Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 6 (6.2.1935)
- Date
- 1935-02-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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religiösen Hause in Deutschland aufgewachsen, ursprünglich seiner schönen Stimme wegen, zum Chasnn bestimmt war. ■ Die Verhältnisse hütten ihn jedoch mit den Eltern nach Amerika geführt, wo er einen neuen Lcbensbcruf ergreifen mußte. Stets aber habe er, wo er auch in der weiten Welt weilte, das alte Köffcrchen seines Vaters mit sich geführt, daB die Sabbatlcuchtcr, den silbernen Becher seiner Eltern, dio von dor Mutter gestickte Decke, das Hauskäppchcn und das Gebetbuch seines Vaters enthielt, die er auf allen Beinen Reisen mit 'sich fahrte. So halte er seine Freitagabendfeiern und damit die Erinnerung an seine 'seligen Eltern überall in der weiten Welt. Noch von Zauber dieser Sobbatfcicr innfangen, gingen wir in gehobener Stimmung auf Deck und ich bat meinen Freund, mir doch hier inmitten dieser zauberisch schönen Natur noch ein SabbatUcd zu singen. Er lioß sich nicht lange bitten. Mit seiner sympathischen Stimme setzte er ein, sang den uralten, mir seit meiner Kindheit vertrauten Lccho daudi. Feierlich klang die Melodie, über das schimmernde Eismeer. . Lange wechselten wir kein Wort. -Wir verstanden uns auch bo. Heimatklltngc waren es, die wir Juden alle verstehen, so weit wir.; auf dem Erdball zerstreut wohnen.; Heimatklungo inmitten der lachten nordischen Nacht, in gemeinsamem Erleben Frieden gebend, neuen Lebensmut und frohe Hoffnung wecken]]. das Quartett auch in der neuen Zusammensetzung sein altes Niveau; namentlich erscheint der Cellist als wertvoller Gewinn. Der Beifall war stark. -F. w. Der pO jährige Kreisler '. Am 2. Februar ist der Geiger' FVit.z Kr«iar'er'60 Jahre alt geworden. Seine Kunst, die Grazie und Empfindungstiefe mit subtilster Technik verbindet und ihn in der ganzen Welt zu einem stürmisch gefeierten Liebling des Publikums gemacht hat, ist jung geblieben. Ein unvergleichlicher Interpret der Werke Bachs, Beetbovens, Mendelssohns, Brahms' hat er auch die Violin-Literattir durch Bearbeitung klassischen Melodiehgutes bereichert. Von seineb eigenen Kompositionen sind die beiden Stücke „Liebesleid" und „Liebesfreud" besonders populär geworden. Im Dezember . 1932 wurde in seiner Vaterstadt Wien seine Operette. „Sissy" zur Uraufführung gebracht, die die Verlobung Franz Josefs mit der Wittelsbacher Prinzessin Elisabeth in idyllischer Form behandelt. Das Werk des fein empfindenden Musikers enthalt einen Reichtum an heiteren, eleganten,, bezaubernden Melodien. Dife Wiener Uraufführung ist übrigens noch dadurch bemerkenswert, daß sie Paula Wessely Gelegenheit zu ihrem Debüt in der Operette gab. Aber Kreisler ist nicht nur ein unvergleichlicher Künstler. Er ist auch ein vorbildlicher Philanthrop. Wie er wahrend - des Krieges in Amerika seine Kunst in den Dienst bedürftiger Landsleutä gestellt hat, so' hat . er auch, ab' er später wieder nach Deutschland kam, reichen Gewinn aus seinen Konzerten wohltätigen Zwecken zufließen lassen. Die Anekdote Die Begrüßung. Anläßlich eines Vortragsabends, den Meinhart. Maur am 13. Februar im Cafe Leon unter dem Titel „Ein Abend der Phahtosrik und des Humors" im Rohmen der Künstlerhilfe, veranstaltet, und bei dem er auch die beiden großen Humoristen Maro Twain und Scholem Alejcbem gegenüberstellt, wird uns folgende Anekdote mitgeteilt: Als Scholem Alejchem nach Amerika