Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 8 (19.2.1936)
- Date
- 1936-02-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SEITE DES BUCHES Aus der Vorzeit in die Neuzeit „Wiifle und Gelobtes Land" — „Im Kampf um Gott, Volk und Land" — 150 Jahre in jüdifcheri Charakterbildern lü> /Ulli Jahn- VJ'SJ. hat vr M-lt>aiurit\cw' vmu jüdischer St-iueine große. , zusammenfassende, Darstellung der antiken (U>cbichle lhrai-K nicht gegeben.' IM erschien im Kurl \\ olff Verlag Elias A u r r bar Ii .,\V ü r-1 e u u «I G r I o h 1 e s L a u d". die GcM-hichtc. Israels von den Anfängen Iiis zum To«!»- Salomo>; von der Fachkrilik gebührend gewürdigt, gern und eifrig aufgenommen von ilrm damals noch nicht allzu «rotten Kreil jüdischhistorisch inlrrvs-irrl:r Menschen. Jetzt U\ da-> Buch in den Schocken Verla»; übergegangen, und <S i.->t 7.» hoffen und zu ivftiLschc.ii. daß die»« «us ältesten und modernsten Quellen aufsteigende. Vision eines historisch denkenden und knnitleriieh empfindenden Darsteller^ in weitesten jüdischen Bezirken bekannt werde. Wer ~ iil> l-aic oder Gelehrter — die cr>ten Sätze des Jmhiindi'i l Seiten'starken, chr.ii.-o klar gr^chricljenen wie gedruckten Boches mit .-.einem wertvollen Karten-. Skizzen- und Ih'Idmalcrial «enieiu*ri>eh in »ich aufgenommen hat. wird von dem Werk rheu-o grfrW-lt sein wir von einem spannenden hiMori-rhrn Itimiaii. der den I-A'&er nicht h>-läß( und ihn lange uIht den Schlott hinan* in Hann hält. ^* .lün 1 listoriker hat die>e» Buch gr?,ch riehen. Aher kein trockener Urkunden forscher. «Irr Daten und GeschchnN-e hedfiehlig aneinander reihl, Mindern «'in Meit-rh mit Fantasie, dein . dahei eine genaue Kenntnis de» Landes Palä-tina zur \ erfüguui: ' -taird, ein Erzähler mit der lieglückcnden Gabe" der-Darstellung, die ICrkriiiitiiisr-*; kritischer For.-rhnng und lebendiges Geschieht shr\wißl»ein zu einem farlK-mi riehen KoIo>salgrmäldc zu - vereinen' weiß, auf dem nicht nur die großen Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte plastisch hervortreten, sondern auch «lic llintcrgnindfiguren deutliche GcMalt. aimchiuni. . Sehon die Einleitung, die Palästina als den Schauplatz der Goehichte absteckt, mit der Schilderung der geschieh tsliestimnieudeii Voraussetzungen, wie dein *;**i-in«**ii Raum des Landes, das zur Zeil der dichtesten Besiedlung citwhlicßlieh de* Ostjordan- laiules kaum mehr aldrei Ins vier Millionen Einwohnern Platz »«•geben lt;it. h inein Charakter - als Durchgangs! and und >emer Verbundenheit mil der Wüste, läßt den sicheren Standort ''Auerhachs und die Eleganz seiner Schreibweise erkennen. Was in dem Ruch hei alledem l>r*ondrr* angenehm herührt. i-t. daß der Vcrfa»er »ich in gleicher Wci-e von der Ilificlglfiuhigkcit strengster Observanz wie. von dcir~ Auffassungen überkritischer Itihel forscher *■ distanziert. Es Uami hier im einzelnen nicht belegt werden, wie Auerbach die Zuverlässigkeit der mündlichen Überlieferung für "die \ er-rhiedenen ItisloriM-hen,. imliliselien, kulturellen und reliüinx-n Materien versehirden liewerti-l, wie er «-ich auf Grund des Oiicllennialerials Mirgffdli"; zu gi-\» is-cn Ke>tjmnkten der ällesten Gr>cliicliie Israels vorla-tel. um von ila aus. rückwärts und vor- - . wärt-s lilii-kcnd. dir Hesullaltseiner Üher>iehl znsamnien/.nfa=M'ii. Auf solche \\Yi*r erscheinen häufig Ink-imite Tatsachen in einer neuen. 