Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 47 (20.11.1935)
- Date
- 1935-11-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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"1 - " '.' '-mwwi -— TT" Tm^^jJ^M*- -ir^^-* T" Zwischen Start und Ziel ^fij Ein jüdischer Sportroman von KARIN LUNID (1. Fortsetzung); IV. Während Benjamin leichtfüßig dem Gutsbezirk Zalcnzc entgegenflog, ..dachte er nicht einen Augenblick lang an die Vergangenheit. Er wußte nur, daß er laufen mußte, wie er noch nie, gelaufen ,,wdr, wenn er das schaffen wollte, was er sich vorgenommen hatte. ' ' AI» er sein Ziel erreicht hatte, atarrtc der polnische Tankwart ihn mit offenem Munde an, während er Benjamins Wünschen lauschte. Aber der. Mann hatte Verständnis für den ungewöhnlichen Bolcngüngcr. Schnell füllte der „Benzinschenk" einen besonders Icichtcir Kanister mit Betriebsstoff. ' , Benjamin fühlte sich vollkommen frisch, als er die Tankr stelle verließ. Als. ob er sieh lange Zeit ausgeruht, flog er wiederum fast durch Wald und Wiesen zurück, und wenn der blecherne Kanister ihn auch stark behinderte, hemmte er ihn weniger als er gefürchtet hatte. Unaufhörlich begleitete ihn in seinen Gedanken das Bild des schönen Mädchens, das an der Landstraße auf seine Rückkehr wartete., Die Möglichkeit, daß inzwischen längst andere Automobilisten ihr mit Benzin ausgeholfen hatten, und daß sie vielleicht schon auf der Fahrt nach Kottewitz war, fuhr ihm plötzlich durch den Sinn und peitschte ihn förmlich vorwärts. Aber seine Besorgnis erwies sich als überflüssig. Als er das letzte Waldstück, das ihm die Sicht auf die Wiesennahm, durchlaufen hatte, sali er den weißen Roadster neben .der grün gekleideten Mädchcngcstalt vor sich. Als sie die Mütze vom Kopf riß, um Benjamin lustig zuzuwinken, fuhr der Wind durch ihr rotgoldencs Haar, und die Sonne gab ihm den Anschein einer feurigen Flamme. Mabcl Hiddcr trieb keinerlei Sport, aber sie kannte genug davon, um zu begreifen, daß der junge "Mensch, der da auf sie zugerast kam, etwas Außerordentliches für sie geleistet hatte. Das war eine bemerkenswerte Entdeckung für Tom und den „Speed". Vielleicht hatte ein lächerlicher Zufall ihr .die Bekanntschaft mit einem jener jungen Sportler geschenkt, nach denen Tom die halbe Welt durchreiste. Der Herausgeber des „Speed", Toms Chef, hatte begeistert die Idee seines jungen. Ucdakteurs aufgegriffen. Man sollte die besten jüdischen Leichtathleten der Welt ermitteln, und zu Ausscheidungskämpfen für eine in Jerusalem abzuhal- Judische Winterhilfe tende „Palöstiniadc" nach Amerika einladen. Mabcl Ridder sah sich im Geiste schon gefeiert, weil sie den „allerbesten Läufer" aufgespürt hatte. So kam es, daß ihre, erste Frage an Benjamin, " als er heiß und glücklich mit dem Benzinkanister vor ihr stand, lautete: •' „Sind Sic eigentlich Jude?" Benjamins Gesichtszüge, leicht verzerrt von der Anstrengung, zuckten. Weshalb fragte sie? Kurz entgegnete er: „Ycs, Miss!" Und dann machte .er sich daran,: den Benzintank zu füllen: Gerade,, als'tsr sich wieder erheben und, die eigenwillige. Haarsträhne. auY der Stirn Bchüttelnd, zu Mabcl treten wollte, blickte er in ihre sprühenden, grünlichen Augen, die mit eigenartigem Ausdruck auf irun ruhten. Glühendrot schoß es ihm jns Gesicht, als sie seine heißen Wnngpn streichelte. „Wie schnell Sic waren, boy", sagte sie weich und lächelte ihn an. Aber trotz der Gcfühlsvcrwirrung, die sie aus ccinen Blicken Ins, sah sie erschreckt1 auf ihre Armbanduhr. War sie denn verrückt gewesen, daß sie hier am Wegrand mit einem "kleinen Jungen die kostbare Zeit vertändelte und darüber ihren Zug. verpaßte?