähnte ,.Judenverordnung" hat bekannt lieh allen Mitgliedern des Jiiriätcnbuudc?, die innerhalb des Hundes ein Amt bekleiden udei* Leiter einer NS-Rcchtsbctrcuungsstelle sind, die Vertretung von Juden vor Oeriehteu oder anderen staatlichen oder privaten Sielirr. verboten. Ein entsprechendes Verbot gilt für diejenigen Bnndesmitglicder, tlie zugleich Parteimitglieder sind, auf Grund der für die Parteimitglieder allgemein geltenden Bestimmungen. Hundesuiitgliedcrn^ tlie. weder Parteimitglied Hiid, uoeli eines der genannte» Ämter takleide'n, wird zur Pflicht gemacht, im persönlichen und beruflichen Verhalten gegenüber Juden die größte Zurückhaltung an den Tag zu legen- Die Zahl der jiidifchen Anwälte Weiterer Rückgang gegenüber dem Vorjahre Nach einer soeben. veröffentlichten Statistik betrug die Zahl der jüdischen und n l e Ii t a r i s e Ii e u H e e h t s a n w ä t Uim ganzen Itcich ,am I. .Januar 193G 2üÖ2 unter insgesamt 1BHÖ4 Rechtsanwälten. Gegenüber der letzten Zählung trgilil sich ein weiterer Rückgang der seit 1933 in ständigem Sinken befindlichen Ziffer. Interessant ist. wie sich aus den nachstehend angeführten Zahlen ergibt, diu Verteilung der Anwälte auf die einzelnen HechUMUiwaltskammerhezirke. 1> zeigt sich, daß die Bezirke, welche dh größte jüdische Itevölkeningsziffer aufweisen, auch cjii: meisten Anwälte haben. Iis sind die» vor allein. Berlin. Bre-Iau und Frankfurt a. AI. .Eine Trennung nach'jüdischen und iiichlariseheu Auwätteu gibt tlie Statistik leider nicht. Ks gab am I. Januar•1936 an jüdischen und liichtarischeu Rechtsanwälten in Augsburg 10, Bamberg 26. Berlin 1036. Ii raunschwein ö. Breslau 234. Celle 47. Dauzig 31. Darmstadt 4(J. Dresden G2. Düsseldorf GS. Frankfurt a. M. 135. Hamburg 11*1. Hamm 81. Jena 10, Karlsruhe 105. ,Kassel 22, Kiel 17. Köln 56, Saargchicl 7. Königsberg 40. Leipzig (Reichsgericht) 2. Marieuwe nie r 5. .München 127. Naumburg 42. Nürnberg CD, Oldenburg 2. Potsdam 28. Rostock 7. Stettin 31. Stuttgart 63, Zwcihrückcn 22. Die Zahlen dürften sich auch im laufenden Jahre weiter vermindern, da den Abgängen durch Tod. Auswanderung usw. kein Nachschub liegenüherstrht. 754 jüdlfche IVotare ausgefchieden in der ..Deutschen Justiz"", dem vom Reichsminisler der Justiz herausgegebenen amtlichen Blatt der deutschen Rechtspflege, werden die Namen 'von 754 jüdischen Notaren veröffentlicht, tlie auf Grund der bekannten Bestimmungen des Rcichshürgergcjiclzerf mit dem 31. Dezember aus tiein Amt ausgeschieden f*ind. Die. betreffenden Notare waren in preußischen Ohcrla»«lcsgcrirhu>* bezirken «.«** ie im Bezirk der Oherlandcsgcricht:* Brauuschueig. Dresden. -Hamburg. Oldenburg und Stuttgart tätig. Die in den übrigen 01>erhindcsgcriehlsbrzirkeii ausgeschiedenen jüdischen Notare -hui bereits bekanntgegeben worden; ihre Zahl betrug-frech-« \ ou den "54 entlassenen jüdischen Notaren befanden sieh 425 in Berlin. Gl in Frankfurt n. M.. 46 in Breslau und 10in Leipzig. Schutz für Auswanderung Bei Zwangsversteigerung %oii Grundstücken Hamburg., NacliI § 5 der Vollstrcck'uugsschuizvcrordnung \om 26. Mai 1933 'wird trotz unverschuldeter Notlage