fuhr, empfing ihn an der Landungsbrücke in New-York im Namen der amerikanischen Literatur Mark Twain, der,' um ihn standesgemäß zu empfangen, zu diesem Zwecke ein paar Worte Jiddisch einstudiert hatte; mit mit dem Gruß: „Scholem Alejchem, jüdischer Mark' Twainl" Darauf Scholem . Alejchem: „AJejchem Scholem, amerikanischer Scholem Alejchem." . Ein neues Klavierquintett Erneft Blochs Das Frey-Quartett (Willy Frey, Basia Polischuk, Manuel Steuer, Stefan Auber), dem sich wieder Joseph Rosenstoek beigesellte, machte mit einem neuen Klavierauintett Ernest Blochs bekannt. An einen Musiker wie Bloch darf man schon einen strengen Maßstab anlegen, und da ist festzustellen, daß dem Willen zum Monumentalen und zu hochgespanntem Pathos nicht immer dio entsprechende Kraft der njelodischen Erfindung gegenübersteht. Dieses Quintett besitzt als Charakteristikum neben manchen orchestralen Wirkungen und vereinzelten Impressionismen wenigstens/ein straff rhythmisches Themenmaterial und eine gewisse Konstruktivitüt des Aufbaus, so daß eine ziemliche Geschlossenheit des Ganzen erzielt wird. Dennoch empfindet man immer wieder monotone Züge und auch Längen, besonders am Schluß des dritten Satzes, der an eich durch seinen ekstatischen Gnihdcharokter fesselt. Die Starke des zweiten Satzes liegt in der kräftigen Harmonik. Der Gesamteindruck bleibt zwiespältig, trotz der — von Rosenstock konzentriert geführten — ausgezeichneten Wiedergabe. . Am Anfang stand ein besinnlicher, in seinem Übergangsstil sehr interessanter Hnydn, dessen innerer Reichtum recht schön lebendig wurde; das Presto atmete sprühendes Temperament. Eine würdige Darstellung erfuhr auch Beethovens op. 59,3; nur wären noch kleine Härten im fortissimo abzustellen. Im übrigen wahrt Sturmann I Zodykow / Silbergleit Drei Lyriker lafen aus ihren Werken Kcino Abhandlungen über ihre Persönlichkeit, keine Einführung in ihre Werke, sondern sie selbBt — diese drei jüdischen Lyriker — legten durch den Vortrag ihrer Dichtungen im Kulturbund-Theater Zeugnis ab für ihre Berufung, den vielen jüdischen Menschen, die heute mehr denn je nach. geistiger Vertiefung suchen,' Wegweiser, Tröster und Freund für stille Stunden zu sein. Drei Dichter, nicht nur im Alter. verschieden, sondern verschieden auch in ihrer Gabe, das, was sie zu sagen, haben und was oft von dem' gleichen Leitgedanken getragen ist, sprachlich zu formen. (Wir brachten, in der vorigen Nummer .Gedichte von Manfred Sturmahn, Max Zodykow und Arthur Silbcrglcit. D. Red.) Zeitnah der Jüngste: Manfred Sturm ann, der durch die straffe, klare Gliederung seiner Worte das Auditorium zu. sich zu zwingen weiß, das Bich ihm gleich hei seinem ersten Gedicht „Das Bekenntnis" willig aufschließt. Aus Beiner mutigen, bestimmten Art, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, sie zu meistern, stolz darauf-süssem, „Kettenglied in der langen Reihe der Ahnen zu sein", springt der Funke zu den Hörern über, macht sie freier, fester, stärker. Sturmann las u. a. aus dem Gedichtband „Wunder der Erde" und Stellenaus dem Manuskript des „Jungen David". Er war seinen Werken ein guter Interpret, unpathetisch, einfach, natürlich. Max Zodykow, der das schwer© Los des Blinden trjgt, unterliegt naturgemäß anderen Bindungen, Eindrücken, Eindrücken; die wir Sehenden nicht sehen, nicht fühlen, kaum ahnen können, die so subtil, so, zart sind,, daß uns ihre Vermittlung zutiefst erschüttert. In seiner Sammlung „Stimmen aus dem Dunkel" („Beim Passieren eines