- S^luiijll trat sie >vön Ben zurück und nahm ihren Sit/, am Steuer des' Wagens,,ein.'.„Wollen Sie mich zum Bahnhof begleiten?"vfragte •sie' plötzlich.. „Ich muß Ihnen doch noch meine Adresse geben, boy, und mich gründlieh bei Ihnen bedanken!" •- i V '• •'» Benjamin hatte sieh gerade uu3 Freude an seinem Abenteuer ihre Autonummer notiert, denn;Vum, . keinen'' Prjci^'hätte der Zwanzigjährige gewagt, sie nach ihrem' Wohnsitz zu fragen. . Wie Dodo sich wohl an Mabels-'Stelle''benommen haben wflrde? Undenkbar, daß sie einem'.frernden jungen .Maiin jemals ihre. Adresse ( mitgeteilt hijttc. Während Benjamin -,wic ' •vor-..' ' zaubert neben Mabcl in dem weißen Roadster mit den Selen, grünen Ledersesseln dahinraste, kehrten ' seine1 Gedanken' seltsamerweise immer wieder zu Dodo zurück.^ Im Vergleich zu der schönen Amerikanerin erschien Bic ihm mit einem Male wie 'ein blutloser Schatten. Und jetzt fiel ihnTdiö Szene kurz, vor seinem plötzlichen Abschied von Berlin ein. Sic hutten über ihre gemeinsame Zukunft gesprochen und als er sie nachher gjuiz,leise an sich gezogen'hatte, um sjc zu küssen,'; .war.'.'sic ihn* schnell tent- schlüpft und durch den Grunewald'davongelaufen.', Das hatto er ihr nie vergessen. Und wie gefühllos'sie seine Briefe beantwortete, in; denen er ihr stets alles mitteilte, Was ihn bedruckte. Gute Ratschlügo gab sie ihm,- ouszuhaltcii und sich im Geduld zj fassen, bis seine; Lehrzeit abgelaufen sei.- Das temperamentvolle Mädel da am Steuer . würde dem, den sio liebte, 'bestimmt andor» schreiben •..'. ■.-;- '• . ■ .' , r ■ .Amüsiert hatte 'sie'.'im Wngfcnspicgel sein wechselndes.'Mienenspiel .verfolgt; Ab und'zu richteto sie ein -paar 'Wiqrtc. an Shn, -bekam aber nur einsilbige Antworten, denn die 'Verzauberung ytollto von ihm nicht weichen. Er 'kam erst wieder zii Sich, als' sio :ihm nach den Vcrladcformalitütcii für'das Auto am" "Bahnhof Kflttowitz ihre! Visitcnliort« reichte''' undlächelnd meinte: „Verlier' sie nicht, boy, damit du mich in den Staaten wiederfindest, wenn du-drüben-bist. Da ist ein gewisser . Tom, der dich mit Wonne -entdecken wird, wenn du bald .kommstI Wenn du Sportler bist, wirst du ja von der „Palüstiniado" schon gehört haben!" Sie hatte in ihrem drolligen gebrochenen Deutsch plötzlich „Du" zu Benjamin gesagt und ihn nicht aus den Augen gelassen, als er.»die Karte in seinen rechten Schuh versenkte. Und während scino Gedanken wild durcheinander wirbelten, ging mit : Mauel plötzlich der Ubermut durch, sie legte den Arm um Benjamins Schultern und flüsterte: ', „Many thanks; my littlc help'cr. I'Il never ■ forget youl";' Er fühlte, ihro weichen Lippen auf seinem'"Münd,'und dann lief 'sie auf den Bahnsteig, denn der Zug war gerade donnernd in die Hallo gcfahr.cn. Benjamin