Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 8 (19.2.1936)
- Date
- 1936-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fcr ülitruiic-lit werden, Palästina ist gezwungen, in- •lustriclle Kr/.cugnissc, insbesondere Maschinen, Halhrahrikate alier auch Fertigwaren aus Deutschland und anderen Ländern einzuführen. Einmal, um den Transfer von Kapitalien nach Palästina zu ermöglichen, zum anderen aber auch, um den Ansatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes, inshe-. sinniere der Orangen unil Grapc-Fruits, sicherzustellen. Neben der Industriepolitik hat aher auch die Behandlung der Arbeiterfrage hcreils seit langem eine sehr Ichhafte Kritik hervorgerufen. Unter den .Neueiuwandercrn aus Deutschland befanden sieh in den ganzen letzten .Monaten sehr viele sogen. U m sc Ii i c h 11 e r, das heißt also Menschen, die in Deutschland einen kaufmännischen oder akademischeu lieruf ausgeübt, chic kurze handwerkliche, landwirtschaftliche oder gar keine gewerbliche Ausbildung hinter sich hatten und mit dem Gedanken ins Land kamen, daß für jeden, der Arbeit wolle, auch Arbeit vorhanden sei. Dies ist auch, und damit kommen wir zur anderen Seite des Problems, theoretisch richtig. -Es .giltt auch heute noch Arbcitsmögliehkeitcn genug im Lande, bei den öffentlichen Arbeiten der Manilatsvcrwaltung, beim Slral&enhau, in der Ilafcnarbcit und an wirklich gut ausgebildeten Facharbeitern ist ein unbedingter Mangel festzustellen. Aber die jetzt vorhandenen Arbeitslosen sind für diese Arbeiten fast sämtlich ungeeignet. Sic besitzen infolge ihrer Herkunft, Erziehung und ihrer bisherigen Lebensführung nicht die Voraussetzungen körperlicher und beruflicher Art, die für diese Arbeiten notwendig sind. Hinzu kommt, daß vor allem die öffentlichen Arbeiten in Palästina außerordentlich schlecht bezahlt werden. -Sie erfordern zwar eine besonders große Leistungsfähigkeit, aber verglichen mit ,europäischen Lolmvcrhältnisscii ist die Bezahlung (etwa vier Pfund im Monat) ganz ungenügend. Aber selbst wenn es hier gelingen sollte, eine Besserung zu erzielen, so ist damit der Arbeitslosigkeit hoch nicht gesteuert. Die Organisation der deutschen Zionislcn in Palästina, die Ilitachduth Olej Germania, hat dies bereits seit längerer Zeit erkannt. Sic sieht auf dem allein richtigen Standpunkt, daß eine weitere Ausbildung der Einwanderer •auf handwerklichem Gebiet und in den Arbeitszweigen^ ilie für Umgeschichtete in Frage kommen, die wichtigste Voraussetzung zur Schaffung von Arbeitsplätzen und -möglichkeiten ist. Palästina hat ein erklärliches Interesse daran, nicht nur, ..ungelernte Arbeiter" ins Land zu bekommen, sondern Menschen, die auf Grund ihrer beruflichen Ausbildung auch wertvolle Mitarbeiter am wirtschaftlichen Aufbau sein können. Es hat sich im Laufe der beiden letzten Jahre herausgestellt, daß eigentlich nur beim, Bau ungelernte Arbeitskräfte in größcrem Limfangc beschäftigt w erden können. Ein weiter wirtschaftlich sehr ins Gewicht fallendes Problem sind die' lOnO-Pfiiiid-Einwandcrcr. Schon 'beginnen bei \iclen die Kapitalien, die sie aus . Deutschland mitgenommen haben, und von denen sie zwei Jahre .