Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 34 (21.8.1935)
- Date
- 1935-08-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN 21. August 1»3S Mewf PREIS 25 PF. Nr. 34 / IS. Jahrgang JÜDISCHE ALLGEMEINE SchrHUelhmg und ÜMcMftMteHe: Bulin-Chuloltenburg 2, BlelbtreuitwBe J. C1 SIHupl. 37031 B«nkk..- KredihWln /. H«ntf«l u. Q^w«be eOinbH, Berlin N U. Po»t>check-K.:BefIta 25720 — Buug»prel»: RM. 1,- nKMUtllch (ruiflgl. RM. 0,10 Zflltoneegobflht. and Beetallgeld), bei Btielrtondwnana »o»&gl. JUJ. 0,80. Verlag: Verl«r»geno»»6Bsohaft In Dsntaohlsnd onaaMljrer Judm vx Hariln oOmbÄ, BlD.-01>ariott«nborB 2, Btoibtreojtr. 2. AnMigwipr.s DI« 12g»«p. XZelle Up«. 8, Ittr Famlljenaniclgen Rp», 6, lür Stcllengeiucie Rpl. 6. rotacaaldetar NloMbelteteronii beataht kein Anipraob. auf YetgtLtons. NEUE FOLGE DER JDDISC H-LIBERALEN ZE ITUM G Koiigreßgeclaiikeii eines IVielitzioiiifteii Von HEINRICH STERN Wenn in den Synagogen der ganzen Erde die Schofartöne den EIlul-Monat einleiten, den Monat zur Vorbereitung auf die großen Festtage Israels, hat die alte Zionistische Organisation, diesmal stark geschwächt durch das Fehlen des stets wachsenden revisionistischen Flügels, ihre leitenden Menschen zum Kongreß versammelt. Ob der Geist des unfernen Rütli sie als ein „einzig Volk von Brüdern" entlassen und auch uns Nichtzionisten einen Hauch von Einheitswollen spüren lassen wird? Oder werden die „Fraktionen" das Wort haben, die schon durch den Wortsinn das Verhängnis "des „Zerbrechens" in sich bergen? Auf vorbereitenden Versammlungen hat man sich hierfür aHe Hintertüren bis zur SchekelVerweigerung offen gelassen. Es ist begreiflich, daß heut praktische Fragen des Palästinaaufbaus den Kongreß beherrschen werden. Hierzu haben wir Nichtzionisten wenig zu sagen, — ich meine fast,: auch der Kongreß wird dazu mehr sagen als tun können. Wenn Robert Weltsch in seiner Kongreßbetrachtung (Nr. 66 der Jüd. Rundschau) es ausspricht, das Diasporajudentum sei „vollständig abhängig von der nichtjüdischen Umwelt", so ist das . in dem Sinn äußeren Geschehens ganz gewiß ebenso richtig für Palästina. Gerade jetzt, am Vorabend des Kongresses, nimmt, sicher nicht absichtslos, die „Times" das Wort zu der Frage des geplanten „administrative Council", der (quasi-)parlamentarischen Vertretung, welches die Mandatsmacht England seit 15 Jahren angekündigt hat und welches die „Times" als heut nicht mehr aufschiebbar hinstellt. In ihm, das weiß das palästinensische Judentum, würden die 30 o/o Juden eine einflußlose Minderheit bilden und so „vollständig abhängig von der nichtjüdischen Umwelt" sein, wie es* die Araber — und einflußreiche englische Kreise — seit jeher wünschen, und der „Times"-Artikel gibt den mit Recht sich gegen dieses Council heftig sträubenden Juden nur sehr mageren Trost. Kommt das Council einmal, aufgebaut auf freiem Wahlrecht aller Palästinenser, so wird der Revisionismus gewaltig gestärkt und der Bruch mit England schwer vermeidbar. Und es sind sicher „nichtjüdische" Erwägungen, die den High commissipner, lunter dem die Araber drängen, dazu bestimmen, Palästina