'i'uVrraH'hendcn lielcuchluu^. die aueh die dunkelsten HilK'lslelleii nicht mierhcllt läßl. Ms kann und soll hier aiu'h nicht untersucht werden, oh die »ei»|\«dlr Hy(uilhrse. w<maeh KI»jatar, ein Nachkomntir des Mose, der eigentliche Schöpfer des ..Iluchcs der- Bücher" war, sich in allen Punkten slülzmi laßt -— jedenfalls wirkt sie .in der klu-ien Knmhiualifiusweisc lülias Auerharli> üher/.cugciid. Aus der Erkeiiiitnis. * daß die Vatersap'n des ersten Buches .Mose und das Itichteiliitch nach Inhalt iiuil \'erfasser zusammengehören, ihi liciile 'IVaditioiu-n der heiligen Stätten IsracU zum Gegenstand halieu und in StofflK-handhui"; und Wort gebrauch dieselbe, gestallende Hand verraten, zieht Auerbach den Schluß, daß der sogennnule. .lahwi^t und der Verfasser der GcselüeUte Davids und der Tradition der Bundeslade eine und diescllic Person sind, die *ieh_in dem KÜden Ehjatar. verkoriK-rt- Die Niederschrift des großen Werkes, das die Kenntnis der Zeit bis zum Tode Davids vermittelt, mit Ausnahme der Bücher Lcviticus, Deulernnomium und .Insu», die jüngeren Ursprungs .-iud, datiert er zwischen 1000 und %(!. Der Verfasser ist danach ein ..Mann, der im Mittelpunkt der Geschehnisse lebte, dem aber außerdem als Priester und Mitglied*' einer altherühmleu Familie das gesamte Wis-cn in GeM'hirhtr und Kultur seines Volkes zu Gebote atand. Kür die Goehichte M-iner Zeil bis hinauf zum Flegicrungsantrilt Saids ist er authentiM'he Gi-sclnchtj-micllc ersten Hanges. Für die Zeit vorher gibt rr. anknüpfend an die heiligen Stritten des- Lande? und he-timmlc Kult geh rauche, die nationalen Traditionen, von seinem Grifte durchtränkt, in einer durchaus rinheilliehen Anschauung wieder; mit besonderer Ausführlichkeil und reichem Material erzfihll er die Sclurksale der Lade und die Traditionen von Ahisc"1. weil nach Aiicrhaclts Interpretation diesem Priester Ehjatar aus der I'amiliennlH'rlieferiing über seinen Ahnen ülicrrricner Stoff zur Verfügung stand. Aber nicht nur das Bild Moses tritt lebendig ans der Legende hervor. Wie gerundet-ist z. B. die Schilderung der Gestalten der ' ersten .jüdischen Könige, wie abgewogen scliildcrl er das llineinwach-cu der Wil-tensöhne in die sozialen und kulturellen Lebensformen der l'mwrlt. Die 'Lektüre, von Elias Auerbachs ..Wüste und Gel,.Iths Land" Markt nicht nur die Verbundenheit mit der jüdischen Geschichte: sie läßt auch die Entwicklung zu den lirihepunkleu der Religion deutlich Mchtbar. werden und macht ihre spätere Bedeutung für die Beligionsgesehichle der Menschheit verständlich. ..Alle Elemente der Religion", sagt er von der Bibel. ..die in der Folgezeit das Schicksal Israels, zuerst-das innere uml dann auch das äußere. Iiestimmt halten, sind in diesem großen Werke vorgebildet." - - - Der Schocken Verlag kündigt den zweiten Band dieses reichen und bereichernden Werket? an. Er wird mit Sehnsucht erwartet. * ..GesellifliLsscTTreibillig", meint Auerbach im Vonwirt seines Werkes, ..ist kein bloßes Zu>ammentragen von Tatsachen; daraus kann nur Clironistik erwachsen". Felix A. T h c i I h a b e r . der .. Arzt, Soziologe und Schrift>tcller hat .sich an dieses beherzigenswerte Rezept nicht gehalten, als er .