Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 32 (7.8.1935)
- Date
- 1935-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leiden war noch erträglich, wo der Sinn sichtbar war: „Wir leiden für Gott und sein Ideal 1" Je mehr diese tiefe, naive Religiosität wich, desto .tragischer wurde das Schicksal. Aber Leid war nicht nur die Schule der Juden, sondern auch die Quelle ihrer Existenz. Ohne, Leid wären wir längst von der Weltbühne verschwunden, weil:, wir litten, blieben wir. Dad ist kein Paradoxon, sondern eine von der Geschichte und der Wirklichkeit bestätigte Wahrheit. Und immer wieder, wenn die Stumpfheit uns zu verschüngen droht, kommt eine neue Welle, rüttelt uns auf, weckt neue Kräfte und macht uns stark. Zurückkehren? Nein. Bei aller Freude über den herrlichen Aufbau Palästinas glaubt kein moderner Mensch, daß die 17 Millionen Juden jemals wieder das Land ihrer Väter zum Lande ihrer Kinder machen werden. Nicht wir haben die Zerstreuung freiwillig gewählt, die Vorsehung wollte sie. Wir kehren zum Judentum zurück/ zur alten bewährten inneren Heimat. * In alten Zeiten pflegte man am 9. Aw zu den Gräbern der teuren Annen zu pilgern, und individuelle und Volkstrauer verschmolzen miteinander ■ zu der großen Harmonie des Schmerzes. Auch wir pilgern im Geiste zu den Gräbern unserer Väter und unserer Mütter, weil wir zu begreifen anfangen, daß alles individuelle Unglück bei uns Juden mit der großen jüdischen Tragödie zusammenhängt. Diesem Schicksal der jüdischen Gesamtheit können und wollen wir nicht ausweichen. Darin liegt Schmerz, aber auch Größe. Wir wissen uns verbunden mit der jüdischen Gemeinschaft, deren verantwortlicher Vertreter ein Jeder von uns ist. Ihr Leid ist unser Leid. ... Die Psychologie des Judentums verstand es, auf den Tag der Trauer den „Sabbath des Trostes" folgen zu lassen. Der richtige Trost besteht nicht darin, daß man trügerische Illusionen weckt, sondern die innere Kraft wachruft. Nicht von außen nach innen, sondern von innen nach außen führt der Weg des Lebens. In immer neue Verhältnisse weist der Weg des Schicksals, und was für den Augenblick wie Verlust aussieht, bedeutet vielleicht für die Zukunft Wahrer Gewinn. Wir haben den Weg der Ewigkeit gewählt und müssen auch das Leid mit in Kauf nehmen. Der Ewigkeitsgedanke hat uns bisher geführt, er wird uns auch weiter führen. Nichtarier und Wehrdienit ' Die Aufgaben der Prüfungsausschüsse Der Reichsminister des Innern hat im Einvernehmen mit dem Reichskriegsministcr auf^Grund des § 15 Absatz 2 des Wehrgesetzes vom 21. Mai 1985 eine Verordnung erlassen, welche die Zusammensetzung der. Prüfungsausschüsse regelt, $e über die Zu^ laBsung von Nlchtariern zum aktiven Wehrdienst zu entscheiden haben, und die Richtlinien festsetzt, nach welchen diese Prüfungsausschüsse entscheiden. Die nach der Verordnung in Frage kommenden .wehrfähigen Dienstpflichtigen nichtarischer, Abstammung, die in diesem Sommer, bereits gemustert worden sind und zum aktiven Wehrdienst herangezogen zu werden wünschen, haben soweit nicht schon geschehen, einen entsprechenden Antrag bis spätestens zum 16. August 1935 dem für sie zuständigen „Prüfungsausschuß für die Zulassung zum aktiven Wehrdienst" einzureichen. Die' Prüfungsausschüsse sind bei den im § 29 Absatz 2 der Verordnung über die Musterung und Aushebung 1935 (RGBK I S. 697) aufgeführten höheren Verwaltungsbehörden gebildet. Die Prüfungsausschüsse sind nicht nur für wehrpflichtige Nichtarier zustündig, die den zur Musterung bestimmten