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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-12-18 · 51 (18.12.1935) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
51 (18.12.1935)
Date
1935-12-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 18. Dezember 193S PREIS 25 PF. Nr. 51 / 15. Jahrgang JÜDISCHE AUGEMHNE Schrllllcltung und OeachaitaJteilii: Berlin-CharloÜenburB 2, BlelbtreustfaBe 2. C 1 Stclnpl. 3703. Bankk.: Kredltvereln I. Handel u. Gewerbe eOmbH, Berlin N 24. Poatscheck-K.! Berlin 2S720 — Bezugspreis: RM. 1,—monatlich (zuzügl. RM. 0,10 Zeltungagebuhr und Bestellgeld), bol Btrolfbandtenand zuzügl. RM. 0,30. M m'M M M i^? Vorlug: VerlugagenoBsenaohaCt In Deutschland analUaigor Juden tu Berlin eGmbH.,' Bln.-Charlotlonhurg 2, Bleibtreustr. 2. Aatelgenpr.: Die 12gwp. mm - Zeile Rpf. 8, (ür Famlllenanzelgen Rpl, 6, für Steltengesuche Rpl, 5 Bei unTeradhuldeter Niohtbelieferung besteht kein Ansprnoh auf Vergütung •'; 'tll NEUE FOLGE R JODISCH-LIBE A L E N Z E I TU N Was sind uns die Makkabäer? Eine Chanukka-Betrachtung von FABIUS SCHACH . Nur wenige Gestalten der jüdischen Geschichte ziehen den modernen jüdischen Menschen und vor -allem die Jugend so an wie die Makkabäer. Es ist nicht die-Strategikdieseir. Kämpf er, die uns Bewunderung' abringt, trotzdem sie in neuerer Zeit als nicht unbedeutend gewürdigt wurde. Es ist auch nicht, ihre .geistige Größe, die uns imponiert, trotzdem sie, religiös-ethisch gesehen, von einer schöpferischen Kraft ist. Es ist die Art ihres Heldentums, das nichts anderes ist als schlichte menschliche Größe, was immer wieder zur jüdischen Seele spricht. Die Makkabäer sind von einer Ganzheit, die nur eine große Idee, ein starker Glaube zu geben vermag. Sie sind vom Schicksal ihres Volkes erschüttert, aber nicht gebrochen. Es ist keine Zerrissenheit, kein quälender Dualismus in ihrem Herzen. Sie sind von einem gewaltigen Gedanken getragen, der ihnen den schweren, aber richtigen Weg zeigt. Ist die nationale .Begeisterung die Kraftquelle, aus ■der ihr Heldentumfließt? Vielleicht. Nur hat der Begriff Nationalismus im Judentum eine eigenartige - Bedeutung. Im -alten, Judentum• -Bindr-die, Worte Volk und Nation-fast immer;mit Religion und Ethik verbunden. Volk und Nation'haben ' nur . eine höhere Existehzberechtigungy/solange sie der Grundidee der religiösen, Moral^djeften, der religiös e G e danke ist die Lebenskraft des Volkes. Und wie alle-wahrhaft Großen in Israel sind die MakkabäerJTräger des relifiösen Volksgedankens, Vollzieher des göttlichen Hufes, chlichte Menschen sind es, von .hohem Adel zwar, aber verarmt und fast unbekannt. Sie treten jnotzlich auf und machen Geschichte, lenken das Schicksal ihrer Gesamtheit, weil alles an ihnen geschlossen, harmonisch, ist. Menschentum, Judentum, Volk, Religion; Ehre und Gerechtigkeit, — alles ist für sie ein Gedanke, Die Not des Volkes, oder richtiger. seines Lebensgedankens, ruft sie auf den Plan, sie stehen da, ganz hingegeben an ihre Idee, zu den höchsten Opfern bereit. . Eine Lage, wie sie' die jüdische Geschichte selten kennt, finden diese" Helden vor sich. Äußere Zerrüttung,-gepaart mit Hoffnungslosigkeit, entmutigt und entartet ist alles, der innere und äußere Untergang ■droht aus nächster Nähe. Und. niemand rafft sich zur-Tat auf, niemand glaubt an Rettung. Da handeln die Hasmonäer nach der jüdischen Weisung: „Wo keine Männer da sind, da strebe, ein Mann zu sein I", und sie werden Männer der Tat. Demütig folgen sie dem inneren Rufe, gehorchen dem Gebot einer höheren Macht. Durch ihren Mut und ihre Begeisterung,überwinden sie alle . Schwierigkeiten, und siegesgekrönt, aber voller Bescheidenheit kehren, sie zum Volke heim, sein Heiligtum neu zu weihen, Gott zu danken, von dem alle. Kraft und alle Größe ausgeht, Die jüdische Auffassung vom Heldentum offenbart sich nirgends klarer und gewaltiger als in den. Mäkkäbäern. Held ist der, dessen Leben mit seinerIdee «iiris geworden ist, dessen Werk innerer, heiliger Beruf ist. .