«eine Geschichte des jüdischen Volkes, deren erster Band jetzt im Verlag Kedcm. Berlin, unter dem Titel .Jm Kampf um Gott. Volk und Land'' in Angriff nahm. Wenn der Verfasser, nicht gerade lKscheiden, in seiner Vorrede sehreiht, er halie ..eine ebenso aufrüttelnde Rückschau auf die Vergangenheit der .luden verfaßt, die ebenso unerbittlich, mitreißend die aneinandergereihten interessanten Begebenheiten zu einer großen Sicht vereint*' wie in seinem vor *17i Jahren erschienenen Ruch ..Untergang der. deutschen Juden", Mi nimmt er damit eigentlich jede Kritik vorweg. Er wird es daher auch nicht verstehen, wenn es Leser seines Buches geben wird, dir sieh erlauben, eine abweichende Auffassung zu äußern. \iitschwer widersteht mau der Versuchung, einige Stil proben /.» veröffentlichen, die allein hinreichen würden, um zu 'zeigen, wie leieht es sieh TljeHliaher mit seiner aufrüttelnden Rückschau ueiuaeht hat und wie großzügig" er mit der deutschen Sprache umgegangen ist. Mit der gleichen Saloppheit, hat er aueh den Siof'r zusammengetragen, ohne .als Teilhaber eigenes geistiges Kapital zu investieren. Auch durch eingestreute Vokabeln aus dein Wortschatz unserer Zeit wird diese flüchtige, kompilatorische Darstellung unserer Geschichte nicht interessanter. * ..D e r W e g in die j ü d i s c Ii e Ncuzei t" wird von dem erfahrenen Heidelberger .Schulmann ü. Müller in seiner populär dargestellten Ge.-chichte der lelzleu LiO Jahre beschritten. Da das Ruch (im Verlag der Jüdischen Schulzeilung. Ludwigsliafcn) \or allem für den Schul- und Hausgebrauch bestimm! ist. vermeidet es, in die Tiefe zu gehen, ohne allzu sehr an der Oberfläche zu haften. Persönlichkeiten, die seil 'Moses Mendelssohn auf die Entwicklung der Judenlicit und die Gestaltung ihrer religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Einfluß genommen liabeii, werden in gut formulierten Referaten erfaßt, wobei der pädagogische Autor ihnen selbst vielfach das Wort erteilt. Aber nicht nur Einzelpersönlichkeilen werden -betrachtet, auch Institutionen der jüdischen Gegenwart sind knapp und sachlich unterrichtende Kapitel »ewidmel. Entsprechend der immer größeren Bedeutung ^des Urhrfiischcu ist der Behandlung der hebräischen Sprache sowie der hebräischen und auch der jiddischen Literatur mehr, Platz eingeräumt als in den Lehrbüchern der indischen Geschichte bisher üblich war. Wenn mau eine kleine Beanstandung machen - darf, so wäre es die. daß das Kapitel.- das sieh mit dem literarischen, musikalischen und künstlerischen Schaffen der behandelten Epoche l>efaßt. etwas systematischer geordnet sein könnte. fj'ne schöne Plakette Benno Elkans „Jaakobs Kampf" ziert die Schmuckseite des Buches. Eugen Tannenbaum. Geftalten der Zeitenwende Hans Joachim Sehoepshat unter diesem Titel im Vortrupp-" Verlag.' Berlin, drei Essais vereinigt, in denen er drei große Persönlichkeiten der Vergangenheit aufruft, um in der Betrachtung ihrer geistesgesehichtliehen Stellung zu der Problematik ihrer Zeit den Blickpunkt zu gewinnen, der es ihm gestattet, die Kräfte, die unsere Gegenwart durcliströmcn und gestalten, y.n erkennen. Daß die Gcrchichte des Abendlandes mit dem ausgehenden 11). Jahrhundert an einer Wende angelangt ist, das ist in dem Werk von B u r c k Ii a