Beercustc'in' aber folgte ihr, nicht. Wie angewurzelt blich' cc stehen und .rührte »ich noch immer ") nicht, als der;Zug schon langem die Kuttowitzer Buhnglcise. hinter, sich gelassen'hatte. Erst als die hähmische Stimme Fritz Färbers, eines entfernten .Verwandten der Frau Kaschnitzcr, ihm zurief: . „Na,: das Liebchen nach Berlin verfrachtet, junger Mann?", kam ihm die Besinnung wieder. Grußlos drehte er sich um und ging davon. ..... , :~v- '•"'• '••'■ "•■ Alexander Bccrcnstciu konnte seine schlechte Laune ' nur luUhsuiu beherrschen, i Heute, bekam sogar die Kundschaft etwas.' davon zu spüren, ein Fall, der bisher nochniemals eingetretenwar. Schließlich hatte Frau Rosi ihn in das Markthallcnrcstaurant geschickt. , Als später die Haustochter Regina aus' der Wohnung herüberkam unu^ sio am Stand j vertrat, ging Rosi ihrem Ehcherrn nach. Er brütete düster vor sich hin und hatte schon zwei Tassen Kaffee getrunken, was er sich sonst kaum an Feiertagen gestattete. „Gib doch nicht so an,' Alex! Weil Fürst uns den Kredit gekündigt hat, brauchen wir noch lange nicht unterzugehen", versuchte sie ihn aufzurütteln. „Es wird schon stimmen, wns die Leute sajpn, duß er sich in Bauangclcgcnhcitcn an der Börse verspekuliert hat. Alle Welt Bpricht doch von dem schwarzen Freitag in der vorigen Woche! Wir werden eben ohne die zweitausend Mark von Fürst auskommen müssen. Sieben Wochen haben wir noch Zeit bis zur Rückzahlung, inzwischen wird eich schon anderer Rat finden. Hauptsache, du, der Junge und ich bleiben gesund!" „An den hütl'st du mich lieber nicht erinnern sollen, Hosi", sagte Alexander Bccrenstcin schwerfällig und bestellte sich die dritte Tasse Kaffee. „Andere Eltern nahen an ihren Söhnen, die in Benjamins Alter stehen, schon eine gehörige ^Stütze, und wir? .Wenn mieli jemand fragt, was er geworden ist, gibt's mir jedesmal einen gehörigen Stich. Kaschnitzcr schreibt, daß er kaum eine blasse Ahnung vom Geschäft hat, und duß er aufatmen wird, wenn die drei Jahre Lclirzcit um sind. Ich könnte den Leuten höchstens antworten, daß ich einen Schnelläufer zum Sohn habe, einen, dem kein Sabbat und kein Festtag heilig ist, und das würde mir erst recht nicht passen, Oder hast du schon vergfcssen, wie der Junge von der Burmizwohlafcl weggelaufen ist, um irgendwo mitzurennen?" „L'nd die Waldmcistcrschaft für Jugendliche gewonnen hat!" cntgcgcnctc Rosi;;,Daß Benjamin damals höchst unrecht gehandelt hat, weiß ich genau ao gut, wie du. Aber gefreut hat sein Erfolg mich doch", setzte sie mit unübcrwindbarcin mütterlichen Stolz hinzu. „Wissen möchte ich nur, woher der Beugel knapp drei Wochen nach seinem Eintritt bei Kaschnitzcr das Geld genommen hat, um sich '.einen funkelnagelneuen Trainingsanzug und Turnschuhe und dazu noch eine Stoppuhr zu leisten", bohrte Bccrenstcin weiter. „Sein Chef schreibt, daß ihm das mehr «Is rätselhaft vorkommt. Wahrscheinlich wird der Windhund pich die Mittel irgendwo zusammengepümpt haben, oder den ganzen Krempel schuldig geblieben sein, und wir können" ihn bezahlen! Und so einem Leichtfuß hinterläßt nun ein Manu von Jacob? festen Grundsätzen eine kostbare Bessomimb'üehse und einen Kidduschbechcr. Wenn er die Sachen