Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 46 (13.11.1935)
- Date
- 1935-11-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN 13. November 1935 PREIS 25 PF. Nr. 46 / 15. Jahrgang JUDISCHE AUGEMEINE SchrHtlfcllung und Geschäftsstelle: Berlin-Charl Ottenburg 2, Blelbtreustrabe 2. C I SitHnpI. 3703. Bankk.: Kreditverein f, Handel u. GewerbeeOmbH, Berlin N 24. Postscheck-K;:Berlin 25720 — Bezugspreis: RMr 1,—monatlich izu2ügl. RM. 0,10 ZeitungBgebühr und Bestellgeld), b,ei BtreifbandTeriand tuzü?l. RM. 0,80. Vorlag: VorlagBgcaoaeoasahatt ta Deutschland ana/Usig-or Juüoa zu Berlin eGmbH., Blo.-Charlotlonbur(f 2," Blaibtrouatr. 2. Anzolaenpr.: Die l£gesp. mm - Zelle Rpf. 8, tflr FamUlenanzelgen Rpt, 6, fUr Stellengesuche Rpl." 5 Bot unverschuldeter Nichtbelioforung besteht kein Anspruch auf Vergütung. 1 NEUE FOLGE D E R J ö D I 5 C H - L 1 B E RA LEN ZEITUNG Einigung in der Berliner Gemeinde Die üsnbildimg des GemeindeyorHandes vollzogen — Ausfchaltimg der Parteiintereffen Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin wird jinitgeteilt: Geleitet von dem Wunsche, eine dem Vertrauen der gesamten Ge nte i n d e getragene Führung jäcr Geschäfte herzustellen, haben sämtliche Vorsteher der Gemeinde sowie die Vertreter aller Fraktionen der Rcprüsentantenversamnilung Beratungen gepflogen, in welcher Weise und Form das erstrebte Ziel erreicht werden kann. Hierbei ist von der Voraussetzung ausgegangen worden, daß keiner der in der Gemeinde bestehenden Richtungen ein für sie nicht tragbares Opfer zugemutet werden soll und daß alles zu geschehen hat, ein friedliches und freundschaftliches Zusammenarbeiten aller Richtungen unter Anerkennung ihrer völlige nGl eichberechtig u n g in der Gemeinde zu gewährleisten. In Ausführung dieser Grundsätze ist eine Vereinbarung, getroffen worden, deren wesentlicher. Inhalt, die Anerkennung des sogenannten Fifty-Fifty-Prinzips bei der Besetzung des, Gemeindevorstandes und. eine entsprechende Verteilung der Dezernate;: des Gejrieindevorstandes ausmächt."- . ■ ' * ■' Die seit einigen Monaten geführten Verhandlungen über eine Änderung in der Zusammensetzung des Berliner Gemeindevorstandes, die leider nicht ohne Versuche geblieben sind, innere Zwistigkeiten in die Gemeinde zu tragen, haben endlich ihren Abschluß gefunden. -Wenn die Verteilung der Gemeindevorstandssitze nunmehr nach dem Fifty-Fifty-Prinzip erfolgt, und zwar derart, daß der Vorstand aus sechs Liberalen, fünf Zionisten und einem Orthodoxen bestehen wird, so ist das ein Beweis dafür, daß die, verantwortlichen Männer bei den Beratungen von dem zeitgemäßen Bestreben geleitet wurden, überholte Gruppenideologien zu überwinden und sich über alles Trennende hinweg zusammenzuschließen in der Arheit an den konkreten Aufgaben der drängenden Zeit, die konzentrierte Kraft, geeintes Wollen und gemeinsame Arbeiten den Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft verlangt. Auf., der . Jubiläumskundgebung aus Anlaß des 15jährigen Bestehens des Keren Haje9sod, die am Sonntag in Berlin stattfand, und über die wir an anderer Stelle des Blattes berichten, hat der Vorsitzende der Berliner Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, besonders betont, daß nunmehr nach Ausschaltung aller Parteiinteressen Liberale, Konservative und Zionisten zum Wohl des allgemeinen Judentums und zum Besten der Gemeinde schaffen können. Wenn wir das Ende des Berliner Parteienkampfes, das dem Geist gemeinschaftlicher jüdischer Willensbetätigung ohne parteigebüridene Engstirnigkeit praktische Betätigung ermöglicht,-begrüßen, so dürfen, wir darauf hinweisen, daß' wii-j .denen liberales Judentum nie Partei war, sondern . Judentum, Verbundenheit mit allen Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft, daß wir immer den Standpunkt vertreten haben, eine planvolle Gestaltung jüdischen Lebens sei nur möglich, wenn alle geschlossen, .wenn es sein muß, unter Einsatz persönlicher Opfer, unter Zurückstellung von Einzelinteressen an die Erhaltung der Gemeinde herangehen. Wir haben nie verkannt, daß die Befriedigung des Ehrgeizes strebsamer Funktionäre zurückzutreten hat vor der Pflicht, die Gemeinde als Kraftzentrum jüdischen Lebens und jüdischer Religiosität, als Pflanzstätte jüdischen Wissens und Pflegestätte jüdischer Erziehung zu erhalten und auszubauen. 