Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 10 (6.3.1935)
- Date
- 1935-03-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: 0 Daa Amtsgericht Berlin hat in einem Urteil zum Ausdruck gebracht, daß eine mit hebräischen Lettern unterschriebene Vollmachtsurkundo nicht rechtsgültig sei. * . ■ Im Amtsblatt der Stadt Berlin erlaßt der Bezirksbürgermeister dea Verwaltungsbezirks Mitte eine Ausschreibung zur Vergebung des Rechtes zur Aufstellung und Vermietung von Stüh- 1 c p auf stadtischem Straßenland. Darin heißt es, daß Bewerber, die Angebote abgeben wollen, den amtlichen Nachweis ihrer arischen Abstammung zu fahren haben. * ■ Wie aus Bern berichtet wird, hat Gerichtspräsident Meyer in dem Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion", dessen Wiederaufnahme sich infolge der genauen Prüfung des umfangreichen Materials verzögert, den 29. April als Termin für die Fortsetzung der Verhandlung festgelegt. * B In Regensburg wurden ein Nicbtarier und eine von ihrem Manne getrennt lebende junge Frau, die ein Liebesverhältnis miteinander harten, in Schutzhaft genommen. Die Angelegenheit war in einem Artikel behandelt worden, und die beiden wurden zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft gebracht. * ■ Die Frankfurter Sopranistin Bettina F e i 11 e r sang dieser Tage im Baseler Rundfunk; ferner gab sie im Konservatorium in Basel einen erfolgreichen Liederabend. ■ InTel-Awiw fand die Grundsteinlegung zu dem vom Verband der Ingenieure und Architekten Palfistinas zu erbauenden Ingenieurhaus statt. Der Grundsteinlegung wohnte auch Sir Arthur Waucbopc, der High Commissioner von Palästina, bei. * ■ In Kosicc (Kaschau) wurde eine in slowakischer Sprache verfaßte Broschüre beschlagnahmt, die eine Bearbeitung der in Budapest erschienenen gefälschten Übersetzung aus dem Talmud von Luszenszky enthalt. Einkauf in jüdifchen Gefchäften verstößt gegen die Gesetze der Bewegung Recklinghouseu. Wie die „Nationalzeitung" in Recklinghauscn berichtet, sprach auf einer Versammlung der Polizeibeamtenschaft Gauinspektor Bergemann über die nationalsozialistische Presse. In seinen Ausführungen stellte er der nationalsozialistischen Kampfpresse die bürgerliche GcschSftsprcsso gegenüber. „Der Wille, nicht hundertprozentig am Aufbau des nationalsozialistischen Staates .mitarbeiten zu wollen — so sagte er — spricht bei der bürgerlichen Geschüftsprcsse schon eindeutig 'daraus,' daß sie Versucht, den Textteil nationalsozialistischen Gedankengangen entsprechend zu gestalten, während auf der anderen Seite die wirtschaftliche Macht «leg Todfeindes der NSDAP, der Juden, durch Veröffentlichung von Judenanzeigen erheblich gestärkt wird. Die Stellung des Nationalsozialismus zum Judentum ist auch in der letzten Zeit durch den Stellvertreter des Führers eindeutig festgelegt worden, der betonte, daß kein Schritt von der alten Einstellung abgewichen werden würde. Trotzdem wogt es die bürgerliche Presse . . . diese Todfeinde jenes völkischen Denkens zu unterstützer.." Im wetteren Verlauf der Kundgebung nahm Polizeipräsident SÄ-Brigadcführer "Vogel das Wort. Er wies die Beamten- und Angcstelltcnschaft auf die nationalsozialistische Einstellung zu dem Kauf im Warenhaus und in Judengeschüften hin. Weil der Beamte Diener des nationalsozialistischen Staates ■ Wie der römische ITA-Vertreter erführt, soll der vor einigen Jahren als Oberrabbiner nach Alexandrien berufene Professor David Prato als Nachfolger des verstorbenen Dr. Angck> Sacerdoti zum Oberrabbinor von Rom ernannt werden. * ■ Berichten aus Budapest zufolge kam es in einem großen Budopestcr Kinotheater bei der Vorführung des Films „J u d Süss" zu schweren Zusammenstößen, die durch Protestkundgebungen antisemitischer Studenten, die eine Absetzung des Films verlangten, hervorgerüfen wurden. * ffl I'1 Wien fand eine Tagung des Verbandes deutscharischer Rechtsanwälte Österreichs statt, die unter dem Leitwort „Dem arischen Volk den arischen Rechtsanwalt" die sofortige Einführung eines „numerus clausus" für Rechtsanwälte forderte. * ■ Wie aus London gemeldet wird, hat Sir Charles Marston, ein Archäologe der Universität Oxford) an den AusgrabungBstütten Tcl-Diiweir, der Stelle des antiken Lachisch, zehn althcbrBischc Herdstellen aus Backstein entdeckt, die hebriische Inschriften tragen. Das Alter der Funde wird auf ungefähr COO v. angesetzt. » ■ Anläßlich des 85. Geburtstages des tschechischen Staatspräsidenten M a s a r y k fanden am vergangenen Freitagabend in allen Präger Synagogen Fes'tgottesdienstc statt * H Per Vorsitzende des Winnipegcr Gerichtshofs hat auf Grund einer bereits früher angenommenen Novelle zum Gesetz gegon Verleumdung, durch die jedem Angehörigen einer Rasse oder eines Glaubens Klagcrccht bei Kollcktivbclcidigungcn seiner Gemeinschaft cingerflumt wird, den canadischen Nationalisten und Herausgeber einer antisemitischen Zeitimg, William Whittaker, durch Gerichtsurteil verpflichtet, keinerlei gegen die Juden gerichteten Verloumdunge n mehr zu veröffentlichen. ist, hat vor allem er sich die Einstellung zu eigen zu machen, daß der Kauf im Warenhaus und im Judengeschaft gegen die Gesetze der Bewegung verstößt. Diese Forderungen würden sich auch auf die Frau des Beamten und Angestellten erstrecken. Flaggeneriaffe in Kraft Bcflaggung jüdischer Häuser unerwünscht. Frankfurt n. M. Der VorBtand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main veröffentlicht folgende Erklärung: Durch Anoidnung der Gebeimen Staatspolizcistellc Frankfurt a. M. ist uns folgende Bekanntmachung aufgegeben: Es ist unerwünscht, daß Juden Bowie jüdische Organisationen und Körperschaften ihre Privat- und Geschäftshäuser, Wohnungen und GeBchBftelokale mit den Reichsforben (Hakenkreuz- oder schwarz-weiß-rote Fahne) beflaggen. Befloggung in den Frankfurter Farben (rot-weiß) ist anheimgegeben. Erlasse gleicher Art waren auch von den Polizeistellen anderer Stüdte wie München, Köthen und Stettin herausgegeben worden. Entgegen der von anderer Seite verbreiteten Nachricht von einer Aufhebung sind, wie das Geheime Staatsamt der Jüdischen Tclegraphenagentur mitteilt, die Erlasse, wonach die Beflaggung durch Juden in den Reichsfarben als unerwünscht bezeichnet wurde, auch weiterhin in Kraft. „Wir werden es dem Saarvolk Tagen" „Erkennet endlich Euren Felndl" Nürnberg. Am Tage der Rückkehr der Saar in dos Reich sprach Gauleiter Julius Streicher auf einer Kundgebung in Nürnberg. Nach dem Boricht der „Frfinkischcn Tngeszcitung" Bagte er u. a.: „Ich habe es am 13. Januar an dieser Stätte gesagt und Boge cb heute wieder: Es ist kein Zufall, daß man an die Spitze der Regierung im Saarland einen Angehörigen des jüdischen Volkes setzte, es ist kein Zufall, daß dem Juden Hcimburgcr dio Macht an der Saar gegeben wurde, es ist kein Zufall, daß man einen Juden auserschen hat als Sklavenhalter an der Saar. Er diente dem jüdischen Volk als Direktor der Regierung, die man dort schuf; er diento jenem Volke, das sich zum Ziele setzte, die Welt zu erobern und eine ewige jüdische Weltherrschaft aufzurichten . . . Wir worden es dem Saarvolk