diesen Selbstverwaltungskörper zu bescheren. Und nur geschlossene und entschlossene Einigkeit aller Juden in Palästina und außerhalb, im „Ganith", wird das nötige Gegengewicht dazu schaffen. . Liegt es aber in den Fragen des wirklichen Diasporajudenhuna anders? Auch hier — daran ist kein Zweifel — war und ist die äußere Lebenslage Israels abhängig von der Haltung der nichtjüdischen Umwelt. Aber das Leben einer echten Gemeinschaft. ist nie „vollständig abhängig" von fremden Gewalten. Sie bestimmt ihr eigenes Lehen selbständig. Und Israel ist der große Beweis dafür, daß eine Gemeinschaft lebt, wenn sie ihr Eigenstes lebendig erhält. Und hier beginnt und lebt fort der große Gegensatz zwischen «Zjonisten und Nichtzionisten. Welsch spricht es unumwunden aus, daß „die einzige Antwort" auf die Judenfrage, die die Frage der Juden nach ihrem Wohin und Wozu „der Aufbau des jüdischen Nationa^heüns" sei. Und nichts anderes meint Joachim Prinz, wenn er als Voraussetzung jüdischen Lebens außerhalb Palästinas .fordert, dieses Leben als Golus, als Verbannung zu empfinden und sich aus ihm „herauszusehnen": Die Antwort von Weltsch ist klat — oder scheint , klar. Aber man sollte auch die Schlußfolgerungen ziehen. Wer den Aufbau von Palästina als einzige Zukunft: jüdischer Gemeinschaft sieht, gehört nach. Palästina und sollte sich auch im Galuth nur um die Vorbereitung auf Palästina; sei sie Wirtschaft:- licher, sei sie seelischer Art, kümmern. Er hat aber nicht das Recht, das merkwürdiger*- und unlogischerweise alle Zioniflten für sich in Anspruch nehmen, das Schicksal derer leitend mitzubestimmen, welche nicht nur weil sie müssen, sondern weil sie wollen, Diasporajuden sind und aus dem Gefühl jüdischer Verpflichtung, aus indischer Geschichtsauffassung und aus jüdischem •Zukunftsglauben heraus an dem Fortbestehen der jüdischen Gemeinschaft überall da arbeiten wollen, wo Juden leben. Wer alle Kräfte geistigen, seelischen und wirtschaftlichen StrebenB an den Palästinaaufbau wenden will, hat ein Ziel, das wir, wie jedes ehrlich geglaubte Ziel achten; — man sollte aber auch die jüdischen Menschen verstehen lernen, welche als Antwort auf die „Judenfragc Juden-Frage" das Wort der Tora geben:;,Än jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, will ich zu Dir kommen und Dich segnen!" ": : Der. politische Jude, der reine Nationalist, mag daran achselzuckend vorübergehen, daß es Juden gibt, die ihr Schicksal an Gott knüpf en als an daB eigenste Eigen der jüdischen Gemeinschaft, daß sie ihren Stolz und ihre Aufgabe daran setzen, den Ruach Adaunoi, den ewigen Geist in dieser Gemeinschaft zu verwirklichen, — daß aber ein Rabbiner — und Prinz hält sich doch mit allen Mitteln und Kräften an seinem Rabbiner-Sinn—, von der „Sehnsucht aus dem Golus" spricht und nur den äußeren und äußerlichen Weg des „stolzen Juden" als AusrWeg weiß, das ist erschreckend und erschütternd. In seinem unmittelbar auf Weltsch folgenden Aufsatz „Die Kunst als Jude zu leben", ist viel von Palästina, Volkstum"und Politik die Rede, von Gott keine Silbe; Prinz will die. Juden