15 Jahre Keren Hajessod Jnbiläuinskuudgelmiig im Brüdervereinslmus — Für die Anfiedlung deutfdier Juden in Palüftina . > Das. 15jähiigc Bestehen des Keren Hajessod, des zentralen Finanzfonds 'für das , jüdische Aufbauwork in Palästina, wurde am Sonntag abend, in Berlin mit einer festlichen Kundgebung bc- Earigen1, zu der die ^Mitglieder des Administrative' Comittep und des Council der Jcwish Agoncy in Deutschland, das Präsidium des. Kcrcn Hajessod/für Deutschland und die Zionistische Vereinigung für Deutschland eingeladen hatten: Der weite Raum des BrüdorverciiishaiiBcs war bis auf den letzten Platz besetzt, als Generalmusikdirektor Joseph Röscnstock, der Leiter des mitwirkenden-. Kitlturbundorchcslors, -den rTaktstock' -zu' Mendel?'"' spliri-BartlioIdys Hcbriden-Ouvertürc'cjhob. (Ddnn ergriff der Vorsitzende der Veranstaltung, Rabbiner Dr. , Leo. B n c c k , das Wort zu seiner Eröffnungsrede, in der er im Auftrage des Vorstandes des Korea Hajcssod und der Mitglieder des Council der Jcwish Agcncy norzüchb Bogrüßungsworte ah die Versammelten richtete. „Ihr Kommen", so' führte cjr aus, „ist kein Besuch, sondern Bereitschaft." Nach warmen Worten der Dankbarkeit für den verstorbenen Oskar Wassermann, dem es zu danken sei, wenn der Kcrcn Hajcssod Stätte und Starke in Deutschland gefunden habe, fuhr Dr. Bacck fort: „Kcrcn Hajcssod und Jcwish Agcncy gehören jni Wesen .und ini Prinzip zusammen. Gedanke und Forderung, daß jeder Judo berechtigt und verpflichtet ist,'an dem großen Aulbuuwcrk mitzuarbeiten,'war der Grundgedanke, der den Keren Hajcssod bestimmte, und es ist die Idee, aus der die JcwisK Agcncy geworden ist.. WenVdic-Jcwish. Ageney nicht gewesen würe;\wärc lor Kcrcn Hajcssod nicht geworden und gewachsen. Der leitende Gedanke, der den Juden Deutschlands, den Boden in Palästina bc-. leitet hat, war der, daß •.; bc:m Aufbau Palästinas Deutschlands Juden , um der Geschichte Hillen nicht fehlen durften. - Sic durften sich nicht1 ausschließen vom Opfer und nicht wegen ihrer Eigenart,' um' inrer 'selbst willen. Der, Keren Hajessod will nicht aclionkcn, sondern er will g.obcn.' Geben heißt; einem etwas gewähren, damit er *.twaB leiste, etwas aufbaue. Unter den Schenkenden haben wir deutschen Juden nicht gefehlt, um so viel weniger durften wir ■di als Gebende fehlen. In einer anderen Zeit haben wir an uns ..nicht zu denken brauchen. \ Wir setzten uns damals für Juden ein, die eine Heimat suchten. Die Wandlung hat es gefügt, daß wir heule daran denken dürfen und müssen, daß Juden, die zu unseren Gemeinden gehören, eine Heimstätte finden auf dem Boden Palästinas. _______JJKjr. .4iaJ^..'.diiiBai». auch für uns gearbeitet.- Dio - Geschichte ' liat es so werden lassen. Wenn 60 das Land auf dem Boden der yütcr auch für uns bestimmt worden ist, dann ist ea auch fein Moralisches. Situationen können wir nicht schaffen, aber wir können auf. der Höhe der Situation bleiben, dor Gcsclüchtc des Tages ein Weltgeschichtliches entgegenstellen. , Wer mitarbeitet durch Opfer,- Gedanke und Tat an dem großen Werk, der hat sich über so violcs erhoben, was niederdrückend ist. Vieles fordern diese Tage von uns, vieles versagen sie uns. Aber wir dürfen nicht resignieren. Würden wir: das tun, dann wären wir verloren. Wenn die große Aufgabe des PalÜBtinaaufbaues nur das gäbe, davor behütet zii bleiben, daß wir meinen, nicht mehr weiter zu können, hätte sie schon ihre Berechtigung. Dr. Baeek schloß: „Es gibt kein Fundamentieren des Landes ohne daß wir nach dem Worte „Einen Himmel pflanzen",' ihtv .festhalten, am Glauben halten, im Judentum leben und zu Zion ■sprechen: mein Volk bist du. Wissen, was jeder Einzelne