sagen — so wie wir es vierzehn Jahre lang dem deutschen Volke gesagt haben, und wie ich es in Nürnberg und Franken gesagt habe. Erkennet endlich Euren Feind! Wenn es in den heiligen Büchern geschrieben steht, daß der Kampfer von Nozarcth den Vater der Juden eis den Teufel orklflrtc, dann hoben wir die Pflicht, der Gegenwart das immer wieder zu sagen, daß auch wir das jüdische Volk als Tcufclsvolk erkannt haben. Wenn uhb der Mund verschlossen würde oder wenn die Bewegung, die den Sieg des Jahres 1933 errang, ablassen würde, der ganzen Welt immer wieder zu sagen, daß der Jude am Werke ist, um seine Weltherrschaft aufzurichten, dann wSro jener Sieg umsonst gewesen, und alle Siege der Zukunft würden umsonst sein. Ich erhielt vor oin paar Tagen — fuhr Gauleiter Streicher fort — von einem Franzoson einen Brief, in dem er uns anfleht, wir möchten doch nicht ublasscn von diesem Kampf . . . Würden wir einmal schweigen mÜB&cn, oder würde man das vorgesaen, was wir in diesen 15 Johren durch den ewigen Juden erduldet hatten, dann müßte man es bedauern, daß wir heute auf diesem lichtorfüllten Platz uns versammelt haben . . . Wir haben den Feind erkannt und wir werden ihn immer nennen und werden nicht lassen von ihm. Wir haben seine Festungen erobert, die er errichtet hatte auf Schleichwegen im Laufe der Jahrhunderte. Aber der Sieg würde den Keim des Untergänge« in Bich tragen, wciui wir ausruhen würden, wenn wir jetzt rasten oder vergessen würden." * Zu diesen Ausführungen weisen wir nur darauf hin, daß Heimburger, der Direktor der früheren Regicrungskommission dcB "Soargcbictes, weder Jude noch jüdischer Abstammung ist. Für die Staatsbürgerrechte Ein Aufsatz Adolf Bartels' im „Völkischen Beobachter" In einem „Reinliche Scheidung" überschriebenen Artikel beschäftigt sich Professor Adolf Bartels, der bekannte nationalsozialistische Literarhistoriker, im „Völkischen Beobachter" mit der Stellung der Juden in der Literatur. Er wendet sich dagegen, daß man Heinrieb Heine als den größten deutschen Lyriker nach oder gar mit Goethe und Franz Werfe) als den größten deutschen Dichter unserer Zeit hingestellt habe. Bei der rassischen Verschiedenheit von Deutschen und Juden könne ein Jude unmöglich deutscher Dichter sein. Professor Bartels kommt sodann auf die Schwierigkeiten zu sprechen, die einer Unterscheidimg der Juden von deutschen Dichtern im Wege stehen. Am Schluß seines Aufsatzes schreibt Professor Adolf Bartels: „Ich bin, ehrlich gestanden, nicht dafür, daß man den Juden ihre Staatsbürgerrechte wieder nimmt und sie neu in Ghettos sperrt — was auch wohl kaum durchführbar wflre —, aber für die- Herstellung der Judenkataster, d. h. der besonderen Verzeichnisse der jüdischen und jüdisch verheirateten TJinwohher jeder Stadt bin ich freilich, da ja die Juden doch nun einmal nicht Peutoche werden können und ihre Mischung mit Deutschen erschwert werden muß." „Staatsvojk" oder Gleichberechtigung . Wien. In den Pressemeldungen über die programmatischen Erklärungen des Bundeskanzlers Dr. Kurt Sefiuscbnigg in Paris ist ein Passus enthalten, der in jüdischen Kreisen Aufsehor erregt hat. Nach den Meldungen der der Regierung nahestehenden •Blatter soll der Bundeskanzler, als er den von "Dr. Dollfuß in Österreich begonnenen staatlichen Umbau erläuterte, u. q. gesagt hoben: ' ' „Dienotwendige Mitarbeit unseres Staatsvolkes an der Füh-- runc der Staatsgeschäfte war für ihn ebenso wie für uns als seine Nachfolger und Testamentsvollstrecker heilige Überzeugung'• Der Ausdruck „Staatsvolk" in diesem