Straßenbahndamms", „Zufall Frau, wer rief Dich?1', „Du bist", „Mensch im Narrenkostüm", „Erinnerungen eines -Spozierstocks") spiegelt sich die seelische Größe eines-Menschen, der Herr über Bein tragisches Schicksal geworden ist. Aub dem „Fünften Brief an dio Mutter" — die Erzählung eines Traumes, in dem Mutter und Sohn immer auf der Wanderschaft sind und dennoch in allem Gottes Wille sehen „Wir sind die Experimente seiner Weisheit, zwei Pferde Gottes, zwei Pferde des Lebens, die ihren Schicksalswagcn nach sich ziehen" — spricht die unendlicho; Weite seiner Empfindungen, die Gottergebenheit, dio alle Heimsuchungen überwindet. Biblische Gedichte, von denen wir;,jAn :unsere. Brüder in . Israel" veröffentlichten, beendeten seinen Vortrag.- . Arthur Silber gleit, der Nestor und. bekannteste dieser drei Lyriker, sprach-aus seinem Band „Das Füllhorn Gottes", uub „Orpheus";, er machte neben Gedichten mit seinen Proso-Lcgendcn bekannt, „Harfe der Nocht", „Das Hochzeitsfest dcB Hohcpriestets", ,;Das Schiff des ewigen Lebens", „Der sieboharmige ' Leuchter"j,;;,Höre, IsrJUjl" us^i" die die -.Zuhörer stark beeindruckten. Einwertvoller Abend, - der über wertvolles jüdisches Schaffen Aufschluß gab. H.H. Die Tragödin / Von ALICE STEIN-LANDESMANN Die alte Dame holte tief Atem: „Herr Sekretär —", sagte sie und gab ihrer Stimme den eindringlichen Ton, der ihr noch immer zu Gebote stand, „Sie werden meinen Namen kennen — ich bin Ottilie Kempner — — nun, Sie sind zwar noch jung, aber immerhin — ich nehme an, Sie hoben die „Jungfrau" seinerzeit gesehen?" Lachmann verbeugte sich leicht vor der hageren aufrechten Gestalt: „Ich war damals Schüler, gnädige Frau! Ich entsinne mich mit Freude--ich ging immer auf den Olymp, wenn Sie auftraten — — „Iphigenie" und „Braut von Messina" —." Das feine, verrunzelte Gesicht überzog sich mit Röte: „Sie haben mich in meinen Glanzrollen gesehen — das ist schönt Um so besser; dann kann ich mich kurz fassen! Es handelt sich um folgendes: Ich habe mich entschlossen, zur Bühne zurückzukehren. Jawohl, ich habe den Schritt wohlüberlegt. Ich werde Mutterrollen spielen, natürlich. Ich habe lange pausiert. Jetzt bin ich 72 Jahre — ober das ist kein Alter für eine Künstlerin, nicht wahr?" Lachmann Buchte noch Worten; er hörte aufmerksam zu und entschied Bich dafür, zu Bchweigen. „Notieren Sie bilto mein Repertoire, Herr Sekretär. Do wäre zuerst die Amme in „Romeo und Julia", dann die Kennedy in „Maria Stuart''--" „Verzeihung, Frau Kempner. Wir sind leider vorläufig 'r nicht in der Lage, Klassiker herauszubringen—" „Warum nicht?" fragte die Kempner streng. „Was könnte uns stärker, erbauen als die Werke der Großen?" Lachmann zuckte die Achseln: „Die Zeiten sind hart, wir müssen uns einschränken. Es stehen uns nur private Mittel zur Verfügung." Die Kempner nickte: „Ich verstehe, man muß also Kon- - Zessionen machen: So werde ich mich entschließen, in modernen Stücken aufzutreten. Ich habe: Ihren Spielplan nicht verfolgt, Herr Sekretär — es ist kein Mangel an Interesse, ober die neueren Sachen liegen mir fern." „Ich begreife vollkommen —", sagte Lachmann und warf einen Blick auf die Uhr. „Sie können sich ja in Ruhe überlegen, was für Sie in Betracht kommt, verehrte gnädige Frau. Wir haben ohnehin im Augenblick keine Vakanz--." ' „Kein überflüssiger Aufschuh, wenn ich bitten darfl" rief die alte Frau. „Ich würde auch im Notfall die alte. Wittichcn in der „Versunkenen Glocke" übernehmen." Lachmann stand auf:„Ich