Mannheim
Compact Memory

Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-02-05 · 6 (5.2.1936) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
6 (5.2.1936)
Date
1936-02-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4109741-2613419-2613425--639-2615504
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

BERLIN 5. Februar 1936 PREIS 25 PF. Nr. 6 / 16. Jahrgan« JÜDISCHE AUGEHEIME ibtrauslr. 2. 'Anuiseopr.r Die!3rwp. •cn Rpl, 6, lür Sltllcinjeiuchc Rpl. i buteat ksin Aoiprooh »uf Vernatua«. NEUE FOLGE DER JÜDISCH-LIBERALEN Z El TU NO Im engen Raum Von 5 sciiAcir Das Bilau'zmachen ist nicht nur im kaufmän- -nischen Lehen notwendig, es kann auch psychologisch und ethisch für jeden -wertvoll sein. Eine solche Prüfung des seelischen Haushaltes hat freilich nur Sinn, wenn sie ehrlich ist, alles genau untersucht, nichts verhehlt, weder anderen noch sich seihst etwas vortäuscht. Es sind nun drei Jahre ' verflossen.' seitdem Staat und Volk in Deutschland eine völlig andere Gestalt angenommen nahen. Vir Juden sind Amhos und nicht Hammer der neuen Politik. Es ist uni uns und mit uns vieles anders geworden, aber wir leben heute noch, wie wir im Laufe der Geschichte unter so mannigfaltigen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen gelebt haben. Aber unsere Leiden haben wachgerufen. Vir haben gelernt, mit den harten .Mag es auch übertrieben sein, daß wir die Wirtschal': Deutschlands beherrscht haben, so haben wir doch eine gewisse Rolle darin gespielt. Die hat aufgehört. Unser Lebensraum ist enger geworden und namentlich unsere Rolle als Vermittler in der Wirtschaft ist vielfach ausgespielt. Unsere Besitzenden haben zum großen Teile bereits Deutschland verlassen. Der große Kreis des selbständigen und abhängigen Mittelstandes "muß heute — von wenigen Ausnahmen abgesehen — schwer um seine Existenz ringen, und was noch schlimmer ist, er sieht keine Zukunft vor sich. In dem arm gewordenen Deutschland sind wir heute die ärmsten, schwankendsten. Das sind bittere Wahrheiten. Aber auch bei der Wahrheit kommt es darauf an, mit welchen Augen sie angesehen wird, und auch hei den Tatsachen ist das wichtigste, was man daraus macht. Es gab gar viele Epochen in der Geschichte, in denen die Lebensmöglichkeiten für den Juden äußerst gering waren. Und die Nienschen lebten und vergaßen das Lebensziel nicht, ja, "sie bekundeten einen erstaunlichen Optimismus, der sie seelisch gesund erhielt, weil sie den Glauben an ihren Lebeussinn nicht verloren. Wie die Kinder vielfach nicht durch dürftige, sondern durch allzu reiche Nahrung zugrunde gehen, so gehen auch Völker, eher durch Üppigkeit als durch Not zugrunde. Das Ringen nach Größe, das Aufwärtsstichen ist es, das die Energie anspannt und gesunde Kräfte erzeugt. Gewiß! die Geschichte kopiert nicht, die Verhältnisse sind heute anders, und auch wir sind anders geworden. Aber lernen sollen wir aus der Geschichte, weil darin unsere Stärke verankert ist. Wir müssen einsehen, daß die jüdische Kraft in der Schlichtheit ruht und daß \yahrc jüdische Größe den Charakter der Einfachheit trägt. Schlimmer als die Verarmung ist freilich die Unsicherheit. Denn jedes gesunde Wirken muß einen Boden haben, auf schwankendem. Boden läßt sich Dauerndes nicht auf- Von großer innerer Gefahr ist die Abwanderung unserer Jugend und die immer schärfer in die Erscheinung tretende Überalterung der jüdischen Bevölkerung. Eine Gemeinschaft ohne Jugend hat nur eine Vergangenheit und keine Zukunft. Und die Zerrissenheit der Familien, die Trennung von Eltern und Kindern! Fast keine Familie ohne ausgewandertes Glied — das sind gewiß keine erfreulichen Erscheinungen. Bei aller Energie hat es die Jugend nicht leicht, im fernen Milieu heimisch zu werden, und die Eltern sind vereinsamt, und beide Teile kranken an Sehnsucht. Es entsteht irgendwo eine neue Generation. Sie spricht anders, empfindet anders, ist verbunden nur durch den Grundtou der jüdischen Religion, durch das ewige Judenschicksal, das nur immer neue Formen .annimmt. Was das. kulturelle Gebiet anbetrifft, so-muß gesagt werden, daß wir nie die Führenden, die Schöpferischen in der deutschen Kultur waren, weil ein« kurze Epoche von hundert Jahren nicht genügt, uir