r d t. besonders in seinen Weltgeschichtlichen Betrachtungen, bereits abgezeichnet, und wir dürfen Srhoeps dankbar sein", daß er dieses geradezu parudigmatischc Weltbild* mit großer Genauigkeit einmal interpretiert hat. Bnrekliardt war der geniale Erforscher der niedergehenden Kulturen. Er für seine Person schloß sich mit allen Kräften von dem ab. was "der Geschmack seiner Zeit pries, von der alten Welt suchte er zu rettcii, was zu -retten war. Er blich nach dem Wort von Marcel Proust auf den Spuren der verlorenen Zeil. Warum diese Zeit verloren gegangen'' ist, zeigt Schoeps in seinem zweiten Essai über Nietzsche mit eindringliche^ Bercdtsamkeit. Schoeps trifft das Richtige, wenn er in Nietzsche den großen Kritiker der Kultur sieht und in dieser Eigenschaft seine IIauptl>edcutung erblickt, während ihm seine eigentliche pliilosopliische Leistung nur ..berauschende Dirhturig" ist. Er unterläßt aueh nicht, auf die verhängnisvolle Rolle, des Ressenli- ments in Nietzsches Lehen und Lehre hinzuweisen, uml untersucht' die Spaltung "zwischen beiden in ihren Folgen. Dennoch ist Nietzsche der erste, der den Mut und die Einsieht gehabt hat. den Tod der alten Götter, den Sturz dt^r großen Denkbildcr zu verkünden^ und mit ihnen das Sterben des abendländischen Mensebentypus. Alle Metaphysik, -so Ichrtc er, besitze keinen absoluten Wahrheit .-wert, sondern l>c friedige allein psychologische Bedürfnisse. Aber aueh Schoeps läßt bei allem Ja, das er zu der NietzsehcM-hrn Kritik sagt, keinen Zweifel daran, daß letzten Endes Nietzsches Konzeption, au Stelle des Logos den Bios, an Stelle der Wahrheit die Kraft zu setzen, nicht anders als ein Symptom eines an der Schwäche, au der Dekadenz seines Zeitalters Verzweifelnden zu werten ist. Diese selbe tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit erfüllt auch Franz Kafka, ohsehon er zu einer wesentlich anderen Position gelangte.' Und während wir uns zunäclist sträubten, Kafka in diesem Zusammenhange zu begreifen, fo - weiß uns doch Schoeps zu überzeugen, warum er diesen großen jüdischen Dichter für würdig befand, in so erlauchter Umgehung als Kronzeuge für die Zeitenwende aufgerufen zu werden. Denn auch Kafka ist ohne Hoffnung für die Zukunft. Auch Kafka gehört zu den letzten .-AIicndländern". Seine Dichtung analysiert Schoeps als ..das Denken eines Vergessenen im IIall)dunkel unbestimmter Erinnerungen" und trifft. damit «las Wesentliche. Dieses Vergessene sucht er mit allen Mitteln wieder in das Bewußtsein heraufzuholen. So stellt sich in Kafka das merkwürdige'Phänomen des suchenden Menschen dar, dosen notwendig unerreichbares Ziel nicht vor ihm. sondern hinter ihm liegt. Er liegt vor den Gestorbenen auf den Kniecn. Er sehnt ficIi in die ,.alte" Welt zurück, und muß doch in einer neuen Welt leben, die. wie er gewahrt, Gott und das verbindliche Gesetz vergessen hat. In dieser Haltung sieht Schoeps mit llecht etwas spezifisch Tragisches: Gott suchen zu müssen, mikjdcr trostlosen Gewißheit, ihn nicht finden zu können. Einzig und allein die messianische Hoffnung hat Kafka gewännt iu seiner Verlassenheit und Hin in der Verzweiflung nicht verlassen: die Ankunft des Gottesreiches nicht gegen die Vernunft, aber über die Vernunft zu erwarten. Dr. Erich Lichtenstein. Jakob Knoller: Der brennende Dpriibusch-Bcsuch im Präger Ghetto. Kaskaden-Verlag. Berlin. Eine biblische Szene und ein Rcisclicricht, In den fünffüßigen Jamben der deutschen Klassiker läßt Jakob Knoller Moschch im stnrmdurchbrausten 1 loreb-Gebirgc ergriffene Zwiesprache halten mit der göttlichen Stimme, die aus dem lodernden Dornbusch tönt. Rezitatorischer Schwung aus lief religiösem Gefühl, der sich gern an hohles Pathos verliert. — Für die Schilderung eines Besuches im Präger Ghetto bedient sieh der Autor"der Prosa. Ein nicht gerade eigenartiger Bericht, weder als Dichtung» noch als RciscfcuÜlctou zu werten, der in seiner Dürftigkeit zu der anspruchsvollen, goldgetünten Hülle des Bändchens in krassem Gegensatz steht. FERNER SIND ERSCHIENEN: Iliilo-Lcxikoii. Handbuch des jüdischen Wissens. 3. ergänzte und erweiterte Auflage. Piulo-Verlag G. in. b. IL Einen einzigartigen Rekord auf dem jüdischen Büchermarkt hält das Philo-Lexikon. Ein . Jahr nach der Auslieferung' des ersten Exemplars IsL das '22. bis 26. Tausend gedruckt worden. Das bedeutet statistisch, daß in jedem Monat 2UUI) Bände dieses unentbehrlich gewordenen Nachschlagewerkes .verkauft wurden. Die neue Auflage ist um 4U TexLspällen vermehrt, um Bild-; Tabellen- und Karteumalerial bereichert worden. Zahlen und Datei; wurden ergänzt, kleine Korrekturen vorgenommen, neue Artikel aufgenommen — der billige Preis von 4.80 RM. ist der alte geblieben. Wie exakt und zuverlässig die Redaktiou des Philo-Lexikons arbeitet, kann nur der ermessen, der sich der Mühe unterzieht, einzelne Artikel und Stichwort« der verschiedenen Auflagen miteinander zu vergleichen. Er wird daraus den Schluß ziehen, daß der Besitz der ersten oder zweiten Auflage das Ei weihen der dritteu keineswegs überflüssig - macht. Das Plulii-I.cxikoii ist für jeden jüdisch interessierten Menschen — und wer wäre das heule nicht in unserer GemeinschaftV — eine Notwendigkeit, um sich leicht und schnell zu unterrichten, es ist ein Gesamt urchiv des Judentums, wie es zweck voller niehl »■-dacht werden kann. Max Samter: Das Erdbeben. Eine Erzählung. Vortrupp- Verlag. JierHn. Max Samler. dessen subtile Erzähhmgskunsl. reales Geschehen zu symbolisieren, wiederholt die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit auf sich' gelenkt hat, legt mit diesem Abenteuer einer Liehe eine heue Probe seiner novellistischen Begabung ab. Nicht nur der Titel seiner Erzählung erinnert an Kleists ..Erdbeben in Chili", auch die Geschlossenheit 'der' Form. ■ die Sicherheit des Blicks, die aller Weitschweifigkeit ausweichende Knappheit,des- Ausdrucks, der dennoch das Lyrische nicht fehlt, gemahnen an den grüßen Meister der Prosa. .Trotzdem ist Samter ein. Eigener. Er schildert hier, wie" zwei junge Meu^ebeii. fast Kinder noch, bei einem Erdbeben ihre Eltern verlieren und wie sie aus Zusammenbruch. Feuer, "Tod und Vernichtung in zaitfr Liebe zueinander finden. Ein schmales Händchen, nur vierzig Seiten stark, aber nachhaltiger in der Wirkung als mancher dickleibige Roman. - Arthur Siiberglcit: Der e\»tge Tag. Verlag Berlliidd -Levy. Berlin. Aus dem reichen Schatz mich unveröffentlichter Gedichte des jüdischen Lyrikers Arthur Silliergleit hat die Küusllerhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin einige zwanzig