des Schuldners eine einstweilige Khistclhuig des Zwangsversteigerung**erfahrene \<m (Mundstücken nicht *orgcuomiucn, wenn die Einstellung dem die Zwangsvollstreckung betreibenden Gläubiger einen umerhühui*- iiiäßigcu Nachteil bringen würde. Der ,.llamburger Grundeigentümer" veröffentlicht einen Beschluß des Landgerichts Altona, thirch den-.die Frage, ob ein uuvcrhältmsmäßigrr Nachteil für den belrcfbendcn Gläubiger auch dann vorliege, wenn er ein Jude ist, der nach Palästina auswandern will, bejaht wird. Ks heißt in den G r ü u d e n des Bcschlus-c's. 'daß der Schallen, den die Gläubigern! thirch die einstweilige Einstellung erleiden würde, nicht bloß in dem verspäteten Emplang der Schuldsumme, sondern darin besteht, daß die Gläuhigeriu durch die spätere Befriedigung aller Wahrscheinlichkeit nach einen Verlust von mindestens der Hälfte der Forderungen zu gewärtigen hat. Der,Ausuanderung der Gläubigcrin nach Palästina könne nicht di-.-haib die Berücksichtigung vertagt-werden, indem man sie als willkürlich und mutwillig bezeichnet. Die Gläuhigcrin sei verpflichtet, ihrem Kheuiaune. -der sich aus den allgemein I>ckamiteu Gründen zur Auswanderung entschlossen hat. .nach Palästina' zu folgen; die * jüdische Auswanderung werde auch behördlicherseits öder vom Volke nicht etwa' mißbilligt, sondern' erscheine der öffentlichen Meinung als. wünschenswert. Die Glänhigerin habe dargelegt, daß ihr von den Behörden gestattet 'worden sei, auf Grund der .besonderen für die jüdische- Auswanderung nach Palästina erlassenen gesetzlichen Bestimmungen, die im Warcnelearmg der Förderung der deutschen Ausfuhr nach Palästina dienen, ihr greifbares Vermögen nach Palästina zu überführen. Die. Geldbeträge der GIäuhi»erin fänden dabei zum vollen Kurse oder doch nur mit einem geringen Abschlag Verwendung. Fallen der Gläuhlgerin Geldbeträge jedoch erst nach der Auswanderung zufließen diese auf sogenanntes Sperrkonto, wodurch'sie einen Kursverhisl von etwa 75«'k ihrer Forderung oder ln-i Berücksichtigung des vnrhezeichneten Abschlageinen etwas geringeren Kursverhisl erleiden würde. Dieser Verlust wäre aber unvermeidlich, wenn tlem Schuldner die einstweilige Einstellung zugebilligt wird, weil;tl-daim der Abschluß des- Zwangsversteigcrungsverfahrens voraussichtlich nach der Auswanderung liegen würde. Dazu komme die für die Gläuhigcriu immerhin eintretende Erschwerung und Verteuerung des Verfahrens zur Weit erver folgimg ihrer Ansprüche, falls das .Verfahren zur Zeit der Auswanderung noch seh webt und später vom Auslände her noch fortgesetzt werden soll. In einer Anmerkung im Hamburger ..Grundeigentümer" z» diesem* Bcschhiss wird ausgeführt.- daß er-für. dm betroffenen Hausbesitzer wegen der stall findenden Versteigerung s-cines Grundstückes zum Vorteil des auswandernden jüdischen Gläubigers, auch wenn er. mit Zustimmung der Devisen-teile handele, sehr schwer ertragbar sei. Es wird gemeldet: ■ Die aus den Mitgliedern der bisherigen Fraktion des Jüdischen Volkshuudes und der zionistischen Fraktion wieder-, vereinigte Fraktion der zionistischen Gemeinde* ertreter in der B e r 1 i n e r G e m e i n d e . wird den Namen Zionistischer V n I k * t> ii n d tragen. Die Fraktion hielt ihre erste konstituierende Sitzung ah. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee gewählt: stellvertretende Vorsitzende wurden Rechtsanwalt Dr. Siegfried M o srs und Rechtsanwalt Philipp K<> zn w e r. * ■ W ie die ,.B. /.. am Mittag" meldet-, werden in allernächster Zeit im Berliner Bezirk Tiergarten mehrere Straßen einen neuen Namen erhalten. L\ a. soll die S i in s o u s t r a ß e ihren früheren Naiucu Souunerstraße wieder annehmen: die - H 11 zi g s t r a ß e wird in Srhwerhtrnstraße umgetauft; ■ In diesen Tagen findet. durch Binlol|ih I.epkes Kiüi-1- Auclious-I laus tlie V e r s l e i g e r n n g von Mobiliar. Kunstgewerbe. Gemälden und Bibliothek aus dem Belitz der F r a u K o m m v r z I e nral J a n d o r f in Berlin statt. * ■I Die Gesellschafter-Versammlung de.- B a n k h a u s r s llardy u. Go. G.mJi.H, beschloß nach einer Kapilalherak-et/uug auf 3 Millimicu Reietisiuark. das Kapital der Gesellschaft unter Bildung eines Reservefonds von 1 Million R.\h mir 7 Millionen HM. /u erhöhen. Die neuen Geschäftsanteile" weiden, wie der ..Völkische Beobachter" meldet, au eine Gruppe übergehen, die .sich ausschließlich ans arischen Kreisen zusamnieiwtzl. Von einem jüdischen Einfluß könne nicht mehr die Rede m-iii. * B Profer-Mir L. A. Maver und Dr. A. Rcifenhcrg. die im \eig;mgene» Jahr eine alle Synagoge m Ashtniuoa entdeckt haben, fanden nunmehr in »lern im gleichen Distrikt gelegenen Khurltrt Su-iyeh abermals f b e r r e s l c e i n e r antik r n S y n a g o g «*. * ■ Aus Saloniki wird beneblet: König Georg I I. von Griechenland wohnte, am 2.1. Februar dem Gottesdienst tu der Synagoge von Jauiua bei. Zum Andenken wurde ihm 'ein L'iddeucr Turaschllllick überreicht. Nach «lein Gottesdienst besuchte der" König das jüdische Viertel. * V B3 ' Her Senat de> Lemberger Polytechnikum» hat die \ L - > e Ii a f r Ii n g der Verordnungen hekaunlgegi lM-n. ilurch die ih n \ü d i s c h e u St u d e n l e u der I loi-hschule a b g e s o u «I e y ( e Sitzplätze in.den Hörsälen und'eigene Zcicheiisäle zugewiesen worden waren. Dieses uuuiuehr abgeschafft«! .1 hichsehuI-Ghc(tn" Lord Readings Teftament London. Die letztwilliuen Verfügungen lies vor ein igen Wochen * erstorbenen ehemaligen \ izekönigs- *on Tmlieu. f. o r d R e a - ding. >iiid ntmmi-hr bekanntgeworden. Das *on Lnnl Reailiu^ hinterlasscue Vermögen wird auf 2^1)000 Pfund-geschätzt. I.ord Heuling hinterließ hohe Betrag;*- für w o h 11 ä t i ir e Z w e e k e. Die britische GeselNrhafl zur Bekämpfung der Krebskra:;kheit erhielt ein großes Legat. Eine Reihe XVohlfahrt.-iirgaiMsationcu. darunter die Jewish Board of Guardian?, wurde von Lord Headiug mit namhalien Beträgen bolaiht. Da« gesamte Per.