-lebten, zur Neige zu gehen. Für diese meist älteren Menschen Arbeitsmöglichkeiten zu finden, ist weit schwieriger als es heiden jüngeren Arbeitskräften ist. Ihr Kapital ist zu gering, als daß sich auf der Basis dieses Betrages eine Existenz aufbauen ließe. Genau so wie viele Einwanderer aus Deutschland, von falschen Voraussetzungen ausgehend, ihr Geld in fehlgeleitete Industricuntcrnehmungcn gesteckt halten, hat ein anderer Teil, aus Furcht, Geld zu verlieren, von den mitgebrachten 1000 Pfund gelebt und sieht mit Schrecken das Kapital immer mehr zusammenschrumpfen.. Dies sind die beiden I lauptsorgen, die Palästinas 'Wirtschaftaugenblicklich das kritische Aussehen geben., und die das I lauptgespräch in allen jüdischen Kreisen des Landes bilden. Demgegenüber zeigt sich überall dort, wo Arbeiten nach ausreichender beruflicher Vorbildung.vorgenommen wurde, ein langsamer aber5 sicherer Erfolg. W enn sich auch heute die landwirtschaftlichen Siedlungen noch nicht rentieren und schuldenfrei machen können, so geben sie doch ihren arbeitenden Bewohnern Lebensmöglichkeit und die gesicherte Hoffnung auf eine ertragreiche Zukunft. Im der jetzigen Krise Herr zu werden, werden von seilen der jüdischen Organisationen und Verbände die notwendigen Schritte eingeleitet. Die Histadrut hat ihre Mitglieder aufgefordert, einen bestimmten Prozentsatz ihres Lohnes für die Arbeitslosen zu gefeii. auch wird die Einführung einer kürz e r e n A r h e i t s w o c Ii c ernsthaft erwogen. Bei der rberstürzung. mit der wirtschaftliche Aufbauarbeit in Palästina geleistet werden muß, und für die man die zionistische Leitung gewiß nicht verantwortlich machen kann, war die gegenwärtige Entwick,hmg vorauszusehen. Um ihr wirksam entgegenzutreten, wird man die ganze Wirtschaftspolitik der letzten Jahre einmal einer Nachprüfung unterziehen 'müssend Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung des .wirtschaftlichen Aufbauwerkes bleibt aber auch weiterhin die Beruhigung der politischen Atmosphäre im vorderen Orient. In der letzten Zeit , halten in Palästina selbst die Reibungen zwischen der jüdischen lind arabischen Bevölkerung erfreulicherweise stark nachgelassen. Die Unruhe, die heute herrscht, ist im wesentlichen eine Begleiterscheinung der ..großen Politik" der arabischen Nachbarländer. Es wäre verfehlt und unangebrachter Pessimismus, wenn man von der gegenwärtigen Krise ausgehend, Palästina eine ungünstige wirtschaftliche Weiterentwicklung voraussagen wollte. Diese Erscheinungen, Arbeitslosigkeit, ungeeignete Einwanderungselemente, Fehlleilungen und Kapitalverluste sind Begleiterscheinungen jeder wirtschaftlichen Aufbauarbeit. Wenn man nicht Wunder erwartet, sondern sich von gesunden, \olks wirtschaftlichen Grundsätzen leiten läßt, wird das wirtschaftliche Aufbauwerk in Palästina eine « eitere, wenn auch langsame Aufwärtsentwicklung nehmen können. Wenn'manaus den Fehlern .der letzten Jahre zu lernen versteht und es der zionistischen Organisation gelingt, eine größere Einheitlichkeit in der Wirtschaftsgestaltung herbeizuführen, wird man trotz unvermeidbarer Rückschläge eine gesunde wirtschaftliche Basis für das Land schaffen können. Dr. E. R. Beschlüsse der Ilisladrul-Konlerrnr. Jerusalem. Die 33. Jahreskonferenz der llistadrut Haowdim ist nach Annahme einer Reihe von Resolutionen, in denen Wege zur Überwindung der Gefahren der Wirtschaftskrise gezeigt werden, geschlossen worden. Als solche, Mittel gegen eine Krise werden bezeichnet: die Mobilisierung aller Arl>eitsmüglichkcitcu in den jüdischen Kolonien, die Durchführung öffentlicher Arbeilen, die Stärkung des Arbeitslosen Fonds, die Aufrcchtcrhaltung de* gegenwärtigen - Lohnniveaus und die Förderung des' Verbrauclis einheimischer Produkte. Der religiöfe Weg „Wo sieht hrutc unsere jüdische 'Jugend?1' Itc ri cli t f ü r die ..J ü d i s ch c A 11 g e in e i n c" Mannheim. In der Rcligiüs-lil>cralcn Vereinigung hielt der Frankfurter Rabbiner Dr. Lcmlc einen Vortrag, der schon durch sein Thema „Wo steht heule unsere jüdische Jugend