ausgewählt und als Ehrengabe *mul Hilfeleistung für den schwer ringenden Dichter herausgegeben. Neue Töne wird man von dem gereiften Autor, nicht erwarten. Aber was hier dargelwten wird au poetischer Nachschöpfimg biblischer Motive, an Versen religiöser Dnreli- ■lrungcnhcil. au mitleidvollem Erleben jüdischer Gegenwart ..JudenkuuPS .,Vor der Tür des Jüdischen Wohlfahrtsamtes'1) ist wert, den Weg zu Leser und Hörer zu finden. Iiier spricht uns ein Dichter an, der das Wesen des "Judentums wahrhaft in sich aufgenommen und keine Konjunkturforschung hei lieben hat. Alle hier angezeigten Bücher und auch andere beziehen Sie durch die Bucutianülung Marlin Salomon, Berlin HO 55 - E 3 2635 Heinrich Roiiersir. 21 THEA TER, KUNST, LITERA TUR Wie der fester Lloyd" meldet, -oll die Erstaufführung debibiischeu Dramas von i'ranz Werfel „Vi*e g der Verluißuiig'% die unter der Hcgie Max Itciuhardts in Anwesenheit de? Dichters im Frühjahr in i\ew York stattfinden sollte, auf den -Herbst verschoben wordcu sein. - * Die Direktion des Lustspiel-Theaters in Iludnpc»t hat. Iiuda-" pester Blällermcldungen zufolge, <-'h» Schreiben von Elisabeth llergner erhaltcn.= worin sie bittet, ihr die Iluchausgabe des neuen dramatischen Werkes „Luise II o d n a r" von Dcsider Szomory zu senden. Sic will eine Übersetzung des Stückes in:* Englische veranlassen und die Hauptrolle auf einer Londoner Höhne " spielen. . . IVitzi M a ss a ry, die seit dem Tode ihres Gatten Max Callenberg nicht mehr aufgetreten ist. wird im Marz am Theater iu tlcr Josef Stadt in Wien ein Gastspiel in dem cngliselik'n Stück „Kurzgeschichten", das Bruno Frank bearbeitet hat. absolvieren. , * Dr. Willi Aroii, der frühere Oberregisseur der Opcriiihcater in Aachen. Dortmund und I Je Ising fors, der kürzlich mit großem Er flöge drei Offenhach-Einaktcr im Frankfurter Kulturhund inszenierte, führt zurzeit im Tcatro Conimunale in Triest die Regie in „Götterdämmerung" und .,Elcktrat;. Die Triester Kritik schreibt seiner Regie einen guten Teil des großen Erfolges zu. Nach einer Meldung aus New York sind dort die beiden letzten Hände der von Jehoash besorgten ersten modernen Bi helft h e r s e t 7. u n g i n s. J i d d i s c h c erschienen. An dieser Bibelübersetzung, die insgesamt acht Bände umfaßt, hat der 1927 verstorbene Jehoash (Sehelomo Blumgarlcn; zwanzig Jahre lang gearWiteU Dem Jehoash-Komhre gehörten 78 jüdische. Schriftsteller und Gelehrte an. * Der amerikanisch-jüdische Schriftsteller und Journalist Elias Tob cn kin, der sieh auf einer Weltreise befindet, um Material zu einem Buch über den Weltfrieden zu sammeln, ist von .Pap.-t Pius XL iu Audienz empfangen worden. * Dir aus Breslau >tmnmrnde Sängerin Herta G 1 ü e k - - mahn hatte auf einem Liederabend in der Town Hall in New York einen großen Erfolg. Die New Yorker Presse lobt ihre musikalischen Fähigkeiten und Darbietungen- Herta Glnck^mnnn hat die Aufforderung erhalten.. eine Liederstunde im Radio zu geben: am 10. März wird sie nochmals ein Konzert mit Orchester veranstalten. * " ' * Dr. Paul Moses. -Mitbegründer und bisheriger erster Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr in Köln, hat eine Berufung an ein Medizin-College in Kalifornien* erhalten. .Dr. Moses ist. Spezialist für Kehlkopf leiden.