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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-01-30 · 5 (30.1.1935) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
5 (30.1.1935)
Date
1935-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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BERLIN 30. Januar193S E^dii^eHjliihmli PREIS 25 PF. Nr. S / 15. Jahrgang JUDISCHE AllGEMEME 8ohrlft!eltnng und Geschäftsstelle: Berlin W 16, tjhlandatr. 168. Femruf: V J2 Oliva 6968. Bankkonto: Kreditverein für Handel und Geworba eQmbH, ■ Berlin K 24. — Bezugspreis: BM. 1,— monatlloh (intttgl. KM. 0,10; Zeitnngsgebuhr and Bastellgeld'), bei Stretfbaodversand «niOgl. RH. 030. ^7^- J&hia M i 1, tf Vorlog: Vorlagsgonossensahaft in Deutschland ana&Migcr Juden tu Berlin oGmbH., Berlin W IG, Uhlondatr. 168. Anceigenprotso: Die 12«aapalteae mm-Zeilo Rif. 0,15, /. YAmiUoaantelgen RÄT. 0,10, t Stelionarcaaohe HM« 0,03. Bei unverschuldeter Nlohtbotfefetnna beisteht kein Anspruch auf VenrÜtung. NEUE FOLGE f ■i JJODIS C H - LIBERALEM ZEITUNG Die Ehre der deutschen Juden Feierlicher Proteil der Reichsvertretnng Die Reichsvertretung der deutsehen Juden ubergibt uns folgende Erklärung i Auch dos überwältigende Ergebnis der Saar- Abstimmuflg hat,.zu unserem schmerzlichen Bedauern dem Gauleiter Julius Streicher dazu gedient, in einer Rede in Nürnberg uns Juden zu diffamieren. Er tat dies mit folgenden Worten: „Der Jude Matz Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurückkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie: Ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörsc glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volke genommen werden. Jawohl, wollon wir nie vergessen: Ein Jude stand an der Spitze der Schande, die wir erlebten." Demgegenüber erklären wir: Dies ist nicht wahr und stellen fest: Max Braun ist weder Jude noch jüdischer Abstammung. In derselben Rede hat der Gauleiter Streicher Dr. Walter Rathenau die Worte in den Mund gelegt: „300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut ,verbu*i<en.sind, regieren die1Ge8eMskeder..Wclt," Demgegenüber -stellen wir fest: Die Äußerung Rathenaus (in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit", Berlin 1912, Seite 206) lautet: „300 Münner, von denen jeder jeden kennt, leiten die Wirtschaftsgesehicke der Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung." Die Worte „durch das Blut verbunden" hat Rathenau nicht gebraucht. Wann endlich werden solche, uns tief verletzenden Ausstreuungen ein Ende nehmen? I Zur Wahrung unserer Ehre bleibt uns nichts als feierlicher Protest! Die Reichsvertretung der deutschen Juden Baeck. Hirsch. Feßgruß von außen Ungarischer BiBchof huldigt dem Geist des Judentums Budapest. Anlaßlich des 25jährigen Jubiläums der ungarischjüdischen Zeitschrift für Kunst und Kultur „Mulf e"s Jävfl" (Vergangenheit und Zukunft) hat der reformierte Bischof und Mitglied des ungarischen Oberhauses, Dr. Desider B a 11 u z e r , der wiederholt, in öffentlichen Kundgebungen für den Gedanken des konfessionellen und Völkerfriedens eingetreten ist, an die Jubilüuins- Versammlung einen „Festgruß vön außen" gesandt, in dem es u. a. heißt:; '. . „Die Wahrheiten sind nicht dazu da, um, in Paragraphen, gefaßt, würdovoll in ein Museum der. Wer^phätzung eingereiht zu werden, sondern dazu, daß sich in ihnen die mcnschliclio Seile' immer mit Gott begegne, der seine Gnade und Hoffnung, der Mensch werde sich einst doch itach Beinern Antlitz bilden, nicht verlieren konnte. Sie sind bestimmt, nicht nur ihre Gültigkeit unverändert zu bewahren, sondern der Menschheit zum Segen zu werden. Inbegriff alles Segens aber ist der Friede. Wahrheit und Friede sind nicht in die Hohen des siebenten Himmels verbannte Hoffnung8gebildc,' sondern Kräfte, die sich hienieden bewähren sollen. Dies ist die Sehnsucht der i Zukunft, das Gebet, die Hoffnung jeder edlen Seele. Und es ist das Verdienst des jüdischen Geistes, daß er die Wirklichkeit dieser Zukunft durch daB Beispiel der Vergangenheit unterstützt. Die