Jahrgangen angehören, sondern auch für diejenigen Nichtarier, die sich freiwillig zur Ableistung aktiven Dienstes melden, wozu auch kurzfristige Dienstleistungen und,Übungen gehören. Theodor ioewe geftorben In der Reihe der Bühnenleiter jüdischer Herkunft nahm Theodor Loewe, der in der vergangenen Woche kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres in Breslau gestorben ist, einen bedeutsamen Platz ein. Mit seinem Namen war eine Blütezeit der Brcslauer Bühnen um die Jahrhundertwende eng verknüpft. Freilich ist Theodor Loewe, als er sich gezwungen sali, nach vierzigjähriger Tätigkeit in Breslau von der Leitung des Schauspielhauses zurückzutreten, auch von wirtschaftlichen Sorgen nicht verschont geblieben. In den Zeiten seines Ruhms konnte er vier Bühnen auf das glücklichste in seiner Hand vereinigen und Oper, Schauspiel und Operette pflegen. In Wien am 9. September 1856 geboren, wurde er als 34jfihriger als Dramaturg an das Breslauer Stadtthoatorl berufen. Schon zwei Jahre darauf übertrug ihm der Magistrat die Leitung dieser Bühne, der er mit einer „LohenKrin"-Aufführung alsbald einen bedeutenden Ruf verschaffte. Dr. Theodor Loewe, ein feingeistiger, künstlerisch empfindender Mensch, durchpulst von echtem Theatorblut, zeigte nicht nur bei der Auswahl der Stücke seinen bühnenkundigen, sicheren Blick\_,auch zahlreiche Künstler YOn Rang, darunter Leo Slezak, haben von seinem Theater den Ausgang .ihrer Bühnenlaufbahn genommen. Mit Theodor Locwo ist ein der Kunst bis zu seinem letzten Atemzug treu ergebener Mann dahingegangen. Menschen aller Schichten/ folgten trauernd seiner Bahre. Fruchtbares Leiden / von wmm mm: Ein Nachwort zur religiös-liberalen Konferenz Im Haag Die Tage um den 9. Aw sind nach altem Brauch, Tage"der, Kasteiung, der Trauor und Selbstbesinnung. An dem ernsten Erinnerungstago, dor für uns Juden den zweimaligen VerluBt unseres . Tempels bedeutet, eint sich die betende Gemeinde in dem Vortrag der' Klagelieder des großen Propheten und unserer großen jüdischen Dichter des Mittelalters. Wer einmal in einer kleinen Gemeinde einen solchen Tag miterlebt hat, die, trübe brennenden Lichter, die eigentümlich klagcndcn^Nigunim, dem wird die düstero Poesie des Tischoh b'aw unvergeßlich sein. Wie aber die Vater unseres Gottesdienstes unmittelbar auf den 9. Aw die Sabbate, des Trostes folgen' ließen, an denen die herrlichsten Abschnitte verlesen werden, die unsoro-Bibel der Welt geschenkt hat, .dio Trostünd Verheißungskapitel des 2. Jesaja, so ist es jüdisches Gebot, nicht im Leid abzustumpfen, sondern auch aus tiefstem Weh heraus Früchte für das eigene Leben und das der Gemeinschaft zu ziehen. Die alto Überlieferung berichtet, daß Rabbi Jochanan beri Sakkai, als dio Nachricht von der ^Zerstörung des Tempels nach dem stillen Stadtchen Jabnc gelangte, Beine Schüler-um sich versammelte, ihnen das furchtbare Ereignis mitteilte und gleichzeitig das Lehrhaus als religiösen Mitte 1 pujhkt für ganz IbnicI konstituierte, von dem aus nunmehr nicht nur die Bestimmung des Mondwechsels, die Festlegung der Festzeiten, sondern auch die höchsten Entscheidungen in allen Fragen des Gesetzes ausgehen sollten. In der Stille vollzog sich so der größte Umschwung, der Israel seit dem Volkwcrden getroffen hatte. Das Heilige Land selbst wurde zur Diaspora, der Staat war mit einem Schlage zusammengebrochen, aber die Gemeinschaft des Gottesvolkes blieb ununterbrochen aufrechterhalten. * Ein kleines Mädchen fragto mich neulich, warum wir noch immer