werde mir Ihre Adresse notieren", sagte er. 1 „Sie haben mich unterbrochen", tadelte die Kempner mit einem Lächeln, das noch immer voller Reiz. war. „Ich gebe zu, das Tempo d 0f etztzeit ist mir zu hastig —." „Wir sind tatsächlich etwas pressiert", murmelte Lachmann und rückte nervös an den Heften und Akten, dio den Schreibtisch bedeckten. „Dann notieren Sie bitte —", diktierte die alte Frau. ,,1m Augenblick haben wir kein Telefon. Sie müssen mir schreiben: Frau Hofschauspielerin Ottilie Kempner, . Berlin NW, Turmstraße 244, Seitenflügel, 3 Treppen. Ich wohne "nämlich bei meiner Tochter. Notieren Sie, bei Frau-,Tausaig. Momentan ist mein Schwiegersohn ohne Tätigkeit. Sie verstehen, vorübergehend!- Er ist abgebaut, ja. Wir richten uns deshalb für eine 'Weilel etwas einfacher ein. Früher wohnte ich in der Itoonstroße, hatte sechs Zimmer. Nun, das sind Äußerlichkeiten, man darf sie nicht zu wichtig nehmen. Aber ich würde mich freuen, meinen Kindern die augenblicklichen Schwierigkeiten etwas zu erleichtern. Es sind brave Kinder. Mein Schwiegersohn ist zwar ein völlig amusischer Mensch. Er war Beamter, sehr fleißig und gediegen. Er ist bcc-rückt, wissen Sie — —." , ,',Ich habe alles genau vorgemerkt, gnädige Frau." Die alte Tragödin stand kerzengerade da: „übrigens würde ich für's Erste' auch kleinere' Rollen übernehmen. Sie brauchen nicht zu fürchten, Herr Sekretär, daß, ich .den üblen Primadonnen-Wahnsinn habe. Man soll mich auch in unbedeutenden Aufgaben am Platze finden — auch in Nebehrollen kann man sich als künstlerisch erweisen 1" „Sie haben Recht, ich bin im Bilde, Frau Kempner]", stammelte Lachmann. Er beugte sich Über den grauen,, gestopften Zwirnhandschuh. „Erlauben Sie mir, Ihnen zu danken __>t - - „Wofür?" fragte die Kempner stolz. ' „Für die unvergeßlichen Eindrücke meiner Jugend I", sagte Lachmann. - Der Weißhaarige Frauenkopf senkte sich mit ungcspieltor Würde; unter dem veralteten Hütchen: „Es waren große Zeiten, Herr Sekretär", erwiderte die alte Frau. „Man lebte für die Kunst, und man wurde dafür belohnt!" Lachmann öffneto schweigend die Türe vor ihr. Sie ging durch den Wartcraum, ohne sich umzusehen. Eine ältere Dame sprang auf und eilte der Kempner nach. Sie rief sie' an: „Erkennen Sie mich nicht mehr, liebste Frau Kempner? Ich bin doch Rose Baum, Ihre alte Schülerini Und heute sitze ich hier, um für meine Tochter etwas zu erreichen I" Die Angerufene blieb stehen: „Warten Sic, meine Liebe — aber ja — ich entsinne mich sehr gut. Sie waren talentiert---. Ich wünsche Ihnen recht schönen Erfolg! Ich bin eilig. Rollenstudium — Sie begreifen — —." „Wer war denn diese Urahne?" fragte ein junges Mädchen und puderte sich die Nase. Niemand antwortete. Niemand interessierte sich länger als eine Sekunde dafür--—. Ottilie Kempner hatte die Straße, erreicht und mußte plötzlich' anhalten. „Diese Herbstluft hat etwas Beklemmendes—", dachte sie und atmete mühsam. „Trotzdem werde ich zu Fuß nach Hause gehen. Man .muß sich gelenkig erhalten, —.—I"______......________... , Ein Beruf für die Jugend In letzter Zeit wurde vielfach darüber geklagt, daß nur wenige jüdische Krankenschwestern zur Verfügung stehen. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, daß sich einerseits immer weniger junge Mädchen finden, die die- Eignung für diesen aufopferungsvollen, entsagungsvollen Beruf haben und Neigung verspüren, ihn zu ergreifen, und daß andererseits viele Krankenschwestern durch Fortbildung Oberin oder Wohlfahrtspflegerin geworden und in der Wohlfahrtspflege tätig Bind. So bedauerlich diese Tatsache für die Pflege der Kranken und die eventuell dadurch überlasteten Kolleginnen ist, so erfreulich ist sie, wenn man sie vom wirtschaftspolitischen Gesichtspunkt aus betrachtet. Einmal läßt sie erkennen, daß der größte Teil der entlassenen angestellten und beamteten jüdischen Krankenschwestern der städtischen, staatlichen und privaten Krankenanstalten wieder Arbeit gefunden hat. Ferner kann der Arbeitsmarkt dadurch entlastet werden, daß Wohlfohrts- Pflegerinnen mit krankenpflegerischer Vorbildung Stellungen ob Krankenschwester vermittelt werden. Aber nicht nur für die jüdische Arbeitsvermittlung dürfte diese Tatsache von Bedeutung sein, sondern auch für die Berufsberatung und dio Zukunft der jüdischen Jugend. Der Krankcn- Bflogeberuf kommt vor allem für die Jugend, die.in 'eutschland bleiben möcht'e, in Frage. In Palästina wird man ihn nur ausüben können, wenn man besonders gute hebräische Sprachkehn wisse besitzt. Wie yielo Eltern erleben; die schwersten Stunden,, wenn an sie die Frage der: Berufsontscheidung für ihren Jungen oder ihr Mädel mit mittlerer oder höherer Schulbildung herantritt t Vielleicht finden sich unter ihren Kindern doch Menschen, die dio Eignung und Neigung besitzen, die dieser Beruf erfordert; nur bleibt zu beachten, daß man ein bestimmtes Alter erreicht haben muß, um diesen Beruf crgTcifen zu können. - - Ich möchte besonders darauf'hinweisen, daß der . Beruf nicht nur von weiblichen, .sondern auch von männlichen Personen ergriffer. werden kann, (Beweis: An städtischen Krankenhäusern sind auch männliche. Krankenpfleger angestellt),' und daß sich vielleicht einige von den Menschen dafür eignen werden, die den Beruf des Arztes oder des Wohlfahrtspflegers' (-Volkgpflegers, Fürsorgers) ergreifen' möchten und nicht mehr ergreifen können. Auf Männerstationen von jüdischen Kranken- und Siechenhäusern sowie bei der Pflege von Männern in Privathaushaltungeh können Krankenpfleger oft angebrachter sein als Schwestern. Auch die Leiter und Leiterinnen der jüdischen Altersheime und anderer Heime mit männlichen Insassen wurden sich freuen, wenn ihnen Krankenpfleger als Angestellte des betreffenden Heimes zur Seite stehen würden. Jedoch jeder junge Mensch hofft natürlich bei der Berufswahl, später einmal selbständig werden zu können, und darum wird der Beruf des Krankenpflegers nicht »ehr beliebt sein. Versteht er es jedoch, sich in oder nach mehrjähriger Praxis zusätzlich soziale, pädagogische, yerwaltungstechnische und evtl. handwerksmäßige Kenntnisse anzueignen, so ist auch der Beruf des Krankenpflegers für geeignete Persönlichkeiten nicht ohne ZukunftsauBsichten. Ausbildungslehrgange für Oberinnen und für männliche Leiter von Anstalten könnten nach Bedarf eingerichtet werden. Doch nur wer es fertig bekommt, jahrelang auch die primitivsten Arbeiten auszuführen und seiner seelischen Einstellung nach zu dienen, kann damit rechnen, Später einmal eine leitende Stellung einzunehmen. Der Krankenpflegeberuf entspricht den ethischen Grundsätzen der jüdischen Religion und dürfte zugleich ein Beruf sein, der der Umschichtungstendenz der Jugend für Deutschland entspricht und praktische Fähigkeiten und Arbeiten erfordert, ohne die geistige Ausbildung zu vernachlässigen. Das Werk der praktischen Nächstenliebe in,Deutschland ist ein Ziel für die jüdische Jugend, für das es sich lohnt, zu lernen und zu arbeiten. Kütho Kaufmann.