von Gott ^gutgeheißene Zeugen Schaft der jüdischen GcBchichte besagt, daß es schon einmal ein Land der Wahrheit, ein Reich des Friedens' gab. Der Fürst dieses Landes, der König dieses Reiches war Abraham, Erbe und Vererbender der Verheißung, die die Erde mit 'dem Himmel verbindet Er ist der mit dem Strahlenglanz des ewigen Lichtes gekrönte König, in dem auch wir das Vorbild des Messias sehen. Möge „Mult e"s Jövö" auch weiterhin diesem König Untertanendienste leisten, von dem auch ich die (Forderung des auf den Sieg der Wahrheit gegründeten Friedens Übernommen habe. Darum kann ich Zielsetzung, Adel, Segen und Ergebnisse des jüdischen Geistes werten und schätzen. Diese Ergebnisse werden stets über den' düsteren Fluten der Mißverständnisse, Anschuldigungen und Gehässigkeiten emporleuchten wie ein Leuchtturm über stür- ' menden Meeren." Rande Europas Budapefter Eindrücke Von MARGARETE GOLDSTEIN-BERLIN Zu welcher Jahreszeit auch immer es sei: Es ist eine Freude, nach Budapest zu kommen, mit seinem breit dahinfließenden Strom, den weit ausschwingenden Bergen und Hügeln, der herrlichen Burg; es ist schön, die Straßen zu durchwandern, mit ihrem intensiven Leben und Treiben, den bunten Trachten, den Läden mit ihren vielfältigen und eleganten Auslagen. Man ist am Rande Europas und doch mitten darint Geistigkeit und Bildung, Aufgeschlossenheit und Interessen sind nirgends stärker. Nirgends ist man aufnahmebereiter und dankbarer für Anregungen und neue Gedanken. Auch das jüdisch-religiöse Leben pulsiert hier sehr lebendig. Außer in den orthodoxen Tempeln hat es vor allem seine Stätte in der Synagoge der Neologen-Gemeinde in der Tabakgasse. Der Heldentempel Dort, in dem großen Häuserkomplex:, der neben der sehr geräumigen Synagoge das[ jüdische .Museum umschließt, befindet sich auch eines der eindrucksvollsten Kriegs-Ehrenmäler,, die ich gesehen habe: Der Heldentempel, den im Weltkrieg gefallenen Söhnen der Budapester jüdischen Gemeinde geweiht. Es ist ein in seinen Maaßen und Formen architektonisch vollendet schöner, nicht sehr großer Bau, über dem ehrfurchtsvolle Stimmung liegt. Diesem Ehrenmal kann ich an sinnvoller Schönheit nur den Heldenhain eines kleinen Dörfchens am Corner See an die Seite stellen, wo jedem gefallenen Sohne der Gemeinde eine Zypresse gepflanzt wurde, die auf einem Schilde seinen Namen trägt. Diese kleine Synagoge in der Tabakgasse, „Der Heldentempel", wird nur zu gelegentlichen gottesdienstlichen Handlungen geöffnet, ■ während im großen Tempel dort, der weit über 1000 Sitze hat, am Sabbat viele Hunderte, an Feiertagen (meist in drei, aufeinanderfolgenden Gottesdiensten) mehrere tausend neologischer Juden sich versammeln. Und dennoch vermag sie nicht all jene zu umfassen, die nach wahrhaft religiös-fortschrittlichem Judentum sich sehnen. Eine Schar solcher Menschen haben sich gerade vor einem Jahre zusammengefunden und eine „Religiöse Vereinigung Jesaja" gegründet, — Menschen, die iht Judentum wieder leben und erleben, die auf religiös-fortschrittlicher Basis wieder Juden sein wollen. Ich hatte von der „World Union for Progressive Judaism" seinerzeit die schöne Mission, bei der Gründung ' mitwirken und bei der ■ Konsolidierung der Vereinigung: zugegen sein zu dürfen. Gottesdienit Im Privathaufc Als ich vor kurzem, auf Einladung der dortigen Freunde, wieder in Budapest weilte, konnte ich mich vom Wachsen der Gruppe und ihrer inneren Entwicklung freudig überzeugen. Diese zwanglose Vereinigung setzt sich hauptsächlich aus Männern und Frauen zusammen, die im wirtschaftlichen und geistigen Leben führend sind. Teils sind es Persönlichkeiten mit alter jüdisch-religiöser Tradition, wie der führende Geist und Organisator des Ganzen, Dr. Ernst Namenyi, — ein Enkel des Rabbiners Kayserling und Urenkel von Ludwig Philippsoni Neben dem feingeistigen Rechtsanwalt Dr. Neugröschel, der vor allem unter der Jugend viele Anhänger hat, nenne ich drei Söhne dreier Väter, deren Namen ini wissenschaftlichen und religiösen jüdischen Leben ihrer Vaterstadt — und' weit über die