den 9. Aw begehen, da wir Juden ja jetzt unser Land wiederhätten, dabei seien, es neu aufzubauen. Auch andere als Kinder haben diese Frage seit 125 Jahren gestellt. Für viele war ■ dieser Eiinnerungstag bedeutungslos geworden als ein, fast unbequemer Mahner an eine lebendige jüdische Gemeinschaft und ihr erhabenstes Symbol. Heute erleben wir in gewissen Kreisen das umgekehrte Gofühl. Man möchte nicht gern daran erinnert werden, daß Palastina genau noch so Diaspora ist wie in der Zeit des Lehrhauses von Jabne. Man sieht die Klagenden an der alten Tempclmauer nicht sehr gerne, weil sie Symbol dafür sind, daß zwar Palästina im lebendigen Aufbau begriffen ist, i noch aber das fehlt, was allein den 9. Aw erst zu einem wirklichen Tag der Vergangenheit machen könnte: der Aufbau von Zion. * Im unscheinbaren Räume eines Beratungszimmers hat sich vor einigen Tagen ein Ereignis vollzogen, das zunächst nur ein- Versammlungsbeschluß ist, von dem man ober hoffen möchte, daß er ein geschichtliches Ereignis sein möge. Der Vorstand des Welt- Verbandes für religiös-liberales Judentum hat beschlossen, aktiv an der religiösen Auf bauarbeit in Palästina sich zu beteiligen. Dabei will er nicht den für das westeuropäische und amerikanische Judentum in seinen Formen und- Organisationen geschichtlich gewordenen religiösen Liberalismus in das werdende, ganz anderen Bedingungen unterliegende junge Land durch eine Art Missionstätigkeit gewissermaßen auf Flaschen gezogen, importieren. Palästina soll sein eigenes religiöses Leben sich selber aufbauen. Jeder von uns weiß von seinen Freunden drüben, daß sie noch keinen religiösen Mittelpunkt haben, um das sich ihr Judentum scharen kann. So nah auch die einzelnen Menschen aneinanderwohnen, so herrlich kameradschaftliche Hilfsbereitschaft beim Hausbau, bei der Feldbestellung sich bewährt, 'als Juden sind Hunderte und Tausende 'dieser Menschen einsam, weil ihnen daB fehlt, ohne das wahre Juden Bich einsam fühlen: die betende, die lernende, die feiernde jüdische Gemeinschaft. Auch drüben wird gebetet und gelernt, aber in Formen und .Gedanken, dio das heutige Leben nicht mehr verträgt. Auch drüben wird gefeiert, aber — vielleicht mit Ausnahme des Oneg Schabbath — ohne Beziehung auf das Judentum, selbst da, wo engste Beziehung auf das Land gegeben ist. Dio Erntefeste in Palästina, wie sie uns geschildert worden sind, die Feste des Wassers und der Bäume, so lebendig sie die LieLo zum Lande verkörpern, könnten an sich ebenso von paläbtinensischen Arabern oder Christen gefeiert werden. Dio geheimnisvolle Verbindung zwischen jüdischem Menschen und Judentum, zwischen Natur und Geist, zwischen Seele und Körper ist noch nicht gefunden. * ■ - AIb >der'Beschluß im Haag, gefaßt wurde, hatten: auch manche, die zustimmten, gewisse Hemmungen zu überwinden. Man hat gesagt, man wolle in die religiöse Aufbauarbeit eintreten, obwohl man damit, wie «3 ja in Palästina nicht anders sein könne, auch die nationale Konzeption des Judentums fördere. Ich stehe auf einem anderen Standpunkt. Daß die erste Generation der Pioniere für Boden und Land in erster Linie ihre schweren wirtschaftlichen Aufgaben zu überwinden hat, ist klar. Lassen wir sie allein, überlassen wir sie insbesondere denjenigen zionistischeri . Gruppen, die das religiöse Element bewußt vernachlässigen oder gar bekämpfen, so verschütten wir Quellen, aus denen edelste Religion fließen könnte. Noch laufen dio beiden wunderbaren Ströme, „Religiosität des Herzens" und „jüdischer