Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 18 (2.5.1935)
- Date
- 1935-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage 2. Mal 1Ö35 Keine Trauung zwifchen Pejfach und Wvher kommt der Myrthenkranz? e Tag für dieHochzeit? ■ NicThtj>ür'.nbcK"eil«!tn ,cleutschen. Spri^wqrt werden die Ehen, TOJHJrjimel .geschlossen. Schon'"der ' Tnlmu'd sagt: „Vierzig Tage vor der Geburt des Kindes . wird im Himmel nusgenTfenuvdie;,Tochter von dem uiiil ^enf-geitört zu dem" und dem." Für die Bedeutung der. Ehe in der Anschauung rdea.-Judcntuöjs ist .kennzeich- . .rjendj daß: man den Eltern ii, ,T,-.den 'ISeug^borcneii als die drei..; »IiöehBten .;, Lebcnsgütcr wanschti: Tora,. Elte und gute Wirkte,. Dajjoi;;auch die, Zeichnung, auf den gestickten oder bemalten - T o. r o w 4 nl'p io.Jp., wie .sio die^untcnstoliendc Abbildiuic Bcigt. Und im Talmud Unter der Chuppa •Aus einemi allcn-Miiihagimbuch , vriLrd: die, Ausstattung nrmer.. Öräuto zu ^don-ijandlungen 'gezahlt, dio -deitf Metuchoji ein bleibendes,Gut j£,ar dasvz\\künftigo Leben gewahren." * U-r;r.Nl>ch.:BeJBgi5?em Brauch linden z wi 8 c he n ,P.e b b a c h und .S_o jto w-u.au.fl.( den .Tagen deX,Ömorzä^lcns\. jüdische Trauungen -mm Sta^^tt'.-Erinnerung an dio unv die gleiche ^eit, geschehenen Judenverfolgungen .unter Kaiser, Hadrian, .und; während der KrcuzxizQge»: Ein;:Ausnahme.tag in' diesen Wochen, is^ der Lag baomer, der 33. Omeriag, der als Frcudentog. gilt,, weil an ihm dos j^BBs^storljett; unter den Schülern, dqs Habbi.Akiba aufgehört hat. Der jetzt. *p-;.viel; zitierte;- Majmgnid?? ehielt: den Sonntag für den besten Tag für cino. Hochzeit. : Früher dauerten nämlich die Feierlichkeiten bei ' solchen Anlässen nach dem Vorbild der im Buch der lUeJil^^.'geacliilderteii.. Hothaclt ib*». 8imMn und der Delila sieben Tage. Erfolge die Trauung on. einem Sonntag, so;jnemt;MmniorudcB,, dann fände sie amSqbbrit'ihrch Abschluß und '•ihÄ'"Kr6»üng;;L ' ' ,;; ■ "' ■-■'-'•' Esf!jstr eiri'Tag heiligen Ernstes; wenn :0faüt und Bräutigam uniict^dem 'Birn^t^olty der Ghurlpa, dert Bund fürs Leben ■Vbhlicßcri.■;' Die1 'Ghuppa, ein Baldachin, auf Trier' Stangen ruhend,;Me:'inh!',di6i;AbbiIdungcn hier'zei^en," versinnbildlicht das eigene Herrn," <fas "die Brautleute1' sich ' errichten.' ' Im Gegensatz zur christlichen Trauung wird bei der• jüdischen kein Ringw cch Bei vorgenommen. Der - Bräutigam steckt der Braut den (ungrnyicrtjen) ■ Ring an den Finger, und anrieht*, dabei: Hare. at mekudescuW Ii betabaas "sü icedos maiische wejisrocl — „Sei mir angetraut durch'diesen Ring nach' dcni Gesetz Moses und Israels".; Es ist nicht allgemein, bekannt, "daß die-Vie l eh c erst um die-Wende des ersten Jahrtausends-forihcU iicieitigt wurde. Rabbi Gerschom ben Jchuda von Mainz, Mcor hagola, Leuchte des Exils „c^id^u ^^je^^^vY'Wfe^^Bte^te»!^»» F^ou «• i^^yr^e. ^k.l/WBrkrt*>i.