-onal. M»weit es sieh hereilvier Jahre vor dem Tode des Eords Readtng in Diensten seiner Familie befand, erhielt beträchtlich:* Legale^ Der » nach Abzug aller dieser Vermächtnisse verbleibende Ikrtrag wird zwi-ehen tler A\ itwe unil dem Sfihn de> Ver-torhenen netL'ill. war bekanntlich nach de» niitiseinii'iM'hen Exzessen au dein l.einhergec Pol* frrhiiikum eiugefühij worden. i # ■ Der Leiter d e e Kur b a d v a u s t a 1 t e u! u M a - rieubatl, Ing. I>tdK;rauer. ist uath Tiber las iu Palästina abgereist, um d«rt die ttiehlliuien für die Verwertung der .neu gefaßten und aus der lhmicr^cil bekuuuleu T i b y r i u ** - W « r iu — ipielteu zu Hinlrkurrii festlegen. Wie iH'kanut. ist in Tilterias. »1er Bau cini*?. ntodcnteu Thermalbadegeplant. ♦ H Entsprechend eineuf *ou der Lti/eincr Tagung des Gouu- . eil tler Jewisli Agcney gefaßten Beschluß wurde .bei der E*u*culi*e der Jcwish Agcucy ein unter der l>ei(iHig von Di, xi\enu*r S e n a I o r *tchcinlr> Bürn im Organisierung d e r Niehl- /•i trjnx s t e n i n n e r Ii a I b d e r A g e n e y gcschaHen. ♦ ■ Im Jaffaer lla-fcu «erden seit einigen Tagen Vcrm e s ■* n n » > a r b e i 1 e u ihiiehgcfnhrt. die \eri»mllieh inifc=dcn PI Tu icn für den Au-hair die-i- I lafen- /um I laupthaiidel-liafeii Palri-i'mas- /iisauimcuhruigeu. ■ \ or dem \ erwiilliui^-^ebihide der Jewi.-h Auciicy iu Jcni-alriii haben sieh wiedi-r b'tt ..illegal«'" Einwanderer eingefunden, die gefordert haben, daß die Jcwish Agency Schritte tue, um den Aiitcuthall der- Illegalen iii'Palästiiut zu legali-ieien. Die Polizei *erhafle|( _fiinf illegale Ein*»anderer. * ■ "Nach einer Meldung au** Ja ffa sind dort auf Verlangen arahi-chcr Pn-leu IB j ü ii i - c h e Arbeiter, die ln*i öffentlichen Arbeiten be-chriftigl waren, sidorl e u l i a - s e it wnrdeu. i ■ Der Nervi iiar/.t Di. G n s t a * Oppenheim in l;iank: fort a. M. hielt in der Stuilicngescll-cbaft für parap-ycbidnui-<-hn ( ntcr-uchungen tu A in l er «I a tu einen welbcachlelcii \ ort rag ül«*r ..Elektrische Fehler am nielischlicheu Körper- und ihre Brdeutung für die para|disychidi>gi»chen l*>.Hchcimmgeti". 'Am Tage nach dein \urtrag führte er in einem LulHtratoriuui Expcriineulc *or. Die uieilcrländisehe Tagc-pres-c brachte üImt «Üesr ui^-ensehaflliehe N'craiislaltuug iniihiiign iebe Iterichte. ■ * ■ In einer Vi-r-aiinulung de?* V e r e i u s für f «> r 1. - s <; h ii I ( I i e Ii - r e I! g i ö sc- J u t{ e n | ti in in \\ i e'n wurdi* dii* A ll f I ü - Ii ii g des Vereint beschlossen,-da er keine Eulwirk-. hiuii-iuöglichkeil iu Österreich gefunden hat. Antifenutisnms in Sowjetrußland Die ruffifchen Juden und der BolfdiewiMmu*- Uber das Schicksal der in Rußland lebenden jüdischen Be- *ölkeruiig kommen verhältnismäßig wenig Berichte zu im-. Wir wissen zwar *on tler großen Not und den furcht baren Verfolgungen, denen die .luden Rußlands vor und während des Krieges ausgesetzt waren, erinnern uns auch, von Progromcn gehört zu haben, dienoch unter dem Sowjelrcginie iu den Jahren l'tl'l bis P)2I Mir .