Grenzen hinaus — besonderen Klang haben. Es sind dies: Professor Karl Goldzieher, Dr. Bacher und Dr. Blau. Auch sie suchen in der Budapester Gruppe jene religiöse 'Erfüllung, "die" sie" in anderen jüdischen Gemeinschaften bisner vergebens gesucht haben. Neben einzelnen Festtagsgottesdiensten finden einmal im Monat Freitag-Abendgottesdienste statt, die vorerst noch in einem Privathause abgehalten werden und von großer Würde und innerer Geschlossenheit sind. Die ungarische Landessprache nimmt die führende Rolle ein bei der Toravorlesung, selbstverständlich bei der Predigt und ebenso bei dem für jeden Gottesdienst eigens zusammengestellten Gebet. Dazwischen singt ein Frauenchor das Schema und das Kodausch; Harmonium- und Cellovortrflge bringen traditionell ehrwürdige Weisen zu Gehör. Als ich bei dem letzten Gottesdienst dort die Predigt hielt, reichten, wie bei den meisten Zusammenkünften der Gruppe, die Räume kaum aus, um die große Schar der Freunde zu fassen. Wie für den Sabbat geworben wird Die Vereinigung, die ganz lose gefügt ist, umfaßt 250—300 „Freunde'', die zwar nicht regelmäßig Mitgliedsbeiträge zahlen, aber gerne opfern, um die entstehenden Unkosten zu decken, sei es am Ende jeder Veranstaltung, wenn der Klingelbeutel herumgeht, sei es in Form von Sonderspenden. Von Zeit zu Zeit werden kleine besonders gut ausgestattete Werbe- Broschüren veröffentlicht, meist Ansprachen, die bei den Gottesdiensten gehalten wurden:' U. a' wird auch „Juden nicht erwimfeht!" Die erneuerten Schilder von Sehmitten Der bekannte Luftkur- und Ausflügsort Schmitten im Taunus hatte im vergangenen Jahr an den Ortseingängen Schilder mit der Inschrift „Juden sind hier nicht erwünscht" anbringen lassen. In einem Bericht, des „Völkischen Beobachter" wird nun beanstandet, daß der Versuch gemacht werde, diese Schilder zu zerstören. Die Schilder seien erneuert worden. Schmitten wünsche keine Juden, und danach habe sich jeder .zu richten; Der Bericht des „Völkischen Beobachter" hat folgenden Wortlaut: ' . .•■'■■„ „Schmitten im Taunus ist als eines der idyllischsten Fleckchen Erde unseres an* Naturqchönheiten nicht armen Gaues bekannt. Selbstverständlich war dies Voraussetzung dazu, daß dieser reizende Platz bald ein zweites Jerusalem geworden war. Das Gemauschel in Schmitten war unerträglich geworden. Schon im Sommer 1934 sah sich der Stützpunkt Sclimitten der NSDAP, veranlaßt, den ungeheuren Judenandrang nach dem schönen Luftkurort zu unterbinden. Es wurden Schilder angebracht: „Juden sind hier nicht erwünscht", die auch ihre Wirkung nicht verfehlten. Unglaublich aber wahr ist es, daß es noch' sogen, deutsche Volksgenossen gibt, die sich bemüßigt fühlen, gegen den gesunden Instinkt der Bevölkerung anzugehen und den Versuch zu machen, die angebrachten Schilder zu - zerstören. Nunmehr wurden die Schilder erneuert und sind in der Lage, jedem Ansturm verkommener Trottel und Judenknechte - standzuhalten. Deutscho Schlosser-Werkmannsarbeit ist nicht so leicht kaputtzumachen. Schmitten wünscht keine Juden und danach hat sich jeder zu richten. Die Schönheiten' Deutschlands gehören zu allererst den Bruder« gleichen Blute*, vor allem aber den Arbeitern unseres Volkes und nicht den Schmarotzern." . Hochzeit im Parifer Hans Kothfcfaild Die Braut zum Judentum Obergetreten Paris. Baron Philippe, de Rothschild, Sohn des Barons Henri de Rothschild, hat sich' mit der Gräfin Elisabeth de Ghambure vermählt. Dio Trauung wurde durch den Großrabbiner von Paris , vollzogen. Da nach der Tradition der Familie Rothschild die Söhne nur Jüdinnen, hei raten dürfeu( ist die dem'hohen christlichen -Adel angehörende Braut vor der Trauung zum Judentum übergetreten. Trauzeugen waren für den jungen Ehemann Baron Edouard und Baron James de Rothschild, für die junge Frau Graf Gerard de Chambure und Dr. Leon Zadoc-Kohn. Baron Philippe de Rpthsthild ist ein bekannter Schriftsteller und Forechungsreisender, auch ein glänzender Sports-, i-^^J^K '>->-, »A" i' '&&^'«k;,. v-W^fi'^A^^ifM

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