£»*i.».; -Dor- <focJi Abendißelohtten' iin> glich ch Zeremonien bei der Trauung mehr oder weniger konstant geblieben, so sind die;torig<in"-:H«chzeit8brSQche jb^; n^iV!Kri5t|jt^^?rradition und :tondcssi& isohrve^scWede^^^ eine literarisclief'Jr?&äiirtii%;'':^ifil*s9en. So"'"scTulaeri"' ÄjisE"f in seinem )tD yte-üIt^nfer folklSriatischor;AuafeeitungifenjfeifliBcher Brauche;i,Unöf^E^*den ^Sp^Vcincr "Bophaeit, itnitr.'rLithjt^rglanz, Musik ^mjpsendeSS 'Mumkahten. und ktttusen, 'Bct^lerjijnzejit - Oder man " umBuuroM%Gr5bV'' umhört'ein flogst, yc.WtprijiejjSB. Brautpaar zu e}jreid;- 'Jh i,kr6s*mL Gegeniitz dazu die frcudigsiiuite und lebcn- ''Hm potsMIun^f; einer , pWnfivoHen,. Hoc.h?cii;,'äst.r.Tochtcr eines rew[wn]iHDifäktors aus" der", ersten Hälfte-ileB—18. Jahrhunderts im.Schloß-eines-Duodezfürsten, wie sie ßeraomS t'-e rn in seinem '-, tiäeOT;iS^el _zunv Lustgarten, 'woder'"Trauhimmel stand. Das Schowuaus — Dar Tanz am Grab ■ Zum Zeichen der Fruchtbarkeit am Hochzeitstag der „Schulklopfcr" schon früh morgens die ganze Gemeinde zur Teilnahme am Zuge ein. Musikanten und Lichtträger eröffneten den Zug, in dem Braut und Bräutigam zur Synagogo geleitet wurden. Den Brauchen boi Verlöbnis und Hochzeit im Frankfurter Ghetto hat Johann Jacob Schudt in seinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" ein ganzes Kapitel eingeräumt. „Kommt nun die Zeit der Hochzeit horzu", heißt es da, „so gehet weder Bräutigam noch Braut die nächste 8 Tag vor der Hochzeit aus dem Hause, da . .dann inzwischen der Bräutigam von jungen Gesellen, die Braut von; Jungfern besucht wird, wolche mit ihnen singen, spielen, sich lustig machen; den Tag für der Hochzeit muß dio Braut ins kalte Bad . . . Braut und Bräutigam schicken sich GcBchonkc, sonderlich Gürtel. ... Wann nun die Braut von den Weibern geschmücket und mit Geschenken von denen Verwandten und guten Freunden begäbet worden, so soll die Copulation durch einen Robbinen auf einem freyen Platz geschehen, wie hier im Hoff für der Synagoge; so tragen dann vier Knaben auff vier Stangen einen Himmel, so auff Hebräisch Chipab heißet; so folgt dann der Bräutigam mit einigen Männern und die Braut nut Weibern in ihrem besten Schmuck, unter dorn Klang der Saitenspiel und frölichen Zuruffen der Umstehenden baruch habbo: gesegnet sey, der da kommt. Ehe sich nun dio Braut unter den Himmel stcllot, gehet sie 3 mahl um.den Bräutigam herumb, und die umstehenden werffen Waytzen auf sie, zum Zeichen der Fruchtbarkeit und ruffen peru urwu, seyd fruchtbar und #«3Sifce^ . . Brautliches,Paar /^Aüf^ n in: Uly Sikoln 'f^*^/i:;w'..'5««ie. auj '^Ä^&^f^1^wi5M»?i y l?i^np»«T,rPriMOii"un(i.' Prüizessiiraen und der gesamte Hof vw^bsa'-von den- Fenstern aus ,;der- TTOUung~ bei. Und olle ' Bchwmen^yaß solch«eine Hochzeit in Isra:pl?r^h{ gewesen wäre 1 B'ea'raer'Zerstörung:;dc8. TphjpoVä.«-'.....~ ■"*; .! -e-'.; .SthildoruDgcn .solcher H.och'zatts*afeö^fnldcii sich schon V M'-'Sr*»«a?'