nur gut verpackt hat daß sie ihm nicht gestohlon -werden, unser Herr Sohn! Es war unverzeihlich von . mir, daß ich dieso Kostbarkeiten in seinen Händen gelassen habe!" „Alexander!" Frau Rosi schrie beinahe: „Was du dem armen Kind immer in die Schuhe zu schieben hast, ist beinahe unerträglich!" Ohne ihrem Mann noch einen Blick zu gönnen, ging sie an den Stand zurück. m Alexander Bccrenstcin und seine Frau waren heute nicht die;einzigqn, . die ihr Geschäft vernachlässigten., . Auch Dodo Fürst in ihrem „Büchcrwinkel" machte jeden Handgriff lustlos und nervös. . Dabei hatte sie mehr als gewöhnlich zu tun. Die Beratungsstunden, die. sio füglich .für , ihre ..Kundschaft abhielt, . waren ein glänzender Gedanke gewesen. Dazu kam die reizvollcj Aufmachung, die, sie mit den Mitteln ihres- Vaters und der künstlerischen Hilfe Franz Vanfcldcns ihrem kleinen Reich hatte geben können. Die Besucher. des „Büchcrwinkels" betraten einen Raum, der sich kaum von einem behaglichen Bicdcrmcierwohnzimmer: unterschied. Hohe, bis fast unter die, Decke reichende Regale aus Edelhölzern, vor denen an Nickcl^tangcn bewegliche Leitern hin und her rollten, waren mit Büchern gefüllt. Traf das Sonnenlicht sie, so leuchteten die einzelnen Büiidc farbig auf. denn jeder trug ein buntes Zcllophangcwand. Die Farben unterschieden gleichzeitig die einzelnen Buchgattungen: wissenschaftliche — kunstgcschichtlichc — Reise- und Untcrhaltungslitcratur. Dodo war |der Inhalt fast aller dieservBüeher. wohlvcrtrauU Sic" beschäftigte, eine Reihe von Lektoren, die jedes ncueintrcffcndc Werk lesen und in'knappen Worten seinen 'Inhalt auf der Schreibmaschine wiedergeben" mußten. Die Inhaltsangaben besprach Dodo in ihren*Beratungsstunden und legte, sie den für die Kundschaft bestimmten Lescoxcmplnron in den* Schränken bei. Wer sich nicht allein auf die .Literaturkcnntnissc der jungen Buchhändlerin verlassen wollte, konnte sich in ihrehV wohnlich" eingerichteten Gcschäftslokal mit Leichtigkeit selbst über den Inhalt diesen oder jenes Werkes informieren.' Kleine Erfrischungen, die auf den niedrigen Tischen vor den Sesseln vorteilt waren, luden zum Zugreifen ein, und überall dufteten, wie in Dodos Zehlen dorfer Heim, Blumen in flachen Schalom' Vom Beratungszimmer aus führte eine Scitcntür in den Verkaufsraum/in dem Dodöä älteste Schul freundin, Ruth Schiff, die Laufkundschaftbediente. Der „Bücherwinkel" warf Dodo einen ansehnlichen Verdienst, ab, denn die Einrichtung hatte sich schnell herumgesprochen, und ein Kunde schickte'..den uuderen. ' (Fortsetzung folgt.) IMc ßibcl im 6tI6c A) Die S i d ra'Ch« j c Soroh (1. ,R. M. 23,1;~25,18) erzählt von Saras Tod, Isaaks Verheiratung und dem Ende' Abrahams. Die llaf taiii (I. Köii. 1,1—31 buddelt von Davids Thronerben Unterricht in Jasnaja Poljänu Eine'Talmud-Anthologie Tolstois? — Der Dichter hört Kol INidrc Obgleich am 20. November erst 25 Jahre seit dem ' Tode Tolstois vergangen sind, mutet uns das Leben dieses großen Asketen fast legendenhaft an. Dem russischen Dichter lag nichts mehr am Herzen als das Streben noch Vervollkommnung der Menschen auf dem Boden sittlicher Weltanschauung. Er war in seinem ungestümen Wahrheitsdrange bestrebt, der