-ich gegangen .sind. Wie sieh aber heute das Sehick-a) der iu Rußland Irlicndcn Juden gestattet, darüber wiesen wir sehr wenig. Dabei \erfügt Rußland über eine zahlenmäßig sehr starke jüdische Bevölkerung. Die letzte amtliche Eiuwohiierzähhmg der Sowjetunion ergab eine jüdisch:* Bevölkerung von 2 672 001) Menschen, was etwa l.JJ v. IL der gesamten Einwohnerschaft des Sowjet reiches sind. Die mei-teu dic*»cr jüdischen Einwohner leben in der L kniine« weitere bedeutende jüdische Einwohnerzahlen findet man in Weißrußland, in Großnißkuid und in J'ranskau- kasien. Die übrigen Bezirke des russischen Bciehcs wei-eu nur eine \i*rschwimlend geringe Zahl von Juden auf. rberbliekt man die Lage der .luden im heuiigeu Rußland, so mtiß zunächst eine Tatsache klar gesagt werden: auch'das Rußland von heute ist antisemitisch. Das haben lM:kannte Führer des Sowjetregimes wie Buchariu auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Daran hindert auch die Tatsache nichts, daß es eiii/.ebieu jüdischen Kommunisten »ehingen ist. in tler Verwaltung des Sowjet reiches höhere Posten zu erreichen. Nach allen Berichten ist die jüdische Religion in Rußland denselben Verfolgungen ausgesetzt wie die christlichen Kirchen. Synagogen sind geschlossen und in kommunistische Gluhs umgewandelt worden, die jüdischen Gemeinden aufgelöst, dh: hebräische Sprache aufs schärfste bekämpft worden. Cber das wirtschaftliche und soziale Schicksal. der Juden in Rußland hat Dr. Abraham Helle r mit großer Sorgfalt Material ge-aminelt ihm) in einer im Verlage von M. und H. Marcus in Breslau erschienenen Schrift ..Die f 4 a g e der Juden in R u ß 1 a n d v o n d v. r M ä r z r e v o - lution 1917 bis zur Gegenwart" geschickt zusammengestellt; Nach dicken Angaben, die auch in Reisclfcrichteu immer wieder bestätigt werden, bietet das Judentum iu Rußland heut« ein Irn-thvcs Bild. Progrome, Flucht. Geburtenrückgang. Mischehen, die Entfremdung vom Judentum durch den Knmmimi*>inu.s min nicht zuletzt die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkenmgssehicht lassen sie in einem unaufhaltsamen Niedergang erscheinen. Nach ihren Berufen setzt sich heule die jüdische Bevölkerung - Rußlands folgendermaßen zusammen: etwa ^14 v.lL sind Arbiter, und Handwerker über *J v. IL Bauern, 1!' v. IL sind Händler, 2*i v. IL Staatsangestellte 'haunt-ächlich in den Wirt-chaflsorganisationi-n* und 14 v. 11. müssen aU arlteitslos bezeichnet werden. Die Lohuarbriti.T stehen zahlenmäßig' an henorragender Sti-lh- und haben vor allem thirch ihre Zugehörigkeit zur privilegierten Schielit di r Fabrikarbeiter entscheidende' Bedeutung. Das sind neben den Staal-angcstcllten mich dir einzigen IN-nifssehichtcn, denen es unter den jetzigen Verhältnissen möglich ist, in Rußland ein einigermaßen auskömmliches f/'ben zu' finden- Ganz trostlos aber sieht es bei d;;r gesamten übrigen jüdi-chcii hV*ölkeruug aus. Die \ crliältnissc der -Bauern *-iod unglaublich schlimm., Dalwi sind auch die mit großer Propagamla ins Lehen genifpui-n Siedlungen in R i r ti - P» i d s e h a n nicht ausge»t»mmrn. Die. Einnahmen aus der Landwirtschaft reichen auch für die notwendigsten Bedürfnisse tler Siedler nicht aus.