Gemeinschaftssinn", gerade bei vielen der jungen und jüngsten Kolonisten in getrennten Betten. Das, was sich in Palästina als religiöse Gemeinschaft aufgetan hat, ist gewiß nicht in der Lage, junge Herzen zu Gott zu führen. Kommt hier der große Brückenbauer, so wird er ein wahrer Brückenbauer, ein Pontifex, ein PricBter werden, . mag er nun „gelernter" Theologe sein oder nicht. Gerade die Menschen, die dauernd ihre Arbeit dem Boden zuwenden, die jungen Bauern, genießen wie kein anderer das Herrcngefühl dor sichtbar vollendeten Arbeit, verbunden mit dem jeden Tag sich offenbarenden Bewußtsein des Abhüngigseins von höheren Gewalten. Jn diesen •Menschen, in denen Herrschen und Dienen, Freiheit und / Gebundenheit snih einen, wär$ die beste Bflegestätto echter Religion zu finden) um) es gjlt nur, ihnen das Judentum als die Religion des. Lebens zu zeigen, als lebendige Gegenwart, nicht als bloße Erinnerung. Dann werden von selbst die Symbole und Nonnen, die heute vielfach nicht nur der Jugend tot sind, ein neues lebendiges . Leben erhalten, werden Sabbate und Feste nicht nur Stunden religiöser Formeln bleiben,' sondern einen Sinn erhalten, der die jr geschichtliche Gemeinschaft des religiösen Israel mit der jungen Geheration, die sich ihr Leben selbst zimmert, neu vereinen. Das iBt es, was wir von Palästina erhoffen. Es ist unsere Saat, die wir von Eltern und Vorvätern erhalten haben, aber es ist neuer ungekanntcr-Boden, in den wir sie legen; die Frucht aber, welche von dort aufgeht, soll einst wieder für uns alle zur Nahrung werden. Darum ist es keine „Vercinssachc", wenn unser Wcltverband. die Sache des jungen religiösen Palästina in seine Hände nimmt. Es genügt auch nicht, sich damit zu trösten, daß cb ja vielen unserer eigenen Nächsten zugutckommt, also gewissermaßen Wohlfuhrtsurbcit ist, die geleistet wird; —^ nein, was wir wollen, um diesen Beschluß in lebendiges 'geschichtliches Geschehen umzuwandeln, ist unsere allereigenste Sache, wir wollen Hand anlegen, um dem Prozeß entgegenzuarbeiten, den man „die Säkularisation des Judentums" benennt. Es ist der uralte Kampf der göttlichen Gemeinschaft gegen die menschlich-weltliche, dor jüdischen Gemeinschaft gegen die bloße Gemeinschaft r von jüdiBch Geborenen. Wer sich uns in diesem Kampf beigesellt, wo auch immor er steht, ist der Unsere, mag er sich auch nebenher noch andere Stützen seines Judeseins konstruieren. * Noch begehen wir den Festtag des 9. Aw. Von der Arbeit unserer Generation und der, die nach'ihr kommt, wird cb abhängen, wielange er noch begangen werden wird. Erst wenn wir f uns alle sagen dürfen, daß der Spruch: „Ki mizijaun tezeh Bsauroh udSvar miruscholojim", von Zion geht die Lehre auB und Gottes Wort von Jerusalem, wieder Wahrheit geworden ist, mag auch für ' uns die Wunde des 9. Aw sich schließen. Für religiöfen Aufbau in PaläJtina Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Frankfurt a. M. In der letzten Sitzung des Vorstandes und; Ausschusses des Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemcindcleben, in der unter dem Vorsitz von San.