russischen - Judenfrage durch Beschäftigung mit den ältesten hebräischen Quollen bis auf den Grund zu gehen. Im Studium der Bibel, das er 1885 bei dem Moskauer Rabbiner Minor mit dem ersten Worte Bcreschis begann und in etwas sprunghafter Weise Iiis Jcsaja fortsetzte, mochte er große Fortschritte und suchte Stützpunkte für seine entschiedene Stellungnahme zugunsten der Juden. In seinem Buche „Gespräche mit und ül>er TolBtoi" bringt Raphael L ö w c n f c 1 d . der geistvolle Vermittler slawischer Literatur, der 1890 Tolstoi auf seinem Gut Jnsnajo Poljana aufsuchte, intercssnnte Aufzeichnungen über das Wirken und Schaffen des russischen Denkers. Obwohl Rabbi Minor seinen wissensci frigen Schüler darauf aufmerksam gemacht hatte, daß die Judcnfrage mit dem Studium der Bibel wenig zu tun habe, blieb Tolstoi, der in seinen Lehren auch auf die Evangelien zurückgegangen war, bei seiner Absicht. In seinem Streben nach Wahrheit befragte er seinen Lehrer fast in jeder Stunde auch über die Sittlichkcitsonsehauungen des Talmud, über die Auslegung der biblischen Legenden durch die Talinudisten und ergänzte sein dort gewonencs Wissen durch die Lektüre eines von der Petersburger „Gesellschaft zur Hebung der Bildung unter den Juden" herausgegebenen russischen Werks über „Die Weltanschauung der Talmudistch". Nach dem Unterricht begunn zwischen Lehrer und Schüler eine anregende Unterhaltung. Eines Tages kamen sie auf die von Tolstoi vertretene Auffassung von der Erhaltung der Welt durch die Liebe zu sprechen. Davon, meinte Tolstoi, stehe nicht ein Wort in der Bibel. Minor verwies ihn jedoch auf den dritten Vers des 89. Psalmcs „Olam chessed jibonch", den er mit den Worten „Die Welt besteht durch die Liebe" übersetzte. Tolstoi war über diese Auffassung der Bihclstcllc sehr erstaunt. Der Dichter erlahmte auch später nicht in seinen Bemühungen, die Lehren des Talmud genau kennen zu lernen und sie seinem Volke zugänglich zu machen. Er wollte eine ßlumcnlcsc aus den moralischethischen Sentenzen in Talmud und Midrasch herausgeben und wandte sich an einen Wilnacr Bekannten, der wiederum Tolstois Wunsch dem Professor Dr. Berliner und Babbincr Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin übermittelte. Soviel bekannt ist, hat Tolstoi, nachdem die jüdischen Gelehrten seinem Wunsche willfahrt hutten, eine solche Anthologie verfaßt, sie hnrrt aber ebenso wie andere Schriften seines Nachlasses noch der Veröffentlichung. Baphael Löwenfeld, der als Direktor des Charlottenburger Schillcrthcotcrs nur wenige Wochen nach Tolstois Tode ans dem Leben schied, weilte, wie schon erwähnt, 1890 längere Zeit auf dem Gute Tolstois und erhielt von des Dichters Gattin interessante Angaben aus Tolstois Leben. Diese verwertete er in seinem aufschlußreichen Buche über „Leo Tolstoi und seine Weltanschauung" und übertrug im Anschluß an die von der Gräfin Tolstoi besorgte russische Originalausgabe die gesammelten Werke des Dichters ms Deutsche. Löwcnfeld war bei seinem Besuche in Jasnaja Poljana von Tolstoi und seiner Gattin Sofia Andrejcwna gastlich aufgenommen und wie ein Familienmitglied behandelt worden. Tolstois Haus stand "nicht nur allen Dichtern, Schriftstellern und