aus dem Urgrund völkischer Kraft zu schöpfen. Auf wissenschaftlichem Gebiet, wo der Geist mehr als das \ . Seile. Für planvolle Hilfe »Council for German Jewry" — Auswanderung von 100000 Jugendlichen in den näehften vier Jahren--- Die fozialen und wirtschaftlichen Voraussetzungen — Washington. Die Mitglieder dir englisch-jüdischen Abordnung, rung uii.l Sir Herbert Samuel, Lord Bcarstcd und Simon Markliirllrn In j von .In. .1 einer in Washington stattgehabten amerikanischen Itcichskunf«Tcnz liomu I)u für .Palästina-Aufbau Ansprachen, in denen sie die Notwendigkeit seien nU einer großzügigen Aktion zugunsten der Juden in Deutschland U.rd Item begründeten und entsprechende konstruktive Pläne entwickelten. gclwndr r Simon Marks legte einen Plan für dir Auswanderung von nn>cril.nni 100 001) Jugendlichen, von denen mehr als die Hälfte nach Pa- . seinem f. lästiila gehen soll, innerhalb der nächsten vier Jahre, vor. Diesem zu Imudr! Plan zufolge sollen zunächst die Jugendlichen aus- Sir I Zielpunkt nachfolgen sollen." Nur durch eine geordnete Anstände- "»swandc rung könne es vermieden werden, daß es zu einem fluchtartigen Tagung d lliiiausstrümcii einzelner Auswanderer in verschiedene Länder. Kräften z verbunden mit einer Vernichtung von Existenzen u.-.d ungeheuren Die für Nolhilfsaklioiicn komme. Deshalb müsse sofort planv Iiiire einsetzen. Lord Bearst cd wies gegenüber denjenigen, die. die Zwo müUigk-cit einer Ailswandcrungsaklioii bc erde l. isirhtlicl . Ks Kine Bo Isehafl des Aulino k Joint für Samuel-Aktion 600 amerikamfeh - judifche Fuhrer beim Empfang in der New - Yorker Emanu-El-Synagoge . New York. Itci einem v, Synagilgc 'rlniaint'-EI ycr'änstalt t.rdc. . Ja» Aklioi ir Merl s" Deutschland .proklamiert: Dem Empfu „c.le Persönlichkeiten -der amerikanisch, .rsir.. führte James Ho=enwald. rgeseidagenen^AIaßiiüh' D. r Hol foli 'l,r' lli dem'ül New York' :iell worden Vi. Diese Mitteilung wurde und dem Führer der englisch-jüdischen -.Samuel, gemeinsam nach dem Abschluß /.wischen den jüdischen Führern gemacht. in.l ai i Ilos. ein!: "itrsuulllnn . den HeellLsfrugeu iir llcrlwr.1 Samuel, Lord lljui-l ÖLrkummi Jir "lür "wlmT/nllp 'jaiuc* G. M /• e I) . im. 1.1, der sieh «arm lür die Pläne Sir Ib-rUrls und seiner M arbeiter einsetzte. Kr leihe mit, doli Simon Marks versproch halH-, 100 00(1 Pfund für den Allswiiiideriuigsb.n.l» zu zeichn. , daß v ,1 Disl, praktischen .Maßnahmen für die Durchführung der Aus« brütet. Den Schrillen des Völker liegenden Berichte des OU-rkom zum Ausdruck .". Millionen Ifc.Hor, ...............________i Punkt der : Den Vorschlüge» unserer Kollegen aus England, «Ii« Auswanderung von 20 000 bis 23 000 Juden jährlich aus Deutschland i Dolla , Quelle. i Zweck i James N. ltoscuhcrg, gl die in Knglaud für .1. eine Million Ix-rcil-s v« lichkeilen »Hein gezei«...... . Joint, Paul Ilaerwnld, und llabbi Jomib II. Wisc setzten wellnaclidrfirklich für die Pläne der euglisch-jüdiseheir Abordnung ein. < Auf Vorschhi" James G. MacDonalds ehrte .Ii,- Versammlung das Andenken König Georgs durch eine Minute des Schweigen». * Lockerung der Einwanderung«- ~~" Vorschriften in Paraguay New York. Die Gesellschaft IDAS teilt mit, daß es nunmehr infolge.UrUmiig der bisherigen rUnwniideniiigsvwrjrhrlfteii auch m'!I a'i iiil'i'ii''nilb, möglich «ein werde, nach Paraguay unter der Voraussetzung einzuwandern, daß sie ein Kapital von mindestens fünfzig Gold-Pesos Bitzen. — Ursprünglich Wurde nur fatmlwirlrn die Einwanderung nach. "«»'<. -1' anr^n^t:c>::: l?£^w£»£ ['ra^""^.<!;£j;\,r*''^..Ig"TmwukbmV;!:,: 2.', 000 Tiden''jil^ "'f f«''.'"V ^"""^iTt!"' ^Tlllj^Um^' nach Palästina und andere Linder » ermöglichen. Schumacher, Schneider I In zarbeller, S «<k»rum «»'^ Bereit bei der in St. Louis abgehaltenen Tagung des Haies werker können al, Ire ■... a rb t c r ihren Ix.bc»«u»l. rhalt der jüdischen Verbände und Vohlfahrtsfonds war bekam •n worden, daß über die Pläne für die Auswander ■n aus Deutschland volle Cbcrrin-ümmung - chen der aus Sir Herbert Samuel, Lord Bcars Kanada erwartet Vorfdiläge Jon. Der Londoner „Morniug Post" wird aus iada; gemeldet, daß es k< «utschland nach Kanada S9» 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.