V" zahlreiche' intendiert«* Zuhörer angelockt halte. Der Redner betonte, daß mau bei «ler heuligen Jugend drei Gruppen unterscheiden könne. Die erste jener, die wirklich heimgefunden haben ziun Judentum zurückkönnen. Diese Gruppe habe keine Zukunft, eine, die nach Erez Israel .wolle, und in einen anderen Kreis, ilcr heimkehre zum Judentum, um es in irgendeinem Lande der Welt zu bewähren. Zur zweiten Gruppe, der zahlenmäßig klein*teil, gehörten jene jungen Mensehen, die nicht mehr /.um Judentum zurückkönne. Diese Gruppe habe keine Zukunft. Die drille Gruppe sei die der Unentschiedenen. Die Frage der Entscheidung sei abgeschlossen, die des;,Wohin" beantwortet. Fiumal aber müsse jedem jungen Menschen, oh in Palästina oder in Argentinien,-die Frage aufgehen: warum tue ich das? In allen Münden sei heule die Frage: Wie erziehen wir hin zur Religio nV 1 lier liege die große Chance des deutschen Ilcrhaluz. Der Vortragende stellte dann die jüdische Jugend von heute der Orthodoxie wie dem Altliberalismus gegenüber und zeigte im einzelnen auf, warum sie zu keinem von beiden innere Beziehungen habe. Andere aber sei es mit dem religiösen Liberalismus, der nicht* mit Politik zu tun habe. Für Mannheim; wie die badische Judcnhch sei er nach den jüngsten Beschlüssen in seiner religiösen Belontheil auch kein Gegensatz zum Zionismus. Der Zionismus sei eine politische Frage, der religiöse Liberalismus eine religiöse. Den Weg, der der Weg der jüdischen Jugend zur Religion sein kann, nannte Dr; Lcmlc Nco-Liberalisin us oder NeuÜltcralismus. Neu daran sei das Zurück zur Religion. L:nd so seheine ihm die neue Religion des Hcchaluz wie des Pioniere in Argentinien auf dreifacher Grundlage stehen zu müssen: 1. auf dem Grunde des Volkes; 2. im Verhältnis zur Geschichte. Wir glauheu. daß im» die Geschichte nicht ül>ergchen ist, um uns in dieses Boot zu setzen, sondern damit wir es selbst steuern. Die Orthodoxie gab mis das Boot, der Liberalismus gab uns das Steuer. 3. Die Stellung zur Religiosität als Tal. Aus alten («rundsleinen müssen wir ein neues Maus bauen. Dieser Weg des Ncnlibcrulismus ist ein Weg, auf dem immer junge Menschen gehen können. Uber alle Gegensätze hinweg gilt es, den Jungen wie den Alleren diesen Weg zu bereiten, der hin will zu Gott, der Menschen empfangen will aus eigenem Herzen. Der Vorsitzende Professor Dr. Billighcimcr führlc in seinem Schlußwort aus: Die Einheit des Judentums bleibt uns nach wie vor wichtig. Was wir wollen, ist eine Brücke für all jene, die sieh l*ci beiden Extremen nicht wohl füllten. —nn. aus der Hand genommen. Aber er blieb er sejbst. Lud so werden wir immer Ludwig Holländer vor uns sehen: einen Mann, von dein dieses Wort, mit .dem sein Leben sinnbildhaft hinging, gesprochen ist: in seiner Hand war Treue, bis die Sonne unterging. Nach kurzen Worten von Rechtsanwalt Dr. Krombach-Essen und Dr. Stephan Steinharter wurde «ler Sarg zur letzten Ruhestätte getragen. Austritte ans dem Verband der Jüdifchen Jugendvereine Köln. Nachdem der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands sieh zum Zionismus bekannt und damit seine bisherige neutrale Haltung in weltanschaulicher Beziehung aufgegeben hat, ist der Jüdische Jugend verein Gabriel. Ricsscr in. Köln unter Wahrung seiner Neutralität aus dem Verbände a u s g.e treten. Ein Gcneralversammlungsbeschluß hat auch die \om Vorstand eigenmächtig vorgenommene Namensänderung des Vereins, durch die der Name Gabriel Ricsscr , gestrichen wurde, rückgängig gemacht, , r ■ Außerdem halfen nunmehr die Jugendbünde in Aachcn-j Düsseldorf und Es>cn ihren Austritt aus dem Verband erklärt. Auch