-JM*invj8r üw;-HflheU«d*' ünb? iW'Sülabt'Buth.. Von den! Mujri|etf itögleitety'zog .der"Bräutigam, -tcsfllcK',geschmückt und; bekiänjty,ium EUernbauB::der:.Bf^iit,^wolltm;d^' tief yerschlclcrto -ItawrM«« -Amt ■ F.U«rn mit ninem. Seizcnsanruch» übergehen wurde , uvu^uiinty ,«1111«. »hvwwiiiw-««--..^«.,;. - j--;- r;:. -Braut "tfou 'den Eltern mit omflfo;-Segcn&spmch» übergeben wurde, :')Ä«in'liattr*!ibri6en ''An#«»Me»'ihjfeFta«c£e lunzu(ugtca. In fert- ''BiAin¥:'%ij|i' unip?\6Äg;,'TaW wo -»"«Ii. '!^irto. dann °cr •,'BritatfgaSi m voi^'ihren Freundianehg'olpitete. Braut in sein oder '.^«einor -ElWrn' Haus^iünV4Fesmi^lil. JPmyd $01.,-Hochzeitszug am 1 ^AKfettfl 'itatfv w> bewegte' «*' sitK 'unter: 1^'cVelsctiyVt seinem Ziele zu. Ctyftn^r'Jii biblischer"'ZbTt •qb'Ucheu-.Bekränzulig;;dor Braut hat ^Ä'der'M^rUienitJa^'li^'^ , .;-V^#'iSäüWW,,-^''^^i<^-.^ ^idn:i)a^tiuber.',em«nv^r«Luu^ vorhegt, lud . i>?:«:!.M «-:t;;.,:..v;,^v-;'.'. .1 :"i t« K •J.i'o'n'nt'ny»» ijw|m Sihjj)^ , .^r>3 VpM^n b\p •nr&v'np) pa*:Vp »r^mn'iw« V ItW onnnVjiV« Mmmnw S\ni ww>»f«aw"inwVij)>srt8n|rii«»,J'art6r'«)«ii rfi ■VW« V>VTnw"^> Äowtp Vi>n)n mvjfm H> ♦ a n»iw 01» ftm <iti nni)«f!V>a. ' evnston . •. p'parerärwVäiuSitfi^m•mirifi n'vym, . 'vvhnrnw*''^^:^XK\ 'MjwswmmimomjMium .««otVMW^r^pH^^'ivwr^N^TO'tOTjj, ----i?»,»SW'*!rW5«rr«k»te,»»^yatr»H0Vi ......._.^^(attÄ^^tai«ia(Hw»*#»j ip^x«yt)tj tßift» vn* *^st»:w riMtm .Wi»,t»)j^»»nr>^wv,.r»'i»iD'»^ty-bw r^)»;»^W|8f)|6»<rW»ni»m'«>r)«W-W ftt»^»tm».wmm^M-:mo»avw tfoi -6»»»<ii» irhfnrnAn^rvmf^rvtwpal \<rr 1*?) W»o*w>. rm «w in '«wo <3mnn»i wps1 |^W»pt»53rmHirW»tBinMWt3HMWrBtltrVV(9«1l iu>,'»ajo»«i9fwmwWMn»»»%»^.Vw;:!f' 1» :sHKie%$?3e^^ m iiip 1 ^tA^.»_?'fc.,Ji-«..,rf-iw;^j^-.-^ M' . .' r . ,', ,t; i Jüdische Hochzeitscinladung aus dem 18. Jahrhundert mehret euch, die Braut hat ihr Angesicht mit einer vorhängenden Decke, der Bräutigam aber seinen Kopff mit einem schwarzen Tuch verhüllet, zum Andenken der ZersWhrung Jerusalems." Nach einer Schilderung der Trauzeremonie beschreibt Schudt die Hochzeitsmahlzeit: „Der Braut wird ein roh Ey vorgesetzet, zur guten Vorbedeutung, daß. sie ohne sonderliche Schmerzen, so leicht wie eine Henne das Ey, Kinder gebaehren werde Tantzcn, hüpffen und springen ist der jungen Leut ihre grüßte Lust darbey, und hatten sie in Altona einen artlichen Tanz, so sie Abraham sein Pferdt nannten, darin die Cadcnce gar artlich War. Wenn die Braut eine J u n g f r a-u, wäret die Hochzeit gemeinlich 7 Tage, weil Laban zum Jacob gesagt: halte diese Woche aus, und dem Simson werden auch 7 Tago der Hochzeit beygclcgt, bey ejner Wittib währte das Freudenfest nur drey Tag. Sic haben ein besonders Tantz-Hauß, hier in der JudengasBC, wie auch jmderstwo, wie darin dergleichen ihnen zu Augspurg schon anno 1290 ein besonderes Tantz7Hauß vergönnet wordon. So spiegelt sich in Brauch und Spiel die hohe Einschätzung der jüdischen Ehe wieder. Daß sio dem Judentum besonders heilig ist, geht schon daraus hervor, daß im Hebräischen die Eheschließung mit dem