• . .Wir. rühmen und besingen diesen jüdischen Sieg als Wunder, und doch ist dieses Wunder naturlich und begreiflich wie alle Taten wahrer Seelengröße. Dbb Rätsel des Wunders ist hier nicht in mystischen Erscheinungen, sondern'in der Kraft einer großen Idee zu suchen. Und wenn die Makkabäergroß sind, so sind sie es durch den Geist, von dem sie getragen sind, durch die große Idee, in deren Dienst sie ihr Leben stellten, und die man als die jüdische Idee überhaupt bezeichnen darf. Es ist die Idee, daß das Göttliche in uns und über uns Ausgangspunkt und Endziel alles, Lebens ist. Diese Ideö hat sich im Laufe der schicksalsrejqhen jüdischen Geschichte bald in aktiver, bald in passiver Form gezeigt.Sie war bald Kampf und Lebensfreude, bald Heroismus, und Märtyrerrum, sie ist das, was wir heute religiÖsen I d e a 1 i s m u s Chanukka 5696 Phot. Sannenfeld nennen, und sie ist es, die Israel durch alle Geschicke lebensbejahend erhalten hat. In der einen Epoche der Makkabäer-Kricge ruht konzentriert die ganze jüdische Geschichte, der wahre Inhalt des Judentums.: Aus der Geschichte der Makka-, bäer sind uns nur Bruchstücke erhalten geblieben, aus denen wir uns das psychologische Bild der Zeit und der Menschen konstruieren müssen. Die Zeit, in der die Makkabäer auftreten, ist keine große Zeit, und sie zeigt uns, wie fast die ganze jüdische Geschichte, daß nicht die Masse, sondern die wenigen Auserwählten die wahren Träger der Volksidee sind. Und sie zeigt uns auch als lebendigen Protest gegen die materialistische Geschichtsauffassung, daß nicht die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, sondern die großen Gedanken die Welt regieren. . Die Vorzeit der Makkabäer-Kämpfe ist eine Zeit schweren Niedergangs. Außen: schwerer fremder Druck. Innen: Schwäche, Zerfahrenheit, Würdelosigkeit und Auflösung. Griechische Formen und asiatische Wildheit verbinden sich zu einer Orgie der Sinnlichkeit, Göttliches wird verspottet. Und das jüdische. Volk ist feig und erbärmlich geworden, es hat die Gottesidee, die es erzogen und groß gemacht hat,' vergessen. Stumpfsinnig läßt es alle Schmach über sich ergehen, und es hat sich bereits innerlich dem Feinde ergeben. Es ahmt bis zur körperlichen ' Verstümmelung die Lebensart der Syrer-Griechen nach. Ea hat die Uridee Israels, daß alles Göttliche unsinnlich ■ ist, verlernt. Es verweichlicht und versinnlipht in artfremden griechischen": Formen, es Bchwelgt in Lebensäußerungen, die der jüdischen Seele zuwider sind. Nur wenige noch sind innerlich, jüdisch, nur wenige bekennen sich zum jüdischen Geist, und auch sie werden angesichts des Triumphes, des Feindes immer mehr entmutigt, und die! Verzweiflung droht, auch sie zu-verschlingen. Mehr als die Trümmer geschichtlicher Aufzeichnungen schildern uns die Makkabäer-Psalmen in ihrer Tiefe und Schönheit dieses furchtbare Zeitbild: '; ..' .r '; :'■ , Da taucht aus einem vergessenen Winkel des Landes ein Greis, dem Grabe näh, plötzlich auf. Er hat längst das Schwert zu ziehen verlernt, aber nöch .lebt ein starker Geist in ihm, und er ist von Heldensöhnen umgeben. Einsam wandert er durch das Volk,, er trägt den Schmerz über die erlebte Schmach im alten Herzen, er wartet auf ein Wunder, er lauscht auf den Ruf des Schicksals. Da ist ihm, als hörte er-aus der verwaisten Stätte des Heiligtums eine göttliche Stimme: „Du wartest auf Wunder? Das größte Wunder ist der Mensch in seiner Hingabe. Handle für Wahrheit und Gerechtigkeit, führe die Sache deines Volkes, die die Sache Gottes ist!" Eiwagt es, und sein Ruf weckt Begeisterung. Täglich erhält die kleine Schar Zulauf. Die griechelnde Jugend entdecl^pjöt^r lieh das Jüdische in sich, alles Fremde ist.wie eine Hülle abgefallen, Und wieder sind es Söhne Israels. Wieder erwacht durch die Makkabäer die Idee Israels, die. innere Größe des Judentunis, sie kämpf t mit dem Volke, und in diesem Zeichen siegt sie. Nach zwei Jahren schwerer Kämpfe, Leiden und Entbehrungen zieht die Schar der Makkabäer siegesgekrönt iri Jeru-: salem wieder ein. Ihre erste Aufgabe ist <lie Reinigung des Heiligtums. Neue Zeiten des Niederganges und des Aufstieges; kamen, das Schicksal des Volkes wandelte, Größe und , Unglück -lösten «inander ab, aber stets-: war. es dip.Jdee,;. die im Mittelpunkt stand, und an der alles gemessen wurde. Das jüdische Heldentum ist nicht .gewichen, es hat nur seine Form gewechselt, es ist zum stillen. Heldentum j zum Heldentum des Leidens und Duldens geworden. Ob sie in den Krieg für Gott zogen oder ob sie den Tod auf sich nahmen, um die göttliche Wahrheit zu bekennen, — es sind nur andere Formen menschlicher Größe. Ja, erst in der Zerstreuung korinr ten die Juden ihren wahren Beruf bekunden, der Welt zu zeigen, wie man für eine große Idee lebt und stirbt. Daher bleiben uns die Makkabäer als Vorbild, als Hoffnung und Zuversicht, und immer wieder r}chöp-> fen wir aus der Geschichte ihre Idee, daß der Idealis-, mus kein, leerer Wahn ist, daß er die wahre Lebenskraft ist. Durch seine Geschichte und seine Existenz bezeugt der Jude, daß das Judentum ein Ewigkeitselement ist. [') o.l<3i '■- «ttlfV Türkisch 8

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