eine Anzahl Persönlichkeiten. dea Beirates haben ihre. Amter niedergelegt, tt. a. Dr. Krombach-Essen und Rabbiner Dr. Hahn- Essen. Rabbiner Dr. Klein-Düsseldorf und Dr. Walter-Berlin. Der Laudcsvcrhamhleilcr des Westdeutschen Landesverbandes Rciuhold Lrvison-Düsseldorf hat ebenfalls sein Amt zur Verfügung gestellt. Holländers Beifetzung Eine außerordentlich zahlreiche Traucrgcmcindc hatte sich am vergangenen Mittwoch in Wcißcnscc eingefunden, um Dr. Ludwig Holländer die letzte Ehre zu erweisen. Von der Rcichsvcrtrclung waren Dr. Otto Hirsch, Dr. Julius L. Seligsohn, Dr. Lilicnthal und Dr. Friedrieh Brodnitz erschienen. Die Berliner Jüdische Gemeinde war durch Direktor lircslaucr. Carl Fuchs. Gractz und Moritz Rosculhal vertreten, der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden durch Kammcrgcrichlsrat Leo Wolff, Rabbiner Dr. Galliner und llmnn Wnvdn, die Religiös-Liberale Vereinigung durch Rechtsanwalt., Heinrich Stern' und Werner Simon. Vertreter hatten ferner' entsandt die Großlogc Rnc Briss, der Ililfsverein der Juden in Deutschland, die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, das Rahbincrscmiuar, der RjF, die' Zionistische Vereinigung für Denlscliland, der K.C. und der RD.TJ. Vom C.V. war neben Justizrat Dr. Brodnitz.. Dr. Alfred llirsclibcrg und Dr. Hans Rciehmann der gcsnmle Mitarbeiterstab der Berliner Geschäftsstelle erschienen, soweit er noch unter Ludwig Holländer gcarl>citct hatte. Auch zahlreiche Landesverbände hatten Vertreter entsandt. T Rabbiner Dr. Leo Hacek zeichnete in feinempfnndenen Worten das Bild Ludwig Holländers als eines Mannes der Treue, und Beständigkeit und charakterisierte den Verstorbenen als eine Persönlichkeit, die um Gedanken und Erkenntnisse gekämpft und als ein Mensch des Buches um Grundlagen seiner Anschauungen gerungen habe. Das Judentum sei ihm Lebensziel, Zentrum des Daseins geworden. Es war unser universales Judentum, dus ihn erfüllte bis zuletzt. Seine Sonne, sagte Rabbiner Dr. Itaeck. an einen Schriftvers anknüpfend, ist Inugsam untergegangen: so manches Ideal war ihm untergegangen, so manche Gedanken hat er zu Grabe getragen. Zu früh für uns alle begann seine Sonne unterzugehen, -zu früh hat Krankheit und I*cid ihm so manches Die Nürnberger Gefetze Ein Aufsatz des Rcichsministcrs Dr. Frick Köln. Der „Westdeutsche Beobachter" veröffentlicht einen Aufsalz von Reichsniinisler Dr. Frick ülter'die Bedeutung der Nürnberger Gesetze. Nach einer eingehenden Besprechung des Verhältnisses des Reichsbürgcrgesetzcs zum Parteiprogramm der NSDA1* und des Gesetzes selbst schreibt Reichsniinisler Dr. Kriek: ..Die Trennung des deutschen Volkes vom jüdischen Volke konnte sich jedoch nicht auf das öffentlich-rechtliche Gebiet beschränken. Von cImmiso großer Bedeutung ist die Durchführung der Trennung auf persönlichem Gebiet. ICs muß unter allen Umstünden verhütet werden, daß dem deutschen Volke neues jüdisches Ulul zugeführt wird.. Infolgedessen ist die eheliche wie die außereheliche Verbindung >«» Juden und dcutschblüligcn Personen unter Strafe gestellt. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig. Hiervon abgesehen aber bleibt die bürgerlichrechtliche Stellung der Juden unberührt. Insbesondere unterliegen sie auch im Wirtschaftsleben nur den gesetzlich festgelegten Beschränkungen." Der Aufsatz geht weiterhin auf die Stellung der Mischlinge ein. Reichsminister Dr. Frick schreibt sodann zum Schluß .de-* Artikels: ,.Das Rciclishürgergesetz und das Blutschutzgesetz sowie die dazu ergangenen Ausführungsverordnungen verfolgen nicht den Zweck, die Angehörigen des jüdischen Volkes nur um ihrer Volkszugehörigkeit willen schlechter zu stellen. Die Ausschaltung des Judentums aus dem deutscheu öffentlichen Leben und die Verhinderung weiterer Rassenniischung sind vielmehr gebieterische Notwendigkeiten, wenn der Fortbestand des deutschen Volkes gesichert bleiben soll. Die L c b c n s m ö g 1 i e h k e i t soll den Juifen in Deutschland nicht abgeschnitten werden. Das. deutsche Schicksal aber gestallet in Zukunft lediglich das deutsche Volk." Reichsmüufter Dr. Frank in Warfchan zur Judenfrage Wie. die deutsche Presse berichtet, hat Reichsniinisler Dr. F ru-n k in Warschau vor dem Ausschuß für zwischenstaatliche geistige Zusammcnarl>cit über die deutsche Gesetzgebung gesprochen. Er zählte die Gesetzgebungswerke des Nationalismus auf den Gebieteil der Rasse, des Bodens, des Staates, der [nationalen Ehre und nationalen Arbeit auf. Er beseitigte insbesondere die vielen Mißverständnisse auf dem Gebiete der Rassengesetzgehung durch die Erklärung, daß es sich nicht um eine Kassengesetzgebung gegenüber dem Judentum, sondern ausschließlich um eine im Wege des Rechtes und im Rahmen der Rechtsordnung durchgerührte Sichcmngsniaßnahme lür die rassischen Urkrüftc des deutschen Volkes gegenüber der Zerstörung dieses für. die Volks- geslallnng allein wesentlichen Blutkenis durch rassefremde Elemente handle. Juden in Wirtfchaf tsbetrieben Eine landesarbeitsgerichtliche Entscheidung , In der ..Arbcilsrcchtsprcchung" vom 30. Januar ist ein Urteil wiedergegeben, das für die Beschäftigung von jüdischen Arbeitskräften in wirtschaftlichen Betrieben von grundsätzlichem Interesse ist. Es handelte sieh um einen jüdischen Angestellten, der mehr als sechs Jahre in einer Finna tätig war, ohne Anlaß zu Klagen zu gcl>cn. Kr war . verheiratet und Frontkämpfer und war im Kriege einige Male verwundet worden. Im Jahre 1935 wurde ihm von seiner Firma gekündigt, nachdem 26 im Betriel>e tätige Vertrauensmänner und' Amtswalter der Deutschen Arhcits- " front in einem Schreiben seine Entlassung gefordert hatten. Das . Landcsarbcitsgcricht Weimar wies in einem Urteil vom 27. November 1935 seine Widcrmfsklage ab. In der Begründung erklärte das Gericht u. a.. es breche sich im deutschen Volke die allein maßgebliche Anschauung der NSDAP immer mehr Bahn, daß auch im Wirtschaftsleben eine Scheidung der Nichtjudcn von den Juden anzustreben sei und insbesondere eine Unterstellung von Nichtjudcn unter Juden tunlichst vermieden werden solle. Das Verbot der Beschäftigung von arischen' Hausangestellten unter 45 Jahren in jüdischen.Haushalten und die Anordnung der Auflösung von Sozietäten mit. jüdischen AnwTdlcn wiesen darauf hin, daß sich die politische Entwicklung in der Richtung bewege, allmählich ein Zusammenarbeiten von Nichtjudcn. mit Juden iii denselben wirtschaftlichen Betrieben zu unterbinden und erst recht die Unterstellung von Nichtjudcn unter den Einfluß von Juden. Diese politische Entwicklung werde insI>e.sondcre auch von allen Gliedeningen der Bewegung gefördert. In deren Kreisen werde daher auch ilie Kündigung des Klägers nicht als unbillig hart empfunden, zumal ihm auch junge weibliche Personen unterstellt gewesen seien. Die Arl>citsgcrichtc dürften sich dieser Entwicklung nicht durch Entsclicidungcn. die-mit dem Rechtsempfinden der .Mitglieder der Bewegung und ihrer Gliedeningen in Widerspruch stünden, widersetzen. Dazu komme, daß der Kläger bei seinem Alter von 38 Jahren imd auf Grund seines sehr guten Zeugnisses ohne allzu «ruße Schwierigkeit in der Lage sein dürfte, in einem von jüdischen Inhabern betriebenen Geschäft wieder Stellung zu finden.