Wort „Kidduschin", d. h. Heiligtum, bezeichnet wird. E. Ta. Leon Kornitzer 60 Jahre alt - Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Hamburg. Am Sonnabend, den 4. Mai, begeht der Oberkantor des Tempels, Leon Kornitzer, die Feier seines 60. Geburtstages. In Wien geboren, einer dem Kantorenstande ongehörigen, Familie entstammend, widmete er sich musikalischen Studien. Nachdem er seit 1907 als Oberkantor im Kaiser-Franz-Joscl|- Tempel in Prag sechs'. Jahre fungiert hatte, trat er 1913 sein Amt am Hamburger Tempei"an. Soine Tätigkeit wurde hier jedoch bald durch den Ausbruch des Weltkrieges unterbrochen, da er als österreichischer Reserveoffizier bis 1918 Kriegsdienste leistete. Noch seiner Rückkehr aus dem Felde wirkte Kornitzer mit nie ermüdendem Eifer für' die Verschönerung und würdige Ausgestaltung des Gottesdienstes. Seino herrliche Stimme, die auch heuto nichts von ihrer Jugendfrische eingebüßt hat, trug und trägt in hohem Maße zur Erhöhung der Andacht bei. - Auch als Komponist liturgischer Musik hat Kornitzer Großes geleistet. Unter seinen bedeutungsvollen Schöpfungen seien nur fenannt: „Mussaf Keduschah", „Ss'u schearim , „Aus- und Einehen der Tliora", „Hoel honichbad". Als bewährter Gesanglchrcr steht Kornitzer in hohem Ruf, Viele vordanken ihm ihre kantorale Ausbildung. ' # t Welch hohen Ansehens sich Kornitzer im Kreiso seiner, Berufskollegen erfreut, bezeugt dio Tatsache, daß er seit Jahren Vorsitzender des „Allgemeinen^ Kantoren-Verbandes" ist. Infolge seines liebenswürdigen, gütigen und bescheidenen' Wesens erfreut sich Kornitzer auch im gesellschaftlichen Verkehr großer Beliebtheit. . E. F. JUDISCHE AUfiEMEINE ZEITUNG GEDENKEN Von MAX ZODYKOW Dil Jüdiictie Blindenanstalt (flr Deutschland In Berlin- Steglitz kann In dleiDn Tagen au! Ihr 25 JJhrlgea Bestehen lurflckbllcken. Aus diesem Anlaß stellt uns der blinde Dichter Mai Zodykow.der. den Segen dieser Anstalt kennen gelernt hat, die nachstehenden Verse mr Vertilgung. Im Friedensjahre neunzohnhundortzwölf War es, da ich zum erstenmal dies Haus Betrot, ein Kind, ein Knabe noch voll Bangen, In Furcht und Glück dem Neuen cntgcgcnzittcrnd. Viel gütige Hände boten sich mir dar Und scheuchten bald die Fremdnis von mir fort, Und was des Vaters kalter Segen nicht Vermocht, erwirkten die durch Tat und Beispiel. Es grüßten manche würdige Männer mich — Der Gruß nur eines Einzigen blieb in mir . . . Ich hör noch heut die wohllautvollc Stimme Und lausch den warmen väterlichen Worten. Herr William Neumann, wer sollt ihn nicht kennen? Er war der Ersto uns und ging als Erster — Sein Werk aber, das durch ihn ward und wuchs, Bleibt seines Daseins Denkmal für und für. Noch manches Einzelnen wär zu gedenken An dieses Erst-Jahrvicrtclhundcrts Wende, Doch bleibt das dem Chronisten aufgespart ... — Es kamen neue Männer, neue Frauen, Tätige Werkmeister am Haus der Wohlfahrt. Und wie sie seine Mauern stützten, hoben, Mit Kraft und Gut und Zeit