von der Gesamtheit empfängt und was er ihr sehuldet, daß er nie verloren ist, wenn er in dor Gesamtheit, lebt.".' Als Sprecher der Zionistischen Vereinigung 'für'. Deutschland JUdische Winterhilfe Wie geringfügig das Trennende und wie stark das Gemeinsame,.das Bindende ist, erleben wir in ganzem Umfang in diesen Wochen, die neben den Problemen der Auswanderung auch die jüdisch-soziale Arbeit für die Verbleibenden, das Fundament jüdischer Gemeinschaftsarbeit, in den Vordergrund gerückt hat. Der genieinsame Wille, die seelischen und materiellen Nöte nach Kräften zu mildern, führt nicht nur von Organisation zu Organisation, sondern von Haus zu Haus, in dem jüdische Menschen wohnen. Hier hat das friedliche und freundschaftliche Zusammenarbeiten aller Richtungen, von dem das Kommuniquee des Berliner Heute neuer Roman Gemeindevorstands spricht, sich in vorbildlicher Weise .bereits praktisch ausgewirkt. über einen Punkt schweigt sich allerdings die erste Verlautbarung des Berliner Gemeindevorstandes über die vollzogene Umbildung noch aus. Man hat immer wieder davon gesprochen, daß auch Menschen der jungen Generation zu fruchtbarer Aufbauarbeit herangezogen werden sollen. Es wird interessant sein, die Namen derjenigen zu erfahren, die berufen werden, sie mit zu leisten. Die Ausschaltung aller Parteiinteressen in der Berliner Gemeindevertretung wird weit über die Grenzen Berlins hinaus ein freudiges Echo finden, als Symbol für die Einheit und Ganzheit des Judentums, die die Zeit, die unsere Religion verlangt. hob Dr. Franz Meyer hervor, daß der Blick auf die 15 Juhrc des Koren Hajessod nicht zu einer Befriedigung über Erreichte» führen dürfe, der Blick müsse vielmehr uuf künftige Aufgaben gerichtet sein. „Wenn in Luzern beschlossen worden ist, dem Spcziulwcrk dor Ansicdlung deutscher Juden in Palästina das vom K. H. in Deutschland Aufgebrachte zur Verfügimg zu stellen, so wissen wir, daß dieser Gcduukc zu seiner vollen Auswirkung kommen kann, wciui wir in unserer Leistung für den K. H. zugleich die Voraussetzung für diese Aufgabe begreifen." Herzliche Erfolgswünschc des Berliner Gcmcüidcvorstanda für den Kcrcn Hajcssod, als an dos aus dem jüdischen Leben nicht mehr fortzudenkendo Institut,' überbrachte sodann Direktor Heinrich Stahl.- „Ich tue dos um so lieber," sagte Direktor Stahl unter dem Beifall der Versammlung, „als es mir gelungen ist, in der Berliner Jüdischen Gemeinde einen politischen Ausgleich herzustellen, der., eine............. Ausschaltung aller Purtciintcrcsscn erwarten läßt. Ich bin stolz, sagen zu könnon, daß dieses Ziel untor meinem Vorsitz erreicht worden ist. Liberale, Konservative und Zionisten werden zum Wohl des allgemeinen Judentums und zum Besten unserer Gemeinde schaffen können. Auch der Kcrcn Hajcssod ist vom Begriff der Neutralität ausgegangen. Er ist nicht müdo geworden, eine große Brücke herzustellen zwischen denen, die. vor 15Jahrcn nicht verstehen koiuitcij und wollten, und denen, denen die .Entwicklung recht gegeben hat. Auf beiden Seiten reicht sich heute guter Wille die Hand, und wir sind Gott sei Dank £o weit, daß die Gegensätzlichkeit, wenn es die Judcnheit und Ercz Israel angeht, zum Antiquierten und Überholten gehört. Direktor Stahl richteto zum Schluß seiner von wiederholtem Beifall unterbrochenen Ansprache die Bitte an die Leitung des K..H., daß sie bei ihrer Arbeit, namenU lieh für unsere Jugend in Palästina, deiii Menschen int Heiligen Lande Möglichkeiten' zum 1 religiösen Leben geben möge. Auch dadurch werde die Kraft des Judentums gestärkt werden. In temperamentvollen Ausführungen erinnerte der nächste Sprecher, der Vorsitzende des Hechalux, Ben A h a r o n , daran, daß das 15jährige Jubiläum des Koren Hajessod zusammenfalle mit . dem Jubiläum von Dagariia, dor ersten. Kollektiv-Siedlung vor 25 Jahren. Das Zusammentreffen der beiden' Feste bezeichne stärker als irgend ein Wort die Verbundenheit zwischen Clialuz und Grundfonds. Er erinnerte an die gewaltigen Leistungen der