Zusammenhang wirkt befremdend, do. mjt dieser exeluaiven Formulierung in antiseinitischen Kreisen der Ausschluß der jüdischen Minderheit aus der staatsbürgerlichen Gleichheit und Vojlbcrechtiguhg propagiert yfmL So hat'erst vor wenigen Tagen der Präsident aes Verbandes der deutsch-arischen Rechtsanwälte erklärt, daa christlich-deutsche Volk sei in Osterreich dos Staatavölk' und habe daher allem alle Rechte, die sich aus dieser Stellung ergeben, Von.dieseni Standpunkte müsse bei der1 Behandlung der Frage des'Numerus clausus wie bei der' Änderung 'der 1 Rechtsanwaltsordnung ■ÖBerhäppt ''ausgegangen .werden. '" :-.'•:■•. .■:<. ■ v ■-W: " Es'-bieiht.inur' noch abzuwarten, obsich^ nicht fiei der-Obefc- . Setzung des in Wien noch nicht Vorliegenden authentischen französischen Textes der Erklärungen des• Bundeskanzlers «ine..stu''MiS> verst&ndnissen führende Unklarheit emgeschlichen-JiBt. . In ejnera telephpiuYchen 'Bericht der Mitfagszeitung „Telegraf' aus London heißt es, ein Mitglied der Österreichische^ Delegation habe einem Vertreter' des „Daily •Telegraph*' erklärt, dhß^*» ^.seitens der Regierung Schüschnigg Veine!piskriinina't^on der'' ö'ater're'ich'isphe.a Juden 'gebe.'V' T^;'*V>lcheh ' Blatte zufolge. Italien an dein Dinner, daa'der östorrelchiBche^G«}- Bandte''in'lindon,1 Bdrön'Frankenstain; zu'Ehren der österreichischen. Staatsmänner veranstaltete, außer den Mitgliedern des 'in>{5- Itschen Kabinitts,"u' b. atichLord Reaäing,,8ir Hi^rtSajnüel ^onta^e'lSpnnaÄ^ 'I'"'.' .' Konzert der Jüdilcheii Sängerknabeii " Die synagcgolc Praxis des Ostens kennt nicht den Chor als selbständiges Element des Gottesdienstes; der „Chasan'' als zentraler Träger der litur- Siachen Funktionen versammelt ort um sich 'eine Schur von „Meschorerim", zumeist jugendliche Sänger, die im engsten Kontakt mit ihm seinen Gesang responsorisch ablösen öder als „Bruinmsfimmen", also textlos,' harmonisch stützen,' somit «hj . Begleitipstniment ersetzen. 1 Erwjn Jospo mit seinen .„Jüdischen Sän'gflFkn au en"' knüpft an diese Praxis an, nimmt ihr aber das Iroprovisatorischo und paßt sie westlichen Begriffen an; es bleiht das engo Verhältnis zwischen Chor und . Chasan, dem auch in der räumlichen Aufstellung Rechnung getragen wurde. — Man hörte, einen in dieser Art gehaltenen - Lewandowski, ferner einen Behauen Satz von DunajeiyBky,' der überhaupt in diesem' Stil'wurielt.' : Gänzlich11 aus deni' Rahmen /fiel' aber ein' Satz des französischen Kantors Naumburg,dessen s^chtyf.Qp^rnstil . in, seinem krassen. ^ßyerh|Utnis' zum Charakter des Textes ein geraifezu.'.a^s^eejken^s'':fleispJfll afcsplut "imlitürgischer 'Haltung darstellt. Abzulehnen ist auch '^et leider in jjerlin^ 'eingeführte .sentimentale .,Majokpr" „yon ' Peh'feld. Der zweite Teil brachte U. a. einige von Jospe ausgezeichnet bearbeitete 'jüdische _ Yolk/jlieder, die' \yir/..hoffentlich in seinem' demnächst, erscheinenden Liederbuch für jüdische Schulen wiederfinden werden.- Als Chor . . . .. ^ufn.: Elms fipa. lieh aber schh^hte , Natürlichkeit des Ausdrucks : ergaben einen verheißungsvollen Anfa.ng; einzelne, kleine Solosänger weckten besonderes Entzücken, gleitend-spielte'Jospe einen für'Orgel bearbeiteten ■ Satz. des jüdischen. Frühbarockm.eisters Salompne Rpssi mit sicherer Technik und plastischer Gliederung; er zeigte ferner in einer Improvisation über einen „NiggunV seine Registrierkunst. Der mihnrkende Oberkantor Karl' N e u m a ri n vereinigt ein glanzvolles Organ mit echt " „chosonischer"' Vortragsweise. •*"'■' ■-■"■''■■■'' '! H,; Freyhan'. .'