nicht geizten, kargten, Uhd wie das Heim durch sie erwuchs und wurde, So wuchs und wurd' auch ich uud wuchsen, wurden Alle, denen dies Haus Heimat und Heim ward. Heil drum den Schaffenden und Gebenden I Doch Heil auch den in Licht Empfangenden. DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wochenabfchnitt Kedaufchim enthält in regelloser Folge eine Fülle kultischer, zeremonieller lind sittlicher Voxschrifteu. Außer cfaffl Sabbatgebot, den Speisegesetzen, Opfervorschrifteh finden wir das Verbot des Götzendienstes, der Zauberei, der Totenbefragung, der grausamen und un- . sittlichen Kultusformen des Heidentums. Unsere Sidra verbietet jede Form von Unzucht, verlangt Reinheit der Ehe, Ehrfurcht den Eltern gegenüber. Föidas wirtschaftliche Leben stellt die Tora ihre strengen Normen auf, die jede Unredlichkeit ausschließen wollen und sucht die Schwachen durch soziale Gesetze zu schützen. Mitten in dieser Mannigfaltigkeit moralischer Einzelgebote finden wir die allgemeinen sittlichen Grundforderungen des Judentums: das Gebot der Heiligkeit und das Gesetz der Nächstenliebe. # Die Systemlosigktjit, die uns an den Gesetzen unserer Sidra. auffällt, entspricht der Regellosigkeit des flutenden Lebens. Die Tora will nicht in die bunte Fülle menschlicher Situationen und Lebensformen, logische Ordnung bringen. Ihr Interesse ist auf die sittliche Erziehung des jüdischen Volkes gerichtet Ihr liegt daher mehr an der Anschaulichkeit des konkreten Einzelfalls, als an seiner systematischen Einordnung. Trotz dieser scheinbaren Zusiunmenhangar losigkeit der sittlichen Einzelvorschriften stellt die Tora ihre ethischen Grundsätze auf, aus denen sich alle einzelnen Gebote ableiten lassen. Im Begriff der Heiligkeit wird alles sittlich Wertvolle zum Ideal der Vollkommenheit zusammengefaßt. Der vollkommene Mensch aber ist nicht der welrabgewandte Asket, der auf allesirdische Glück und, jedes weltliche Wirken verzichtet. Es ist'bezeichnend für die jüdische Sittenlehre, daß sie trotz aller Reinheit und Strenge ihrer ethischen Forderung weder die reale Grundlage des menschlichen Lebens zerstört, noch die natürlichen Triebe der menschlichen Seele zu brechen sucht. Mitten im Strom der Welt, in unserer beruflichen Arbeit, im geselligen Verkehr mit den Menschen, , im Suchen nach Lebensfreude sollen wir stets dejr Stimme unseres Gewissens gehorchen, das unseren Trieben, unserem materiellen Streben Grenzen zieht. Das biblische Gesetz der Nächstenliebe fordert dementsprechend nicht den Verzicht auf jedes egoistische Wollen. Das Verlangen noch persönlichem Lebensglück ist sittlich berechtigt. Doch zum Wesen des Menschen gehört auch das selbstlose Interesse am Schicksal des Nächsten und die Bereitwilligkeit, ihm zu helfen, wenn er der Hilfe bedarf. iZwischeri diesen Grundkräften der menschlichen Seele, zwischen Selbstsucht und Liebe, will die Tora das Gleichgewicht herstellen. Volles Menschentum ist erst vorhanden,