erziehen, sie mit Stolz und Sehnsucht erfüllen, aber all ihr Stolz soll Land und Volk sein, Gott und Leben in Gott zählt ihm nichts. Wohl, -solange es Juden in der Zerstreuung gibt, bestand^ die Sehnsucht aus dem Golus —, aber nicht vom Golus zum Judenstaat (oder ähnlichen, nur staatsrechtlich anderen Gebilden) geht der Weg, sondern, vom Golus zur Geulah —- zur Erlösung. An diesem Werk der Geulah zu arbeiten, ist Judenpflicht und Judenrecht. Dazu gehört gewiß der Stolz auf seine Gemeinschaft; „habitu el zur chuzawtem, sehet auf den Fels, aus dem ihr gehauen seid", sagt die Haftarah dieses Sabbats, — aber bloßer Stolz ist kein Lebens-Ziel; unsere Sehnsucht darf nicht — oder nicht nur — gehen auf Land und Volk; gerade" daß wir ohne eigenes Land doch einen festen lloden unter uns fühlen, das Bewußtsein, Kinder eines Vaters zu sein, unser Los als seinen Willen vollziehen zu dürfen, als Träger des göttlichen Geistes frei auch in Ketten, ejgenen Schicksals und eigenen Zieles bewußt, das ist unser Stolz und unser Zukunftsglauben. Religiöse Juden, Herr Dr. Prinz, brauchen wir, nicht nur stolze Juden 1 Wer dieses Geistes Hauch nicht spürt, bleibt auch in Palästina Sklave des Golus, wer sich von ihm erfüllen . läßti lebt auch' in der Diaspora der Geulah entgegen, kann auch ohne Trompetenstöße ein ganzer und eigenwüchsiger Jude sein. Ich wüßte eine Plattform echten Judentums für den Kongreß, Wie er wünschen muß, daß-alle lebendigen jüdischen Kräfte, jede nach ihrer Art, Palästina aufbauen helfen, so sollte er anerkennen, daß die ewige Gemeinschaft Israels lebendig bleiben muß überall da, wo Juden wohnen. Die Gleichberechtigung und Gleich- Verpflichtung aller ihres Eigenlebens Dewußten Gruppen jüdischer Gemeinschaft zit erkennen, Bie anzuerkennen, ihnen brüderlich, nicht herrisch, die Hand entgegenzustrecken, — das wäre heut seine geschichtliche Aufgabe. Wird er sich auf sie besinnen? In diefer Nummer: Gemeinschaft — nicht Parteiung. Von Rabbiner Dr. S. SAMUEL. Ein Rabbi auf dem BiBchofsstuhl. Von HANS LAMM. Weltreise ins Blaue. Von EUGEN TANNENBAUM. Abraham» Vision. Von MAX ZODYKOW. Geselligkeit als Hilfswerk. Von FRIEDA VALLENTIN. Nathan und Napoleon. Romanforteetzung. Von RUDOLF FRANK. Blick in die Wirtschaft. Recht im Alltag. Sport. Schach. Der Rückgang der jüdifchen Schfilerzabl in Preußen Nach den neuesten Mitteilungen des preußischen UntorricSrtamirustcriums, die das Nachrichtcnblatt dca Nationalsorialistisdien Deutschen LchrerbundeB, „Wirtschaft und Recht", veröffentlicht, ist dio Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen in Preußen ganz bedeutend zurückgegangen. Dio Zahl betrug in den Volksschulen 1932 21060, 1934 dagegen nur noch 16331. Dazu kamen an den privaten Volksschulen 4865 jüdischo Schüler und Schülerinnen, und an den öffentlichen und privaten Mittelschulen 2144, ferner an den Rcktoratssehulcn weitere 388 jüdische Schüler und Schülerinnen. Insgesamt gab es nach der letzten offiziellen Zahlung 44 öffentliche jüdische Volksschulen. An diesen unterrichteten 97 jüdische Lehrer und 25 jüdische Lehrerinnen. Hierzu kommen