-Rat Dr. Ettlinger eine Aus-, spräche über die Stellungnahme des Vereins zu Palästina stattfand, kamen folgende Grundgedanken zum Ausdruckt Wir religiös-liberalen Juden in Deutschland sind uns bewußt; daß jüdische Arbeit in religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Richtung nicht anden Grenzen Deutschlands endet. Wir haben das Gefühl eines jüdischen GemeinschaftBbewußtseins, das uns gebietet, überall da mitzuarbeiten, wo wir die Möglichkeit der Erfüllung jüdischer Aufgaben im erwähnten Sinne erblicken. Wir religiös-liberalen Juden bekämpfen nicht den Palästina- Aufbau und lehnen ihn nicht ab; im Gegenteil, wir sind heute, menschlich und wirtschaftlich mehr als je am PalüBtinawerk interessiert. Wie wir in den großen sozialen Hilfsorganisationen von jeher die Zusammenarbeit für eine Sache der Würde und der' Ehre gehalten haben, so fühlen wir unter den heutigen veränderten Verhältnissen dio besondere Verpflichtung, an dem Aufbau des Siedlungs- und WirtachaftB-Landcs Palästina mitzuarbeiten; wir betrachten diese Arbeit als eine Gemeinschaftsaufgabe der Gegenwart. Wir betonen: aber, daß die Mitarbeit des religiös-liberalen Judentums beim Aufbau Palästinas seine grundsätzliche Einstellung hinsichtlich der Beziehung der in der Welt zerstreuten Judenheit zu ihren einzelnen Heimatländern nicht berührt. Wir betonen weiter, daß bei dem Aufbau Palästinas die Erhaltung des Judentums als Religion auch in diesem Lande, uns, als einer religiösen Vereinigung, in erster Linie am Herzen liegt, und daß bei-diesem religiösen Aufbau Palästinas die liberale Richtung von uns besonders zu fördern ist. Den Nationalismus der Zionisten lehnen wir nach wie vor ab. Ebenso wehren wir uns gegen den Anspruch des Palästinawerks, die allein wertvollo und Zukunft verbürgende jüdische Arbeit zu soin. Da immer eine große Zahl von Juden in Deutschland auch in Zukunft ihren Wohnsitz und ihre wirtschaftliche Exifltcnz haben wird, müssen wir dafür sorgen, daß anderthalb Jahrtausend jüdischen Lebens in Deutschland nicht durch unser Veraagon der Zerstörung ausgeliefert wird; 'deshalb muß von der deutschjüdischen Gemeinde, wie auch von jedem einzelnen Mitglied alles geschehen, um die hier bestehenden Institutionen und die hier lebenden jüdischen Menschen in wirtschaftlicher, religiöser und kultureller Boziehung zu erhalten. ' Um die „Jndenltraße" in Goslar Halberstadt. . Die „Halberstädter Zeitung" vom 29. Juli berichtet aus Goslar: „In letzter Zeit ist mehrfach der Wunsch geäußert worden, der „Judenstraße" in Goslar einen anderen Namen zu gehen. Zu dieser Frage hat die Stadtverwaltung Stellung genommen. Sie wendet sich zur Erläuterung ihreB Entschlusses mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, in der die Judcnfrajjo im alten Goslar dargelegt wird. Der Name „Judenstraße" ist zum ersten Mal im Jahre 1386 in einer Goslarer Urkunde erwähnt worden. In dieser Straße waren die Juden ini mittelalterlichen Goslar kaserniert, wie dies auch in Braunschweig, Hildesheimj Halberstadt, Nordhausen, Quedlinburg usw. üblich gewesen ist. Juden wurden in Goslar nur zugelassen, wenn sie sich in dieser Straße, niederließen, außerdem mußten sie ihre Zulassung mit dor Zahlung einer größeren Geldsumme erkaufen. Jeder heu hinzuziehende Jude wurde vom Rate durch einen besonderen Kontrakt aufgenommen. . .'. Der Rat," heißt eb dann weiter, (. „kommt zu dem Schluß, daß dor Name heute noch seine Berechtigung hat: er erinnert jedorzeit an den gesunden Sinn der Vorfahren, dio im alten Goslar die Juden nur als ungern geduldete Gäste ansahen und sie zwangsweise isolierten, in einer Straße, in der man sie scharf beobachten konnte. Deshalb wird von der Stadtverwaltung erwogen, unter den' Straßenschildern der Judenstraße eine Zusatztflfol mit. der Inschrift anzubringen;: „Dieser Straßenname erinnert an die alte Zeit, in der die Juden, in Goslar nur als Gäste geduldet, zwangsweise nur hier woluicn durften." | I m * \