Künstlern, sondern jedem, der Rat suchen und Belehrung schöpfen wollte, offen. So empfing auch Tolstoi eines Tages, kurz vor seinem Tode, den berühmten Violinkünstler E r d c n k o und hat ihn. ihm einige seiner Lieblingsstücke vorzuspielen. Am Schluß des Konzerts richtete der greise Dichter an den Künstler die Bitte, ihm noch das „Kol Nid re" vorzuspielen. Als Tolstoi die meisterhaft gCBpicltc jüdische Melodie hörte, schluchzte er laut auf, dankte Erdcnko für den erhabenen Genuß und sagte: „Es ist diu traurigste und erhabenste Melodie, die ich je gehört höbe, es ist die gesungene Märtyrcrgcschichtc eines unglücklichen Volkes." . ms. THEATER, KUNST, LITERATUR K i p ii i s an die Wiener Staatsopcr verpflichtet ,, Alexander K i p n i s , der vor kurzem aus dem Verband der Berliner Staatsoper ausgeschieden ist, hat, wie die JTA meldet* einen d r e i'j ä h r'ig e n Kontrakt mit der Wiener S t tt a t s o p c r abgeschlossen. v, Saisoncröffnung der Kg I. Oper in Horn mit „D y b u k" Die Kgl. Oper in Rom wird die diesjährige Saison mit einer Aufführung der Oper „Dybuk" von Louovico Ilocco eröffnen. Die Oper, der das bekannte gleichniunige Schauspiel von An-ski zugrunde liegt, hat, wie seinerzeit voii uns gemeldet, bei ihrer, Uraufführung un der Mailänder Scula im vorigen Jahr einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Kür die Aufführung in- Rom wurden die berühmtesten Sänger Italiens verpflichtet. Hebräisches Theater in Warschau In Warschau, wo bereits seit einiger Zeit ein hebräisches The a t c r b t u (l i o besteht, wurde nunmehr die „Gesellschaft zur Verbreitung hebräischer .Tlieaterkunst in Polen" gebildet, die . sich als nächste Aufgahc die Schaffung eines ständigen heb' r ä i s c h c n T hinter s in Warschuh ' gestellt hat. In der konstituierenden Versammlung wurde eine geschäftliche und eine künstlerische Leitung ^gewählt. Das archäologische MuBcum Palästinas Im kommenden FrOhjnlir wird in J c r ü s a 1 c m das archäologische Museum Palästinas, , dessenj Errichtung mit Hilfe einer Spende John Rockefcllcr» jun. in der Höhe von zwei Millionen Dollar ermöglichtwurde, eröffnet werden. Das Museum wird' faBt nur in Palästinn , selbst gefundene Altertümer enthalten. Das Museum wird auch oine Reihe von Laboratorien, ein mit den modernsten Mitteln ausgestattetes' Photostuijio und andere technische Einrichtungen besitzen. Von der ^wci-Millioiien-Stifttuig Hockcfcllera wurde eine Million für den Bau und die Einrichtung verwendet, die zweite stellt einen Fonds zur Erhaltung des Museums dar.' , Franz Mo Ina r als Vorbild Anläßlich der Eröffnung des neuen Schuljahres hielt Seelsorger Julius Muraköcy von der Kanzel der reform. Kirche in Budapest eino Predigt, in der er verschiedene ehemalige Zöglinge des Reformierten 'GvmiiUBiums, darunter Franz Molnar, der Jugend - als nachahmenswertes Vorbild hinstellte. Franz Molnar, der von dieser Tatsache in Kenntnis gesetzt wurde, hat in einem Schreiben seiner Freudo über diese Ehrung Ausdruck gegeben und betont, -daß er immer „liebevoll der vornehmen und glücklichen ungo- - rischen Atmosphäre dieser Schule gedenken" werde. •«SP L. Ciordano: Rebekka und Elicser . Gemäldegalerie Dresden Biidi