die 25 privaten jüdischen Volksschulen. Einen erheblichen Bückgang hat auch die ZabNjtfer religionslosen Schulkinder erfahren, wahrend du. Zahl der evangelischen und katholischen Schüler und Schülerinnen in Preußen sich nur wenig verändert hat Unbekanntes Maimouideg-BUdnis aufgefunden Rom. Professor Umberto Caasuto, dor Inhaber der Lehrkanzel für hebräische Sprache an der Universität Rom, hat ein aus dem 15. .Jahrhundert stammendes bisher unbekanntes Bildnis des Maimonides entdeckt. Das bekannteste bisherige MoimcmideB- Bild wurde in dem 1774 erschienenen „Thesaurus Antiqmtatum Sacracum" repodruziert. (Die „Jüdischo Allgemeine" hat es in ihrer Nummer vom 27. Mflrz veröffentücht. Dio Schriftltg.) Das jetzt aufgefundene Portrat ist höchst künstlerisch ausgeführt. Es ist farbig und stellt Maimonides in orientalischer Tracht dar. : farbig i Erde von judifclien Heldengräbern für Pilfudskis Grabhügel ■Warschau. Arn 18. August fand -auf dem Warschauer jüdischen Friedhof die feierliche Entnahme von Erde von.den Heldengrabern der jüdischen Freiheitskampf er Polens zwecks Überführung auf den Püsudsld-Crabhflgel in Krakau statt. Außerordentlich war die Beteiligung an dieser vom Verband jödischor Frontkämpfer Polens veranstalteten Feier. Vorgenommen wurde dio Entnahme von Erde von den Gröbern der Freiheitskampfer des Jahres 1905, von dem Grabe des BatoiHonBkoromnndanten der ersten JLegionfirbrigade, Henryk Wahl, von dem des Fähnrichs Bronislaw Mariperl, von dem des Korporals Anthony Silber und von dem Gemeinschaftsgrab der in den Kämpfen gegen dio Bolschewik! gefallenen jüdischen Soldaten. Zur Feier war eine Ehrenkompagnie* der polnischen Armee kommandiert. J)er Gottesdienst wurde von dem Feldrabbiner Hauptmann Steinberg geleitet. Die Überführung; der Erde auch Krakau erfolgt Sonnabend, den 24. August, nach Sonnenuntergang, die feierliche Niederlegung auf dem Pilsudski-Grabhügel am folgenden. Sonntag. Aufläget eine Bibel Wie in ausländischen jüdischen Blfittem gemeldet wird, hat —^rvkanische Drucker Bruce Hogers in New York mit dem u<UUi. eines einzigen kostbaren Bibelexemplares. begonnen. Die Bibelausgabo, dio großes Folioformat hat, wird «uf Japanpapier gedruckt werden. Der Preis dieser Bibel wird etwa 15 000 Mark gedruckt werden. Der Preis dieser Bibel wird etwa 15 UDO Marie ■ betragen. Der Hersteller ist gegenwärtig dabei, Subskribenten für Beine Ausgabe zusammenzubringen, die ihm erlauben sollen, das Exemplar der Bibliothek des Washingtoner Kongresses zum Geschenk zu machen, . Köiiigswarterllraße in Frankfurt o. M. umbenannt Frankfurt a; M.. Die bisherige Ktaigawarteratraße in Frank-: fuirt a. M. ist in Quinckestraßo umbenannt worden. Olren Namen hatte die Straße bisher nach der bekannten jüdischen Patrizierf amilie Känigswarter, die zahlreiche Stiftungen: für die Stadt Frankfurt gemacht hatte. So' wurde von Zacharias und Isaap Känigswarter und Frau Liierte. K«nigswarter im Jahre 1873 mit einem Kapital von 300000 Gulden zum Andenken an ihre Sohne Arthur und Emil die Kßiügwartersch.e Unterrichts- und Studienstiftung gegründet. Außerdem sehn-