- Die jüdi-rhe städtische. Bevölkerung - hat durch das Verbot des Privathandels und jeder Privat initiative jede Erwc rhsuiögltchkrit \erloren. So blieb Iii* heute ein Ileer ~*on ArlM-it-lnsen übrig, das von Jahr ztt Jahr ansteigt und unlrr unsagbaren wirtschaftlichen Verhältnissen vcgctii rPn muß. ■ - Si» kann enicht wtindenichiuen, daß es politisch, kulturell ' und gesellschaftlich k a u in n t» c h e i u j^i tl i s e h e «t L e b r u in Rußland - gibt. Zwar sind th'e Jtiilen iu der Sowjeliiiuoii eine nationale, Minderheit. Sie haben das Recht Hilf eigene Scholen, Bäte, Gerichte und administrative ^Autonomie, in den Gebieten, In denen sie eine . Mehrheit bilden. AImt die-e llecble hieben nur auf dein Papier. Mehr ul*< ein Drittel der jmliscben Bevölkerung bleibt wegen seiner ..nicht proletarischen" Struktur und des Klasse up riuzips üf»rrli:uipl *öllig n-ehthi-*. Nach tler letzten Statistik iL konnten von den Juden Rnl\Tnnd*i fast" 21t *. IL weder lesen noch •»ihreiben. Zwar lirgl tlie Zahl iinli*r dein allgemeinen 'Aualplialtelenslanil, doch ist hie bezeichnend für den kultm-fItf-u Niedergang der russischen Jude». In> Hpraehliche Assimilatioii hat allerdings Forlschrille utacheu können. Während früher ausschließlich das ,.Jiddis«*he" »esproeheii wurde, lM:ginnt man heute iu-siseh zu sprechen. Mit Hilfe ausländischer jüdischer Institutionen, *or nllem des vJoint'S gelang es, wenigstens eine Auzald jütltseher Schulen aufreiht zu erbulten. Wenn also Heller ui seiner wissirnsehafllieh gehaltenen und darum lM*soudeis wertvollen Schrift zu dem. Schluß komm), daß das Schicksal der rus-isihm Juden in völliges Dunkel g. hrilU int, st» muß inau ihm ziixlimmeu. Wir sind zwar, schwer von den Sorgen über die eigene Zukunft' bedrückt, das soll uns aber das Herz auch für den siJiweren K.'unpf der Juden in-anderen Ländern, nicht verschließen. Dr. K. IL Die Bcluftiguiig jüdiH-her Kuuflcute im Londoner Kalt-End Erklärungen des Inncuuiiiiisters im Unterbau* London. Nachdem ImtciIs *or einigen Tageu der Vertreter des Wahlk reises - Shtiredileh über Kuiulgebungen gegen die Juden geklagt hatte, fragt'* am Doiiiierntag drr Abgconbictc der Arbeiterpartei, Ghaler, ihn luueuininisler im t.nterhaiis. ob ihm die heraiisfiinlerude Haltmig der f a n c i » t i s c h e n Verbäutle gegen-_ übe.- j ü d i s e h *' n L a il e n b e * i l z t* r u im Kreist; Beihuäl (in en U/kaiml sei und «dt er «Irr Polizei AuweiHtingvn ./.u G e '***. n - in a ß n a h m e ii gelten wolle. lunenmiuisier Sir .lohn S i in *t n bejahte die Frage und fügte hin/u.' «laß «Ii*- Angelegenheit durch.ihn iu Zusammciturlteit mit dem Polizeipräsidenten geprüft werde. AVührenil es auf tler einen Seile -ehwierig sil. dii-'*. Art von Vergehen festyimlclleu und die Si-htddiücn zur \ erauluorliing zu -z'icImmi, sei"'"» »ndererseil-. uuerf räglii h daß rrg«-iidein Teil der Bevölkerung dir*; I mstande au-geiintzl habe. Der Fragesteller könne *ersichert si in; daß die Polizei alles in ihrer Macht Stehende tun werde, um ~ den Bc-rhwr,deu abzuhelfen. Der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Walkin-, erkuudigie. siVh hierauf, »dt mau annehmen -dürfe, »biß die Antwort df* Innenminister-* sitji nicht mir auf Belbniil Green, Fudern auf ganz London l»-/.iehe. Simon Itejaltle. die. Frage und erklärte, e-, bauilele sich um einen allgemeinen G r u iiid h a t z. Die londoner Polizei hat muh den vom Innenminister Sir John Simon im l'ulerbaiiabgegebenen Erklärungen über die